Sternenstaub, Pfefferminz und Tabakkrümel
Verfasst: Mittwoch 24. Dezember 2008, 16:36
Klosterleben
Als Schwester Sylvie den Eimer mit frischem, heißem Wasser in den massiven Badezuber goß, da quiekte sie hell auf und rutschte so dermaßen hastig zur Seite, dass eine beachtliche Menge des Vollbads wieder nach draußen wanderten und Sylvie vor Schreck jappste. Im Übrigen war das dann wieder für lange Zeit das einzige Lebenszeichen des kleinen Wesens im warmen Nass. Seit einer halben Stunde hatte sie schon davor stumm im Bottich gekauert und mit großen Augen auf die Wasseroberfläche gestarrt, als fürchte sie irgendetwas schrecklich Wichtiges zu verpassen. Jetzt, nachdem die Heißwasserkrise überstanden war, ging sie dieser "Beschäftigung" mit Inbrunst wieder nach und sorgte dafür, dass noch ein paar Runzeln und Falten mehr auf Sylvies Stirn prangten.
"Was für ein seltsames Mädchen...", dachte diese bei sich und fühlte sich ganz unweigerlich an die erste Begegnung mit der Kleinen?! ... naja, groß war sie wirklich nicht... ja, Kleinen erinnert.
Sie kam am gestrigen Abend, oder fast schon Nachts, im Schlepptau von seiner Eminenz Hemmel und sie war sich sicher, dass beide leicht schwankten (die Kleine etwas mehr, er vielleicht auch weniger) und nach Alkohol rochen. Doch während er schon in den frühen Morgenstunden wieder nach Bajard wackelte, um den Opfern des grässlichen Piratenangriffs weitere Hilfe zu leisten, ließ er sie zurück und kommentierte sein Handeln mit den fröhlichen Worten:
"Meiii, hod hoid an langen Weg hindor sich. Basst's mir of dey Glanne of un I kimm boid um sie wida obzuhoin." Dann hatte er dem noch etwas sprachlosen Bruder Cassian zugezwinkert und für Schwester Sylvie kurz den lächerlichen Federhut gelupft, der sein ewiger Begleiter zu sein schien. Ihnen blieb also wirklich wenig übrig, als das höchst sonderbare Mädchen in der zu großen Robe eines Horteraspriester zu aufzunehmen.
Ja, die Sache mit der Robe war auch so eine Geschichte.
Man erfuhr, nach mehrerem Fragen und gut zureden, dass der Großvater sie ihr vermacht hatte und jener wohl deutlich beleibt, während das Kind ein zartes, filigranes Wesen war. Als das Mädchen, ihr Name lautete wohl Loralith, ihre Erklärung abgeliefert hatte, drehte sie sich plötzlich zu Sylvie um und hauchte strahlend:
"Sechzehn!"
"Bitte... wie?", die überforderte Antwort
"Ich bin vor einer Woche sechzehn geworden."
Dann verschwand sie in den ihr zugewiesenen Räumlichkeiten und ließ eine verdatterte Schwester Sylvie zurück, die sich kurz fragte, ob die Kleine Gedanken lesen könne, denn abgesehen davon, dass sie nicht ganz wie sechzehn Jahre aussah, verhielt sie sich auch nicht so. Naja, auch nicht kindisch nur so, so... anders.
In den frühen Morgenstunden fragte sich die ältere Klosterschwester allerdings gleich erneut, ob die Altersangabe nicht doch eine Mär war, denn sie fand den ihr zugewiesenen Schützling mitten im Kräuterbeet, wo sie sich mit einem Töpfchen Kirschquark niedergelassen hatte und diesen nur durch abschlecken des Zeigefingers naschend leerte.
"Ist von Braen und ich hab ihm versprochen, dass ich was ess!"
Über solche Antworten oder Erklärungen, verwirrend, ohne jeglichen Zusatz und unvermittelt, wunderte sich Sylvie im Laufe des Tages nicht mehr. Fleißig konnte sie sein, hatte geholfen das Kräuterbeet umzugraben und Winteräpfel getrocknet. Selbst die Arbeit in der Spinnerei ging ihr gut von der Hand, doch während der Körper seine Arbeit tat, schien der Geist in den Wolken, denn verträumt blickte sie meist nicht auf die Arbeit, sondern betrachtete dabei die unsinnigsten Dinge und Gegenstände. Vom Zinneimer, über alte Webfäden, bis hin zu Hühnerdung. Nicht selten scheuchte Bruder Basilius sie dann weiter und jammerte über die Träumerei am helligten Tage. Ach und Herrin, was hatte Schwester Oceana, die Bibliothekarin zuerst geschaut, als das Mädchen mit einer Pfeife im Mund vor den teuren Büchern stand.
"Schon gut, ist aus. Hab keinen Tabak mehr."
Ja, was für ein eigenartiges, kleines Ding.
Seufzend griff Sylvie nach dem Waschschwamm, tauchte ihn tief in das Wasser und begann Loralith's Rücken zu schrubben. Diese brachte zwar kein Wort des Dankes über die Lippen, doch begann sie eine, höchst dramatisch schiefe, Melodie zu summen.
Herrin, sie ist eine von Tithus' Schülerinnen und ja, das erklärte immerhin so einiges. Zumindest war sie ein gutes, freundliches Wesen und auf ihre besondere Art und Weise, wenn man sie erst einmal kennengelernt hatte... auch ganz amüsant.
Ein breites Lächeln entspannte Sylvies Züge, als sie sich an das bizarre Gebet erinnerte, welches die Kleine im Gras unter dem Lichtbaum liegend, mitten in der Nacht, an den Sternenhimmel gerichtet hatte...
