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Stahl auf Stahl - Stein auf Stein

Verfasst: Freitag 6. März 2009, 14:48
von Scartyz Blutfaust
Er fragte ob es wohl ein ungünstigeres Wetter für dieses Unterfangen geben würde. Der viele Regen und das Einsetzen der Schneeschmelze verwandelte Felder in Sümpfe und Wege in Lehmgruben.

Bei jedem Schritt schienen die Lehmdämonen nach seinen Stiefeln zu greifen und machten seinen Weg zu einem anstrengenden Martyrium.
Die Karren blieben immer wieder stecken und selbst die Tiere schien der Regen mittlerweile zu stören. Es war ein Wetter, bei dem man keinen Hund vor die Tür jagte, doch hier waren sie, trugen Steine, Holz und Eisen heran, auf Karren, Packferden und ihren bloßen Schultern.

Noch waren sie nicht all zu zahlreich, doch würde sich dies früher oder später von selbst erledigen. Einige freiwillige Helfer hatten sich finden lassen und ein hervorragender Baumeister war gefunden.

Die Baustoffe ließen sie nahe des Wassers auf einem geprüft tauglichen Fundament nieder, nur um noch mehr Material heranzuschaffen, während der Baumeister erneut den Grund und Boden vermaß, seine Erde in die Hand nahm und prüfend zwischen den Fingern zerrieb. Den Sonnenverlauf prüfte, genauso wie den Wind. Keiner von ihnen verstand so recht, was er dort tat, doch legte man Vertrauen in sein Können, welches er schon mehrfach - auch in der Heiligen Stadt selbst - unter Beweis gestellt hatte.

Auf ihren Pendelwegen in die Stadt und hinaus aufs Feld beobachten die Bauern des Heiligen Reiches sie, die Kinder mit großen Augen. Die Bäuerinnen brachten ihnen Speis und Trank zur Stärkung, und manch Landwirt packte selbst mit an.

"Was nutzt es mein Feld zu bestellen, wenn die Ketzer erst wiederkehren und meinen Hof in Brand setzen!" war die nachdrückliche Antwort auf eine abweisende Reaktion.

Und so wuchs die ursprungs kleine Gruppe nach und nach auf eine Zahl von Helfern heran, die sich in den Augen des Panthers durchaus sehen lassen konnte.

Reges Treiben.

Verfasst: Freitag 6. März 2009, 18:04
von Anorus Finsterauge
Er hatte keine Zeit über das Wetter zu fluchen, auch wenn es alle Flüche Gerimors wert gewesen wäre. Das wieder einsetzende Schneetreiben und der damit gepaarte Wind, der kalt vom Meer blies verlangten danach die Arbeiten schneller voranzutreiben. Die Zelte, die als vorläufige Unterkunft und für das Kartenmaterial des Baumeisters gedacht waren mussten aufgestellt werden und zwar noch bevor sich das Wetter noch weiter verschlechtern sollte. Die Nässe durchtränkte nicht nur seine Kleidung, nein es schien ihm viel mehr als sei sie bis in sein Innerstes vorgedrungen. Den Hammer mit dem er gerade die letzten Nägel in das Gerüst des großen Zeltes trieb konnte er nur noch zittrig in den Händen halten.

Jetzt musste nur noch der Stoff auf das Zelt gespannt, die Ränder mit Pflöcken im Boden fixiert und zu guter Letzt die Seile gespannt werden.

Acht Männer fassten die Plane an den Rändern zwei standen darunter mit Holzstöcken um sie auf das Gerüst zu spannen, doch dann ein kräftiger Windstoß und der Stoff fing den Wind wie ein Segel. Fünf der Männer konnten dieser Rohen Naturgewalt nichts entgegensetzen, knickten wie kleine Äste unter dem Schuh ein und ließen die Plane los. Die drei verbleibenden, darunter er selbst stemmten sich mit ihrer gesamten Kraft gegen den am Zelt reißenden Wind. Die Sekunden die verstrichen bis die Windböe sich legte um dann über den Rest des Landes zu fegte erschienen im wie Minuten. Seine Arme brannten schmerzvoll und jede Sehne, jeder noch so kleiner Muskel in seinem Körper, so schien es ihm war aufs äußerste gespannt. Doch er ließ das den Stoff nicht los. Dann senkte sich das Tuch auf den Boden und er tat es dem Stoff gleich. Der Schlamm gepaart mit dem braunen, dreckigen Schnee machte ihm inzwischen nichts mehr aus seine Kleidung war so oder so nass und verdreckt.

Er rappelte sich wieder auf. 'Wenn das Zelt steht hast du immer noch genug Zeit dich auszuruhen' sagte er sich selbst im Geist und die anderen wurden bellend angeschnauzt: „Verdammt noch mal! Nicht los loslassen! Das bisschen Wind! Wie seid ihr dann im Feld? Verkriecht ihr euch weinend unter Mutters Rock? Auf gehts! Weiter! Weiter! Na wird’s Bald!“.

Auch diesmal wurden sie von einer Böe erfasst, doch keiner dem Männer ließ los, entweder seine Worte hatten gewirkt oder die Böe war nicht so stark gewesen wie die vorige? Er konnte es nicht mehr genau einschätzen.

Endlich war es geschafft. Das Zelt stand, war verschnürt und die Pflöcke waren in den Boden getrieben. 'Jetzt erstmal trockene Kleider und ein wärmender Schnaps' das war alles was er an diesem Tag noch wollte.
Die trockene, wärmende Kleidung schaffte er noch sich anzuziehen, doch noch ehe er sich den Schnaps einzuschenken vermochte, der auf dem Tisch vor ihm stand umschloss ihn der Schlaf wie ein Schleier und erst in den frühen Morgenstunden erwachte er, mit dem Kopf auf der Tischplatte, dem Schnaps vor ihm und Schmerzen in allen Körperteilen. Nun genehmigte er sich seinen Schnaps um sich dann in sein Bett zu schleppen.

