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In Gewahr...

Verfasst: Sonntag 8. März 2009, 23:43
von Kat Ascardia
Die Sonne stand bereits tief über dem Firmament und die Stunden des Abends hatten begonnen, doch noch immer gab es keinerlei Lebenszeichen des Älteren... Er war nicht zurück gekehrt, war nicht wie sonst zu regelmäßigen Momenten eingekehrt... nicht mal die Geräusche von Fußschritten waren erklungen und so langsam begann das Kind sich sorgen zu machen. Nicht nur über sich, denn auch wenn sein Fernbleiben früher oder später gewissentlich Schwierigkeiten für ihr Wohlbefinden geben würde, so war doch diese kalte Person in diesen Tagen zu einer Bezugspersonen geworden und wohl der einzige, der ihre Zuneigung zu Sebastian irgendwie unterstütze... und nun fehlte „er“: die Stimme die sie täglich vernahm, das Bild welches sie täglich sah. Das Wissen um Zeit und Menschlichkeit, so grotesk es war... Er kehrte nicht zurück., gleich wie still sie verharrte, ob seiner Rückkehr hoffte. Er kehrte nicht zurück...
War es das, was Asthar immer mit dem Leiden der Welt meinte?
Wenn die Alltäglichkeit, um die man wusste, doch welche man zu friedvollen Zeiten nicht zu schätzen weiß, durch Irgendetwas wich und man nur Ungewissheit empfinden konnte? War es so, das der Mensch sich selbst zu etwas herzlosen und kaltem hingezogen fühlen konnte, wenn es ihr Verständnis entgegen brachte?


So lag sie dort... der Gelenke eines Seils umschlungen, des Mundes ein Knebel... gar unwürdig eines jungen Mädchens, einer Nichte, eines Menschens... Unter ihr Blut. Das ihre? Sicher. Doch ebenso das seine, welches sie in ihrem jungen Leben nun schon so oft erblickte.
Rot... rot... blutrot...
Sicher, Asthar war kein guter Mensch und sicher auch kein guter Onkel, aber behandelte er sie nicht seiner geistig freien Momente gar wie eine eigene Tochter?

Es war alles so verwirrend für die junge, unerfahrene Llastobhar...
Der Gang durch die Stadt des Panthers.
Das Treffen mit Sebastian, welches sie sich so gewünscht hatte und das so seltsam verlaufen, wie geendet ward...
Nun fehlte auch noch „er“... „Er“, der in den vergangenen Tagen vielleicht so etwas wie Verständnis aufgebracht hatte. Sie trotz seiner Taten, seines krankhaften Wahnes, seines grotesken Seins, stets gar schon umsorgte? Würde er wieder erscheinen oder ward er fort... Fort für wie lange? War ihm vielleicht etwas passiert?
Viele Fragen und wenig Antworten.
Viele Verwirrungen, wenig Klarheit...
Ein geringer Teil nur, welcher sich in dem Moment im Kopfe der Ritterstochter abspielte, doch eines ward sicher: diese Nacht würde sie gewiss nicht ruhen...

Verfasst: Montag 9. März 2009, 11:58
von Shanna Llastobhar
Unruhig wanderte Shanna in ihrem Zimmer auf und ab. Die Sonne war schon vor langer Zeit untergegangen, in der Dornenfeste war es still geworden. Schließlich hielt sie an dem Fenster inne und starrte hinaus in die Finsternis. Sie würde diese Nacht keine Ruhe finden, erneut… Shanna fragte sich, ob ihre Nichte nun schlief, ob es ihr gut ging, ob sie Angst hatte, genau jetzt in diesem Augenblick. „Niia, du bist nicht allein. Meine Gedanken sind bei dir.“, flüsterte sie leise in die Dunkelheit.

