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Eid und Pflicht - Blut und Bund

Verfasst: Freitag 6. Februar 2009, 05:12
von Rilas Avaryn
Er liess die Gefolgsleute schon die letzten Truhen auf die Lastsättel der Tragetiere schnallen, brach schon bald die Nacht herein würde er vielleicht mit der Passage nach Talamor bis zum morgen warten müssen, was seinen Plänen zu sehr zuwider kam. Die Nachricht hatte ihn nicht unerwartet getroffen, und schon seit einigen Tagen bereitete er sich darauf vor, zurück an den Hof nach Alumenas berufen zu werden. Das sie sich gerade dafür den Truchsess als Stimme erwählten, verwunderte ihn allerdings, hatte man ihn nicht just von seinem Lehen befreit und ihm die undankbare Aufgabe, das aufrührerische Drachenfels zu unterjochen?

Es war keine Zeit für derartige Gedanken mehr, ermahnte er sich selbst. Der Marschbefehl an die Schwadron war bereits am Nachmittag an seinen Rittmeister, Soldan Abbadon in Berchgard ergangen und über eine gewöhnliche Schiffspassage würden die Soldaten der ersten Avaryner Schwadron mit etwas mehr als drei Tagen verzögerung in Alumenas eintreffen, wenn man die Landwege mit einbezog. Er hatte bereits nach dem Empfang des Schriftstückes begonnen aufzuhören irgendwelche Empfindungen menschlicher Natur an sich heran zu lassen, er funktionierte, als Befehlsgeber, als Landherr, als Anführer.

Im Anbrechenden Dämmerlicht schimmerte die Sonne flammend auf den polierten Flachringen seines Kettenhemdes, das ganz nach zwergischer Weise von seinem Alten Freund, dem Knochenbrecher gefertigt war, gleich des lanzenartigen Speers, unter dessen Stichblatt nun ein Wimpel im Seewind flatterte, der seine Herkunft, seinen Stand und sein Lehen durch die, auf blau-weissem, mittig geteiltem, Tuch gestickte Wappendarstellung darstellte, und jedem auf weithin sichtbar mitteilte, welcher Herr die Straße kreuzte.

Er war nach Gerimor gezogen, um seinen Ruhm zu mehren und sein Haus zu ehren - als Arzt und Medicus der höchsten Grade, doch sein Auge war wach, und die Zeichen der Zeiten gebaten es, über die Grenzen Hohenfels, das den Reichsadeligen seit jeher als Aufmarschgebiet diente, hinaus zu wirken und den Erbfeind, wo er sich auch stellen mochte, auf dem Ort zu bekämpfen, und nicht, wie er beschämte feststellen musste, nur zaghaft von den Hohenfelser Truppen angegangen wurden, wärend die gefürchtetsten Dämonen des Feindes in offener Tracht ihren Geschäften dort nachgegangen, und auch sonst, in vielen Zugängen zeigte es sich, das die Grafschaft Hohenfels weder von seinem Truchsess, der sich mit Vorliebe in seinem Schloss zu verstecken pflegte, und um die Hand einer Freiherrin zu werben, statt als stolzer Anführer und Fackel im Lichte der Rechtschaffenheit mit dem Zorn der Gerechten gegen die Abgefallenen Provinzen die aus allen Ecken des Reiches herbei strömenden Adeligen in den Krieg führte.

Was ihn in Alumenas erwarten würde? Nun, war es bereits als gutes Zeichen zu werten, das sie einen Boten nach ihm schickten, und nicht gleich einen Kronritter samt Ritterlichen Gefolges, die ihn Stand und Wappen entrissen und ihn zur Klagebank schliffen, seinen Besitz auflösten und im Büssergewand vor den Kronrat zerrten, was durchaus eine seiner bedrückensten Ängste war, das die Stimmung nicht nur in der wankelmütigen Kirche umschlagen würde, der er sich zuletzt mit Waffengewalt erwehren musste, sondern auch in Alumenas, am Hofe des Kronrates. Die Zweifel der letzten Wochen an seinem Auftrag, seiner Bestimmung, an Eid und Pflicht, an der Gerechtigkeit seines Handelns und der Lauterkeit der Kirche, der Götter und dem Weltbild, dem er sein Leben lang erwachsen war, das ihn von der jüngsten Erinnerung an begleitete, das hehre Bild von Reich und Krone, der Gerechten Streitmacht, das Volk, das mit jedem Handgriff wirkte, um der dunklen Bedrohung zu begegnen, ja, dieses Weltbild wankte in besonderer Weise.

Ungeachtet dessen, entband ihn weder Wort noch Eidbruch von seiner Pflicht, und, dem Hafen und seinem ölglatten Meere, das den Schimmer der untergehenden Wintersonne feurig wiederspiegelte, begannen die Hausknechte bereits, auf dem Dock der Siedlung Bajards die Pferde zu entladen und den Schiffsraum damit zu füllen, ehe sie die Pferde selbst bereiteten.

Er würde Zeit bekommen, entweder Einhalt und Widerstand zu erwirken, so hoffte er, und es waren die letzten Gedanken jener Art, die seinen Geist beschäftigten, ehe er, wieder ganz der Anführer seiner Schar, aus dem Sattel stieg und die Zügel seines Mustangs in die Hände seines Gefolgsmannes gab.

In sein persönliches Tagebuch würde er heurig verfassen:

5. Eisbruch 252

Wurde vom Kronrat einberufen.
Abreise aus Gerimor begonnen, die Truppen ziehen von Berchgard aus.
Hoffe, das die Dinge sich zum besseren wenden.
Eluive stehe mir bei.




Verfasst: Freitag 6. Februar 2009, 05:13
von Rilas Avaryn
Seiner selbst jedoch vorraus eilte bereits ein Schriftstück, getragen in einer Kapsule, auf den Winden der Meere in der Luft, an den Leib einer Brieftaube gebunden. Ihr Ziel: Die Residenz des Herzoges von Nharam, dem direkten Lehensherren Rilas', dessen Treue und Schwur ihm galt:

Der Allmutter Segen, Ehre der Reich und dem gerechten Kronprinzen!

Wir, Rilas Isadril, Freiherr von Avaryn entrichten als ergebener Vasall eurer herzöglichen Hoheit unsere demütigsten Grüße und Segenwünsche

Entsprechend der Angelegenheit um das Gefecht vom 21. Hartung, die uns zum hochgeehrten Hof von Alumenas beruft, kündigen wir unser umgehendes Eintreffen ein.

Zwischen den Mittag und Abendstunden des 6. Eisbruch ist unser Eintreffen in der Magischen Fakultät zu erwarten, die wir von Talamor aus bereisen werden. Entsprechend der Notwendigkeit wird etwas zum Neunten Eisbruch das Eintreffen meiner Haustruppen erwarten sein, die auf mundaneren Wegen zu Diensten des hochgesalbten Kronrates eilen werden.

Einhergehend mit diesen Umständen erbitten wir demütigst eine Audienz um in dieser und anderer Belange, derer eure herzogliche Hoheit uns beauftragte, meine Stimme an das eure Gehör richten zu dürfen.



Unter den Sternen des Vaters wandelnd,
mit dem Wohlwollen der Mutter handelnd,
alles unter den Schwingen der Tochter,


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Rilas Isadril
Freiherr von Avaryn