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Briefe aus Tiaresh (Unas Kinder)

Verfasst: Dienstag 11. November 2008, 21:35
von Sorcha Llastobhar
Es waren nun einige Tage vergangen seit sie das Land wieder erreicht hatte, seit der Krieg an den Grenzen sie wieder freiließ und sie in Richtung Heimat schickte. Doch nutzte sie jene Rückreise auch um bei einem ihrerseits sehr geliebten Menschen vorbeizusehen, Una, ihre Cousine. Der Besuch bei den entfernten Verwandten war der erste Moment an dem sie spürte dass all das Leiden wenigstens für einen Moment innehalten konnte, und es waren einige entspannende Tage ehe sie Richtung Heimat ritt.

Ein beinahe feistes Päckchen von einfachen Briefen, knappen Karten bis hin zu kunstvoll versiegelten und bemalten Schriftrollen ist die inhaltlich reiche Ausbeute, welcher nun Sorcha zu Last liegt. Von der Ritterin, der körperlich und seelisch Überlebenden eines Krieges nun also zur Botin, einer Freudenüberbringerin, denn das Hauptthema der Nachrichten strotzt geradezu vor froher Kunde. So finden sich unter vielen Anderen auch folgende Briefe und Karten:


1.)*eine einfache Schriftrolle, mit einem dunkelblauen Samtband zusammengefasst, in welcher wohl auch etwas eingerollt wurde. Die Nachricht ist in einer sauberen und doch eleganten Handschrift verfasst und explizit an Cathal Llastobhar adressiert. Sollte sie aufgerollt werden, so wird dem Leser zunächst ein wunderschöne, azurblaue Spitzenband entgegenfallen, welches eher von Klasse statt Kitsch zeugt und wohl ins Haar gebunden werden kann. Zu lesen ist Folgendes: *


Mein geliebter Sohn,

bevor du dich nun plötzlich fragst ob deine alte Mutter auf ihre späten Tage nun doch senil geworden ist und vergessen hat, dass Eluive in ewiger Güte ihr einen prachtvollen Sohn und nicht etwa ein Töchterlein geschenkt hat, möchte ich dich unterrichten, dass die Haarschleife natürlich nicht für dich, sondern für meine wunderbare, kleine Enkelin gedacht ist. Da euer Besuch nun wieder fast zwei Jahre zurückliegt, weiß ich nicht einmal, ob mir Niia heute die Anrede „kleine Enkelin“ übel nehmen würde, denn ich kann mir ausmalen, dass sie zu einer bildschönen, jungen Frau heranwächst. Una wird es mir sicher verzeihen, wenn ich dir schreibe, dass es mich sehr freut, dass sie so viel von ihrer Mutter und dir zu haben scheint und irgendwann wahrlich Frau statt ewig Mädchen genannt werden wird. Auch wenn Una diese Tatsache immer zu ignorieren schien, ringt so etwas schon viel Ärger mit sich. Ich bin fast versucht jetzt zu lachen, wenn ich bedenke, dass ihre eigene Tochter in nicht wenigen Jahren bald als ältere Schwester der eigenen Mutter angesehen werden könnte, gesetzt wir bekommen hier nicht doch bald alle Falten.
Ach, es gibt sowieso eine Menge an Neuigkeiten zu berichten, die uns Lach- und Sorgenfalten ins Gesicht treiben werden.

Die schönste und großartigste Nachricht möchte ich dir nicht vorenthalten:
Una und Feoras sind nun zum dritten Mal Eltern geworden, denn vor vierzehn Tagen brachte Una mit dem kleinen Eoineth einen gesunden und entzückenden Sohn zur Welt gebracht. Du weißt doch, wie närrisch ich mich verhalte, wenn es um Säuglinge geht. Da sie von der Anstrengung noch sehr erschöpft und entkräftet ist, oblag es mir nach dem Kleinen zu sehen, da Feoras sich nicht besser als mein Bruder damals anstellte und so lange bei ihr am Kindbette wachte, bis sie beide im Kinderraum täglich einschliefen. Da Sorcha sich um die Zwillinge kümmerte, konnte ich den Kleinen ganze Stunden nach der Säugung umsorgen. Ach, schimpf nicht mit deiner alten Frau Mutter aber als ich ihm Schlaflieder gesungen habe, da fiel mir wieder ein, wie ich diese einst dir sang und später Una und Viljo und nun stehe ich da und lulle auch ihre Kinder in den Schlaf. Die Zeit vergeht wie im Fluge.

