Der böse Wolf und das Mädchen
Verfasst: Sonntag 4. Januar 2009, 14:51
Das Schneegestöber war zu jener Stunde kaum auszuhalten, weder sah man die eigene Hand vor Augen, noch konnte man sich länger als eine halbe Stunde in der eisigen Kälte aufhalten. Bereits jetzt zitterte Ihr Leib unter den feinen Gewandungsstücken, während sie entschlossen mit der Hand den Postkasten, wie auch die verschiedenen Schilder an Ihrem Anwesen von der Schneedecke befreite. Eine dezente Röte hatte sich über Ihre sonst so blassen Züge gezogen und ließ sie gewiss einen Moment Ihre so bekannte Unnahbarkeit verlieren. Je mehr Schnee von dem goldenen Kasten, wie auch dem goldenen Schild entfernt wurde, umso deutlicher spiegelten sich die dicken, weißen Flocken in eben jenen wider. Auch auf Ihrer Kleidung hatten sich inzwischen einige Flocken niedergelassen, um unbarmherzig mit Ihrer eisigen Faust nach dem zierlichen Leib der Schneiderin zu packen. Stück für Stück entblößten die feingliedrigen Hände die Formen unter der weißen Decke, ein stummer Kampf gegen die Witterung, ebenso wie gegen die eigene Körperbeherrschung.
Wohl war es auch der dichte Schnee der nicht zuließ Geräusche der nahen Umgebung wahrzunehmen, einsame Wanderer in den Böen zu erkennen und schwere Fußabdrücke mehr als wenige Meter weiterzuverfolgen. So stand er plötzlich dort vor den Auslagen Ihrer Schneiderstube, die schweren gepanzerten Hände deuteten regelrecht spöttisch darauf: „Seid Ihr die Dame welche sich nicht ausreichend um Ihre Auslagen kümmert?“. Und obgleich die Worte höhnend an sie herangetragen wurden, blieb sein Gesicht regungslos, ließ keine weitere Deutung zu. Aufmerksam wurde er aus der Ferne beobachtet, Ihre blauen Augen tänzelten über seine schwere Rüstung hinweg, auf der Suche nach aussagekräftigen Details und Antworten zu Ihren im Kopf herumschwirrenden Fragen. Der hochgewachsene Mann war im Gestöber kaum mehr als ein schemenhafter Umriss seiner selbst. Möglicherweise ein Söldner, geprägt von Kämpfen und Unruhen der Lande, lediglich getragen von der Sehnsucht nach einer warmen Feuerstelle und einem dampfenden Tee, um sowohl Körper, als auch Seele zu wärmen. Die Kapuze seines dunklen Umhanges verdeckte sein Haupthaar, ebenso den Ansatz seiner Stirn und so blickte er lediglich aus den stechend grünen Augen über seine Maske hinweg, nicht zögernd Ihr direkt in die Augen zu blicken. Ebenso wenig zögerte er Ihr unter allen Formen der Höflichkeit seinen Namen, wie auch die Intention seines Besuches zu nennen: „Stephan Naidez – ein Freund aus der Nachbarschaft.“, wurde sein Name sicher an Ihr Ohr herangetragen und obwohl die Kälte der Jahreszeit auch in diesem Moment weiter gnadenlos an den Gewandungsstücken zerrte, gelang es Ihm durch den Hauch seiner Lippen auf Ihrem Handrücken ein Stück Wärme auszusenden. Nein, der Name war Ihr nicht bekannt, genauso wenig wie Ihr sein von Narben entstelltes Gesicht bekannt vor kam und doch wurde Ihr allein durch den Anblick, des in seiner Rüstung vor Ihr stehenden Mannes bewusst, dass er so einiges erlebt haben musste um derartige Zeichen der Verwundung mit sich herumzutragen. Er sprach offen über die Ihm entgegen gebrachte Abscheu, während er zeitgleich seine eigene Selbstsicherheit demonstrierte. Und je länger sie dort vor Ihrem Anwesen über lapidare Dinge redeten, umso sicherer war sie sich, dass es tatsächlich ein seelisch, wie körperlich verletzter Krieger sein musste, der sich lediglich nach etwas Wärme in den kalten Monaten sehnt.
