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Freiheit für Lameriast
Verfasst: Samstag 28. Februar 2009, 14:38
von Rhanin Plessiez
Tief hängende buschige Wolken triben schneeschwanger und vom Wind gepeitscht über das Meer und die Insel. Es war kein guter Tag – der Winter bäumte sich heute noch einmal im Kampf gegen den Frühling auf und zeigte allen, die töricht genug waren den warmen Platz vorm Kamin zu verlassen, seine eisige Pranke. Dennoch durchbrach kaum ein Laut das eisige Pfeifen des Windes, wenn er um die Ecken der Häuser strich.
Ein surren zerriss die Stille auf dem Gelände – dem folgte ein dumpfes „tock“. Zitternd blieb ein Pfeil in einer einem Menschen nachempfundenen Holzfigur stecken und aus dem Hintergrund drang das leise Brummen eines Mannes, eines Jägers.
„Fürst?“ - „Ich unterwerfe mich keinem Fürsten!“ Der nächste Pfeil traf das Ziel und gesellte sich somit bebend zu seinem Vorgänger. „Hilflose bedrohen – pah. Er wird sich wundern, wenn alle fort sind!“
Das war einfach zu viel. Den letzten Mann der Burg hatte Rhanin erst gestern gesehen – und der erzählte ihm auch noch von dem Grußmut des Fürsten. Er fühlte sich betrogen und viele mit denen er sich bald schon treffen würde teilten dieses Gefühl. Von irgendwo klangen die leisen Laute einer Nachtigal herüber und Rhanin hob den Blick, lenkte ihn zum Horizont und nickte grimmig. Das was der Abend bringen sollte ließ ihn jedoch hoffen. Heute würde sich der Widerstand formen und in den Hallen des Clans Bunjam eine Basis finden, von der aus er arbeiten konnte. Die Hilflosen sollten dort in Sicherheit verweilen während die, die zum Kampf in der Lage waren alles für die Freiheit aufs Spiel setzten was ihnen zur Verfügung stand. Ihr Leben.
„Zeit zum Aufbruch.“ - drang der gedämpfte Kommentar zu sich selbst unter der Kapuze hervor und er brachte die fehlenden Meter zum Hauptsaal der Akademie hinter sich. Lange verharrte er – einem Schemen gleich – vor seiner Truhe.
Die Kleider der Akademie wurden noch einmal glatt gestrichen bevor er sich dann doch erhob und mit grimmigem Blick zur Truhe mit den Bögen und Pfeilen ging um sich zu bewaffnen.
Während das müde Licht des dahin scheidenden Tages nach den Dächern, den Bäumen, den Wiesen und Weiden tastete verließ er die Akademie zu Schwert und Kunst und brach zum Hafen auf. Dort würden sie sich treffen. Von dort aus würde die Evakuierung ihren Lauf nehmen.
Verfasst: Montag 2. März 2009, 10:20
von Rhanin Plessiez
Ein neuerliches leises Seufzen entrang sich seiner Kehle als er zum Kapitän sah und sagte: „Es ist doch aber zum Schutz derer, die zufällig zwischen die Fronten in diesem Konflikt geraten könnten.“ Warum wollter der alter bärbeißige Kerl einfach nicht hören. Lag es am Gewinn, der ausbleiben musste, wenn er heute nicht mehr fuhr? Rhanin versuchte es noch einige Male bis der Kapitän der Lameriaster Fähre doch zustimmte und ihm versidcherte, dass er für wenigstens zwei Stunden nicht fahren würde.
Als er anschließend vom Steg zurückkam, hatte sich ein Knäul unter den Anwesenden gebildet, die angestrengt über das weitere Vorgehen diskutierten. „Es ist niemand mehr da, der evakuiert werden könnte“, schnappte Rhanin irgendwo auf. „Hmmmm dann lasst uns alle zur Burg gehen“, sprach kurz danach eine andere Frauenstimme. Rhanins Blick wurde finster. „Vielleicht solltet ihr eher darüber nachdenken, ein gesichertes Lager zu errichten.“ Wenigstens ein vernünftiger Vorschlag, dachte er bei sich und stimmte dem zu. Im weiteren Verlauf wurde beschlossen, dass eine Pallisade in Neuhaven – oder zumindest erstmal am Hafen – von Nöten sei, also machten sich die, die damit Erfahrung hatten, daran Holz zu sammeln. Rhanin selbst wurde zur Akademie geschickt um dort die Einlagerung der ankommenden Stämme, Äste und aller anderen sinnvoll zu gebrauchenden Baustoffe aus Holz zu organisieren. Als alles soweit gesammelt war um zumindest ein kleines Bollwerk gegen die eiserne Hand zu errichten, die nach der Insel griff, kehrten sie zurück zum Hafen.
Hier hatte man in der Zwischenzeit damit begonnen Verteidigungspläne zu schmieden, denn je länger sie hier waren, desto unwahrscheinlicher wurde es, dass die Burg nicht selbst Leute entsandte um den Mob zu sprengen. Rhanin jedenfalls fand kaum Zeit um wirklich den Faden wiederzufinden, da sagte Esgaron zu ihm: „Magnifizenz Aethra bot seine Hilfe an indem er euch mit seinen alchimistischen Kenntnissen zur Seite steht. Allerdings benötigt er hierfür etwas Gerät und Ingredienzien. Habt ihr etwas vorrätig, das er nutzen kann? Verwirrung huschte über Rhanins Gesichtszüge. Sprach Esgaron wirklich mit ihm? Er hatte doch von soetwas gar keine Ahnung, dann aber nickt er und wies Janus den Weg zur Akademie. Dort fanden sie, wenn auch mit etwas Suchen verbunden, zumindest die nötigen Geräte und Zutaten um eine Hand voll Tränke herzustellen. Mit nicht wenig Dank im Gesicht und auf den Lippen folgte Rhanin dem Erzmagier anschließend zurück zum Hafen. Aber als sie um die Ecke der Bank bogen legte sich ein Schatten auf das Gesicht des Jägers – denn sie rannten einem nicht zu verachtenden Trupp der Burg Eisenwart direkt in die Arme.
