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..schneeweisses Rabenkleid.

Verfasst: Freitag 27. März 2009, 23:00
von Zoe de Velgy
Die Geburt der Tochter des Mondes:

[img]http://img22.imageshack.us/img22/553/18088525.jpg[/img]

"Mondlied

Winterkalte, schwermutreiche,
klare Nacht..
enthüllt närrische Laute,
Lachen, Klanggestalten
klaffend, rinnsalhaft, -
einem Liedgewand gleich,
verkündet der Nebelschleier,
sanft, die federweiche..
atemlose Dornenstille..

Und in der finsteren Stunde
erhellte kein Licht diese Seele.."

Tochter des Mondes


"Fürchte seine Präsenz und Macht ... "

Der schwarze Tod erwacht auf ein neues ..

Der erste Tag, an dem sie sich mit ihm wahrhaft auseinandersetzte war der prägenste.
[url=http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=23479] Die Pest.[/url] Wochenlanges Leid und Tod um sie herum, wenig Hoffnung auf Veränderung und dann die Präsenz seiner Diener. Sterben konnten sie alle - Doch er liess sie wieder auferstehen. Freunde, Patienten, Bekannte - all jene deren Leben sie nicht mehr hatten retten können, auferstanden aus dem Totenreich um ihm zu dienen. Oh, wie sie flüchtete, allein vor dem Gedanken jenen zu begegnen, deren Tod sie eben noch erklärt hatte. Mit der Hoffnung im Herzen, die Wachen würden aufhalten, was sie so fürchtete, arbeitete sie erschöpft aber eifrig weiter, um dem schwarzen Tod und all dem Leid Einhalt zu gebieten. Auch danach spürte sie nie die Präsenz einer anderen Gottheit so sehr und so oft wie seine. Auch wenn sie nach und nach immer mehr über ihn erfuhr, und wusste das er nichtmal eine war. Ständig sah und fühlte sie seine Präsenz und die seiner Dienerschaft.

"... oder lerne ..."

Wege der Liebe..

Djartan ... - sie ahnte, spürte vom ersten Moment an, das Jarref Ragen mehr war, als er ihr von Anfang sagte und zeigte. Immer wieder versuchte sie ihn zu überzeugen, ihr alles sagen zu können, das sie ihn nie verraten würde - egal was er ihr auch offenbarte, sie würde zu ihrem Wort stehen. In einer kühlen Nacht im Westen der Lande, gestand er ihr, das er einer seiner Diener war. Zum ersten Mal dachte sie darüber nach, einen Menschen bedacht zu töten, ihn - ihre erste Liebe.

Es wäre kein Wortbruch, versprach sie ihm doch nur ihn nicht zu verraten. Das Rapier in ihrer Hand, an seinem Hals, - keine Gegenwehr. Es wäre so leicht gewesen.. - sie verliess ihn ohne ihm auch nur einen Kratzer zu hinterlassen. Sie suchte an den nächsten Tagen verzweifelt Wege ihn davon abzubringen, weiter zu dienen. Da erkannte sie immer mehr die Wahrheit. Es war nicht einfach überhaupt Informationen über ein solches Thema einzuholen, ohne sich selbst unter Verdacht und in Gefahr zu bringen. Sie konnte nur mit wenigen Leuten sprechen. Kanubio .. er riet ihr das sie mit seinem Vater Tithus sprechen sollte - Doch ein Priester .. das war ihr zu gefährlich. Sie ging zu Darna und jene erklärte ihr alles ohne nachzufragen warum Zoe alles über die Götter und Kra'thor wissen wollte. Und bei diesem letzten Gespräch mit Darna, erkannte sie nach und nach, das es keinen Weg mehr geben würde, Jarref's Seele gehörte für immer ihm.

Darna erklärte, Zoe könnte weiterhin sein Vertrauen gewinnen, ihm seine Angst nehmen, alles erfahren was ihn ein Diener werden liess um ihn wieder auf den rechten Weg zu bringen. Darna wusste nur nicht all das was Zoe wusste und mehr konnte sie ihr zu diesem Zeitpunkt auch nicht erklären ohne ihn zu verraten. Einige Tage verbrachte Zoe damit sich zu entscheiden .. für Jarref und einen gemeinsamem Weg oder gegen ihn, und für seinen Tod. Sie hatte die Befürchtung er würde auch ihrem Umfeld etwas tun, so sie sich gegen ihn entschied und er trug zu diesem Zeitpunkt noch immer die Sorge, das sie ihn verraten würde, doch sie hielt ihr Versprechen, hielt ihr Wort - so wie sie es schon immer tat, wenn sie es jemandem gegeben hatte. Er erzählte ihr alles, erklärte wie er ein Diener des Richters wurde und Zoe entschied sich für einen gemeinsam Weg mit ihm und an seiner Seite.

Umso mehr er erzählte desto mehr öffneten sich ihr die Wahrheiten, die sie selbst nie so gesehen hatte. Auch Gespräche mit anderen, offenbarten ihr immer mehr Wahrheiten, über das Leben, alles Sein, das Leid der Menschen, über Götter und der Gerechtigkeit. Durch all diese Gespräche und Worte fühlte sie sich immer mehr mit Jarref verbunden und wollte selbst tatkräftig werden. - Ihn beim dienen unterstützen. Gemeinsam wollten sie wahre schändliche Verbrecher von der Welt tilgen um sie zu einem schöneren, besseren Ort zu machen. Und zu diesem Personenkreis gehörten ihrer Ansicht nach sehr viele.


Verfasst: Freitag 27. März 2009, 23:16
von Zoe de Velgy
"....sie zu erkennen... "

Krankheiten .. Rahal.. - überraschend hübscher, rascher Tod.

Durch ihre Arbeit als Heilerin und Alchemistin, widmete sich Zoe auch immer mehr der Forschung neuer Dinge, wie Krankheiten, Medikationen und vielen anderen Versuchen. Zoe vermachte einem Mann eine Krankheit, die sie selbst und nur für ihn gezüchtet hatte um ihm eine Lektion zu erteilen. Es war ein Weg ihm zu zeigen das er zu weit gegangen war und ein Weg ihn als Versuchsopfer zu benutzen um zu sehen, wie weit sie mit ihrem Wissen und den Fortschritten ihrer Forschungarbeiten bereits waren. Ihr Interesse an weiteren neuen Forschungsergebnissen war damit geschürt und sie hatte noch viel in dieser Richtung vor.

[url=http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=26491]Ich werd' Euch eine Krankheit schenken...[click][/url]

Kra'thor schenkte Jarref immer mehr Macht, er konnte inzwischen sein Äußeres so verändern, das selbst Zoe ihn nicht mehr wieder erkennen konnte. Jarref trat der Bruderschaft der Streiter Temoras bei auch wenn Zoe befürchtete das das ein Fehler war. Im Reich unternahmen sie nicht so viel und sie gingen am Anfang des Winters, an einem Abend, gemeinsam nach Rahal um den einen oder anderen auszuwählen und zu beobachten. Abgesehen von einem Letharen, der ihnen aber noch ein Stück zu gefährlich war, sahen sie jedoch nichts interessantes. Sie waren sich unsicher einen Letharen jetzt schon überwältigen zu können und reisten ohne eine gemeinsame Tat zurück nach Bajard.

Livella .. - eine wahrlich hübsche aber recht dreiste Schneiderin kreuzte noch an diesem Abend ihren Weg und fand ihr jähes Ende in einem Waldstück nahe Bajards.

Eigentlich war sie keine von jenen, die Jarref und Zoe richten wollten, doch Zoe wollte sie zumindest etwas für ihre unverschämte Art leiden sehen. Während des Gespräches griff sie in ihre Robentasche, wollte gerade eine der Säureflaschen greifen, die sie immer bei sich trug, um Livella einen Denkzettel zu verpassen, als Jarref ihr ein Zeichen gab, das sie dies unterlassen sollte. Und Zoe verstand. Sie wollte ihm Livella 'schenken'. - So hübsch und dreist wie Livella auch war, sie war auch so dumm, das sie Zoe's Geschichte später in der Tireller Taverne, Glauben schenkte und ihnen fröhlich mit in den Wald folgte.

Im Wald angekommen, spürte Livella doch plötzlich das sie einen Fehler begangen hatte, und löste sich aus Jarrefs Armen, an denen sie sich noch vor der Taverne glücklich eingehakt hatte, nur um Zoe zu ärgern. Sie wollte fliehen, doch Zoe warf ihr einen der Paralysetränke vor die Füsse und Livella spürte wie jeder Muskel sich von den Beinen aufwärts verhärtete und sie langsam in ihren Bewegungen erstarren liess.

