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Naischas Reitschuleröffnung

Verfasst: Donnerstag 15. Oktober 2009, 18:29
von Naischa
Naischa wuselte schon früh morgends durch die Gegend. Ihr Eröffnungsfest kam immer näher.

Tische, Bänke, Heu und Dekoration hatte sie vorweg schon besorgt. Natürlich nur ausgeborgt, weil leisten konnte sie sich das ganze Zeug nicht. Noch nicht. So viel musste geplant werden, doch den Lageplan für die Dinge hatte sie schon im Kopf und Pergus auf ein Pergament gezeichnet, damit auch er verstand, wie alles aussehen soll.

Die Eisfiguren sollten auch noch kommen, doch erst am Tag des Festes. Die hatte sie aus einer ganz kalten gegend besorgt, zumindestens das Eis, und ein Schreiner war dann so lieb ihr zuzusichern, aus diesen Blöcken Pferde zu hauen.

Pergus schlief noch in seiner gewohnten Ecke. Doch er tat Nai leid und sie legte ihm Felle über den Köprer, damit er nicht fror, denn so warm, wie er immer tat, war es nicht mehr.

Also schlich sie immer wieder mit den Tischen aus dem Haus und stelle diese erstmal in den Garten, genauso die Bänke, das Heu und sonstige Dinge, die sie extra besorgt hatte.

„Wie soll ich das alles nur schaffen?“ seufzte sie leise, damit sie Pergus nicht weckte, doch dieser erwachte und blickte mit eingezogenem Kopf Arbeit riechend auf einen Berg von Tischen und sonnstigen Dingen.

„Was hast du den vor?“ fragte er sie und lugte verschlafen unter den Fellen hervor.

„Bald ist das Fest und ich muss doch aufbauen. Sonst schaff ich das nicht. Ich muss doch mit Falkon auch noch üben.“ Ihre Stimme klang leicht verzeifelt nervös und müde.

„Nai, das schafen wir, ich helf dir. Ist zwar Arbeit, aber das geht schon irgendwie“, sprach er müde, aber dennoch beruhigend.

Und so begannen die Zwei, das Fest aufzubauen, platzierten die Tische, die Bänke, die Lampen und viele andere Kleinigkeiten. Auch das Viereck, das sie sich gewünscht hatte, stellten sie auf und ein Holzarbeiter brachte das Holz für das große Feuer. Auch dieser packte an, als er das Kind und den zart gebauten Mann sah und dass noch viel zu tun war. Er baute ein kleines Podest für die Ansprachen, womit Nai wirklich nicht gerechnet hatte. Sie hatte befürchtet, selbst den Hammer schwingen zu müssen, um dieses zu bauen und dann wäre es möglich gewesen, dass es irgend wann während der Rede zusammen brach, denn sie konnte gar nicht mit Hammer und Nagel umgehen.

Als alles aufgebaut war, begann sie mit ihrer letzen Kraft die Tische zu dekoriern. Sie legte Hufeisen auf die Tische, worauf sie jeweils einen Stumpen Kerze steckte. Dazu noch ein bisschen etwas Grünes, damit es nicht ganz so fahl wirkte und Pergus verteilte Heu auf den Bänken, damit die Festgesellschaft weich sitzen konnte.

Als dann das Podest fertig gebaut war und die Sonne ihren Tag beendete waren Pergus und Nai müde. Mit einigen Stücken trockenem Pökelfleisch in den Händen, das sie sich auf dem Weg dorthin in den Mund schoben, wankten ins Bett und schliefen voll der Hoffnung ein, dass das Fest ruhig und fröhlich abgehen würde.

Verfasst: Donnerstag 15. Oktober 2009, 22:51
von Pergus Fadel
So viel Arbeit, die das Fest machte! Pergus stöhnte nur noch unter den heftigen körperlichen Schmerzen, die ihm die ungewohnten Anstrengungen verursachten. Immer wieder ertappte er sich, wie seine Augen nach einem Fluchtweg suchten, doch riss er sich zusammen. Zu oft hatte ihn Naischa einen faulen Hund geschimpft. Diesmal wollte er durchhalten.

Als Nai tief und fest schlief, schlich Pergus noch einmal aus dem Haus, eine ganze Menge seiner Farbtöpfe in den Armen. Er wollte Nai noch eine kleine zusätzliche Freude bereiten, setzte sich ins Gras und begann, all die vielen Laternen bunt anzumalen.
Die letzte behielt er in der Hand, drehte noch einmal eine Runde über das Gelände, rückte da ein Teil zurecht, schob dort einen Strohballen mehr auf die Seite. Schön war es geworden. Der Schweiß, der ihnen beim Aufbau und bei den Vorbereitungen von der Stirn geflossen war und ihre Gewandungen durchtränkt hatte, hatte sich wahrlich gelohnt.