Der Kleine wird seinen Eltern einmal viel Freude machen. Er ist kein schwächliches Kerlchen und wird wohl bestimmt einmal so groß wie sein Vater werden, doch hat er Unas sanftes Gemüt. Selten quengelt das Kind und wenn er seine großen, nebelgrauen Augen geöffnet hat, so wirkt er nachdenklich und verträumt. Ja, ich glaube, dass ich jetzt schon sagen kann, dass man sich einmal wenig Sorgen um ihn machen muss.
Anders verhält es sich mit den Zwillingen. Sie wirken beide zart und sanft, besonders Mio sieht ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten aus, doch wohnt ein unruhiger, trotziger und eigenwilliger Geist in den kleinen Körpern. Manchmal, wenn sie zur Erlangung ihrer persönlichen Ziele und Wünsche ohne jegliche Rücksicht agieren, fällt es mir schwer nicht sehr dunkle Gedanken zu hegen und einen Vergleich zu meinem jüngsten Bruder, möge er sein Gesicht weder nie mehr im Kreise der Familie zeigen, zu ziehen.
Ach, ich mache mir zu viel Sorgen und denke dabei wirren Unsinn!
Dennoch bin ich froh, dass Niia so eine wohlgeratene und liebreizende, junge Dame geworden ist. Du wirst noch deine Freude haben, wenn ihre Verehrer dir irgendwann die Tore einrennen werden. Doch da bin ich wiederum sehr froh, dass Shanna dir mit kühler Weisheit wohl zur Seite stehen wird. Bitte sei so lieb und umarme sie von mir und noch viel wichtiger: erinnere dich daran, dass euch allen stets die Türe offen steht, wenn ihr euch nach einem Besuch auf Tiaresh sehnt.

Ich vermisse dich mein Sohn.
Pass gut auf dich und die Deinen auf!

Deine Mutter, Ione


2.)*ein adretter, kleiner Brief, der hingegen eher knapp wirkt und mit kleiner, etwas krakeliger Handschrift munter verfasst wurde. Als Empfänger wurde all meine Lieben angegeben*


Phanodains Segen möge euch ebenso umfangen wie mich!

Lieber Cathal,
liebe Shanna,
lieber Demoar,
liebe Keara,
lieber Leith,
lieber Tarleed,
liebe Niia,

