Vergessen um zu vergeben
Verfasst: Freitag 20. März 2009, 21:46
Fell schob sich in seine Nase, plusterte sich beim Atmen auf. Schwarzes Haar, sein eigenes, ergoss sich zauselig über sein Gesicht - er konnte gerade so Leah ausmachen, die mit verwirrt entsetzter Miene zurück gesprungen war. Der Blick flimmerte ihm von der Wucht, mit der er den mit weissen Fellen belegten Boden geküsst hatte. Es war so schnell gegangen, er hatte nicht genügend Zeit für eine Gegenreaktion gehabt, da hatte er schon Hände auf seinen Schultern gespürt und nur noch die Wände des Raumes zur Seite wegkippen sehen. Sein Arm, der verdreht unter ihm lag, wurde von seinem eigenen Körpergewicht zu Boden gepresst - er konnte ihn nicht heraus ziehen! Er versuchte sich zu erheben, mit einer Hand seinen Oberkörper hoch zu stemmen, das er seinen zweiten Arm frei bekam. Sein Oberkörper hoch sich, sein Arm zitterte, als er ihn durch zu drücken suchte. Das Gewicht auf seiner Körpermitte wurde verlagert, Hände legten sich fester auf seine Schultern, Gewicht presste seinen Körper die paar wenige Zentimeter, die er gewonnen hatte, wieder hinab. Sein Arm war immer noch nutzlos unter seinem Körper gefangen. >Nein...!< Er musste den Mann von seinem Rücken bekommen!
Jemand war in seinen Rücken gesprungen, während er mit Leah gesprochen hatte, ihr erklären wollte, was geschehen war, nachdem sie aufgrund von einhalb Kurzen Rum in zwei Teetassen allerdings mächtig einen im Tee hatte. Eineinhalb Kurze Rum, die ihn erkennen liessen, das sie nicht nur eine geringe Toleranz für Alkohol hatte, sondern überhaupt keine besass. Und das sie sehr vertraulich wurde, wenn sie einen im Tee hatte... Und heute morgen wohl grässliche Kopfweh... Ein Kater von eineinhalb kurzen Rum...
Ihr Gesichtsausdruck hatte ihn gewarnt, aber der Kater hatte auch ihre Reaktionen verlangsamt - der Mann war bereits von der Treppe auf ihn herab gesprungen; der Ellbogen, den Cyr bei ihrem Blick hin nach hinten durchgezogen hatte, die Beine, die sich unter den Körper zogen - es war alles um einen Bruchteil zu spät gewesen. Zu spät gewesen, um ihn wirklich zu erwischen; sein Ellbogen war an einem Lederharnisch abgeglitten, touchierte die Rippen des Eindringlings bloss, während des Gegners Stoss Cyr, der sich im Oberkörper mitgedreht hatte, um dem Ellbogen mehr Kraft zu geben, im wahrsten Sinn der Worte niederstreckte.
Einige der Kerzen, derer er reichlich verteilt hatte, um eine für die aufwachende Leah angenehme Stimmung zu schenken, wurden von seinen ausscherenden Füssen umgestossen - heisses Wachs ergoss sich über seine Zehen und er zog sie zischend hoch, das sie an den Rücken des Mannes stiessen. Eine Frau konnte es nicht sein, dafür war das Gewicht auf seinem zu schwer.
Eindringling... jemand war in seinen Keller eingebrochen! Er konnte nichts sehen ausser Leahs Gesichtsausdruck, aber der war deutlich! >Rahaler...!< schoss es ihm durch den Sinn. Doch wie kam es... Vaughain! Er musste seine Joker ausgespielt haben! Er kannte seinen Namen, wusste, das er für die schwangere Paladina und Gräfin von Hohenfels arbeitete. Er wusste, das er mit Khazkal in Kontakt stand - wussten sie von Khazkal, wo er wohnte?! Waren sie gekommen, sich eine leicht zu fangen geglaubte Beute zu holen, um sich weitere Informationen zu Darna zu besorgen?! Würden er und Leah erneut in ihren Kerkern landen?!
