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Grüner Schatten

Verfasst: Sonntag 6. November 2005, 14:21
von Malgallad
Langsam senkte sich die Sonne sanft über die Bergwipfel und tauchte das blauweisse
Tal der Edhil in abendliche Rottöne.
Nach und nach kamen die Vögel von ihrem Flug über die mächtigen Rücken des Gebirges
wieder und labten sich am klaren Wasser, welches sich in filigran geschwungenenen von
Stein umfassten Bachläufen durch Ered Luin zog.

Malgallad sass an seiner Werkbank, einen Bogenrohling vor sich eingespannt und schnitzte
feine Späne aus dem dunkeln Holz, um jenem nach und nach die perfekte Form zu verleihen,
welche den Bogen im Stamm schlummern lies, als ein leises Klopfen von der Türe an sein Ohr drang.
Der Edhil hielt in seiner Tätigkeit inne, lauschte und legte mit einem sanften Lächeln sein Werkzeug
ab und begab sich zu der Türe seines Heimes.
„Mae Govannen, schön dich wieder zusehen“ erklang die ruhige Stimme Fay'las, kaum hatte Malgallad
die Türe geöffnet und sie mit einer freundlichen Geste hineingebeten. Lange hatten die beiden sich
nicht mehr gesehen und so schwoll ein fröhliches wie Zwitschern anmutendes Gespräch aus dem Hause
des Elfen. Nach einem langen Gespräch sowie dem Tausch einiger Kleinigkeiten beschlossen die
beiden Edhil einen gemeinsamen Spaziergang durch die Wälder zu machen , welche das Bergmassiv
vor fremden Blicken verbarg. So traten die beiden vor die Tore Ered Luins und ihr Blick schweifte
zufrieden über das Blättermeer, welches sich vor ihnen erstreckte und sie begaben sich den verborgenen
Bergpass hinab um unter den Wipfeln der alten Bäume zu wandern.
Für das menschliche Auge und Ohr verborgen schritten Fay'la und Malgallad unter dem Dach des Waldes
voran, die würzigen Düfte einatmend und den Klang der Abendvögel in den Ohren.
Ohne Ziel striffen sie umher und genossen das Schaupiel, welches ihnen die Natur darbot, als plötzlich ein
wundervoller Klang an ihre Ohren drang.
Malgallad schloss die Augen lauschte in dem Lied des Waldes
“Hörst du es auch, Schwester?“
„Mae..ich höre es auch“
„Wo mag es herkommen ?“
„Ein vertrauter Klang“
Die beruhigenden Melodie, welche die beiden umfloss, schien aus dem Inneren des Waldes zu dringen
und so folgten sie ihrem Klang tiefer in den Wald hinein. Leise und wissbegierig schritten die Edhil vorwärts.
Herbstblätter sanken nach ruhigem Tanz , getrieben vom sanften Wind, dem moosbedecktem Waldboden
entgegen. In weiter Ferne waren die Rufe eines Hirsches zu vernehmen und über all dem lag das Wispern
der Bäume und anderen Wesen, welche den Wald mit Leben füllten.
Plötzlich blieben sie stehen.
Aus dem Augenwinkel wurde ihren ein grüner Schatten gewahr und ein leises Kichern was dem
Gezwitscher eines Vogels glich, liess sie innehalten. Leise und kaum erkennbar huschte der vage
an eine Gestalt erinnernde grüne Schemen um die Beiden herum, welche ihm kaum mit den Blicken
zu folgen vermochten, so gut fügte sich dieser in die umgebende Natur ein. Vertraut klang das Kichern.
Und so sprach Malgallad leise : „Zeige dich uns...Schemen der du so vertraut klingst“
Fay'la liess sich auf dem Waldboden nieder und ihr Blick drang konzentriert durch das grüne Dickicht,
aus welchem ein „Mae Govannen Edhil“ in einer sehr leisen, säuselnden, harmonischen Stimme, in der Sprache
der Edhil kam. Doch wieder huschte der Schemen weiter, kaum hatten die Augen ihn vage erfasst.
Suchend blickte Malgallad um sich.
Waren das Blätter an grünem dem waldfarbengleichen Gewand oder
spielten die Waldgeister Streiche mit ihnen wie so oft ?
„Mae..mae..die Edhil der Steinhäuser gibt es scheinbar hier noch“ sprach die Stimme zu ihnen.
Leises kaum hörbares Rascheln entstand hinter einem Stamm und die beiden Elfen spürten
musternde Blicke auf sich ruhen.
Malgallad schloss die Augen und lauschte der Melodie der Gestalt und sprach :
„ Verstecken brauchst dich nicht vor uns“
„Ich..sehe ..ich lausche ..jener Melodie zuerst die von euch erklingt“ säuselte es leise an sein Ohr.
„Wer immer du auch sein magst..deine Melodie klingt wohl in meinen Ohren“ sprach der Elf.
Leise huschte die Gestalt an dem Elfen vorbei und er spürte einen leichten Luftzug an seiner Haut,
als der Schemen ein weiteres mal an ihm vorbei sprang und erhielt ein leises Geflüster als Antwort
„Mae..so sollte es erklingen in den Ohren ..sind doch wir eigentlich uns gleich“
Malgallad öffnete seine Augen und sprach in Richtung der vertraut klingenden Melodie:
„Wie ein Lied aus alten Tagen erscheint es mir“
Nachdenklich holte der Elf eine Frucht aus seinem Proviant und während er sie verspeiste sammmelte
er seine Gedanken, so dass er dem Gespräch Fay'las mit dem Schemen nur teils folgte.