noch immer möchte ich die Welt umarmen und würde ich mich nicht so unendlich müde fühlen, dann müsste ich auch jetzt vor Freude tanzen. So ähnlich wie damals beim Fest der ersten Blüte, als du mir das blaue Kleid geschenkt hast, Cath, einfach vor innerer Begeisterung und Glück umherwirbeln. Eoineth ist gesund und wird seinem Namenspatron einmal alle Ehre machen. Das hat er mir schon versichert, als er das erste Mal seine Äuglein aufschlug, mich sah und zwinkernd blinzelte. Vater sieht ihn nun sicher und ist stolz auf seinen dritten Enkel. Lir und Mio wollten ihr Brüderchen so unbedingt sehen, dass sie, ganz zu Sorchas Entsetzen, den großen Eichenbaum neben dem Haupthaus erklommen haben und über das Fenster zu mir in die Kinderstube geklettert sind. Selten habe ich meine beiden Wirbelwinde so still und staunend gesehen. Dieses wunderbare Bild, mein Mann und meine drei Kinder beisammen, hat sich wohl auf ewig in mein Herz gebrannt.
Hah, dabei erinnere ich mich noch gut, wie ich mich ängstlich fragte, ob mir wohl jemals so ein Glück zu eigen werden kann, als ich die Abende noch mit dir, Shanna und Niia in Varuna verbrachte und fast schon etwas neidisch war.
Ach, Shannalein, wie geht es dir? Es ist hier wirklich schwer sich mit einem noch halbwegs normalem, weiblichen Wesen zu unterhalten. Entweder ist das dann Tante Ione, die ständig schimpft und mich behandelt, als wäre ich noch immer keine 13 Sommer alt oder eben die Besucher und Bediensteten, bei denen ich mit „Jawohl, hohe Herrin“ oder „Ganz recht, Frau Llastobhar y Tiaresh“ oder noch schlimmer „Eurer Meinung, hochwohlgeborene Magnifizenz“ abgewimmelt werde. Ich vermisse unsere Gespräche und hoffe, dass ich dich auch bald einmal wieder auf Tiaresh begrüßen darf.
Keara ist da aus dem Schneider, denn sie hat den Sommer ja teilweise bei uns verbracht und mit mir den halben Marillenbaum geplündert. A propos plündern: Demoar, du treulose Nuss, du bist mir auch noch einen Besuch schuldig aber den kann ich einfordern, denn du hast noch die Werke:
Vom Hutzliopochtli und dessen Untaten (gefährliche Spärenwesen) II (aus der Feder des Arcomagus Olbi der Ältere) und
Neue Bannkreisforschung: Variable Reagenzien & magische Orte (aus der Feder des: Orden der Ars Magicae)

und da du ungern Schulden hast und ich nicht möchte, dass du diese Werke per Post oder Boten einer anderen Person übergibst, musst du dich hier wohl blicken lassen.

So lange wünsche ich dir und euch allen eine Zeit voller Licht, Wärme und Gesundheit.

Eure Una




3.)*zwei Karten, welche fast den gleichen Wortlaut innehaben und mit gerader, fast gemalter Schrift verfasst worden sind. Es steht zwar kein Empfänger auf ihnen, dafür haben sich kleine Hände an doch recht ansehnliche Zeichnungen gewagt. Eine Karte, welche schwungvoll mit dem Namen „Lir“ unterzeichnet wurde, birgt als Motiv einen etwas rundlichen Höllenhund, der stolz die viel zu langen Zähne zeigt, während auf der Zweiten, mit dem Namen „Mio“ versehen, ein verwaschenes Elementarwesen eine Art pummeligen, lila Dämon bekämpft. Folgender Text ist in beiden, mit nur leichten Abwandlungen, zu lesen*



Liebe Verwandte,


Danke für die Päckchen und Karten. Der varunesische Winterkuchen war arg gut und der Lir (wahlweise: die Mio) war so verfressen, dass er (sie) ihn jetzt schon gegessen hat, weshalb wir auch gern noch einen nehmen tun.
Nur bitte sagt der Tante Keara, dass sie nimmer so Medizin und Zeug mitschicken soll, denn Großmama verwendet das dauernd bei den kleinsten Schrammen und das ist nicht gut. Lir (Mio) ist sich auch ganz sicher, dass das die *bei folgendem Wort hat man sich wohl schwerer getan* „kintliche Empfalltung“ kaputt macht, wenn man dauernd sowas schlucken muss.
Das Baby ist lustig und hat einen Kopf wie ein Lachmond aber Lir (Mio) hat gesagt, dass es zu Beginn eher wie eine zerknitterte Dörrpflaume aussah, so lila und knautschig war es.

Liebe Grüße und alles sowas!

Mio (Lir) Llastobhar




Alle weiteren Briefe bergen Nachrichten von den älteren Bediensteten, welche mal halbwegs leserlich, mal weniger adäquat Anekdoten und Grüße weitergeben. Meist sind diese an Cathal gerichtet, da sie ihn wohl noch als Kind kannten...