Schlaf, davon brauchte er jetzt so viel er nur bekommen konnte.

Verfasst: Samstag 7. März 2009, 15:26
von Sirn Tylas
Es war kalt. Es war nass. Es war dreckig.

Sirn hasste es.

Und doch, der Lord verlangte nach der Arbeit eines jeden, niemand sollte sich zurückhalten und jeder seinen Beitrag leisten - für das höhere Wohl.
Also hatte er die letzten Tage damit verbracht mühselig fein proportionierte Steinquader aus dem umnachgiebigen Felsen zu schlagen, auf Fuhrwerke zu schleppen und zur Baustelle zu bringen.

Die wievielte Fuhr er gerade brachte, während der kalte Nieselregen unbarmherzig seinen Weg durch Umhang, Hemd und Hose suchte? Er wusste es nicht, aber so wie sich sein geschundener Körper anfühlte, musste es mindestens die Hunderste sein.
Die Ochsen murrten widerspenstig als ihre Hufe im schlammigen Boden zum Rutschen kamen und der Wagen zum Stehen kam.

"Los, ihr faulen Viecher! Bewegt euch oder wollt ihr das Krathor in euren Arsch kriecht?!" Er ließ die Peitsche auf den Rücken der Ochsen knallen, fluchte lauthals - dann, endlich, langsam kam der Wagen wieder in Bewegung während er selbst sich in die Arme einer, nein, mindestens zwei Hafendirnen wünschte um dort die Pein der letzten Tage vergessen zu machen.

Einen Augenblick lang überlegte Sirn tatsächlich, alles stehen zu lassen um sich die verdiente Pause zu gönnen - aber die Angst vor der Rute des Lords und der eigene, brennende Hass in den Adern des Schmiedes ließen ihn weiter machen.

Stahl auf Stahl - es würde erst vorbei sein wenn der letzte Ketzer der stählernden Kralle zum Opfer gefallen sein würde - bis dahin würde man alle Entbehrungen auf sich nehmen.
Für das höhere Wohl. Für die kleinen Dirnen die sicher schon auf ihn warten würden.

Verfasst: Dienstag 17. März 2009, 16:55
von Suna Angemi
Suna mag den meisten Gildenmitgliedern in reiner Körperkraft nachstehen, doch kompensiert sie das - nicht zuletzt, weil Sie sich noch zu beweisen hat - durch beinahe schon beunruhigenden Enthusiasmus. Sie wollte etwas bauen helfen was Furcht in die Herzen der Ketzer treiben soll. Ein Monument!

Natürlich hatte sie noch keine konkrete Vorstellung davon, wie es denn letztendlich werden soll. Man kann schnell den Überblick verlieren wenn man am Steineschleppenden und nicht am Plänezeichnenden Ende steht. Aber es genügte ihr, nicht Visionär sondern Muskel zu sein.

"Der verlängerte Arm Ritter Blutfausts" - über die Knochenarbeit hinaus hat sie ihren Humor nicht verloren.


Auch wenn das Tun des Baumeisters für sie gar schamanistisch anmutete - sie hatte das unersetzbare Gefühl Teil etwas großen zu sein. Ein unentbehrliches Zahnrad in der Kriegsmaschinerie - und diese Erkenntnis pumpte Motivation durch ihre Adern. Ein Testament für Zuversicht und Glaubensstärke!

SUNA! Hör auf zu träumen und pack an verdammt nochmal - keine Sonderbehandlung für dich! - das Schreien reißt sie aus den Träumen von Ruhm, Ehre und Relevanz. Sowohl die schreiende Gestalt selbst als auch ihr Ton werden von den dichten Regenfäden verzerrt, sodass sie nicht ausmachen kann wer dort spricht. Die lähmende Kälte nahm ihr doch die Motivation sich zu vergewissern, und so machte sie sich wieder an die Arbeit.


Man mag argumentieren dass es kein Meisterwerk an Aufgabenverteilung ist wenn die kleinste Person vor Ort zum Steineschleppen eingespannt wird, doch es war Sunas Chance sich zu beweisen und der vorrangig männlichen Truppe zu zeigen dass sie hilfreich und kein Ballast ist.

Und so geht es dann wie die letzten sechs Stunden vor ihrem narzistischen Gedankenausflug weiter: Stein, Lehm, verstreichen, Stein, Lehm, verstreichen - und wiederholen bis die Hände taub sind und man sich mangels Fähigkeit sie über Hüfthöhe zu heben einer Zwangspause am wärmenden Feuer zu gönnen hat.

Ein Krug wärmender Brühe, ein paar wärmende Worte an die anderen gebeutelten Arbeiter: "Ich glaube wir alleine sind dafür verantwortlich dass der Schnee auf Gerimor wegschmilzt." und die Motivation ward zumindest zu Teilen wieder erneuert.


Es war noch ein ganzes Stück bis man erahnen konnte welche Formen das Ganze annehmen wird - und manchmal erwischte Suna sich sogar bei dem Gedanken ob es nur eine Art Beschäftigungstherapie ist und wie das noch junge, steinerne Monstrum jemals Form annehmen soll... doch bevor sie zuende denken konnte wurde die "Stille" - bestehend aus Baulärm und Regen - zerrissen...

SUNA! Hör auf zu träumen und pack an verdammt nochmal!