Sein freier Arm schoss nach hinten! Er würde sein Gesicht nicht erreichen können, aber vielleicht einen Arm wegreissen können oder... Eine Hand löste sich von seiner Schulter und er sog erneut scharf die Luft ein!
>Nein!<
Die Hand stiess auf ein Bein und schoss an diesem entlang - Cyr versuchte das Mannes Gemächt zu ergreifen und mal kräftigst dieses zu misshandeln, das einzige, was ihm in dieser Situation blieb, waffenlos wie er war. Wenn es sonst nichts gab, was jemanden auf die Knie brachte dann ein Angriff auf die Kronjuwelen.
Cyrion hatte keine Chance! Seine Hand wurde am Gelenk ergriffen und der Arm ihm auf den Rücken gedreht!
Schmerz zog durch seinen Arm - der Mann war stark! Und Cyrs Lage äusserst schlecht. Er konnte den verdammten Bastard nicht mal kratzen, weil er Handschuhe trug! Er konnte gar nichts tun!
"Lauf... Leah...!" Ächzte er, gerade so die Luft aufbringend, das er etwas von sich geben konnte. Wieder zehrte er an seiner Hand, versuchte sie frei zu bekommen. Was machte Leah?! Er hörte sie nicht wegrennen! Verflucht, sie war verkatert - Cyr hatte keine Ahnung, wie tauglich sie verkatert war! Was tat sie...?
Seine Augen weiteten sich, als er aus dem Augenwinkel einen Dolch aufblitzen sah. "Du wirst unvorsichtig. Nicht mal eine Waffe in deiner Nähe."
>Oh verdammt...!< Der Kerl kannte ihn! Ein alter Feind?! Verloren in den schwarzen Löchern der Amnesie?! Die Stimme sagte ihm nichts.... Rahaler und ein persönlicher Feind! Und Cyrs liebster Schatz war auch verkatert und unbewaffnet im Keller...! Wieder versuchte er sich los zu reissen, trat wuchtig mit den Füssen in seinen Rücken, auch wenn sein Kreuz dabei aufschrie - doch er traf er lediglich dem Kerl sein Hinterteil! Gab es denn nichts... Der auf ihm sitzende Mann grunzte leise, während Cyr ein dumpfes Pock! hörte. Ein Apfel fiel zu Boden und rollte davon, Kerzen umstossend, als wären es Kegeln. Wieder Ächzte er, versuchte Atem zu schöpfen. Leah warf Dinge... Das einzige, was sie werfen konnte in einem Raum, in dem es nicht viel ausser Kerzen, Handtücher, ein Kaminfeuer und ihr Frühstück gab... "Der Tee! Werf den Tee!"
Der Tee war heiss, frisch gebrüht - eine Kerze unter dem Teepot... Wenn sie ihm diese ins Gesicht warf, mochte die heisse Flüssig auch vor dem Leder nicht Halt machen... der Mann würde die Augen schliessen müssen - mindestens - vielleicht sogar von seinem Rücken vertrieben werden - dafür nahm Cyr gerne in Kauf, das sein Oberkörper - Hemdlos, hatte er noch keine Gelegentheit gefunden, sich etwas an zu ziehen, ebenfalls verbrüht werden würde - wenn sie nur die Oberhand gewannen! Tee, die heissen Kohlen vom Kamin, die Scheite vom Brennholz... solang er nur....
Kühl legte sich die Klinge an seine Kehle und die Worte, die er ihr hatte zurufen wollen, erstarben, bevor sie seine Lippen verliessen.
Sein Blick huschte zu der Hand, die das Messer hielt, sein Körper erstarrt, während er Leah leise ächzen hörte.
"Gütige..." Dem Tonfall nach wusste Leah nicht mehr weiter... Keine Waffen... Die Klinge an der Kehle... Schach Matt.
>Nein! Aufgeben ist keine Option! Aber was... Götter...< Was konnten sie jetzt noch nun? Leah auffordern, ihn trotzdem zu bewerfen - auf die Gefahr hin, das er ihm die Kehle aufschnitt...? Seine Gedanken rasten, suchten verzweifelt nach einem Ausweg, während er heftig in das Fell keuchte. Aber wenn er Rahaler war, wollte er sie gewiss lebend! Vielleicht konnten sie...
