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Der Rabe und die Nebelkrähe

Verfasst: Mittwoch 19. August 2009, 15:40
von Norah Birnbaum
Vorwort

Dies ist die höchst ungewöhnliche Geschichte einer höchst unangenehmen, jungen Frau mit dem höchst gewöhnlichen Namen Norah Birnbaum und zugleich eine Mär von einer, die vom rechten Weg abkam und doch ihren wahren Pfad dabei entdeckte. Das mag nun wirr und seltsam klingen und doch ist es so geschehen. Aber seht selbst: ihre Geschichte birgt die ganze Wahrheit.

~*~

Da lag sie auf dem vereisten Acker, mutterseelenalleine.
Mitten im Schnee, dessen Kälte ihre Gliedmaßen durchbiss, während die linke Hälfte des Kindergesichts in feurigem Schmerz versank. Hätte das kleine Mädchen sich selbst sehen können, es hätte sich nicht recht wiedererkannt. Die rechte Gesichtshälfte war vom Feuer verschont geblieben und zart, blass und hübsch anzusehen spannte sich die junge Haut über die Knochen, doch der linke Teil des Antlitzes, getroffen von einem der herabstürzenden, glühenden Balken, war ein einziger Klumpen aus schwelender Haut, Brandblasen und offenem, dunklem Fleisch. Brauen und Wimpern des linken Auges waren vollständig versengt und über der brandig gezeichneten Bindehaut bildete sich langsam eine gallertartige Masse, welche stetig die Pupille milchig verschleierte.
Norahs Welt versank auf einer Seite in Schatten und in der schemenhaften Dunkelheit eines ewigen Zwielichts, doch das Entsetzen, gepaart mit ohnmächtiger Starre, galt nicht dem eigenen Befinden, sondern der Tatsache, dass sie es nicht geschafft hatte, in dem lodernden Blockhaus bis zu ihrer schreienden Mutter vorzudringen, ehe die Hitze sie ins Freie schob. Jaulend vor Schmerz war das fünfjährige Mädchen in den Winter hinaus gerannt und auf dem nächsten Acker zusammengebrochen. Die Schreie der Mutter wurden lauter, jämmerlicher, kreischender und irgendwann verstummten sie jäh. Norah versuchte noch eine Weile das Bewusstsein zu erhalten, doch der Schmerz betäubte nach und nach den Willen und trotz der grausamen Kälte wollte die Hitze im Gesicht nicht weichen. Fiebrig flatterten die Lider, während die Schatten reicher und mächtiger wurden. Ein besonders finsterer Schemenfleck wurde größer, kam näher und das Mädchen glaubte ein majestätisches Rauschen zu hören. Ein schwacher Druck machte sich auf ihrer Brust breit, als der Schatten, nun zur vollen Größe erwacht, sich darauf niederließ. Da erst glaubte das Kind zu verstehen, wer zu ihr gekommen war.

„Bi.. bist du der Tod?“, fragte sie mühsam und die aufgesprungenen Lippen bluteten. Die Antwort war ein klagendes Krächzen und verwirrt strengte sie die Sehkraft ein letztes Mal an, um den Schatten zu identifizieren. Er nahm Kontur an und für wenige Lidschläge erkannte das Mädchen den Schemen als schönen, großen Vogel mit blauschwarzem Gefieder, blitzenden Augen und einem dunklen, kräftigen Schnabel. Da wuchs die verzweifelte Wut und der Hass auf jene Menschen, die das Hüttchen der Mutter in Brand gesetzt hatten. Ihnen hatte sie es zu verdanken, dass sie nun alleine starb und nicht einmal der Tod, der dunkle Engel, wollte sie gnädig holen, nein, ein Vogel würde ihr in den letzten Lebensmomenten noch die Augen auspicken. Ja, Wut und Hass verschmolzen in der unerträglichen Hitze zu einem einzigen Klumpen, in etwa so undefinierbar wie ihre linke Gesichtshälfte und Norah glaubte sich schreien zu hören, obwohl ihre Lippen doch kraftlos geschlossen blieben. Es geschah in jenem Moment, als er sie hörte und in samtener, dunkler Stimme volltönend zu ihr sprach:

„Es ist genug, Norah. Schlafe nun und ruhe, du hast den Pfad gefunden und dein Weg ist noch so weit!“

Überrascht aufstöhnend beugte sie sich seinem Willen und sank zitternd in einen tiefen, gnädigen Schlaf der vollkommenen Finsternis. So fand man sie etwas später...
Da lag sie auf dem vereisten Acker, mutterseelenalleine.

Verfasst: Donnerstag 20. August 2009, 09:35
von Norah Birnbaum
Erstes Kapitel

Iphigenie Ahrenholm hatte so einiges entschieden in ihrem Amt als Mutter Oberin der Kinderarbeitsstube Weidenthal und selten eine solche Entscheidung bereut. Nie jedoch hatte sie sich besonders schwer getan diese zu fällen. Unbedarfte, rotznasige Kinder kamen und junge, gut ausgebildete Menschen verließen das Haus wieder und erst dann konnte Iphigenie den Lohn ihrer Mühen durch die gezahlte Ablöse der neuen Herren einstreichen. In jenen Bälgern steckte also das Kapital und bei der ersten Inspektion dieser musste sie, Iphigenie Ahrenholm, entscheiden können, in welchem Knirps genug Verstand, Talent und Gehorsamkeit steckte, um später gewinnbringend vermittelt zu werden. Sie hatte bisher immer ein gutes Händchen darin gehabt und selten ein schlechtes Geschäft gemacht. Wenn ein Kind in ihren Augen untauglich erschien, so wurde die Aufnahme in der Kinderarbeitsstube abgelehnt und das Würmchen musste eben zusehen wo es blieb – eine Wohltäterin war Iphigenie nicht und das bewusst. Schließlich war jeder verlorene Groschen ein Verlust ihrer Geldbörse und so fielen alle Entscheidungen stets klar, schnell und ohne Hadern. Alle... bis zu jenem Tag.

Kritisch musterte sie das dürre, winzige Wesen, welches starr und steif, den Blick gen Boden, auf dem viel zu großen Holzschemel saß. Iphigenie hatte das Mädchen auf höchstens drei Jahre geschätzt, wurde jedoch berichtigt, dass das Kind wohl bald sechs Herbstmonde erblickt habe. Allein dies wäre der erste Grund zur Ablehnung gewesen: zu klein, zu mickrig und dann auch noch offensichtlich etwas verwachsen. Kopfschüttelnd lehnte sie sich an ihren Schreiberpult und strich grübelnd über das eigene, fleischige Kinn. Von der plötzlichen Bewegung aufgescheucht, hob das Mädchen rasch den Kopf und ein azurblaues und ein milchig weißblaues Auge starrten die Mutter Oberin kurz beinahe fragend an, ehe die Kleine errötete und das Haupt wieder sank. Erneut stellte Iphigenie bedauernd fest, dass leider nur eine Gesichtshälfte den Hausbrand unbeschadet überstanden hatte, denn dieser unversehrte Teil war recht adrett und hübsch anzusehen, doch wegen dem feinen Narbengewebe auf der anderen Seite und dem unansehnlich getrübten Auge konnte sie nicht darauf hoffen das Kind eines Tages aufgrund erblühender Schönheit ertragreich zu veräußern. Außerdem störte man sich oft an dem Haar, welches das Mädchen scheinbar gerne zur Schau trug. Kräftig und gesund, doch der leuchtende Ton, irgendetwas zwischen dunklem Kupfer und vollem Mahagoni, hatte etwas aufsässiges und, nicht nur in Iphigenies Augen, liederliches. Sollte sie die Göre unter ihre Fittiche nehmen, so würde sie darauf achten, dass deren Haar stets gebunden und unter ein Häubchen gesteckt war.
Sollte sie das Mädchen annehmen...

