Schein oder Sein
Verfasst: Donnerstag 17. November 2005, 01:48
Sie hat sich mir als Willony Talutah vorgestellt und diese junge Frau fasziniert mich unheimlich. Obwohl sie im Moment völlig unbedacht abwechselnd von der breiten Scheibe Rauchschinken und vom hochgelobten Varuna’ Weissbrot beisst und lediglich innehält um die würzige Mischung mit dem lieblichen Rotwein aus Bajard runterzuspülen, so kann ich doch nicht meine Augen von ihr nehmen. Es mag vielleicht an ihrem ungewöhnlichen und hübschen Äusseren liegen. Das flammendrote Haar erinnert an ein loderndes Feuer, welches in wilden und etwas chaotischen Locken bis fast zum Hintern fällt. Eigentlich bin ich gar kein Freund von rothaarigen Nymphen, jedoch gefällt mir diese intensive Farbe in Kombination mit der eher dunklen Hautfärbung, wo man doch einen blassen Teint erwartet hätte. Vermutlich würde ich diese ansehnlich gewachsene und gut proportinierte Frau trotz ihrer roten Hexenhaare als einen Zigeunertypen beschreiben, wären da nicht diese hellen, an den Himmel erinnernden, wachen Augen, welche mir frech und neugierig entgegenblitzen, sobald sie den Blick mir kurz zuwendet.
Verdammt! Jetzt hat sie gemerkt, dass ich sie immernoch ungeniert anstarre.
Langsam lässt sie das Brot sinken, die dunklen Brauen heben sich fragend und ihre beerenfarbenen Schmollippen öffnen sich als sie zu reden ansetzt.
„Nun,“ ihre Stimme ist ungewöhnlich dunkel doch schmeichelnd und geschmeidig wie warmer Honigwein, der die Kehle langsam hinunter rinnt.
„Bevor Ihr mich weiterhin mit Euren gierigen Blicken verschlingt, werde ich nun genauer auf Eure Fragen bezüglich meiner Herkunft und meinem bisherigen Leben eingehen:
„So lange ich lebe, kann ich mich nicht erinnern je ein festes Zuhause gehabt zu haben. Unsere Familie lebt von der Schaustellerei und diese lockt nur dann genug Zuschauer an, wenn gerade ein grösserer Markt oder sonstige Festlichkeiten in bekannten Dörfern oder gleich Städten zelebriert werden. So waren wir eigentlich immer unterwegs. Unser Land war die Welt, unsere Stadt die endlose Strasse und unser Haus ein gut ausgestatteter Pferdekarren oder wahlweise das grosse Familienzelt mit all seinen bunten Wimpeln und Flaggen. Sogar im Winter zog es uns nie in eine Hütte oder gar ein steinernes Schloss. Mit den dicksten Fellen und einer wärmenden Feuerstelle ausgestattet überstanden wir auch den härtesten Winter, den wir aneinander gekuschelt verbrachten. Vom Frühling über den Sommer bis zum Spätherbst, wie jetzt, klapperten wir jeden Markt mit unserem Programm ab und verdienten so immer genug Geld um über den Winter zu kommen. Der Name Talutah bürgt auch für eine grandiose Schau voller Spannung und freudigem Gelächter. Mein Vater ist ein begnadeter Feuerspucker und – Schlucker, während meine Mutter gelenkiger als jede Sumpfschlange Gerimors wirken kann, wie ihr heute ja nur allzu gut sehen konntet. Meine drei Brüder, die älteren beiden aber auch der noch unmündige Fianait, verschrieben sich der Trapezkunst in schwindelerregender Höhe, meine älteren Schwestern, Edda und Zenaide, erlangten sowohl in der Messerwerferei als auch im anmutigen Tanze grossen Ruhm und selbst die beiden kleinen Zwillinge jonglieren fabelhafter als jeder Hofnarr, wenn sie nicht gerade ihren Tieren neue Kunststücke beibringen.“
Fasziniert lausche ich dieser warmen, weichen Stimme und das Erzählte wird lebendig vor meinen Augen als sie so leidenschaftlich von ihrem Leben spricht. Erst nach geraumer Zeit bemerke ich, dass sie nachdenklich in ihr Weinglas sieht und keine Anstalten macht weiter zu sprechen. Ich werde sie etwas dazu ermuntern.
