Zur Rettung Rahals..
Verfasst: Mittwoch 25. März 2009, 22:07
(http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=40424)
Die Opferherde
Die Nachricht des schwarzen Marschalls noch in der Hand, sah man Karina diesen Nachmittag im Haus aufgeregt hin- und herschreiten. Sie setzte mehrere nachdenkliche Gesichtszüge nacheinander auf und überflog immer wieder eine sorgsam geschriebene Zeile in dem Schreiben…
Tiere sollte sie opfern. Freiwillig.
„Dieses reissende, häutende Viech geht mir langsam auf die Nerven!“, hörte man sie über den ganzen Gutshof hinweg hadern. „Erst bedroht es meine Freunde, gar meine Familie, und nun soll ich ihm auch noch meine Lebensgrundlage auf einem Silbertablett aushändigen?!“
Ganze Bücher von Gezeter gab sie so, maßlos erzürnt und aufgebracht gestikulierend, von sich. Doch gleichzeitig schillerte jene Furcht in den grauen Seen ihrer Augen mit, die sich die letzten Wochenläufe durch Krieg und Lebensgefahr ebendort fest verankert hatte. Karina selbst hielt sich in dieser Qual gut, nur für Nicklas – so weiß sie – war es eine schlimme Zeit, waren es zuviele Übel, um glücklich aufzuwachsen.
Die Bitte, nein.. der Befehl des Marschalls war eindeutig. Kranke oder alte Tiere aussuchen, sie hinunter zum südlich gelegenen Wald treiben und so dem Ungetüm, dem Tod überlassen.
Dabei hatte Karina noch nie in ihrem Leben getötet. Natürlich war ihr Leben noch jung, doch nicht mehr ganz so zart… außerdem hatte Ivan zum Beispiel schon mehr Ungetüme niedergemäht, als er zählen konnte – und er war nicht um Vieles älter als seine Gattin. Man sollte meinen, es sei fast Zeit für Karinas erstes Opfer, das erste Wesen, welches von ihr ins Jenseits befördert würde… Nur ihr unschuldiges Nutzvieh bewusst in den Tod zu treiben, das war schlicht und ergreifend etwas Anderes. Nicht einmal, dass es der Bedrohung, dem Drachen, Schaden zufügen würde – es half ihm doch regelrecht. Er musste es auf diese Weise nicht mit den kämpfenden Händen ganz Rahals aufnehmen, sondern konnte sich an dessen „Schutzgebühren“ laben und sein Dasein in Gelassenheit fristen.
… Die Höfe allerdings würden in den Ruin getrieben.
Unweigerlich ballte Karina, endlich mitten im Raum innehaltend, die Fäuste, bis sich ihre Nägel in die Handflächen bohrten. Vor Hilflosigkeit glitzerten Tränen in ihren Augenwinkeln.
…
Es ging um ein paar Tiere pro Tag. Um ein paar Tiere, welche man entbehren konnte, pro Tag.
Im Gegenzug bekam man die labile Sicherheit Rahals vor dem wüsten Ungeheuer.
Vielleicht doch kein zu hoher Preis…?
Plötzlich beruhigte sich, nein, stockte das wallende Blut in Karinas Adern, der Blick flitzte durch ihre Gedanken und weitete sich fast erschrocken.
So benahm sich kein wahrer Diener des All-Einen. Schande!
Der plötzliche Schrecken überdeckte Furcht und Zorn mit einem Schlag und breitete Scham über das Gemüt der Landwirtin. Schuldbewusst kniete sie sich an der Stelle hin, auf der sie stand und öffnete ihre Arme gen Zimmerdecke, um die hinter allem stehende Kraft anzusprechen.
