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...Knappin sein dagegen sehr.

Verfasst: Samstag 24. Januar 2009, 15:51
von Leah Katuri
Die erste Nacht

Du hast sicher Fragen, Leah - oder nun die Zeit, die du im Anwesen schmerzlich vermisstest, nutze sie... Ich bin hier.“

Eine kleine Kerze hatte damals den Raum ausgefüllt, als sie mir jenen Satz sagte. Ich konnte ihr Gesicht nicht sehen. Zu sehr hatte die Dunkelheit sich über das Land ausgebreitet und die Uhren im Kloster hatten bereits die späte Abendstunde angekündigt. Es war alles noch so neu, so unerklärlich zu dem Moment. Ich weiß noch, wie unsicher ich mich gefühlt hatte, als ich neben Milady gesessen hatte und sie mit Sandroval sprach. Ich bewunder noch immer ihre Selbstsicherheit, ihre geübten und sicheren Worte. Wie sie reden konnte, wie sie eine Präsenz ausstrahlte...so ganz anders als den Abend zuvor, an dem ich wieder an der Wunde gekratzt hatte und sie sich öffnen ließ durch ein Wort: Luczilla.

Ein Phänomen, das mir mehr als lag und wohl noch einige Zeit liegen wird: Ich ließ keinen Fettnapf ungeachtet, kein Faux Pas aus. Die letzten Tage vor dem Abend im Kloster mit Milady waren nicht nur nervenaufreibend für mich gewesen, sondern auch für jeden drumherum. Meine Launen insbesondere bei Cyrion waren unberechenbar geworden. Er war jener, der mich schnell verletzen konnte durch wenige Worte. Und dann der Abend mit Milady...sie konnte so gut nachhaken, so immens weiter bohren, dass ich meist jeglichen Anstand vergaß und die Worte so rausfielen ließ, wie sie mir in den Sinn kamen. Sie hatte es schon einmal so angestellt, als sie endlich erfuhr, warum ich meine Heimat verließ und welch Schuld, die mir mein Vater damals quasi auferlegte, ich trug.

Die Ruhe, die Milady an dem Abend ausgestrahlt hatte...dieses innere Gleichgewicht. Es war ganz und gar anders als den Abend zuvor. Es war mir schon seit längerem bewusst, dass sie mir eine helfende Hand sein wollte, sich als Begleiterin anbot. Ich hatte einige Zeit gebraucht, mir klar zu machen, dass es nicht nur eine Ehre war, Knappin zu werden. Nein, die ganze Zeit hätte ich mich eigentlich auch freuen, ein Lächeln auf den Lippen tragen sollen. Doch der Trubel, das ganze Chaos, das dazwischen trat, ließ mich alles nur schwarz weiß sehen und so betrachtete ich es als Aufgabe, als ein Weg, wieder mit mir und den Göttern im Reinen zu sein. Sicher, mein Herz sagte damals schon voller Freude: Ja, ich will Temora dienen...ich will für sie fechten und sie verinnerlichen!
Doch mein Kopf war voller anderer Dinge. Die Hochzeit und der Stress, den ich nicht gewohnt war und mich etwas überforderte, die Begegnung mit dem Letharen, der Blauzunge...und dann die Entführung Josés auf eine Insel. Piratenpack...doch letztendlich habe ich es auch José zu verdanken, dass ich daran erstarkte und nicht zerbrach. Ich hatte lange Gespräche mit ihr geführt...über die Götter und deren Tun. Am Ende merkte ich, wie sehr sie einfach nicht fähig waren, die Wahrheit zu sehen. Sie waren...engstirnig. Wie daheim die Menschen...und jenes ist eine bittere Erkenntnis, zugleich aber auch gewissermaßen befreiend.

„Ich kann nicht sagen, ob ich es als...vorbei empfinde. Ich bin immer noch versessen...nein...anders... Milady, warum denkt ihr, dass ich mitten in der Nacht in die Katakomben gehe? Warum mein Trainingseifer?“

„Ihr wollt Eurer Aufgabe wert sein, und ich habe Euch schonungslos genug klargemacht, wie wenig
ich von Eurer Kampferfahrung halte.“

„Ich bin wegen dem Brudermörder hin... Weil ich beim nächsten Mal schneller reagieren wollte, im Zweifelsfall gegen ihn kämpfen müsste, wenn er zurück käme. Er hat mich nicht losgelassen Milady. Ich hab ständig an ihn gedacht.“


Der Lethar...er hatte wirklich meine Gedanken derart durcheinandergebracht, dass ich tränenaufgelöst vor Milady stand und nicht mehr wusste, wo vorne und hinten war. Er hatte wirklich Talent, Weltbilder anders darzustellen. Es hatte mich geärgert und zugleich angespornt, ihn ein weiteres Mal zu sehen, ihm zu zeigen, dass ich stark genug war, ihm ein weiteres Mal zu begegnen. Das und mehr musste mir damals mit diesen Sätzen durch den Kopf geschossen sein, als Milady mir zuhörte und ruhig nachfragte. Den ganzen Tag über war es nicht hell geworden, man hatte die Sonne schmerzlich vermisst und hoffte auf eine Lösung. Keiner konnte damals ahnen, wie lange diese Dunkelheit andauern würde.

„Führt Zorn dann deine Klinge, oder Entschlossenheit, die eigene Schwäche zu beseitigen?“

„Kein Zorn Ich wollte stärker sein als er...ich wollte ihm zeigen, dass er nicht
so eine Hand über mich haben kann wie beim letzten Mal...wie....ein Marionettespieler.“

„Als das werden sie sich aber immer hinstellen, das ist dir klar? Und dich bis auf's Blut damit reizen. Behalte im Kopf, wie selbst nach dieser Flucht und Andreys Verletzung Luzcilla es noch immer so hinstellte, als sei alles von vorne bis hinten von ihr geplant gewesen, dabei _konnte_ sie einige der Dinge nicht wissen und so gelenkt haben. Die Kunst ist nicht, stärker zu sein... die Kunst ist, diese Fäden für nichtig erklären zu können. Als Lüge zu enttarnen.“


Eigentlich klang es so einfach und ich hatte mich hineingesteigert in eine Denkweise, die mir heute ziemlich verstockt vorkommt. Die Saat steckt in jedem und nur wir allein können über sie gebieten. Es liegt an unserem Handeln. Ja, die Götter konnten nie allgegenwärtig sein. Sie können ihre Augen nicht überall haben....sind nicht allmächtig, nicht allwissend.
Hilfe annehmen...den Satz hatte ich sehr oft gehört und erst nach und nach begriff ich ihn auch. Man kann soviel Hilfe anbieten, wie man wollte...man musste sie auch annehmen.

Wie seltsam jene Stimmung an diesem Abend war. Ich war unruhig, etwas durcheinander, da Sandroval so ganz und gar ernst wirkte. Er nannte mich Dame...Ich war keine Schwester mehr für ihn, keine mehr, die dem Orden angehörte. Aber er hatte nun auch ein wichtiges Amt inne und musste etwas präsentieren. Eminenz...und er hatte entschieden, dass Darna mich ausbilden durfte, hatte seine Zusage erteilt. Ich glaube, das Verstehen und Begreifen solcher Momente kommen immer erst später. Sie zu reflektieren führt einem zum Schmunzeln, zum Lächeln oder zum Schaudern; ein schönes Schaudern jedoch, weil es so etwas Besonderes bleibt.

„Ein sehr weises Urteil, das ich irgendwann zur Herrin hörte, war: 'Sie bürdet dir nie mehr auf, als du zu tragen vermagst.' Doch woran erkennen wir unsere Grenzen? Wieviel ertragen wir?“

...

„Verlangt sie mehr von euch als von anderen? Verlangt sie....mehr von einem Ritter?“

„Ein Ritter ist Ritter, weil er von sich aus schon selber von sich mehr verlangt als viele andere.“


Ein Ritter ist ein Ritter, ist ein Ritter.... und ich würde auch einer werden. Die Zweifel trugen mich noch lange Zeit. Werde ich auch einmal so weise sein? Kann ich die Tugenden so leben, wie es erwartet wird? Was, wenn der Zweifel einen übermannt? Milady zeigte Geduld, beantwortet in jener Nacht viele Fragen, die sich wahrscheinlich mit der weiteren Zeit auch von selbst beantwortet hätten und doch bin ich dankbar dafür. So, wie sie es gesagt hatte zu Beginn, als sie vom Baum des Lichtes zurückgekehrt war und mir gegenüber in dem kleinen Raum saß: „Ich bin hier.“

Es war meine erste Nacht als Knappin. Anerkannt von der Kirche würde ich meinen Weg nun gehen und mich darum bemühen, eine fähige Ritterin zu werden. Die Zeit brachte es...würde es zeigen und meine Zweifel zu einem Schmunzeln umwandeln. Naiv war manche Angst, manche begründet, doch das einzugestehen im Nachhinein ist zumindest eine Stärke.
Und die neue Tür war auch ja gerade erst geöffnet worden...also, einfach hindurch und sehen, was dahinter ist!

