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Neue Lande...
Verfasst: Dienstag 16. Juni 2009, 12:42
von Samira Nailah
Neue Lande
Kalt... das war der nachhaltige Eindruck, den das Land auf Samira hinterließ. Kalt und unfreundlich. Ob Tivadar hier wirklich zu bleiben gedachte?
Die Miene nicht um einen Deut verziehend, stets das fröhliche, sanfte Lächeln auf den Lippen, tobten die Gedanken hinter der Stirn der Stammestochter. Terina hatte das kleine Zimmer, dass sie auf der Burg bewohnten, bereits zur Vollkommenheit aufgeräumt und gesäubert. Mit einem tiefen Seufzer ließ sie sich auf der Bettkante nieder und starrte eine Weile schweigend durch den Raum.
Es war noch immer stickig, egal wie viel Mühe sie sich auch gab, und richtig warm wurde es in dem Zimmer gleichfalls nicht. Die kleinen Fenster ließen kaum etwas Licht herein, wobei die Sonne so gut wie nie zu sehen war. Die hohen Mauern der Eisenwart verschluckten zusätzlich das karge Licht. Steter Regen ergoss sich aus den Wolken, so dass sie sich bald fragte, warum das Land noch nicht längst ertrunken war. Die mitgebrachte Garderobe, eigens dazu ersonnen, Tivadar zufriedenzustellen und ihm stets einen ansehnlichen Anblick zur Verfügung zu stellen, war dünn. Sie fror ganz erbärmlich.
Wie gern wäre sie wieder zuhause. Wie gern würde sie die wärmende Sonne auf der Haut spüren, sich lieber mit der Gefahr von Sandstürmen auseinander setzen müssen, als mit einem Tod durch Erfrieren. Die gewohnten, tiefen Atemzüge halfen ihr, in halb meditativen Zustand jedes unsegliche Gefühl dazu zurückzudrängen und wieder in seinen Käfig zu sperren.
Das er sie gut behandelt hatte, keine Frage. Er versorgte sie und Terina stets mit erlesener Kleidung und ließ ihnen mehr Freiheiten als andere genossen hätten. Er ließ sie nicht hungern noch dursten, doch mochte manches davon mehr aus seinem eigenen Nutzen heraus geschehen sein, denn welchen Sinn hätte es gehabt, den Leib welchen man zu besteigen gedenkt absichtlich zu verunstalten. Besitz denkt nicht, Besitz fühlt nicht, Besitz gehorcht... ein Mantra das sie immer wiederholte während jener schwitzige, schmierige Körper über sie glitt und mit seinem Gewicht erdrückte. Trotz aller Kultur, die er sich angeeignet hatte, gelang es ihr besonders in diesen Momenten selten, darüber hinwegzusehen das er ein Ausländer war. Mochte er sich noch so erhaben benehmen, die bleiche, käsige Haut würde immer bleiben und jeden Tag aufs neue daran erinnern, dass der Mann, der ihren Leib so benutzte, kein Stammesangehöriger war.
'Es kümmert mich nicht...', wiederholte sie im Geiste mannigfach, jedes Mal eindringlicher als zuvor. 'Du bist sein Besitz... vergiss nicht, dass dein eigener Stamm dich verriet... du verdankst ihm deine Existenz...' nur um dann wieder zu jenem Punkt zurückzukehren... 'Besitz denkt nicht, Besitz fühlt nicht, Besitz gehorcht...'. Ein Kreislauf, der ihr bereits so altbekannt war, dass er sich kaum mehr fortdenken ließ.
Zur Tatenlosigkeit verdammt, machte sich trotz des Bemühens um ein ausgeglichenes Wesen Unruhe in ihr breit. Sie musste irgendetwas tun können. Sie hatte keine Kräuter mehr zur Hand, sollte etwas passieren, wäre sie so gut wie nutzlos. Jene, welche sie eigentlich hatte mitbringen wollen, waren auf der Schifffahrt zum Teil verbraucht, und der andere dem Schimmel anheim gefallen. Dringend musste sie sich einen neuen Vorrat anlegen...
Noch einmal tief nach Atem ringend, erhob sie sich wieder und schlenderte sanften Schrittes durch die Burg, die Hüften dabei in sinnlichem Takt wiegend, um zu sehen ob ihr Mjesther nicht doch eine Aufgabe für sie hätte, die es ihr erlaubte, den Tag schneller vergehen zu lassen.