„Alatar, mein Gott. Ich habe Deinen Befehl, den Du durch Deinen schwarzen Diener schicktest, hinterfragt. Bin Dir eine schlechte Dienerin bis zu diesem Zeitpunkt gewesen. Dafür verlange ich keine Gnade. … Ich werde Deinen Willen auf der Stelle ausführen… und darüber hinaus eine Strafe annehmen, die einer Deiner geistigen Diener mir aufzuerlegen gedenkt. Ewig seist Du geprisen in Deiner Größe.“
Zögerlich und gewählt kommt das Hauchen andächtig über ihre Lippen. Nun würde sie noch zum Tempel gehen müssen… Doch erst galt es den Wunsch des Einen zu erfüllen.
Natürlich gab es alte Tiere auf dem Gutshof Del’Mur, kranke genauso. Und gerade ein Wesen schien ein würdiges Exemplar für diese Aufgabe zu sein: Eine schon ziemlich alte Stute, die ihr Gnadenbrot von Karina erhielt und kaum noch etwas Hartes beissen konnte. Die gute „Zatira“ hatte ein langes Leben gehabt, länger als manch andere Pferde, hatte einige Fohlen geboren und den Pflug früher immer zuverlässig gezogen. Ihre letzte Reise kam sowieso später, als üblich. Und jetzt sollte sie eine letzte wichtige Aufgabe erhalten – gewissermaßen die Rettung Rahals, vorallem seiner Höfe.
Bloß reichte ein einzelnes Tier dem Drachen womöglich nicht, um die Höfe längerfristig zu verschonen… Es musste mehr Vieh geopfert werden.
Karina hoffte, dass auch die anderen Landwirte sich etwas ausdenken würden. Schließlich ging der Befehl sicher auch an diese und sie konnte seine Erfüllung auch nicht allein übernehmen.
Nach wohldurchdachtem Entschluss, nahm sie auf den beklemmenden Viehtrieb südwärts auch noch einige schwächliche Schafe mit, die öfter krank als gesund waren und deswegen wohl weitere Monde ohnehin nicht überstehen würden. Immer noch angespannt und mit aufeinandergepressten Lippen scheuchte sie mit Hilfe ihres Herdenhundes „Sahneweiss“ die Todgeweihten Tiere auf den Wald zu, wo sie auf weitere Herden anderer Höfe treffen und das ehrenhafte Schicksal erleiden sollten.
Die Opferherde
Die Nachricht des schwarzen Marschalls noch in der Hand, sah man Karina diesen Nachmittag im Haus aufgeregt hin- und herschreiten. Sie setzte mehrere nachdenkliche Gesichtszüge nacheinander auf und überflog immer wieder eine sorgsam geschriebene Zeile in dem Schreiben…
Tiere sollte sie opfern. Freiwillig.
„Dieses reissende, häutende Viech geht mir langsam auf die Nerven!“, hörte man sie über den ganzen Gutshof hinweg hadern. „Erst bedroht es meine Freunde, gar meine Familie, und nun soll ich ihm auch noch meine Lebensgrundlage auf einem Silbertablett aushändigen?!“
Ganze Bücher von Gezeter gab sie so, maßlos erzürnt und aufgebracht gestikulierend, von sich. Doch gleichzeitig schillerte jene Furcht in den grauen Seen ihrer Augen mit, die sich die letzten Wochenläufe durch Krieg und Lebensgefahr ebendort fest verankert hatte. Karina selbst hielt sich in dieser Qual gut, nur für Nicklas – so weiß sie – war es eine schlimme Zeit, waren es zuviele Übel, um glücklich aufzuwachsen.
Die Bitte, nein.. der Befehl des Marschalls war eindeutig. Kranke oder alte Tiere aussuchen, sie hinunter zum südlich gelegenen Wald treiben und so dem Ungetüm, dem Tod überlassen.
Dabei hatte Karina noch nie in ihrem Leben getötet. Natürlich war ihr Leben noch jung, doch nicht mehr ganz so zart… außerdem hatte Ivan zum Beispiel schon mehr Ungetüme niedergemäht, als er zählen konnte – und er war nicht um Vieles älter als seine Gattin. Man sollte meinen, es sei fast Zeit für Karinas erstes Opfer, das erste Wesen, welches von ihr ins Jenseits befördert würde… Nur ihr unschuldiges Nutzvieh bewusst in den Tod zu treiben, das war schlicht und ergreifend etwas Anderes. Nicht einmal, dass es der Bedrohung, dem Drachen, Schaden zufügen würde – es half ihm doch regelrecht. Er musste es auf diese Weise nicht mit den kämpfenden Händen ganz Rahals aufnehmen, sondern konnte sich an dessen „Schutzgebühren“ laben und sein Dasein in Gelassenheit fristen.
