Verbannung
Verfasst: Freitag 24. Juli 2009, 14:52
Die großen, blauen und kindlich-neugierigen Augen sahen mich neugierig und zugleich auch traurig an. "Mah, warum müssn wir weg?", fragte das kleine Mädchen mit zitternder Unterlippe. Ich versuchte zu lächeln und sie mit diesem lächeln zu beruhigen. "Mein Engel, wir bleiben nicht lange fort und wenn doch, dann bauen wir uns irgendwo anders etwas Schönes auf, ja?", ich glaubte selbst nicht an das, was ich da sagte.
Das Schreiben der neuen Statthalterin hielt ich nach wie vor in meiner Robentasche dicht bei mir, man wusste nie, wofür ich es letztendlich gebrauchen würde. Die letzte Nacht erst hatte ich ihr im Traum noch meine Stimme geschickt. Vielleicht würde sie dadurch aufwachen und von ihrem hohen Roß herunterkommen. In welcher Welt leben wir, dass man eine Arkoritherin aus einer Lapalie heraus vor die Tore setzen darf?
"Darf Moe mit?", das kleine Köfferchen in der Hand Leonies wippte zum Takt ihrer wackelnden Zehen. Moe. An Moe hatte ich gar nicht mehr gedacht. Es war ein Leichtes das Kätzchen für Leonie zahm zu bekommen und seitdem waren die Beiden unzertrennlich. Ja, was würde mit Moe passieren? Ich wusste ja noch nicht einmal, wohin wir gehen sollten. Das Kindermädchen beorderte ich zu mir und flüsterte ihr einige Worte zu. Sie solle einstweilen auf Leonie aufpassen und, so es nötig sein sollte, mit ihr flüchten. Ich selbst musste die Stadt verlassen, denn, so wie es hier stand, war ich in dieser Stadt nicht mehr erwünscht. Auf die Frage hin, wieso ich gehen müsste erklärte ich es ihr in kurzen Worten.
"Aber Milady, ihr habt doch so viel für die Stadt getan?", ich nickte auf ihre Worte hin. Das hatte ich sehr wohl und als Dank dafür wird einem erst angedroht, dass die Pferde geschlachtet werden und dann letztendlich wird man vor die Türe gesetzt. Den Grund dafür musste ich einfach nicht verstehen. Manchmal flogen einige Menschen einfach viel zu hoch. Ich seufzte.
"Mah, mag mit!", die Kleine klammerte sich an mein rechtes Bein. Ich wusste selbst, dass ich nicht oft da war und wenn ich da war hing mein Mädchen immer an mir. "Mein Schatz, Mama ist bald wieder da und Papa müsste auch bald wieder kommen.", und ehe ich mich versah ging die Türe auch schon auf. "Siehst du.. Papa bleibt bei dir.", ich lächelte.
Ich muss nicht erwähnen, dass es für meinen Lebensgefährten eine deutliche Überraschung war, als ich ihm erst von der Drohung des Tötens der Pferde erzählte und dem darauffolgenden Schriftwechsel sowie dem Gespräch mit der Statthalterin. "Hast du ihr nicht die Zunge herausgerissen für ihre Worte?", fragte er nüchtern. Ich verneinte. "Ich habe darüber hinweggesehen, als sie mir den Mund am Tisch verbat.. du weißt, in Zeiten wie diesen und in den Zeiten des Umbruchs muss man vorsichtig sein und die Handlungen mit Bedacht wählen."
Er schmunzelte kurz. "Du siehst ja, was es gebracht hat. Verbannt bist du nun allemal."