Verfasst: Freitag 16. Oktober 2009, 19:02
von Naischa
Als Naischa am nächsten Tag erwachte und aus dem Haus ging, um sich um ihre Tiere zu kümmern, schweifte ihr Blick über das Festgelände. „Nein, das kann doch nicht sein!“ sprach sie leise vor lauter Staunen.

Sie suchte nach Pergus und fand ihn auch, angepatzt mit Farbflecken im Gesicht, Haut und Haar. Sie schmunzelte, zischte in die Küche und machte ein großes Frühstück. Dieses stellte sie ihm ihn und auf ein Pergament schrieb sie nur das Wort: „Danke“.

Mit Freudentränen in den Augen setzte sie sich auf eine der strohgedeckten Bänke und blickte sich einfach nur um.

„Ja bald ist es so weit.“

Verfasst: Sonntag 18. Oktober 2009, 06:36
von Pergus Fadel
Es war ein wahrlich fantastisches Fest gewesen. Pergus war glücklich, dass alles so glatt abgegangen war. Er hatte es doch tatsächlich geschafft, sich vor aller Arbeit zu drücken. Freilich hatte er Holz aus dem Wald geholt und selbstverständlich war er zu seinem ... äh ... bei Naischas großem Auftritt, der Vorführung Falkons, hab'dacht gestanden und hatte genau im richtigen Augenblick das Feuer zur Feuertaufe entzündet.

Natürlich hatte er alles beobachtet - aus seinem Versteck heraus, den nahen Bäumen des Waldes. Er wäre sofort bereit gewesen, einzugreifen, wenn dieser seltsame Kerl in der dunklen Kutte tatsächlich maßgeblich das Fest gestört hätte. Doch waren genug Krieger und Gerüstete da, die das viel besser als er konnten und seine Mithilfe nicht nötig machten.

Als die letzten Gäste das Fest verlassen hatten, traute er sich auf den Festplatz. Naischa war ebenfalls sehr glücklich, aber todmüde. Völlig entkräftet blickte sie auf all die Bänke, Laternen, Tische, Heu- und Strohballen und all das andere, was es nun wegzuräumen galt. Er musste sich eingestehen, dass sie ihm sehr leid tat.

Wie gut nun, dass er sich während dem Fest ausgiebig ausgeruht hatte. Also krempelte er die Ärmel auf und ging - im wahrsten Sinne des Wortes - frisch ans Werk. Er schleppte und schleppte, bis sein Gewand völlig durchschwitzt war. Auch Naischa half noch tatkräftig mit, obwohl ihr das mit ihrer steifen linken Hand viel schwerer fiel als ihm. Dennoch schafften sie es, in jener Nacht noch alles ins Haus zu schleppen und zu verstauen. Nur die blauen und gelben Laternen auf der Hecke, die Farben der Reitschule, ließen sie stehen.

Naischa konnte schon nicht mehr gerade stehen vor lauter Müdigkeit, trotzdem schleppte sie noch die Fahne an, die sie geschenkt bekommen hatte.
"Pergus, hängst du mir die bitte noch auf? Sie ist soooo schön!" Zwei große, kindliche Kulleraugen blickten ihn flehend an, da konnte er nicht nein sagen.
Gemeinsam suchten sie einen Platz aus. Gut sichtbar sollte sie sein.
Sie wählten den Pfosten vor der Eingangstür und Pergus raffte seine letzten Kräfte zusammen, um die Halterung anzuschlagen und die Fahne zu hissen.

Nun war Naischas Glück vollkommen, denn so eine Fahne, die sie an den hohen Herrschaftshäusern gesehen hatte, hatte sie sich schon lange gewünscht.

Verfasst: Sonntag 18. Oktober 2009, 11:19
von Norah Birnbaum
Eigentlich hatte das Fest für sie so wunderschön angefangen, als hätte man ihr ein weiteres Stück Zauber und Märchen gegönnt. Ds Fräulein Naischa entpuppte sich als junges Mädchen - sicher kein kleines Kind mehr, allein was ihre sehr resolute Art und das selbstbewusste Auftreten verriet, aber eben doch noch keine Erwachsene. Norahs Befürchtungen, dass das junge Wesen wegen der Narben und dem blinden, linken Auge Furcht, Abscheu oder gar beides zeigen würde, waren ein Trugschluss. Vielmehr benahm sich Fräulein Naischa so, als habe sie keinerlei Makel an Norahs Antlitz feststellen können, lächelte ihr freundlich zu und lud sie mit einem recht herzlichen Nachdruck ein, an den Festlichkeiten teil zu haben.