"Allein dieser Gesichtsausdruck war das wert." Amüsement klang in der harschen Stimme mit, fast glaubte Cyr, ein Lachen darin zu hören.
Der Dolch wurde von seiner Kehle gezogen, seine Schulter losgelassen, während der Mann zurück trat...
Wie von der Tarantel gestochen schoss Cyr davon, die Felle rutschten ein Stück nach hinten, schlugen Wellen, während er über die Schulter sah und abrupt verhielt. Der verwirrt gehetzte Ausdruck auf seinem Gesicht änderte sich schlagartig! Leah sackte mit einem leisen Stöhnen zu Boden, Unglauben in ihrem blassen Gesicht sichtbar - wie es auch auf seinen erkennbar sein musste.
"Störe ich gerade?" Die Stimme nun der bekannte Bariton, baumelte seine Balronmaske am Riemen von seiner Hand, die Arme verschränkt. Ein Schmunzeln lag breit auf den Zügen des Mannes, der sich Cyrs Blutsbruder nannte. Fassungsloser Zorn, Unglauben pulsierte in Cyr, siedete, brodelte hoch ob der Dreistigkeit Malachais, sie beide in Angst und Schrecken zu versetzen. Eben noch in der Rolle eines unbekannten Fremden, eines Eindringlings, der ihn und Leah bedroht hatte, setzte er sich nun auf die Treppen und liess die Beine baumeln, als ob nichts gewesen wäre.
"Ausgerechnet... heute... Hallo... Malachai." Er hörte Leahs angestrengten Tonfall... Leah, um die er eben noch solche Angst gehabt hatte, das er bereit gewesen war... Cyrs Kiefer pressten so hart aufeinander, das seine Kiefer knirschten!
"Kch... du.... du verdammter..." Malachai musste Cyrion, bleich und mit starren Blick, angesehen haben, das er nahe dran war, seinen Blutsbruder zu schlagen. Die Hände des Rabenkriegers zitterten im heillosen Zorn.
"Ich dachte mir, da ich ein paar Sätze von eurem Gespräch aufgeschnappt habe, gebe ich euch einen Grund, froh zu sein, dass der andere da ist...vorallem lebend."
Ein in Cyrions Augen selbstgefälliges Schmunzeln zog über seines Bruders Züge hinweg, bevor er in lässiger Geste den Überfall abwinkte.
"Nichts zu danken, Cyrion."
>Danken!?< Eine Muskel in seinem Kiefer begann sichtbar zu zucken. Dank war das letzte, was der im Zorn brodelnden junge Mann empfand! Er hatte viel mehr das dringende Bedürfnis, ihn zu prügeln! Schwer ging sein Atem und seine Finger krampften und entkrampften sich wiederholt, während er am Rande Leahs Worte wahrnahm, rauh ihre Stimme, die junge Frau merklich unangenehm berührt. Doch was sie sprach, ging irgendwie an ihm vorbei - er konnte sich später nicht mehr recht erinnern.
"Danken...!" Das Wort gerade zu ausstossend, verzog er die Lippen, einem Wolf ähnlich, der knurrte. Die Stimme leiser werden, tiefer werdend, gab er in einem scharf tönigen Ächzen wieder:
"Danken... Ich hab mir fast in die Hose gemacht, du Mistkerl..."
Tief atmete er ein, versuchte sich zu beruhigen - die Tatsache, das Malachai erneut breit am grinsen war, half nicht gerade, auch nicht sein "Dann lerne gefälligst, dich besser zu wappnen." Wappnen?! Er war in seiner Schlafhose! Wo sollte er im Keller, im Bad, bei einer kuschligen Nacht mit Leah vor dem Kamin eine Waffe verstecken?! Vielleicht in seinem Hosenbund?! >Ohja, seeeehr romantisch!<
"Götter..." setzte er an und wollte etwas scharfzüngiges erwidern, doch riss Leah Cyrs Aufmerksamkeit von Malachai fort.