Verfasst: Dienstag 27. Januar 2009, 00:45
von Leah Katuri
Das Meer...und die Aufopferung

„Jedes Leben, das von Eluive gegeben ist, ist einzigartig. Und damit kostbar. Die Welt scheint... sich unbeeindruckt weiterzubewegen, wenn etwas stirbt. Und doch... fehlt es. Mag seine Kreise ziehen, wo dies Fehlen bemerkt wird, ein Loch hinterlässt.. und Trauer. Doch in dieser Hinsicht ist es eben wie mit allen Liedern... Töne verklingen, damit neue entstehen, ein fließendes ineinander Übergehen. Aufopferung jedoch ist nicht allein eine Frage, die über Leben und Tod entscheidet. Als Mahnmal ist sie das Gebot, da wir bereit sein sollten, das, was uns Eluive schenkte, auch zurück zu geben. Um ihrer Schöpfung willen.“

Da waren sie. Worte, die so voller Vielfalt waren und...Weisheit. Und dennoch...in mir war diese Blockade, diese Mauer, die das ganze nicht vollständig aufnehmen konnte. Der Tag war lang, anstrengend und zehrend gewesen. Mein Bein hatte seit geraumer Zeit zu krampfen begonnen und ich hatte es zumindest beim Ritt auf Cassius ausruhen können. Mein erster Tag in Rüstung und zu Pferde nach dem strengen Bett hüten und halbwegen Auskurieren der Wunden. Ich hasste den Blick auf die sich langsam bildenden Narben; sie erinnerten mich stets daran, welche Niederlage ich mir einzugestehen hatte.

„Ihr seid Teil eines Ganzen, Ihr handelt in einem Ganzen. Nur ein Tropfen im Meer, aber ohne Tropfen würde es auch nicht existieren.“

Es ging um Geben und Nehmen, das rechte Maß aller Dinge und deren Platz in der Welt. Der diamantene Kodex sah vor, dass jede Tugend ihren Platz im rechten Maß von einem wahren Gläubigen und auch Adlerritter verinnerlicht und ausgeübt wurde. Der Sinn erstreckt sich bis heute noch eher einem Nachdenken.
Wenn ich meinen Teil gebe, mein Opfer im Namen der Herrin, warum sollte ich auch nehmen? Ich war ein Tropfen, doch statt mir konnten andere meinen Platz einnehmen. Namenlose Massen, Menschen ohne Gesichter. Wie sehr beachtete das Meer seine Tropfen, wenn es sie in der Gischt ans Land warf und von sich riss?
Vielleicht war es wirklich eine andere Art von Tropfen, wenn ich nicht auf Erden wäre, vielleicht wäre das Gefüge ein anderes. Und dennoch...der Lauf der Zeit würde dadurch nicht anhalten, würde stetig voranschreiten und die Welt würde sich entwickeln. Der Kreislauf steht nie still...so sagte Milady es.

Ein Gleichgewicht zwischen allen Tugenden und dann das Meer....mein Kopf schwirrt bei den Gedanken und dem Gespräch, dass diesen Abend den Schrein der Aufopferung beherrschte. Ganz anders als in der Nacht, als ich mit Liralia dort kniete und betete. Wir hatten uns rausgeschlichen...waren davongelaufen, um den Kopf klar zu bekommen und suchten Schutz an einem Ort, der mir am Vertrautesten erschien. Schon beim ersten Eintreten spürte ich pure Geborgenheit und wusste, dass uns kein Unheil die Nacht geschehen würde. Nun...kein Unheil außer einer Erkältung vielleicht.

Gut und Böse. Ich kenne noch die Geschichten, die Sichtweisen, die mir Cyrion einst erklärte. In „seiner“ Welt hatte alles einen Nutzen, einen Sinn. Für ihn musste es Gut und Böse geben und das in einem ewigen Gleichgewicht. Ich weiß noch, wie sich der Gedanke eine ganze Zeit bei mir eingenistet hatte, weil es eigentlich logisch und auch nachvollziehbar klang. Die Worte hatten sich damals einfach entwickelt und nur zu sehr hörte ich den Klang aus Miladys Stimme heraus. Eine gewisse Enttäuschung klang heraus und ließ mir kurz den Magen zusammenziehen:

„Manche vertreten die Ansicht, das Böse in dieser Welt sei zugunsten eines größeren Gleichgewichtes notwendig, doch diese Meinung kann ich nicht teilen. Die Welt war perfekt, als Eluive sie geschaffen hat, doch Alatar hat Dinge getan, die dazu führten, daß sie so nicht mehr ist.
....
Eluive gebar Temora _nicht_, um ihn zu töten... Sondern, weil etwas ihn dabei aufhalten und daran hindern muß, die Welt zu vernichten oder ihre Schöpfung ganz nach seinem Willen zu pervertieren.“


Also doch ein Gleichgewicht? Ein Aussortieren, wie Milady meinte? Wieder ein Schwirren und ein Hin und Herdenken. Es war zu kompliziert und in jenem Moment kam ich mir mehr als dumm vor, hatte das Gefühl, ich würde alles und nichts verstehen. Ich ahnte, was sie in mir anrichten wollte und nur zu gut hatte Milady es auch geschafft....ich dachte nach und machte mich halbwegs wahnsinnig mit diesem Teufelskreis an Gedanken.
Nachdenken, sich bewusst werden, und wieder nachdenken... All die Geschichten über die ehrenhaften Ritter scheinen nur noch einen Teil des Ganzen zu behandeln. Ich konnte nicht glauben, dass wirklich auch Ritter der Tafelrunde, wie ich es einmal in einem Buch las, auch die Nasen in Bücher stecken mussten oder sich Gedanken machten über den diamantenen Kodex. Doch lebten diese Ritter ihn nicht alle in einer gewissen Weise? Wo hatten sie ihn denn dann her?

Schon am Schrein hatte das Ganze ich verwirrt und unzufrieden gestellt. Warum machte das Ganze noch keinen Sinn und immer wieder neue Fragen tauchten auf? Wieso konnte es nicht einfach so sein und Ende? Doch bestand nicht auch darin der Sinn? Ich weiß noch, wie Milady einst sagte, ich solle Fragen stellen und nicht damit aufhören...

„Aber das ist doch... Das ist kompliziert. Kein Aussortieren, aber Einhalt gebieten. Das rechte Maß finden und auf sich selbst Acht geben...“

„ 'Schwer ist der Weg in Temoras Diensten... doch ihn will ich gehen.' “


Schwer ist der Weg....und kompliziert. Er sorgt für mehr als für Denkfalten auf der Stirn, die kein Mann gerne ansehen mag. Das rechte Maß... So oft denke ich darüber nach, wie ich eine Einheit zwischen Herz und Kopf finden kann, wie ich richtig entscheide, ohne die Waagschale auf eine Seite fallen zu lassen. Kopf...Herz...Kopf....Herz...Und irgendwo sicher noch der Bauch. Ich sollte wohl öfter einen kühlen Kopf bewahren, sachlicher an Dinge herangehen. Wie der Abend, an dem der Pirat vor dem Anwesen stand. Er hatte mich nicht erschossen, war gegangen...ohne eine Münze in seinem Beutel. Und außer dem Schrecken keiner verletzt. Ich sollte froh darüber sein und doch bleibt ein bitterer Geschmack. So nah dran und doch so weit zu einem kleinen Erfolg. Ich weiß nicht, was geschehen wird, wenn ich einst José wieder begegnen würde. Würde mein Herz oder mein Kopf entscheiden? Würde ich sie töten? Der Gerechtigkeit zuführen und vor Gericht stellen? Ich kann es nicht sagen, nicht jetzt, nicht heute.

„Ich lehre Euch nicht meinen Weg... ich werde Teile davon zeigen, auf daß es Euch helfen möge, daß Ihr Euren findet.“

Meine Zukunft lag im Ungewissen. Nun...in einer halben Ungewissheit. Ich wusste, dass ich wohl einige Dinge wie Milady sah. Vielleicht...folgte ich ihr in gewisser Weise. Es war beängstigend, fast unheimlich. Sie verband so viel mit dem Schrein und der Tugend der Aufopferung. Ich fühlte und fühle mich jener immer noch so nahe. Und doch...hätte man mich vor mehr als einem halben Jahreslauf gefragt, welche Tugend mir als erstes einfiele, ich hätte damals die Demut genommen.

Menschen verändern und entwickeln sich...


„Aufsteigt der Strahl und fallend gießt er voll der Marmorschale Rund,
die, sich verschleiernd, überfließt in einer zweiten Schale Grund;
die zweite gibt, sie wird zu reich,
der dritten wallend ihre Flut, und jede nimmt und gibt zugleich...“

„Ich glaube nicht, dass ich sie vollkommen verstanden habe...“
Nein, aber ich denke stets darüber nach. Und vielleicht...wird sich mir die Tugend irgendwann so offenbaren, wie sie es für am besten hält.

Verfasst: Freitag 30. Januar 2009, 19:09
von Leah Katuri
Gerechtigkeit - Der Sieg Temoras

„Es gibt Orte, von denen man behauptet, sie wären vom Bösen durchdrungen.. Dieser hier war es, wird es zu einem Teil immer bleiben, auch wenn es kein Ort ist, an dem das Böse den Sieg innehat, sondern Temora höchstselbst.“

Schon lange kam mir ein Tag wohl nicht so elendig lang vor wie jener, auch wenn er nicht einmal die Hälfte von dem einnahm, die manch anderer Tag von mir erwartete. Ich hatte bereits an jenem den halben Tag verschlafen durch ein Nickerchen, dass ich eher unfreiwillig einlegte, als ich mich an den Chroniken eines Kerls versuchte, dessen Name mir schon wieder entschwunden ist. Es war jedenfalls ein ziemlich dicker Wälzer; einer von jenen, die neben den Reichsgesetzen Varunas und Alumenas standen in Miladys Bibliothek. Die Buchstaben hatten relativ schnell begonnen zu verschwimmen und ein leicht schlummriger Zustand durchfuhr mich, sodass ich eher noch neben mir stand, als ich die Treppe herunter taperte und Beak in den Blick bekam.
Ich hatte nur kurz innegehalten, als mir klar wurde, wer das eigentlich war: Miladys Knappe...wie ich. Der Gedanke, dass Milady mich dann nicht mehr ausbilden würde, nagte bereits eine Weile an mir, wurde immer wieder von verschiedenen dementiert. Ich hatte jedoch nie den Mut gehabt, sie selbst zu fragen und so musste es letztendlich dazu kommen, dass wir zu dritt am Tisch saßen und Milady das Wort übernahm.

