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Die Unbeschwertheit des Lebens

Verfasst: Donnerstag 15. Januar 2009, 18:22
von Chaya Jane Clair
Genau das fühlte Chaya an diesem Tag. Es war wie Ihr einst ein edler Paladin des Monds in ihrer Heimat gesagt hatte: Ein guter Tag, Chaya!
Aber es war mehr, viel viel mehr. Sie fühlte sich in der Gegenwart des Elfen so schwebend so leicht wie eine Feder, die man in die Luft pustet, oder so zart wie die Schneeflocken, die sie immer auf ihr Gesicht fallen lässt, bis sie sich auflösen und die Wassertropfen wie sanfte Berührungen über die Wangen dann laufen. Genau so waren die kostbaren Augenblicke, die sie mit ihm zusammen verbringen durfte.
Auch wenn er manchmal die gleiche bestimmende Art wie ihr verschollener Bruder Rahel hatte. Offensichtlich haben Elfen und Brüder die gleiche Angewohnheit Dinge ohne Umschweife einfach so zu sagen, dass man für einen Augenblick zutiefst errötet, danach vor Verlegenheit schier baff kein Wort mehr herausbrachte.
Zumindest war es bei ihr immer der Fall. Genauso wie gestern.

Bei den Göttern, war das peinlich!

Was er da alles fragte, so unbarmherzig, so ehrlich aber auch so einfach und unkompliziert, wie es eben nur Elfen konnten. Alleine bei dem Gedanken an diese Fragen, die er ihr und in ihrer Gegenwart dann anderen gestellt hatte, fühlte sie erneut das Blut in ihre Wangen steigen. Sie hatte, wie sonst auch immer, wenn Gefahr drohte, versucht die Flucht zu ergreifen. Aber bei dem Versuch blieb es.
Unbeirrbar hatte er sie eingefangen und vor Bravan hingeschubbst.

Jetzt wäre ein guter Augenblick sich in Luft aufzulösen, dachte sie.
Aber leider, geschah nichts. Also musste sie da durch. Und das war gut so, denn so manche Unklarheiten wurden unter dem beobachtenden Blick des Elfen aufgeklärt. Ja, sie hatte sogar gewagt Bravan die Hand zu geben. Was eine wirkliche Besonderheit bei dem scheuen Wesen Chayas war. Eigentlich einzigartig sogar. Sie mied Berührungen aus Angst, dass man das, wie so oft missverstehen könnte. Die Sesshaften denken eben immer anders.
Nur wenige, ganz besondere Menschen, verstehen uns, Chaya.
Das hat immer Mutter Esther zu ihr gesagt, wenn sie als Kind weinend zum Lagerfeuer stolperte. Weinend, weil man sich über die dunklen Locken oder die bunten Tücher, die sie immer um ihre Hüften geschlungen hatte, oder irgendetwas anderes lustig gemacht hatte. Elias hatte sie dann immer auf den Arm genommen und getröstet, während Esther ihr die kullernden Tränen abgewischt hatte.
Und Rahel hatte dann immer zu ihr gesagt: nicht weinen, Niijen na Gjalich, was so viel wie Tochter des Mondes bei ihnen heißt. So hatte er sie immer gerufen. Nie Chaya.

Besser nicht daran denken es tat weh die Wärme und Liebe der Familie missen zu müssen!

Wenn das so einfach war, je mehr sie versuchte ihre Gedanken auf den wunderschönen Wald zu lenken oder auf die riesigen Bäume, an deren Anblick sie sich nie satt sehen konnte, umso mehr dann kamen die Gedanken mit einer Beständigkeit zurück, so als wollten sie Chaya mit aller Macht immer wieder daran erinnern.
Fast war es so als würden sie sagen, du entkommst uns nicht, wir sind immer da, also versuche es gar nicht!
Sowohl der Elf als auch Bravan hatten so eine beruhigende Wirkung auf sie. BRavan aber nur dann wenn, er vor ihr stand, da konnte sie in seine Augen sehen, deren Blick edel und gut war. Jedenfalls war nun das Missverständnis geklärt und das freute Chaya ganz besonders. Umso mehr als sie nach all dieser Aufregung so eine Art von Belohnung von dem Elfen bekam. Sie durfte sich wieder die wandelnden Bäume ansehen, den wunderbaren See mit den Wassergeistern, die darüber schwebten und da war noch ein Elf. Genauso wunderschön wie er. Als die beiden in ihrer Sprache zu reden anfingen, konnte sie nur voller Staunen den wunderbaren, lieblichen Klängen lauschen.
Als der andere Elf genauso lautlos verschwand, wie er aufgetaucht war, wollten sie baden. Erstaunlich angenehm warm war es im Wald dort immer. Ohne Zögern warf sie hastig jegliche Kleidung zu Boden und sprang nackt in den blauenSee voller Seerosen, die sie so sehr mochte. Es war fast so wie das tägliche Familienbad in ihrer Vergangenheit, wo sie alle nackt im Wasser herumtollten nur diesmal war es ein Elf, aber insgeheim gehörte er in Chayas Gedanken bereits zur Familie und sie hatte keine Scheu vor ihm, umso mehr er ihr einmal erklärt hatte, das Nacktheit für Elfen etwas Natürliches war. So natürlich eben, wie es für Chaya immer im sicheren Schoß der Familie gewesen war. Bei dem Plantschen und tauchen vergaß die kleine Person dann alles, war einfach nur sie selbst. Sogar die ein wenig volle feste Oberweite, die man bei so einem zarten Körperbau, wie den ihren nie vermuten würde, störte sie hier nicht. Meist verbarg sie mehr oder weniger bewusst diesen in ihren Augen Fehler der Natur vor den Blicken der Fremden unter der viel zu weiten, und viel zu langen Jacke, die er ihr geliehen hatte.

Es war ein wunderbarer Tag gewesen! Zufrieden hüllte sich Chaya in die warmen Felle ein unter dem Felsvorsprung, wo sie ein wenig geschützt war vor dem Schnee und der Kälte. Müde blickte sie noch ein wenig in das Lagerfeuer, dann schloss sie die Augen vor Müdigkeit und Hunger, den sie abermals übergangen hatte.

Morgen, esse ich was, ganz bestimmt! Das habe ich dir doch versprochen, dachte sie noch bevor sie in den Schlaf fiel.