Dieser vergangene Tag, er hätte ganz anders verlaufen sollen, er hätte niemals stattfinden sollen. Eigentlich war sie nach Bajard gegangen, um etwas über Niias Entführer herauszufinden, diesen Mann, welcher in letzter Zeit viel zu oft gewagt hatte, das Haus Llastobhar derart dreist herauszufordern: Asthar. Und dann, während sie sich mit dem jungen Knappen Sethric Ecanas unterhielt, spazierte eben jener Asthar frech wie sonst was an ihnen vorbei, nicht ohne seiner „Cousine“ ein hämisches Lächeln zukommen zu lassen. Nein, eigentlich war das nicht der Plan. Aber in jenem Moment strömten die Bilder von der einsamen, ängstlichen Niia Sivija in ihren Geist und überfluteten sie, sodass sie Asthar folgte. „Was willst du für sie?“, mit diesen Worten hatte sie eine folgenschwere Unterhaltung eingeleitet. In Shannas Rücken stand der Knappe, eine Hand am Schwertknauf, um gegebenenfalls einzugreifen, doch nahm sie selbst ihn kaum noch wahr. „Liebst du deine Nichte?“, hatte Asthar sie gefragt. Welch unnötige Frage! Als sie diesem zustimmte, erklärte er, er würde sie zu ihnen zurückschicken, wenn sie selbst es wolle. Trotz der üblichen Hetzreden und Beleidigungen von der Seite ihres ungeliebten Verwandten, lief es gut. Es lief gut bis… „Im Namen des Hohenfelser Reiches, nehme ich Euch fest!“, erklang Arenvir van Tilianas Stimme. Nein! Wenn Asthar nun verhaftet würde, wer würde Niia am Leben erhalten? „Herr van Tilianas, ich bitte Euch. Dieser Mann hat meine Nichte in seiner Gewalt. Wenn Ihr ihn verhaftet, kümmert sich niemand um sie! Sie könnte sterben!“ Statt einer Antwort formte er mit seinem magischen Können ein Portal und bedeutete Asthar hinein zu gehen, in seine Gefangenschaft, in Niias Tod. „Könnt Ihr die Verantwortung dafür tragen, wenn Cathals Tochter stirbt?“, hatte sie Arenvir nun gefragt. „Das kann ich.“, erwiderte jener. Dann, völlig unerwartet, erklang Asthars Stimme: „Keine Sorge, Shanna.“, ehe die beiden durch das Portal entschwanden. Keine Sorge, Shanna… Es war das erste Mal gewesen, dass Asthar sie beim Namen nannte. Endlich fühlte sie sich bestätigt in ihrem Glauben, dass seine Seele noch nicht vollkommen verloren war. Ich habe dich noch nicht aufgegeben, Asthar Llastobhar…
Vor der Tür der Taverne dann Sebastian. Was war an diesem Tag nur los? Noch nie hatte Shanna diesen Jüngling leiden können, doch hatte sie ihn respektiert aufgrund der Zuneigung, die ihre Nichte für ihn empfand. Nun war er zum Verräter am Reich, an den lichten Göttern geworden und war nach Rahal gelaufen wie ein beleidigtes Kind, das nicht alles kriegt, was es will. Nun beschuldigte dieser Jüngling sie und ihre Familie, Niia selbst in der Burg gefangen zu halten. „Ich nehme keine moralischen Ratschläge von einem Verräter und einem Anhänger der Pantherdiener an. Einst habe ich dich respektiert, weil meine Nichte dich schätzte, aber du hast dich abgewandt. Nicht nur vom Reich, sondern auch von ihr, hast sie zurückgelassen und alles zerstört, was sie sich wünschte, dass ihr werden könntet. Für dieses Abwenden von einem Menschen, den ich liebe, verachte ich dich.“, hatte sie ihm entgegen gespieen. Damit war das Gespräch für sie beendet. „Vielleicht ist ihr Vater ja bereit, Niia für jemanden einzutauschen, der ihm wichtig ist. Ich würde an deiner Stelle in der nächsten Zeit gut auf deine Neffen und Nichten aufpassen, Shanna!“, hatte er ihr hinterher gerufen. Es war ihr gleich. Im Augenblick war nur wichtig, Niia sicher nach Hause zu bringen.

Fast widerwillig wand Shanna sich vom Fenster ab. Asthar gefangen, ihre Nichte irgendwo allein in Ketten. Keine Sorge, Shanna…
Kaum hörbar verhallten Shannas Worte in der Dunkelheit und krochen in die Ritzen der Dornenfeste: „Niia, ich werde alles in dieser Welt in Bewegung setzen, um dich wieder zu uns zurück zu bringen. Wir werden dich finden, du bist ein Teil von uns. Blut ist dicker als Wasser.“

Verfasst: Montag 9. März 2009, 19:12
von Arenvir von Goldenfall
"Männer herhören. Asthar Llastobhar befindet sich in unserem Gewahrsam. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, aber während ich meine Verlobungsringe", das amüsierte Schmunzeln der von den Ereignissen der letzten Zeit gezeichneten Soldaten wurde kommentarlos hingenommen,"gekauft habe, lief er mir über den Weg. Ich sag es ja, es zahlt sich aus, diesem Fischerkaff Besuche Inkognito abzustatten.