Eigentlich sprach für Iphigenies Geschmack viel zu viel dagegen – ein jedes andere Kind mit solchen körperlichen Mängeln und ohne offensichtliche Begabung hätte sie längst abgelehnt – doch brachte die Kleine etwas mit sich, was kaum ein Balg ihr je hatte bescheren können: Ansehen.
Die Göre war offensichtlich die einzige Überlebende des Brandes in Hennenfeld und die Brandstifter, allesamt eigentlich ehrbare Bürger von Weidenthal und Umgebung hatte das schlechte Gewissen gepackt, welches bestimmt noch ein, zwei Jahre vorherrschen würde. Das Mädchen war nun Zentrum der Fürsorge und die einzige Möglichkeit dem Gewissen wieder Erleichterung zu verschaffen. Für Iphigenie tat sich damit die Möglichkeit auf, deren Taschen um einige Spendenmünzen für die „arme, gebeutelte Kleine“ zu erleichtern und umso öfter sie diesen Gedankengang verfolgte, umso besser gefiel ihr der Plan. Schließlich gab sie sich einen Ruck und trat mit festem Schritt auf das Mädchen zu, welche ein kurzes Zittern nicht verstecken konnte und scheu ein weiteres Mal den Kopf hob. Für wenige Augenblicke hielt die Kleine dem strengen Blick der Mutter Oberin stand, lenkte den Blick dann aber verwirrt zur Seite. Nun war Iphigenie am Zug.

„Wie ist dein Name, Kind?“, donnerte sie ihr kalt entgegen.
„N... Norah Birnbaum.“, die piepsige Antwort.
„Nun, Norah Birnbaum, man hat dir sicher schon erklärt, was das hier für ein Haus ist und welche Stellung ich innehabe, nicht?“ Iphigenie wartete das zaghafte Kopfnicken kaum ab. „Du kannst hier ein gutes Leben haben, wenn du dich anstrengst und ein folgsames Kind bist. Lernen wirst du einiges, wie die Schrift und das Lesen, sowie...“
„Ich kann schon lesen und schreiben.“

Iphigenie riss die hellen Augen sowohl erstaunt, als auch empört auf. Dann erst vollführte ihre Hand eine alteingeübte Bewegung beinahe mechanisch und das Mädchen, welches mit den Schlägen der Mutter Oberin noch nie konfrontiert worden war, wich nicht aus. Klatschend hallte die heftige Backpfeife nach und riss das Kind förmlich vom Stuhl. Erschrocken hielt sie sich danach nur still die pochende Wange und wagte nicht sich zu bewegen oder aufzustehen.

„Norah, merke dir jetzt und hier, dass du nur zu sprechen hast, wenn ich dir eine Frage stelle, ja?“ Der süßliche Ton der Mutter Oberin troff nur so vor Falschheit und hastig nickte das Kind ein weiteres Mal. „Gut, Mädchen, dann denke ich werden wir uns schon verstehen. Du kannst bleiben, Norah Birnbaum.“

Die Entscheidung war endlich gefällt.

Verfasst: Donnerstag 20. August 2009, 18:33
von Norah Birnbaum
~*~


Diese eine kraftvolle Ahrenholm-Ohrfeige sollte nicht Norahs letzte sein und dennoch blieben ihr bis heute nur diese, allererste Backpfeife und eine weitere im Gedächtnis. Die Eine, weil es eben das allererste Mal war, dass das Kind, trotz Armut von einer sehr liebevollen Mutter aufgezogen, einen Schmerz von Menschenhand zugefügt bekam, der das Vertrauen so unangenehm bröckeln ließ, die Andere, da in diesem Fall ihr dunkler Rabenherr der Grund dafür war und sie entsetzt begriff, dass ihn, der sie doch dort im Schnee gerettet hatte, die Allgemeinheit fürchtete und verachtete, ja für „schlecht“ hielt. Eine verwirrende Erfahrung, die sich zu recht in die Erinnerungen der jungen Frau eingebrannt hatte.


Seit zwei Stunden stolperte Norah nun schon hüpfend und humpelnd hinter Frau Ahrenholm her. Die herbstliche Erde war teilweise schon gefroren und die feuchte Kälte drang mit jedem Schritt etwas weiter in Norahs knöchelhohe, viel zu große Leinenschuhe. Doch nicht sie oder das glitschige Gras und die Tatsache, dass man den Weg aufgrund des wabernden Bodennebels eh nicht sehen konnte, war der Grund für Norahs hoppelnde Gangart, vielmehr hatte sie sich diese im Laufe der letzten zwei Jahre angewöhnt, da die Oberin zu scheuchen oder hetzen pflegte und Norah aufgrund ihres kleinen Körpers keine so großen Schritte wie die anderen Kinder machen konnte. Frau Ahrenholm hatte den bizarren Gang bemerkt und rasch mit Spott reagiert.

„Du springst umher, wie ein dreckiger Spatz oder eine grässliche Nebelkrähe!“, hatte sie ihr eines Tages amüsiert entgegen geworfen und die anderen Kinder, allesamt dankbar darüber, dass seit Norahs Ankunft meist diese im Zentrum von Schimpf und Schande stand, hatten gelacht und sich den Namen nur zu gut gemerkt. Er sollte Norah durch die Jahre wie ein treuer Hund begleiten und haftete wie frischer Rindenharz.


„Mach, dass du einen Schritt schneller hüpfst, Nebelkrähe.“, schnaufte ihr so auch die Oberin an jenem herbstlichen Morgen zu. „Wenn die Sonne vollends scheint, dann kannst du die Blüten des Nachtschattens nicht mehr recht gebrauchen. Im Dunkeln oder Zwielicht muss man sie pflücken und dann am besten gleich in einen Sack stecken... du hast doch einen dabei, oder?“

Norah konnte sich ein Seufzen nur mühsam verkneifen und brachte ein halblautes „Ja, Fräulein Oberin“ zu Stande, was Iphigenie Ahrenholm jedoch vollends genügte.