Dem Schneegestöber entflohen, standen sie sich nun in der geräumigen Schneiderstube gegenüber, die Blicke beider noch immer sicher, doch insgeheim geprägt von einer Suche nach Antworten, die momentane Antworten zur Zufriedenheit aller beantworten. Und obgleich die Dunkelheit vor dem Hause der Schneiderin Saraid bereits Einzug hielt, schien in jenem Moment die Zeit still zu stehen. Er war ein Kunde, wissbegierig und doch durch sein eigenartiges Auftreten mit einer gewissen geheimnisvollen Aura umgeben. Sie ging seinen Wünschen nach, schneiderte Waffenröcke, Umhänge und eine Robe, sogar Ihr Siegel stickte sie sorgsam an den Saum eines jeden Kleidungsstückes. All' die Schmeicheleien und sie umspielenden Worte prallten an Ihr ab und doch war genau dies der Grund, weswegen sich die stechend blauen Augen immer wieder auf seine Gestalt legten. Insgeheim schlich sich die Skepsis immer mehr in Ihren Kopf, immer mehr unausgesprochene Fragen offenbarten sich Ihr und die vorherige Faszination des Unbekannten, wich immer mal wieder der inneren Unsicherheit. „Ihr könnt die Stücke gerne dort drüben in der Kabine anprobieren, Herr Naidez.“, schlug sie Ihm nach einiger Zeit mit Sicherheit nicht ganz uneigennützig vor. Sie brauchte einen Moment Ruhe, ein klarer Kopf wurde benötigt, um auch jenen Kunden zufrieden zustellen ohne Ihn zu verärgern, oder gar zu kränken. Fragen, wie der Zustand Ihres Hauses, Ihre Meinung zu seinem Körper oder gar Ihr Familienstand hatte sie bereits lediglich durch einen Tanz auf des Messersschneide beantworten können. Weder wollte sie den augenscheinlich sehr stolzen Mann verärgern, noch wollte sie derartig, persönliche Dinge von sich preisgeben.
Kaum verschwand der inzwischen recht schweigsame Kunde mit all den Kleidungsstücken hinter dem schweren Vorhang der Umkleidekabine, drang ein dumpfes Pochen an Ihr Ohr heran. Ein weiterer Kunde würde es nicht sein, offiziell war die Schneiderstube geschlossen, genauso wenig konnte es ein Besucher sein, war der Abend doch bereits so weit fortgeschritten, dass es einer Störung gleich kommen würde an der Haustüre zu pochen. Poch, Poch, Poch. Eindringlich hämmerte die Hand erneut an das Holz der Haustüre, ehe sich Lunet schließlich in eben jene Richtung wendete. Der Bote an der Haustüre brachte einen Stein ins Rollen, der unbarmherzig weiter und weiter den Berg herabrollte, dabei stetig an Geschwindigkeit zunahm und die nächsten Momente schließlich nur noch in kurzen Sequenzen an Ihren Kopf sendete. Das Ihr übergebene Pergament offenbarte ein Bild des Mannes der in jenem Moment in Ihrer Schneiderstube verweilte, ein offizielles Schreiben verkündete, dass das Reich ein Kopfgeld auf Ihn ausgesetzt hatte und plötzlich geriet Ihr Blut in Wallung, ein erstickendes Keuchen drang über die Lippen. Ein Hochverräter in Ihrer Schneiderstube! Die kurzen Sequenzen glitten wie billige Bilder an Ihr vorüber: Der Bote, angetrieben von Ihrer Reaktion, rief einen Soldaten. Der Soldat, angetrieben von Ihrer stammelnden Aussage versuchte Naidez zu überwältigen, sie rannte getrieben von Sorge und Angst in die Stadt um Unterstützung zu holen und plötzlich war Ihr Haus umgeben von Kriegern, Soldaten und anderen zu Hilfe eilenden Personen. „Er ist entkommen.“, war die Aussage welche sie noch klar und deutlich vernehmen konnte. Dann erneut die auf sie einstürzenden Sequenzen: Berichterstattungen, eine besorgte Mariella von Dragenfurt, angebotene Hilfe von allen Seiten, die Sicherung des Hauses auf Grund der zerborstenen Haustüre und letztendlich der Ritt in die Herberge der Stadt Adoran.