Die Beschreibung Nia Sivija Llastobhars habt ihr alle bekommen. Das junge Mädchen könnte sich in Rahal oder sonstwo aufhalten. Bis wir mehr aus Asthar herausbekommen haben, ergeht an alle Grenzpatroullien der Auftrag, nach Hinweisen über den Verbleib des Kindes Ausschau zu halten. Sie ist die Tochter von Sir Cathal und ein nettes Mädchen.

Heldentaten verlange ich keine. Aber wenn ihr etwas für Sie tun könnt oder Informationen gewinnt, ergreift die Chance. Das war alles. Korporal übernehmt die Wache."

Nachdem diese Formalitäten erledigt waren, begab der Feldwebel sich wieder in sein Arbeitszimmer. Es war beunruhigend zu hören, das Shanna ihm mitgeteilt hatte, nur Asthar könnte für sie sorgen. Wenn das Kind wirklich bei Sebastian in Rahal war, würde er sie nicht verhungern lassen. Und wie er nur zu gut wusste, verpflegte das alatarische Reich seine Gefangenen angemessen. Eines der wenigen Dinge, die man auf ihre Habenseite hinzurechnen konnte.

Asthar musste reden. Asthar würde reden. Und wenn er dazu seinen Geist auspressen musste wie die Apfelpresse den Apfel. Dieser verschlagene Hundesohn würde ihm höchstpersönlich Antworten liefern. Da er gebürtiger Rahaler war und das auch noch dummerweise zugegeben hatte, fiel er von Rechts wegen sogar unter die Kriegsklausel und Folter war ein legitimes Mittel.

Legitime Mittel galt es auszunutzen...

Verfasst: Montag 9. März 2009, 19:49
von Kat Ascardia
...er war tatsächlich nicht erschienen...
Die ganze Nacht über war sie immer wieder aus ihrem Dämmerschlaf erwacht, des Tages ebenso, gar instinktiv zu den Zeiten, an denen sie ansonsten Wasser und etwas zu essen erhalten hatte. Asthar ward, was dies anbelangte, wahrlich fürsorglich. Stets eines klaren Verstandes, so mochte man meinen. Dennoch...
Ihr Hals fühlte sich schon kratzig an... trocken, ihre Lippen spröde... Es muss nun schon länger als einen Tag her gewesen sein, seit sie ein wenig Flüssigkeit bekam. Von fester Nahrung ganz zu schweigen...

Leicht zuckte ihr Leib, so sie erneut der Dämmerung aufschrak... Das junge, feine Gesicht verzog sich unter leichtem Schmerz.
Ward es ein Traum?
"Pa..pa..." -Die Gedanken ihrer geliebten Familie ruhend... All jener Weißhaarigen... Ihr Vater, Shanna, Niall... Sogar Mara... Doch neben dem Ritter Alumenas, eine dunkelhäutige, schwarzhaarige Frau... Die Fluchbrecherin, welche Niia die Bleiche der llastobhar'schen Haut ersparte... "Mama...".
Oder warden es einfach nur die aufgescheuerten Riemen an ihrer Haut?

Sie fühlte sich schwach und die zusammengebundenen Gelenke schmerzten... Nicht das jenes ein neuerlicher Umstand war, doch auch ihr Geist ermüdete nun zusehenst. Es ward nicht zwingend herausfordernd immer die selbe Decke zu betrachten. Jene grotesken, mit Blut gefertigten Kunstwerke an der Wand. Rot... rot... blutrot...

Leicht schüttelte sie ihr Haupt, den Blick abwendend, die Lider erneut zusammen drückend. Alleine zu sein, mit sich und "seinen" Gedanken... Irgendwann begannen auch diese Gedanken ihren Sinn zu verlieren... Doch stets ward "er" in ihrem Geiste präsent...



War es das, was Asthar immer mit dem Leiden der Welt meinte?
Wenn die Alltäglichkeit, um die man wusste, doch welche man zu friedvollen Zeiten nicht zu schätzen weiß, durch Irgendetwas wich und man nur Ungewissheit empfinden konnte? War es so, das der Mensch sich selbst zu etwas herzlosen und kaltem hingezogen fühlen konnte, wenn es ihr Verständnis entgegen brachte?