Verfasst: Dienstag 16. Juni 2009, 16:04
von Terina Antock
War es für Samira ein neues,fremdes Land, so war es für Terina die Heimat.
Eine Heimat die sie wahrlich anders in Erinnerung behalten hatte.
Deutlich kälter, karger und unwohler kam es ihr nun vor wie damals zu ihrer Kindheit und früher Jugend.
Selbst ihre Bemühungen das kleine Räumchen, in dem sie in der Burg zur Zeit lebten etwas zu säubern und herzurichten konnte keinerlei Wärme erzeugen. Tag und Nacht fühlte es sich an wie ein leeres Gefängniss mit keinerlei Raum für eigene Gedanken.
Da wäre es egal gewesen, wenn sie noch eine Weile im Kerker hätten sitzen müssen oder in jenem Raum.
Auch wenn sie nun ein wenig mehr Freiheit hatten, war dies wahrlich nicht genug.
Jedoch hatte sich etwas verändert....Tivadar hatte sie erzogen zu gehorchen und keine Ansprüche zu stellen, sowie immer an sein Wohl zu denken und nicht an das eigene.
Doch auf einmal kamen ihr Gedanken in den Kopf...
" Frei sein"
" Mein eigener Herr sein und niemandem mehr gehorchen"
Zudem dachte sie nun viel öfter daran was mit ihr passieren würde, wie es mit ihr weiter gehen würde. Anstadt an ihren Herrn zu denken.
An einem Abend, als sie mit ihrem Meister sprach entfleuchten ihr sogar solche Gedanken und erzürnte ihn damit sehr. Jedoch konnte sie seinen Zorn etwas lindern indem sie sich sogleich vor ihm nieder kniete und um Verzeihung bat.
So etwas solle nie wieder vor kommen sagte er ihr, denn sie wisse ja was denn käme. Jene Bestrafung mit Hieben wollte sie tatsächlich nicht spüren.
Aber auch er stellte fest, dass sich etwas an ihr verändert hatte und dies hielt er nicht für gut.
Verfasst: Samstag 11. Juli 2009, 12:56
von Samira Nailah
Schattentanz
In seiner steten langsam schleichenden Weise wanderte der Mond weiter am Himmel empor um schlussendlich seinen höchsten Stand inne zu halten und jenen bedeutungsschwangeren Moment einzuleiten, in dem eine Rückkehr in seine Gemächer unausweichlich wurde. Samira atmete gefasst tief durch. Wie so viele Male zuvor sah sie sich den Trank zubereiten, der ihren eigenen Körper für seine Zwecke überlisten würde, so dass er jenes Werkzeug fand, an dem man sich auch erfreuen konnte. Das erste Mal als sie begriff, was er von seinem neuen Besitz erwartete, war es ein Schock. Die Tränen danach, stumm und leise geweint, hatte er nicht gesehen. Terina aber sehr wohl. Auch wenn Terina froh war, dass der Dienst nun nicht mehr auf ihren Schultern ruhte, schien sie neben der Eifersucht Mitleid zu entwickeln, und nahm das junge Mädchen in den Arm, während es schlicht um all das Verlorene trauerte. Beruhigendes Streichen auf dem dunklen, schwarzen Haar sorgte dafür, dass auch Samira allmählich Ruhe fand und den Kopf auf dem Schoss ihrer neuen Schwester einschlief.
Langsam setzte sie das Glas an die Lippen und schluckte den bittersüßen Trunk. Leicht berauschend wie Wein, etwas entrückt wirkend, wie jenes besondere Kraut aus der tiefsten Wüste. Mit geschlossenen Augen wartete sie ab, bis sie sicher sein konnte, die Wirkung würde nicht verfliegen. Sie hatte mit neuen Kräutern experimentieren müssen, doch scheinbar ließ ihr Geschick auch in diesen feuchten Landen nicht nach. Ihre Haut begann zu prickeln, der Atem ein wenig schneller zu werden. Gut, gut. So sollte es sein. Ein prüfender Blick auf das hauchzarte Nachtgewand, dann wieder ein seichtes Nicken. Das sollte ihn zufriedenstellen. Mit ruhigen Schritten wanderte sie über das Dach zu dem Gemach ihres Burgherren. Die kalten Winde zausten ihr Haar, ließen das Gewand leise flattern. In der Hand trug sie den Tiegel mit anregender Salbe, die versprochene Stärkung und einen Bund verschiedener getrockneter Kräuter. Ihr Mjeshter war unzufrieden, sein Leib stockte von überschüssigen Säften, schlafen konnte er nicht und der merkwürdige Mann hatte ihn geschwächt. Da hatte er doch tatsächlich den Kopf in die Hand gelegt. Soviel Schwäche vor einem Mann der als sein Gast auftrat, unerhört. Sie war so überrascht gewesen, fast schon entsetzt. Diese Lande veränderten sie alle. Terina lebte förmlich auf, als wäre sie zu wenig gegossen worden auf ihrer Insel und erst jetzt könne sie wieder richtig Wurzeln schlagen. Sie selber fühlte sich erdrückt von dieser feuchten Luft, meinte ersticken zu müssen an dem Gestank dieser Lande und fror andauernd. Die Kälte war ihr intimster Begleiter geworden. Sie war schlicht immer da. Tivadar selber begann Fehler zu machen, Schwäche vor seinem Gast zur Schau zu stellen und mit halb so harter Hand durchzugreifen wie sie es von ihm im Handelshaus gewohnt war. Er genoss weder sie, noch seinen Tabak, noch konnte er hier guten Wein bekommen.
