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Frostzeiten

Verfasst: Dienstag 3. Februar 2009, 20:06
von Jhaele Ligraine
Schneeflocken umwehten die Gestalt, die gebückt über den frostigen Boden stiefelte und dickes Vließ auslegte, um Blumentöpfe darauf zu betten. Nur ab und zu wurde sie durch das Zerren des Windes an der von violetter Farbe durchdrungenden Kleidung gestört oder durch das plötzliche Wiehern eines Pferdes aufgestreckt. Ansonsten war es still geworden, auf Lameriast – und in ihrem Leben. Nicht ruhiger, nur still. Die Arbeit war mehr geworden, nur Hilfe hatte sie nicht, nachdem Vaelhardt an der Lungenpest verstorben war. Andererseits kam sie aber auch gut zurecht, und immerhin, die schwere Arbeit sorgte für Müdigkeit in den Knochen, sodass sie nach der Trauer der letzten Wochen endlich wieder schlafen konnte.

All ihre Fürsorge galt in letzter Zeit den Pflanzen, die sie neuerdings heranzog. So hatte sie bereits in langer Arbeit den Schnee in einer rechteckigen Fläche vom Acker geschaufelt und seitlich zu handbreiten hüfthohen Mauern aufgebaut, wie damals, als sie noch als junges Mädchen zusammen mit den anderen Kindern im Dorf Schneehütten gebaut hatte. Innerhalb der Mauern hatte sie zerkleinerte Baumrindenstücke aufgeschüttet, um die Kälte des gefrorenen Bodens zu dämmen, und war nun damit beschäftigt hierüber noch Vlies zu legen, um ganz sicher zu sein.
Es gestaltete sich durchaus als schwieriger jenes zu verteilen, da der Wind zwar grundsätzlich von den Schneemauern gebremst wurde, letztlich aber eine Lücke als Durchgang geblieben war, durch die er durchgriff. So musste sie immer und immer wieder die Ecken neu umschlagen, bis sie Zeit fand, jene mit Gewichten zu beschweren.

Nach wenigen Stunden hatte sie es geschafft die Töpfe mit den bereits gewurzelten Pflanzen hinauszustellen und ihrer Sorte nach auf dem Vließ zu betten. Nur eine letzte Schicht des feinen, undurchlässigen Stoffes zog sie noch über das Patt, dann klopft sie die handschuhbewehrten Hände ab und betrachtete ihr Werk. Nein, kein Gewächshaus, aber ein tauglicher Schutz, der für ihre Zöglinge vorerst reichen würde.