Ein Stab tauchte in Jarrefs Händen auf und er schlug Livella, mit einem festen Hieb auf den Kopf, nieder. Livella fiel zu Boden, blutete und verstand erst nicht, dann winselte sie um ihr Leben. Jarref liess Zoe mit ihr allein - nannte ihr vorher seinen wahren Namen, Djartan - den er nutzte wenn er diente, und sagte, sie solle sich ebenfalls maskieren und wäre nun in der Nacht die Tochter des Mondes - ein Name den sie schon aus seinen Erzählungen kannte. Dann liess er sie mit Livella allein um eine Schaufel zu holen.

Livella klammerte sich verzweifelt an Zoe's Beinen, wimmerte und flehte Zoe an, sie am Leben zu lassen. Zoe empfand kein Mitleid, trat sie und löste ihre Beine wieder aus ihrem Griff. Livella begann dann leise - aber immer lauter werdend, um Hilfe zu rufen. Zoe erkannte die Gefahr eventuell dadurch entdeckt zu werden, griff nach ihrer Waffe und versetzte Livella einen weiteren Schlag auf den Kopf, der sie bewusstlos zusammensacken liess.

Djartan kehrte zurück, in der Robe der Rabendiener, mit einer Schaufel in der Hand und einer Knochenmaske, deren Fratze eiskalt in die Richtung der beiden Frauen sah. Zoe, einen Moment abgelenkt von seiner Erscheinung, erklärte ihm kurz und leise die Lage und Djartan begann das Grab vor ihren Augen zu schaufeln. Der Boden war gefroren und er hatte reichlich Mühe damit, dennoch wirkte es so, als wäre er schon recht geübt darin.

Zoe überprüfte den Puls und die Atmung von Livella, deren Blut weiterhin den Schnee des Waldbodens tränkte. Sie hatten nicht mehr viel Zeit und Zoe sagte Jarref er müsse sich beeilen. Dann ging alles sehr rasch. Das Grab war geschaufelt und zusammen warfen sie die noch lebende aber bewusstlose Livella hinein. Djartan sprach Worte an den Seelenherrn, verstreute die Lilienblüten auf dem Körper der Schneiderin und reichte so ihre Seele dem Rabengott.

Zoe überkam ein Gefühl der Angst, das Kra'thor vielleicht sogar auftauchen, sichtbar werden würde, so ahnungslos war sie - und Djartan bemerkte ihre Angst und sprach zu ihrer Beruhigung, das sie keine Sorge haben bräuchte, das der Richter nicht persönlich erscheinen würde.

Zoe war ein wenig erleichtert über diese Nachricht und sie half Jarref dann das Grab wieder zu zuschaufeln, bis nichts mehr zu sehen war. Zoe füllte den blutgetränkten Schnee in einen der leeren Beutel, bedeckte die frische Erde mit neuem Schnee und nahm den blutigen Schnee mit sich. Sie verliessen den Wald wieder Richtung Bajard und Zoe streute den blutigen Schnee ins Meer.



Verfasst: Freitag 27. März 2009, 23:25
von Zoe de Velgy

"Luftgetrocknet
spürbar leicht,
friert mein Atem
erhaben über Deine Haut
die ich so geliebt.."


"....und sie zu nutzen."

Die nächste Begegnung mit dem Rabengott sollte die beiden schneller und erschreckender erreichen, als sie sich jemals hatten vorstellen können.
Ein Ausritt war geplant, zum See in die neuen Ostlande - die sich nach einigen Erdbeben nach und nach aufgetan hatten.

Jarref konnte nicht reiten und Zoe wollte es ihm zeigen und erklären. Am See abgestiegen, um ihn zu betrachten und eine kleine Pause zu machen, begegnete ihnen ein Ahad - Paladin und Diener des Panthergottes. Jarref trug die Kleidung der Bruderschaft .. was für den Ahad Grund genug war ihn zu richten. Zoe liess er am Leben, obwohl sie ihn immer mehrfach, vergebens angriff um ihren Geliebten zu schützen.
Zoe konnte nichts mehr für Jarref tun, und sah wie er die Lilienblüten über seinen eigenen Körper streute, bevor der letzte Atemhauch seinen Mund verliess unter ihrem letzten Kuss.


[url=http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=28350]Jarref's Tod...[click][/url]

Unsterblichkeit:

Er starb für die Göttin der Tugenden.
Sie sah ihn nicht.
Er starb für die Göttin des Gerechtigkeit.
Sie segnete ihn nicht.
Er starb für die Göttin des Mitgefühls.
Sie gab ihm keinen Hauch von Liebe.

Er starb für den Herren der Pflicht.
Er kam zu ihm.
Er segnete ihn.
Er vervollkommnete ihn.
Er erfüllte ihn.
Er gab ihm Macht
Sein Leben der Strebsamkeit innen
Sein Leben der Begierde außen,
Unsterblich.

Tochter des Mondes


Zoe konnte nicht verstehen wie sie all das ertragen sollte - ohne ihn leben sollte, den Weg allein weiterführen sollte, den sie mit Jarref begonnen hatte. Sie war verzweifelt, hatte Angst und glaubte das es die Strafe der anderen Götter war. Sie dachte, weil sie Livella getötet hatte, wurde ihr Jarref genommen. Sie wollte ihn zurück haben.

Jarref sagte immer er könne dafür sorgen, so Zoe ihm hilft und Kra'thor ihm genügend Macht verleihen würde, das auch er Verstorbene zurück holen könnte. Unsterblichkeit. Zoe wollte Jarref zurück haben und sie hätte auch alles dafür getan um ihn zurück zu bekommen. Doch sie wusste nicht wie sie ihren Weg allein fortsetzen sollte und tat lange Zeit nichts mehr.

Ein hartes Jahr verging, viele weitere prägende Ereignisse und immer wieder Begegnungen, mit den Dienern des Rabengottes und die Geschehnisse im Reich und Umland, sowie eine neue Partnerschaft mit Corian brachten sie langsam wieder auf den Weg zurück. Zoe hatte Corian fast alles erzählen können, hatte ihm alles anvertrauen können, ihre Ansichten, ihre Taten und er hielt zu ihr, so wie sie selbst damals zu Jarref hielt. Sie liebten sich, wollten ihr Leben gemeinsam verbringen. Er wollte den Weg sogar mit ihr gemeinsam bestreiten, ihr helfen zu dienen und letzendlich sogar selbst dienen.

Dann brach der Krieg aus und auch Corian wurde ihr genommen. - Er musste zurück zu seiner Heimat, wurde eingezogen, wie schon damals, als der Krieg über das Land wütete. Er hinterliess Zoe nur einen Brief, in dem er sie freigab, denn Corian wusste er würde lange fort sein und sie hätte sich niemals zwischen ihm und ihrem Leben hier auf Gerimor und Luca entscheiden können.

Zoe war wütend das er ging ohne ihr die Entscheidung zu überlassen, oder ihr zu sagen wo sie ihn finden könnte um ihm nach zu reisen. Durch Corian hatte Zoe sich wieder sicherer gefühlt, gestärkt in ihrem Tun und sie fühlte sich weniger Macht- und Hilflos. Nun überkam sie wieder all das was sie so sehr fürchtete. Verzweifelt darüber wieder allein zu sein, fasste Zoe den Entschluss allein den Weg den Jarref ihr damals zeigte, zu bestreiten. Sie hat die Macht Kra'thors erleben dürfen und müssen und findet, das es inzwischen an der Zeit ist, selbst etwas davon zu erhalten. Sie will dem Rabengott dienen, um ihre eigenen Ziele besser verwirklichen zu können. Und um der Macht- und Hilflosigkeit entfliehen zu können.

Und ihr Streben danach blieb auch nicht unentdeckt.



Verfasst: Freitag 27. März 2009, 23:35
von Zoe de Velgy
"Weihe .. wem Weihe gebührt.."

Larissa Ragen ... Schwester Jarref's im Geiste - Eine Begegnung die Zoe in ihrem Vorhaben bestärkte, ihr viele Dinge erklärte und Zoe zu dem verhalf, was sie wieder sein wollte. Die Tochter des Mondes.