Ich seufzte. Manchmal hasste ich ihn für seine Worte, mit denen er selbstverständlich Recht hatte. Nach dem Ableben meines Noch-Ehemannes hatte ich wenigstens erstmals ein gutes Gefühl. Immerhin hatte sich das Band zwischen uns gelöst und der innere Schmerz seines Todes verging auch irgendwann. Einzig allein die Angst blieb, dass er irgendwann wiederkam. In einem anderen Körper. Ich musste also in Zukunft vorsichtig sein. Aber manchmal sollte einen das Schicksal wohl doch immer wieder einholen. "Ich muss langsam los, wenn sie mich hier erwischen werden sie vermutlich noch ganz anderes mit mir anstellen..", ich verstand meine Worte teilweise selbst nicht. Vermutlich war es die pure Enttäuschung über das, was passiert war. Ich wusste, irgendwann würde der Tag kommen, an dem es die Vergeltung für das geben würde, was passiert war. Wie konnte die Erhabene nur im Ansatz daran glauben, dass es richtig war eine Arkoritherin zu verbannen? Gerade sie sollte doch genauer wissen, was ich für Rahal geleistet habe. In wievielen Schlachten war ich dabei? War ich es nicht, die mit Kryndlagor versuchte das Portal zu brechen? Den Schlüssel dafür zu finden? Vielleicht hatte Jana gar nicht so unrecht mit ihren Worten. Wieder seufzte ich und schmiegte mich ein letztes Mal an meine kleine Familie. "Ich bin bald zurück..", flüsterte ich. Es gab immer Mittel und Wege in die Stadt zu kommen. Die Verbannung galt nur für mich, weder für Lucan noch für Leonie. Auch wenn mir beide furchtbar fehlen würden, selbst wenn ich wusste, das ich Lucan auch auf der Burg über den Weg laufen würde. Leonie würde ich erstmals eine Weile nicht mehr sehen. Und auch, wenn ich eine Arkoritherin war, ich war gleichermaßen Mutter und konnte meine Muttergefühle ihr gegenüber nicht abstellen.
Ich zog die Türe hinter mir zu, nachdem ich beiden noch einen Kuss aufgedrückt hatte und machte mich durch das Dunkel auf den Weg eine neue Bleibe zu suchen. Fernab von der Stadt. Das, was ich gerade hinter mir gelassen hatte war einst ein Teil von meinem Leben gewesen. Aber ich wäre nicht Tarja Thyrmon würde ich nicht aus den Ruinen auferstehen, um meinem eigenen Kodex nachzugehen - mit oder ohne der heiligen Stadt, die eine Arkoritherin verraten hat.
Das Schreiben der neuen Statthalterin hielt ich nach wie vor in meiner Robentasche dicht bei mir, man wusste nie, wofür ich es letztendlich gebrauchen würde. Die letzte Nacht erst hatte ich ihr im Traum noch meine Stimme geschickt. Vielleicht würde sie dadurch aufwachen und von ihrem hohen Roß herunterkommen. In welcher Welt leben wir, dass man eine Arkoritherin aus einer Lapalie heraus vor die Tore setzen darf?
"Darf Moe mit?", das kleine Köfferchen in der Hand Leonies wippte zum Takt ihrer wackelnden Zehen. Moe. An Moe hatte ich gar nicht mehr gedacht. Es war ein Leichtes das Kätzchen für Leonie zahm zu bekommen und seitdem waren die Beiden unzertrennlich. Ja, was würde mit Moe passieren? Ich wusste ja noch nicht einmal, wohin wir gehen sollten. Das Kindermädchen beorderte ich zu mir und flüsterte ihr einige Worte zu. Sie solle einstweilen auf Leonie aufpassen und, so es nötig sein sollte, mit ihr flüchten. Ich selbst musste die Stadt verlassen, denn, so wie es hier stand, war ich in dieser Stadt nicht mehr erwünscht. Auf die Frage hin, wieso ich gehen müsste erklärte ich es ihr in kurzen Worten.
"Aber Milady, ihr habt doch so viel für die Stadt getan?", ich nickte auf ihre Worte hin. Das hatte ich sehr wohl und als Dank dafür wird einem erst angedroht, dass die Pferde geschlachtet werden und dann letztendlich wird man vor die Türe gesetzt. Den Grund dafür musste ich einfach nicht verstehen. Manchmal flogen einige Menschen einfach viel zu hoch. Ich seufzte.
