Lektionen
Verfasst: Dienstag 23. Dezember 2008, 13:25
Die Strafe der Gottlosigkeit. Sie zahlen für ihre Schwäche.
Gedämpft erklangen die Worte neben ihr aus dem Schatten der Kapuze. Der Geruch von verbrannten Holz und Stroh umwölkte sie, während die beiden Robenträger umgeben waren von eilig herumlaufenden Menschen und dem üblichen Chaos nach einem Angriff. Waffen wurden beiseite gelegt und nur noch das gerettet, was halbwegs zu retten war. Meist trugen sie Eimer bei sich oder nasse Umhänge, um die Brände zu löschen, bestand doch in Bajard, was nur aus hölzernen Häusern erbaut worden war, allzu leicht die Gefahr, dass die Brände mit dem Wind, der hier an der Küste sehr viel stärker wehte als im Binnenland, weitergetragen zu werden von Haus zu Haus.
Mor wusste durchaus, welchen Beitrag Tharon zu diesem Werk geleistet hatte, auch wenn ihr die Details nicht bekannt waren und sie kein Recht hatte, diese auch nur irgendwie einzufordern. Sie war sich auch bewusst, dass sie hier nicht wegen der vermutlich schönen Aussicht aufs Meer waren. Der Menschenschlag, der hier lebte, war ihm eindeutig zuwider und auch sie, die sich nun für ihren Weg endgültig entschieden hatte, hielt wenig von einem feigen Zurückziehen aus dem Krieg zwischen den Göttern. Es war ohne Zweifel eine der vielen Lektionen, die noch folgen und ihren Glauben festigen sollten, ehe er so gestaltet und geformt war, wie der Templer es sich wünschte.
Ihr Blick aus den allmählich schon vom beißenden Qualm brennenden Augen schweifte über die Toten, die am Boden lagen und in ihr regte sich Mitleid... und doch schalt sie sich zugleich im Stillen eine Närrin.
Leise Worte tauschten sie beide aus. Er lehrte sie auf diese Weise die Gebote des All-Einen - sich nicht vom Gold blenden zu lassen, kein Mitleid gegenüber Ketzer, ganz gleich welcher Art. Während sie mit dem ersten Punkt keine allzu großen Probleme hatte, bereitete der zweite ihr doch umso mehr welche. Sie war sich jetzt schon sicher, dass es noch viele Diskussionen geben mochte, doch andererseits war Tharon einer der wenigen, dem gegenüber sie ihre Zweifel unumwunden zugeben mochte. Er verstand sie, auch wenn er die Zweifel nicht billigte, und zeigte große Geduld bei seinen Erklärungen - nicht der einzige Grund, warum sie große Achtung vor dem Clericus hatte.
So setzten beide leise miteinander redend ihren Weg durch den Ort weiter fort, ohne groß Beachtung zu erregen.
Als sie ehrlich nach dem "Warum" dieses Angriffs fragte, kam der Clericus langsam zu einem Punkt, der vor allem ihr Interesse weckte. Sie erfuhr seine Ansicht über das Geschehen, über die 'Mittel', die er genutzt hatte und seinen Beitrag dazu und in ihr reifte, noch fern und eher wie ein Plan für die Zukunft, etwas heran.
Der Eine heißt jedes Mittel willkommen, was seinem Werk dient.
Es klang nach einer Möglichkeit, wie sie sie zuvor nie gesehen hatte. Der Greifenkodex und auch ihre eigene Ehre standen dem im Weg, doch jetzt, nach dem Ende der Greifen, fühlte sie sich frei genug für eine andere Sicht der Dinge.
Es war noch viele Fragen, die sie beschäftigten, als sie schon längst den Heimweg angetreten hatten. Fragen nach Täuschung und Tarnung, sofern kein anderer Weg möglich ist. Fragen nach einem "Richtig" oder "Falsch" mancher ihrer Ansichten. Es waren so viele kleine Dinge, die sie noch nicht wirklich begriff oder wo sie unsicher war. Aber die Bereitschaft zu lernen war da.
Es war spät am Abend, als sie ein möglicherweise folgenschweres Versprechen abgab und damit gab es endgültig kein Zurück mehr für Mor.
Wenn ich von meinem Weg abkomme, dann töte mich.