Natürlich wusste Zoe das Larissa nicht in ihrer wahren Gestalt bei ihrer ersten Begegnung auftauchte. Doch lernte sie sie schon bei einem der nächsten Treffen kennen. Larissa fragte Zoe ob sie bereit war dem Rabengott gegenüber zu treten. Nicht lange brauchte sie um ihre Antwort mitzuteilen, sie war schon lange bereit. Zoe und ein weiterer Mann, wurden bei einem weiteren Treffen dann wie Anwärter von Larissa und einer weiteren Rabendienerin in die Katakomben und Grabkammern geführt.

Zoe sollte sich gänzlich entkleiden, an den halb verwesten Leichen des Raumes vorbei gehen, sich vor dem Altar aufstellen und sich darüber bewusst werden, was sie ausmachte. Sie sollte alles vergessen was sie wusste, wer sie war, um dann gereinigt hinter den Altar in die Grabkammern zu treten, um ihm zu begegnen. Am Tage und für alle Freunde wollte sie die Tochter der Sonne sein, Heilerin, Alchemistin, Freundin, Geliebte und in der Nacht und wann immer sie konnte die Tochter des Mondes sein, um ihm zu dienen und Macht zu erhalten.

Sie betraten viele Räume, noch immer umhüllte nur eine Toga ihre nackte Haut, und sie war aufgeregt und neugierig, über all das was als nächstens geschehen würde.

"Ihr seid nun in seinem Allerheiligsten."

In der Mitte des letzten Raumes tat sich seine Gestalt auf einem Sockel eines Pentagrammes auf. Der Mann und Zoe sollten davor knien und Larissa fragte wer nun bereit sei. Zoe antwortete zuerst. Larissa nahm einen Dolch zur Hand, trat auf Zoe zu und sprach "Diese Seele ist gewillt Dir zu dienen, bereit ganz Dein zu sein. Höre an was sie Dir zu sagen hat und entscheide." - noch während sie diese Worte sprach, legte sie den Dolch an Zoe's Hals an und vollzog einen raschen Schnitt an ihrer Halsschlagader.

Nun lag es an Zoe Kra'thor von ihrem Willen ihm zu dienen zu überzeugen oder zu sterben.
Ihr Blut benetzte im schnellen Fluss den Boden, ihre Haut und die Kleidung aller - nur leise konnte sie ihre Worte formulieren.
"Herr ich bin gewillt... Dir mit all meinem Wissen, meiner Kraft und meinem Tun zu dienen.." vieles konnte sie für die Umstehenden nur unverständlich murmeln und sie spürte wie nach und nach das Leben aus ihr heraus sprudelte. Sie fühlte zum erstenmal nach langer Zeit, keine Angst mehr und sprach leise weiter ihre Worte an den Rabengott, mit der Hoffnung im Herzen er würde sie erhören.
"... bin gewillt Dir und der Gerechtigkeit zu dienen .. zu richten, Dir die Seelen darzureichen.."

Er erhörte sie, erkannte sie als seine Dienerin an und kein Blut rann mehr aus ihrer Halswunde. Doch hatte sie bis dahin schon viel Blut verloren. Auch einige Tage zuvor hatte sie durch eine Verletzung einiges an Blut verloren und sie war nun sehr geschwächt. Dann war der andere dran.

Zoe konnte nur blinzelnd und leicht benommen zu sehen, wie er mit einem Stab vor ihren Augen ausgeweidet wurde und sein Blut sich mit ihrem auf dem Boden vermischte. Sie hörte wie er seine Worte an den Rabengott unter Schreien und Schmerzen sprach und sah, wie der Stab von neuem in seinen Leib geführt wurde um alle Wunden wieder zu schliessen. Auch er wurde erhört und sie erfuhren die wahren Namen der beiden Rabendiener. Zoe fühlte sich nach und nach besser, und richtete sich langsam wieder auf. Sie bekam Sachen gereicht und verliess die Grabkammern um wieder nach Hause zu gehen. Noch immer klebte all das Blut an ihr, sie wickelte ihren Umhang um den Hals und zog eine Robe über und hoffte es nach Hause zu schaffen ohne gesehen zu werden.

Esgaron begegnete ihr auf halbem Wege und liess sie, als er das ganze Blut an ihr sah, nicht einfach gehen. Er brachte sie heim, versorgte sie und sagte das sie bei dieser Wunde eigentlich hätte tot sein müssen.

Zoe tischte ihm eine Geschichte auf, wovon sie hoffte, das er sie glauben würde und das er gehen würde. Sie hatte damit Erfolg. Dann schlief sie ein und erst als Bravan an ihrer Tür klingelte wachte sie auf. Ihr Behandlungsraum, ihre Kleidung, ihre Hände und alles waren noch immer voller Blut, sie wollte nur einen Moment auf dem Stuhl sitzen bleiben und dann aufräumen und sich baden, aber war wohl eingeschlafen. Sie fühlte sich noch immer recht schwach, doch schaffte es zumindest aufzustehen und wollte sich gerade die Hände waschen, als Bravan einfach in das Behandlungzimmer trat.

Sie wollte nicht das er sie so sah, sie hatte ihn inzwischen gern und sie wollte ihn nicht auch noch anlügen, wie sie es schon bei Esgaron tun musste. Er versorgte sie und zu allem Übel kam auch noch Luca vorbei und bekam ihren Zustand mit. Sie tischte beiden die gleiche Geschichte wie Esgaron auf und hoffte sie glaubten ihr. Bravan war ein Spur skeptischer, doch sagte er nichts weiter dazu. Die Wunde an ihrem Hals pochte bei der kleinsten Anstrengung, doch heilte in den nächsten Tagen rascher als gewöhnlich.

Nur noch eine feine kleine Linie blieb als frische Narbe zurück. Eine kleine Narbe für ein großes unaufhaltsames Vorhaben. Schon wenige Tage nach ihrer Weihe, spürte Zoe, wie sie hier und da kleine Wünsche erfüllt bekam, wie er ihr Macht verlieh und sie gierte danach - sie wollte mehr davon, wollte mit Hilfe seiner Macht sich und ihr Umfeld, ihre Freunde schützen, und Leiden beenden. Zoe will das Leben derer die es ihrer Ansicht nach verdienen lebenswerter machen. Sie will mit der Macht, die Kra'thor ihr durch ihren fortwährenden Dienst erweist, ihre Forschungen voran treiben und für mehr Gerechtigkeit sorgen und all jene Seelen formen und richten, die viel Leid und Ungerechtigkeit über alles bringen, um sie dem Herr der Seelen dar zu reichen.

Die Tochter des Mondes ist erwacht.



Verfasst: Samstag 2. Mai 2009, 18:48
von Zoe de Velgy
"Wie komme ich nochmal an Deine Knochen, Liebster?"


Der Drache Kryndlagor war nahe und Zoe konnte nur an die Überreste ihres einstigen Geliebten denken. Sie wusste schon eine ganze Weile das Varuna dem Untergang geweiht war und das sie nicht mehr viel Zeit hatte. Sie wollte seine letzten Überreste nicht unter einem Berg von Schutt und Asche verlieren. Zu wichtig waren sie ihr, für eine neue gemeinsame Zukunft. Einige Dinge hatte sie noch von Jarref behalten. Alles nützliche Dinge um ihn eines Tages zurück holen zu können. Doch ohne seine Knochen, würde es noch schwieriger, vielleicht gar unmöglich sein. Sie beobachtete des Nachts den Friedhof, verhüllt und maskiert. Keine Wachen waren mehr zu sehen, seit dem Tage als der Drache bedrohlich nahe über Varuna und auch in Adoran war. Sie hatte gesehen, wie alle Varuna Wachmänner Alindra nach Adoran gefolgt waren. Nur wenige Wachleute auf den Mauern von Varuna waren noch zu sehen, was ihr ihr Vorhaben erleichtern würde.

