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Neue Wege.

Verfasst: Samstag 28. Februar 2009, 12:57
von Yarin von Wolfenfels
Mit tiefen Atemzügen, welche einen feinen Nebel vor dem Gesicht des Mannes zeichneten, ging Yarin bei Einbruch der Dunkelheit die letzten Schritte in Richtung Klostertür. Zweimal hob der die Faust an und klopfte fest an die Tore. Diesmal dauerte es nicht lange bis Bruder Cassius die Pforten zur heiligen Stätte öffnete, um den späten Gast einzulassen. Er neigte dem Bruder sein Haupt entgegen, dann führten ihn seine Schritte geradewegs auf die Tür der Kapelle zu. Ein letzter, tiefer, Atemzug in der kühlen Nacht ehe er langsam in Richtung des Altars ging. Vor der ersten Stufe ließ er sich ruhig, bewusst langsam, auf die Knie sinken, den Blick leicht erhoben.

Drei Tage zuvor war er zur Predigt in Adoran gegangen. Zu Beginn war es eine Predigt wie viele andere gewesen. Hochwürden Travier verstand es die Anwesenden daran zu erinnern, das Temora am Ende triumphieren würde. Sie beschrieb, recht anschaulich, dass der Weg des Glaubens immer auch ein Weg über Hindernisse sein würde. Gleichsam ließ sie aber auch wissen, dass diese Hindernisse Prüfungen waren und man im Leben nicht immer einen geraden, strikten Weg ging. Manchmal waren diese Hindernisse förmlich Mauern, die es zu durchbrechen galt. Irgendwann sprach sie davon, dass für einen der in der Kirche anwesenden Gläubigen heute der Tag war um einen neuen Weg zu gehen. Yarin lies den Blick in Richtung der zahlreich anwesenden Streiter der Bruderschaft wandern. Vor einigen Wochen hatte er, auf Geheiß Hochwürden Traviers, mit einem der Krieger reden sollen. Vermutlich würde er heute als Knappe in die Reihen der Streiter aufgenommen werden. Die Priesterin rief aber keinen Namen aus den Reihen der Bruderschaft auf sondern den seinen.

Im ersten Moment war er überrascht. Doch die Priesterin hatte den Blick direkt auf ihn gerichtet und auch der Blick der anderen Besucher der Kirche schien in diesem Moment auf dem Baron zu haften. Langsam trat er vor den Altar und kniete auf Geheiß der Priesterin vor den Stufen nieder. Vor allen Anwesenden nahm sie ihm den Schwur ab, künftig der Herrin Temora in den Reihen der Priester und Priesterschüler zu dienen. Einen Schwur, den er in diesem Moment gern und überzeugt nachsprach. Der erste Schritt eines neuen Weges. Ein Schritt der deutlich wurde als sie ihm die blaue Robe eines Akoluthen der Temora auf den Altar legte. Yarin nahm die Schwertscheide und das Langschwert ab und legte es vor den Altar, ehe er sich langsam die Robe über den Kopf zog.

Die Robe, die er nun auch trug, in der Kirche kniend. Seine Eminenz hatte ihm vor einigen Stunden aufgetragen die Nacht in Gebet und Meditation zu verbringen. Er hatte angeordnet, dass er sich in einer solchen Nacht klar darüber werden sollte, ob er wirklich bereit war diesen Weg zu gehen. Als er die Worte sprach wollte er schon ansetzen, das er sich dessen sicher war. Doch seine Worte, einige Mitglieder der Priesterschaft waren der Ansicht ein Adliger wäre zu Demut und Mitgefühl nicht in der Lage lies die Lippen verschlossen und er nickte nur. Eine Nacht der Meditation war eine gute Möglichkeit seine Gedanken zu reinigen. In Meditation war er allein mit sich und seinen Gedanken. Aber auch so war er sich sicher, dass er diesen Weg gehen wollte. Auch wenn es lange dauerte, bis er diesen Weg für sich erkannte, würde er ihn gern gehen. Seit seiner Kindheit in Hohenfels, seit den Lehren des Priesters in Hohenfels, seit den Lehren seines Vaters versuchte er stets die sieben Tugenden als Grundlage seines Lebens und Handelns zu sehen. Er würde es natürlich auch weiter tun. Er würde den Tugenden gleichsam folgen wie dem alten Motto Wolfenfels. “Treue der Göttin und dem König, Ehrlichkeit der Familie wie dem einfachen Volke, Härte den Gesetzlosen und Verbrechern“ Für die Familie Wolfenfels standen die Tugenden schon immer an erster Stelle. Er würde es in Zukunft sicher beweisen. Seiner Eminenz und denjenigen die an ihm zweifelten.

„Herrin Temora leite meine Schritte. Hilf mir Deinen Weg zu erkennen, Deinen Weg zu gehen. Hilf mir mein Leben zu gehen in Demut, Ehre, Mitgefühl, Geistigkeit, Tapferkeit Gerechtigkeit und Opferbereitschaft. Ich öffne Dir meinen Geist, Deinen Willen zu erkennen.“

Er hielt die Augen weiter geschlossen und verbrachte den Rest der Nacht mit sich selbst, mit seinen eigenen Gedanken. Erst als das erste Licht des Tages die Dunkelheit in der Kirche brach, öffnete er sie Augen. Langsam erhob er sich und hier in der Kirche der Herrin Temora schien die schlaflose Nacht weniger zu belasten als er es von einer längeren Meditation gewohnt war. Eine Tatsache, die ihn eigentlich gar nicht überraschen durfte, es aber doch im ersten Moment tat. Und natürlich würde er nach dieser Nacht seiner Eminenz bestätigen, das es sein Wille war diesen Weg zu gehen.