[OOC: damit möchte ich, die Spielerin des Charakters Una Llastobhar, den noch verbliebenen Spielern des Hauses und des Shards liebe Grüße senden, einen kleinen Überblick über die mögliche "Zukunft" des Charakters, fernab des Hauptgeschehens auf Gerimor, abgeben und euch allen weiterhin viel Spaß am Spiel wünschen!]

Verfasst: Montag 24. November 2008, 14:00
von Demoar Llastobhar
Nicht wenig später entsendet Demoar eine prunktvolle Depesche zurück nach Tiaresh. Ganz so als wolle er vor Una glänzen, ist nur das feinste Pergament verwendet und das Schriftbild gleicht einem Kunstwerk, ganz entgegen der eher liederlichen Schriftart, die, wer Demoar kennt, von ihm gewohnt ist...

Liebe Una, lieber Feoras,
für gewöhnlich beginne ich beinahe jedes Schreiben mit den Worten, die mir einst meine Meister an meiner ersten Magierakademie mit auf den Weg gaben: "Wissen und Weisheit mit Euch"
und doch so denke ich, kann ich mir diese Worte bei euch schon seit Langem sparen. Ihr beide wart schon immer für mich wirklich gewordene Vorbilder, nicht zuletzt als ihr Eure Erzmagierwürden erreicht habt. Was ihr beide aber allzeit noch viel mehr für mich wart, als Vorbilder - ihr wart und seid Freunde für mich. Ein Grund mehr, dass diese Begrüßung eher unpassend wäre.
Dennoch, und hierbei verbitte ich mir jede weitere Defamierung meiner Person, muss ich vehement protestieren, wenn ich als "treulos" tituliert werde. Besagter Besuch ließ sich aus gegebenen Dringlichkeiten bisher nicht einrichten, wird aber in baldigster Bälde erfolgen. Nicht zuletzt, weil ich ungern Schulden mache. Ich denke, Una, du nimmst es mir nicht übel, dass ich Abschriften von besagten Büchern habe anfertigen lassen, schließlich beherrbergt meine Bibliothek noch lange nicht alle Werke aus dem umfangreichen Fundus des großartigen Olbi dem Älteren. Ich kenne fürwahr wenige Arcomagii, die es vermögen, ihr fundiertes Wissen in derartig spritziger und unterhaltsamer Form niederzuschreiben, ohne dass es lächerlich anmutet - eher dass die Werke einem Abenteuer für Gelehrte gleichen. Ein Autor ohne gleichen.
Das zweite Buch aus dem Orden der Ars Magicae habe ich ebenso abschreiben lassen, weckt es doch einige nicht allzuferne Erinnerungen in mir.

Eine andere Thematik, die ich in diesem Brief nur kurz anreißen möchte und genauer erörtern werde, sobald ich bei Euch eintreffe, ist ein Phänomen, das derzeit Gerimor ... "überschattet". Sicher finde ich in eurer Bibliothek ein paar Aussagekräftige Hinweise zu besagter Thematik. Dennoch, und das muss ich schon in diesem Brief ankündigen, werde ich kaum lange in Tiaresh verweilen können, dringende Geschäftlichkeiten binden mich in Varuna zu sehr.

Bevor ich mich mit einem Gruß und dem vernüglichen Ausblick auf baldiges Wiedersehen verabschiede, möchte ich dir Una und dir Feoras vor allem aber meine aller herzlichsten Glückwünsche zu Eurem Nachwuchs übermitteln und freue mich schon jetzt, die Kinder leibhaftig zu sehen.

Bis zu diesem Tage verbleibe ich in freundschaftlichem Gruße
Möge es Euch gut ergehen
Demoar

Verfasst: Freitag 28. November 2008, 11:44
von Demoar Llastobhar
Eine Depesche mit dem Siegel der Llastobhars trifft an der Dornenfeste ein. Wird besagte Depesche geöffnet, offenbart sich ein vertrautes Schriftbild.

