"Ich geh nur kurz Pfeifenkraut kaufen..."
Verfasst: Donnerstag 18. Dezember 2008, 20:45
Es hatte ihr keine Ruhe gelassen. Seit sich die Angriffe der Untoten gemehrt hatten, waren alle in ständiger Alarmbereitschaft gewesen, und ein Teil dieser Unruhe, Sorge, hatte sich in die Gedanken gefressen.
"Er wagt es wieder. Widerlicher Dämon, vergammelter. Temora hätte ihn gleich ins Weltenfeuer werfen sollen. Oder... ist es nicht er? Es wäre den Rabendienern gut zuzutrauen, daß sie nur das Geschehen aus einer anderen Quelle als das Werk von ihm verkaufen. Wie Aasgeier daraus Nutzen ziehen.
Was, wenn es nicht mehr als das alte Spiel seit jeher ist? ER tut gar nichts, oder kaum etwas, es sind seine Schergen, die zu weit gehen, Verbrechen begehen wie niederstes Gewürm, morden..."
Sie brummte unwirsch. Einerseits mochte noch konnte sie glauben, daß diese Finsternis tatsächlich das Ende der Welt bedeuten sollte, die Zeit des letzten Kampfes von Eluives Schöpfung gegen alles finstere, gegen jede Niedertracht - und doch konnte es doch nicht einfach irgendwas harmloses sein wie ein Schluckauf, der vorüberging.
Orakel und Fragen zuhauf, doch es war frustrierend, wie es an einem Grund fehlte. WARUM blieb der Mond vor der Sonne? "Eluive verbirgt ihr Antlitz vor den Menschen", hatte der aufgeblasene Emir gesagt und es klang schlüssig, möglich, doch nie im Leben hätte sie dann geglaubt, daß die hiesige Kirche der Muttergöttin nichts dazu wüsste. Es war irgendwie einfach zu still alles. Auch ihre Kirche... Temora, die Sehende... nichts.
Die Sterne gaben ihnen Zeichen und Warnung, ja schön - doch auch vor nicht mehr als lediglich den Fakten, die dann handfest existierten. Alles nur Beschreibungen des Seins, aber nicht des Ursprunges. Die Worte der Hochelfe beim Treffen verwirrend bis frustrierend: "Es hat sowas noch nie gegeben." Aber: "Sucht in der Vergangenheit"? Was sollten "Gegenpolereignisse" überhaupt sein? Bevor sie darüber stolperte, was das Treffen schon längst vorbei.
Es war danach gewesen, sie hatte wieder im Kloster gesessen, und erneut grübelte sie über die Aussagen der Elfen, als die Gedanken sich an dem Umstand festbissen, daß ihr auch die Beschwichtigung, im Nebelwald sei alles unter Kontrolle, nicht wirklich Ruhe verschaffte.
"Ich sollte Shalaryl suchen. Wer weiß, ob das Schwert nicht reagiert, im Guten oder Schlechten."
Das Schwert.
Sie hatte mehrfach daran gedacht, doch immer nur flüchtig, es in Sicherheit gewusst, als nun ein ganzer Packen an Sorgen und Fragen sich in ihr Denken entlud. Vielleicht zeigte das Schwert zur Quelle des Unheils? Was, wenn die Finsternis Auswirkungen auf die Waffe hatte? Mochte die dunkle Last auf der Klinge sich wieder regen? Musste man sie im Auge behalten, wieder reinigen? Würde sie gar gebraucht werden?
"Ich gehe etwas nachprüfen", ließ sie am Kloster lediglich bei Cassian als Nachricht, und diese Aussage war in den letzten Tagen nichts ungewöhnliches, doch stockte sie kurz. Sollte sie mehr sagen? "Es kann länger dauern, ich weiß noch nicht, wann ich zurück bin, aber es ist wichtig."
"Wichtiger als ein weiterer einzelner Angriff der Untoten hier... Jedenfalls wichtiger als meine Klinge dabei."
"Ich muß etwas nachprüfen gehen, es könnte eine Weile dauern", sagte sie auch Adrian, doch dem üblich bohrenden Nachfragen folgte nicht viel, ein Absenken des Blickes, das stumme Signal, daß sie nicht antworten wollte - konnte. "Im Nebelwald", sagte sie lediglich leiser, als wäre schon dies eigentlich zuviel. Doch es reichte, um auch ihn verstummen und nur nicken zu lassen. Tabu.