"Verdammt...warum hast du mich nicht in die Wanne geworfen oder einen eisigen Kübel Wasser über mich geschüttet?!" Leahs Ton war scharf, scharf genug, um durch Cyrs Zorn zu schneiden. Der Blick in ihr wütendes Gesicht liess seinen eigenen Zorn verrauchen - die Erinnerungen an letzte Nacht brachen wieder über ihn hinein - und mit ihnen das schlechte Gewissen...
"Ich habe Angst vor dem, zu was Männer imstande sind, zu tun..." Den Satz hatte er noch am Vorabend gehört... Angst, die sie in der einen Nacht in Rahal entwickelt hatte. In der einen Nacht, wo die Wachen sie geweckt und begrabscht hatten.
>Ich hab nicht gegen ihren Willen gehandelt... Naja... gegen ihren nüchternen Willen schon...< Angetrunken hatte sie nichts dagegen gehabt, mit ihm zu schmusen. Angetrunken hatte sie keine Angst davor gehabt, das er sie berührte.... Etwas, das so verlockend für ihn gewesen war... Die Lippen zusammen pressend seufzte er schwer, wischte sich über das Gesicht. Das hier gerade zu biegen hatte deutlich Vorrang zu seinem Zorn auf Malachai...
Die Hacke auf den Boden klopfend, rutschte er mit dem Fuss gänzlich in den Stiefel. Tief einatment erhob er sich. Leah war nicht wirklich glücklich über ihren Zustand gewesen. Nun, wer mochte es schon, unverhofft mit Kater zu erwachen. Aus dem Fenster blickend, konnte er Leah und Malachai im Garten erblicken, wie sie auf den Stufen sassen und sich unterhielten. Unterhielten sie sich über ihn? Wahrscheinlich. Unterhielten sie sich über den Trank, den Malachai ihr brauen sollte, wenn er konnte - sehr gut möglich...
Sich vom Fenster abwendend, begab er sich die Stufen hinab. Er würde sehen, was werden würde, ob Malachai ihr helfen konnte, ob Leah ihm den Abend mit verwechselten Teetassen übel nahm und ob er wieder bis zum Hals in Schwierigkeiten steckte - Tendenz versinkend. Krustiger Schnee knirschte unter seinen Sohlen. Hier und da zeigten sich schon Grasflecken... In den geschützteren Orten am Waldrand konnte er die ersten fleischigen Blätter von Schneeglöckchen ausmachen. Der Frühling war im Anzug...
Wieder schweifte sein Blick zu Leah und Malachai...
>Ah... Sie unterhalten sich tatsächlich über den Trank...< Dachte er, als er aufschnappte, wie Leah über das Vergessen sprach. Aufmerksam hob sich seine Braue... Ob Malachai dazu imstande war, so einen Trank zu brauen - das interessierte auch ihn...
Jemand war in seinen Rücken gesprungen, während er mit Leah gesprochen hatte, ihr erklären wollte, was geschehen war, nachdem sie aufgrund von einhalb Kurzen Rum in zwei Teetassen allerdings mächtig einen im Tee hatte. Eineinhalb Kurze Rum, die ihn erkennen liessen, das sie nicht nur eine geringe Toleranz für Alkohol hatte, sondern überhaupt keine besass. Und das sie sehr vertraulich wurde, wenn sie einen im Tee hatte... Und heute morgen wohl grässliche Kopfweh... Ein Kater von eineinhalb kurzen Rum...
Ihr Gesichtsausdruck hatte ihn gewarnt, aber der Kater hatte auch ihre Reaktionen verlangsamt - der Mann war bereits von der Treppe auf ihn herab gesprungen; der Ellbogen, den Cyr bei ihrem Blick hin nach hinten durchgezogen hatte, die Beine, die sich unter den Körper zogen - es war alles um einen Bruchteil zu spät gewesen. Zu spät gewesen, um ihn wirklich zu erwischen; sein Ellbogen war an einem Lederharnisch abgeglitten, touchierte die Rippen des Eindringlings bloss, während des Gegners Stoss Cyr, der sich im Oberkörper mitgedreht hatte, um dem Ellbogen mehr Kraft zu geben, im wahrsten Sinn der Worte niederstreckte.