„Soweit also zu Eurer Familie, Willony, jedoch wie steht es um Euch? Ich hatte nicht den Eindruck als sei Eure Vorstellung weniger begnadet, jedoch lasst ihr Euch in der Aufzählung völlig rausfallen.“
Ein ebenso bitteres wie leicht amüsiertes Lächeln ist die erste Antwort. Nach einem tiefen Schluck Wein, welcher nur noch wenig im Becher zurücklässt, redet sie bedacht weiter. Ich begnüge mich damit ihr wieder zu lauschen und höflich nachzuschenken.
„ Das liegt einzig und alleine daran, dass ich dies nicht durch harte Arbeit erlernt habe und auch heute noch nicht sicher bin, ob ich mit Stolz auf diese mir ab und an noch unheimliche Gabe zurückgreifen soll. Wisst Ihr, ich bemerkte sie erst recht spät, als ich von meinen Mädchenjahren Abschied nahm und zur Frau erblühte. Vorher war es einfach so, dass mir jegliches Bühnentalent fehlte. Beim Dressurreiten brach ich mir mehrfach einge Knochen, bis Mutter flehte sie wolle mich so doch nicht verlieren und als ich Vaters Gebiet des Feuers betrat, lief ich ein Jahr mit sehr kurzen Haaren herum. Ich habe gedacht es könne einfach werden, wenn ich lediglich den verführerischen Bauchtanz, welcher auf MenekUr eine hohe Tradition ist, einübe, doch selbst hier schaffte ich es mir dreimal den Knöchel so sehr zu verstauchen, dass ich nicht einmal mehr gehen konnte. Niemand nannte mich je einen Tollpatsch oder schalt mich für meine nichtige Hilfe, aber ich selber fühlte mich unnütz und wertlos. Sicher, man fand natürlich eine Aufgabe für mich, aber ich bitte Euch, es ist doch etwas ganz anderes, wenn man stumpf Karten und Naschwerk verkauft, als wenn man selber Zentrum der begeisterte Aufmerksamkeit und Publikumsliebling ist. All dies blieb mir eben verwehrt und ich zog mich immer mehr zurück um Trübsal zu blasen und mich zu grämen.
Es war wieder ein solcher Nachmittag vor der grossen Abendvorstellung, als ich den Zwillingen zusah, wie diese für ihren ersten Bühnenabend übten, da sank mein Herz völlig herab. Ich realisierte mit welcher Begeisterung sie ihrem grossen Auftritt entgegenfieberten und dass ich, die weitaus Ältere noch nie auf diesen bedeutenden Brettern vor Publikum gestanden habe. Mit Sehnsucht und Scham beobachtete ich, wie sie die mit Sand gefüllten, farbenfrohen Bälle hoch in den Himmel wirbelte und ohne auch nur ansatzsweise ihnen nachzublicken, jeden wieder auffigen. Ich starrte den bunten Flugobjekten nach und neidete ihnen das Talent schon förmlich an. In meinem Kopf wurde es etwas schwummrig und kurz veränderte sich meine Sicht. Ich reagierte kaum darauf, so fixiert war ich auf einen besonders schönen, hellblauen Jonglierball und heftig wünschte ich mir, ich könnte doch mit diesem ebenso umgehen und ihn hoch werfen, ihm nachblicken... und in dem Moment geschah es. Ein prächtiger, himmelblauer Ball, genau wie ich ihn mir vorstellte, formte sich in der Luft und fiel zu mir herab. Gleichzeitig verblüfft und entsetzt sprang ich auf, doch als er vor mir auf die Erde treffen sollte, da war er genauso schnell wieder verschwunden.“
Lange fixieren mich nun ihre etwas mandelförmigen Augen, als wolle sie überprüfen was ich bisher von der Geschichte halte. Am liebsten würde ich aufspringen, ihr versichern, dass ich mit meinem Verdacht und dem Hinweis auf eine Ausbildung an der Akademie, welche uns erst zu diesem Gespräch brachte, völlig richtig lag doch ich zwinge mich ihr ruhig und ernst entgegenzublicken um ihr Vertrauen noch mehr zu gewinnen. Wieder trinkt sie zunächst gierig, ehe sie seufzend und deutlich leiser weiterspricht.