Bis auf die Kälte und die Dunkelheit, die selbst hier ihr ein wenig eindringlicher als sonst schienen, wirkte alles im Wald wie immer. Sie hatte nicht viel mitgenommen... eigentlich nichts außer ihrer üblichen Kleidung und einem weichen dicken Mantel.
Kurz schloß sie die Augen und atmete durch, als sie den Platz erreichte und den niedrig ummauerten Vorhof zum Schrein. Der Blick schweifte über die grauen Fliesen, "das große X", wie sie manchmal innerlich schmunzelnd den Kopf schüttelte. Doch erst galt ihr Interesse dem eigentlichen Schrein und dem dortigen goldenen Schwert auf Grün.
Ruhig, nachdenklich ernster als in Zeiten des Friedens sprach sie ihr gewohntes Gebet. Stille. Es war still, einen Augenblick lang kam ihr selbst der Wald zu still vor, doch dann hörte sie irgendwie doch typische Geräusche. Warum diese Gänsehaut? Nervös?
Langsam und sich immer wieder bedächtig umsehend trat sie zurück auf den Platz, auf die grauen Fliesen. Konzentrierte sich auf das, was darunter... befanden sich die Gewölbe örtlich überhaupt tatsächlich hier drunter? Würde man auch auf sie stoßen, wenn man hier profan grub? Sie konnte es sich nicht vorstellen.
Sie schloß die Augen, wieder dieses Schauern. Leise Worte, die den Mund kaum verließen: "Herrin Temora, Licht in der Dunkelheit - Nastad-e-goth glüht, und wir haben nicht vergessen, warum." Sie spürte, wie etwas um sie herum sich verdichtete, nach ihr griff... "Wieder zieht Finsternis über das Land, des Raben Gier nach Leben unersättlich, doch die Macht von Gelir Ancelliûls Tat und Opfer lebt weiter."
Es war ein gesprochener Schlüssel, der variieren konnte, solange die wesentlichen Bestandteile blieben, und es war zu einem Teil die Gunst der Herrin, daß es durch die geschlossenen Lider hell wurde, als Licht sie umhüllte und wieder deutlich dunkler, als sie sich am Zugang zu den Räumen der Schwertkrypta wiederfand.
Es war dunkel und hell zugleich hier, nie hatte Tageslicht das Innere dieser Mauern berührt, das einzige Licht stammte von diversen Fackeln, die ohne fremdes Zutun hier unten brannten. Sie ließ den Blick schweifen und fragte sich, wie spät es sein mochte, registrierte, daß sie hier noch leichter als oben das Gefühl für die Zeit verlieren würde.
Schon in vorigen Stunden und Tagen der Anwesenheit hatte sie bemerkt, daß das hier außerordentlich leicht fiel. "Ich hätte Leah sagen sollen, daß sie Vertretung für mich stellen soll, wenn irgendwas anliegt." Sie furchte die Stirn. "So lange bleib ich doch nun auch wieder nicht weg." Wieso kam ihr dieser Gedanke so... unrichtig vor, verkehrter als der erste?
"Wie lange sich hier die Schwerthüter wohl manchmal aufgehalten haben?" Absurderweise stellte sie gerade fest, wie wenig es einem hier an notwendigen Dingen mangelte, selbst wenn man Tage hier zubrachte - dabei fehlten sogar so elementare Dinge wie Lagerstätten, Betten. Aber Gefühle wie Hunger, Durst, Müdigkeit stellten sich hier so gut wie nicht ein. Ein amüsiertes Schmunzeln überflog die Lippen, als sie sich vorstellte, wie ein Schwerthüter diese Hallen beträte, Wache hielt und als alter Mann wieder rauskäme, ohne groß das Gefühl verstrichener Zeit empfunden zu haben.
"Oder du kommst raus, und die Welt liegt in Schutt und Asche" - dieser Gedanke war weitaus ernüchternder. "Nein. Sicher nicht. Das wird nicht passieren." Wieder Gänsehaut. Sie setzte sich energischeren Schrittes in Bewegung, nur um am Ende des kommenden Ganges vor einem steinernen Bild an der Wand stehenzubleiben: Es zeigte einen Schwerthüter, der in wohnlicher Umgebung ein Kind unterrichtete. Die Lehren dieser Gewölbe weitergab.