Einige der Kerzen, derer er reichlich verteilt hatte, um eine für die aufwachende Leah angenehme Stimmung zu schenken, wurden von seinen ausscherenden Füssen umgestossen - heisses Wachs ergoss sich über seine Zehen und er zog sie zischend hoch, das sie an den Rücken des Mannes stiessen. Eine Frau konnte es nicht sein, dafür war das Gewicht auf seinem zu schwer.
Eindringling... jemand war in seinen Keller eingebrochen! Er konnte nichts sehen ausser Leahs Gesichtsausdruck, aber der war deutlich! >Rahaler...!< schoss es ihm durch den Sinn. Doch wie kam es... Vaughain! Er musste seine Joker ausgespielt haben! Er kannte seinen Namen, wusste, das er für die schwangere Paladina und Gräfin von Hohenfels arbeitete. Er wusste, das er mit Khazkal in Kontakt stand - wussten sie von Khazkal, wo er wohnte?! Waren sie gekommen, sich eine leicht zu fangen geglaubte Beute zu holen, um sich weitere Informationen zu Darna zu besorgen?! Würden er und Leah erneut in ihren Kerkern landen?!
Sein freier Arm schoss nach hinten! Er würde sein Gesicht nicht erreichen können, aber vielleicht einen Arm wegreissen können oder... Eine Hand löste sich von seiner Schulter und er sog erneut scharf die Luft ein!
>Nein!<
Die Hand stiess auf ein Bein und schoss an diesem entlang - Cyr versuchte das Mannes Gemächt zu ergreifen und mal kräftigst dieses zu misshandeln, das einzige, was ihm in dieser Situation blieb, waffenlos wie er war. Wenn es sonst nichts gab, was jemanden auf die Knie brachte dann ein Angriff auf die Kronjuwelen.
Cyrion hatte keine Chance! Seine Hand wurde am Gelenk ergriffen und der Arm ihm auf den Rücken gedreht!
Schmerz zog durch seinen Arm - der Mann war stark! Und Cyrs Lage äusserst schlecht. Er konnte den verdammten Bastard nicht mal kratzen, weil er Handschuhe trug! Er konnte gar nichts tun!
"Lauf... Leah...!" Ächzte er, gerade so die Luft aufbringend, das er etwas von sich geben konnte. Wieder zehrte er an seiner Hand, versuchte sie frei zu bekommen. Was machte Leah?! Er hörte sie nicht wegrennen! Verflucht, sie war verkatert - Cyr hatte keine Ahnung, wie tauglich sie verkatert war! Was tat sie...?
Seine Augen weiteten sich, als er aus dem Augenwinkel einen Dolch aufblitzen sah. "Du wirst unvorsichtig. Nicht mal eine Waffe in deiner Nähe."
>Oh verdammt...!< Der Kerl kannte ihn! Ein alter Feind?! Verloren in den schwarzen Löchern der Amnesie?! Die Stimme sagte ihm nichts.... Rahaler und ein persönlicher Feind! Und Cyrs liebster Schatz war auch verkatert und unbewaffnet im Keller...! Wieder versuchte er sich los zu reissen, trat wuchtig mit den Füssen in seinen Rücken, auch wenn sein Kreuz dabei aufschrie - doch er traf er lediglich dem Kerl sein Hinterteil! Gab es denn nichts... Der auf ihm sitzende Mann grunzte leise, während Cyr ein dumpfes Pock! hörte. Ein Apfel fiel zu Boden und rollte davon, Kerzen umstossend, als wären es Kegeln. Wieder Ächzte er, versuchte Atem zu schöpfen. Leah warf Dinge... Das einzige, was sie werfen konnte in einem Raum, in dem es nicht viel ausser Kerzen, Handtücher, ein Kaminfeuer und ihr Frühstück gab... "Der Tee! Werf den Tee!"