Vorsichtig drückte sie die Tür zu seinem Gemach auf. Ein müder, ausgelaugter Blick, abgearbeitet und ermattet, legte sich auf ihre Gestalt, den sie mit einem bezaubernden Lächeln erwiederte. Ein wiegender Schritt und sie stand bereits bei einer der Kerzen, die den Raum in ein zartes Licht tauchten. Die Kräuter daran entzündend, verbreitete sich ein wohliges Aroma in dem Raum. Den Trank und das weiter glimmende Bündel legte sie neben der Kerze ab, ehe sie sich ihrem Mjeshter wieder zuwandte. Er winkte sie zu sich hinüber und ein verneigender Kopfzeig ihrerseits mochte folgen, ehe sie auf ihn zuschritt. Beschwingt von dem Trunk war es mehr, als würde sie sich dabei zusehen, als sie auf das Fussende des Bettes trat und die Hände zu den Seiten, dem dunklen Pfosten des Himmelbettes ausbreitete. Eine leise Melodie ihrer Heimat summend, dann die Stimme leis und klar erhebend, schmiegte sie sich abwechselnd links oder rechts an das Holz und tanzte für ihren Mjeshter.
'Des Nachts verborgen tief im Dunkeln,
Bewegen rhythmisch wie beim Tanze,
Schatten sich durch düstre Gassen,
Welche lebten einst im Glanze.
Leise wehen ihre Rufe in die stille Nacht hinein
Durch Tür und Fenser dringen sie bei Menschen ein.
Und Kinder, die nicht schlafen,
Höhren ihren Ruf:
"Komm her! Komm her!
Los such nach mir!
Reich mir die Hand
Und tanze mit mir!
Ich will dir gar bringen
Großen Ruhm,
Nur eins musst du tun,
Tanze mit mir."
Ein Mädchen folgt den Stimmen fein,
Die freundlich reden auf sie ein.
Das Mädchen läuft tief,
Durch die dunkelsten Gassen,
Die Stimme führt sie,
Angst verspührt sie,
Und will das Mädchen zurück nicht lassen.
Bis zum Markt hervorgedrungen,
Reiht sie sich ein zum Schattentanz.
Der Mond nun hoch empor gedrungen,
Zeigt sich nun rund und ganz.
Das Mädchen tanzt weiter
Und weiter in die Nacht hinein
Verzaubert von der Stimmen fein.
Doch des Nachtens Eiseskälte macht sie müde,
Sie schläft ein,
Und beim ersten Sonnenstrahl
Brach über sie der Tod herein...'
Ein Wiegen hier, eine eindeutige Beuge dort, das Gewand dabei jeweils entblössend wirkend, dann verschleiernd. Auf der dunklen Haut bildete sich ein seidiger Glanz, als sie langsam weiter voranschritt und über seine Beine kniete. Mit sicheren Bewegungen machte sie sich daran, ihn zu entkleiden. Lippen und Zunge dabei spielerisch gekonnt einsetzend. Eine Hand in den Tigel tauchend, rieb sie ihn langsam und verführerisch am Leibe mit der Salbe ein. Die Wirkstoffe wurden wunderbar von der Haut absorbiert und ließ ihn gleichfalls in einen nahezu berauschten Zustand fallen. Bestimmte, dem Moment nach wichtigere Aspekte wurden unterstützt, die Manneskraft verstärkt und die Lust in dem Zimmer zum Schneiden dick, fast greifbar.