Der Friedhof lag unmittelbar vor der Stadt, konnte man sich nun des Nachts ungesehen dort aufhalten, ein Grab öffnen? Sie probierte es einige Nächte lang aus, hielt sich dort auf, niemand bemerkte sie, bat sie ihre Maskierung zu entfernen oder fragte was sie dort suche. Dann war die zweite Aufgabe an der Reihe, sie brauchte Ersatzknochen. Die zu finden stellte sich weniger schwierig heraus, da doch viele Gefilde nur davon wimmelten. Sie ging in die nahe Gruft, die gleich am Friedhof lag, wählte einen der passenden niederen Diener des Rabengottes aus und verstaute seine Knochen in einem passenden Behältnis. In der nächsten Nacht war es dann soweit. Sie nahm sich ein einfaches Pferd, eine kleinere Schaufel, etwas Werkzeug, Tinkturen, Tücher und vielerlei Dinge mehr mit um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Auf dem Friedhof angekommen, verschaffte sie sich erstmal wieder einen Überblick. Die Wache auf der Mauer, nahe dem Friedhof, war etwas weiter entfernt. Dan, der Friehofsgärtner war schon am frühen Abend heimgegangen und so hatte sie den Friedhof ganz für sich allein.

Sie begab sich auf die Knie, entfernte vorsichtig die Lilienblüten vom Grab und scheuchte den Raben einen Moment fort, der sich gern am Grab des Verstorbenen aufhielt. Vielleicht auch weil Zoe ihm immer etwas Futter daliess, wenn sie das Grab mit frische Lilien bestückte. Dann begann sie zu graben, es dauerte eine ganze Weile mit der kleinen Handschaufel, doch ging es damit unauffälliger und einfacher für Zoe. Später, als das Loch immer tiefer wurde, griff sie dann doch zur größeren Schaufel und hob auch die letzten Reste der Erde heraus, achtete immer wieder auf ihre Umgebung, lauschte den Geräuschen, ehe sie endlich auf das Holz des Sarges stiess. Rasch warf sie die Schaufel zur Seite, fegte mit den Händen auch die restliche Erde vom Sarg und besah ihn sich erst einen Augenblick. Dann machte sie sich an den Verschlüssen des Sarges zu schaffen, doch sie klemmten. Zoe nahm die Handschaufel wieder zur Hand und schlug mit einem kurzen Hieb dagegen und erst dann liessen sich die Verschlüsse des Sarges öffnen.

Bevor sie den Sarg öffnete, zog sie ihre schmutzigen Handschuhe aus und beträufelte ihre Maske die sie trug mit einer Tinktur. Die Gase, die sich in der ganzen Zeit im Sarg angesammelt hatten und die ihr gleich entgegenströmen würden, sollten nicht ihre Sinne benebeln und sie bewusstlos werden lassen. Die Tinktur roch nicht weniger unangenehm, doch damit konnte sie den Sarg ohne Bedenken öffnen. Die Zeit spielte eine Rolle bei ihrem Vorhaben, und so dachte sie nicht darüber nach, welcher Anblick sie erwarten würde, bevor sie den Sarg öffnete. Der Deckel liess sich nur schwer anheben, und sie hatte reichlich Mühe damit. Irgendetwas krabbelte ihr entgegen als der Deckel geöffnet war, doch sie kümmerte sich nicht darum. Nur ein kurzer Blick über das Gerippe, ehe sie sich auch schon eilig daran zu schaffen machte, jeden einzelnen Knochen einzusammeln, einzusalben und vorsichtig zu verstauen. Dann nahm sie die Ersatzknochen aus dem Behältnis und platzierte sie so in dem Sarg, wie die Originalen darin gelegen hatten.

Die Gase strömten ihr dabei unentwegt entgegen, und da es Frühling war und schon wärmer, wehten sie auch nicht so rasch davon. Doch Zoe hatte nur die Zeit und ihr Ziel im Sinn und so machte sie sich wieder daran, den Sarg zu schliessen und das Grab wieder zu zuschaufeln. Eine ganze Weile dauerte es bis sie das Grab wieder so hergerichtet hatte, das nicht zu erkennen war, das sich jemand daran zu schaffen gemacht hatte. Einmal glaubte sie auch sie hätte Schritte gehört und hielt in ihren Bewegungen inne, aber dann vernahm sie nichts mehr und vielleicht hatte sie sich auch nur getäuscht, sich überanstrengt oder doch schon zuviel von den Gasen eingeatmet. Die Lilien wurden ebenfalls wieder auf dem Grab platziert, genau dort, wo sie auch vorher waren und sie legte dem Raben ein wenig Futter hin, der sich gleich wieder zurück dorthin begab, als wäre er ein persönlicher Wächter dieses einzelnen Grabes. Rasch räumte Zoe ihre ganzen Sachen wieder zusammen, und besah sich nochmal ihr Werk. Das Grab wirkte inzwischen wieder so, wie vor der Schändung, und sollte ihr nun niemand begegnen, würde wohl auch nie jemand bemerken, was sie in dieser Nacht getan hatte. Rasch und noch immer maskiert verliess sie den Friedhof und verschwand in den nahegelegenden Wäldern.

Verfasst: Dienstag 9. Juni 2009, 19:54
von Zoe de Velgy
"Ist es nicht ein erhabenes Gefuehl wenn sie Angst haben?"


Eine Frage zu der sie lediglich nur genickt hatte, als jene sich in ihrem Geist durch eine ihrer Schwestern auftat. Zoe hatte sich erhaben und machtvoll in jenem Moment gefühlt, als sie mit dem Krieger spielte. Sie musste ihn nicht mehr töten oder ihm noch irgendetwas antun, damit seine Seele dem Rabenherren geweiht war. Das hatte ihre Schwester schon erledigt, als sie ihn bewusstlos am Boden vor Bajard fanden und ein Blutritual vollzogen. Doch konnte sie es sich in dem Moment auch nicht nehmen lassen, ihm - einen gestandenen Krieger, der ihr sogar bekannt war, zu zeigen, welches Wissen und welche Macht sie nun in sich trug.

Zoe war nun schon soweit in der Gunst des Seelenfressers aufgestiegen, dass sie ihr Äusseres beliebig verändern konnte. Es war etwas neues für sie, sich mit fremden Gesicht oder gar fremder Gestalt fortzubewegen und es bedurfte einiger Übungen damit nicht aufzufallen. Die Gestalt des Raben gefiel ihr, auch wenn es sich anfangs als schwierig herausstellte sich in neuen Höhen und in einem anderen Körper zu bewegen. Sie begann sich langsam mit allem anzufreunden, alles zu entdecken und ihr Keller und die Nächte dienten ihr zu diesem Zweck, sich all das Wissen der neuen Mächte und Fähigkeiten anzueignen, ohne Aufsehen zu erregen.

Mit fremdem Äusseren und Wissen ob kleiner Rituale und dem neuen Machtgefühl stand sie vor dem Krieger. Er war verwirrt ob des Rituals das ihre Schwester bereits mit ihm vollzogen hatte, als er noch bewusstlos war und auch darüber, das Zoe ihn und seinen Namen er aber ihr Gesicht nicht kannte.

Zoe vollzog mit ihrem kleinen roten Dolch einen kurzen Schnitt in ihrer Hand, zeichnete ein Symbol auf ihrer Handfläche und hob die Hand in seine Richtung an. Er regte sich nicht, verharrte ruhig vor ihr, als verstünde er einfach nicht, was da gerade vorsich ging - auch fühlte er sich noch immer schwach vom Spinnenbiss.

Die Hand erhoben in Richtung des Kriegers, begann Zoe langsam eine Handgeste zu vollziehen, als würde sie nach etwas von ihm greifen um gleich im Anschluss die Hand wieder zu öffnen. Im gleichen Moment fühlte der Krieger sich immer elendiger und fragte Zoe was sie ihm angetan habe. Der Moment, an dem sie sich machtvoll und erhaben fühlte, war in diesem Augenblick an ihrem Höhepunkt. Noch nie hatte sie derlei getan und es tat ihr gut zu sehen, wie der Rahaler Krieger immer schwächer wurde. Das auch ihre Schwester ein Ritual an ihm vollzogen hatte, wurde ihm erst jetzt berichtet und geschockt und wütend betitelte er beide Rabendiener als Hexen. Ihre Schwester übergab Zoe das Feld und liess sie mit dem Krieger allein.

Der Krieger, noch immer wutentbrannt, zog seine Waffe und wollte ansetzen Zoe anzugreifen. Zoe erklärte ihm, das seine Seele ihm schon gehören würde und es egal wäre, ob er jetzt oder morgen sterben würde. Noch immer verstand er nicht und wusste nicht wen oder was er vor sich hatte, obwohl ihre Schwester in voller und auch zumeist bekannter Montur vor ihm gestanden hatte. Sie liess ihn in seiner Ungewissheit und hatte nicht vor ihm irgendetwas zu erklären.