Unterrichtsstunde...Der Begriff dämmerte in den Gedanken vor mir her und verpuffte bereits mit dem nächsten Befehl Miladys. „Leah, rüsten!“ Alles, was mir neben dem Anziehen der immens kalten Metallteile an dem Tag einfiel, war die Tatsache, dass mein Magen knurrte. Ich hatte den Mittag verschlafen, somit auch das Essen verpasst und stand nun vor dem Dilemma, wohl mehrere Stunden irgendwo rumzustehen und meine Umwelt mit meinem Knurren zu belästigen. Erst als ich ein weiteres Mal in meiner Stube stand, um die Armschützlinge anzuriemen, fiel mir das Beutelchen mit Keksen ein, dass ich noch in der Kommode hatte. Magen gerettet...die Laune schwankte jedoch noch immer zwischen einfach ins Bett fallen und einer puren Lustlosigkeit.

Die Kühle und die Schneeflocken hatten erst für ein langsames Wach werden gesorgt und die Sinne zumindest angestubbst bei mir. Der Ort, an den Milady uns führte, war mir nicht unbekannt. Schon oft war ich hier vorbeigeritten, wenn ich zu Cyrion wollte. Am Tage war die Abkürzung am Waldrand einfacher und bequemer...und Cassius hatte seinen Spaß.

„Seit wann hört Ihr nicht mehr zu, wenn ich etwas erzähle, Leah?“

Oh ja....die Statue hatte mich zwar in gewisser Weise fasziniert, ebenso das Blut, welches wie frisch auf dem Boden auflag. Die Wort jedoch kamen an jenem Tage nur halb an mein Ohr. Zu sehr war mein Geist noch nicht auf der Höhe und mühte sich weiter, überhaupt erstmal etwas wahrzunehmen.
Nur gut...dass Milady uns im nächsten Moment in die Bibliothek scheuchte und wir das Ganze noch einmal nachlesen „durften“.



Und Alatar sprach: „Kra’thor, dies soll dein Name sein. Und nun gehe hinaus und labe dich an den Menschen und sammle das Blut um dich herum!“ Und während der Dämon dem Wunsch Alatars folgte und für Chaos auf Erden sorgte, sendete der Brudermörder das Volk der Letharen aus, um weitere Zerstörung über das Land zu säen.

...

Untote erhoben sich aus den Gräbern und überfielen die Lebenden. Verzweifelt versuchte man den Kampf gegen jene zu beginnen, verteidigte sich mit dem, was einem in die Hand fiel. Manch einer stand vor seinem Liebsten, einem bekannten Gesicht, das ohne Herz war, ohne Emotion. Alatars Werk begann, langsam aber sicher die Überhand zu gewinnen und vollends zu siegen.

...

Die Edhil kämpften tapfer und lange gegen die Schar von Untoten, um an Kra’thor heranzukommen und ihn zu besiegen. Selbst die Überzahl der Kreaturen schreckte sie nicht und einer erhob gar die Stimme, um dem Feind entgegenzurufen: “Gib auf Dämon! Deine Macht hat hier ein Ende. Nimm diese, die du genommen hast, und begib dich zur Ruhe, auf dass man dich nie wieder wecke!“ Kra’thor sagte nichts und der Schleier an Blut um ihn herum der Opfer ließ ihn unnahbar wirken.
Doch dann erhob sich ein gleißendes Licht zwischen den Edhil und den Untoten und vor ihnen stand die einzig wahrhafte Lichtbringerin Temora. Kra’thor schrie durch das gleißende Licht auf und sein Blutmantel zerbarst in tausende Teile. In jenem Moment fielen die Untoten um und Kra’thor verschwand im Erdreich.
Die Worte, die sie sprach, waren klar und die Edhil gehorchten: „Wie auch ihr, bin ich zu spät gekommen um den Stadtbewohnern zu helfen. In meinem Namen.. sucht die Überlebenden und schützt sie.“

...

Der Kampf zwischen Temora und Alatar war gewaltig. Pranken trafen auf bloße Hände, grelle Blitze erleuchteten die Gegend und warfen ein diffuses Licht und Schattenspiel. Eine Schneise der Verwüstung und Zerstörung durchschritt die Ebene, in der die beiden Götter kämpften. Es kam der Moment, indem Temora zu Boden ging und der Panther die Oberhand zu gewinnen schien...wäre nicht das Eingreifen Gelmir Ancalime gewesen, der sich mutig in den Weg stellte und sein Leben gab für das Ablenken Alatars. Temora jedoch konnte die Klinge des Schwertes nutzen, um Alatar zu verwunden und seinen Rückzug zu erwirken.

...


Die Worte waren weitaus komplizierter geschrieben, fast kunstvoll in dem Band hinterlegt worden, sodass es mich Mühe kostete, weiterhin mit wachem Verstand an jene Geschichte zu gehen. Und doch...begann ich, den ersten Absatz zu verstehen, so war auf einmal die Neugier in mir geweckt, wie es weiter gehen würde, was als nächstes passierte. Ein Kampf....ein richtiger Kampf unter den Göttern. Noch nie hatte ich so etwas vernommen oder gehört. Wie muss es nur gewesen sein, welche Kräfte konnte ein Gott eigentlich haben? Die herrlichsten Bilder entstanden in meinem Schopf, während ich mühsam Zeile für Zeile abtastete mit dem Blick und sie langsam verstand. Gelmir Ancalime...Milady hatte mir bereits von jenem Elfen berichtet, der sein Schwert Temora für den Kampf gab. Doch dass er auch sein Leben ließ...jenes musste wirkliche Aufopferung sein. Das kurze Berühren der Hand Beaks ließ mich zusammenfahren, als er mir lächeln zeigte, dass es bald Zeit sei. Milady war vor geraumer Zeit bereits weg, ohne dass ich es bemerkt hatte und so holperte ich erstmal verwirrt aus der Bibliothek, um mich über die Lage zu informieren.

Ein Gericht war an jenem Tag. Die Frage von Schuld und Unschuld zu klären. Und auch wenn es nicht stattfand, es hatte für einige Fragen in meinem Schopf gesorgt. Ein Teufelskreis...ein ständiges Drehen von Argumenten und Worten. Mein Kopf rumort immer noch, wenn ich daran denke. Kluge Menschen, die an ihr eigenes Ego denken und wie die verletzte Raubkatze zu fauchen beginnen. So kam es mir zumindest vor. Ich hatte eine Weile mit Milady darüber gesprochen, versucht, das ganze irgendwie zu verstehen....und musste feststellen, dass auch in ihr noch viele Fragen offen geblieben waren.
Kirchengerichte...eine Sache, die wohl in der Enstehung erst war, vor allem unter dem gesamten Pantheon. Schon eine geraume Weile hatte ich darüber nachgedacht, wie jenes eigentlich funktionieren konnte. Die Götter...sie waren doch so verschieden und eigen in ihrem Handeln. Wie konnte man da eine gemeinsame Entscheidung treffen? Wie die Ideale Horteras mit Temora vereinbaren? Für mich ein Ding der Unmöglichkeit, doch sicher...werde ich es wohl irgendwann verstehen.

Verfasst: Freitag 30. Januar 2009, 19:09
von Leah Katuri
Beugen, ohne zu Brechen - Demut

„Was ich Euch nahelegen will, sind die Prinzipien von 'Baum und Halm', wie ich es für mich zusammenfasse, und beides wäre unter dem Gesichtspunkt der Demut als Tugend der Herrin zu verstehen. 'Baum und Halm' weist auf die Notwendigkeiten hin, in manchen Situationen aufrecht stehend den starken Halt zu bieten und sich nicht beugen zu lassen, oder biegsam wie der Halm sich selber unter der Gewalt des Sturmes zu beugen, um nicht gebrochen zu werden und sich hernach wieder aufrichten zu können.“

Hätte man mich vor einem Jahreslauf gefragt, welche Tugend ich als erstes mit mir verbinde und meinem Wesen, so wäre mein erster Gedanke, meine erste Idee die Demut gewesen. Ich empfand es stets als wichtig, das Haupt zu neigen und Respekt zu zeigen; empfand es wichtig, meine eigenen Interessen in den Hintergrund zu stellen. Was war das eigene Wohl wert, wenn man sich nicht um das Empfinden anderer sorgte und ihnen wenigstens ein Gehör schenkte? Demut... Ich weiß, warum ich einst den Bezug zu dieser Tugend verlor und nach und nach scheint es mehr und mehr Sinn zu machen.

Beugen statt sich brechen zu lassen. Nie wäre mir dieses Sinnbild in die Gedanken gekommen, hätte Milady es nicht erzeugt. Es hatte einen Wochenlauf gebraucht, bis ich verstand, was sie meinte. Und gleichzeitig möchte ich mich dafür verfluchen, _wie_ dieses Verstehen sich formte.

Die Nacht war kalt und erbarmungslos....wie Saveas Worte. Sie würde doch stets die Person bleiben, der ich vertrauen konnte, oder? Zweifel drangen lange nicht auf. Die Schuld lag eindeutig bei mir. Anders war es nicht zu erklären, anders machte es keinerlei Sinn für mich. Es konnte...nein, musste so stimmen! Und dann die wenigen, aber eindeutigen Worte Miladys: „Ihr habt den Fehler gemacht, diese Demütigung mit Euch machen zu lassen, Leah. Das ist 'beugen lassen'.“
Beugen lassen. Noch immer schwirrt es in mir rum und stellt alles in Frage. Ich hatte den Abend kaum einen Gedanken lange halten können nach dieser....“Beichte“. Milady war verschwunden, seiner Hoheit hinterher und ich saß in der ungewohnten Stube und versuchte immer noch herauszufinden, wieviel Schuld ich in mir tragen zu hatte und wieviel davon Göttergewolltes Schicksal war.