„Gut, dann eil' dich und versuch dein Glück in dem Waldstück dort auf der rechten Seite, ich werde derweil den überwuchterten Rand absuchen.“



Vorsichtig nach dem Weg tappend bahnte Norah sich ihren Pfad durch das Unterholz. Sie waren nicht das erste Mal auf der Suche nach Nachtschatten und das Mädchen wusste sehr genau wonach sie Ausschau zu halten hatte, doch diesmal schien sich entweder die Oberin in ihrer Hoffnung getäuscht zu haben oder das Glück war ihnen beiden einfach nicht hold, denn schon sah Norah, dass sich das Dickicht wieder lichtete und sie den kleinen Wald durchschritten hatte ohne auch nur ein Blättchen der giftigen Pflanze gefunden zu haben. Ächzend trat sie hinaus ins Zwielicht und erwartete dort beinahe schon eine unruhige Oberin, als sie in der Bewegung erstarrte, als habe man sie in eine Statue verwandelt. Doch kein irdener Zauber wirkte auf Norah, sondern der wundersame Anblick einer malerischen Szene, die ihr regelrecht überirdisch erschien:

Drei Raben flogen, aufgescheucht durch Norahs Schritte, von einem knorrigen, verwachsenem Baum auf und erhoben sie krächzend. Jedoch wollten sie ihre Beute, eine halb zerfressene, menschliche Gestalt, die durch einen festen Strick an einem der Äste baumelte, nicht recht zurücklassen und so umkreisten sie den Baum lediglich und schimpften mit einem dunklen „Koraaaa, Koraaaaaa!“ der jungen Frau entgegen. Norah jedoch war es, als würden sie ihren Namen „Norah, Norah!“ rufen und zitternd sank das Mädchen in die Knie, achtete nicht auf den kalten, matschigen Boden und die spitzen Ackersteinchen, sondern dankte dem Herrn dieser großen, schwarzen Vögel, dass er ihr wieder ein Zeichen gegeben hatte, in stummer Andacht.

Glasige Tränen standen Norah den Augen und still verfolgte sie den Flug dieser wundersamen Boten auch noch, als die Oberin völlig entgeistert hinzu trat und mit bebender Stimme irritiert nach dem Tun ihres schwierigen Lehrlings zu fragen begann.


„Was sind das nur für zauberhafte Vögel?“, sprach das Mädchen mit leiser, entrückter Stimme und konnte noch immer den Blick nicht von ihnen lassen. Für wenige Momente schwiegen somit beide, Frau Ahrenholm und Norah, ehe Erstere mit schneidender Stimme knapp erklärte:

„Es ist nichts zauberhaftes an diesen Unglücksboten, du dummes Ding. Das sind Raben, Diener des grauenvollen Seelenfressers Kra'thor... mich wundert schon nicht mehr, dass du es mit deinem langsamen Geist nie großartig zu etwas bringst. Hah, grad als hässliche Nebelkrähe solltest du sie doch kenne.“

„Ich kenne sie...“, hauchte Norah und ein seliges Lächeln erleuchtete die jungen Züge, „ich kenne sie schon lange, doch ihren Namen kannte ich nicht... und seinen. Kra'thor sagt Ihr, Frau Oberin? Er wird die Seelen sicher nicht fressen, sondern sorgsam hüten, wie Schätze, oder?“ In diesem Moment traf sie der Schlag Iphigenies und ehe Norah ganz mit dem Gesicht im schlammigen Acker liegen konnte, riss die erboste Oberin sie schon wieder an den Haaren hoch. „Ich werd' dir die Dummheit schon noch austreiben, hörst du? Kein Wort will ich mehr über einen solch götterlästerlichen Blödsinn hören. Kein Wort! Und jede weitere Frage in diese Richtung, Norah Nebelkrähe Birnbaum, wird dich teuer zu stehen kommen.“


Damit war diese Unterhaltung, als auch das Thema Kra'thor mit allem drum und dran tatsächlich beendet, denn Iphigenie Ahrenholm sollte zu ihrem Wort stehen und Norah keinen weiteren Laut im Bezug auf ihren dunklen Raben- und Seelenmeister erfahren, doch hatte ihr der wundersame Anblick auf dem Felde und die wenigen Sätze der Oberin gereicht, um den Glauben an diesen Einen und sein großartiges Tun nur noch weiter zu verstärken. Es sollte auch dieser Glaube sein, der Norahs Willen über die Jahre hin stärkte und ihr half die Zeit unter Iphigenies eisener Hand zu überstehen, bis zu dem Tag, an welchem sie neue Herren kennenlernen sollte...

Verfasst: Freitag 21. August 2009, 11:27
von Norah Birnbaum
Zweites Kapitel


„Die Kleine is' doch höchstens zehn..." abschätzend musterten sie die kalten, grauen Augen und das eher grobschlächtige Gesicht des bulligen Spenglers verzog sich zu einer abfälligen Maske.

„Mitnichten, Ludo, mitnichten.“, warf Iphigenie Ahrenholm geschäftig ein und bemühte sich sofort beteuernd nachzusetzen: „Ich habe dir gesagt, dass sie so klein gewachsen ist aber sie zählt schon seit einigen Wochen das dreizehnte Jahr und ist zudem ein fleißiges Mädchen, geschickt mit Nadel und Faden, kann gut kochen und...“

Norahs Ohren hörten schon nicht mehr genau hin. Es war unangenehm, degradierend und peinlich, was diese beiden da in vollendeter Feilscher-Kunstform mit ihr veranstalteten. Zweimal schon hatte er ihre Zähne sehen wollen, sich darüber beschwert, dass sie nicht ganz gerade waren und vermutlich hatten sie nur ihr reizloser Körper und die, von prüdem Anstand gespickten, Reden der Oberin vor einer kompletten Leibes- und Fleischesbeschau bewahrt. Müde blickte sie auf und das geschäftige Handeln um sie, das menschliche Kalb am bizarren Rindermarkt, ließ sie erahnen, dass ihre letzten Tage in der Kinderarbeitsstube schon vorbei waren. Dieser Mann würde sie Frau Ahrenholm abkaufen, denn er brauchte scheinbar dringend eine Magd für die Küche und allerlei sonstige Arbeiten und die Oberin war froh Norah loszuwerden. Jedoch war sich das Mädchen nicht ganz sicher, ob sie damit nicht einfach nur vom Regen in die Traufe gefallen war... hätte sie nur Flügel, wie die Raben...

Stumm sinnierend und der Erinnerung an die wundersame Erscheinung am Galgenbaum nachhängend, begann sie den Blick nun über den Hof schweifen zu lassen, der vermutlich ihre neue Heimat werden würde. Das Wohngebäude war nicht sehr hoch, dafür aber doch sehr lang gezogen und voller kleiner, vergitterter Fenster - einladend war zumindest nicht das rechte Wort dafür. Neben einem staubig-dreckigem Hof erstreckte sich ein schlecht gepflegetr Gemüsegarten, in welchem das Unkraut nur so wucherte und nochmals daneben stand der klobige Steinklotz, der wohl die Spenglerschmiede war. Erst als sie den dunklen Eingang der Schmiede, wie der Rachen eines Raubtieres geöffnet, betrachtete, bemerkte sie die vier Schatten inmitten der Finsternis. Noch als sie diese mit geschmälertem Blicke zu fassen versuchte, traten sie ihr entgegen und Norahs Augen weiteten sich vor Verblüffung. Die Schattenwesen entpuppten sich zu vier Kindern, zwei Mädchen oder jungen Frauen und zwei Knaben beziehungsweise einem Bengel und einem jungen Mann. Letzterer hatte mit einem Schlag ihr Augenmerk gefangen, war er doch von schlankem, athletisch-muskulösem Wuchs und das ernste Gesicht von einer sehr unbäuerlichen Schönheit geziert. Die blonden Haare fielen ihm in sanften Strähnen bis fast zu den Mundwinkeln, die Lippen waren sinnlich und fast etwas feminin geschwungen und die dunkelgrauen Augen, von der Farbe polierten Schiefers, schienen direkt in Norahs Seele zu blicken.