Als ein Lethar dazu stiess, versuchte sie die beiden aufeinander zu hetzen. Sprach immer wieder dazwischen, wenn der Krieger sich äusserte, der gerade versuchte dem Letharen die Situation zu erklären, um Hilfe zu erhalten. Zoe hoffte nur beide würden sich bekriegen, gegenseitig vernichten. Der Lethar diskutierte nicht lange mit dem Krieger, und er schien auch nicht sonderlich viel von dem Krieger zu halten. Ihm war die Situation und der Krieger recht egal, und er verliess rasch wieder das Feld.

Zoe hatte die Zeit genutzt, um auch die letzten Rüstteile anzulegen und ihre Waffe zu ziehen. Der Krieger, noch immer geschwächt, kam mit gezogenem Schwert auf sie zu. Sie parierte seinen Schlag und bevor er zum nächsten ansetzen konnte, hob sie ihre Hand, vollzog die Handgeste erneut und er merkte gleich wieder, das er sich schlechter fühlte, umso näher er Zoe kam. Kraftlos liess er das Schwert fallen, betitelte Zoe als Feigling und sank zu Boden. Erst dann nahm Zoe ihre Hand wieder herunter. Sie hatte das Interesse an ihm verloren, empfand das sie heute genug mit ihm gespielt hatte und wollte gehen. Er jedoch fragte, wer sie war und warum sie es auf ihn abgesehen hatte. Zoe hatte nicht vor noch weitere Worte mit ihm zu wechseln und riet ihm an, aufzustehen und zu gehen oder er würde doch in dieser Nacht noch sein Ende finden. Gebrechlich und deutlich unwohl erhob der Rahaler Krieger sich, steckte seine Waffe wieder fort und sprach eine letzte Drohung gegen sie aus.

"Du hättest mich töten sollen!" rief er ihr auch noch wütend nach, als sie sich schon längst umgewandt hatte. Ja, vielleicht hätte sie das sollen, aber Dank ihrer neuen Macht, würde er sie so oder so nicht wieder erkennen und es gab sicher noch einige Gelegenheiten, ihn in den Wahnsinn zu treiben, mit ihm zu spielen oder anderes. Vielleicht brachte die neue Macht auch eine kleine Wesensveränderung mit sich, aber Zoe dachte nicht groß darüber nach. Sie hatte ihre Freude in dieser Nacht und es wurde geerntet was es zu ernten gab. Da der Krieger nicht verstand was man ihm da angetan hatte, war es nicht mehr so wichtig wann er starb. Seine Seele war dem Rabenherrn bereits geweiht worden.


Verfasst: Freitag 26. Juni 2009, 17:17
von Zoe de Velgy
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Verfasst: Freitag 18. September 2009, 23:23
von Zoe de Velgy
"Ich ersehne Dich.. ich brauch Dein Licht.. denn aus seinen Fängen kann ich nicht .."

So endete was nie sein durfte .. und zurück blieb erneut betäubender Schmerz. Würde auch nur ein einziger versuchen, nun in ihre Seele zu blicken, wäre die Frage, was mehr überwiegen würde bei dem Anblick, von Schmerz, Wut, und Einsamkeit, ob es Mitleid wäre oder Hohn, das sie sich selbst so niederbrachte, wegen dummen einfachen weltlichen Gefühlen, die am Ende nur eines brachten. Gewissheit. Die Nähe eines Menschen brachte sie am Ende immer wieder auf diesen einen unerträglichen Punkt zurück. Und es war an der Zeit diese Gewissheit in Akzeptanz zu verwandeln. Versprechen wollte er weiterhin halten, Versprechen die sie so nie annehmen hätte sollen. Über all die Versprechen und der innigen Liebe, vergaß er sich selbst und am Ende verlor er mehr als sie. Sie wusste, ahnte es von Anfang an, doch die Sehnsucht war größer ..

Wer versucht war, die Welt von Leid zu befreien, sollte bei sich selbst anfangen. - Eine der weiteren Gewissheiten, die nicht so einfach zu ertragen und zu akzeptieren waren. Und die Geborgenheit? Sie war ihr wichtiger als das Ziel gewesen. Eine Weile nur diese einfache Liebe zu spüren, die Geborgenheit und die Stärke die er ihr in all den verbotenen Momenten gab, nahmen so ein hartes und grausames Ende, wie sie es ihm und sich nie gewünscht hatte. Doch der Zeitpunkt war der richtige .. Das wurde ihr bewusst, als sie sah wie nah er dem Boden war, der sich unter seinen Füßen aufzulösen begann. Hätte sie weiter an ihm festgehalten, wäre es sein Ende gewesen. Ein Ende das sie nicht ertragen hätte können. Sein Leid war ihres und sie konnte es ihm nicht erklären, sie konnte ihm nie all das sagen was sie ausmachte, was sie in sich trug.. Die Seele der Tochter des Mondes, die sich danach verzehrte, zu erschaffen was ihr genommen war.. Wie oft hatte sie sich bei dem Gedanken erwischt, und musste erschreckend innehalten, wenn sie versucht war, ihm doch mehr zu eröffnen, mehr preiszugeben, das ihren Tod oder gar seinen einbringen konnte. Oder schlimmer noch.. sein Leiden vermehrte durch ihre Sehnsucht. Die Sehnsucht auszuhalten galt es jetzt.. ein schwieriger Part, so sie die Augen schloss, sah sie ihn und wünschte sich ihn herbei. Unstillbare Sehnsucht nach ihm und den beiden anderen zuvor.. Sie vermisste sie allesamt und das was sie ihr gaben. Eigentlich vermisste sie das ganze Paket, das was ihr fehlte, war mehr als dieser eine Mensch. Bei jedem Einzelnen verlor sie ein Stück mehr von der Qualität und den Dingen die sie vermisste .. und am Ende blieb noch weniger übrig, als voher existent war. Sie log ihn nie an aber die Wahrheit blieb ihm stets verborgen. Etwas das sie vermisste war aber eben genau das .. die unendliche Wahrheit, zwischen ihr und .. - die gab es zuvor .. und es sollte sie wieder geben.

Statt sehnsuchtsschwer mit ihrem Schmerz weiter in den Abgrund zu fallen, begann sie sich wieder ihren Forschungen zu widmen, sprach mit ihren Brüdern und Schwestern vereinzelt über Bereiche, die sie unbedingt in Erfahrung bringen musste um voranzukommen. Es gab soviel zutun, und ohne darüber nachzudenken, begann sie wieder ein Stück ihre Sehnsucht zu nähren, mit der Hoffnung das Ziel, das zu erreichen war, gäbe ihr zurück wonach ihre Seele verlangte. Diese Aufgaben hielten sie aufrecht, und auch wenn sie einzig allein vor Norah nicht all ihren Schmerz verbergen konnte, so konnte sie es für sich selbst. Mehr Arbeit als jetzt hatte sie sich schon lange nicht mehr aufgehalst und es galt zu strukturieren, in ihrem Hause, in ihrer Forschung, der Schülerschaft und der Seelenvereinigung die sie anstrebte. Es gab viel vorzubereiten, und sie würde noch mit Norah sprechen, Hilfe einfordern, allein nur um Gedanken während eines jeden Gespräches ordnen zu können.

Derzeit war sie nicht mehr der ganz so ruhige Pol im Heilerhaus, doch bemüht darum, sich nichts anmerken zu lassen, half ihr auch die viele Arbeit, sich abzulenken. Immer wieder jedoch in wenigen stillen Momenten dachte sie auch an ihn und fühlte sich schuldig, die Schuldfrage überstieg den Schmerzpegel in ihrer Brust, der ihr das Atmen erschwerte. Wie oft musste sie sich auf ihre Aufgaben besinnen, um nicht doch einfach zur Tür hinaus, zu ihm zu reiten, ihn in den Arm zu nehmen, sein Leid zu mildern, in dem sie einfach weiterhin an seiner Seite war. Bis letztendlich wieder die Gewissheit siegte, das dies nur Leid verursachen und nicht lindern würde.. gleichsam war ihr bewusst, das es wieder nur die eigene Sehnsucht war die sie stillen wollte, die Sehnsucht die sie seit langem verspürte, immer wenn sie an diesem einsamen Punkt angelangt war. Loszulassen fiel ihr unheimlich schwer, wenn Zoe es überhaupt je tat. Die Forschungen sollten alle auf das Ziel hinauslaufen, ihr genau dies zurück zu geben, was sie so sehr brauchte und vermisste. Und sie wusste am Ende, das der jetzige verursachte Schmerz, den sie fühlte, rechtens war, weil sie ihr Ziel aus den Augen verloren hatte.. über diesen neuen Mann, der ihr gab was für sie derzeit so bedeutend war. Und mit dieser Gewissheit und dem Schmerz wuchs die Stärke wieder in ihr. Sie würde sich zurückholen was ihr zustand, jetzt und für alle Zeit und hoffte auf die Gunst des Raben und die rechte Weisheit zur rechten Stunde, um ihr Vorhaben in Wahrheit und Tatsächlichkeit zu verwandeln, die ihre Sehnsucht für immer stillen würde...