Jenes wird es sein, was dich erwartet, solltest du den Einen und sein Werk verraten...
Gedämpft erklangen die Worte neben ihr aus dem Schatten der Kapuze. Der Geruch von verbrannten Holz und Stroh umwölkte sie, während die beiden Robenträger umgeben waren von eilig herumlaufenden Menschen und dem üblichen Chaos nach einem Angriff. Waffen wurden beiseite gelegt und nur noch das gerettet, was halbwegs zu retten war. Meist trugen sie Eimer bei sich oder nasse Umhänge, um die Brände zu löschen, bestand doch in Bajard, was nur aus hölzernen Häusern erbaut worden war, allzu leicht die Gefahr, dass die Brände mit dem Wind, der hier an der Küste sehr viel stärker wehte als im Binnenland, weitergetragen zu werden von Haus zu Haus.
Mor wusste durchaus, welchen Beitrag Tharon zu diesem Werk geleistet hatte, auch wenn ihr die Details nicht bekannt waren und sie kein Recht hatte, diese auch nur irgendwie einzufordern. Sie war sich auch bewusst, dass sie hier nicht wegen der vermutlich schönen Aussicht aufs Meer waren. Der Menschenschlag, der hier lebte, war ihm eindeutig zuwider und auch sie, die sich nun für ihren Weg endgültig entschieden hatte, hielt wenig von einem feigen Zurückziehen aus dem Krieg zwischen den Göttern. Es war ohne Zweifel eine der vielen Lektionen, die noch folgen und ihren Glauben festigen sollten, ehe er so gestaltet und geformt war, wie der Templer es sich wünschte.
Ihr Blick aus den allmählich schon vom beißenden Qualm brennenden Augen schweifte über die Toten, die am Boden lagen und in ihr regte sich Mitleid... und doch schalt sie sich zugleich im Stillen eine Närrin.
Leise Worte tauschten sie beide aus. Er lehrte sie auf diese Weise die Gebote des All-Einen - sich nicht vom Gold blenden zu lassen, kein Mitleid gegenüber Ketzer, ganz gleich welcher Art. Während sie mit dem ersten Punkt keine allzu großen Probleme hatte, bereitete der zweite ihr doch umso mehr welche. Sie war sich jetzt schon sicher, dass es noch viele Diskussionen geben mochte, doch andererseits war Tharon einer der wenigen, dem gegenüber sie ihre Zweifel unumwunden zugeben mochte. Er verstand sie, auch wenn er die Zweifel nicht billigte, und zeigte große Geduld bei seinen Erklärungen - nicht der einzige Grund, warum sie große Achtung vor dem Clericus hatte.
So setzten beide leise miteinander redend ihren Weg durch den Ort weiter fort, ohne groß Beachtung zu erregen.
Als sie ehrlich nach dem "Warum" dieses Angriffs fragte, kam der Clericus langsam zu einem Punkt, der vor allem ihr Interesse weckte. Sie erfuhr seine Ansicht über das Geschehen, über die 'Mittel', die er genutzt hatte und seinen Beitrag dazu und in ihr reifte, noch fern und eher wie ein Plan für die Zukunft, etwas heran.
Der Eine heißt jedes Mittel willkommen, was seinem Werk dient.
Es klang nach einer Möglichkeit, wie sie sie zuvor nie gesehen hatte. Der Greifenkodex und auch ihre eigene Ehre standen dem im Weg, doch jetzt, nach dem Ende der Greifen, fühlte sie sich frei genug für eine andere Sicht der Dinge.
Es war noch viele Fragen, die sie beschäftigten, als sie schon längst den Heimweg angetreten hatten. Fragen nach Täuschung und Tarnung, sofern kein anderer Weg möglich ist. Fragen nach einem "Richtig" oder "Falsch" mancher ihrer Ansichten. Es waren so viele kleine Dinge, die sie noch nicht wirklich begriff oder wo sie unsicher war. Aber die Bereitschaft zu lernen war da.
Es war spät am Abend, als sie ein möglicherweise folgenschweres Versprechen abgab und damit gab es endgültig kein Zurück mehr für Mor.
Wenn ich von meinem Weg abkomme, dann töte mich.
Jenes wird es sein, was dich erwartet, solltest du den Einen und sein Werk verraten...