An das gesamte Haus Llastobhar,
ich spare mir es ob der wenigen Zeit, die mir hier ohnehin verbleibt, euch alle einzeln zu grüßen, ich hoffe, ihr seht mir das nach. Etwas überstürzt bin ich letzter Tage nach Tiaresh aufgebrochen.
Der Beweggrund für diesen Eiligen Aufbruch lag letzthin in der kommenden Besprechung zu welcher ich am Tag des Sonne geladen wurde, betreffs der Bedrohung, die das Reich überschattet. Überschattet.. im wahrsten Sinne des Wortes.
Da ich Una und Feoras ohnehin besuchen wollte, habe ich gleich das Nützliche mit dem Erfreulichen verbunden. Ich denke, ihr habt mich bisher ohnehin noch nicht vermisst, lange bin ich ja noch nicht hier. Der Grund, weshalb ich euch jetzt diese Botschaft schon schicke, ist, dass ich euch um einen Gefallen bitten will.
Ich werde nicht allein zurückkehren und würde euch bitten, Unas und Feoras' altes Zimmer wieder etwas herzurichten. Nein.. leider bleiben Una und Feoras weiterhin in Tiaresh aber ich werde dennoch in Begleitung zweier wahrer... nennen wir sie "Freigeister" reisen.

Ich werde mich jetzt wieder dem Studium Unas faszinierender Bibliothek widmen. Hier gibt es noch so einige Schriften vom grandiosen Olbi dem Älteren, die alle gelesen werden wollen.

Una und Feoras lassen Euch übrigens ihre herzlichsten Grüße übermitteln.

Mit herzlichen Grüßen verbleibe ich
im Hinblick auf ein baldiges Wiedersehen
Demoar Llastobhar

Verfasst: Samstag 29. November 2008, 20:04
von Shanna Llastobhar
Einige Wochen später mag Una einen kleinen, von Meer und Wind schon verwaschenen Umschlag in den Händen halten. Zwar ist die Tinte zum Teil schon leicht verblasst, dennoch wird sie noch klar den Empfänger entziffern können: „Familie Llastobhar-Jagotin, Tiaresh“. Als Absender auf der Rückseite des Briefes ist „Shanna Llastobhar, Dornenfeste bei Berchgard, Gerimor“ in der ihr bekannten Handschrift ihrer Cousine zu lesen.

Bereits wenige Tage nach dem Eintreffen der Briefe ihrer Cousine wollte Shanna ein Antwortschreiben verfassen. Doch schienen alle Umstände gegen diesen Schrieb zu wirken, die Hochzeit des Grafen und der Ritterin, dann die damit verbundenen Aufräumarbeiten, Cathals Tochter Niia Sivija, welche Shannas Hilfe und Verständnis brauchte und die manchmal scheinbar keine Gelegenheit ausließ sich in Bedrängnis zu bringen. Darüber hinaus forderte vieles andere Shannas Aufmerksamkeit und Gedanken wie das Auftauchen des Mannes Asthar, welcher vorgab zur Familie Llastobhar zu gehören, sowie die Rückkehr ihres Cousins Tarleed.
Eines Tages jedoch ging die junge Frau in ihr Zimmer in der Dornenfeste und verschloss ihre Tür. Nachdem Shanna etwa eine halbe Stunde in ihrem Zimmer auf und ab gewandert war, den Brief Unas immer wieder lesend, nahm sie schließlich an ihrem großen, aus dunklem Holz gefertigten Schreibtisch Platz. Noch einige Augenblicke sah sie bewegungslos auf das leere Pergament hinab und erinnerte sich ihrer geliebten Cousine, an ihre gemeinsame Zeit, Unas Stimmfarbe, ihre nebelgrauen Augen... Schließlich tauchte sie die Feder in die Tinte und begann zu schreiben, eben jene Worte, welche Una ein Meer und einige Tage entfernt lesen würde:


24. Rabenmond 251

Unter dem Zeichen der lichten Götter entsende ich dir meine Grüße,
liebste Cousine Una, liebe Freundin.

