Glaubenswege
Verfasst: Montag 2. März 2009, 13:51
Die Prüfung
Ihre schweren Schritte auf dem Steinboden waren kaum zu überhören, monoton und eingängig, war das Geräusch was erzeugt wurde. Es hallte an den hohen Mauern wider und schlug sie selber in einen Bann, sie war voller Ehrfurcht, Schritt für Schritt getragen von den eigenen Beinen, die doch so selbstständig waren. Die schwarze Statue vor Ihr, wurde größer, erstreckte sich bald so sehr in die Höhe, dass sie den Blick anheben musste um sie noch in der Gesamtheit erspähen zu können. Obwohl die vorherrschende, schwerwiegende Stille immer wieder von dem monotonen Schlag der Eisenschuhe durchbrochen wurde, legte sie sich wie ein schützender Mantel über Ihre Schultern. Seitlich, in Höhe einer Nische, hielt sie inne. So geübt die herabsinkende Bewegung auch sein mochte, so dumpf Klang es als die Beinschienen den Steinboden berührten. Dann war es still. Es verließ niemand den Tempel, niemand kam hinein. Voller Ehrfurcht glitt der Blick ein weiteres Mal über die Statue des Gottes, dann senkte er sich herab und fixierte einen Spalt zwischen den Fliesen. Langsam und regelrecht respektvoll legten sich die Hände zu einer Verschränkung zusammen, die Gebetshaltung war vollendet. Ihr eigener Akt hatte begonnen: Die Gedanken drehten sich schneller und schneller, strömten ungeordnet und ohne Rücksicht auf sie ein und doch beendete sie jene nicht, ließ es einmal am Tag derart unkontrolliert über sich ergehen. Und erst als der letzte Gedanke sich zu den anderen ordnete, leise und vorsichtig, begannen sich Ihre Lippen langsam, beinahe stumm zu bewegen: „Oh Gottkönig, Du. Dir zu dienen heißt Ehrfurcht zu lernen, um nicht im falschen Hochmut den Sinn unseres Strebens aus den Augen zu verlieren. Nein, ich werde den Sinn meines Zieles nicht außer Acht lassen, oh Herr...“. Einige Male murmelte sie diese Aussage wie eine Art Mantra vor sich her, ehe das gewünschte Bewusstsein einsetze. Wie an feinen Fäden gezogen, setzen sich die ungeordneten Gedanken nun logisch zusammen, bildeten Paare und ergaben ein großes Ganzes. Ein Gedankenkonstrukt so nachvollziehbar und plausibel, dass im Kopf Platz für Neues geschaffen wurde. Sehr langsam nur bewegten sich die ineinander gefalteten Hände auseinander, um ein Zeichen in Richtung Tempeldecke zu schlagen. „Ich danke Dir, Alatar, mein Herr.“, kam es leise, beinahe abschließend von Ihren Lippen. Trotz der pechschwarzen, schweren Rüstung drückte sich die Gläubige ohne ein Stocken in die Höhe, während gleichzeitig das Ebenbild des Gottes auf dem Altar vor Ihr an Größe abnahm. Noch immer stand sie dort, unbewegt wie sie zuvor kniete, die Augenlider ehrfürchtig gesenkt. Die zuvor entwickelten, feinen Fädchen begannen nun Ihre Fühler auszustrecken und nach den geordneten Überlegungen der letzten Tage zu tasten.
. . .