„Natürlich tat ich dies erst einmal als wirre Wahnerscheinung aufgrund wenig Schlaf und tristem Gemüt ab, doch es blieb nicht das letzte mal, dass ich nunja, ein kleines Abbild meiner Gedanken erschuf. Angst packte mich zuerst und ich erinnerte mich unweigerlich an düstere Bauerlegenden über Dämonenzauber und böse Hexen. Meine Familie zog ich gerade deshalb nicht zu Rate und schluckte all das Wissen um diese Veränderungen meiner Umwelt herunter. Lange blieb es jedoch nicht unentdeckt. Es war Zenaide, welche eines frühen Morgens, als ich in meiner Schläfrigkeit achtlos wurde und meine Gedanken über den noch nachhängenden Traum, in welchem ich in einem duftenden Blumenmeer lag, noch frei gleiten liess, die eine solche Veränderung bemerkte. Noch träumte ich geistig selig von den goldenen Butterblumen, als ich schon eine in den Händen drehte, wenn auch nur wenige Momente, ehe sie wieder verschwand. Zenaide rief erstaunt und erschrocken auf und wenige Augenblicke später, musste ich mich vor der Familie verantworten. Ach, es war schwer ihnen in die Augen zu blicken. Sie waren nervös, ungehalten und ängstlich. Also beschloss ich zu lügen und bauschte mein Märchen über Taschenspielertricks so blumig auf, dass sie gegen Ende zu Tränen gerührt über meine angebliche, heimliche Übung versprachen mir einen Teil des Programmes zuzuweisen. Nun konnte ich nicht anders, ich lernte bewusst die kleinen Veränderungen wie kleine Blumen oder bunte Bälle und zuletzt sogar ein Kaninchen, hervorzurufen... und bisher fragte mich niemand ob hinter der Taschenspielerei nicht etwas anderes steckte.“
Anklagend erhebt sie den Blick und ich komme nun nicht mehr umhin noch ein weiteres Mal mit wenigen Worten etwas über die Akademie in Tirell zu sprechen und ihr zu versichern, dass sie dort in ihren noch so unsicheren Kräften ausgebildet werden kann. Bei letzterem Punkt wird sie hellhörig und hängt förmlich an meine Lippen. Ich spreche sie recht ungeniert über den Hoffnungsschimmer in ihren Augen an und ernte wieder ein funkelndes Lächeln.
„Nun, ich sagte Euch doch schon, dass ich noch immer Angst vor dem was ich mache habe. Vielleicht sollte ich doch auf Euren Wink vertrauen. Tirell soll doch gar nicht einmal so weit weg liegen, nicht?“
Sie zwinkert keck und ich muss unwillkürlich heiter lachen. Ein weiteres Mal schenke ich den letzten Rest Wein nach. Was für eine ungewöhnliche, anziehende Frau – sie wird ihren Weg schon finden.
Verdammt! Jetzt hat sie gemerkt, dass ich sie immernoch ungeniert anstarre.
Langsam lässt sie das Brot sinken, die dunklen Brauen heben sich fragend und ihre beerenfarbenen Schmollippen öffnen sich als sie zu reden ansetzt.
„Nun,“ ihre Stimme ist ungewöhnlich dunkel doch schmeichelnd und geschmeidig wie warmer Honigwein, der die Kehle langsam hinunter rinnt.