Das erste was er wieder vollends erfasste war folgendes, was der Schemen zu ihnen sprach :
„Ihr seid noch sehr junge Edhil, wenn ich euch so vor mir erblicke. Ihr scheint noch sehr viel lernen zu
müssen wenn ich eure Worte in mein Ohr dringen lasse“

„Ist es nicht der Sinn unseres Daseins zu lernen und das Lied vollständig zu erfassen“,
warf Malgallad, ein worauf hin die Gestalt leicht nickte.
Leise begann Regen vom Himmel hinab
auf die Blätter des Waldes zu tropfen und ein feuchtes Glitzern legte sich um die Anwesenden.
„Ist noch einer der Ältesten unter euch in jenen steinigen und felsigen Gebäuden in jenem Berg,
mit dem man ein Wort wechseln könnte und über einiges so spreche könnte“
erfragte die grüngewandete Gestalt und so gaben ihr die Edhil Auskunft.

„Ich leihe dir gerne mein Ohr und kann nur bitten dich uns anzuvertrauen“
sprach Malgallad und blickte zu der kaum ausmachbaren Gestalt, welche von den Tropfen des Regens
unberührt zu bleiben schien.
„ Verstehen wir Beide doch Geheimnisse zu wahren, welche uns nahegebracht werden“

„So hoffe ich sehr das unser Ankommen auf jener Insel nicht bemerkt noch weitergetragen wird
durch die verschiedensten Lieder, die auf jener Insel leben“ gab die Gestalt zurück und ein leichtes
Schmunzeln erschien auf Malgallads Lippen.
„Wenn du dich unseren Blicken zu entziehen vermagst, so schaffst du dies sicher auch vor denen der Kinder.
Und von uns wird dieses Lied nicht gesungen werden.“
Ein sanftes Lächeln huschte über das Gesicht der Gestalt.
„Mae..jene Kinder machen mir grosse Sorgen, Wir müssen uns auf der Insel nach etwas umsehen ,
aber zuerst unser Heim wieder aufbauen und die Sippe neu heranwachsen lassen.
Etwas müsst ihr vielleicht noch warten bis sich die euren Lieder den anderen wieder zeigen.
Ich bin zuerst nur alleine hierhergekommen auf der Suche nach den alten Liedern, die unsere Sippe
einst verlassen hat“

„Wenn ihr die Hilfe der Edhil Ered Luins bedürft , lasst es uns wissen...Zeit ist uns Edhil reichlich geschenkt
worden von Phanodain. Rufe nach Malgallad, wenn du dich mir öffnen magst“,
bot Malgallad an.
„Ein gar sehr schoenes Lied, welches in meinen Ohren erklingt“
gab der grüne Schatten nach einem leichten Nicken zurück.
„Mein Lied erklingt in deinen Ohren als Lysira `thoron“

„Dieses Lied werde ich mir gewiss merken“ sagte der Elf ruhig und begann an seiner Tasche zu nesteln.
„Der Name klingt sanft und süss..wie dieser Pfirsich und die Pfirsiche Ered Luins sind bisher
als die süssesten bekannt“
sprach er und reichte Lysira'thoron die Frucht.
Ein leises Kichern säuselte an seinem Ohr.
„Mae..das waren sie auch früher schon, noch zu den alten Zeiten, ich denke nicht,
dass sich seither sehr viel verändert haben mag, auch wenn dies sicher schon wenige hunderte Jahre zurückliegt.“
Doch der Wald hatte sich im Laufe der langen Jahre verändert , war dichter und
undurchdringlicher geworden und wandelte sich stetig, so dass kaum jemand ohne Führung
der Edhil das Tal wiederfand, so er einmal zu ihm gefunden hatte.

So führte Malgallad die Elfe in Grün zu den Toren der Stadt Ered Luin, dorthin wo der Gesang
des Waldes das Lied der Stadt nicht mehr verschleierte und rief der leise hinter ihm herschleichenden
Gestalt, den Weg wieder in Erinnerung.
Langsam ging Lysira'thoron in den Schneidersitz nieder, schloss der Umgebung lauschend
die Augen als sich der schützende Vorhang öffnete und Ered Luins Pracht vor ihnen erschien.
„Solange ist es her ..an jenem Ort gewesen zu sein“
hauchte sie leise in Richtung Malgallads.
Weitere Worte wurden zwischen den beiden gewechselt bis Lysira'thoron sprach :
„Ich muss zurück zu meiner Gemeinschaft und jener weiterhelfen, dass unser Heim wieder zu leben erwacht“
„Nun sollte ich helfen können..sag es nur, ich bin sicher auch die anderen unserer Gemeinschaft
sind begierig euch Hilfe anzubieten.“
„So wir Hilfe benötigen wird mein Lied dich erreichen“ sprach die in Grün gehüllte Frau.
„Doch solange wie möglich werden wir uns bedeckt und verschollen verhalten,die Kinder
sind sehr neugierig“
„Nun Kinder müssen nicht alles wissen was um sie herum geschieht“
sprach Malgallad.
Lysira'thoron erhob sich langsam vom Boden und nickte leicht :
“Mae..so sehe ich dies auch. Nundenn wir werden unsere Lieder wieder singen hören“
Mit diesen Worten wendete sie sich um und war rasch im Grün des Waldes nicht mehr auszumachen.
„Möge der Wald deine Schritte weiterhin gut verbergen, Schwester“
sprach der Edhil leise und blickte lange Zeit nachdenklich über das sanft im Wind wogenden Blätterdach,
bevor er die Tore der Stadt passierte.