Der Tee war heiss, frisch gebrüht - eine Kerze unter dem Teepot... Wenn sie ihm diese ins Gesicht warf, mochte die heisse Flüssig auch vor dem Leder nicht Halt machen... der Mann würde die Augen schliessen müssen - mindestens - vielleicht sogar von seinem Rücken vertrieben werden - dafür nahm Cyr gerne in Kauf, das sein Oberkörper - Hemdlos, hatte er noch keine Gelegentheit gefunden, sich etwas an zu ziehen, ebenfalls verbrüht werden würde - wenn sie nur die Oberhand gewannen! Tee, die heissen Kohlen vom Kamin, die Scheite vom Brennholz... solang er nur....
Kühl legte sich die Klinge an seine Kehle und die Worte, die er ihr hatte zurufen wollen, erstarben, bevor sie seine Lippen verliessen.
Sein Blick huschte zu der Hand, die das Messer hielt, sein Körper erstarrt, während er Leah leise ächzen hörte.
"Gütige..." Dem Tonfall nach wusste Leah nicht mehr weiter... Keine Waffen... Die Klinge an der Kehle... Schach Matt.
>Nein! Aufgeben ist keine Option! Aber was... Götter...< Was konnten sie jetzt noch nun? Leah auffordern, ihn trotzdem zu bewerfen - auf die Gefahr hin, das er ihm die Kehle aufschnitt...? Seine Gedanken rasten, suchten verzweifelt nach einem Ausweg, während er heftig in das Fell keuchte. Aber wenn er Rahaler war, wollte er sie gewiss lebend! Vielleicht konnten sie...
"Allein dieser Gesichtsausdruck war das wert." Amüsement klang in der harschen Stimme mit, fast glaubte Cyr, ein Lachen darin zu hören.
Der Dolch wurde von seiner Kehle gezogen, seine Schulter losgelassen, während der Mann zurück trat...
Wie von der Tarantel gestochen schoss Cyr davon, die Felle rutschten ein Stück nach hinten, schlugen Wellen, während er über die Schulter sah und abrupt verhielt. Der verwirrt gehetzte Ausdruck auf seinem Gesicht änderte sich schlagartig! Leah sackte mit einem leisen Stöhnen zu Boden, Unglauben in ihrem blassen Gesicht sichtbar - wie es auch auf seinen erkennbar sein musste.
"Störe ich gerade?" Die Stimme nun der bekannte Bariton, baumelte seine Balronmaske am Riemen von seiner Hand, die Arme verschränkt. Ein Schmunzeln lag breit auf den Zügen des Mannes, der sich Cyrs Blutsbruder nannte. Fassungsloser Zorn, Unglauben pulsierte in Cyr, siedete, brodelte hoch ob der Dreistigkeit Malachais, sie beide in Angst und Schrecken zu versetzen. Eben noch in der Rolle eines unbekannten Fremden, eines Eindringlings, der ihn und Leah bedroht hatte, setzte er sich nun auf die Treppen und liess die Beine baumeln, als ob nichts gewesen wäre.
"Ausgerechnet... heute... Hallo... Malachai." Er hörte Leahs angestrengten Tonfall... Leah, um die er eben noch solche Angst gehabt hatte, das er bereit gewesen war... Cyrs Kiefer pressten so hart aufeinander, das seine Kiefer knirschten!
"Kch... du.... du verdammter..." Malachai musste Cyrion, bleich und mit starren Blick, angesehen haben, das er nahe dran war, seinen Blutsbruder zu schlagen. Die Hände des Rabenkriegers zitterten im heillosen Zorn.
"Ich dachte mir, da ich ein paar Sätze von eurem Gespräch aufgeschnappt habe, gebe ich euch einen Grund, froh zu sein, dass der andere da ist...vorallem lebend."
Ein in Cyrions Augen selbstgefälliges Schmunzeln zog über seines Bruders Züge hinweg, bevor er in lässiger Geste den Überfall abwinkte.
"Nichts zu danken, Cyrion."