Erst dort wurde Ihr bewusst von wo aus die Faszination des unbekannten Mannes ausging: Es war die von Ihm bewusst verdeckte Gefahr, welche durch den Glanz der selbstsicheren Höflichkeit in schimmernden Farben glänzte. Stephan Naidez, ein dunkler Wolf in einem so friedliebend wirkenden Schafpelz.
Wohl war es auch der dichte Schnee der nicht zuließ Geräusche der nahen Umgebung wahrzunehmen, einsame Wanderer in den Böen zu erkennen und schwere Fußabdrücke mehr als wenige Meter weiterzuverfolgen. So stand er plötzlich dort vor den Auslagen Ihrer Schneiderstube, die schweren gepanzerten Hände deuteten regelrecht spöttisch darauf: „Seid Ihr die Dame welche sich nicht ausreichend um Ihre Auslagen kümmert?“. Und obgleich die Worte höhnend an sie herangetragen wurden, blieb sein Gesicht regungslos, ließ keine weitere Deutung zu. Aufmerksam wurde er aus der Ferne beobachtet, Ihre blauen Augen tänzelten über seine schwere Rüstung hinweg, auf der Suche nach aussagekräftigen Details und Antworten zu Ihren im Kopf herumschwirrenden Fragen. Der hochgewachsene Mann war im Gestöber kaum mehr als ein schemenhafter Umriss seiner selbst. Möglicherweise ein Söldner, geprägt von Kämpfen und Unruhen der Lande, lediglich getragen von der Sehnsucht nach einer warmen Feuerstelle und einem dampfenden Tee, um sowohl Körper, als auch Seele zu wärmen. Die Kapuze seines dunklen Umhanges verdeckte sein Haupthaar, ebenso den Ansatz seiner Stirn und so blickte er lediglich aus den stechend grünen Augen über seine Maske hinweg, nicht zögernd Ihr direkt in die Augen zu blicken. Ebenso wenig zögerte er Ihr unter allen Formen der Höflichkeit seinen Namen, wie auch die Intention seines Besuches zu nennen: „Stephan Naidez – ein Freund aus der Nachbarschaft.“, wurde sein Name sicher an Ihr Ohr herangetragen und obwohl die Kälte der Jahreszeit auch in diesem Moment weiter gnadenlos an den Gewandungsstücken zerrte, gelang es Ihm durch den Hauch seiner Lippen auf Ihrem Handrücken ein Stück Wärme auszusenden. Nein, der Name war Ihr nicht bekannt, genauso wenig wie Ihr sein von Narben entstelltes Gesicht bekannt vor kam und doch wurde Ihr allein durch den Anblick, des in seiner Rüstung vor Ihr stehenden Mannes bewusst, dass er so einiges erlebt haben musste um derartige Zeichen der Verwundung mit sich herumzutragen. Er sprach offen über die Ihm entgegen gebrachte Abscheu, während er zeitgleich seine eigene Selbstsicherheit demonstrierte. Und je länger sie dort vor Ihrem Anwesen über lapidare Dinge redeten, umso sicherer war sie sich, dass es tatsächlich ein seelisch, wie körperlich verletzter Krieger sein musste, der sich lediglich nach etwas Wärme in den kalten Monaten sehnt.
