Kein Grund mehr, Rot zu werden
Verfasst: Freitag 7. November 2008, 20:34
Langsam wanderte Van durch den Wald von Lameriast. Alles war gleich, so wie immer... und doch... alles war auch irgendwie anders. Die herbstliche Kühle, die über dem Land lag und in den Bergen schon den ersten Reif erscheinen ließ, erschien ihm nicht so kalt wie noch vor zwei Tagen. Auch die Vögel, die man jetzt noch hören konnte, die nicht in sonnigere und wärmere Gefilde geflogen waren – auch sie klangen eigentlich gleich – und doch hörte auch sie Van nun mit seinen neuen erweiterten Sinnen. Hatten diese Vögel wirklich schon immer diesen lebhaften und liebevollen Klang?! Warum fiel ihm dies jetzt erst auf? Konnte so etwas eine Nacht bewirken? Nun, nicht irgendeine Nacht.
DIE Nacht! Wer hätte das gedacht, noch vorgestern abend? Als er Llyn schon in Bajard getroffen hatte, weil sie noch auf dem Festland Krüge kaufen war...
Sie waren dann nicht gleich zurück nach Lameriast gefahren. Erst hatten sie noch die Gelegenheit genutzt, Llyn mal wieder ein wenig unter Menschen zu führen. Was gab es da besseres als die Taverne in Bajard? Wo man doch sowieso schon in Bajard war...
Diesmal ließ es Llyn sich nicht nehmen, etwas zum trinken zu besorgen, während Van sich in der Nähe der Tür an einen Tisch setzte. Sie hatten die ganze Gaststube für sich – doch nicht für lange. Als hätten sich plötzlich Schleusentore geöffnet, strömten Mensch nach Mensch in die Taverne und überflutete sie mit dem Geräusch der Gespräche und des Palavers. Innerhalb von wenigen Minuten platzte die Taverne fast aus allen Nähten; der Lärm der ganzen Gespräche mußte sich sicher wie ein Sturzbach aus den Fenstern in die dahinterliegende ruhige Nacht ergießen – so daß man in der Taverne selber fast sein eigenes Wort nicht mehr verstand.
Da hielt es beide nicht mehr in der Taverne. Llyn hatte wieder eine gehörige Portion Mensch bekommen, wenn auch fast zuviel auf einmal – und Vandalore konnte mit vielen Bäumen und dem Rauschen der Blätter eh mehr anfangen als mit Stimmengewirr und Menschengedränge.
So fuhren sie also nach Lameriast, zu Llyns Zuhause – wo er aber fast mehr weilte als im Haus am Strand.
Zuerst zeigte Llynya ihm dort das Pferd – genauer ein Mustang - das sie zur Pflege aufgenommen hatte. Sie hatten ihn das erste Mal schon vor Wochen alleine an einem verlassenen Haus herumtrotten sehen. Irgendwo mußte doch auch der Besitzer dieses prachtvollen Tieres sein?
Dann half Vandalore Llynya noch die Krüge ins Haus zu tragen... und dann kam der große Umbruch. Wenn Van jetzt so darüber nachdachte, konnte er es selber noch nicht wirklich fassen – aber alles war wahr.
Llyn hatte ein Geschenk für ihn. Ein paar Stiefel für den Winter, wenn es kalt im Wald und auf dem Feld war. Er war darüber so erfreut - und überrascht - das er gar nicht anders konnte, als Llyn fest in den Arm zu nehmen und zu küssen... Kurz war sie wohl erschrocken über diesen Gefühlsausbruch und der darin enthaltenen Leidenschaft, doch dann genoß sie seine Küsse. Die Küsse, die dann auf einmal – langsam und stetig – immer leidenschaftlicher wurden und anfingen, über ihre Wangen hinab ihren Hals zu erforschen. Kurz meinte sie noch, das er kitzeln würde, als sich in die Küsse ein paar sanfte knabbernde Liebesbisse mischten... und dann... wurden beide in der plötzlichen Sturmflut des Begehrens und der Leidenschaft hinweggespült, die da über sie hereinbrach.
Bis zu diesem Moment hatten sie nie mehr getan als sich zu küssen und zu streicheln. Fast unschuldige Momente des kurzen Erfühlens – jedoch immer sofort wieder abgebrochen aus Scham, Scheue und Verlegenheit. Doch dieses Mal nicht mehr.
Wohl hielt er einen Moment verunsichert inne, als sie kurz schmerzerfüllt aufstöhnte – doch als sie ihm dann bekräftigte fortzufahren und weiterzumachen ließ er sich nicht lange bitten. So verbrachten sie diese besondere magische Nacht damit, sich einander ganz und gar zu schenken, sich gegenseitig zu erforschen und zu erfreuen, wieder und wieder, bis sie schließlich die Erschöpfung übermannte. Wäre es noch Sommer gewesen – der Sonnenaufgang hätte sie noch bei diesem Tun angetroffen. So jedoch war noch Nacht - wenn auch nur noch kurz - als sie dann endlich engumschlungen in den Schlaf fielen.