„Bevor Ihr mich weiterhin mit Euren gierigen Blicken verschlingt, werde ich nun genauer auf Eure Fragen bezüglich meiner Herkunft und meinem bisherigen Leben eingehen:
„So lange ich lebe, kann ich mich nicht erinnern je ein festes Zuhause gehabt zu haben. Unsere Familie lebt von der Schaustellerei und diese lockt nur dann genug Zuschauer an, wenn gerade ein grösserer Markt oder sonstige Festlichkeiten in bekannten Dörfern oder gleich Städten zelebriert werden. So waren wir eigentlich immer unterwegs. Unser Land war die Welt, unsere Stadt die endlose Strasse und unser Haus ein gut ausgestatteter Pferdekarren oder wahlweise das grosse Familienzelt mit all seinen bunten Wimpeln und Flaggen. Sogar im Winter zog es uns nie in eine Hütte oder gar ein steinernes Schloss. Mit den dicksten Fellen und einer wärmenden Feuerstelle ausgestattet überstanden wir auch den härtesten Winter, den wir aneinander gekuschelt verbrachten. Vom Frühling über den Sommer bis zum Spätherbst, wie jetzt, klapperten wir jeden Markt mit unserem Programm ab und verdienten so immer genug Geld um über den Winter zu kommen. Der Name Talutah bürgt auch für eine grandiose Schau voller Spannung und freudigem Gelächter. Mein Vater ist ein begnadeter Feuerspucker und – Schlucker, während meine Mutter gelenkiger als jede Sumpfschlange Gerimors wirken kann, wie ihr heute ja nur allzu gut sehen konntet. Meine drei Brüder, die älteren beiden aber auch der noch unmündige Fianait, verschrieben sich der Trapezkunst in schwindelerregender Höhe, meine älteren Schwestern, Edda und Zenaide, erlangten sowohl in der Messerwerferei als auch im anmutigen Tanze grossen Ruhm und selbst die beiden kleinen Zwillinge jonglieren fabelhafter als jeder Hofnarr, wenn sie nicht gerade ihren Tieren neue Kunststücke beibringen.“
Fasziniert lausche ich dieser warmen, weichen Stimme und das Erzählte wird lebendig vor meinen Augen als sie so leidenschaftlich von ihrem Leben spricht. Erst nach geraumer Zeit bemerke ich, dass sie nachdenklich in ihr Weinglas sieht und keine Anstalten macht weiter zu sprechen. Ich werde sie etwas dazu ermuntern.
„Soweit also zu Eurer Familie, Willony, jedoch wie steht es um Euch? Ich hatte nicht den Eindruck als sei Eure Vorstellung weniger begnadet, jedoch lasst ihr Euch in der Aufzählung völlig rausfallen.“
Ein ebenso bitteres wie leicht amüsiertes Lächeln ist die erste Antwort. Nach einem tiefen Schluck Wein, welcher nur noch wenig im Becher zurücklässt, redet sie bedacht weiter. Ich begnüge mich damit ihr wieder zu lauschen und höflich nachzuschenken.
„ Das liegt einzig und alleine daran, dass ich dies nicht durch harte Arbeit erlernt habe und auch heute noch nicht sicher bin, ob ich mit Stolz auf diese mir ab und an noch unheimliche Gabe zurückgreifen soll. Wisst Ihr, ich bemerkte sie erst recht spät, als ich von meinen Mädchenjahren Abschied nahm und zur Frau erblühte. Vorher war es einfach so, dass mir jegliches Bühnentalent fehlte. Beim Dressurreiten brach ich mir mehrfach einge Knochen, bis Mutter flehte sie wolle mich so doch nicht verlieren und als ich Vaters Gebiet des Feuers betrat, lief ich ein Jahr mit sehr kurzen Haaren herum. Ich habe gedacht es könne einfach werden, wenn ich lediglich den verführerischen Bauchtanz, welcher auf MenekUr eine hohe Tradition ist, einübe, doch selbst hier schaffte ich es mir dreimal den Knöchel so sehr zu verstauchen, dass ich nicht einmal mehr gehen konnte. Niemand nannte mich je einen Tollpatsch oder schalt mich für meine nichtige Hilfe, aber ich selber fühlte mich unnütz und wertlos. Sicher, man fand natürlich eine Aufgabe für mich, aber ich bitte Euch, es ist doch etwas ganz anderes, wenn man stumpf Karten und Naschwerk verkauft, als wenn man selber Zentrum der begeisterte Aufmerksamkeit und Publikumsliebling ist. All dies blieb mir eben verwehrt und ich zog mich immer mehr zurück um Trübsal zu blasen und mich zu grämen.
