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Ceciles Weg nach und durch Alathair

Verfasst: Freitag 23. Januar 2009, 00:46
von Cecile
"Los, los, los! Schaut in der Scheune nach. Irgendwo muss doch da noch etwas sein". Cecile kroch auf allen Vieren, der dunkel graue Rock und das braune Hemd waren inzwischen bereits voller Dreck, sie wagte es gar nicht mehr zu atmen. Ihr Herz blieb beinah stehen, als sie die Füße der Männer sah, wie sie in die Scheune herein kamen.
"Such alles ab, irgendwo wird schon was zu finden sein". Sie kauerte sich in der Ecke unter dem Heuhaufen zusammen. Bei Gott, sie lag in einem Heuhaufen. Ein offensichtlicheres Versteck gab es gar nicht. Sie ärgerte sich fürchterlich, wie dumm sie gewesen war. Sie hätte einfach hochklettern können und sich in einer Ecke der Scheuner unter dem Dach verkriechen können. Sie hätte in Wäldchen in der Nähe fliehen können, dort gab es unzählige Verstecke. Aber nein, sie musste sich ja ausgerechnet in der Scheune verstecken.

Die drei Männer begannen nacheinander das Heu umzudrehen. "Was soll hier zu holen sein? Die ham doch nix, das sind Bauern. Ich versteh nicht, warum wir hier suchen.", der zweite fügte mit einer tiefen Stimme hinzu "Egal, es macht wenigstens Spaß. Die ganze Zeit hockten wir nur im Lager herum, endlich ist was los". Der dritte zischte leise: "Schweigt endlich. Irgendwo hier wird es schon noch etwas geben". Cecile kriech immer tiefer in den Haufen hinein. Sie flehte in Gedanken, dass sie jetzt einfach gehen würden.

Aber was würde dann aus ihr? was würde aus ihrer Familie? Was hatten sie mit ihren Geschwistern gemacht und mit ihren Eltern?

Ihr Herz schlug immer lauter, Panik breitete sich in ihr aus. Was sollte sie nun tun? Sie erinnerte sich nicht mehr an viel. Mitten in der Nacht hatte ihr Bruder geschrien, sie sollten alle verschwinden. In voller Panik war sie hinaus gestürzt, dann tauchten auf einmal Reiter auf. Es waren nicht wenige gewesen, sie hörte Schreie und Kampfgeräusche. Noch bevor irgendjemand sie bemerken konnte, war sie im Schutz der Dunkelheit in die Scheune geflohen und hatte sich in den großen Heuhaufen geworfen. Hier lag sie jetzt schon länger und die Männer durchsuchten das Heu.

"Ach mir doch scheiss egal, was hier ist. Ich hab keine Lust mehr, hier gibbet eh nix zu holen", brummend stimmten ihm die andern beiden zu, ehe sie sich aus der Scheune begaben. Laut fielen die beiden großen Türe zu. Cecile atmete erstmal aus. Was würde jetzt passieren? Sie horchte. Sie konnte nichts hören. Da war nichts. Es war totenstill draußen. Dann hörte sie einen Mann etwas schreien, doch sie verstand die Sprache nicht. Sie stand langsam auf und schlich sich zur Tür, um durch den Spalt etwas zu sehen. Vielleicht irgendetwas, ein Lebenszeichen ihrer Eltern. Noch ehe sie die Tür ganz erreichen konnte, spürte sie, wie jemand ihr die Hand auf den Mund presste und ehe sie schreien konnte, spürte sie bereits, wie er ihr den Hals mit seinem Ellenbogen zuschnürte.

Verfasst: Dienstag 27. Januar 2009, 00:13
von Cecile
Woher sie wusste, dass der Arm zu einem Mann gehörte?