Verfasst: Samstag 7. November 2009, 16:41
von Zoe de Velgy
"..und so war übertriebener erschütternder Gram eines Geistes der Lebenden Feind.."

Zoe saß im Ritualkeller und starrte auf das blutige Pentakel in der Mitte des Raumes. Fünf Schädelfratzen, mit Kerzen oben auf, zierten jede Spitze des Symbols und blickten ihr entgegen. Ihr Augenmerk war jedoch auf die exakte Mitte des Pentagrammes gerichtet. Fast, als würde sie sich wie beim letzten Ritual auf das Symbol und sich selbst konzentrieren, ihre Kräfte bündeln, für das, was da in dem Moment auf sie zukam. Sie trug diese Seele in sich und Zoe hatte reichlich Mühe damit, die Emotionen, die dieser Geist ihr ab und an so schmerzlich hinterliess, zu überstehen, sich nicht der Trauer, der Pein und all den kläglichen Gefühlen die dieser Geist in sich trug hinzugeben. Um nicht wie in einem unendlichen Sog immer tiefer hineingezogen zu werden. Noch einmal rief sie die Geschehnisse und Erinnerungen der letzten Tage und Stunden in ihre Gedanken zurück.

Die Neugierde war so groß gewesen, das sie nicht hatte wiederstehen können. Es war auch die Neugierde die sie bisher soweit gebracht hatte. Diesesmal hoffte sie, dass es sich nicht nur um eine neue, sondern auch erfolgreiche Erfahrung handeln würde. Sie wollte diesen zweiten Geist der Plagen in sich bergen, wollte wissen wie es sich anfühlt, und was mit solch einer zusätzlichen Macht alles möglich war. An das negative, diese unendliche Trauer, die der Geist schon während des Rituals zeigte, und beständig Blut weinte, hatte sie nicht so sehr gedacht. Ihre Neugierde obsiegte wieder über all ihre inneren Instinkte, und sie dachte nicht daran das auch so ein geteilter Geist durchaus recht gefährlich sein konnte. Zumindest für jemanden der sich damit noch nie auseinander setzen musste. Sie fragte ihre Schwestern viel, noch bevor sie den Geist der Plagen in sich spürte. Während sie mit ihren Schwestern und Brüdern darauf wartete, das der Geist das verkündete und erschuf, weshalb er gerufen war, hatte sie all die Fragen gestellt, die ihr dazu einfielen. Eine ihrer Schwestern, die bereits einigemale bereits einen Geist in sich getragen hatte, war ein wenig amüsiert über ihre Fragen und ihrer Neugierde und Zoe ahnte, dass da mehr auf sie zukommen würde, egal wieviel sie auch fragte, man musste es erleben. Sie war bereit und sie hoffte sie konnte damit umgehen.

Als der Geist, sich vor ihren Augen in Berchgard auflöste, sackten ihre Knie fast zusammen, und sie keuchte angestrengt über diese neue Macht und Verbundenheit zu ihren Schwestern und dem Geist der Plagen, die sie nun unaufhaltsam spürte. Zum Glück waren alle anderen in ihrer Nähe zu erschrocken und mit sich selbst und anderen beschäftigt, um ihr gar zuviel Aufmerksamkeit zu schenken, oder gar etwas zu bemerken. Sie hielt sich kurz am Pferd von Rafael fest, der seinen Blick ebenfalls auf den Geist gerichtet hatte, welcher sich in diesem Moment mit einem gellenden ohrenbetäubenden Schrei vor allen auflöste. Selbst wenn jemand etwas bemerkt hatte, konnte sie noch immer sagen das es der Schrei war, der sie fast in die Knie gezwungen hatte. Ab dem Zeitpunkt wusste sie, das sie nicht länger dort bleiben sollte, sie musste sich erst zurechtfinden, mit den Geschehnissen in und um sich herum. Ein paar wenige Gespräche später, hastete sie auch schon heim. Sie hatte Rafael ausreden können, das jemand sie heimgeleitete. Sie wollte allein sein, ihr Inneres kontrollieren und nicht von den ganzen Gefühlen übermannt werden.

Die ersten Stunden der Nacht hatte sie im Ritualkeller verbracht, sie hielt es für den sichersten Ort. Niemand ausser sie selbst konnte dort hinein. Norah wusste noch nicht viel über die Illusionen die sie dort geschaffen hatte und welche Runen und Wörter sie benutzen musste, um dort hinein zu gelangen. Dort angekommen, hatte sie sich gleich in den Kreis des Pentakels gesetzt und zu Kra'thor gebetet, das er ihr weiterhin die Kraft geben möge all dies zu überstehen, für ihn und für alles weitere, das sie noch in seinem Dienste tun wollte. So verbrachte sie einige Stunden, ehe sie diese langsam aufsteigende Trauer des Geistes spürte. Mit diesem Gefühl tauchte ein weiteres auf, unbändiger ansteigender Hunger. Hunger, vor dem sie von ihren Schwestern bereits gewarnt worden war. Und würde sie ihn nicht stillen, so wäre es ihr eigenes Ende. Es widerte sie an, es auf diese Art und Weise zutun, wie es ihre Schwester tat. Einfach irgendein Tier an den Mund zu führen und dessen Seele auszusaugen, wiederstrebte ihr sehr. Mochte es an ihre penible Art der beständigen Reinlichkeit liegen, auf die so sehr achtete, oder auch an weiterem, das ihr verborgen blieb in diesem Moment, weil sie einfach nicht darüber nachdenken wollte. Die Angst wuchs, das sie es nicht rechtzeitig schaffen würde und sie machte sicj auf, den Keller zu verlassen, um ihrer beider Hunger zu stillen. Es war noch mitten in der Nacht und sie zog sich andere Kleidung an, packte wenige Sachen zusammen und machte sich auf den Weg nach Rahal. Ein Ort der ihr schon immer zuwider war, und sie hoffte dort auf etwas zu treffen, das es verdient hatte, sie von ihrem Leid zu erlösen, ihrer beider Hunger zu stillen und für den Seelenherren zu sterben.


"Wie eindringlich empfiehlst du mir .. die Pein des Hungers zu ertragen?"

Noch bevor sie in der heiligen Stadt Rahal ankam, war sie schon nicht mehr als Zoe zu erkennen. Sie trug neben anderen Gewändern, ein anderes Haarkleid dunklerer Farbe und ein jugendlicheres Gesicht als ihr eigenes. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, doch würde es nur noch wenige Stunden dauern bis es soweit war. Der Geist der Plagen liess mit ansteigendem Hunger nach Lebenskraft auch die Gefühle der Trauer, des Schmerzes und auch des Zorns in Zoe aufkommen und stetig ansteigen. Die Hände in den Robentaschen gebettet, zitterten ein wenig und liessen die kleinen Fläschchen mit den Tränken der Unsichtbarkeit und der Säure, die sie stets bei sich trug, leise aneinander klirren. Der Hafen war fast menschenleer. Einige Wachen liefen ihre Runden, und nur wenige Arbeiter waren am Pier zu sehen. Aufmerksam und auch eine Spur gierig blickte sie sich in der Hafengegend um. Zwischen all den anderen schmerzlichen Gefühlen, drängte sich ein weiteres Gefühl langsam nach oben. Angst. Wahrscheinlich würde sie es doch nicht schaffen, den Geist rechtzeitig zu nähren, ihm zu geben wonach er verlangte, bevor er sich an ihrer eigenen Seele labte. Zoe wusste, sie hatte nicht mehr viel Zeit. Ihr Glaube an Kra'thor half ihr, auch diesem aufsteigendem Gefühl nicht mehr Achtung zu schenken, als nötig. Hoffnungsvoll, das der Herr ihr auch diesesmal den richtigen Weg weisen würde, betrat sie die nördlich gelegenen Gassen des Hafens.