„Doch lernt man nicht erst, Catulus, wenn man erlebt hat?“, kam die Frage durchaus interessiert von den Lippen der jungen Gardistin. Die Thematik der Gefühlswelt und damit verbundenen Ordnung eines Alatari beschäftigte sie bereits seit Ihrer Kindheit und sollte hier nun aufgegriffen werden. Gekleidet in den Farbe der Garde, stand sie aufrecht vor dem noch recht jungen Catulus. Sein Gesicht, abscheulich für die einen, faszinierend für die anderen, war Ihr stets zugewandt und genau wie sie wissbegierig dort vor Ihm stand, zeigte es neben der gutmütigen Art eines Priesters, auch unverhohlenes Interesse an der Thematik. Vor einigen Tagen, als er sie während Ihres täglichen Gebetes in dem Tempel vorfand, bot er Ihr an weiter darüber zu sprechen, Ihr alles näher zu bringen. So standen sie nun hier auf dem Marktplatz. Ein zufälliges Treffen, welches dennoch postwendend auf den Punkt geführt wurde: Wie geht man mit Gefühlen, sei es Hass oder Abscheu, Zorn oder Liebe, Eifersucht oder Hingabe um? Wie weit durfte man gehen, um nicht von dem rechten Weg abzukommen? Während die kalten Böen unbarmherzig über den offenen Marktplatz zogen, erklärte er Ihr alles vollkommen ruhig, mit einer Begeisterung, die sie aufhorchen ließ. Keine Böe trieb Ihn zur Seite hin ab, kein Windzug ließ Ihn von seinem Weg abkommen, der Catulus blieb sicher und mit regelrecht rigider, gutmütigen Miene vor der Gardistin stehen.“Ihr wisst, dass der ehrenwerte Ahad diesen Weg bereits viel länger beschreitet, seinem Ziel bereits viel näher ist, als Ihr es seid, Fräulein Swynedd?“, wies der Catulus sie deutlich daraufhin, als sie von Ihrem Gespräch mit dem schwarzen Marschall berichtete. Er, dessen Miene stets von einem undurchdringbaren Helm verdeckte wurde, war bezüglich dieser Thematik ein deutliches Antonym zu dem nun vor Ihr stehenden Laran Drrusk. Die Stimme hob sich lediglich aus der Monotonie, wenn es um die Gratwanderung zwischen Hass und Zorn ging, konträr dazu der Catulus: Er legte dies dar, er legte das dar. Doch die ganze Zeit sprühte er vor Begeisterung. Man konnte blind sein und hätte dennoch den Eifer gespürt, mit welchem er den Anhänger des All-Einen zur Not auch die simpelsten Dinge näher brachte. Nicht von der Hand zu weisen war, dass der Ahad natürlich, ähnlicher Überzeugung war wie auch der junge Laran und doch gab es scheinbar Tabuthemen für Ihn, Dinge, die Anastasia und wohl auch keine andere Person jemals präzise aus seinem Mund hören würden. Dies wohl war auch der Grund weswegen sie erneut das Gespräch suchte, erneut Antworten auf Ihre vielen, tiefgründigen Fragen haben wollte. „Ich kann anbieten Euch einer Prüfung zu unterziehen, mehr jedoch steht mir mit meinen bescheidenen Mitteln nicht in der Macht. Man lernt, wenn man erlebt, das ist in der Tat so.“, riss seine einnehmende Stimme die Frau vor Ihm erneut aus den Gedanken. Eine Prüfung für sich selber sollte Ihr also den Weg voran ebnen? Sie strebte seit Anbeginn Ihrer Zeit nach Perfektion, wollte Ihrem Gott keine Schande bereiten und nun hatte sie die Möglichkeit durch eine Prüfung Fragen auf Ihre Antworten zu bekommen, um einen weiteren Schritt in Richtung der Vollkommenheit zu nehmen. Mit Ihrem Einverständnis, durchströmte sie auch der erste Schmerz. „Ich möchte hier und jetzt beginnen.“, hallten die Worte noch in Ihrem Kopf wider und schon, einen Lidschlag später, zuckte der Kopf durch die schallende Ohrfeige getrieben zur Seite. Die Haut in Höhe des Jochbeins verfärbte sich in einem deutlichen, anprangernden Rot. „Was ist es was _ Du _ fühlst? Sag' es mir.“, trieb Laran sie an. Nach seinem Schlag, fanden die Hände sich wieder schuldlos in den jeweils gegenüberliegenden Robenärmeln. Er redete weiter auf sie ein, Ihre Zeit der Fassungslosigkeit nutzend: „Während dieser Prüfung, werden Titel fallen, die Namen verlieren Ihre Bedeutung.“. Und doch, keimte kein Hass, kein Zorn in Ihr auf, alle Emotionen wurden verdrängt von der aufdringlichen Frage: Warum? Genauso teilte sie es Ihm auch mit, genauso ließ er es im Anschluss auch im Raum stehen. "Wenn Schmerz ein Weg zum Hass ist, und Hass es ist der uns näher an den Herrn bringt, uns Stärke und Macht verleiht, was hättet Ihr tun müssen um dem gerecht zu werden?". Mit jeder neuen Frage, kreisten immer mehr verworrene Gedankengänge in Ihrem Kopf. Sie waren mit Sicherheit gleichzusetzen mit den nun vom Himmel herab tanzenden Schneeflocken. Kühl und unbewegt, gleichzeitig aber aufgebracht und unruhig.
. . .
Ein letztes Neigen des Hauptes, bevor die schweren Schritte wieder gleichmäßig, monoton an den Wänden des Gotteshauses widerhallten. Tock, Tock, Tock – ein jeder Schritt führte sie weiter zielstrebig Ihren Weg entlang.