[img]http://i422.photobucket.com/albums/pp305/zimtkaugummi/Loragebetsmall.jpg[/img]
Als Schwester Sylvie den Eimer mit frischem, heißem Wasser in den massiven Badezuber goß, da quiekte sie hell auf und rutschte so dermaßen hastig zur Seite, dass eine beachtliche Menge des Vollbads wieder nach draußen wanderten und Sylvie vor Schreck jappste. Im Übrigen war das dann wieder für lange Zeit das einzige Lebenszeichen des kleinen Wesens im warmen Nass. Seit einer halben Stunde hatte sie schon davor stumm im Bottich gekauert und mit großen Augen auf die Wasseroberfläche gestarrt, als fürchte sie irgendetwas schrecklich Wichtiges zu verpassen. Jetzt, nachdem die Heißwasserkrise überstanden war, ging sie dieser "Beschäftigung" mit Inbrunst wieder nach und sorgte dafür, dass noch ein paar Runzeln und Falten mehr auf Sylvies Stirn prangten.
"Was für ein seltsames Mädchen...", dachte diese bei sich und fühlte sich ganz unweigerlich an die erste Begegnung mit der Kleinen?! ... naja, groß war sie wirklich nicht... ja, Kleinen erinnert.
Sie kam am gestrigen Abend, oder fast schon Nachts, im Schlepptau von seiner Eminenz Hemmel und sie war sich sicher, dass beide leicht schwankten (die Kleine etwas mehr, er vielleicht auch weniger) und nach Alkohol rochen. Doch während er schon in den frühen Morgenstunden wieder nach Bajard wackelte, um den Opfern des grässlichen Piratenangriffs weitere Hilfe zu leisten, ließ er sie zurück und kommentierte sein Handeln mit den fröhlichen Worten:
"Meiii, hod hoid an langen Weg hindor sich. Basst's mir of dey Glanne of un I kimm boid um sie wida obzuhoin." Dann hatte er dem noch etwas sprachlosen Bruder Cassian zugezwinkert und für Schwester Sylvie kurz den lächerlichen Federhut gelupft, der sein ewiger Begleiter zu sein schien. Ihnen blieb also wirklich wenig übrig, als das höchst sonderbare Mädchen in der zu großen Robe eines Horteraspriester zu aufzunehmen.
Ja, die Sache mit der Robe war auch so eine Geschichte.
Man erfuhr, nach mehrerem Fragen und gut zureden, dass der Großvater sie ihr vermacht hatte und jener wohl deutlich beleibt, während das Kind ein zartes, filigranes Wesen war. Als das Mädchen, ihr Name lautete wohl Loralith, ihre Erklärung abgeliefert hatte, drehte sie sich plötzlich zu Sylvie um und hauchte strahlend:
"Sechzehn!"
"Bitte... wie?", die überforderte Antwort
"Ich bin vor einer Woche sechzehn geworden."
Dann verschwand sie in den ihr zugewiesenen Räumlichkeiten und ließ eine verdatterte Schwester Sylvie zurück, die sich kurz fragte, ob die Kleine Gedanken lesen könne, denn abgesehen davon, dass sie nicht ganz wie sechzehn Jahre aussah, verhielt sie sich auch nicht so. Naja, auch nicht kindisch nur so, so... anders.
In den frühen Morgenstunden fragte sich die ältere Klosterschwester allerdings gleich erneut, ob die Altersangabe nicht doch eine Mär war, denn sie fand den ihr zugewiesenen Schützling mitten im Kräuterbeet, wo sie sich mit einem Töpfchen Kirschquark niedergelassen hatte und diesen nur durch abschlecken des Zeigefingers naschend leerte.
"Ist von Braen und ich hab ihm versprochen, dass ich was ess!"
Über solche Antworten oder Erklärungen, verwirrend, ohne jeglichen Zusatz und unvermittelt, wunderte sich Sylvie im Laufe des Tages nicht mehr. Fleißig konnte sie sein, hatte geholfen das Kräuterbeet umzugraben und Winteräpfel getrocknet. Selbst die Arbeit in der Spinnerei ging ihr gut von der Hand, doch während der Körper seine Arbeit tat, schien der Geist in den Wolken, denn verträumt blickte sie meist nicht auf die Arbeit, sondern betrachtete dabei die unsinnigsten Dinge und Gegenstände. Vom Zinneimer, über alte Webfäden, bis hin zu Hühnerdung. Nicht selten scheuchte Bruder Basilius sie dann weiter und jammerte über die Träumerei am helligten Tage. Ach und Herrin, was hatte Schwester Oceana, die Bibliothekarin zuerst geschaut, als das Mädchen mit einer Pfeife im Mund vor den teuren Büchern stand.
"Schon gut, ist aus. Hab keinen Tabak mehr."
Ja, was für ein eigenartiges, kleines Ding.
Seufzend griff Sylvie nach dem Waschschwamm, tauchte ihn tief in das Wasser und begann Loralith's Rücken zu schrubben. Diese brachte zwar kein Wort des Dankes über die Lippen, doch begann sie eine, höchst dramatisch schiefe, Melodie zu summen.
Herrin, sie ist eine von Tithus' Schülerinnen und ja, das erklärte immerhin so einiges. Zumindest war sie ein gutes, freundliches Wesen und auf ihre besondere Art und Weise, wenn man sie erst einmal kennengelernt hatte... auch ganz amüsant.
Ein breites Lächeln entspannte Sylvies Züge, als sie sich an das bizarre Gebet erinnerte, welches die Kleine im Gras unter dem Lichtbaum liegend, mitten in der Nacht, an den Sternenhimmel gerichtet hatte...
[img]http://i422.photobucket.com/albums/pp305/zimtkaugummi/Loragebetsmall.jpg[/img]