Eine neue Ordnung
Verfasst: Sonntag 31. Mai 2009, 11:35
Es dauerte eine Weile, bis sein Verstand die Beständigkeit der Worte akzeptierte. Egal wie lange der Herzog vom Eirensee die Buchstaben noch anstarren würde.
Von massiven Verbänden des Feindes zurückgedrängt und zerschlagen…Widerstand praktisch erloschen…Feind sprengt die Mauern…die Hauptstadt geschändet und verloren.
Nur kurz hielt das blanke Entsetzen den Adligen in Besitz. Noch während sein Körper durch die Fassungslosigkeit gelähmt war, begann sein Geist die weitere Bedeutung der Niederlage zu ergründen. Der Verlust Varunas würde das Reich bis ins Mark treffen. Nichts würde mehr sein wie es war. Der Verlust einiger unbedeutender Niederlagen an das alatarische Reich war wie ein Dornstich im Fleisch der Menschen gewesen. Der Verlust Varunas aber würde jeden Reichsbürger wie ein Dolch ins Herz treffen und das ganze Reich auf eine Zerreißprobe stellen. Viel Zeit würde die Nachricht seines Informanten in Hohenfels dem Herzog nicht bringen. Er musste nun die weiteren Schritte überlegen. Eines war Theobald Zirius Archimbar vom Eirensee aber sofort klar. Die Gräfin vom Sternwall hatte versagt. Ob sie das wirklich hatte war in diesem Moment unerheblich. Die Geschichte schrieb immer der Gewinner. Und der Herzog würde nicht als der der Verantwortliche des Verlusts von Varuna in die Geschichtsbücher eingehen. Dafür würde er als erstes Sorgen müssen.
Wie einfach es doch war…Hier und dort ein paar Bemerkungen über die mangelnden Berichte aus der Grafschaft. Ein Gespräch mit einem Beisitzer des Kronrats auf dem Gang, wo man das Gegenüber daran erinnert schon damals gesagt zu haben, der Gräfin mangele es an der Erfahrung mit solch einer gespannten Situation. Zwar hatte man niemals derartiges gesagt, aber dies wusste das Gegenüber ja nicht. Genauso wenig das Varuna verloren war. Ein wenig fieberte der Herzog dem Ereignis schon entgegen. Die offizielle Meldung der Niederlage würde den ganzen Hof erschüttern. Möglichkeiten, die zuvor außerhalb der Reichweite lagen, waren auf einmal zum greifen nah. Geschickt suchte der Herzog sich die günstigsten für ihn aus und wog jeden Schritt genau ab.
Theobald spielte seine Rolle perfekt. Die Bestürzung und der Schmerz in seinen Zügen sollen für die Anwesenden körperlich spürbar gewesen sein, als der Unheilsbote die Nachrichten aus der Provinz bekanntgab. Jetzt war es an der Zeit den Stein ins Rollen zu bringen! Einen Moment noch genoss der Herzog die allgemeine Betroffenheit, dann begann er zu handeln. Theobald schickte seine Diener los, die anderen Mitglieder des Kronrates zu suchen. Noch bevor der Rat zusammentrat, sprach man im Schloss vom Herzog, der trotz unendlicher Bestürzung über die Niederlage als Einziger sofort handelte, um das Reich zu schützen.
Das Holz knirschte, als der Hand des Herzogs mit voller Wucht auf die glatte Oberfläche des Schreibtisches schlug. Alles hatte so begonnen wie Theobald es vorhergesehen hatte. Im Rat hatte man die spärlichen Informationen ausgewertet. Schnell waren die anderen Mitglieder vom Versagen der Gräfin überzeugt. Ihr hatte man die ganze Schuld für die Niederlage gegeben. Da hatte der Herzog noch innerlich gelacht. Was nicht ein paar gut gestreute Gerüchte im richtigen Moment alles bewirken konnten. Man war einstimmig der Meinung, die Gräfin von ihrem Posten zu entheben und sie zu ersetzen. An diesem Punkt aber begann der Plan des Herzogs aus dem Ruder zu laufen. Niemand hatte damit gerechnet. Auch Theobald nicht…als die Diener aber den Kronprinzen ankündigten warnte irgendetwas im Inneren Theobald bereits. Ador persönlich wollte an der Ratssitzung teilnehmen. Sowas gab es bisher noch nicht.