Kaum Worte könnten ausdrücken wie sehr ich mich gefreut habe von der Geburt eures dritten Kindes Eoineth zu vernehmen. Es ist wunderbar zu hören, dass es dir und deiner Familie gut geht. Ich hoffe doch, dass dein Angetrauter dieser Aufgabe als Familienvater gewachsen ist. Feoras mag ja fähig sein mit seiner Magie die Welt umzuformen, aber kommt er auch mit drei Kindern zurecht? Ich werde wohl nicht umhin kommen mir dieses Schauspiel einmal persönlich anzusehen...
Auch ich vermisse die Gespräche mit dir, liebste Una. Seit deinem Weggang habe ich in unserer Familie keine Frau mehr mit der ich vernünftige Unterhaltungen führen kann. Wie du gewiss weißt, ist Alleen auch fortgegangen und so bleibt Cathals Tochter Niia Sivija, die ja noch etwas zu jung ist, um sie mit Problemen zu belasten. Temora sei Dank, fand ich eine Freundin und Vertraute in der jungen Heilerin Zoe de Velgy und eine zumindest gute Bekannte in der Baroness Mara von den Nebelauen. Ich hoffe die junge Baroness bald besser kennen zu lernen, denn sie scheint eine intelligente und integere Frau mit einem freundlichen Gemüt zu sein. Zoe kenne ich nun schon seit etwa sieben oder acht Monden. Sie ist eine sehr fähige Heilerin und hat ein außergewöhnliches Gespür für menschliche Emotionen. Nicht zuletzt wegen ihres Verständnisses für meine Lage und meine Geschichte stehen wir uns nahe. Nichtsdestotrotz misse ich deine Gesellschaft und unsere Unterhaltungen sehr, denn du bist nicht nur Freundin für mich, sondern auch Familie.