„Beugen lassen. Scheinbar kann ich das besonders gut.“

„Was man einmal verinnerlicht hat, kriegt man nur schwer wieder raus.“


Es hatte einen Moment alles in Frage gestellt. Alles, was in mir langsam andere Gedankengute anfocht und entwickelte. War ich nur Knappin geworden, weil ich mich ein weiteres Mal so beugen musste und konnte? Warum waren mir manches Mal Regeln so wichtig? Und warum war ich dann doch so, dass ich gern auf mein Herz hörte und dann Regeln doch wieder unwichtig waren? Wieviel Demut war wirklich in mir und wieviel davon war einfach nur erbarmungsloser Gehorsam?
Ein Spielball voller Gedanken und Fragen, doch nirgendwo die Antworten. Erbärmlich drang in mir das Gefühl der Hilflosigkeit durch den Körper und breitete sich stetig und langsam aus.
Fang an erwachsen zu werden! Doch ab wann war man so weit? In diesem Moment fühlte ich mich keineswegs reif, erwachsen oder besonders tugendhaft. Ich hatte versagt, auf voller Linie. Wieder einmal eine Sache, die eher zu einem Kopfschütteln führte statt einem anerkennenden Nicken. Langsam stieg der Gedanke auf, ein ständiges Leben im Kloster würde mehr helfen. Doch letzten Endes wäre auch jenes nur wieder ein Weglaufen, kein Stellen der Konsequenzen, die folgen würden.
Lange hatte ich mit Cyrion geredet, ihm zugehört. Es war einer jener Momente, in denen ich es genoss, seine Stimme zu hören. Der sanfte, warme Ton, die ruhigen, leisen Wörter, die an mein Ohr drangen. Er saß einfach nur mir Gegenüber und erklärte, beruhigte nach und nach meine Sinne und dämpfte die Sorgen ein.

„...Und eines Tages wirst du eine Knappin haben, und von dir zu ihrem Liebsten sagen: Sie ist eine Heldin.... und könntest du dies hören, würdest du dich wahrscheinlich wundern und dich fragen: Ja wo denn?“

Helden. Es heißt, ein wahrer Held stirbt bei seiner größten Leistung, die er in seinem Leben je vollbringen könnte. Danach würden sie nämlich fallen und nicht mehr als Helden gelten. Und wie oft man fragen würde, stets würde der Held sich nie als einer sehen. Wahrscheinlich würden sie dezent auflächeln und den Kopf schütteln über die staunenden Augen und offenen Münder. Sie sind diejenigen, die die Tugenden leben...und demütig bleiben.

Beugen, um wieder aufrecht zu stehen, nicht sich brechen zu lassen. Ich weiß nicht, ob ich meine Lektion gelernt habe, ob ich es wirklich besser machen. Cyrion sieht so viel hoffnungsvolles in mir, dass ich mich selbst oft frage: Wen sieht er statt meiner Person? Oder ist es eine Täuschung, die sich auftut, wenn ich selbst in den Spiegel blicke?
Wir lernen aus unseren Fehlern, die wir begehen...

Und warum lässt der Zweifel mich nicht los? Er wird wohl erst verfliegen, sobald ich meiner sicher sein kann und die nächste Prüfung bestehe. Und in Zeiten wie jenen...kann ich sicher sein, sie wird kommen.

Verfasst: Freitag 13. März 2009, 16:08
von Leah Katuri
Intermezzo - Oder: Vertraue dir

Der Regen prasselte auf den kalten Stein, stetig und ruhig. Nur ab und an flaute der Wind auf, wog die Regentropfen hin und her und schenkte dem monotonen Trommeln eine neue Rhythmik. Kein Schritt verirrte sich in den Tonus des Regens, kein Hall in den Kreuzgängen des Klosters. Nur hier und da nahm ein Akoluth den Weg rasch über die Wiese zu seiner Stube oder der Bibliothek.

Alles ist eins...

An jenem Ort herrschte Frieden. In diesem Moment, zu diesem Zeitpunkt. Der Regen wirkte beruhigend und die Kälte war längst in eine annehmbare Kühle umgeschlagen. Schwach leuchteten die Lichter in dem Gang und wiesen hier und dort Schatten auf.

Das ist nicht dein Ort, nicht dein Platz...

Die Baumkrone war wie eh und je von einem saftigen grün geschmückt. Tropfen perlten langsam die Blätter herunter, vermischten sich für kurze Momente mit dem silbernen Schimmer, der von dem Baum ausging, um dann nur einen Sekundenhauch später zu Boden zu fallen.

Versuche nicht das zu sein, was du nicht bist.

Der Baum des Lichtes...wieder schien der Regen dieses Geschöpf, dieses Wunder nicht zu berühren und doch sog die Erde darunter begierig die Nässe ein, nährte den Boden und das Gras um den Stamm herum. Erste Triebe waren zu erkennen, die sich an den freien Stellen des Bodens ihren Weg zum Himmel suchten, um auf die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings zu warten. Bald würde die Welt wieder ein wenig heller sein, ein wenig freundlicher scheinen aufgrund der vielen Farben. So wie jedes Jahr...und dennoch war alles anders.

Draussen, ausserhalb der Mauern des Klosters herrschte weiterhin Krieg. Die andauernde Ruhe, der scheinbare Frieden wirkte grotesk und unwirklich an jenem Ort. Lange hatte man nichts mehr über eine Schlacht vernommen oder eine große Zahl von Gefallenen. Gedanken und Befürchtungen, die man in Zeiten des Friedens nie in Erwägung zog.

Schenke dir Vertrauen...und der Herrin.

Langsam löste sich ein Schatten aus einem der Säulenbogen und trat in den Kreuzgang. Sie mochte diese Tage. Tage, an denen die Gedanken schwimmen konnten und keine Stimme an ihr Ohr drang, um sie wieder zu verwirren...oder zu rügen. Der Schritt führte sie langsam durch den steinernen Gang in Richtung Süden. Das Hallen mischte sich nun zu dem Trommeln der Tropfen und dem an und abflauenden Wind.

Begehre nicht, was du nicht bekommen kannst. Sei dankbar für das, was du erhälst.

Die ersten Tropfen berührten das Haar, die Stirn, als sie im Schritt innehielt und zur Seite sah. Zu ihrer Linken befand sich das Haupttor des Klosters. So trist, so dunkel erschien es in diesem Regen und der dunklen Himmelsfront über ihr. Langsam wand sich der Schopf zur anderen Seite, blinzelnd, um den Tropfen entgegenzuwirken, die sich mehr und mehr ihren Weg durch den Stoff ihrer Kleider, ihr Haar und über die Haut suchten. Groß, einladend, vertraut...die Kapelle des Klosters. Es zog sie an; eine indirekte Einladung, dort zu verweilen und zu ruhen, zu sich zu finden....

Die Zeit kann nicht angehalten werden. Wir müssen diese Erfahrungen machen.

Um jene Uhrzeit waren nicht viele Priester in der Kapelle und so bahnte sich ihr Schritt wie so oft direkt vor den Altar. Ihr Schritt hielt inne vor den Stufen, der Blick bahnte sich seinen Weg zu dem Ankh, welches wie von Innen zu leuchten schien. So hell, so unberührt war der Stein, so meisterlich bearbeitet. Die Tropfen des Regens verrannen, suchten sich vom Haaransatz ihren Weg über die Schläfe an der Wange herab zum Kinn.

Bilder tauchten auf. Bilder, die im Moment schwerer wogen, als der Krieg.
Gesichter von Menschen, denen sie vertraute...die sie auf ihre Art und Weise liebte.
Fehler waren gemacht worden, Worte ausgesprochen, Taten begannen, die nie hätten ausgeführt werden sollen. Nutzlos, Sinnlos... Doch der Drang, den Fehler bei sich zu suchen, war seit geraumer Zeit verflogen. Ihr Weg war so, wie er war. Warum noch rütteln, wenn man es nicht ändern konnte?

Wir alle machen Fehler. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen.

Die Idylle war verflogen, der Traum wich der Realität. Sie musste sich vertrauen und konnte nur so viel geben, wie man es ihr zubilligte. Kein Aufdrängen...einfach da sein. Es war nicht so, dass sie begonnen hatte, gleichgültig zu sein. Nein... Noch immer würde sie ihr Leben geben; für Savea....für Milady. Würde sich davor stellen, wenn es die Situation erlauben würde. Auch wenn man sie Sturkopf schimpfen würde oder naiv. Man sah ja nichts anderes in ihr. Sah nicht den guten Willen, der dahinter steckte, sondern rügte sie für ihr Herz, für ihr Gefühl.

Muss einem wirklich erst jegliches Gefühl entweichen, dass man richtig handeln kann?

Langsam sank sie auf das rechte Knie, das linke angewinkelt. Sie hatte inzwischen die Stufen erklommen und die Hände wie selbstverständlich zusammengefaltet. Der Kopf senkte sich demütig, die Augen schlossen sich, als eine weitere nasse Spur sich ihren Weg über die Haut suchte und am Kinn verrann. Ein salziger Nachgeschmack bildete sich auf ihren Lippen, als sie die Zungenspitze über die Lippen fahren ließ. Die Welt schien einen Moment einzufrieren und die Zeit still zu stehen, so ruhig kniete sie einfach dort, den Schopf gesenkt, ruhig atmend. An den Fenstern der Kapelle vernahm man nur leise die Regentropfen. Hier und dort ein Knacksen eines Dochts, dessen flackernde Flamme sich in das Wachs fraß und eine Luftblase geöffnet hatte. Auf den Bänken saßen oder knieten davor Akoluthen, ihre Gebete murmelnd oder verständlich sprechend.