Van wurde erst wieder einigermaßen wach als sich Llyn – mit noch nassen Haaren von ihrem Bad im Teich und eiskalten Füßen – wieder zu ihm ins Bett gesellte und sich an ihn kuschelte. Um sich zu wärmen – oder um ihn mit der Kälte aufzuwecken, da war sich Van nicht so sicher.
- Plötzlich hoppelte ein kleines Kaninchen vor ihm über seinen Weg und riß ihn aus seinen Gedanken. Hoppla! Konnte das nicht besser aufpassen? Zum Glück für das Kaninchen war er heute nicht auf der Jagd, sondern einfach nur dabei, das Leben und die Welt zu genießen.
So wie diese vorletzte Nacht! Und den anschließenden gestrigen Morgen.
Diese Nacht war wundervoll gewesen. Aufregend – und doch ganz anders, als er sie sich je vorher ausgemalt hatte. Das war auch eine von Llyns Fragen gewesen – wie sie einige beschäftigt hatten nach dieser Nacht.
"War... war es so wie du es dir vorgestellt hast?" – "Warum wirst du eigentlich nicht rot?" – "Mit deiner Freundin daheim wolltest du bis zur Hochzeit damit warten. Was hat denn den Unterschied gemacht?"
Fragen, die er durchaus verstand, die ihre Berechtigung hatten – über die er aber ohne ihre Fragen nie wirklich nachgedacht hätte. Warum war damals bei Eloise und ihm nie der Gedanke aufgetaucht, nicht bis zur Hochzeit zu warten? Sie waren ewig zusammengewesen – wenn er jetzt so zurückdachte. Warum hatten sie und er nie... War diese "Beziehung" auch schon damals nicht richtig gewesen? War sie nur eine kindliche Schwärmerei? Der erste Kuß ging von seiner Seite aus. Gab es jemals etwas ähnliches damals von ihr ausgehend? Konnte diese "Beziehung" damals, vor – wie ihm jetzt schien – unendlicher Zeit, gar nicht anders als auseinandergehen? Mußte das einfach so kommen, nur damit er diese Frau jetzt finden konnte, die ihm so viel geschenkt und gegeben hatte? Ohne, das er sie gesucht hätte. Das war etwas, was er noch am faszinierendsten fand: Er hatte Llynya gefunden, ohne sie gesucht zu haben. Ohne überhaupt auf der Suche gewesen zu sein.
BAMM! – plötzlich war sie da. Und BAMM! – genauso plötzlich war dann diese Nacht da.
Rot werden... oh ja, was war er rot geworden, als sie sich das erste Mal geküsst hatten. Fast wie eine Kirsche, wie Llyn meinte. Und jetzt? Nach dieser Nacht wurde Llyn immer noch rot. Und er? Warum er nicht? Wenn er so darüber nachdachte, konnte es für ihn keine andere Antwort geben: Es gab einfach keinen Grund mehr, um rot zu werden.
Oh ja – in Bajard... da waren immer viele Menschen unterwegs. Dann noch diese Unsicherheit in Bezug auf diese wunderbare Frau... man möchte ja auch nichts verkehrtes tun... doch nach und nach bekommt man Sicherheit, Rückendeckung, von eben dieser Frau. Sie hilft einem, wieder zu sich zu finden, in sich zu gehen, sicherer zu werden. In Bezug auf sich – in Bezug zu ihr. Sie hilft einem damit, männlicher zu werden... zum MANN zu werden! Danach hat man keinen Grund mehr, Rot zu werden. Nur Dank ihr. Aber dies ihr mitzuteilen fiel ihm schon etwas schwerer. Denken und reden sind halt zwei Paar Schuhe. So richtig klar wurde ihm das auch erst gestern und heute hier im Wald – unterwegs – herumstreifend – nachdenkend.
Auf die letzte Frage von ihr jedoch gab es für ihn nur eine klare Antwort:
"Van.. Was ist, wenn ich schwanger werde?" – leise kam dies von ihr, geflüstert...
Nun, dann würde er zu ihr stehen. Er würde für sie aufs Feld gehen – auch wenn er dies nie wirklich gewollt hatte – weswegen er ja sogar damals - auch - das heimatliche Dorf verlassen hatte... Doch wenn das wirklich passieren sollte – und der erste Gedanken daran hatte ihn schon ein wenig erschreckt – doch wenn dies passieren sollte, dann wäre er da für sie – und das Kind!