Sie merkte nicht, dass sie mehrfach schlucken musste, um die plötzliche Trockenheit aus dem Mund zu verbannen und realisierte die aufsteigende Röte in ihren Wangen nicht, nur das Pochen des eigenen Herzens und das Gefühl plötzlich den Boden unter den Füßen zu verlieren drangen in ihr Bewusstsein.


„Ah, da seid ihr ja. Kommt her, Lausebande. Euer Vater hat nun endlich eine halbwegs geschickte Magd erstanden.“ Und mit den Worten des groben Spenglers marschierten die jungen Menschen neugierig auf sie zu. Noch während er sich wieder auf ein abschließendes Gespräch mit der Oberin einließ, formten die vier Hernwachsenden einen Halbkreis um den Neuerwerb und starrten Norah durchdringend, mit einer Mischung aus Faszination und Abscheu an.

Norahs schwebender Traumzustand endete jedoch erst, als der Grund für das flattrige Gefühl in der Magengegend, der junge, blonde Mann höhnend zu grinsen begann und Norahs weiteres Schicksal am Hofe der Spenglerfamilie mit einem einzigen Satz besiegelte:


„Man kann nur allzu deutlich sehen, warum die Alte dich hässlichen Gnom 'Nebelkrähe' ruft“.

Verfasst: Freitag 21. August 2009, 22:31
von Norah Birnbaum
~*~


Dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind, ist allgemein bekannt, doch wenn man noch nicht einmal als Lehrling zählt, sondern vielmehr die Rolle des Sündenbocks, Frust-Ventils und regelrecht „Magd für allerlei lästige Dienste“ annimmt, können die Jahre noch etwas unangenehmer werden. Allerdings murrte Norah kaum, wann immer man ihr wieder eine neue Aufgabe vorsetzte, wusste sie doch nur zu gut, dass selbst ein solches Leben nicht für jedes Mädchen in ihrer Situation Mindestaussicht war und sie es hätte weit schlimmer treffen können. Immerhin war sie Frau Ahrenholm's Klauen entwischt, hatte nun eine eigene Kammer, genug Essen, wenn auch nicht gerade die größten Köstlichkeiten und war in gewisser Weise noch ihre eigene Herrin. Außerdem war da tagtäglich Wenzel, der Älteste der vier Spenglersprösslinge und ihr persönlicher Märchenprinz mit dem wunderschönen Antlitz und den grausamen Worten. Norah versuchte seine bissigen Sprüche und den Spott so gut wie möglich zu überhören, sog jedoch jedes halbherzige Lob seinerseits gierig auf, wenn ihr ein Einkauf besonders günstig geglückt war oder die von ihr angepflanzten Obst- und Gemüsesorten im nun gepflegten Garten reiften. Wenzels Lachen, auch wenn es nie ihr galt, erhellte jeden trüben Tag und der Gedanke an seine dunklen Augen wog sie sanft des Nachts in den Schlaf. Umso weniger jedoch suchte sie den Kontakt zu den anderen Kindern des Spenglers. Lothar, der jüngere Sohn, war in ihren Augen ein garstiger Lümmel, der sich einen Spaß daraus machte ihre Arbeit möglichst in die Länge zu ziehen. Eimer voller Unkraut leerte er quer über dem Hof aus, vertauschte Salz- und Zuckerdosen und lief mit schlammstarrenden Schuhen gleich mehrfach durch die Wohnräume. Wann immer er sie dann schuftend und ächzend auf den Knien fand, baute er sich vor ihr auf und lachte auf sie herab. Betlinda und Joline, Zwillinge und nur ein Jahr älter als Norah, mieden das Mädchen wo auch immer es nur ging. Angst und Abscheu wehte ihr von beiden dermaßen stark entgegen, dass Norah sich schon unwohl fühlte, wenn sie noch einige Schritt von beiden entfernt arbeitete.


Diese starke Abneigung zwischen beiden Parteien war wohl auch der Grund, warum Jahre später, kurz nach Norahs sechzehntem Lebensjahr, eine eigentlich recht erfreuliche Begebenheit zu einer heftigen Konfrontation zwischen den jungen Frauen führte...


Zunächst hatte sich Norah fast schon gefreut, als man ihr den Auftrag gab den Weidenthaler Sommermarkt zu besuchen, um dort ein paar Haushaltswaren zu erstehen. Sicherlich, den Leinenstoff, die Garnspuhlen und den Berg an Gewürzen musste sie dann auch ganz alleine zurück zum Hof schleppen, doch damals fürchtete Norah noch keine Massen an Menschen und die Begeisterung eines Kindes, welches man zum Jahrmarkt lädt, machte sich in ihrem Körper breit... zumindest so lange, bis man noch anmerkte, dass Betlinda und Joline ebenso mit von der Partie sein würden und sie auch deren Einkäufe zu tragen habe. Oh, sicher ging es nicht um die Plackerei, wohl aber konnte sich jeder der vermeintlichen Marktbesucher des Spenglerhaushalts eine bessere Gesellschaft als besagte vorstellen. Doch wer gezwungen wird, muss sich meist fügen und so fand sich Norah alsbald mitten am Marktplatz, stumm und starr die Körbe tragend, während die Zwillinge voraus schritten und einen deutlichen Sicherheitsabstand zum „hässlichen Entlein“ wahrten. Jener war dies nur ganz recht und mit stumpfem Blick versuchte sie die ein oder andere Szene an den Buden und Ständen aufzunehmen. Als Betlinda und Joline plötzlich an einem gut besuchten Podest verharrten, spielte Norah etwas länger mit dem Gedanken die beiden zurück zu lassen, um sich selbst ein paar Stunden des Sommermarkt-Spektakels zu gönnen, ehe es eh am Hofe Schelte für den Alleingang gab. Jedoch trug da der Wind ein paar Sätze zu ihr herüber und so kam es, dass der Grund für den Menschenauflauf, ein alter Geschichtenerzähler, auch Norah in seinen Bann zog und sie dem Ende einer uralten Sage über eine Nymphe des Himmels lauschte, deren Flügel ein Menschenmann gestutzt hatte, um sie bei sich auf Erden zu behalten.