Es war wieder ein solcher Nachmittag vor der grossen Abendvorstellung, als ich den Zwillingen zusah, wie diese für ihren ersten Bühnenabend übten, da sank mein Herz völlig herab. Ich realisierte mit welcher Begeisterung sie ihrem grossen Auftritt entgegenfieberten und dass ich, die weitaus Ältere noch nie auf diesen bedeutenden Brettern vor Publikum gestanden habe. Mit Sehnsucht und Scham beobachtete ich, wie sie die mit Sand gefüllten, farbenfrohen Bälle hoch in den Himmel wirbelte und ohne auch nur ansatzsweise ihnen nachzublicken, jeden wieder auffigen. Ich starrte den bunten Flugobjekten nach und neidete ihnen das Talent schon förmlich an. In meinem Kopf wurde es etwas schwummrig und kurz veränderte sich meine Sicht. Ich reagierte kaum darauf, so fixiert war ich auf einen besonders schönen, hellblauen Jonglierball und heftig wünschte ich mir, ich könnte doch mit diesem ebenso umgehen und ihn hoch werfen, ihm nachblicken... und in dem Moment geschah es. Ein prächtiger, himmelblauer Ball, genau wie ich ihn mir vorstellte, formte sich in der Luft und fiel zu mir herab. Gleichzeitig verblüfft und entsetzt sprang ich auf, doch als er vor mir auf die Erde treffen sollte, da war er genauso schnell wieder verschwunden.“
Lange fixieren mich nun ihre etwas mandelförmigen Augen, als wolle sie überprüfen was ich bisher von der Geschichte halte. Am liebsten würde ich aufspringen, ihr versichern, dass ich mit meinem Verdacht und dem Hinweis auf eine Ausbildung an der Akademie, welche uns erst zu diesem Gespräch brachte, völlig richtig lag doch ich zwinge mich ihr ruhig und ernst entgegenzublicken um ihr Vertrauen noch mehr zu gewinnen. Wieder trinkt sie zunächst gierig, ehe sie seufzend und deutlich leiser weiterspricht.
„Natürlich tat ich dies erst einmal als wirre Wahnerscheinung aufgrund wenig Schlaf und tristem Gemüt ab, doch es blieb nicht das letzte mal, dass ich nunja, ein kleines Abbild meiner Gedanken erschuf. Angst packte mich zuerst und ich erinnerte mich unweigerlich an düstere Bauerlegenden über Dämonenzauber und böse Hexen. Meine Familie zog ich gerade deshalb nicht zu Rate und schluckte all das Wissen um diese Veränderungen meiner Umwelt herunter. Lange blieb es jedoch nicht unentdeckt. Es war Zenaide, welche eines frühen Morgens, als ich in meiner Schläfrigkeit achtlos wurde und meine Gedanken über den noch nachhängenden Traum, in welchem ich in einem duftenden Blumenmeer lag, noch frei gleiten liess, die eine solche Veränderung bemerkte. Noch träumte ich geistig selig von den goldenen Butterblumen, als ich schon eine in den Händen drehte, wenn auch nur wenige Momente, ehe sie wieder verschwand. Zenaide rief erstaunt und erschrocken auf und wenige Augenblicke später, musste ich mich vor der Familie verantworten. Ach, es war schwer ihnen in die Augen zu blicken. Sie waren nervös, ungehalten und ängstlich. Also beschloss ich zu lügen und bauschte mein Märchen über Taschenspielertricks so blumig auf, dass sie gegen Ende zu Tränen gerührt über meine angebliche, heimliche Übung versprachen mir einen Teil des Programmes zuzuweisen. Nun konnte ich nicht anders, ich lernte bewusst die kleinen Veränderungen wie kleine Blumen oder bunte Bälle und zuletzt sogar ein Kaninchen, hervorzurufen... und bisher fragte mich niemand ob hinter der Taschenspielerei nicht etwas anderes steckte.“
Anklagend erhebt sie den Blick und ich komme nun nicht mehr umhin noch ein weiteres Mal mit wenigen Worten etwas über die Akademie in Tirell zu sprechen und ihr zu versichern, dass sie dort in ihren noch so unsicheren Kräften ausgebildet werden kann. Bei letzterem Punkt wird sie hellhörig und hängt förmlich an meine Lippen. Ich spreche sie recht ungeniert über den Hoffnungsschimmer in ihren Augen an und ernte wieder ein funkelndes Lächeln.
„Nun, ich sagte Euch doch schon, dass ich noch immer Angst vor dem was ich mache habe. Vielleicht sollte ich doch auf Euren Wink vertrauen. Tirell soll doch gar nicht einmal so weit weg liegen, nicht?“
Sie zwinkert keck und ich muss unwillkürlich heiter lachen. Ein weiteres Mal schenke ich den letzten Rest Wein nach. Was für eine ungewöhnliche, anziehende Frau – sie wird ihren Weg schon finden.