Hör auf dein Herz...

Weitere Salzspuren suchten sich ihren Weg über die Haut, während sie das stumme Gebet suchte, in Gedanken sich ihren Weg zu Temora suchte und der Ruhe, die sie so brauchte.

Einsam...fühlte sie sich wirklich einsam? Sie war in Schranken zurecht gewiesen und für ihr Verhalten auch entsprechend getadelt geworden. Zurecht gewiesen... es hinterließ diesen bitteren Nachgeschmack der Erkenntnis. Verantwortlich sein für seine Taten, sein Handeln. Sie hatte die Quittung erhalten, hatte ihre Verantwortung auferlegt bekommen. Niemand, der ihr die Hand bot, den Schutz.
Milady hatte ein Kind zu erwarten, ihre Launen zeugten davon, dass es ihre erste Schwangerschaft und sie sich an jene neue Erfahrungen gewöhnen musste. Doch genauso verstand sie, dass sie nicht mehr sein durfte....konnte, als ihr Lehrling, ihre Schülerin. Savea....
Noch immer zog sich das Herz zusammen und der Magen verdrehte sich bei dem Gedanken an die Abweisung. Kein Vormund mehr...keine...Mutter. Ja, sie wagte, dieses Wort zu denken, wagte, es mit ihr in Verbindung zu bringen. Doch die Verantwortung war nun auf ihren Schultern, ihrer Person. Sie wusste noch um die Worte, wusste, wie ihr empfohlen wurde, sich ‚jemand Neues‘ zu suchen.

Nichts ist einfach so ersetzbar.

Langsam löste sie die Verschränkung der Finger, wischte sich dezent mit der Hand über das Gesicht, um jene Geste weiter zu führen und ein Ankh über die Brust zu schlagen während sie sich erhob. Der Blick hatte sich, kaum mit dem Erheben, wieder auf das Ankh fixiert und blieb eine geraume Weile dort, ehe sie sich umwand und der Schritt sie fest aus der Kirche führte.

Erwachsen werden ist nicht leicht.

Verfasst: Samstag 20. Juni 2009, 05:24
von Leah Katuri
Erwachsen werden:

Ein Blick in den Spiegel und alles schien anders, als es noch vor einiger Zeit war. Eine junge Frau blickte sie an, zeigte offen eine Verwunderung und Überraschung im Blick.
Ordentlich war das Haar geflochten und hing in den Rücken hinein, während eine einzelne Strähne aus jenem herausgelöst worden war, um die weichen Gesichtsformen zu betonen. Drappiert, gewollt und doch zufällig...Der Blick ging weiter herunter, musterte die Kleider der jungen Frau im Spiegel.
Die Weste lag weich am Körper, betonte dezent den trainierten Körper und die Formen, die sonst eher versteckt waren. Der Schwung in der Hüfte wurde durch den Lauf des Rockstoffes abgemildert und ging dann fließend bis zum Boden und dem Saum.
Langsam schweifte der Blick der blauen Augen wieder herauf und betrachtete das Gesamtbild der Erscheinung, welche sich ihr da bot. Eine junge Frau, die im Blick nicht einmal von sich behaupten konnte, so etwas wie Lampenfieber zu haben. Nein...

Sie würde an dem Abend einen Gang nach dem anderen den Gästen geben. Sie wusste, wieviel Wein in die Gläser eingeschenkt werden sollten und von welcher Seite serviert wurde. Und sie wusste, warum sie dort war: Die Bekanntgabe der Verlobung der Hochgeboren von Dragenfurt und des Edlen van Tilianas. Noch einmal richtete sie die Ärmel des Hemdes, strich die Strähne etwas nach hinten und raffte den Stoff am Rock, um den Weg aus der Herberge und in das Adelsviertel Adorans sich zu bahnen.

Es fühlte sich langsam wieder gewohnt an, Stoff nur um die Hüften zu haben und nicht noch um die Beine herum. Das Rascheln des Rocksaumes floss in den lauen Abend mit hinein und dem Scheppern der Wachmänner. Ja sicher, die Rüstung hätte sie nun auch lieber an, aber es war nicht zu vermeiden und wie hieß es so schön? Eine Frau hatte auch andere Waffen; auch wenn sie sich jener nicht wirklich bewusst war. Es war schon erstaunlich, dass sie nun ihre Sprache, ihre Worte in der Schrift genauer unter die Lupe nahm. Geschriebenes war wichtig, denn man konnte das geschriebene Wort nicht kommentieren oder umändern. Ein Brief wurde gelesen ohne der eigenen Anwesenheit... eine logische Sache, die sich ihr erst mit dem Unterricht der Freiin erschlossen hatte. Überhaupt...das langsame Reifen ließ sich nicht leugnen und dass sie langsam sicherer wurde.
Erst nachdenken, dann handeln..., immer mehr schaltete sie erst den Kopf ein, wog ab und ließ sich hier und dort eine Erlaubnis einholen. Der Bauch und das Herz waren noch immer da und schlichen sich immer wieder ein, aber...sie begann, jenes auch zu bemerken. Das Korrigieren war der nächste Schritt, aber auch jenes machbar, so redete sie es sich zumindest gerne ein.

Kurz tauchte ein Gedanke auf und ließ ein Wort auftauchen: Cyrion. Tief holte sie Luft, als sie das alt bekannte Problem wieder hervorholte und sich damit beschäftigte. Er war immer ein Grund, wieder das Herz entscheiden zu lassen, den Bauch. Aber es ging mehr und mehr nicht gut. Nicht, wenn sie alles richtig machen wollte und zu dem werden, was man mehr und mehr von ihr erwartete: Eine vernünftige und gut ausgebildete Ritterin.
Die Luft wurde ausgestossen und ein Blick eines Gardisten ignoriert, als sie den Rock etwas raffen musste, um die Stufen der Brücke ohne ein Stoffreissen zu überwinden. Sie hatte mit ihm geredet, mit Cyrion versucht, zu reden und doch hatte er es nicht sehen wollen. Nun musste sie handeln. Sie würde Milady fragen...oder doch jemanden anderen? Lange konnte sie nicht darüber nachsinnieren. Es war an der Zeit, für Mariella da zu sein...und die Gäste.

Es lief...unwahrscheinlich gut. Keine Panne, kein Nervenzusammenbruch, kein zerbrochenes Geschirr. Liralia und sie ergänzten sich schweigend, abgesprochen...eben wie Schwestern. Die üblichen leisen Neckereien untereinander gehörten schon fast dazu und wurden mit den amüsierten Blicken gemischt. Die offenen Worte in der Küche waren Balsam zu den hohen Gesprächen am Tisch und man konnte meinen, dass man den Haken an der ganzen Sache ausnahmsweise mal vor der Türe gelassen hatte.

Bis der Haken auftauchte.

Die Leute waren außer Haus, der Abend war beendet....im Offiziellen. Die hohen Herren wurden privat und man begann...locker zu sein. Die erste Hürde, die an diesem Abend nicht zu überwältigen war. Ungewohnt locker gingen die Worte über die Lippen der Hochgeboren und des Edlen und sogar Liralias. Und sie selbst...verstand die Welt nicht mehr. Seit wann wurde man so legere? Herr Adamas war noch anwesend und doch....schien alles anders. Fragen über zukünftige Männer und dergleichen schreckten in ihr noch mehr ab und sorgten für die einzig richtige Entscheidung: Den Abwasch zu machen. Es lenkte sie immer ab, wenn sie etwas zu tun hatte und so kam ihr das dreckige Geschirr nur allzu entgegen. Nur zu sehr erinnerte es an die nächtlichen Abwaschexzesse im alten Anwesen Miladys, wenn sie sich beschäftigen musste und nicht nachdenken wollte. Diesmal war es jedoch nur ein reiner Fluchtgedanke.

Es war mitten in der Nacht, als sie blass wie der Mond und mit rasendem Herzen aus dem Anwesen Mariellas trat. Der Magen rumorte, obwohl sie den Wein nicht angerührt hatte und noch immer waren die Härchen auf den Armen steil aufgestellt und bekräftigten nur umso mehr den Schauer, der ihr über den Rücken lief. Er hat sich nur verwandelt...nur....ein...Spaß....ein schlechter....Scherz. Immer wieder versuchte sie, sich die Worte in Erinnerung zu rufen; ohne Erfolg.
Schemenhaft glitt das Bild eines Gesichtes auf und eines blankes, weißes Grinsens, dass ihr mehr als böswillig erschien. Er ist dir schon seit Ewigkeiten nicht begegnet! Du wirst ihn nicht mehr wiedersehen! Dummes Ding du! Sie musste es sich wohl eingestehen: Magie war das Letzte, was sie als geheuer empfand. Immer wieder assoziierte eine Handlung, ein Erscheinen eines Gegenstandes oder das Verwandeln sofort die Gestalt eines Letharen...eines bestimmten. Nein, es war überhaupt nicht lustig gewesen, wie der Edle als Schlange ihnen einen Schreck eingejagt hatte. Es war kein Spaß, mit der Angst von anderen zu spielen und es war keineswegs nur ein gutgemeinter Scherz, unter Röcke zu kriechen! Mitten in diesem Gedanken und auch im Gang innehaltend, erstarrte die Figur der Knappin und wurde noch steifer. Sie war kurz vor der Herberge angekommen, beachtete jedoch nicht die skeptischen Blicke der Wachen, die wohl abwägten, ob sie krank sei oder nur müde durch die Uhrzeit und rannte im nächsten Augenblick in die Herberge, um das kleine Bad im oberen Stockwerk aufzusuchen. Auf deiner Haut! Auf deiner Haut!!!