„...sie jedoch liebte ihn nicht und immer wieder zog es die Nymphe auf die freien Äcker und Weiden, wo sie weinend den Himmel betrachtete und sich nichts sehnlicher wünschte, als ihre Flügel zurück zu haben, um wieder gen Wolken aufzusteigen und frei davon zu fliegen. Doch kein Wunder geschah und trotz jeder Flucht fand sie der gewitzte Mann immer wieder und sprach lachend: 'Nymn, oh Nymn', denn diesen Namen gab er dem wundervollen Geschöpf, 'Versteh' doch, dass du zu mir nun gehörst, auf Erden, für immer!' und ein jedes Mal brach er ein Stück ihres Herzens damit. So kam es auch, dass sie ihm nur ein einziges Kind schenkte, ehe sie sich sterben legte. Ihre letzten Tränen hatte sie ganz und gar dem Kindlein gewidmet, welches aufwuchs mit dem Wissen, tief im Inneren, dass es irgendwo ein wunderschönes Wesen des Himmels war und nicht wirklich auf die Erde gehörte. So sagt man, dass auch heute noch Nymns Nachfahren unter uns wandeln und manchmal voller Sehnsucht den Vögeln nachblicken, im Wissen, dass dort auch ihr Platz ist und nicht auf Erden unter ihren Mitmenschen.“

Als der Applaus begeistert erklang, verneigte er sich mehrfach und sammelte die großzügigen Spenden ein. Norah jedoch bekam all den Tumult um sie herum nicht recht mit und stand noch immer ein paar Schritte vom Pult entfernt, in der Bewegung erstarrt und mit offenem Mund, als habe sie der Donner gerührt.


„Was glotzt du so dumm?“, murrte da Betlinda, deren Unmut angefacht war, als sie bemerkte, dass man ihr während der Ablenkung durch den Erzähler eine Krone aus den Taschen ihres Kittels gestohlen hatte. „Wir sollen nicht umhertrödeln, lass uns weiter und halt nicht Maulaffen feil!“ Angestachelt von der eigenen Wut wagte sie sich diesmal sogar näher an Norah heran und griff rasch nach deren Arm um einmal fest zu zerren. Mit diesem Ruck kam da das Leben in das Mädchen zurück und jappsend, der Blick noch ganz verträumt glasig, hauchte sie den Schwestern zu:

„Ich bin eines davon....“


„Wie?“ Joline trat nun auch merklich irritiert näher und die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Mit einem beseelten Strahlen auf dem halb zerstörten Gesicht verkündete Norah:

„Ich bin eines der Kinder, welche von Nymn der Himmelsfee abstammen.“ Und oh, wie sehr sollte sie sich wünschen dies nie gesprochen zu haben!


Nach ein, zwei Momenten der Stille begann Joline zu kichern, was sich bald zu einem boshaften, schrillen Lachen entwickelte und die Menschen umher aufsehen ließ. Noch während sich die tumbe Masse in erregter Neugierde um das Geschehen versammelte, fand Betlinda ihre Stimme wieder.

„Was fällt dir ein, du dämliche Gans!“, begann sie bebend und holte Luft, um nun vollends loszulegen. „Sieh dich an. Du bist ein narbiger, kleinwüchsiger, krummer Wicht mit einem glotzenden, blinden Auge und dabei flach wie ein Knabe.“ Ihre Worte schienen zu wuchern und zu wachsen, um dröhnend in einem mächtigen Tusch über Norah und alle Versammelten herab zu regnen:

„Du bist keine Nymn, keine Fee... du bist und bleibst eine grässliche Nebelkrähe.“


Es muss an dem aberwitzigen Vergleich zwischen Fee und Krähe gelegen sein, dass nun auf den Schimpfregen, der klatschende Schauer von spöttelnden, lauten Lachern über Norah herein prasselte. Fahrig und bleich drehte sich das gedemütigte Mädchen hin und her, um überall in lachende, höhnende Fratzen zu sehen. Angst und Verzweiflung griffen nach ihrem Herz wie kalte Klauen, schnürten ihr die Luft ab und ließen ihr nur einen Ausweg: Flucht.

Die Körbe fielen zu Boden und irgendwie bahnte sie sich einen Weg durch die geifernde, tosende Masse und verschwand... erst spät am Abend, als jeder im Spenglerhause schlief, schlich Norah sich durch die Türe hinein und fand leise schluchzend die eigene Kammer. Sie wusste, dass am nächsten Tag Schimpf und Schande, sowie eine Tracht Prügel wegen der Türmerei auf sie warten würden und sie wusste auch, dass kein Schlag so sehr brennen würde, wie das wilde Spottgelächter, welches sie noch bis in ihre Alpträume verfolgte.

Verfasst: Sonntag 23. August 2009, 23:22
von Norah Birnbaum
Drittes Kapitel


Vielleicht lag es an dem „Nymn“-Vorfall und den spitzen Worten Betlindas, welche noch lange in Norahs Ohren nachklingen sollten oder einfach nur am unmöglich heißem, schwülem Wetter- das gerade ein Spengler-Leben in der Schmiede unerträglich machte, dass die allgemeine Stimmung im Haus sich derart bitter zuspitzte. Es war ein wenig, als hätten dunkle Gewitterwolken im Haus der Spenglers Einzug erhalten und egal wohin man ging – sie folgten und drohten sich stürmisch-zerstörerisch zu entladen. Immer häufiger gingen sich die Spengler gegenseitig an die Gurgel, meist verbal und gelegentlich auch tatkräftig. Norah, das eigentliche Opfer der Schläge und grundlegender Sündenbock, begann sich rar zu machen. Eine Kunst, wenn man bedenkt, dass das Mädchen es dennoch schaffte ihren Arbeiten nachzukommen. Früh stand sie auf und erledigte alles innerhalb des Hauses, am Nachmittag war sie dann im Garten oder in der Stadt, um all die Einkäufe in die Spenglerei zu bringen, zu finden und erst spät am Abend kam sie wieder zurück, öffnete die schwere Holztüre, lauerte ob ein jeder schlief und schlich sich dann klammheimlich in ihre abgelegene Gesindekammer hinüber. Ein durchaus weises Handeln und doch geht so etwas selten lange gut, wenn die Gemüter gereizt sind und man sich nach einem Sündenbock, an welchem man die aufgestaute Wut ablassen kann, geradezu schmerzlich sehnt.