Also hieß es, sich nun langsam zusammenreißen und genug verdienen, daß er sich wenigstens ein Häuschen hier auf Lameriast würde bauen können – in Llyns Nähe.
Sie, die ihm in so vielen geholfen hatte.
Bei ihr wollte er sein – und auch ihr helfen, das sie nicht mehr rot wurde.
Denn es gab überhaupt keinen Grund mehr, rot zu werden!
DIE Nacht! Wer hätte das gedacht, noch vorgestern abend? Als er Llyn schon in Bajard getroffen hatte, weil sie noch auf dem Festland Krüge kaufen war...
Sie waren dann nicht gleich zurück nach Lameriast gefahren. Erst hatten sie noch die Gelegenheit genutzt, Llyn mal wieder ein wenig unter Menschen zu führen. Was gab es da besseres als die Taverne in Bajard? Wo man doch sowieso schon in Bajard war...
Diesmal ließ es Llyn sich nicht nehmen, etwas zum trinken zu besorgen, während Van sich in der Nähe der Tür an einen Tisch setzte. Sie hatten die ganze Gaststube für sich – doch nicht für lange. Als hätten sich plötzlich Schleusentore geöffnet, strömten Mensch nach Mensch in die Taverne und überflutete sie mit dem Geräusch der Gespräche und des Palavers. Innerhalb von wenigen Minuten platzte die Taverne fast aus allen Nähten; der Lärm der ganzen Gespräche mußte sich sicher wie ein Sturzbach aus den Fenstern in die dahinterliegende ruhige Nacht ergießen – so daß man in der Taverne selber fast sein eigenes Wort nicht mehr verstand.
Da hielt es beide nicht mehr in der Taverne. Llyn hatte wieder eine gehörige Portion Mensch bekommen, wenn auch fast zuviel auf einmal – und Vandalore konnte mit vielen Bäumen und dem Rauschen der Blätter eh mehr anfangen als mit Stimmengewirr und Menschengedränge.
So fuhren sie also nach Lameriast, zu Llyns Zuhause – wo er aber fast mehr weilte als im Haus am Strand.
Zuerst zeigte Llynya ihm dort das Pferd – genauer ein Mustang - das sie zur Pflege aufgenommen hatte. Sie hatten ihn das erste Mal schon vor Wochen alleine an einem verlassenen Haus herumtrotten sehen. Irgendwo mußte doch auch der Besitzer dieses prachtvollen Tieres sein?
Dann half Vandalore Llynya noch die Krüge ins Haus zu tragen... und dann kam der große Umbruch. Wenn Van jetzt so darüber nachdachte, konnte er es selber noch nicht wirklich fassen – aber alles war wahr.
Llyn hatte ein Geschenk für ihn. Ein paar Stiefel für den Winter, wenn es kalt im Wald und auf dem Feld war. Er war darüber so erfreut - und überrascht - das er gar nicht anders konnte, als Llyn fest in den Arm zu nehmen und zu küssen... Kurz war sie wohl erschrocken über diesen Gefühlsausbruch und der darin enthaltenen Leidenschaft, doch dann genoß sie seine Küsse. Die Küsse, die dann auf einmal – langsam und stetig – immer leidenschaftlicher wurden und anfingen, über ihre Wangen hinab ihren Hals zu erforschen. Kurz meinte sie noch, das er kitzeln würde, als sich in die Küsse ein paar sanfte knabbernde Liebesbisse mischten... und dann... wurden beide in der plötzlichen Sturmflut des Begehrens und der Leidenschaft hinweggespült, die da über sie hereinbrach.
Bis zu diesem Moment hatten sie nie mehr getan als sich zu küssen und zu streicheln. Fast unschuldige Momente des kurzen Erfühlens – jedoch immer sofort wieder abgebrochen aus Scham, Scheue und Verlegenheit. Doch dieses Mal nicht mehr.
Wohl hielt er einen Moment verunsichert inne, als sie kurz schmerzerfüllt aufstöhnte – doch als sie ihm dann bekräftigte fortzufahren und weiterzumachen ließ er sich nicht lange bitten. So verbrachten sie diese besondere magische Nacht damit, sich einander ganz und gar zu schenken, sich gegenseitig zu erforschen und zu erfreuen, wieder und wieder, bis sie schließlich die Erschöpfung übermannte. Wäre es noch Sommer gewesen – der Sonnenaufgang hätte sie noch bei diesem Tun angetroffen. So jedoch war noch Nacht - wenn auch nur noch kurz - als sie dann endlich engumschlungen in den Schlaf fielen.