Lange blieb sie stehen und sah es an.
"Er wagt es wieder. Widerlicher Dämon, vergammelter. Temora hätte ihn gleich ins Weltenfeuer werfen sollen. Oder... ist es nicht er? Es wäre den Rabendienern gut zuzutrauen, daß sie nur das Geschehen aus einer anderen Quelle als das Werk von ihm verkaufen. Wie Aasgeier daraus Nutzen ziehen.
Was, wenn es nicht mehr als das alte Spiel seit jeher ist? ER tut gar nichts, oder kaum etwas, es sind seine Schergen, die zu weit gehen, Verbrechen begehen wie niederstes Gewürm, morden..."
Sie brummte unwirsch. Einerseits mochte noch konnte sie glauben, daß diese Finsternis tatsächlich das Ende der Welt bedeuten sollte, die Zeit des letzten Kampfes von Eluives Schöpfung gegen alles finstere, gegen jede Niedertracht - und doch konnte es doch nicht einfach irgendwas harmloses sein wie ein Schluckauf, der vorüberging.
Orakel und Fragen zuhauf, doch es war frustrierend, wie es an einem Grund fehlte. WARUM blieb der Mond vor der Sonne? "Eluive verbirgt ihr Antlitz vor den Menschen", hatte der aufgeblasene Emir gesagt und es klang schlüssig, möglich, doch nie im Leben hätte sie dann geglaubt, daß die hiesige Kirche der Muttergöttin nichts dazu wüsste. Es war irgendwie einfach zu still alles. Auch ihre Kirche... Temora, die Sehende... nichts.
Die Sterne gaben ihnen Zeichen und Warnung, ja schön - doch auch vor nicht mehr als lediglich den Fakten, die dann handfest existierten. Alles nur Beschreibungen des Seins, aber nicht des Ursprunges. Die Worte der Hochelfe beim Treffen verwirrend bis frustrierend: "Es hat sowas noch nie gegeben." Aber: "Sucht in der Vergangenheit"? Was sollten "Gegenpolereignisse" überhaupt sein? Bevor sie darüber stolperte, was das Treffen schon längst vorbei.
Es war danach gewesen, sie hatte wieder im Kloster gesessen, und erneut grübelte sie über die Aussagen der Elfen, als die Gedanken sich an dem Umstand festbissen, daß ihr auch die Beschwichtigung, im Nebelwald sei alles unter Kontrolle, nicht wirklich Ruhe verschaffte.
"Ich sollte Shalaryl suchen. Wer weiß, ob das Schwert nicht reagiert, im Guten oder Schlechten."
Das Schwert.
Sie hatte mehrfach daran gedacht, doch immer nur flüchtig, es in Sicherheit gewusst, als nun ein ganzer Packen an Sorgen und Fragen sich in ihr Denken entlud. Vielleicht zeigte das Schwert zur Quelle des Unheils? Was, wenn die Finsternis Auswirkungen auf die Waffe hatte? Mochte die dunkle Last auf der Klinge sich wieder regen? Musste man sie im Auge behalten, wieder reinigen? Würde sie gar gebraucht werden?
"Ich gehe etwas nachprüfen", ließ sie am Kloster lediglich bei Cassian als Nachricht, und diese Aussage war in den letzten Tagen nichts ungewöhnliches, doch stockte sie kurz. Sollte sie mehr sagen? "Es kann länger dauern, ich weiß noch nicht, wann ich zurück bin, aber es ist wichtig."
"Wichtiger als ein weiterer einzelner Angriff der Untoten hier... Jedenfalls wichtiger als meine Klinge dabei."
"Ich muß etwas nachprüfen gehen, es könnte eine Weile dauern", sagte sie auch Adrian, doch dem üblich bohrenden Nachfragen folgte nicht viel, ein Absenken des Blickes, das stumme Signal, daß sie nicht antworten wollte - konnte. "Im Nebelwald", sagte sie lediglich leiser, als wäre schon dies eigentlich zuviel. Doch es reichte, um auch ihn verstummen und nur nicken zu lassen. Tabu.
