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Der Schrecken kehrt zurück

Verfasst: Montag 15. Juni 2009, 15:55
von Perrin Catheres
Perrin lehnte sich entspannt zurück und ließ seinen Blick über das frische Brot und den Wein schweifen. Er hatte Appetit und Hunger und so würde er das Mahl genießen. Wein war eigentlich nicht seine Sache, aber er wusste, dass Leace ihn mochte. Sie beide trafen sich nach der Messe der Horterasjünger in Bajard und nun saß sie vor ihm, auf der anderen Seite des Tisches in der Taverne und trank elegant aus ihrem Weinkrug. Sie unterhielten sich eine Weile über die Dinge, die geschehen waren und was sie erlebt hatten. Nichts weltbewegendes, alltägliche und einfache Dinge waren es, die sie besprachen. Er sprach über Sarah und Leace über ihre neusten häuslichen Errungenschaften. Das friedliche Gespräch, die ruhige Atmosphäre bekam einen Dämpfer, als durch die Ritzen und Fenster der Taverne ein kalter Wind hindurchzog und die Nacht hereinkam. Es wurde irgendwie dunkler und unangenehmer. Eine feine Gänsehaut überzog die Arme Perrin's und er blickte kurz besorgt zu den Fenstern. Der Winter war doch vorbei, warum war es nur so ungemütlich? Doch ließen sie sich nichts weiter anmerken und führten ihr Gespräch weiter, bis Leace den Blick an ihm vorbeirichtete.

Ihre Augen weiteten sich und sie wirkte wie erstarrt. Das ungute Gefühl, dass Perrin zuvor beschlichen hatte, kehrte wieder zurück. Doch versuchte er dem Drang, sich umzudrehen, zu widerstehen und mit viel Willenskraft gelang es ihm dann auch. Er wusste, was ihn erwarten würde und er versuchte das Monster wegzudenken, mit einem halbherzigen Witz, ob Leace denn ein Gespenst sähe, die Sache abzutun. Doch gelang es nicht und er schaute dann zurück und obwohl er schon ahnte, nein wusste, was er sehen würde, erschrak er innerlich doch und erbleichte.
Diese dunkle Robe, mit diesen abartigen, makaberen Stacheln und Knochen. Der Speer, gänzlich aus Knochen geschaffen und ein perverses Produkt der Unterwelt der Albträume wurde von knochigen Fingern fest umfasst und ein kalter Blick traf ihn.

Er hatte Angst, Furcht vor diesen Todbringern. Nein, Seelenräubern. Er versuchte sich zu erinnern, was er schon alles über sie erfahren hatte. Sie rauben die Seelen von Menschen, um sie ihren Gott zu opfern. Das wäre sogar noch schlimmer als der Tod selbst. Er schämte sich für seine Angst. Was für ein Kämpfer war er nur, der bei diesen Wesen von solch lähmender Furcht ergriffen war? Leace versuchte mit verzweifelter, schwacher Stimme zu erbeten, dass sie gehen konnten, doch die Gestalt ließ sich nicht beirren und trat näher. Nun sah Perrin auch, dass weiter hinten in der Taverne, am Eingang, noch eine zweite dieser albtraumhaften Kreaturen stand und er wusste, dass jeglicher Widerstand zwecklos sein würde.


Perrin hielt einen Arm über eine graue Urne. Blut floss von seinem Handgelenk herab. Es lief in zwei geteilten Strömen den Arm herab und tropfte in das Totengefäß. Es floss nur langsam herab und der Rabendiener schien nun langsam ungeduldig zu werden, doch die Gier in seinen Augen leuchtete und hielt ihn wohl zurück. Er sah alles nurnoch vernebelt und er fühlte sich schwach und ausgepresst, leer. Er versuchte sich zu konzentrieren und seine Gedanken beisammen zu halten. Die beiden Seelenfänger wollten das Blut von Leace und ihm. Er konnte nicht mehr sagen wieso, aber er wusste, dass es sehr schlecht war, wenn diese Kreaturen das Blut von Menschen bekämen. Irgendwie hatte er es geschafft sich durchzusetzen, dass er die beiden Urnen alleine füllen werde, sodass Leace verschont bliebe. Doch er wurde immer schwächer, nachdem er begann, die zweite Urne zu füllen. Irgendwann war auch jene dann voll und der Dunkle Priester verschloß die Urne mit einem Singsang, den Perrin schön fand. Auch wenn sich ein zweiter Gedanke dazu gesellte, dass er eher unheimlich und abstoßend wäre.

Aber ihm war so ziemlich alles egal, er holte nur wie aus einer Routine heraus ein Tuch hervor und wickelte es sich um den Arm und betrachtete, wie es sich langsam rot verfärbte und wechselte es dann wieder aus.
Als er das nächste Mal aufschaute, waren die Knochenmänner weg und zwei Frauen waren da, eine kannte er, konnte sich aber gerade nicht auf ihr Gesicht konzentrieren. Sie bot ihm eine Flasche an und er trank gierig daraus. Er hatte irgendwie Durst und Hunger und er griff nach ein paar Brotresten und stopfte sie sich in den Mund, schnell darauf herumkauend. Leace war noch neben ihm, das wusste er und nach einer Weile tauchte ein dicker Mann in einer weißen Robe auf und Perrin lächelte. Tithus. Es wurde langsam zur Gewohnheit. Er traf mit Rabendienern zusammen und kurz darauf versorgte Tithus ihn wieder. Perrin wusste, dass er Unsinn sprach, als er mit Tithus sprach, aber es war ihm egal. Er war froh darüber, den Priester hier zu haben und er fühlte sich auch besser, als Tithus dann ein Gebet hielt und danach ging.

