Man sieht nur mit dem Herzen gut...
Verfasst: Samstag 29. November 2008, 11:13
1.) Rückkehr mit Schatten
Er hastete trotz der Blinheit förmlich an dem Zimmermädchen vorbei, welches das Gästequartier auf Bitten Niias für ihn zurecht gemacht hatte. Sollte sie doch denken, was sie wollte!
Vermutlich kannte sie ihn nicht, denn fast acht Jahre war es her, dass er die Dornenfeste verlassen hatte und damals, so war er sich beim Klang ihrer Schritte sicher, hatte diese Frau noch nicht hier gearbeitet. Doch hatte wohl auch sie längst vom jüngsten Sproß Arienhs, dem blinden Niall, gehört und so machte sie ihm ruhig Platz und rief:
"Das Bett ist auch frisch gemacht, wenn der Herr noch von der Reise müde ist..."
"Wo ist Shanna?", fiel er ihr ins Wort. Er war zwar dankbar für ihre Hilfe, doch gerade brauchte er seine geliebte, ältere Schwester wie sonst niemanden.
"Ah, ich weiß es nicht. Vielleicht noch auf der Jagd?"
Fast hätte er sie angegiftet, verunsicherte ihn ihre Abwesenheit doch nur noch mehr, denn er musste reden, musste Fragen stellen, die ihm auf der Zunge und m Geist brannten. Aber dann nickte er nur und murmelte mit belegter Stimme:
"Sagt ihr bitte, dass ihr Bruder Niall doch schon heute, nicht erst in zwei Tagen, angekommen ist."
Er glaubte Haar leise rascheln zu hören, als sie artig den Kopf neigte, dann verklangen ihre Schritte schon und auch er war froh, nicht weiter mit ihr plaudern zu müssen. Die bleiche Jünglingshand tastete nach der Klinke und fand sie rasch. Mit einem sehr leisen Quietschen öffnete sich die Türe nach innen und gab ihm seinen Weg frei. Er brauchte auch hier nicht sehr lange, um den Raum tastend zu "sehen" und zu begreifen.
Als er diesen dann geistig zu einem Bild gefügt hatte, ließ er sich seufzend auf dem Bettrand nieder und vergrub das sanfte Gesicht in den Handflächen.
So viel Gedanken, Sorgen und Schrecken hatten ihn in den wenigen Momenten nach seiner Rückkehr übermannt. Dabei hätte alles doch schön ablaufen sollte. Er freute sich Shanna und Sorcha wieder in die Arme schließen zu können, wollte mit Keara plaudern, Demoar, den ersten Kerl, etwas necken, Cathal (sein großes Vorbild) anhimmeln und nicht zuletzt konnte er kaum abwarten Niias Stimme zu hören. Sie war für ihn wie eine Schwester gewesen. Die einzigen Kinder auf der Dornenfeste. Gerne hatte er ihr auch während der letzten Jahre auf der Umosburg den ein oder anderen Brief zukommen lassen, den er diktiert hatte.
Naja, Niias Stimme hatte er dann gehört, doch nichts war so malerisch und schön, wie es hätte bei einer Rückkehr sein sollen. Ein Schatten hatte sich breit gemacht und dieser Schatten nannte sich Asthar.
Irgendwie war er dem Kerl direkt in die Arme gelaufen und wurde schon mit bösen Schimpfreden über seine Familie, die "Fluchbringer", empfangen, welche für das reine, freundliche Jungengemüt keinen Sinn ergaben. Noch besser: Asthar selbst nannte sich "Verwandter", dabei hatte Niall nie von ihm gehört. Uneinsichtig, verwirrt und irgendwann sehr beleidigt hatte Niall ihm Kontra gegeben und wurde mit plötzlicher Aggressivität belohnt. Er bekam Angst, pure Panik, als Asthar gut hörbar für sich überlegte, den Jungen zu erdolchen, damit es Ruhe gäbe und er eine Sorge weniger hatte. Niall merkte wie seine Stimme zu zittern begann.
Dann mischte sich eine Frauenstimme, noch so jung und klar, in das Gespräch und versuchte Asthar zu vertreiben. Er nannte ihren Namen und Niall wurde noch mehr bange: Niia hatte sich eingemischt und stand nun verteidigend, wie eine kleine Löwin zwischen ihm und diesem Irren.
Der "Irre" jedoch hatte ein einfaches Spiel mit den jungen Menschen.
Niall bekam einen Faustschlag an die Seite und Niia eine so schallende, kräftige Ohrfeige, dass sie zu Boden geschleudert wurde.
Als habe er damit nicht schon genug angerichtet, hatte Asthar munter verkündet, dass Niall schuld an Niias Schmerz sei, denn schließlich habe er sie nicht verteidigen können.
Es war dieser Satz, der ihm den Boden unter den Füßen wegzog und ihn wieder zu einem "blinden, unnützen Narren" machte.
Still waren er und Niia nach Asthars Entschwinden zur Burg gelaufen und ebenso still saß er nun in seiner Kammer und mußte... MUSSTE mit Shanna reden, ehe er verzweifelte.