Van wurde erst wieder einigermaßen wach als sich Llyn – mit noch nassen Haaren von ihrem Bad im Teich und eiskalten Füßen – wieder zu ihm ins Bett gesellte und sich an ihn kuschelte. Um sich zu wärmen – oder um ihn mit der Kälte aufzuwecken, da war sich Van nicht so sicher.
- Plötzlich hoppelte ein kleines Kaninchen vor ihm über seinen Weg und riß ihn aus seinen Gedanken. Hoppla! Konnte das nicht besser aufpassen? Zum Glück für das Kaninchen war er heute nicht auf der Jagd, sondern einfach nur dabei, das Leben und die Welt zu genießen.
So wie diese vorletzte Nacht! Und den anschließenden gestrigen Morgen.
Diese Nacht war wundervoll gewesen. Aufregend – und doch ganz anders, als er sie sich je vorher ausgemalt hatte. Das war auch eine von Llyns Fragen gewesen – wie sie einige beschäftigt hatten nach dieser Nacht.
"War... war es so wie du es dir vorgestellt hast?" – "Warum wirst du eigentlich nicht rot?" – "Mit deiner Freundin daheim wolltest du bis zur Hochzeit damit warten. Was hat denn den Unterschied gemacht?"
Fragen, die er durchaus verstand, die ihre Berechtigung hatten – über die er aber ohne ihre Fragen nie wirklich nachgedacht hätte. Warum war damals bei Eloise und ihm nie der Gedanke aufgetaucht, nicht bis zur Hochzeit zu warten? Sie waren ewig zusammengewesen – wenn er jetzt so zurückdachte. Warum hatten sie und er nie... War diese "Beziehung" auch schon damals nicht richtig gewesen? War sie nur eine kindliche Schwärmerei? Der erste Kuß ging von seiner Seite aus. Gab es jemals etwas ähnliches damals von ihr ausgehend? Konnte diese "Beziehung" damals, vor – wie ihm jetzt schien – unendlicher Zeit, gar nicht anders als auseinandergehen? Mußte das einfach so kommen, nur damit er diese Frau jetzt finden konnte, die ihm so viel geschenkt und gegeben hatte? Ohne, das er sie gesucht hätte. Das war etwas, was er noch am faszinierendsten fand: Er hatte Llynya gefunden, ohne sie gesucht zu haben. Ohne überhaupt auf der Suche gewesen zu sein.
BAMM! – plötzlich war sie da. Und BAMM! – genauso plötzlich war dann diese Nacht da.
Rot werden... oh ja, was war er rot geworden, als sie sich das erste Mal geküsst hatten. Fast wie eine Kirsche, wie Llyn meinte. Und jetzt? Nach dieser Nacht wurde Llyn immer noch rot. Und er? Warum er nicht? Wenn er so darüber nachdachte, konnte es für ihn keine andere Antwort geben: Es gab einfach keinen Grund mehr, um rot zu werden.
Oh ja – in Bajard... da waren immer viele Menschen unterwegs. Dann noch diese Unsicherheit in Bezug auf diese wunderbare Frau... man möchte ja auch nichts verkehrtes tun... doch nach und nach bekommt man Sicherheit, Rückendeckung, von eben dieser Frau. Sie hilft einem, wieder zu sich zu finden, in sich zu gehen, sicherer zu werden. In Bezug auf sich – in Bezug zu ihr. Sie hilft einem damit, männlicher zu werden... zum MANN zu werden! Danach hat man keinen Grund mehr, Rot zu werden. Nur Dank ihr. Aber dies ihr mitzuteilen fiel ihm schon etwas schwerer. Denken und reden sind halt zwei Paar Schuhe. So richtig klar wurde ihm das auch erst gestern und heute hier im Wald – unterwegs – herumstreifend – nachdenkend.
Auf die letzte Frage von ihr jedoch gab es für ihn nur eine klare Antwort:
"Van.. Was ist, wenn ich schwanger werde?" – leise kam dies von ihr, geflüstert...
Nun, dann würde er zu ihr stehen. Er würde für sie aufs Feld gehen – auch wenn er dies nie wirklich gewollt hatte – weswegen er ja sogar damals - auch - das heimatliche Dorf verlassen hatte... Doch wenn das wirklich passieren sollte – und der erste Gedanken daran hatte ihn schon ein wenig erschreckt – doch wenn dies passieren sollte, dann wäre er da für sie – und das Kind!
Also hieß es, sich nun langsam zusammenreißen und genug verdienen, daß er sich wenigstens ein Häuschen hier auf Lameriast würde bauen können – in Llyns Nähe.
Sie, die ihm in so vielen geholfen hatte.
Bei ihr wollte er sein – und auch ihr helfen, das sie nicht mehr rot wurde.
Denn es gab überhaupt keinen Grund mehr, rot zu werden!