Man begann über einen geeigneten Nachfolger für die Gräfin vom Sternwall zu reden. Natürlich wurde der Kandidat des Vorsitzenden am Ende für die Aufgabe als geeignetsten gesehen. Kein Wunder…es war ja auch Theobalds Vetter und im Übrigen ihm absolut loyal. Das allein machte ihn besser als alle anderen Vorschläge. Doch plötzlich meldete sich Ador zu Wort. Der Kronprinz redete über Vertrauen zum Kronrat…den Verlust Varunas…und am Ende stand die Bitte, dass er den Nachfolger der Gräfin bestimmen dürfe. Einen kurzen Moment waren die Ratsmitglieder perplex über den Wunsch der Kronprinzen. Die innere Stimme Theobalds mahnte ihn zur Zurückhaltung, obwohl er den Wunsch des Jungen höflich, aber bestimmt abweisen wollte. Noch bevor ein Mitglied des Rates etwas entgegnen konnte, erinnerte Ador alle nochmal an seine baldige Thronbesteigung. Seine Ausführungen über seine Regentschaft ließen eins deutlich werden. Ador würde nicht vergessen, wer ihm seine Bitte abschlug. Es dauerte nicht lange, bis der Sinn der Worte Adors alle Ratsmitglieder erfasst hatte. Zaghaft..dann immer lauter..stimmten sie dem Kronprinzen zu. Lobten seinen wachen Geist und sein Herz für das Königreich. Keiner wollte den Kronprinzen so kurz vor seiner Krönung gegen sich aufbringen. Auch der Herzog vom Eirensee brauchte nicht lange um dies zu verstehen. Auch er war begeistert von Adors Initiative. Zumindest nach außen… Innerlich kochte Theobald…und innerlich begann er sich auch vor Ador zu fürchten. Der Kronprinz würde eines Tages das Königreich regieren. Das es SEIN Königreich war, ließ er heute zum ersten Mal spüren.
Man hatte dem Herzog die Aufgabe übertragen den Beschluss des Kronrats im Reich zu verkünden. Theobald machte sich mit schmerzender Hand an das Schreiben. Eine neue Zeit hatte begonnen, ob es gut oder schlecht für ihn war würde sich zeigen.
Von massiven Verbänden des Feindes zurückgedrängt und zerschlagen…Widerstand praktisch erloschen…Feind sprengt die Mauern…die Hauptstadt geschändet und verloren.
Nur kurz hielt das blanke Entsetzen den Adligen in Besitz. Noch während sein Körper durch die Fassungslosigkeit gelähmt war, begann sein Geist die weitere Bedeutung der Niederlage zu ergründen. Der Verlust Varunas würde das Reich bis ins Mark treffen. Nichts würde mehr sein wie es war. Der Verlust einiger unbedeutender Niederlagen an das alatarische Reich war wie ein Dornstich im Fleisch der Menschen gewesen. Der Verlust Varunas aber würde jeden Reichsbürger wie ein Dolch ins Herz treffen und das ganze Reich auf eine Zerreißprobe stellen. Viel Zeit würde die Nachricht seines Informanten in Hohenfels dem Herzog nicht bringen. Er musste nun die weiteren Schritte überlegen. Eines war Theobald Zirius Archimbar vom Eirensee aber sofort klar. Die Gräfin vom Sternwall hatte versagt. Ob sie das wirklich hatte war in diesem Moment unerheblich. Die Geschichte schrieb immer der Gewinner. Und der Herzog würde nicht als der der Verantwortliche des Verlusts von Varuna in die Geschichtsbücher eingehen. Dafür würde er als erstes Sorgen müssen.
Wie einfach es doch war…Hier und dort ein paar Bemerkungen über die mangelnden Berichte aus der Grafschaft. Ein Gespräch mit einem Beisitzer des Kronrats auf dem Gang, wo man das Gegenüber daran erinnert schon damals gesagt zu haben, der Gräfin mangele es an der Erfahrung mit solch einer gespannten Situation. Zwar hatte man niemals derartiges gesagt, aber dies wusste das Gegenüber ja nicht. Genauso wenig das Varuna verloren war. Ein wenig fieberte der Herzog dem Ereignis schon entgegen. Die offizielle Meldung der Niederlage würde den ganzen Hof erschüttern. Möglichkeiten, die zuvor außerhalb der Reichweite lagen, waren auf einmal zum greifen nah. Geschickt suchte der Herzog sich die günstigsten für ihn aus und wog jeden Schritt genau ab.