Es dauerte, bis man das Geräusch der Stubentür im unteren Gang vernahm und das Schliessen des Schlosses vernahm. In Tücher verpackt, lief sie auf nackten Füßen in den Raum hinein und verharrte ein weiteres Mal vor dem Spiegel, der ihr nun ein völlig anderes Bild lieferte: Das kastanienbraune Haar schimmerte matt und dunkel durch die Nässe. Strähnen klebten in der Stirn und hingen wirr an der Seite in alle Richtungen. Die Blässe aus den Wangen war gewichen und hatte sich durch das Abrubbeln in einen leichten Roséton umgewandelt, auch wenn sie keineswegs von Gesundheit oder Wohlbefinden zeugen konnten. Das blaue Augenpaar zeigte Erschöpfung, Enttäuschung und...weitere Erkenntnis. Langsam wand sie den Blick ab und packte sich in ihr weites Nachthemd, um sich dann ins Bett fallen zu lassen.

Nur die Erfahrung lässt uns reifen. Ohne sie...würde man nicht erwachsen werden.

Verfasst: Montag 29. Juni 2009, 23:29
von Leah Katuri
Gerechtigkeit-in jedem Sinne?

Unruhig wieherte der Braune auf, als ich ihn von dem Pfosten band und ihn aus der Stadt führte. Das Wetter am schwanken, die Luft stand vor Wärme und man sehnte geradezu den nächsten Regenguss herauf, der bereits am späten Nachmittag über Gerimor hinweggefegt war. Keine Rüstung zierte diesmal meinen Körper, kein störendes Klappern; nur das Schwert nahm ich wieder in Empfang, als ich die Wache passierte und die Stadt verließ. Adoran...ab und an erdrückte mich diese Stadt und ich wusste nicht warum. Aber war es wirklich diese Stadt oder die Tatsache, dass ich mehr Verantwortung übernahm, mir bewusst machte, welche Aufgaben die meinen waren und welche nicht?
Sicher, der Edle hatte viele richtige Worte gesprochen, doch mit falschen Beispielen gefüllt. Nein, mich scheuten keine Männer, sondern nur ein einziger. Der, dem ich verfallen war und der wie die verbotene Frucht mich ständig in den Bereich ohne Regeln ziehen wollte.

Der Wind wehte warm in mein Gesicht, die ersehnte Erfrischung blieb weiterhin aus, sodass ich Teron nur langsam antraben ließ und ihn in den Osten steuern ließ. Er war mittlerweile zahmer, vertraute mir und bockte nicht mehr so oft rum. Nur wenn ihn sein tierischer Instinkt trieb. Leise seufzend hing ich dem Gedanken noch eine Weile nach, nur um Momente später dem Braunen die Sporen zu geben und in einen Galopp überzugehen. Mein Ohr wurde erfüllt von den Geräuschen der knackenden Ästen unter den Hufen, dem Rauschen der Luft und dem Schnauben des Pferdes. Mein eigener Atem mischte sich dazu, die Anspannung in den eigenen Beinen spürbar, um dem Rhythmus angepasst zu sein und dem raschen Schritt des Pferdes. Immer weiter in den Osten, weg von Adoran, vorbei an der Schwertwacht; schweigend, stets die Geschwindigkeit beibehaltend. Erst als die Küste in Sicht kam, minderte ich das Tempo und ließ den Braunen austraben. Ich spürte, dass Teron seine Kräfte etwas strapaziert hatte, ließ ihn halten und stieg herunter, um ihn ausruhen und grasen zu lassen. Die Brandung des Meeres klang bereits dumpf an mein Ohr und lockte zum Näher kommen. Automatisch lenkte ich den Schritt näher, die Fibel des Umhanges öffnend und nahe des Kliffs auf den Boden legend, um mich darauf niederzulassen.

Läufst du vor deinen Gedanken weg, Knappin? Die Frage tauchte wieder auf, kaum dass die Geschwindigkeit und Konzentration des Ritts verflogen war. Rannte ich vor Gedanken weg? Wer, wenn nicht ich, konnte die Antwort darauf finden.

Was ist Gerechtigkeit? Ist es gerecht, Menschen mit Gewalt zu strafen, um zu erwarten, dass sie sich ändern? Würdest du nicht auch töten, wenn es sein muss? Wenn es sein muss...wann musste es sein und wann war es nur eine Willkür? Ein weiteres Seufzen flog über die Lippen. Ich wusste es nicht, konnte es nicht benennen und präzisieren. Sicher, Strafe musste sein... Doch musste Ungehorsam mit Gewalt gesühnt werden? Adelsbeleidigung, Wehr gegen die Festnahme...Beleidigung gegen den Klerus... nach und nach zählte ich die Punkte ein weiteres Mal ab, die mir die Freiin genannt hatte. Bernau war kein Ketzer, er war ein Sternenjünger gewesen undd folgte sicher noch dem Weg Horteras. Wäre es ein rahalischer Gläubiger gewesen...Ja, was dann?

Haben sie dich so behandelt, weil du...anders war? Meine Rechte fuhr kurz in den Rücken, unter den Stoff, um kurz über eine der verhärteten Narben zu fahren. Eine Peitsche kann keinen Willen brechen. Dann kann es doch keine gerechte Strafe sein...warum also wird sie dann doch angewandt? Sie verstand es einfach nicht. Sicher, man musste sich gegenüber einem Ketzer, einem Brudermörder unnachgiebig geben, fest zu seinen Grundsätzen stehen. Und doch...wo war das Mitgefühl, die eigene Ehre, den Schwächeren ziehen zu lassen. Der Blick der Freiin, als ich ihr sagte, dass ich den Rabendiener hatte ziehen lassen... War es so falsch, dass ich nicht sofort mein Schwert gezogen hatte? Hatte ich Angst, irgendwann den ersten Menschen zu töten?
Vielleicht...meine Klinge war noch nie getränkt gewesen in dem Blut eines Menschen, eines anderen, der daran erlag. Und somit würde ich die Tapferkeit nicht schätzen...Unzufrieden stieß ich die Luft aus und ließ mich auf den Rücken fallen, um den vorbeiziehenden Wolken im Himmel zuzusehen, wie sie vom Wind weggerissen wurden. Bald würde der Abend sich vollständig ankündigen und die Nacht über das Land Einkunft finden. Ich dürfte nicht mehr allzu lang hier mein Lager aufschlagen. Man musste ja vorsichtig sein...heutzutage.

Gerechtigkeit. Sandroval hatte damals gesagt, es würde stets das richtige beinhalten...aber Gesetze in einer Stadt sind doch auch richtig. Sie haben richtig zu sein, der Rat wird doch wohl kaum willkürliche Entscheidungen treffen... Willkür. Zu oft spukte das Wort nun schon in meinem Schopf herum, nur weil ich es von der Freiin heute gehört hatte. Und wie ungeschickt ich mich doch wieder aus der Affäre gezogen hatte. Ob sie ahnte, von wem ich ein Versprechen und Geheimnis hüten musste? Ich war immer zu durchschauen. Man las ja wie in einem Buch in mir...Bitter stieß mir der Gedanke auf. Daran hatte ich so ewig nicht mehr gedacht, obwohl es wahr war. Savea, Milady und nun die Freiin? Ich sollte einfach endlich lernen, gescheit meine Gefühle zu verbergen. Doch Andreas Geständnis, dass er die Strafe Bernaus auf sich nehmen wollte. Falsche Opferbereitschaft... und falscher Stolz?

Die ersten Regentropfen und ein tosendes Brechen der Wellen katapultierte mich aus meinen Gedanken heraus und ließ mich auffahren. Teron war bereits näher angetrabt, sodass ich mit nur wenigen Handgriffen meinen Umhang wieder aufgenommen, in die Satteltasche gelegt und aufgestiegen war, um den Rückweg anzugehen. Mein Blick richtete sich noch einmal zu der dunklen Brandung und den noch dusterer scheinenden Wellen, die unheilvoll im Sommerwind gegen die Klippen brachen.

Die gerechte Seele wird Emotionen gegen Logik abwägen und hiernach beurteilen. Vorurteile und Gerüchte werden durch die Gerechtigkeit hinfortgewischt. Eine gerechte Seele achtet nicht auf Stand oder Ansehen, sondern ist bemüht die Wahrheit aufzudecken und nach dieser zu urteilen ohne Furcht. Die Gerechtigkeit darf im Leben niemals gezügelt werden. Der feurige Wille, der uns im Leben zur Gerechtigkeit drängt, mag die Wahrheit manchmal aus den Augen verlieren. Darum suche stets nach Ausgeglichenheit und Ruhe um mit Weisheit zu richten. Denn diese Weisheit allein ist es, die die Wahrheit aufdeckt und so zu wahrer Gerechtigkeit führt.

Verfasst: Dienstag 20. Oktober 2009, 16:14
von Leah Katuri
Die Unschuld zu verlieren...