Wenzel hatte den ganzen Tag an der Esse schuften müssen während sein „feiner“ Vater ihn mit den ungelenken Lehrlingen aus Weidenthal alleine gelasssen hatte und lieber Mutters Rock nachrannte. Dies war schon seit einer ganzen Woche die Art des Familienoberhaupts, sich zu beruhigen und seine Unmut los zu werden: er zeugte munter ein weiteres Kind. Vielleicht noch einen Sohn, der es irgendwann nicht besser hatte als Lothar und Wenzel und dem Vater hinterherblicken musste, wie er der grausamen Hitze der Schmiede im Sommer entfloh um sich zu vergnügen und sein Kind alleine zurück ließ. Ein mieser, feiger Hund erschien ihm der Vater in solchen Momenten und zu gerne lenkte Wenzel dann seine Wut in Form höhnenden Spotts auf Norah, die hier und dort umherschlich und versuchte ihre Hausarbeiten leise und unauffällig zu erledigen. Wenzel fand sie immer, überall und obwohl er als einziges Mitglied der Spenglerfamilie das Mädchen noch nie geschlagen oder recht angerührt hatte, so schäumten Spott und Hohn stets in ihm über, sobald er sie erblickte. Oh, er wusste schon lange, was sie für ihn empfand. Im Gegensatz zum Rest seiner Familie war er nicht dumm oder blind für das Offensichtliche und so hatte er ihre scheuen, heimlichen Blicke bemerkt und sowohl überrascht, als auch amüsiert registriert, dass sie tatsächlich errötete, wenn er sie länger ansah. Der hässliche, kleine Kobold mit dem Narbengesicht und dem Körper bar jeglicher Reize himmelte ihn an, wie ein kleines Schoßhündchen und erträumte sich diesbezüglich weiß-die-Lichte was heimlich des Nachts. Der Gedanke, dass sie ihm derart verfallen war schien im ersten Moment abschreckend und er bemühte sich damals schon treffende, grausame Worte zu finden, die wie Dolchspitzen schmerzten. Dennoch schien ihre Zuneigung nicht zu schmelzen und plötzlich mischte sich in die Abscheu etwas anderes, deutlich dunkleres: der süße Geschmack der Macht, die man über einen Menschen haben kann. Das Bewusstsein, dass eine Kluft zwischen ihnen wuchs, durch welche sie devot zur Sklavin ihrer Wünsche herabsank und er langsam zum großen Herren aufstieg. Für ein Lächeln von ihm, einen freundlichen Blick würde das Mädchen alles mögliche geben und allein dieses Wissen gab ihm das Gefühl des Erhabenen. Nachdem er diese Entdeckung gemacht hatte, dauerte es nicht lange und sein Blickwinkel änderte sich. Norah war nicht länger das stille, hässliche Entlein des Hauses, sondern seine persönliche Dienerin, machtlos sich seinen bissigen Worten zu entziehen. Tatsächlich verflog sein Unmut und auch die Wut rasch, wenn er sie fand, belustigt merkte, dass sie auf zwei, drei halbwegs nette Worte hoffte – manchmal gab er ihr diese sogar noch, als eine Art Köder – und letztendlich nur Schimpf, Hohn und bissigen Spott erntete. Sie schien regelrecht weiter zu schrumpfen und zusammenzusacken, während in ihm das Hochgefühl anstieg. Ja, eine solche spezielle „Behandlung“ war sein persönlicher Weg mit den Gewitterwolken fertig zu werden und genau dieser Weg wurde ihm nun versperrt, da die dämliche Gans von Norah ihnen allen seit Tagen aus dem Weg ging. Wenzels Unruhe stieg wie ein Stausee unter Dauerregen unaufhaltsam an, bis ihn eines Abends, nach getaner Arbeit, eine Woge packte und in das Schnapslager des Vaters trieb...

Verfasst: Montag 24. August 2009, 21:03
von Norah Birnbaum
~*~


Sie hatte die Nacht unterschätzt, denn obwohl die Tageshitze beinahe unerträglich erschien, so rauschte nun der Wind von der nahen Küste herüber und brachte sowohl Meeresluft, als auch raue Kälte mit sich. Das dünne Leibchen und der feine, einfache Leinenrock, welche sie aufgrund der Wärme zuvor gewählt hatte, konnten dieser Kälte nicht ausreichend standhalten und beinahe war sie froh rasch das Spenglerhaus außerhalb der Stadt erreicht zu haben. Kein Licht brannte mehr und zitternd, doch ohne einen Laut öffnete sie die Türe und drückte sich durch den Spalt. Im Inneren lauschte sie kurz und stellte wieder erleichtert fest, dass tatsächlich kein Laut mehr zu hören war, außer dem tönenden Schnarchen des Familienoberhaupts. Auf Zehenspitzen schlich sie nun durch die Küche, das Speisezimmer und immer weiter vom Zentrum des Hauses fort, um in die abgelegene, eigene Kammer zu gelangen. Hastig öffnete sie auch hier die Türe und drehte im finsteren Inneren frech den Schlüssel. Keiner sollte sie stören, keiner sie überraschen und mit neuen Aufgaben, Schlägen oder bösen Worten übersähen. Die Anspannung der letzten Tage hatte sie ängstlich gemacht, wusste sie doch nur zu gut, wozu Menschen fähig waren, wenn sie unerträglichem Druck zu lange ausgesetzt waren. Seufzend verharrte sie kurz an der Türe, den kalten, zitternden Körper an das Holz gepresst. Der Wunsch nach der wärmenden Wolldecke auf ihrer Pritsche wuchs und mit einem Ruck löste sie sich und huschte lautlos wie ein Geist quer durch den Raum zum Fenster, unter welchem das Bett so einladend Wärme versprach. Doch noch in der Bewegung erfasste ihre Nase diesen starken und benebelnden Geruch von Alkohol und noch bevor sie nach der Wolldecke greifen konnte, sprach eine dunkle Stimme höhnend.


„Ist der nächtlich schwärmenden Motte etwa kalt?“



Wie vom Blitz getroffen zuckte das Mädchen ängstlich zusammen und fuhr nicht minder rasch herum. Der Gedanke an einen Eindringling des Nachts in ihrem kleinen Reich erschreckte sie bis auf die Knochen und rasch überlegte sie, ob man ihr Schreien hier überhaupt bis zu den anderen Schlafgemächern hören würde. Geistesgegenwärtig fischte sie nach irgendetwas auf dem Nachttisch , was man zur Notwehr als Waffe verwenden könne und dankte dem behütenden Raben, als ihre klammen Finger den metallenen Kerzenständer zu fassen bekamen. Doch bevor sie diesen hob, meldete sich die Stimme ein weiteres Mal.


„Oh, nein nein, kleine Motte. Falscher Alarm. Kein Räuber, kein Sittenstrolch oder Einbrecher. Nur ich.“

Ein Schatten bewegte sich im Eck neben der Türe und trat in den schmalen Lichtstrahl, welcher durch das Fenster fiel. Mit einem erstaunten Keuchen ließ Norah den Kerzenständer fallen, als habe man ihr eine saftige Ohrfeige verpasst und versuchte noch die Situation zu begreifen, während der Ständer mit dumpfem Geräusch unter die Pritsche rollte. Vor ihr, ins silbrige Mondlicht getaucht, stand breit grinsend Wenzel Spengler. Sein goldblondes Haar war vom Bad nach der Arbeit noch feucht und statt der dreckigen Arbeitskleidung trug er ein weites, einfaches Hemd, sowie eine Leinenhose und beides schien seinen athletisch muskulösen Körper erneut zu betonen. Für den Bruchteil von wenigen Momenten schlug Norahs Herz beinahe bis zum Hals. Sie hatte sich eine solche Szene bestimmt hunderte Male heimlich vorgestellt: ein plötzlich charmanter, liebevoller Wenzel, der sich des Nachts in ihr Gemach stahl, mit seinen weichen Lippen die ihren innig küsste, ihr sanft mit kräftigen Händen über das feuerrote Haupt strich und dann erklärte, dass er schon immer so leidenschaftlich für sie empfand, wie sie für ihn. Kurz kam ihr der aberwitzige Gedanke, dass sie schon längst träumen musste und widerstand nur mühsam dem Impuls sich zu kneifen. Wieder war es Wenzel, der des Rätsels Auflösung bot und leise zu lachen begann. Mit dem Lachen schwappte erneut der intensive Schnapsgeruch gen Norah und ihre Traumszene verzerrte sich urplötzlich zum grässlichen Alptraum.

Er hatte getrunken!