Theobald spielte seine Rolle perfekt. Die Bestürzung und der Schmerz in seinen Zügen sollen für die Anwesenden körperlich spürbar gewesen sein, als der Unheilsbote die Nachrichten aus der Provinz bekanntgab. Jetzt war es an der Zeit den Stein ins Rollen zu bringen! Einen Moment noch genoss der Herzog die allgemeine Betroffenheit, dann begann er zu handeln. Theobald schickte seine Diener los, die anderen Mitglieder des Kronrates zu suchen. Noch bevor der Rat zusammentrat, sprach man im Schloss vom Herzog, der trotz unendlicher Bestürzung über die Niederlage als Einziger sofort handelte, um das Reich zu schützen.
Das Holz knirschte, als der Hand des Herzogs mit voller Wucht auf die glatte Oberfläche des Schreibtisches schlug. Alles hatte so begonnen wie Theobald es vorhergesehen hatte. Im Rat hatte man die spärlichen Informationen ausgewertet. Schnell waren die anderen Mitglieder vom Versagen der Gräfin überzeugt. Ihr hatte man die ganze Schuld für die Niederlage gegeben. Da hatte der Herzog noch innerlich gelacht. Was nicht ein paar gut gestreute Gerüchte im richtigen Moment alles bewirken konnten. Man war einstimmig der Meinung, die Gräfin von ihrem Posten zu entheben und sie zu ersetzen. An diesem Punkt aber begann der Plan des Herzogs aus dem Ruder zu laufen. Niemand hatte damit gerechnet. Auch Theobald nicht…als die Diener aber den Kronprinzen ankündigten warnte irgendetwas im Inneren Theobald bereits. Ador persönlich wollte an der Ratssitzung teilnehmen. Sowas gab es bisher noch nicht.
Man begann über einen geeigneten Nachfolger für die Gräfin vom Sternwall zu reden. Natürlich wurde der Kandidat des Vorsitzenden am Ende für die Aufgabe als geeignetsten gesehen. Kein Wunder…es war ja auch Theobalds Vetter und im Übrigen ihm absolut loyal. Das allein machte ihn besser als alle anderen Vorschläge. Doch plötzlich meldete sich Ador zu Wort. Der Kronprinz redete über Vertrauen zum Kronrat…den Verlust Varunas…und am Ende stand die Bitte, dass er den Nachfolger der Gräfin bestimmen dürfe. Einen kurzen Moment waren die Ratsmitglieder perplex über den Wunsch der Kronprinzen. Die innere Stimme Theobalds mahnte ihn zur Zurückhaltung, obwohl er den Wunsch des Jungen höflich, aber bestimmt abweisen wollte. Noch bevor ein Mitglied des Rates etwas entgegnen konnte, erinnerte Ador alle nochmal an seine baldige Thronbesteigung. Seine Ausführungen über seine Regentschaft ließen eins deutlich werden. Ador würde nicht vergessen, wer ihm seine Bitte abschlug. Es dauerte nicht lange, bis der Sinn der Worte Adors alle Ratsmitglieder erfasst hatte. Zaghaft..dann immer lauter..stimmten sie dem Kronprinzen zu. Lobten seinen wachen Geist und sein Herz für das Königreich. Keiner wollte den Kronprinzen so kurz vor seiner Krönung gegen sich aufbringen. Auch der Herzog vom Eirensee brauchte nicht lange um dies zu verstehen. Auch er war begeistert von Adors Initiative. Zumindest nach außen… Innerlich kochte Theobald…und innerlich begann er sich auch vor Ador zu fürchten. Der Kronprinz würde eines Tages das Königreich regieren. Das es SEIN Königreich war, ließ er heute zum ersten Mal spüren.
Man hatte dem Herzog die Aufgabe übertragen den Beschluss des Kronrats im Reich zu verkünden. Theobald machte sich mit schmerzender Hand an das Schreiben. Eine neue Zeit hatte begonnen, ob es gut oder schlecht für ihn war würde sich zeigen.