Verfasst: Montag 9. März 2009, 21:55
von Zoe de Velgy
Noch am gleichen Abend nach dem sorgenvollen Bericht von Shanna machte Zoe sich nach Bajard auf um Erkundigungen über Asthar Llastobhar einzuholen. Sie selbst hatte ihn einige Male in Bajard gesehen, doch keine weitere Beachtung geschenkt. Vielleicht ein Fehler - aber in Bajard gingen viele Menschen ein und aus. Darüber konnte sie sich jedoch später noch ausreichend Gedanken machen, als erstes galt es Niia zu finden. Sie verdrängte die Sorgen um die Familie Llastobhar und das junge Mädchen und besann sich ganz auf ihre Aufgabe. Bevor sie zum gefährlicheren Plan B übergingen, wollte sie zumindest versuchen, ersteinmal Erkundigungen in dem kleinen Fischerdorf einzuholen.

Sie fragte als erstes in den öffentlichen Gebäuden wie der Bank, der Taverne, der Herberge und am Hafen nach. Erst dann wollte sie auch einzelne Bürger und häufige Besucher Bajards fragen. Sie gab eine kurze Beschreibung von Ashtar's und von Niia' Äusseren ab und erhoffte sich somit einige brauchbare Informationen zu erlangen.

Verfasst: Mittwoch 11. März 2009, 00:21
von Asthar Llastobhar
Tatsächlich mochten die Bemühungen der Dame tatsächlich einige Informationen einbringe. Der weißhaarige Mann der sich Asthar nennt geht wohl tatsächlich öfter dort ein und aus... er scheint eine seltsame Gestalt zu sein... die Menschen werden berichten das er eine seltsame dunkle Sicht der Welt zu haben scheint. Auch scheint er öfter in der Taverne zu sein...
Ein Mädchen wurde allerdings in seiner Begleitung noch nie gesehen... Der Fährmann wird jedoch berichten das er vor kurzem bestagten Asthar und eine vermummte Person ins ferne Rahal transportierte, das sie wohl auch wieder zurück kamen.
Der Besitzer des Gasthauses Bajards wird zu dem Berichten das der weißhaarige dort ein Zimmer besaß... er hätte es wohl eines abends mit eben jener vermummten Person aufgesucht, sie wären allerdings nicht mehr heraus gekommen... allerdings glaubt er sich zu erinnern in der Nacht geräusche gehört zu haben wie jemand das Haus verließ und anschließendes Hufgeklapper.

Verfasst: Mittwoch 11. März 2009, 00:33
von Kat Ascardia
"Führe uns vom Unwirklichen zur Wahrheit, von der Blindheit zum Sehen, vom Leben zur Erlösung..."

Die Augen, der Düsternis der Nacht, auf "es" gerichtet. Jenes groteske, mit Blut gefertigte Kunstwerk an der Wand.

"Führe uns vom Unwirklichen zur Wahrheit, von der Blindheit zum Sehen, vom Leben zur Erlösung..."

Es ward kalt...
Sie ward müde...
Die Lippen trocken, spröde... Eingerissene Mundwinkel...
Eines stumpfen Dolches, unwürdig gekürzte, schneeweiße, blutbefleckte Haare...
Gelenke der Fesseln aufgescheuert. Mancher Stelle, ob der seit Tagen fehlenden Pflege, eine Entzündung tragend.
Noch immer jene ebenso groteske Bemalung aus Blut auf ihrer Gesichtshaut. Der leicht metallische Geruch... er fehlte. Rot... rot... blutrot. Sein Blut...
Doch der reglosen, schwächlichen Gestalt des jungen Mädchens mochten jenen Abend, wie zu einer jeden Zeit, welche sie des ruhelosen Zustandes weilte, Worte des geschundenen, des gelenkten, des geformten Geistes ihr Sein erfüllen...


"Führe uns vom Unwirklichen zur Wahrheit, von der Blindheit zum Sehen, vom Leben zur Erlösung..."

"Seine" Worte, welche er sie lehrte. Tag ein... Tag aus... der Nacht. Der möglichen, wie auch unmöglichen Zeiten. Den geschundenen, schwachen Geist der Lehren zu lenken und zu formen...

"Führe uns vom Unwirklichen zur Wahrheit, von der Blindheit zum Sehen, vom Leben zur Erlösung..."