Wenzel war trunken vom Schnaps und sprach deshalb so langsam und leise, was Norah kurz gänzlich falsch als aufflammende Zärtlichkeit deutete. Erst jetzt bemerkte sie auch das düstere, wütende Funkeln in seinen Augen und ehe sie etwas sagen konnte, stieß er nun knurrend hervor:

„Hältst dich wohl für klug, du hässliche, kleine Nebelkrähe, was? Denkst als Motte verwandelt kannst du uns entwischen, hm? Flatterst da draußen umher, während Andere darben und...“, er stockte kurz und neuer Zorn glomm in den dunkelgrauen Augen auf, „... und wieder Andere die Betten wälzen.“ Er ballte beide Hände zu Fäusten und schüttelte sie. Tatsächlich wuchs in dem jungen Mann schon seit einigen Augenblicken der Wunsch das Mädchen windelweich zu prügeln, um all die Enttäuschung, Wut und Neid der letzten Tage loszuwerden. Mit festem Schritt trat er auf sie zu und Norah wich entsetzt hastig zurück. In diesem Moment tauschten sie die Plätze und während Wenzel wieder ins Halbdunkel des Zimmers trat, musste Norah sich drehen um nicht gegen das Bett zu stoßen. Das Mondlicht erfasste die unversehrte, rechte Hälfte ihres Gesichts.


Liebe ist ein seltsames Gefühl und dem Hass nicht einmal so unähnlich, denn Liebe kann sich rasch in Hass verwandeln, wie Norah alsbald festellen sollte und Hass auf der anderen Seite flammt nicht weniger feurig und leidenschaftlich, als die Liebe selbst. Eine Erkenntnis die Wenzel nun traf, wie der wuchtige Schlag mit dem Schmiedehammer. Als er auf das makellose und unschuldig hübsche Antlitz blickte, zog sich etwas in seinen Eingeweiden zusammen und langsam sanken die Fäuste herab. Doch selten hat man die Hoffnung auf ein schönes Ende und dunkle Mächte erfreuen sich am Leid Anderer, nicht an deren glückliche Zweisammkeit und so kam es, dass Wenzel kurz darauf noch etwas anderes in dem lieblichen Mädchengesicht, genauer gesagt in Norahs Augen, entdeckte:


Angst. Panische, schreiende Angst vor ihm.


Nie hatte sie ihn so angesehen, glomm doch sonst in ihren Augen die Sehnsucht und Hingabe für den jungen Mann, welche ihm das Gefühl gab ihr persönlicher Herr zu sein. Doch war es diese Angst, die ihn mit einem einzigen Blick noch höher katapultierte. Er war nicht ihr Herr, er war ihr Gott und sie nicht seine Dienerin, sondern sein Spielzeug. Ein dumpfes Gefühl der Macht breitete sich in seinem Inneren aus und kribbelte vor Energie in den Extremitäten. Als ein Schauer durch Norahs kleinen Körper ging, war es ihm, als hätte man ein Signal gegeben und mit einem Satz sprang er auf sie zu, riss sie mit sich und warf das panisch um sich schlagende Mädchen auf das Bett. Man hatte ihm den Weg gewiesen und all ihre lächerliche Gegenwehr, wie ein Kaninchen in der Schlingenfalle, spornten seine Triebe nur noch an, wie frischer Span im Feuer. Erst als er nasse, salzige Tränen unter seinen Küssen schmeckte, hielt er kurz inne und sah Norah sowohl höhnend, als auch verständnislos an.


„Was heulst du, hässliche, kleine Nebelkrähe? Versuch nicht mir weiß' zu machen, dass du dir das in den letzten Jahren nicht erträumt hast. In gewisser Weise müsstest du mir danken, ich erfülle dir nur einen Herzenswunsch.“


Diese absurde Verdrehung ihrer Sehnsüchte und Hoffnung nach Liebe und Geborgenheit war zu viel für Norah und für wenige Augenblicke schmälerte sich die Angst und drohend fauchte sie ihm entgegen:

„Ich werd's allen sagen, hörst du? Ich werd dafür sorgen, dass du jede Ehr einbüßt! Ich werde...“

„Was, was... waaas wirst du schon, Norah Birnbaum?“
, fiel er ihr lachend in die Zornesrede. „Ein Kind wirst du mir nicht anhängen können, denn ich weiß, dass die alte Vettel des Arbeitshauses Vater bei der Vermittlung sagte, dass du wegen dem mickrigen Körper unfähig für jeden Empfang bist und was dann, Norah? Magst du losgehen und meinen Eltern, meinen Geschwistern und den Lehrlingen erzählen, dass ich, der ich fünf schöne Weiber an jedem Finger haben könnte, eine hässliche, verwachsene Nebelkrähe wie dich mit Gewalt betten musste?“ Wieder lachte er hell auf und warf amüsiert den Kopf in den Nacken, ehe er sich wieder seinem dunklen Werk widmete und höhnend in Norahs Ohr flüsterte:

„Nur zu, Norah, nur zu... keiner wird dir je glauben.“



Da zerbrach etwas in der Seele des Mädchens, denn sie wusste er hatte Recht und ohne weitere Gegenwehr, stumpf und bar jeglicher Gefühle, ließ sie es geschehen.

Verfasst: Dienstag 25. August 2009, 09:32
von Norah Birnbaum
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Norah war nicht mehr zugegen. Sie schwebte weit entfernt von all dem Elend und registrierte nicht, wie sich Wenzel wieder ankleidete und das Hemd letztendlich stumm knöpfte. Es ist kein leichtes einen Menschen zu brechen und wenn eine Seele nicht durch und durch verdorben ist, dann empfindet sie nach einer solchen Tat meist Scham und Schuld wie zwei dumpfe Gewichte auf der Brust. Jene waren es nun, die Wenzels Kopf drehten und „sein Werk“ betrachten ließen. Die Nebelkrähe war plötzlich einfach nur ein regloses, gebrochenes Mädchen, welches den Kopf zur Seite gedreht hatte und ins Nichts starrte. Entsetzen über das, was er eben noch genossen und getan hatte, machten sich in dem jungen Mann breit und jegliches Hochgefühl erlosch in der Kälte der Erkenntnis. Er hatte einem Monster im Inneren nachgegeben, besessen von Gedanken, die er vorher nie kannte, hatte sich von dunklen, lachenden Mächten leiten lassen und ein unschuldiges Wesen mehr verletzt, als eine Fäuste es je hätten vollbringen können. Zitternd streckte er die Hand nach dem starren Gesicht aus und berührte die noch tränenfeuchte Wange.

„Norah, ich... oh, Herrin hilf'. Norah, ich wollte nicht...“


Ein Klos bildete sich in seinem Hals und fahrig strich er der leblosen Gestalt über das feurig rote Haar. „Norah es tut mir so entsetzlich leid.“

In diesem Moment erwachte das Leben wieder in ihr und hölzern, wie eine Marionette drehte sie ihm den Kopf zu. Die Angst fand er darin nicht mehr und ebenso wenig jeden Hauch der Liebe und Sehnsucht. Norahs Augen, das milchig blinde und das azurblaue, glitzerten vor Hass. So intensiv, unerschütterlich stark und dennoch eisig kalt statt feurig oder leidenschaftlich, dass Wenzel nach Luft schnappte.