>Danken!?< Eine Muskel in seinem Kiefer begann sichtbar zu zucken. Dank war das letzte, was der im Zorn brodelnden junge Mann empfand! Er hatte viel mehr das dringende Bedürfnis, ihn zu prügeln! Schwer ging sein Atem und seine Finger krampften und entkrampften sich wiederholt, während er am Rande Leahs Worte wahrnahm, rauh ihre Stimme, die junge Frau merklich unangenehm berührt. Doch was sie sprach, ging irgendwie an ihm vorbei - er konnte sich später nicht mehr recht erinnern.
"Danken...!" Das Wort gerade zu ausstossend, verzog er die Lippen, einem Wolf ähnlich, der knurrte. Die Stimme leiser werden, tiefer werdend, gab er in einem scharf tönigen Ächzen wieder:
"Danken... Ich hab mir fast in die Hose gemacht, du Mistkerl..."
Tief atmete er ein, versuchte sich zu beruhigen - die Tatsache, das Malachai erneut breit am grinsen war, half nicht gerade, auch nicht sein "Dann lerne gefälligst, dich besser zu wappnen." Wappnen?! Er war in seiner Schlafhose! Wo sollte er im Keller, im Bad, bei einer kuschligen Nacht mit Leah vor dem Kamin eine Waffe verstecken?! Vielleicht in seinem Hosenbund?! >Ohja, seeeehr romantisch!<
"Götter..." setzte er an und wollte etwas scharfzüngiges erwidern, doch riss Leah Cyrs Aufmerksamkeit von Malachai fort.
"Verdammt...warum hast du mich nicht in die Wanne geworfen oder einen eisigen Kübel Wasser über mich geschüttet?!" Leahs Ton war scharf, scharf genug, um durch Cyrs Zorn zu schneiden. Der Blick in ihr wütendes Gesicht liess seinen eigenen Zorn verrauchen - die Erinnerungen an letzte Nacht brachen wieder über ihn hinein - und mit ihnen das schlechte Gewissen...
"Ich habe Angst vor dem, zu was Männer imstande sind, zu tun..." Den Satz hatte er noch am Vorabend gehört... Angst, die sie in der einen Nacht in Rahal entwickelt hatte. In der einen Nacht, wo die Wachen sie geweckt und begrabscht hatten.
>Ich hab nicht gegen ihren Willen gehandelt... Naja... gegen ihren nüchternen Willen schon...< Angetrunken hatte sie nichts dagegen gehabt, mit ihm zu schmusen. Angetrunken hatte sie keine Angst davor gehabt, das er sie berührte.... Etwas, das so verlockend für ihn gewesen war... Die Lippen zusammen pressend seufzte er schwer, wischte sich über das Gesicht. Das hier gerade zu biegen hatte deutlich Vorrang zu seinem Zorn auf Malachai...
Die Hacke auf den Boden klopfend, rutschte er mit dem Fuss gänzlich in den Stiefel. Tief einatment erhob er sich. Leah war nicht wirklich glücklich über ihren Zustand gewesen. Nun, wer mochte es schon, unverhofft mit Kater zu erwachen. Aus dem Fenster blickend, konnte er Leah und Malachai im Garten erblicken, wie sie auf den Stufen sassen und sich unterhielten. Unterhielten sie sich über ihn? Wahrscheinlich. Unterhielten sie sich über den Trank, den Malachai ihr brauen sollte, wenn er konnte - sehr gut möglich...
Sich vom Fenster abwendend, begab er sich die Stufen hinab. Er würde sehen, was werden würde, ob Malachai ihr helfen konnte, ob Leah ihm den Abend mit verwechselten Teetassen übel nahm und ob er wieder bis zum Hals in Schwierigkeiten steckte - Tendenz versinkend. Krustiger Schnee knirschte unter seinen Sohlen. Hier und da zeigten sich schon Grasflecken... In den geschützteren Orten am Waldrand konnte er die ersten fleischigen Blätter von Schneeglöckchen ausmachen. Der Frühling war im Anzug...
Wieder schweifte sein Blick zu Leah und Malachai...
>Ah... Sie unterhalten sich tatsächlich über den Trank...< Dachte er, als er aufschnappte, wie Leah über das Vergessen sprach. Aufmerksam hob sich seine Braue... Ob Malachai dazu imstande war, so einen Trank zu brauen - das interessierte auch ihn...