"Mah, mag mit!", die Kleine klammerte sich an mein rechtes Bein. Ich wusste selbst, dass ich nicht oft da war und wenn ich da war hing mein Mädchen immer an mir. "Mein Schatz, Mama ist bald wieder da und Papa müsste auch bald wieder kommen.", und ehe ich mich versah ging die Türe auch schon auf. "Siehst du.. Papa bleibt bei dir.", ich lächelte.
Ich muss nicht erwähnen, dass es für meinen Lebensgefährten eine deutliche Überraschung war, als ich ihm erst von der Drohung des Tötens der Pferde erzählte und dem darauffolgenden Schriftwechsel sowie dem Gespräch mit der Statthalterin. "Hast du ihr nicht die Zunge herausgerissen für ihre Worte?", fragte er nüchtern. Ich verneinte. "Ich habe darüber hinweggesehen, als sie mir den Mund am Tisch verbat.. du weißt, in Zeiten wie diesen und in den Zeiten des Umbruchs muss man vorsichtig sein und die Handlungen mit Bedacht wählen."
Er schmunzelte kurz. "Du siehst ja, was es gebracht hat. Verbannt bist du nun allemal."
Ich seufzte. Manchmal hasste ich ihn für seine Worte, mit denen er selbstverständlich Recht hatte. Nach dem Ableben meines Noch-Ehemannes hatte ich wenigstens erstmals ein gutes Gefühl. Immerhin hatte sich das Band zwischen uns gelöst und der innere Schmerz seines Todes verging auch irgendwann. Einzig allein die Angst blieb, dass er irgendwann wiederkam. In einem anderen Körper. Ich musste also in Zukunft vorsichtig sein. Aber manchmal sollte einen das Schicksal wohl doch immer wieder einholen. "Ich muss langsam los, wenn sie mich hier erwischen werden sie vermutlich noch ganz anderes mit mir anstellen..", ich verstand meine Worte teilweise selbst nicht. Vermutlich war es die pure Enttäuschung über das, was passiert war. Ich wusste, irgendwann würde der Tag kommen, an dem es die Vergeltung für das geben würde, was passiert war. Wie konnte die Erhabene nur im Ansatz daran glauben, dass es richtig war eine Arkoritherin zu verbannen? Gerade sie sollte doch genauer wissen, was ich für Rahal geleistet habe. In wievielen Schlachten war ich dabei? War ich es nicht, die mit Kryndlagor versuchte das Portal zu brechen? Den Schlüssel dafür zu finden? Vielleicht hatte Jana gar nicht so unrecht mit ihren Worten. Wieder seufzte ich und schmiegte mich ein letztes Mal an meine kleine Familie. "Ich bin bald zurück..", flüsterte ich. Es gab immer Mittel und Wege in die Stadt zu kommen. Die Verbannung galt nur für mich, weder für Lucan noch für Leonie. Auch wenn mir beide furchtbar fehlen würden, selbst wenn ich wusste, das ich Lucan auch auf der Burg über den Weg laufen würde. Leonie würde ich erstmals eine Weile nicht mehr sehen. Und auch, wenn ich eine Arkoritherin war, ich war gleichermaßen Mutter und konnte meine Muttergefühle ihr gegenüber nicht abstellen.
Ich zog die Türe hinter mir zu, nachdem ich beiden noch einen Kuss aufgedrückt hatte und machte mich durch das Dunkel auf den Weg eine neue Bleibe zu suchen. Fernab von der Stadt. Das, was ich gerade hinter mir gelassen hatte war einst ein Teil von meinem Leben gewesen. Aber ich wäre nicht Tarja Thyrmon würde ich nicht aus den Ruinen auferstehen, um meinem eigenen Kodex nachzugehen - mit oder ohne der heiligen Stadt, die eine Arkoritherin verraten hat.