“Kinder Eluives Schöpfungsgeschwister... und auch ihr Sohn des Cirmias...
Es sind dunkle Zeiten in denen wir Leben...
Alatar und seine Spießgesellen rufen zum Sturme auf;
sie bringen Tod über unsere Länder und Familie...
Doch wisset die Hohe Lichtbringerin ist mit einem jedem der ihre Lehren im Herzen trägt.
Jene, deren Schwertarm von Tapferkeit und Ehre geführt
und deren Seelen von Demut und Mitgefühl getränkt sind,
tragen ihren Segen zu jeder Zeit an jedem Orte bei sich.
Schöpfungsgeschwister; wir reiten heute in die Schlacht...
doch lasst sie uns nicht aus Zorn oder dem Gefühl nach Rache bestreiten;
dieses sind die niederen Motive des Feindes.
Wenn wir streiten,
so streiten wir im Namen der Tugend und der Götter,
im Namen der Notwendigkeit dem Dunkel Einheit zu gebieten,
und da dies unser Ziel ist Brüder und Schwestern,
ist die Herrin mit uns.
Sammelt das heilige Licht in euren Herzen und es wird die Dunkelheit verbrennen!
Wir ziehen zum Schutze des Lichtes...
Temora ist mit uns und mit ihrem Willen werden wir siegen.
DEA IUBET – die Göttin befiehlt es!“


Man sagt, der Krieg würde einen verändern. Er würde zeigen, dass die Welt erbarmungslos und kalt sein kann. Die niedersten Instinkte eines Menschen würden erwachen und nur auf eines zielen: Zu Überleben... Die größte Ehre sei es, auf dem Feld der Schlacht zu sterben. Nur dann sei man ein Held...ein ehrenvoller Mensch, der für das Gute starb und seine Pflicht erfüllte.
Doch wo war dieses Gefühl der Ehre? Wo das Gefühl, im Sinne der Herrin gehandelt zu haben? Stattdessen...der schale Geschmack der Übelkeit im Rachen und stets das Bild Sterbender vor dem inneren Auge zu haben. Man hatte sie gewarnt:
Es verändert einen, wenn man das erste Mal einen Menschen umbringt...

Unruhe und Nervosität waren steter Begleiter an diesem Abend. Die Eilnachricht war zu rasch angekommen und ließ die Unruhe wachsen: Der Feind wusste um den Angriff und würde sich rüsten. Und doch wollte man nicht umkehren, wollte das beenden, was man begonnen hatte: Rahal sollte sehen, dass man nicht tatenlos zusah und sich wehren konnte. Und mitten unter erfahrenen und tapferen Soldaten, Ordensleuten und Freiwilligen...Sie.
Welches Gefühl umgab die Knappin unter dem Heer, welches geführt wurde von Erlaucht von Arganta? Unsicherheit würde es wohl umschreiben mit einer guten Portion Nervosität und Anspannung. Die Ausmaße des Abends und dessen Ende waren ihr kaum bewusst.

„Heute gibt es ZWEI Ziele. Ziel Nummer Eins ist das Haus von Alexyos Rachus in Bajard. Es wird niedergebrannt um ein Exempel zu statuieren. Ziel Nummer ZWEI ist die alte Greifenfestung...“

Sie hielt sich zurück bei der Exempelstatuierung. Man hatte sie zuvor nicht eingewiesen und das Letzte, was sie unterstützen wollte, war die Zerstörungswut. Sie hatte den Namen zuvor nicht gehört, nur auf dem Ritt vernommen, dass jene Person im Bunde mit Rahal stand und man so auch die Menschen in Bajard “warnen“ wollte. Zu sehr erinnerte es sie an Ausführungen der Bruderschaft; nachvollziehen konnte sie jene bis dato nicht. Sie schien die Einzige oder zumindest schien es ihr in diesem Moment. Sie sah das Funkeln in den Blicken, hörte die begeistert enthusiastischen Ausrufe und vernahm das Klirren der Klingen sowie das Knacksende Geräusch der Fackeln.
Der Bann des Kampfes und der Durst nach Rache schien bereits seinen Griff fest um die Männer und Frauen gewoben zu haben. Und doch gab es da noch eine Reiterin, die nicht wusste, ob sie am rechten Platz zur rechten Zeit war...die den Bann als fremdes Wesen wahrnahm und sich nicht darauf einließ. Zu sehr das Gefühl des Neuen und der Befremdnis, als dass es einen positiven Eindruck erschuf.

Es schien alles so einfach und strukturiert...das Haus brannte und die Truppen formierten sich stringent nach den Befehlen der ausführenden Befehlshaber. Man kam bis zur Festung, gelangte in jene und ließ auch dort die ersten Feuer entstehen. Selbst die Feindbewegung, die sich außerhalb der Mauern entwickelte, schien wie einstudiert und man sorgte sich kaum um jene, da man sich innerhalb der Mauern befand und bald über die Wirkung des Magus von Goldenfall wieder wohlbehalten zurückkehren konnte.
Keine Verletzungen, keine Gefallenen und keine ausschweifenden Kämpfe, die an Kraft und Nerven zehrten. Es schien alles zu glatt, zu perfekt...

Mit dem Durchtreten des Portales begann der Alptraum. Der Hengst wieherte dunkel auf und wurde nervöser, als er den ganzen Abend bereits war, Dunkelheit umgab die Truppe, die sich klirrend ihren Weg bahnte. Die lauten Rufe, die raschen Befehle hallten unwirklich in ihren Ohren und ehe sie es sich versah, führte der Weg sie durch ein weiteres Portal mitten in die heilige Stadt. Weitere Rufe, Befehle und die ersten Kampfschreie schossen durch die Luft und zogen das Band des Bannes enger und enger. Und kaum dass sie es sich versah, war sie inmitten dieses Bannes und ritt mit den anderen Reiter durch die Strassen Rahals. Die Klinge in der Hand, vertraute sie dem Hengst unter sich und behielt nur locker die Zügel in der Schildhand, während man die Alarmglocken vernahm und erste fremde Rufe vernahm. Soldaten tauchten auf...in dunklen Rüstungen, blutroten Umhängen und einem Blick, der verriet, dass sie bis aufs Äußerste gehen würden, um ihre Stadt zu verteidigen.

Eisen traf auf Eisen, Stahl auf Stahl...Unwirklich hallten die Rufe durch die Gegend, während die Pferde sich aufbäumten und schrill aufwieherten. Hufe klapperten auf den Steinwegen, Menschen gingen klirrend in ihren Rüstungen zu Boden. Man drängte sich zusammen, versuchte, noch so jede winzig kleine ungeschützte Seite des Gegners zu treffen und sich selbst zu schützen. Ein Schlachtfeld hätte mehr Schutz geboten; hätte wissen lassen, dass man noch die Flucht wählen konnte...statt des Todes. Die Rillen des Pflasterweges waren schon bald vom Blut der Gefallenen getränkt, Körper in dunklen Rüstungen säumten den Weg, in dem es weiter hektisch zuging. Von Fern schlugen erste Rauchsäulen hinauf und bezeugten, dass die ausgesandten Befehle ihre Erfüllung gefunden hatten.

Das Blut rauscht durch deinen Kopf und du glaubst, dein Herz würde zerbersten. Wild pumpt der Körper das Lebenselixier durch deine Adern und treibt das Adrenalin immer weiter hinauf. Schon bald glaubt man, die Zeit wäre unwirklich und stillgestanden. Man hat kein Gefühl für das Hier und Jetzt, sondern besinnt sich nur noch auf seine Instinkte: Man will Überleben, aus diesen lodernd brennenden Tiegel entkommen und sich in Sicherheit wissen. Man fängt erst gar nicht an, darüber nachzudenken, ob der Kämpfende dir gegenüber eine Familie hat, ob er Kind und Frau hinterlässt. Wenn du ihn nicht tötest....wird er es mit dir tun. Deswegen denkt man gar nicht nach....man handelt einfach und versucht, zu überleben.

Sie erinnerte sich letztendlich nur an zwei, denen sie den letzten Stoß gegeben hatte aus der hiesigen Welt in die Arme der Mutter. Und doch war ihre Klinge weitaus öfters benutzt worden...Blut klebte an dem sonst so in der Sonne glänzenden Metall. Die engstirnige Rückkehr in den Schmelztiegel war wohl schon ohne jeden Verstandes. Es hatte sie auch büßen lassen, als der erste Bolzen sie vom Pferd riss und eine Klinge sich fast in sie verirrt hätte. Ira hatte sie da irgendwie rausgeholt samt des Mannes, den sie auf das Pferd gehievt hatten. Sie würde kaum herausfinden, wen sie da nun rausgeholt hatte und ob er noch lebte oder nicht...
Der Verteidigungskampf vor Adoran rannte an ihr vorbei, ohne dass sie wirklich an jenem anwesend war. Die Verletzungen schmerzten und ließen nur das Nötigste zu, während die Gedanken noch immer nicht wirklich zurück im Bereich des Vernünftigen angekommen waren. Sie hatte irgendwann Ira aus den Augen verloren, versuchte sie zu suchen...bis die Erinnerung ausblieb und sie im Heilerhaus wieder aufwachte.

Das Schlimmste sind die Bilder danach...wenn man wieder klar im Kopf ist und alles noch einmal sich vor das geistige Auge rufen kann. Man fragt sich, wie man zu solch Handeln fähig sein kann und wo bei dem Ganzen die Ehre ihre Position hat...
Sie fühlte sich weder ehrenhaft, noch demütig, noch aufopfernd an jenem Abend, als sie mitten in der frühen Nacht die Heilerin soweit überredet hatte, im eigenen Bett schlafen zu dürfen und sie sofort am nächsten Morgen zur Kontrolle der Verbände und Wunden vorbeikommen würde.
Keiner hatte sie gewarnt, wie es sein würde nach der Schlacht mit den Gedanken allein zu sein und nur später kam die Erkenntnis, warum Soldaten sich so gerne am Feuer betranken nach einer gelungenen Schlacht. Man konnte weiter die Gedanken vernebeln und am nächsten Morgen würde der Kopfschmerz zunächst Thema sein, bevor man sich wieder in den nächsten Kampf stürzte...
Doch es würde keinen Kampf geben am nächsten Tag...keinen geplanten zumindest. Man würde zur Tagesordnung übergehen und sich wieder dem widmen, mit dem man vertraut war. Doch die blutige Klinge, die von ihresgleichen blutgetränkter Wappenrock und Rüstteile verrieten, dass sich etwas verändert hatten. Und auch die Träume, die sie wieder schreckensgleich in der Nacht heimsuchten, waren Zeugen von dem, was geschehen war: Die Unschuld war auf dem Schlachtfeld unter Rauchsäulen zurück geblieben...so wie viele tapfere Kämpfer und Kämpferinnen.