Einige Momente später, als sie in eine weitere dunklere Hafengasse in nordöstlicher Richtung einbog, entdeckte sie einen Mann, der sie zu beobachten schien. Er hatte es sich bequem auf einer der Stufen der naheliegenden Häuser gemacht und nur wenig Laternenlicht erreichte ihn.
Zoe spürte seine Blicke auf sich und wurde fast wie magnetisch davon angezogen, als wäre es ein Zeichen des Rabenherren oder gar eine Einladung. Zielgerichtet, aber bemüht langsam, schritt sie auf den Mann zu und erblickte einen mittelgroßen Kerl, geschätzte Anfang 30, mit wenigen und unansehnlichen Narben im Gesicht. Er wirkte gepflegt und seine eisblauen Augen schienen sie durchbohren zu wollen. Ungeniert gaffte er sie von oben bis unten an, je näher sie ihm kam und auch sein Lächeln wurde eine Spur breiter. Zoe hingegen überkam langsam ein Gefühl der Ruhe und Gewissheit, wie es immer bei ihr war, bevor etwas ereignisreiches geschehen konnte, oder würde und sie sich von dem Seelenfresser gelenkt fühlte. Zwei Schritt vor ihm blieb sie stehen, setzte ein kleines Lächeln auf und fragte mit gespielt unsicherer Stimme, ob er nicht wüsste, wo sie nächtigen konnte, sie würde sich hier nicht auskennen, und suche eine Art Herberge, die etwas günstiger war - da sie nicht viel besaß.

Je mehr und unsicherer sie sprach, desto neugieriger wurde der Kerl. Er begrüßte sie mit 'seinem Segen' und bot ihr an, sich neben ihm auf die Stufen zu setzen. Er rückte sogar ein Stück zur Seite, sodass er sie nochmal aus der Nähe betrachten konnte, als Zoe langsam neben ihm Platz nahm. Ihre Gestik und Mimik täuschte Unsicherheit vor und er ging darauf ein. Neben sich hatte er eine Flasche mit irgendeinem undefinierbarem Fusel stehen und er bot ihr einen Schluck an. Seine Kleidung wirkte nicht wie die von jemanden der auf der Strasse lebte, dennoch lehnte sie das Getränk dankend ab. Zoe hatte schon genug damit zu kämpfen, ihr Schauspiel nach aussen hin zu bewahren, denn um so näher sie dem Mann war, desto fordernder wurde der Geist der Plagen samt unstillbarem Hunger und unerträglichen Gefühlen in ihr.

Konzentration .. war alles was ihr blieb. Sie atmete, redete und bewegte sich konzentriert, spielte ihre Rolle so, wie sie glaubte, ihn damit kriegen zu können. Nur eines hatte sie nicht bedacht. Wie wollte sie ihn töten? Würde er schreien, wären in kurzer Zeit die Wachen oder andere Bürger, und Hafenarbeiter da. Und mit welchen Mitteln? "Konzentriere Dich auf ein Körperteil, das der Geist einnehmen kann, doch achte darauf, dass Du Dich nicht verbrennst.." mahnte erneut die Stimme ihrer Schwester in ihrem Kopf. Inzwischen zitterten nicht nur ihre Hände sondern ihr ganzer Leib ein wenig, sie schob es auf die Kälte, was den Kerl nach geraumer Zeit dazu trieb einen Arm um sie zu legen. Er schien recht angetrunken zu sein und der Alkoholduft der in ihre Nase stieg, liess sie fast würgen.

Zoe musste weitermachen, sie hatte keine Zeit mehr. Sie schob ihren rechten Arm auf seinen Rücken, um seine Umarmung zu erwiedern und sagte, ihr sei furchtbar kalt. Er drückte sie gleich ein wenig enger an sich und versuchte ihren Blick mit seinem zu fangen, doch Zoe wich immer wieder aus. Zittrig erhob sie die linke Hand, fast mechanisch in seine Richtung und platzierte sie langsam auf der weichen Robe an seiner Herzgegend. Der Kerl begann siegessicher zu lächeln und drückte sie noch etwas enger an sich. Sie hatte nichtmal nach seinem Namen gefragt, und es war ihr auch egal - er musste jetzt sterben. Er würde durch Zoe den Geist der Plagen und somit letztlich Kra'thor nähren - es musste sein. Sterben, Küssen oder Verbrennen .. sie musste sich jetzt für eine Variante entscheiden.

Sie hob ihren Kopf um in seine eisblauen Augen zu blicken und zwang sich ein Lächeln auf, das gleich erwiedert wurde. Ihr Gesichter näherten sich aneinander, und Zoe schloss die Augen, begann zu beten und sich zu konzentrieren. Noch bevor ihre Lippen sich berührten, spürte der Kerl diesen unsagbaren Sog - sein Mund halbweit geöffnet, zeigte nun seine Mimik große Angst und Fassungslosgkeit, als Zoe's Hand sich durch die Robe auf seine Haut brannte und sich der Geist der Plagen durch sie an seiner Seele nährte.

Durch die so unvorhergesehene heranstürmende Kraft, wehrte er sich nicht einmal. Zu rasch war der Moment und zu groß war der Sog des Geistes der recht schnell seine Lebenskraft aussaugte, um den eigenen Hunger zu stillen. Er sackte zusammen, bettete dabei sein Kinn auf Zoe's Schulter und starb binnen weniger Augenblicke. Zoe trug schwer an seinem Gewicht, doch liess ihn nicht los. Krampfhaft hatte sich auch die rechte Hand in seinen Rücken gebohrt um den eigenen Schmerz an der linken Hand auszuhalten. Warme Tränen liefen nun an ihren Wangen herab, die den Schmerz nicht fortspülen konnten. Sie hatte sich für das Verbrennen entschieden und jetzt, wo der Hunger des Geistes gestillt war, und der Mann tot an ihrem zitternden Leib lehnte, war der Schmerz unsagbar.

Gerade als sie ihre Hand lösen wollte, kamen Leute vorbei und sie tat so, als würde sie den Mann noch einmal umarmen, und die Menschen gingen wortlos weiter, dachten sie wohl nicht annähernd an solch Dinge wie sie noch vor wenigen Augenblicken hier geschehen waren. Erst als nichts mehr zu hören war, löste sie als erstes ihre linke Hand von ihm, und besah sie sich einen Augenblick. Kleider- und Hautfetzen des Mannes waren in ihre Hand eingebrannt und sie musste sie versorgen. Mit der Macht die der Seelenherr ihr gegeben hatte, begann sie gleich sich auf ihre Hand zu konzentrieren und hörte erst auf als nur noch die normale Röte einer Verbrennung zu sehen war. Dann richtete sie ihr Augenmerk wieder auf den Kerl neben sich, der nicht mehr jenem Mann ähnelte, der er noch vor einigen Augenblicken war. Sein Gesicht war eingefallen und alt, die Haut an den Händen faltig und fahl, seinem Haar war jede Farbe gewichen und seinen Augen fehlte jeglicher Glanz, leer und trübe blickten sie ihr entgegen. Zoe sah auch auf die Stelle am Brustkorb des Mannes und bemerkte, das ihr Handabdruck deutlich zu sehen war.

Sie griff in ihre Tasche und wickelte erst ihre Hand ein, dann nahm sie eine kleine Phiole heraus, die sie gleich öffnete und gab wenige Tropfen auf die Haut und die Kleidung des Mannes. Sofort frass sich die Säure in die Haut und der Handabdruck wurde unkenntlich gemacht. Das was von dem Mann übrig war, war nicht mehr angenehm anzuschauen. Noch einmal blickte sie sich aufmerksam um, ehe sie sich rasch erhob um sich auf den Heimweg zu machen. Die Sonne ging nun recht bald auf und sie wollte in den Ritualkeller gelangen, bevor zuviel Leute unterwegs waren.

Nun saß sie hier, noch immer im Ritualkeller mittig im Pentagramm sitzend, und betrachtete ihre linke Hand. Abgesehen von einer kleinen Rötung war kaum noch etwas zu sehen. Sie musste unbedingt mit Norah über die Erfahrungen sprechen und eine Lösung finden, um den nächsten sich anbahnenden Hunger zu stillen. Sie würde solch Tortur nicht jeden Tag überstehen und irgendwann würde man sie auch sicherlich erwischen. Vielleicht machte sie sich auch wieder nur zuviele Gedanken, wie sie es immer gern tat. Vielleicht sollte sie alle Möglichkeiten in Betracht ziehen und ausprobieren, um dann die beste daraus erwählen zu können. Sie war noch immer neugierig auf all das, und sie konnte es kaum erwarten, noch mehr durch diese Gelegenheit zu erfahren und erleben zu dürfen. Zoe hatte den Hunger des Geistes stillen können in dieser Nacht und sie spürte zu jeder voranschreitenden Stunde mehr und mehr diese sich anbahnende unstillbare Gier nach weiterer so kostbarer Lebenskraft..