Er hastete trotz der Blinheit förmlich an dem Zimmermädchen vorbei, welches das Gästequartier auf Bitten Niias für ihn zurecht gemacht hatte. Sollte sie doch denken, was sie wollte!
Vermutlich kannte sie ihn nicht, denn fast acht Jahre war es her, dass er die Dornenfeste verlassen hatte und damals, so war er sich beim Klang ihrer Schritte sicher, hatte diese Frau noch nicht hier gearbeitet. Doch hatte wohl auch sie längst vom jüngsten Sproß Arienhs, dem blinden Niall, gehört und so machte sie ihm ruhig Platz und rief:
"Das Bett ist auch frisch gemacht, wenn der Herr noch von der Reise müde ist..."
"Wo ist Shanna?", fiel er ihr ins Wort. Er war zwar dankbar für ihre Hilfe, doch gerade brauchte er seine geliebte, ältere Schwester wie sonst niemanden.
"Ah, ich weiß es nicht. Vielleicht noch auf der Jagd?"
Fast hätte er sie angegiftet, verunsicherte ihn ihre Abwesenheit doch nur noch mehr, denn er musste reden, musste Fragen stellen, die ihm auf der Zunge und m Geist brannten. Aber dann nickte er nur und murmelte mit belegter Stimme:
"Sagt ihr bitte, dass ihr Bruder Niall doch schon heute, nicht erst in zwei Tagen, angekommen ist."
Er glaubte Haar leise rascheln zu hören, als sie artig den Kopf neigte, dann verklangen ihre Schritte schon und auch er war froh, nicht weiter mit ihr plaudern zu müssen. Die bleiche Jünglingshand tastete nach der Klinke und fand sie rasch. Mit einem sehr leisen Quietschen öffnete sich die Türe nach innen und gab ihm seinen Weg frei. Er brauchte auch hier nicht sehr lange, um den Raum tastend zu "sehen" und zu begreifen.
Als er diesen dann geistig zu einem Bild gefügt hatte, ließ er sich seufzend auf dem Bettrand nieder und vergrub das sanfte Gesicht in den Handflächen.
So viel Gedanken, Sorgen und Schrecken hatten ihn in den wenigen Momenten nach seiner Rückkehr übermannt. Dabei hätte alles doch schön ablaufen sollte. Er freute sich Shanna und Sorcha wieder in die Arme schließen zu können, wollte mit Keara plaudern, Demoar, den ersten Kerl, etwas necken, Cathal (sein großes Vorbild) anhimmeln und nicht zuletzt konnte er kaum abwarten Niias Stimme zu hören. Sie war für ihn wie eine Schwester gewesen. Die einzigen Kinder auf der Dornenfeste. Gerne hatte er ihr auch während der letzten Jahre auf der Umosburg den ein oder anderen Brief zukommen lassen, den er diktiert hatte.
Naja, Niias Stimme hatte er dann gehört, doch nichts war so malerisch und schön, wie es hätte bei einer Rückkehr sein sollen. Ein Schatten hatte sich breit gemacht und dieser Schatten nannte sich Asthar.
Irgendwie war er dem Kerl direkt in die Arme gelaufen und wurde schon mit bösen Schimpfreden über seine Familie, die "Fluchbringer", empfangen, welche für das reine, freundliche Jungengemüt keinen Sinn ergaben. Noch besser: Asthar selbst nannte sich "Verwandter", dabei hatte Niall nie von ihm gehört. Uneinsichtig, verwirrt und irgendwann sehr beleidigt hatte Niall ihm Kontra gegeben und wurde mit plötzlicher Aggressivität belohnt. Er bekam Angst, pure Panik, als Asthar gut hörbar für sich überlegte, den Jungen zu erdolchen, damit es Ruhe gäbe und er eine Sorge weniger hatte. Niall merkte wie seine Stimme zu zittern begann.
Dann mischte sich eine Frauenstimme, noch so jung und klar, in das Gespräch und versuchte Asthar zu vertreiben. Er nannte ihren Namen und Niall wurde noch mehr bange: Niia hatte sich eingemischt und stand nun verteidigend, wie eine kleine Löwin zwischen ihm und diesem Irren.
Der "Irre" jedoch hatte ein einfaches Spiel mit den jungen Menschen.
Niall bekam einen Faustschlag an die Seite und Niia eine so schallende, kräftige Ohrfeige, dass sie zu Boden geschleudert wurde.
Als habe er damit nicht schon genug angerichtet, hatte Asthar munter verkündet, dass Niall schuld an Niias Schmerz sei, denn schließlich habe er sie nicht verteidigen können.
Es war dieser Satz, der ihm den Boden unter den Füßen wegzog und ihn wieder zu einem "blinden, unnützen Narren" machte.
Still waren er und Niia nach Asthars Entschwinden zur Burg gelaufen und ebenso still saß er nun in seiner Kammer und mußte... MUSSTE mit Shanna reden, ehe er verzweifelte.