Bis auf die Kälte und die Dunkelheit, die selbst hier ihr ein wenig eindringlicher als sonst schienen, wirkte alles im Wald wie immer. Sie hatte nicht viel mitgenommen... eigentlich nichts außer ihrer üblichen Kleidung und einem weichen dicken Mantel.
Kurz schloß sie die Augen und atmete durch, als sie den Platz erreichte und den niedrig ummauerten Vorhof zum Schrein. Der Blick schweifte über die grauen Fliesen, "das große X", wie sie manchmal innerlich schmunzelnd den Kopf schüttelte. Doch erst galt ihr Interesse dem eigentlichen Schrein und dem dortigen goldenen Schwert auf Grün.
Ruhig, nachdenklich ernster als in Zeiten des Friedens sprach sie ihr gewohntes Gebet. Stille. Es war still, einen Augenblick lang kam ihr selbst der Wald zu still vor, doch dann hörte sie irgendwie doch typische Geräusche. Warum diese Gänsehaut? Nervös?
Langsam und sich immer wieder bedächtig umsehend trat sie zurück auf den Platz, auf die grauen Fliesen. Konzentrierte sich auf das, was darunter... befanden sich die Gewölbe örtlich überhaupt tatsächlich hier drunter? Würde man auch auf sie stoßen, wenn man hier profan grub? Sie konnte es sich nicht vorstellen.
Sie schloß die Augen, wieder dieses Schauern. Leise Worte, die den Mund kaum verließen: "Herrin Temora, Licht in der Dunkelheit - Nastad-e-goth glüht, und wir haben nicht vergessen, warum." Sie spürte, wie etwas um sie herum sich verdichtete, nach ihr griff... "Wieder zieht Finsternis über das Land, des Raben Gier nach Leben unersättlich, doch die Macht von Gelir Ancelliûls Tat und Opfer lebt weiter."
Es war ein gesprochener Schlüssel, der variieren konnte, solange die wesentlichen Bestandteile blieben, und es war zu einem Teil die Gunst der Herrin, daß es durch die geschlossenen Lider hell wurde, als Licht sie umhüllte und wieder deutlich dunkler, als sie sich am Zugang zu den Räumen der Schwertkrypta wiederfand.
Es war dunkel und hell zugleich hier, nie hatte Tageslicht das Innere dieser Mauern berührt, das einzige Licht stammte von diversen Fackeln, die ohne fremdes Zutun hier unten brannten. Sie ließ den Blick schweifen und fragte sich, wie spät es sein mochte, registrierte, daß sie hier noch leichter als oben das Gefühl für die Zeit verlieren würde.
Schon in vorigen Stunden und Tagen der Anwesenheit hatte sie bemerkt, daß das hier außerordentlich leicht fiel. "Ich hätte Leah sagen sollen, daß sie Vertretung für mich stellen soll, wenn irgendwas anliegt." Sie furchte die Stirn. "So lange bleib ich doch nun auch wieder nicht weg." Wieso kam ihr dieser Gedanke so... unrichtig vor, verkehrter als der erste?
"Wie lange sich hier die Schwerthüter wohl manchmal aufgehalten haben?" Absurderweise stellte sie gerade fest, wie wenig es einem hier an notwendigen Dingen mangelte, selbst wenn man Tage hier zubrachte - dabei fehlten sogar so elementare Dinge wie Lagerstätten, Betten. Aber Gefühle wie Hunger, Durst, Müdigkeit stellten sich hier so gut wie nicht ein. Ein amüsiertes Schmunzeln überflog die Lippen, als sie sich vorstellte, wie ein Schwerthüter diese Hallen beträte, Wache hielt und als alter Mann wieder rauskäme, ohne groß das Gefühl verstrichener Zeit empfunden zu haben.
"Oder du kommst raus, und die Welt liegt in Schutt und Asche" - dieser Gedanke war weitaus ernüchternder. "Nein. Sicher nicht. Das wird nicht passieren." Wieder Gänsehaut. Sie setzte sich energischeren Schrittes in Bewegung, nur um am Ende des kommenden Ganges vor einem steinernen Bild an der Wand stehenzubleiben: Es zeigte einen Schwerthüter, der in wohnlicher Umgebung ein Kind unterrichtete. Die Lehren dieser Gewölbe weitergab.
Lange blieb sie stehen und sah es an.