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R.I.P.penoperation

Verfasst: Dienstag 7. April 2009, 18:59
von Dern´xulvor
"Moralische Verfänglichkeiten?" Irritiert sah Dern' zu dem Templer und der Erhabenen herüber. Menschlinge waren ihm noch immer wieder ein Rätsel, anatomische Zeichnungen hin oder her. "Es sind Eure Knochen, wenn Ihr welche davon außerhalb Eures Körpers haben wollt... gut."
Wo sollten da moralische Verfänglichkeiten sein?
Als der Templer recht freimütig zugab, in diesem Falle allerdings auf den Gedanken zu verzichten, zwecks Geheimhaltung den Operierenden nach dem Eingriff zu töten, regte sich doch eine gewisse Grundaggression und die Augen des Letharen wurden schmal. Kein Wort verließ seine Lippen, doch der Gedanken gab es viele:
"Pass auf, in wessen Hände du dich begibst, Menschenmännchen. Wenn du irgendwelche Anzeichen machst, mir schaden zu wollen wegen deiner komischen menschlich-verqueren Gedankengänge, kannst du deine Rippe behalten, aber ich hole mir deine anderen restlichen Knochen, und zwar alle. Einzeln. Wenn ich bislang richtig gezählt hab, habt ihr davon knapp über 200 Stück..."

Bei den Bemerkungen, die daraufhin zwischen der Erhabenen und dem Templer wechselten, fühlte er sich eher selber wie eine seiner Laborratten, die zufriedenstellend einen Test bestanden hatte, aber eigentlich war das Geschäft simpel wie verlockend:
Der Templer wollte eine seiner Rippen aus dem unteren Rippenbogen entfernt und ausgehändigt haben. Gut. Ohne Betäubung. Angeber.
Die Erhabene hatte selbst auf eine örtliche Betäubung verzichtet, als er ihre Hand gerettet hatte, bevor Verbrennungen, Entzündungen und Wundbrand eine Amputation unvermeidbar gemacht hätten. Sie hatte er schon für wahnsinnig gehalten und innerlich immer wieder rückwärts gezählt, wann er dem Weibchen gegen ihren Wunsch eine Betäubung verpassen musste, allein um vernünftig weiterarbeiten zu können.
Aber es hatte geklappt. Und er hatte grob erahnen können, wie weit es an die Grenzen ging.

Er kannte auch die Konsequenzen einiger Selbstversuche, und doch wusste er irgendwo in seinem Innern, daß er als "unbeschlagen" gelten musste, was das Erleben eigener Schmerzen anging. Sie waren reinigend, aber auch störend, hinderten ihn daran, zuverlässig zu arbeiten.
Und so knirschte er mit allen Zähnen, als ein nachfolgendes Gespräch mit der Erhabenen ihm Erfahrungen in der Schmerzforschung in Aussicht stellte, von denen er nicht sooooo vorfreudig begeistert war...
"Ist dir der Schmerz bekannt, den du jenen Ratten zufügst.. den Laran durch deine Hand erfahren wird?"
Eine Frage, die sofort sein Mißtrauen weckte, und bemüht vorsichtig fiel die Antwort aus: "Es gibt viele, sehr viele Arten von Schmerz, nicht alle derer sind mir bekannt - und tot nur um des Selbstversuches willen nütze ich nur wenig, will ich behaupten."
"Ich werte diese ausschweifende Antwort als 'nein'."
Er sah sich bereits in den nächsten Momenten am Boden liegend vor Schmerz schreien, weil sie die Gelegenheit wahrnahm, sich endlich für die Schmerzen bei ihrer eigenen Behandlung zu rächen. Noch immer war ihre Hand klauenartig verkrümmt, das hatte er bei diesen Schäden an Sehnen, Muskeln und Fleisch nicht verhindern können. Und er vermochte auch nicht zu verhindern, daß sie hier mit ihm anstellen konnte, was sie wollte. Weibchen. Er presste die Kiefer zusammen, stellte sich auf das Kommende ein und die Stimme des ansonsten zutreffend als feige zu bezeichnenden Heilers klang ob dessen ungewohnt gefasst bis gar provozierend: "Richtig."

"Du wirst dich an meine Schülerin wenden.. sie wird dich beaufsichtigen, wenn du diesen Eingriff, der an jenem Templer geplant ist, zuvor an einer anderen Kreatur vornimmst. Es ist mir gleich, ob es eine Ratte ist, oder ob du dich eines der Orken bedienst; sie wird dafür Sorge tragen, dass du Schmerz empfindest, und das Ziel wird sein, eben jenen Schmerz an dir selbst zu erkunden, zu erforschen, kennenzulernen. Durch Schmerz erlangen wir Hass, und nur Hass ist es, der unsere Macht mehrt, uns Vaters großen Zielen nahe bringt."
Schmerzen? Wie das Opfer sie in diesen Momenten erfuhr? Fein. Ganz toll. Unmöglich, unter solchen Umständen die Operation erfolgreich durchzuführen, er sah sich mit dem Skalpell schon den ganzen Körper vor sich unkontrolliert zerteilen. Er sollte ihr wohl auch noch dafür dankbar sein, daß er sich von ihrem Gör malträtieren lassen sollte und das Kind dabei seine magischen Fähigkeit in Ruhe üben konnte, ja? Mistweibchen.
Das sprach er nicht aus. "Jawohl, Erhabene."
"Du wirst meine Schülerin von dir aus darum ersuchen."
Auch noch Demütigung. Aber er roch ein Schlupfloch:
"Mit eben diesen Instruktionen?"
Mündlich überliefertes durch zweite Hand neigte dazu, sich zu verfälschen...
"Wiederhole sie."
MISTWEIBCHEN!
"Ich solle den Eingriff, wie er am Templer erfolgen solle, an einer anderen Kreatur meiner Wahl - zwischen Ratte oder Ork - übend vornehmen. Eurer Schülerin sei dabei die Aufgabe zuteil, mir währenddessen Schmerz zuzufügen, auf daß ich seine Qualitäten erfahre."
Er sprach möglichst monoton. Das verbarg seine eigene Einschätzung, WAS für Schmerzen er erfahren sollte. Schmerzen... davon gab es viele. Und Shai' sollte sich gut überlegen, wie weit sie es treiben wollte.
Lys' überlegte selber seine Wiederholung, doch dann nickte sie bedächtig, scheinbar reichte ihr das aus.
"Fragen?"
"Keine, Erhabene."
"Dann geh und bereite dich vor."

Tat er in Gedanken bereits, er entschied sich für eine Ratte. Dem Gör würden damit weniger Vergleichsmöglichkeiten geliefert, wie sehr das Tier gerade leiden mochte. Und er kannte die Anatomie einer Ratte inzwischen besser als die eines Orks - oder Menschen... und auch noch in lebendiger Form. Daß das dann auch noch lebendig bleiben sollte, der Gipfel aller Ansprüche.
Daß dann eine einmalige Übung an einer Ratte nicht ausreichte, war ihm genauso klar, und er zögerte die erste Operation heraus, indem er sich mehr Wissen über das menschliche Skelett anzueignen gedachte.
Dafür gab es eine an sich einfache, aber auch riskante Möglichkeit: Er brauchte Skelette. Und Vergleichsmöglichkeit. Die gab es in ausführlichster Menge in den ehemaligen Katakomben der Arkorither.

Viele andere suchten diese Gewölbe auf, um ihre Kampffähigkeiten zu üben und Schätze zu suchen - Dern' hatte es auf die dort herumlaufenden Brustkörbe abgesehen...