Verfasst: Donnerstag 15. Juli 2010, 21:22
von Zoe de Velgy
"Das Ende der Tochter der Sonne."


Das Ritual.

In einem tiefen dichten Waldgebiet kniet eine junge Frau am Boden. Um sie herum ist ein mit Blut gezeichntes Pentagramm das tief den Waldboden tränkt. Vergebens sucht der Beobachter die weitere Fauna in der unmittelbaren Umgebung. Kein Vogel der zwitschert, keine Biene die summend durch die Äste fliegt. Nur Stille umgibt diesen Ort, umgibt die junge Frau. Die Arme hat sie weit zu den Seiten angehoben, Blut fliesst in langsamen Bahnen, tropfend auf den Boden, um das Symbol weiter zu nähren.

Die Augen der Frau sind geschlossen, sie trägt eine weite dunkelgraue Robe, auf die ihr langes dunkelrot glänzendes Haar fast bis zum Boden herabfällt. Bei näherem Betrachten kann man auf der Robe sich ständig bewegende knöchernde Fratzen erkennen die einen anstarren, oder gierig ein paar Tropfen Blut aufsaugen, die ab und an auf die Robe fallen. Unter der Robe ist die Frau nackt und die baren Füße schauen nach hinten heraus und tragen weitere eingeritzte Symbole, die ebenfalls langsam ihr Blut in das weite Pentagramm tauchen, um es zu nähren. Verschiedenfarbene brennende Kerzen sind aufgestellt, reihum.

Vor der Frau im Boden wurde eine kleine Mulde gegraben. Darin enthalten sind verschiedene Dinge. Zum einen rotes getrocknetes Pulver, das wohl einst zumindest aus einem Bestandteil Blut enstammte. Einige helle Haarsträhnen und wohl auch andere persönliche Sachen einer Person finden sich direkt daneben. Kräuter und Reagenzien umrunden die Mulde, als böte sie den Dingen darin Schutz. Um das Pentagramm herum wurden Gräber errichtet, drei an der Zahl. Jedes Grab ist nur wenige handbreit tief und in jedem einzelnen liegt ein Mensch begraben. Die Leiber der Toten wurden auf die Seite gebettet und weitestgehend mit feuchter Erde bedeckt. Die Gesichter starren alle mit weitgeöffneten Augen in die Mitte zur Frau hin, die Münder sind geschlossen. Von dem Gesicht der Frau in der Mitte des Pentagrammes ist nicht mehr viel zu erkennen. Schemenhaft wirkt es auf den ersten Blick, als hätte es mehrere Gesichter und wäre in seinem falschen Bewusstsein erstarrt. Ab und an wechselt es Fratzenhaft, als rangen sich etliche Wesen kämpferisch darum den Platz in diesem Körper einzunehmen.

Im Totenreich.

Zoe spürte in sich die Angst, Ehrfurcht und Hoffnung aufsteigen, als ihre Seele das Totenreich betrat. Jahrelang hatte sie versucht herauszufinden, wie sie in das Totenreich gelangen konnte um nach ihm zu suchen. Nach Jarref - oder Djartan wie er sich nannte, als er ihr in der Robe des Raben half, ihre erste gemeinsam Leiche, die Schneiderin Livella zu begraben und um ihre Seele Krathor zu schenken. Nun war sie in dieser schemenhaften Welt auf der Suche nach ihm. Sie wusste, das er, als er starb, seine eigene Seele erneut Krathor weihte. Es waren die Blüten, weisse reine weiche Lilienblüten, die er über seinen eigenen sterbenden Körper bettete unter dem letzten Kuss von Zoe.

Ehrfurcht überkam sie immer, wenn sie etwas tat, um Krathor zu dienen. Doch dies hier war das größte Ritual und weit mehr als alles was sie je getan hatte. Lange hatte sie ihre Brüder und Schwestern gefragt und lange hatte sie nach dem richtigen Ritual gesucht. Eigentlich hatte sie nicht vorgehabt dieses Ritual allein durchzuführen, und Norah damals gebeten sie dabei zu begleiten. Doch Norah musste fort und Zoe lief die Zeit davon. Sie übergab ihr Haus und ihren ganzen Besitz ab an jene, die sie mochte, und liebte und die ihr in der ganzen Zeit gute Freunde waren. Mit dem Ziel vor Augen eines Tages wieder mit Jarref Seite an Seite leben zu können, erzählte sie, dass sie eigentlich Corian, ihren Gefährten suchen würde, jenen den sie nach Jarref kennen und lieben lernte. Zoe erklärte das die Reise und die Suche lange dauern würde und sie deshalb alles hier aufgeben musste. Sie sprach von der Rückkehr, sobald sie Corian gefunden hätte, wollte sie wieder heimkehren. So sollte man es auch Luca erzähen.

Sie hatte die Hoffnung, das Krathor ihr erlaubte, nach Djartan im Totenreich zu suchen, um ihn letztendlich wieder zurück in das Reich der Lebenden zu holen. Und das sie dann mit ihm nach Gerimor zurückkehren können würde. Sie spürte vom ersten Augenblick an, seit sie das Totenreich betreten hatte, wie ihr Körper schwächer wurde und ein Teil ihres irdischen Lebens verschwand.

Zoe versuchte sich zu orientieren, spürte, dass sie nicht allein war. Fühlte sich beobachtet. Keine Szenerie bot sich ihr - nur die Gedanken und nur die unsichtbare Präsenz der Anderen gab es zu erforschen. Gedanklich versuchte sie sich weiter und tiefer in das Totenreich zu wagen. Sie bekam Emotionen und Gedanken von Vergangenem und Allgegenwärtigen zu spüren. Schemenhafte kurze Szenerien aus den vielen Leben der Wesen und Menschen, die sich mit ihren eigenen Gedanken und Gefühlen langsam zu vermischen begann. Und in all der Verwirrung von Emotionen und den unzähligen Gedanken der anderen vielen Seelen, versuchte Zoe etwas von Jarref in ihr Bewusstsein zu rufen, um ihn zu entdecken.

Einen Momentlang hatte sie das Gefühl, weiter entfernt würde sie etwas entdecken, sie etwas rufen um sie an sich zu binden. Doch ihre Kraft war aufgebraucht und sie konnte nicht dorthin gelangen, konnte nicht erreichen was sie nun deutlich rief. Sie spürte die Schlinge an ihrer Seele die sie immer weiter zog und sie von ihrem Ziel entfernte. Gleichsam spürte sie die allgegenwärtige Präsenz Krathor's immer mehr. Er war hier soviel mehr als nur ein Dämon der sich an den Seelen der Toten und Lebenden labte. Die Suche wurde abrupt abgebrochen, als etwas an ihre Seele ruckte und sie tiefer in das unendliche Nichts zog.

Ein Ende im Wald.

Im dichten Wald, an dem nicht einmal die Sonne einen Strahl auf den Waldboden sandte, lag die junge Frau zusammengesackt nackt und seitlich auf dem blutgetränkten Boden in der Mitte des Pentagrammes. Ihre Robe hatte sich in kleine dunkle Partikel aufgelöst, die am Ende ins Nichts verschwanden. Die Kerzen waren erloschen und alles Ritualwerk war zu Asche verfallen.

Langsam schoben sich knöchernde Hände aus dem tiefen Waldboden. Die drei Leichen um das Symbol herum wurden als erstes gegriffen und unter die Erde gezogen. Am Ende wurde auch nach der Frau in der Mitte gegriffen und sie verschwand spurlos in den Tiefen der Erde. Wind und Regen fegte die letzten Überreste des Rituales fort und hinterliessen ein Waldstück, das wie jedes andere wirkte. Und irgendwann kehrte auch die Tierwelt wieder zurück. Und der Kampf um Leben und Tod begann von Neuem.



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[Ooc: Danke an all jene, mit denen ich in den ganzen Jahren nette RP-Stunden und viel Spielspaß erleben durfte.]