Dem Schneegestöber entflohen, standen sie sich nun in der geräumigen Schneiderstube gegenüber, die Blicke beider noch immer sicher, doch insgeheim geprägt von einer Suche nach Antworten, die momentane Antworten zur Zufriedenheit aller beantworten. Und obgleich die Dunkelheit vor dem Hause der Schneiderin Saraid bereits Einzug hielt, schien in jenem Moment die Zeit still zu stehen. Er war ein Kunde, wissbegierig und doch durch sein eigenartiges Auftreten mit einer gewissen geheimnisvollen Aura umgeben. Sie ging seinen Wünschen nach, schneiderte Waffenröcke, Umhänge und eine Robe, sogar Ihr Siegel stickte sie sorgsam an den Saum eines jeden Kleidungsstückes. All' die Schmeicheleien und sie umspielenden Worte prallten an Ihr ab und doch war genau dies der Grund, weswegen sich die stechend blauen Augen immer wieder auf seine Gestalt legten. Insgeheim schlich sich die Skepsis immer mehr in Ihren Kopf, immer mehr unausgesprochene Fragen offenbarten sich Ihr und die vorherige Faszination des Unbekannten, wich immer mal wieder der inneren Unsicherheit. „Ihr könnt die Stücke gerne dort drüben in der Kabine anprobieren, Herr Naidez.“, schlug sie Ihm nach einiger Zeit mit Sicherheit nicht ganz uneigennützig vor. Sie brauchte einen Moment Ruhe, ein klarer Kopf wurde benötigt, um auch jenen Kunden zufrieden zustellen ohne Ihn zu verärgern, oder gar zu kränken. Fragen, wie der Zustand Ihres Hauses, Ihre Meinung zu seinem Körper oder gar Ihr Familienstand hatte sie bereits lediglich durch einen Tanz auf des Messersschneide beantworten können. Weder wollte sie den augenscheinlich sehr stolzen Mann verärgern, noch wollte sie derartig, persönliche Dinge von sich preisgeben.
Kaum verschwand der inzwischen recht schweigsame Kunde mit all den Kleidungsstücken hinter dem schweren Vorhang der Umkleidekabine, drang ein dumpfes Pochen an Ihr Ohr heran. Ein weiterer Kunde würde es nicht sein, offiziell war die Schneiderstube geschlossen, genauso wenig konnte es ein Besucher sein, war der Abend doch bereits so weit fortgeschritten, dass es einer Störung gleich kommen würde an der Haustüre zu pochen. Poch, Poch, Poch. Eindringlich hämmerte die Hand erneut an das Holz der Haustüre, ehe sich Lunet schließlich in eben jene Richtung wendete. Der Bote an der Haustüre brachte einen Stein ins Rollen, der unbarmherzig weiter und weiter den Berg herabrollte, dabei stetig an Geschwindigkeit zunahm und die nächsten Momente schließlich nur noch in kurzen Sequenzen an Ihren Kopf sendete. Das Ihr übergebene Pergament offenbarte ein Bild des Mannes der in jenem Moment in Ihrer Schneiderstube verweilte, ein offizielles Schreiben verkündete, dass das Reich ein Kopfgeld auf Ihn ausgesetzt hatte und plötzlich geriet Ihr Blut in Wallung, ein erstickendes Keuchen drang über die Lippen. Ein Hochverräter in Ihrer Schneiderstube! Die kurzen Sequenzen glitten wie billige Bilder an Ihr vorüber: Der Bote, angetrieben von Ihrer Reaktion, rief einen Soldaten. Der Soldat, angetrieben von Ihrer stammelnden Aussage versuchte Naidez zu überwältigen, sie rannte getrieben von Sorge und Angst in die Stadt um Unterstützung zu holen und plötzlich war Ihr Haus umgeben von Kriegern, Soldaten und anderen zu Hilfe eilenden Personen. „Er ist entkommen.“, war die Aussage welche sie noch klar und deutlich vernehmen konnte. Dann erneut die auf sie einstürzenden Sequenzen: Berichterstattungen, eine besorgte Mariella von Dragenfurt, angebotene Hilfe von allen Seiten, die Sicherung des Hauses auf Grund der zerborstenen Haustüre und letztendlich der Ritt in die Herberge der Stadt Adoran.
Erst dort wurde Ihr bewusst von wo aus die Faszination des unbekannten Mannes ausging: Es war die von Ihm bewusst verdeckte Gefahr, welche durch den Glanz der selbstsicheren Höflichkeit in schimmernden Farben glänzte. Stephan Naidez, ein dunkler Wolf in einem so friedliebend wirkenden Schafpelz.