Entsetzt wurde sich Norah erst da bewusst, als sie die wenigen Schritte auf die feiernden Herrschaften und Damen zu machte, dass ihr die Erlebnisse der letzen Wochen, die Ungewissheit und die nahende Kälte des Winters, die alte Erinnerungen wie schlecht verheiltes Fleisch wieder aufbrach, ihre Unsicherheit in vollem Maße zurück gebracht hatten. Scheu wurde der Blick, regelrecht gehetzt und als wäre sie das kleine Mädchen, klebte sie eine ganze Weile an den Fersen Naischas, nur, um nicht zur größeren Ansammlung an Menschenleibern zu müssen... als wäre Naischas Rockzipfel die Rettung.

Eigentlich wusste sie genau, dass sie sich die Blicke nur einbildete, dass keiner sich um die enstellte, linke Gesichtshälfte kümmerte, dass niemand fragen würde, ob sie wohl zu klein gewachsen war, sondern man ihre neunzehn Sommer einfach nicht schätzen würde, dass hier keine Seele wagen würde einen anderen Gast zu verhöhnen oder gar davon zu jagen und doch wartete sie schon beinahe darauf.
Vielleicht zog ihr deshalb die tiefe Stimme eines Mannes, welche bellend und drohend durch das knappe Visier eines Helmes drang, mit einer einzigen Frage den letzten Rest Boden ihres Selbstbewusstseins unter den Füßen davon.
"Wer ist das Weyb?... He, wer bist du?!"

Argwohn und Misstrauen schwappten wie eine Flut auf sie zu und stammelnd versank sie darin, nicht sicher, ob sie sich selbst in solchen Tagen noch trauen und in die Augen sehen konnte.

"N... No.. Norah. Ich.. die.. ah.. das Fräulein N.. Naischa hat m... mich eingela.. lassen."

Sie konnte den Blick nicht recht von der Spitze des mächtigen Schwertes nehmen, welches zwar gen Boden zeigte aber doch irgendwie eine unmittelbare Bedrohung darstellte. Sei's drum, so konnte sie dankbar den Blick und den Kopf senken. Der Helm schrammte leicht klappernd über die Schulterplatten, als er ihn nun vom Kopf zog und diesmal wagte sie verstohlen einen Blick in sein Gesicht - nur um einen dumpfen Schlag in der Magengegend zu spüren.

Er war blond... strahlendes, helles blond.
Zwar blickten ihr glänzende, blaue Augen entgegen, die keine Spur von jenem altbekannten, kalten Schiefergrau hatten und doch mischten sich für den Bruchteil einer Sekunde zwei Bilder: das des Herren und eines, welches sie eigentlich hoffte vergessen zu haben.

Ein leichtes Rauschen machte sich in ihrem Kopf breit und hinter diesem Gerausche hörte sie ihn sich vorstellen und sich selbst nun recht ruhig mit einem höflichen "Angenehm" antworten. Auch bekam sie kaum mit, dass man plötzlich einen Anguren oder Vermummte oder beides auf einmal gesichtet haben wollte und ließ sich, wie ein Schaf, von Naischa ins Haus treiben. Dort wechselte sie einige Worte und Mutmaßungen mit einer jungen, recht gescheiten Frau. Doch kein Satz sollte ihr in Erinnerung bleiben, lediglich das strahlende Rot der Haare ihrer Gesprächspartnerin haftete im Gedächntnis.
Im anschließenden Gewusel hinaus ins Freie ergriff sie die Flucht und verschwand vom Festplatz, ohne nun Naischa ihr eigentliches Anliegen, die Bitte um einen Reitkurs, vorzutragen.

Spät erreichte sie das Heilerhaus und doch brannte Licht im Behandlungszimmer - Zoe konnte wieder nicht schlafen. Vermutlich hätte sie der Freundin nun beistehen oder jene zumindest mit ihrem eigenen Leid ablenken müssen, doch wenn Verwirrung und Angst sich in alte Wunden eitrig bohrt, leckt man jene lieber alleine und so hastete Norah verstohlen die Treppe zur Schlafkammer hinauf, legte ihre Kleidung im Dunkeln ab, um weder Gioia noch Maja zu wecken, sprang dann gehetzt auf ihre Pritsche und zog die Decke zitternd über den Kopf.
Die aufkeimende Wärme tat gut und beruhigte sowohl Nerven als auch das bebende Herz, doch an Schlaf war in dieser Nacht nicht zu denken - schließlich wusste sie, wer sie im Traum sonst heimsuchen würde.