Wollte ich dir alle Ereignisse, die seit deiner Abreise stattfanden, übermitteln, müsste ich dir wohl ein sehr dickes Buch schreiben. Deswegen werde ich versuchen das Wichtigste zusammenzufassen.
Mir geht es gut, zumindest unverändert. Du weißt ja um meinen Gefühlszustand seit jenem unglücklichen Tag. Leider will sich eine Besserung noch nicht recht einstellen, auch wenn Zoe mich mittlerweile davon überzeugt hat, dass ich mich dagegen wehren muss. Du ahnst nicht wie schwer es sein kann, gegen eine Gefühllosigkeit zu kämpfen, die nur den Wunsch danach Tag um Tag zu dämpfen scheinen will. Leider bin ich mit meinem Wissen am Ende, was ich dagegen tun kann, so sehr ich es mir auch zu wünschen glaube. Nichtsdestotrotz will ich mein Leben nicht leer vergeuden und werde nicht aufgeben.
Cathal scheint zurzeit immer mehr von seinen Pflichten gegenüber dem Reich eingenommen zu werden. Nur selten sehe ich ihn noch in der Dornenfeste. Ich fürchte, dass seine häufige Abwesenheit vor allem seiner Tochter zu Schaden kommen wird. Soviel Zeit wie ich nur entbehren kann, verbringe ich mit Niia Sivija, die nun in einem sehr schwierigen Alter ist. Vor wenigen Wochen bekam sie ihre ersten Monatsblutungen und ist nun eine junge Frau. Ich fürchte sie hat sich in einen jungen Krieger namens Sebastian verliebt, glaube jedoch nicht, dass diese Verbindung Niia zum Vorteil gereichen wird. Gar fürchte ich etwas um ihre kindliche Reinheit und ihre Gemütslage. Niia scheint eher von naiverem Gemüte, eine Unschuld, die nicht nur von ihrem Alter rührt. Allerdings läge es mir fern ihr den Umgang mit Sebastian zu verbieten. So sehr ich um sie bange, ich werde ihr nicht ihr Leben nehmen. So bleibt mir nur mit Adleraugen über sie wachen. Ich hoffe dieser Sebastian weiß, dass er ihr besser kein Haar krümmen, kein Leid zufügen und für keine ihrer Tränen verantwortlich sein sollte. Denn sollte dies jemals eintreffen, werde ich persönlich für seinen letzten Atemzug Sorge tragen, das schwöre ich. Natürlich nur, wenn Cathal mir nicht zuvorkommt...
In diesem Zusammenhang sollte ich noch von einem schrecklichen Geschehnis berichten: Auf Demoar wurde ein Mordanschlag verübt. Macht euch keine Sorgen, es geht ihm wieder gut, trotzdem war der feige Anschlag eine haarknappe Angelegenheit. Alles zu den Hintergründen wird er euch selbst berichten, wenn er euch besucht. Aber soviel sei von meiner Seite dazu gesagt: Scheinbar wurde der Mordanschlag von Mariella von Dragenfurt aufgrund einer mutmaßlichen Demütigung ihres Bruders Silvan verübt. Mit tiefer Trauer wurde ich mir in diesem Zusammenhang bewusst, dass die Angehörigen des Adelsstandes sich offensichtlich alles erlauben können. Als wir den Richter Antarian von Weylenstein ins Vertrauen zogen, um diese Frau ihrer rechtmäßigen Strafe zuzuführen, wand er sich trotz unserer Bitte um Stillschweigen in Bezug auf diese Sache sogleich an die Freiin Mariella von Dragenfurt, um welche er übrigens auch wirbt. So hatte sie und ihr Bruder genug Zeit alle Beweise verschwinden zu lassen und es war uns nicht möglich sie anzuklagen. Als ich von diesem infamen Betrug und dieser unsäglichen Lüge hörte, wurde mir schlecht. Immer mehr komme ich zu der Ansicht, dass Adel den Charakter verdirbt. Varuna ist zu einem giftigen Schlangennest geworden, voller leerer Worte, hinter dem Rücken gezückter Dolche ohne sich ihrer wahren Feinde noch wirklich bewusst zu sein. Ein Maskenball, in welchem viele der oberen Schichten nur ihre verrotteten Seelen verbergen wollen. Antarian, welchen ich früher einmal für seine freundliche und integere Art schätzte, ist nur eines der verfaulenden Opfer mit weißstrahlender Maske. Die meisten jener „Titelträger“ sollten sich ihrer Taten schämen und nicht ihrer Herkunft brüsten!
Verzeih bitte, dass ich mich darüber so ausgelassen habe, aber die Unsäglichkeit dieser Angelegenheit beherrscht mein Denken leider viel zu oft. Beinahe hätte ich vergessen dir noch von dieser letzten Sache zu berichten: Auf Gerimor ist ein Mann, vielleicht Anfang 30, mit strahlend weißem Haar aufgetaucht. Er nennt sich selbst Asthar und gibt vor ein Bastard deines verhassten Onkels Kailen zu sein. Bereits zweimal bedrohte er nun Niia, eine weitere Sorge, die uns alle nicht ungerührt lässt. Als ich einmal die Gelegenheit hatte mit ihm in Bajard zu sprechen, machte er auf mich eher einen verirrten, hassgeblendeten und leeren Eindruck, denn den eines gefährlichen Wahnsinnigen. Trotzdem scheint er ein Raubtier zu sein, welches sein Leben eingeschlossen und geschlagen wurde. Er misstraut und fürchtet uns scheinbar, ebenso wie unser Misstrauen ihm gegenüber wächst. Wer vergreift sich schon an einem jungen Mädchen, nur weil er es nicht wagt sich mit uns direkt anzulegen? Ich werde dich in jedem Fall auf dem Laufenden halten, was Asthar angeht. Vielleicht kannst du einmal in den Stammbäumen und Unterlagen auf Tiaresh nachsehen, ob du irgendetwas über ihn findest? Cathal sucht hier seinen Namen vergeblich in den Urkunden.
Als letztes, noch zu berichtendes eine gute Nachricht: Tarleed ist wieder sicher in der Dornenfeste angekommen. Seine lange Reise scheint ihn geprägt zu haben, trotzdem hat er noch dieselbe spöttische Art an sich und lässt keine Gelegenheit aus seine Schwester Keara zu reizen. Ich fürchte ich muss auch auf ihn ein Auge haben, denn er respektiert zumindest meine scharfe Zunge. Auf keinen Fall werden Cathal oder ich dulden, dass er seiner kleinen Schwester das Leben zur Hölle macht.