Während sich die nackten Leiber ineinander verschlangen, dachte sie nur kurz daran, dass sie morgen wieder jener bitteren Reue über ihr Tun gegenüberstehen würde... bis seine Hand die Lust weiter entfachte und das Denken zumindest für eine Weile aussetzte...
Verfasst: Montag 13. Juli 2009, 22:45
von Samira Nailah
Schlaflos
Seichter Mondschein fiel durch die schmalen Burgfenster hinein in die Kammer des Burgherren. Die Möbel warfen dunkle Schatten in die Ecken und Nischen. Samira saß unruhig auf einem Stuhl in dem Gemach, während ihr Mjeshter ruhig in den weichen Kissen schlief. Der Blick mit dem sie ihn bedachte, hatte etwas verzweifeltes.
Schweigend fragte sie sich, ob er es wohl merken würde, wenn sie ihn verließ um sich in einem der Badezimmer zu reinigen.
Ein leichtes Zittern ob der Kälte des überall vorherrschenden Luftzuges befiel sie und sie vergrub den Kopf in den Händen. Doch gleich alarmiert ob er sie dabei ertappen könnte, sah sie wieder auf und setzte sich gerade hin. Er sollte nicht beunruhigt sein. Sie hatte zu dienen. So war es nun mal. Er hatte ihr Leben in der Hand. Egal, was einmal war. Uninteressant, ob sie einst frei unter der heissen Wüstensonne gelebt hatte. Ob es ihr freigestanden hatte, zu tun, wonach ihr der Sinn stand. All das gab es nicht mehr und sie tat gut daran, dies zu vergessen. Es musste sein. Immer, wenn ein Hauch der Erinnerung sie umgab, wurde sie unglücklich und vernachlässigte ihren Dienst.
Wehmütig dachte sie an den Schlüssel, den sie in einem geheimen Versteck vergraben hatte. Würde sie ihn jetzt berühren können, er würde ihr Ruhe schenken. Ruhe, Frieden, einen befreiten Geist. Und es hatte nichts damit zu tun, wie sie sich immer wieder selber sagte, dass ein gewisser Shaishar ihr diesen überreicht hatte. Und nichts damit, dass ihr ab und an, in den ungelegensten Momenten zwei freundlich dreinblickende, eisblaue Augen in den Sinn kamen.
Nichts...
Verfasst: Donnerstag 22. April 2010, 14:29
von Samira Nailah
http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=47820&start=0&postdays=0&postorder=asc&highlight=
Verfasst: Donnerstag 22. April 2010, 14:36
von Samira Nailah
Rilindja – Ein neuer Mjeshter
Das Frühjahr brachte eine unerwartete Wendung in Samiras Leben. Hatte sie schon den ganzen Winter versucht sich nützlich zu machen, so war doch eine gewisse Haltlosigkeit ihrer Position hervorstechend. Sie hatte gewusst, dass der Ritter Deslon, Bruder ihres Herren, sie nicht ewig auf der Burg behalten würde und so kam der Tag nicht überraschend, da er ihr auftrug sich für den Aufbruch bereit zu machen. Tivadar war nicht zurückgekehrt, hatte sie den rauen Landen überlassen. Die wenigen Besitzgüter waren rasch verstaut, das Bündel, auf das sie herabsehen konnte, spärlich. Doch was sollte ein Sklave auch an Besitz mitbringen? Sie hatte ihre Kleider, verschiedenste Gewänder, die doch alle eines gemeinsam hatten. Sie waren dünn und knäpplich, hauptsächlich dazu da, das männliche Auge zu erfreuen.
Auch wenn man ihr äußerlich nicht ansehen mochte, dass es sie aufwühlte, so fragte sie sich doch, wer der Mann sein mochte, dem sie nun übergeben wurde. Ein Barbar, das war sicher – und mit ein wenig Glück vielleicht einer mit Frau, Kindern und einem ganzen Harem, in dem sie nichts weiter tun müsste als den Haushalt zu erledigen. Sie lächelte milde über sich selbst. Wenn Wünsche Sterne wären, würde ihr der Himmel gehören. Sich zusammenreißend und selbst ermahnend mit dem Rumtrödeln aufzuhören, nahm sie ihre Sachen mit sich und brach mit dem Ritter nach Rahal auf.