„Davorne mein Fürst!“ Klang die rauhe Stimme unter einem der Helme hervor. Diese Begrüßung versprach schon wenig Freude in den kommenden Augenblicken. Rhanins Blick huschte wie der eines gehetzten Tieres hin und her und verharrte schließlich auf Janus, der die Ruhe selbst war – und nicht einmal diese überwältigende Mehrheit konnte den Magier aus der Ruhe bringen. Lächelte er etwa?
„Männer ! Bereit machen !“ erklang der Schrei von vorn – der Aufforderung folgend streckte er rufende seine Klinge nach vorn.
„Mein Rat wäre es...“, setzte der Magier derweil viel zu ruhig zum Sprechen an, während eine andere Stimme betont befahl nicht anzugreifen und ihn damit unterbrach. Rhanin versuchte sich zur Ruhe zu rufen, ruhig zu atmen, aber sein Herz pochte als wolle es ihm die Brust zerreißen und in seinen Ohren hörte er das Blut so laut rauschen, dass er glaubte, bald nichts anderes mehr verstehen zu können.
„Wer seid ihr ?“ Forderte jene ruhigere Stimme, wenn auch sehr barsch während sich einer der gepanzerten zwischen Janus und ihn stellte – Schild und Schwert zum Schlag bereit erhoben. Rhanins Kinn klappte herunter, als der Magier plötzlich nicht mehr da stand, wo er eigentlich stehen sollte – es vergingen einige Augenblicke (sowohl für Rhanin, als auch für die Streiter Deslons), bis die um sich greifende Verwirrung unter Kontrolle und der Blick den neuen Standpunkt des Magiers ausgemacht hatte.
„Er will fliehen !“ Erklang es daraufhin hitzig und Waffen wurden blankgezogen.
„Erhebt noch EINMAl die Waffe gegen mich und ihr werdet Sterben!“ - Dieses Versprechen klang so ruhig und so sicher, dass es Rhanin eiskalt den Rücken herunterlief. Zum ersten Mal in den letzten Minuten huschte der Gedanke an seinem inneren Auge vorbei, dass er hier lebend davon kommen könnte.
Es kam wie es kommen musste, denn keiner der Streiter deutete auch nur im geringsten an, dass er sich davon wirklich bedroht fühlte – der Magier indes nahm dies als Antwort auf seine Warnung und verengte die Augen aufs gröbste. Er breitete seine Hände zur Seite aus, als seine Gestalt von einem dunklen Schimmer eingeschlossen wurde. Wieder rann es kalt Rhanins rücken herunter, aber aus mysteriöse Art und Weise schafften es seine Knie durchzuhalten und ihn nicht einfach in sich zusammensacken zu lassen.
„Dieser Mann entzieht sich der Prüfung ! Er ist ein Rebell !“ Es klang noch immer harsch, aber die Sicherheit in der Stimme des Wort führenden schwand selbst allmählich.
Janus indessen führte seine Hand voraus und meinte schlicht: „Ihr werdet euch nun zurückziehen.“ Die Drohung, die im Tonfall dieser Aussage lag schien einige der Burg wanken zu lassen, aber nicht für lange, denn kurz darauf setzten sie sich – wenn auch langsam – in Bewegung und näherten sich den Beiden. Der Erzmagier schwenkte seine Hand und beschrieb auf diese Weise vor sich einen Halbkreis – dabei löste sich ein dunkler Dunst aus seinen Fingerspitzen und zeichnete auf dem Boden zwischen den Beiden auf der einen und der Burg auf der anderen Seite eine Unheil verkündende Linie aus stechend riechenden aufsteigenden Gasen. „Flieht!“ Erklang der Befehl an Rhanin – hatte er ihn nur gespürt – oder wurde er auch gesprochen? Im Nachhinein wusste er es gar nicht mehr, aber kaum war er erklungen spürte er, wie sich seine Beine wie von selbst in Bewegung setzten und er lief. Er lief als wäre der Tod höchst persönlich hinter ihm her und er Dankte den Göttern für den Edelmut des Magiers, der sich für ihn – einen einfachen Jäger opferte.
„SIE KOMMEN!“ - Es waren nur Sekunden vergangen seit er aufgebrochen war, als der Schrei die Luft durchbrach. Rhanin wollte zusammenbrechen, als der Hafen erreicht war – aber das durfte er jetzt nicht. Janus würde Hilfe brauchen und es war seine Aufgabe diese herbeizuholen. Er drückte denen, die nahe bei ihm standen einige Flaschen in die Hände und schon machten sich alle gemeinsam in höchster Eile auf den Weg zurück.
Als sie die Bank erreichten, traute wohl niemand seinen Augen. Am Boden lagen bereits drei – oder waren es vier – gepanzerte Kämpfer und zuckten. Ein weiterer war wie zu Stein erstarrt und noch einer wurde von wie Tentakeln um die Beine gewickelten Wurzeln an Ort und Stelle festgehalten. „Was war geschehen?“ Schoss es durch Rhanins Kopf als ein weiterer soeben durch geschickt platzierte Treffer mit der Waffe des fechtenden Magiers zu Boden ging.
„War es zuende? War die Insel frei?“