„Fass mich nicht an!“

Als habe er sich an diesem kalten Feuer verbrannt, zog Wenzel die Hand zurück und erhob sich wackelig. Sie ließ ihn nicht aus den Augen und es war dem jungen Manne, als verfolgte dieser schreckliche Blick ihn auch noch, als er längst aus ihrer Kammer gestürmt war. Zurück blieb Norah, welche die Knie an den Körper zog und nicht einmal mehr versuchte all jenen ohnmächtigen Hass- und Zorngefühlen noch Herrin zu werden.


Später konnte sie nie sagen, ob sie nun Augenblicke, Minuten oder Stunden so verharrte, doch wusste sie ganz genau, was sie aus dieser Tiefe gerettet und ihrer Energie ein Ziel gegeben hatte. In ihrer dunkelsten Stunde kam der Nebelkrähe ein weiteres Mal der Rabe zur Hilfe und wies mit majestätischen Schwingen den Weg.


„Sie sind alle falsch und grausam, Norah.“
, raunte seine dumpfe Stimme weise.

„Sie haben all die Jahre nur Schreckliches getan und nun ist das Fass voll. Du musst es nicht weiter ertragen, du musst nicht weiter still leiden. Norah, nun sind sie an der Reihe. Ich sorge dafür, dass sie bluten, dass sie winzeln und kriechen. Gib mir ihre Seelen und ich verspreche dir die süßeste Vergeltung und Linderung des Schmerz. Gib sie mir...


Noch während sie ihm aus tiefstem Herzen dankte, erhob sich Norah, wollte sich aus der Pritsche schieben und trat auf das kalte Metall des Kerzenständers und verstand. Rasch war ein Bündel an persönlichen Besitztümern zusammengerafft, sie in dunkle Leinengewänder gekleidet, etwas Essen aus der Küche, sowie eine kleine Summe aus der Haushaltskasse gestohlen. Emsig wie ein Bienchen und lautlos wie eine jagende Katze hantierte Norah und führte den ihr „gottgegebenen“ Auftrag, die Kerze in der einen Hand, einen Sack voll Stroh in der Anderen, aus.


Sie stand auf einer Anhöhe, als die ersten Flammen sichtbar durch die Fenster sprangen und nun gierig auch die Außenwand leckten, wie große gelborangene Zungen, die verschüttetes Bier aufsogen. Nun war es längst zu spät für irgendeinen der Spenglers um dem Inferno zu entfliehen, wütete das Feuer doch längst kreischend und tobend durchs Innere und Norah hatte zudem sehr gewissenhaft gehandelt, als sie die Türen verriegelt und verrammelt hatte. Ein süffisantes und etwas sarkastisches Lächeln zuckte um die Mundwinkel. Die dämlichen, vergitterten Fenster, welche ihr lange Zeit die Stimmung trübten, waren nun das absolute Todesurteil der gesamten Familie und irgendwie schmeckte die Ironie, dass von ihren Körpern vermutlich nicht mehr übrig bleiben, doch die Gitter das Feuer überstehen würden, wie süßer Wein, der langsam durch das Blut rauschte. Oh, Norah wusste nur zu gut, was sie nun alle erlebten, sie kannte die Panik, wusste um das erstickende, rauchige Kratzen in den Atemwegen und spürte noch heute den Schmerz des schwelenden Fleisches, dessen Säfte zischend verdampften. Mit sachter, nun ruhiger Geste berührte sie ihr vernarbtes, zerstörtes Gesicht und dankte aus tiefstem Herzen ihrem Erlöser mit Rabenschwingen. Dies war Rache, Genugtuung, Recht und Vergeltung in einem großen Freudenfeuer. Seltsam nur, dass sie vor Jahren ihre geliebte Mutter so herzzerreissend hatte schreien hören, doch diesmal kaum ein Ruf zu ihr heraus drang. Seufzend schüttelte sie die aufkeimende Sorge ab und legte den Kopf sinnierend schief. Vermutlich lag es nur daran, dass die Flammen derart brüllten... oder aber das Kreischen des Feuers hatte sich längst mit dem der Sterbenden vermischt und sie lauschte längst deren verzweifelten Schreien. Achselzuckeng griff sie nach ihrem prallen Tagesbündel und warf es sich über die Schultern. Ein letztes Mal gönnte sie sich noch einen längeren Blick auf ihr Werk, dann eilte sich das Mädchen um davon zu kommen bevor die Rettung – zu spät – eintraf.

Verfasst: Mittwoch 26. August 2009, 14:34
von Norah Birnbaum
Nachwort


Sie hatte geträumt von wundersamen Geschehnissen.

Im Traume war sie auf einem hohen Felsen gestanden und hatte ganz Weidenthal, bis hin zur Küste überblicken können. Der Nachtwind hatte sie sanft gestreichelt und ihr ward plötzlich, als würde sie wachsen, nein schweben.

„Flieg, mein Kind, flieg.“, sprach eine Stimme, von der sie im ersten Moment glaubte, dass es ihre verstorbene Mutter war, dann aber fast hoffte, ob nicht ihr dunkler Herr diesen leisen Befehl geäußert hatte.

Sie fühlte sich so frei und gelöst und lachend streckte sie die Arme weit von sich. Es schmerzte nur kurz, als sich die kielartigen Enden durch ihre Haut nach außen bohrten und dort, vor ihren Augen in abertausende von rabenschwarzen Federn verwandelten. Sie spürte den Wind nun unter den Armen... Flügeln und er bot ihr an, sie mitzunehmen. Weit, weit fort von alledem, was geschehen war.

„Flieg, mein Kind, flieg.“ Und Norah tat wie ihr geheißen.

Weit weg ging die Reise, fort von Weidenthal, über das Meer, bis zu einer fremden Küste.

Sie hatte geträumt von wundersamen Geschehnissen.


„Land in Sicht“, so der zufriedene Ruf eines Seemannes aus dem Mastkorb.

„Na, endlich“, raunte einer der Matrosen an Deck und nahm aus den Augenwinkeln die junge Frau wahr, die schon seit mehreren Stunden an der Reling stand und aufs Meer starrte. Er hatte viel in seinem rauen Leben gesehen und so schreckte ihn weder ihr kleiner Wuchs, noch das Narbengewebe. Mit einem freundlichen Brummeln nickte er ihr so eher mitleidig zu.

„Ist nich mehr weit, Frollein. Sin bald da un dann hamse wieder Boden unner den Füßen.“

Sie lächelte so gelöst wie noch nie, seit sie reichlich gehetzt an Bord kam, dass er kurz glaubte sie habe etwas ausgefressen und sei auf der Flucht. Jetzt allerdings tat er diesen ersten Impuls als Trugschluss ab und schenkte ihr auch ein etwas fauliges Lächeln.

„Na, wie dem auch sei... wünsch noch ne gute Reise dann durch Gerimor un so, Frollein...“, fragend blickte er ihr entgegen und mit weicher Stimme antwortete sie sanft:

„Nymn“, und sah dann wieder der Küste entgegen.

*** FIN ***


(nun beginnen Norahs Tage unter des Rabenherren' Schwingen und die Kapitel setzen sich somit hier:
[url]http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=44082[/url]
fort...)