Ihre schweren Schritte auf dem Steinboden waren kaum zu überhören, monoton und eingängig, war das Geräusch was erzeugt wurde. Es hallte an den hohen Mauern wider und schlug sie selber in einen Bann, sie war voller Ehrfurcht, Schritt für Schritt getragen von den eigenen Beinen, die doch so selbstständig waren. Die schwarze Statue vor Ihr, wurde größer, erstreckte sich bald so sehr in die Höhe, dass sie den Blick anheben musste um sie noch in der Gesamtheit erspähen zu können. Obwohl die vorherrschende, schwerwiegende Stille immer wieder von dem monotonen Schlag der Eisenschuhe durchbrochen wurde, legte sie sich wie ein schützender Mantel über Ihre Schultern. Seitlich, in Höhe einer Nische, hielt sie inne. So geübt die herabsinkende Bewegung auch sein mochte, so dumpf Klang es als die Beinschienen den Steinboden berührten. Dann war es still. Es verließ niemand den Tempel, niemand kam hinein. Voller Ehrfurcht glitt der Blick ein weiteres Mal über die Statue des Gottes, dann senkte er sich herab und fixierte einen Spalt zwischen den Fliesen. Langsam und regelrecht respektvoll legten sich die Hände zu einer Verschränkung zusammen, die Gebetshaltung war vollendet. Ihr eigener Akt hatte begonnen: Die Gedanken drehten sich schneller und schneller, strömten ungeordnet und ohne Rücksicht auf sie ein und doch beendete sie jene nicht, ließ es einmal am Tag derart unkontrolliert über sich ergehen. Und erst als der letzte Gedanke sich zu den anderen ordnete, leise und vorsichtig, begannen sich Ihre Lippen langsam, beinahe stumm zu bewegen: „Oh Gottkönig, Du. Dir zu dienen heißt Ehrfurcht zu lernen, um nicht im falschen Hochmut den Sinn unseres Strebens aus den Augen zu verlieren. Nein, ich werde den Sinn meines Zieles nicht außer Acht lassen, oh Herr...“. Einige Male murmelte sie diese Aussage wie eine Art Mantra vor sich her, ehe das gewünschte Bewusstsein einsetze. Wie an feinen Fäden gezogen, setzen sich die ungeordneten Gedanken nun logisch zusammen, bildeten Paare und ergaben ein großes Ganzes. Ein Gedankenkonstrukt so nachvollziehbar und plausibel, dass im Kopf Platz für Neues geschaffen wurde. Sehr langsam nur bewegten sich die ineinander gefalteten Hände auseinander, um ein Zeichen in Richtung Tempeldecke zu schlagen. „Ich danke Dir, Alatar, mein Herr.“, kam es leise, beinahe abschließend von Ihren Lippen. Trotz der pechschwarzen, schweren Rüstung drückte sich die Gläubige ohne ein Stocken in die Höhe, während gleichzeitig das Ebenbild des Gottes auf dem Altar vor Ihr an Größe abnahm. Noch immer stand sie dort, unbewegt wie sie zuvor kniete, die Augenlider ehrfürchtig gesenkt. Die zuvor entwickelten, feinen Fädchen begannen nun Ihre Fühler auszustrecken und nach den geordneten Überlegungen der letzten Tage zu tasten.