Nach einer Weile rafften sie sich auf und Perrin geleitete Leace noch zu ihr nach Hause. Sie trafen einen Jungen, der ihnen ein Brot anbot und Perrin laechelte freundlich zu ihm herab. Dass es regnete und ihn völlig durchweichte, da er den Umhang nur schief über die Schultern gelegt hatte, störte ihn nicht und er kaufte dem Jungen einen Brotlaib ab und fragte nach seinem Namen. Irgendwie erinnerte er ihn ein wenig an sich selbst. Jantje hieß er, das musste er sich merken.
Aber in seinem Zustand wechselte die Szenerie in seinem Bewusstsein sprunghaft und er befand sich auf dem Schiff nach Lameriast, Leace war gut zuHause angekommen und er würde nach Hause gehen und die Verbände nocheinmal wechseln.

Er trat so leise wie möglich in das Haus ein und begab sich in den Keller, wo er sich neue Tücher holte und das alte austauschte. Er wollte Sarah nicht wecken, sie würde sonst in Sorge sein, wenn sie es eh schon nicht wäre. Auch ging er dann wieder durch das nächtliche Neuhaven zur Akademie und verbrachte dort die Nacht auf unbequemen Liegen. Er würde Latisia oder Aira, den beiden Heilerinnen der Akademie, fragen, ob sie seine Wunden verarzten würden.

Seine Nacht war geplagt mit Albträumen und oft wachte er wieder schweißgebadet auf. Der Schrecken der Vergangenheit ist zurückgekehrt, auch wenn es diesmal andere Rabendiener waren. Er wusste dies irgendwie, auch wenn er nicht genau sagen konnte warum. Der Stil war wohl anders.

tapferes Blut

Verfasst: Montag 15. Juni 2009, 17:53
von Drakhon Sokarth
Ein leises Zischen und Dampfen begleitete die arbeiteten Geräte in dem kleinen Keller. Flüssigkeiten kochten auf, Dämpfe wurden eingefangen ein geschäftiges Treiben umgab die hoch gewachsene Gestalt als sie ihre Beute Auf der Arbeitsfläche abstellte.
Seine feingliedrigen Finger strichen über die feinen Vertiefungen im Ton und auf seinem blassen Gesicht breitete sich ein zufriedener Ausdruck aus.

Bajard, dieses verschlafene Dörfchen, diese heruntergekommene Ansammlung von Holz und Stein. Ein Ort der immer reiche Beute versprach, wenn man sich vor seinen Wächtern in Acht nahm, allen voran der fette Priester.
Noch vor wenigen Stunden wohnten sie einer seiner Messen bei, ein wundervolles Beispiel dafür, wie selbst er mit den Hoffnungen und Ängsten der Menschen spielte, mit seinen Worten die Hoffnung in ihre Herzen trug um die Welt für sie einwenig heller erscheinen zu lassen.
Doch wofür das alles, damit sie die Kirche verließen nur um einige Straßen weiter von einem heruntergekommenen Gauner erdolcht zu werden? Nein, für diese Stadt gab es keine Hoffnung, und sie in den Menschen zu wecken erschien ihm die raffiniertest aller Foltern denn umso größer die Hoffnung umso schmerzvoller die Erkenntnis.

Seine Augenlider zuckten, als er seine Gedanken zu Ordnung zwang und er eine der Urnen in das Regal räumte. Seine Erkenntnisse gestatteten es ihm jene kostbare Flüssigkeit darin über Monate, gar Jahre zu konservieren solange das Gefäß unbeschädigt blieb. Eine unverzichtbare Errungenschaft, bedenkt man doch die begrenzte Haltbarkeit jener rubinroten Flüssigkeit. Viel zu oft musste er wertvolle Proben entsorgen, weil sie sich zu einem undefinierbaren dunklen Klumpen verwandelt hat.
Ein jeder solcher Verluste schmerzte ihn, wusste er doch um die Bedeutung dessen. Fleisch und Blut, Knochen und sehnen sie waren der Stoff auf dem die Schöpfung beruhte. Töten konnte jeder doch nur ein wahres Genie konnte erschaffen, konnte kreieren und formen.
Blut war der Schlüssel, Blut war das Schloss. Wie viele Jahre nun schon versuchte er seine Geheimnisse zu ergründen und immer, wenn er glaubte es geschafft zu haben, eine Antwort fand taten sich dafür 2 neue Fragen auf.
Wie dankbar war er da über das Geschenk das Krathor ihm in Form dieses Mannes machte.
Bajard, ein Ort an dem sich jeder selbst der nächste war, oft lauerten sie dort, warteten beobachteten geduldig bis sich ihnen eine günstige Gelegenheit bot, und was war es dieses mal für eine gewesen. Gleich zwei volle Gefäße des kostbaren Saftes konnte er dem Manne entreißen.
Doch als währe das alles gewesen, nein so bot sich hier der Anblick eines nur allzu Menschlichen Verhaltens, Edelmut und Selbstaufopferung.
Wie töricht es im Grunde war und welche Wonnen es bereitete wie beide litten, jeder für sich jeder auf seine ganz eigene Weise.

Wieder musste er sich zur Ordnung zwingen, schloss die Augen und zog den schweren, bittersüßen Geruch ein den seine Apparaturen absonderten.
Denn wer schaffen will muss verstehen, und so begann er die ersten Proben in die Apparaturen zu füllen, gab die verschiedensten Reagenzien dazu und notierte allzu akribisch was geschah, währenddessen ließ er seine Gedanken schweifen, und genoss noch eine weile die frischen Erinnerungen an die Geschehnisse dieses Abends.