Sie kannte keine Frau mit solchen Kräften. Und vor allem nicht mit diesen rauen Unterarmen. Sie fühlten sich dreckig an, ein wenig stoppelig waren sie auch. Es war ein typischer Unterarm für einen Mann, der viel mit seinem Körper arbeitete. Kräftig, aber nicht faltig. Ihr Herz schlug immer stärker, drückte ihr gesamtes Blut hinauf in ihren Kopf, sie rang nach Luft, schmeckte jedoch nur die verschwitze Hand. Sie wollte sich wehren, ihn treten, kratzen, beißen. Verzweifelt wand sie sich in seinen Armen, jede noch so kleine Möglichkeit würde sie nutzen.

"Kein Mucks, Cecile". Sie kannte die Stimme. Schlagartig wurde sie ruhiger. Es war eine der wenigen Stimmen, die sie in diesem Moment wirklich verkraften konnte. Die drei Worte lösten in ihr eine völlige Erschlaffung ihrer Muskeln aus, das einzige was sie jetzt noch vermochte zu tun, war es sich an ihn zu drücken. "Es sind noch mehrere im Hof" flüsterte Albert ihr leise ins Ort. "Wir werden uns ruhig verhalten müssen, wir haben keine Wahl, meine Cecile." Er löste den Griff und noch ehe er reagieren konnte, drehte sie sich um und warf sich auf ihn, drückte ihre Lippen in einem Anfall von Ekstase und Erleichterung auf die Seinen und schloss die Augen. Niemand besseres hätte jetzt zu ihr stoßen können.

Albert war im naheliegenden Dorf eine Koryphäe der Schmiedekunst. Mitte zwanzig Jahre mochte er alt sein, hellrotes Haar und buschige Augenbrauen, ein markantes Gesicht sowie muskelbepackte Oberarme. Sie hatten sich vor wenigen Monaten auf einem Dorffest kennen gelernt, seitdem hatte sie ihn nicht mehr vergessen können. Immer öfters trafen sie sich, sie redeten und genossen die Zeit miteinander. Untypisch für einen Mann, aber erst recht für eine Frau, sich erst kennen zu lernen. Jeder Gedanke an ihn hatte sie die Zeit der Ernte überstehen lassen, um Nachts gemeinsam unterm Sternenhimmel zu schlafen.

Seine Stimme holte sie aus der Vergangenheit und aus den viel besseren Zeiten. "Ich wollte nur schauen, wie es dir geht, dann trafen sie ein." - "Wer sind.. die?" - "Es gibt sie schon seit einiger Zeit, der Graf hat es nie für wirklich ernst genommen. Ich hörte von einem Trunkenbold in der Taverne im Dorf, dass die Wegelagerer immer zahlreicher geworden sind und sich zu ganzen Clans vereint haben. Jetzt ziehen sie plündernd durch die Ländereien, nehmen sich alles, was nicht niet und nagelfest ist.". Cecile schaute ihn vollkommen verbittert an, während draußen das Geschrei lauter wurde. "Cecile, es sind zu viele, selbst wenn wir versuchen würden, Hilfe zu holen..." In ihre Augen schossen Tränen. Was sagte er da? "Es sind zuviele, wenn wir mit dem Leben davon kommen wollen..". Sie sank auf den Boden. "Aber... sie nehmen doch nur Wertsachen.. sie ... sie tun doch niemanden was und.. bei uns gibt es doch sowieso... fast .. nichts zu holen". Es trat ein Schweigen in der Scheune ein, Cecile schloss die Augen.

Auch draußen war es ruhig geworden. Albert kam näher zu ihr und kniete sich zu ihr nieder: "So leid es mir tut.... sie lassen niemanden am Leben. Wir müssen hier weg, das ist... alles zu gefährlcih". Cecile war vollkommen aufgelöst, was sagte er da? Meinte er das wirklich ernst? Sowas konnte er doch nicht ...


Mit einem lauten Knall flog die Scheunentür auf, Cecile riss den Kopf hoch und blickte in die Gesichter von drei finsteren Gestalten. Einer von diesen fing laut an zu lachen, sprach und spuckte dabei unkontrolliert um sich: "Ei Ei Ei, heud' hamwa aver Glock jungens" und alle drei machten einen Schritt auf Cecile zu, die immer noch am Boden kniete.