Nervös sah sie der Begegnung entgegen. Deslon selbst schien das Ganze lästig, er ging raschen Schrittes voran und ließ im Gehen gerade noch so fallen, dass er den Mann gut kenne und sie dort gut aufgehoben glaubte. Der Mann – keine Familie also. Ehe der Unmut darüber sie ergreifen konnte, standen sie bereits in der Apotheke und sie lächelte wie gewohnt, verneigte sich, schwieg, während die Männer miteinander sprachen, und antwortete gehorsam, wenn man sie etwas fragte. Kaum das sie sich versah, war der Ritter bereits wieder fort und sie mit dem Statthalter alleine, welchen sie wenigstens bereits kannte.
Still bei sich dachte sie, dass sie es hätte schlechter treffen können. Er verstand sich auf die Heilkunst, würde ihr vielleicht wenn ihm der Sinn danach stand, mehr beibringen oder sie eventuell auch nur in den Büchern lesen lassen. Wenn nicht, gab es immer noch Gelegenheiten, wenn er nicht zugegen wäre und sie alleine ein wenig weiterforschen könnte.
Als sie alleine waren, folgte die Einweisung in ihre Aufgaben. Das erleichterte Durchatmen, als sie sich bewusst wurde, dass er sie nicht in seinem Bett wünschte, konnte sie noch knapp unterdrücken. Er hatte scheinbar ein Weib, dass sich seiner annahm. Zwar fragte sie sich gleich darauf, warum diese dann nicht die Aufgaben im Haus übernahm, aber das schien bei diesen Barbaren nicht unbedingt Sitte zu sein. Auch die Dame Rowan hatte nicht so umwerfend viel für ihren alten Mjeshter getan, wenn sie sich recht entsann. Merkwürdiges Völkchen – diese Barbaren.
Während der nächsten Tage entwickelte sich mehr und mehr Vertrautheit zwischen ihr und dem Mjeshter, so dass sie seine Launen besser einzuschätzen vermochte. Still wie ruhendes Wasser beobachtete sie ihn mit seinen Kunden, stets unauffällig, fast nicht existent im Hintergrund verweilend. Seine Dame sah sie allerdings nicht ein einziges Mal. Vielleicht besucht er sie, wenn er fortgeht, nai?, wies sie sich selbst zurecht, als sie dem überhaupt Beachtung schenkte. Doch er erzählte gern davon wo er gerade gewesen war, und auch darin kam sie nicht vor.
Mit verwundertem Kopfschütteln ließ sie die Fragen hinter sich. Es ging sie ohnehin nichts an. Oder vielleicht doch? Wenn sie nicht wiederkäme, was würde ihm dann in den Sinn kommen? Würde sie sich wie bei Tivadar schon in der Pflicht sehen, auch seinem Bette beizuwohnen, wieder den Trunk des flüssigen Glücks nehmen müssen, bis selbst Wasser tragen zur Qual wurde? Als sie schweigend an der Wand stand, während er einen weiteren Kunden bediente, schien sich der Gedanke nicht abschütteln zu lassen. Sie betrachtete ihn unauffällig und versuchte sich vorzustellen, wie es sein müsste ihm auf diese Weise zu dienen. Wider Erwarten stellte sich kein Anflug von Ekel ein. Selbst überrascht, entschied sie für sich, dass es durchaus möglich wäre auf den Trunk zu verzichten. Sie fand ihn weit weniger abstoßend als seinerzeit ihren vorherigen Mjeshter. Vielleicht gewöhnte sie sich auch langsam an diese Barbaren, dachte sie mit einigem Unbehagen.
Nach zwei Wochenläufen in seinem Haushalt gestattete er ihr das erste Mal bei einem seiner Gebräue mitzuwirken. Sie hätte lachen, tanzen, springen wollen, so sehr bereitete es ihr Freude, endlich einmal wieder tun zu dürfen wozu sie eigentlich erzogen wurde, ehe jene hässliche Geschichte in ihrer Heimat ihren Lauf nahm. Die Arbeit ging ihr leicht von der Hand, auch wenn sie nicht viel mehr tat als ihm die Äpfel kleinzuschneiden. Das seichte Gespräch dazu ließ die Zeit nicht langweilig werden. Ja, sie lernte allmählich seine Gesellschaft schätzen. Seine Erklärungen waren knapp aber präzise, seine Anweisungen genau und ohne versteckte Fallen. Es war schlicht angenehm, an seiner Seite arbeiten zu dürfen.
Gespannt dachte sie darüber nach, wie es wohl weitergehen würde… es wäre sicherlich nicht das letzte Mal gewesen, dass er ihr gestattete zu helfen, so lange sie nichts furchtbar dummes anstellte.