Du siehst, ich habe unendlich viel zu tun hier, deshalb hoffe ich du verzeihst meine verspätete Antwort. Manchmal habe ich das Gefühl mir wächst hier alles über den Kopf. Ich fürchte nur einfach ich bleibe langsam selbst auf der Strecke.
Ein verdächtiger Krach von unten erinnert mich gerade auch schon wieder daran, dass ich mich nur für wenige Stunden in meinem Zimmer einschließen konnte, um dem Lärm hier zu entgehen. Ich werde diesen Brief morgen früh einem Boten mitgeben, denn morgen fährt ein Schiff nach Tiaresh. Ich hoffe, dass mein Schreiben dich so schnell wie möglich erreicht.

Bitte richte Feoras und deinen drei Kindern wie auch Ione meine lieben Grüße aus. Ich hoffe ich werde sie bald wieder sehen können.

Das Licht möge euch allen leuchten und euch mit Wärme und Vertrauen erfüllen.

Mit Liebe,

Shanna.

Verfasst: Dienstag 27. Oktober 2009, 17:20
von Mio Llastobhar
Brief an die geliebten Eltern

25. Goldblatt 252

Liebster Dari, liebste Nanna,


bitte verzeiht mir, dass ich heute eben nicht all die Floskeln und Grußformeln herabgeschrieben habe, doch brennt mir diesmal so viel auf der Seele und obwohl ich in einer Woche schon wieder bei euch bin, muss ich doch vieles vorher loswerden - wenn auch nur, um derlei Gedanken nicht mehr so drückend mit mir herum zu tragen.
Nundenn:
Dari, Nanna, was wird aus mir, wenn ich den Weg im Liede nicht recht finde? Bitte versteht mich nicht falsch, es ist nichts geschehen und ich habe wirklich nichts angezündet oder Ähnliches, doch alles was ich im Moment übe und versuche ist unbefriedigend und irgendwie nicht das, was ich ersehne. Ich muss sogar so weit gehen, mir einzugestehen, dass ich so einiges, was ich im Moment mitbekomme, sehe und fühle schlichtweg falsch für mein Empfinden anfühlt. Großartig, was? Ich kann schon Nannas leises Hauchseufzen hören und sehe Daris ernüchtertes, müdes Gesicht vor mir aber ich mache wirklich keinen groben Unfug, ich drifte nicht auf irgendeinen falschen Pfad ab und verspüre kein unbändiges Verlangen irgendetwas zu zerstören.
Vielmehr will ich Antworten!
Antworten auf Fragen wie:
Gibt es nur einen "richtigen" Weg im Leben? Gibt es ein Gut und ein Böse? Wenn ich mit dem Aspekt Gut nicht immer übereinstimme, also all dem, was er verkörpert oder wer ihn verkörpern mag, bin ich dann "böse"? Wie verhält es ich hinsichtlich der Magie? Warum die Kontrolle... warum muss ich des Liedes Herrin werden und kann mich nicht einfach führen lassen und somit eins mit ihm werden? Im Gleichklang? Wieso Dirigentin und nicht ein Teil des Stücks?

Lacht nicht über mich und beweint keine der Aussagen.
Ich bin alt genug und beinahe mündig - redet mit mir.

In Liebe zu euch beiden,
Eure
Mio Asheera