Verfasst: Freitag 9. April 2010, 23:20
von Leah Katuri
Gedanken über die Zeit

Der Ritter muß zwei Herzen haben, ein sanftes und eins so hart wie der Diamant. Das sanfte Herz muß weich sein wie Wachs, das harte Herz so hart wie der Diamant. Der Diamant bleibt unverändert so, wie man ihn gefunden hat, er läßt sich weder schlagen noch gravieren...

Mitgefühl, Demut, Ehre, Opferbereitschaft, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Geistigkeit.
Eine jede Tugend wird geleitet vom Gefühl, von dem inneren Bewusstsein des Herzens, dem Verstand und dessen Einklang. Allein jenes Gleichgewicht zu erreichen grenzt an ein Ziel, das stetes Voranschreiten bedeutet und kein Innehalten, das kein Rasten zulässt.
Es heißt, man müsse seinen Weg mit der Zeit auch alleine begehen können; der rechte Wille, die innere Kraft lässt einen weitergehen, ohne furchtvoll zurückzusehen.

„Wie verläuft eure Ausbildung?“

„Das ist eine Frage, die ihr wohl Milady stellen müsst.“

„Fast abgeschlossen. Ich würde nur mit ihrer Eminenz gerne darüber nochmal reden, aber irgendwie... Auf Nachfragen an der Residenz hieß es zuletzt, sie sei gerade unterwegs. Nach der letzten Nachricht, wo sie ein Besuchen ankündigte, folgte dann doch nichts...“


Irgendwann steht man an jener Abzweigung, die Gabelung des Weges. Und unwillkürlich wird einem bewusst, dass man keine Angst mehr hat, ohne eine Führung weiterzugehen. Man reift, man wächst, man beginnt, sich seiner sicher zu werden und spürt den Drang, seinen Ideen, seinen Gedanken zu folgen. Ideale, die verinnerlicht sind mit der Zeit, Gedanken, die sich frei entwickeln durften und stetig, immer wieder in kleinem Maße geprüft und diskutiert wurden. Auf die Zeit der Lehre folgt die Zeit der Prüfung und nach jener die Zeit der Bewährung.
In jeder Phase ist ein Scheitern möglich, ein Fehlen, ein Straucheln. Man lernt Mal zu Mal schneller aus jenem Straucheln, beginnt alte Fehler zu vermeiden, nur um neue zu entdecken und aus ihnen zu lernen. Jeder Tag eine Herausforderung, jedes Wort eine erneute Prüfung, ein Bewähren.
Keiner ist perfekt, niemand ist unfehlbar. Die Götter selbst sind nicht allmächtig, nicht allwissend und allgegenwärtig. Wie also könnten wir uns über sie stellen und behaupten, jedes Handeln, jede Entscheidung aus unserem Gedankengut sei rein und ohne Fehler? Man würde sich doch letztlich nur selbst belügen und alles verleugnen, was einem Selbst nicht recht und fehlbar scheint.

So muß das Herz des Ritters stark und fest gegen Verräter und gegen Gauner sein, die aus Recht Unrecht machen wollen und immer böse und hinterhältig sind. Wie man warmes Wachs biegen kann, wie man will, so muß das Herz des Ritters sanft und mild sein gegen gute und bescheidene Menschen...

Ich sehe auf eine Zeit zurück, in der ich mich wandelte. Eine Zeit, in der ich nicht nur von Milady, sondern auch von anderen Menschen lernte, an Erfahrungen wuchs und durch jene reifte. Die Zeit, in der ich ruhigen Gewissens mein Spiegelbild betrachten kann, ist wieder eingekehrt. Ich bin mit mir im Reinen, spüre, dass jedes Ereignis im Eigentlichen seinen Grund haben musste, seinen Sinn hatte.
Ich wachse, wachse an mir und dem, was um mich herum geschieht. So viele Menschen, die meine Wege kreuzten, die mich einige Zeit auf ihm begleiteten. Ich habe ihnen viel zu verdanken, werde mich stets an sie erinnern, auch wenn unsere Wege sich wieder trennten oder einst trennen werden. Es ist noch nicht an der Zeit, von Abschied zu sprechen oder gar daran zu denken.
Doch noch immer taucht die Frage auf, bleibt sie im Hinterschopf: Sobald ich meinen Dienst im Namen der Herrin begehe, eigenständig Entscheidungen zu treffen vermag; werde ich weiter für sie da sein können oder wird es an der Zeit sein, sich eigene Wände zu suchen, ein eigenes Heim mit neuen Menschen drumherum?
Sie ist sich meinem Respekt ihr gegenüber bewusst und genauso weiß sie, dass ich ebenso meine Gedanken selbst entwickel, meine Vorstellungen nicht nur dem Gelernten nach richte. Eigene Bilder entstehen. Es sind nicht meine Erfahrungen, die Milady machte und von denen ich nur die Erzählungen kenne. Ich kann sie verinnerlichen, mich stets ihrer bewusst machen, aber ich kann sie nicht in jenem Maße nachempfinden wie sie. Es ist nicht an mir, das gleiche aus jenen Bildern zu fühlen, zu lernen wie sie; nein, ich habe aus meinen eigenen Erfahrungen zu lernen und an ihnen zu reifen. Und doch...Ich schätze jeden im Anwesen. Ich kann mir nicht vorstellen, für keinen in diesen Wänden mehr da zu sein, sie beschützen zu wollen und ihnen zuzuhören. Zu reden, zu lachen, zu streiten.

„Fraeulein Leah... ich glaube fast, Ihr wisst gar nicht, wie sehr Ihr Euch selbst auch in den letzten Mondlaeufen veraendert habt. Ihr seid gereift, erwachsener geworden und zuweilen mehr Milady als sie es selbst ist. Das Leben _ist_ Veraenderung.. immer.. nur bei den wenigsten bleibt es gleich.“

Nicht nur meine Sinne nahmen die Veränderung auf. Augen, die auf mir liegen und die ich als Stütze im Rücken weiß. Ein gegenseitiges Vertrauen, ein gegenseitiges Geben und manchmal auch Nehmen. Ich bereue, manchmal zu viel genommen zu haben ohne den Wert dessen wieder zu Geben. Erst mit der Zeit merkte ich den Fehler und kann ihn nicht minder gut machen. Was ich aber versuchen kann, ist weiterhin da zu sein, weiterhin jener Mensch zu sein, der ich sein möchte. Jemand, der von Angesicht zu Angesicht mit dem Anderen reden kann, ihm zuhört und manchmal nicht mehr als ein Freund ist...

„Aber eines steht ganz sicher.. fuer Euch wird diese Kueche die gleiche Kueche bleiben und solange wie ich hier bin, wird es auch einen Teller Suppe an diesem gewoehnlichen Tisch geben und auch Gespraeche, so ihr sie dann wuenscht.“

Ich bin mir meiner bewusst. Geboren im Stande eines Bauernkindes, verfehmt und verachtet vom Vater und auf eine Reise ins Ungewisse gezwungen, verschlug es mich nach dem rastlosen Wandern nach Gerimor. Und auch hier endete die Suche eine lange Zeit nicht. Ich war rastlos, eine Welt, die auf dem Kopf stand, beherrschte meine Sinne, meine Gedanken. Es dauerte, bis jene Welt zerbrach und neu aufgebaut werden konnte. Ich wurde ich selbst, fand meine Persönlichkeit und meinen Weg.
Es ist erstaunlich. So sehr ich mich wandelte, so sehr ich erkannte, wie schwer die Welt in der ich aufwuchs nicht die Meine war, so sehr erkenne ich weiterhin, dass es eine Person gab, die in dem ganzen klar gesehen hat.
Ich bin ihr dankbar; für die Geschichten, für das Lächeln und den steten Satz, den sie mir mitgegeben hatte:

„Einem jeden auf dieser Erde ist es bestimmt, eine Aufgabe zu erfüllen. Es liegt an einem selbst, jene zu finden und ihr sich zu stellen.“

Sei es, wie es sei, der Weg wird mich weiterführen und ich bewahre jede Erinnerung als jene auf, was sie ist: Lehre und kein geisterhafter Schatten, der mich beherrscht...

Göttin, Temora, Herrin,
Stähle meine Hand zu Heldentaten,
damit ich in dir und durch dich rasch unermüdlich die Waffentaten
tiefster Treue unternehme und glücklich vollbringe.
Umgürte meine Lenden mit dem Schwerte deines Geistes,
rüste mich mit ebenbürtigem Mute,
um im Tugendstreit tapfer und ehrenhaft zu stehen
und fest gegründet in dir, unüberwindlich an deiner Seite auszuharren
Bringe all meine Kräfte in Verhältnis zu den Unternehmungen,
die ich, um deine Liebe zu erringen, wagen muss.
Festige meinen Glauben zu dir,
damit ich ungeachtet meiner Schwäche
voll Herzens und der Tapferkeit jenen Grad der Liebe erkämpfe,
die mir den Zutritt eröffnet zur Stätte der innigsten Einigung mit dir.
Göttin, Herrin, Temora,
erkenne meinen Dienst und meinen Weg und betrachte ihn als den Deinen.
Denn all meine Liebe, mein Herz und Geist wird fortan sein in dir.