… Die Höfe allerdings würden in den Ruin getrieben.
Unweigerlich ballte Karina, endlich mitten im Raum innehaltend, die Fäuste, bis sich ihre Nägel in die Handflächen bohrten. Vor Hilflosigkeit glitzerten Tränen in ihren Augenwinkeln.
…
Es ging um ein paar Tiere pro Tag. Um ein paar Tiere, welche man entbehren konnte, pro Tag.
Im Gegenzug bekam man die labile Sicherheit Rahals vor dem wüsten Ungeheuer.
Vielleicht doch kein zu hoher Preis…?
Plötzlich beruhigte sich, nein, stockte das wallende Blut in Karinas Adern, der Blick flitzte durch ihre Gedanken und weitete sich fast erschrocken.
So benahm sich kein wahrer Diener des All-Einen. Schande!
Der plötzliche Schrecken überdeckte Furcht und Zorn mit einem Schlag und breitete Scham über das Gemüt der Landwirtin. Schuldbewusst kniete sie sich an der Stelle hin, auf der sie stand und öffnete ihre Arme gen Zimmerdecke, um die hinter allem stehende Kraft anzusprechen.
„Alatar, mein Gott. Ich habe Deinen Befehl, den Du durch Deinen schwarzen Diener schicktest, hinterfragt. Bin Dir eine schlechte Dienerin bis zu diesem Zeitpunkt gewesen. Dafür verlange ich keine Gnade. … Ich werde Deinen Willen auf der Stelle ausführen… und darüber hinaus eine Strafe annehmen, die einer Deiner geistigen Diener mir aufzuerlegen gedenkt. Ewig seist Du geprisen in Deiner Größe.“
Zögerlich und gewählt kommt das Hauchen andächtig über ihre Lippen. Nun würde sie noch zum Tempel gehen müssen… Doch erst galt es den Wunsch des Einen zu erfüllen.
Natürlich gab es alte Tiere auf dem Gutshof Del’Mur, kranke genauso. Und gerade ein Wesen schien ein würdiges Exemplar für diese Aufgabe zu sein: Eine schon ziemlich alte Stute, die ihr Gnadenbrot von Karina erhielt und kaum noch etwas Hartes beissen konnte. Die gute „Zatira“ hatte ein langes Leben gehabt, länger als manch andere Pferde, hatte einige Fohlen geboren und den Pflug früher immer zuverlässig gezogen. Ihre letzte Reise kam sowieso später, als üblich. Und jetzt sollte sie eine letzte wichtige Aufgabe erhalten – gewissermaßen die Rettung Rahals, vorallem seiner Höfe.
Bloß reichte ein einzelnes Tier dem Drachen womöglich nicht, um die Höfe längerfristig zu verschonen… Es musste mehr Vieh geopfert werden.
Karina hoffte, dass auch die anderen Landwirte sich etwas ausdenken würden. Schließlich ging der Befehl sicher auch an diese und sie konnte seine Erfüllung auch nicht allein übernehmen.
Nach wohldurchdachtem Entschluss, nahm sie auf den beklemmenden Viehtrieb südwärts auch noch einige schwächliche Schafe mit, die öfter krank als gesund waren und deswegen wohl weitere Monde ohnehin nicht überstehen würden. Immer noch angespannt und mit aufeinandergepressten Lippen scheuchte sie mit Hilfe ihres Herdenhundes „Sahneweiss“ die Todgeweihten Tiere auf den Wald zu, wo sie auf weitere Herden anderer Höfe treffen und das ehrenhafte Schicksal erleiden sollten.