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„Doch lernt man nicht erst, Catulus, wenn man erlebt hat?“, kam die Frage durchaus interessiert von den Lippen der jungen Gardistin. Die Thematik der Gefühlswelt und damit verbundenen Ordnung eines Alatari beschäftigte sie bereits seit Ihrer Kindheit und sollte hier nun aufgegriffen werden. Gekleidet in den Farbe der Garde, stand sie aufrecht vor dem noch recht jungen Catulus. Sein Gesicht, abscheulich für die einen, faszinierend für die anderen, war Ihr stets zugewandt und genau wie sie wissbegierig dort vor Ihm stand, zeigte es neben der gutmütigen Art eines Priesters, auch unverhohlenes Interesse an der Thematik. Vor einigen Tagen, als er sie während Ihres täglichen Gebetes in dem Tempel vorfand, bot er Ihr an weiter darüber zu sprechen, Ihr alles näher zu bringen. So standen sie nun hier auf dem Marktplatz. Ein zufälliges Treffen, welches dennoch postwendend auf den Punkt geführt wurde: Wie geht man mit Gefühlen, sei es Hass oder Abscheu, Zorn oder Liebe, Eifersucht oder Hingabe um? Wie weit durfte man gehen, um nicht von dem rechten Weg abzukommen? Während die kalten Böen unbarmherzig über den offenen Marktplatz zogen, erklärte er Ihr alles vollkommen ruhig, mit einer Begeisterung, die sie aufhorchen ließ. Keine Böe trieb Ihn zur Seite hin ab, kein Windzug ließ Ihn von seinem Weg abkommen, der Catulus blieb sicher und mit regelrecht rigider, gutmütigen Miene vor der Gardistin stehen.“Ihr wisst, dass der ehrenwerte Ahad diesen Weg bereits viel länger beschreitet, seinem Ziel bereits viel näher ist, als Ihr es seid, Fräulein Swynedd?“, wies der Catulus sie deutlich daraufhin, als sie von Ihrem Gespräch mit dem schwarzen Marschall berichtete. Er, dessen Miene stets von einem undurchdringbaren Helm verdeckte wurde, war bezüglich dieser Thematik ein deutliches Antonym zu dem nun vor Ihr stehenden Laran Drrusk. Die Stimme hob sich lediglich aus der Monotonie, wenn es um die Gratwanderung zwischen Hass und Zorn ging, konträr dazu der Catulus: Er legte dies dar, er legte das dar. Doch die ganze Zeit sprühte er vor Begeisterung. Man konnte blind sein und hätte dennoch den Eifer gespürt, mit welchem er den Anhänger des All-Einen zur Not auch die simpelsten Dinge näher brachte. Nicht von der Hand zu weisen war, dass der Ahad natürlich, ähnlicher Überzeugung war wie auch der junge Laran und doch gab es scheinbar Tabuthemen für Ihn, Dinge, die Anastasia und wohl auch keine andere Person jemals präzise aus seinem Mund hören würden. Dies wohl war auch der Grund weswegen sie erneut das Gespräch suchte, erneut Antworten auf Ihre vielen, tiefgründigen Fragen haben wollte. „Ich kann anbieten Euch einer Prüfung zu unterziehen, mehr jedoch steht mir mit meinen bescheidenen Mitteln nicht in der Macht. Man lernt, wenn man erlebt, das ist in der Tat so.“, riss seine einnehmende Stimme die Frau vor Ihm erneut aus den Gedanken. Eine Prüfung für sich selber sollte Ihr also den Weg voran ebnen? Sie strebte seit Anbeginn Ihrer Zeit nach Perfektion, wollte Ihrem Gott keine Schande bereiten und nun hatte sie die Möglichkeit durch eine Prüfung Fragen auf Ihre Antworten zu bekommen, um einen weiteren Schritt in Richtung der Vollkommenheit zu nehmen. Mit Ihrem Einverständnis, durchströmte sie auch der erste Schmerz. „Ich möchte hier und jetzt beginnen.“, hallten die Worte noch in Ihrem Kopf wider und schon, einen Lidschlag später, zuckte der Kopf durch die schallende Ohrfeige getrieben zur Seite. Die Haut in Höhe des Jochbeins verfärbte sich in einem deutlichen, anprangernden Rot. „Was ist es was _ Du _ fühlst? Sag' es mir.“, trieb Laran sie an. Nach seinem Schlag, fanden die Hände sich wieder schuldlos in den jeweils gegenüberliegenden Robenärmeln. Er redete weiter auf sie ein, Ihre Zeit der Fassungslosigkeit nutzend: „Während dieser Prüfung, werden Titel fallen, die Namen verlieren Ihre Bedeutung.“. Und doch, keimte kein Hass, kein Zorn in Ihr auf, alle Emotionen wurden verdrängt von der aufdringlichen Frage: Warum? Genauso teilte sie es Ihm auch mit, genauso ließ er es im Anschluss auch im Raum stehen. "Wenn Schmerz ein Weg zum Hass ist, und Hass es ist der uns näher an den Herrn bringt, uns Stärke und Macht verleiht, was hättet Ihr tun müssen um dem gerecht zu werden?". Mit jeder neuen Frage, kreisten immer mehr verworrene Gedankengänge in Ihrem Kopf. Sie waren mit Sicherheit gleichzusetzen mit den nun vom Himmel herab tanzenden Schneeflocken. Kühl und unbewegt, gleichzeitig aber aufgebracht und unruhig.
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Ein letztes Neigen des Hauptes, bevor die schweren Schritte wieder gleichmäßig, monoton an den Wänden des Gotteshauses widerhallten. Tock, Tock, Tock – ein jeder Schritt führte sie weiter zielstrebig Ihren Weg entlang.