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Die Dunkelheit
Verfasst: Donnerstag 6. November 2008, 20:11
von Der Erzähler
Ein Blick an den Himmel in einer wolkenlosen Nacht vermag vielen den Atem zu rauben. Abertausende kleine und große Lichtpunkte schmücken den Himmel. Sie sind Wegweiser, Hoffnungsspender oder einfach nur wunderschönes Phänomen.
Doch für einige wenige Gestalten unter Eluives Sonne sind sie mehr. Für diese sind sie Anhaltszeichen für Gewesenes und Kommendes, sind Fingerzeig und Warnung. Sie sind in der Lage aus den scheinbar zufälligen Anordnungen der Sterne Bilder zu erkennen und Veränderungen in ihnen zu deuten. Für diese Geschöpfe werden die nächsten Nächte zur Herausforderung.
Schlimmes bahnt sich an, Gefahr von ungeahnter Auswirkung, die Nacht wird sich in all ihrer Macht zeigen.
Seid wachsam, Kinder der Götter, haltet die Augen auf. Seht und erkennt, was das Firmament Euch offenbart. Lauscht den Weisen, jenen, die in der Lage sind, die Zeichen zu deuten... und wischt ihren Rat nicht fort!
Verfasst: Donnerstag 6. November 2008, 20:16
von Nuria Mondin
Eigentlich hatte sie nur eine ganz gewöhnliche Routinesternbeobachtung mit Taralea machen und ihr bei Gelegenheit noch tieferes Verständnis für die Zeichen der Sterne vermitteln wollen. Dass sich ausgerechnet in jenen Momenten aber die Götter ihnen offenbarten, damit hatte sie freilich überhaupt nicht gerechnet. Aber in einem war sie sich ganz sicher: Der Abendstern stand auffällig im Wasserfall. Es würde zu einem Stillstand kommen, oder etwas vergehen... was genau würde geschehen?
Gemeinsam suchten sie nach weiteren Zeichen. Taralea war es, die sie auf die nächste Auffälligkeit hinwies: Eine Sternschnuppe aus dem Himmelsauge. War es die übliche Unruhe am Nachthimmel, oder war es mehr? Eine Warnung vor großem Unheil? Sie war sich nicht ganz sicher. Dafür schien ihr die Sternenlilie ein wenig heller als sonst. Stand ein Verrat an? Oder würde das Unheil in schöner Gestalt daher kommen? Ratlos blickte sie auf die ungewöhnliche Konstellation an Zeichen. Irgendetwas war auch an der Nachtsonne seltsam. Die Strahlen – sie hätte schwören können, dass die Aktivität der Sternschnuppen sich dort erhöht hatte. Aber die Bedeutung davon war ihr schleierhaft. Es war ein Zeichen von Eluive, da war sie sich sicher. Aber was könnte es heißen? Würde Eluive erstarken? Aber das ergab in Zusammenhang mit dem Unheil so recht keinen Sinn. Eigentlich hätte dies doch dann eher das Unheil eindämmen müssen. Bis zum Morgengrauen brütete sie weiter über jene Zeichen, doch auch die aufgehende Sonne schenkte ihr keine rechte Erleuchtung.
Verfasst: Donnerstag 6. November 2008, 22:44
von Taralea Mirrosil
Ganz leicht bewegten sich die Grashalme im Wind. Rings umher herrschte friedliche Stille. Die beiden Körper verschmolzen fast mit der Dunkelheit, reglos lagen sie da, den Blick gen Himmel gerichtet. Eine Decke war wärmend über sie gelegt. Der Herbst hatte die Kälte mit sich gebracht und war in dieser wolkenlosen Nacht nicht zu verleugnen. Dennoch hatten die Frauen auf ein Feuer verzichtet, nichts sollte die Sicht trüben.
Hell leuchteten die Sterne über ihnen, zeigten besonders deutlich ihre atemberaubenden Bilder. Leise flüsternd tauschten sie Beobachtungen aus, deuteten mal hierhin, mal dorthin, genossen gemeinsam die Schönheit der Nacht.
Etliche Male hatten sie dies schon praktiziert und auch wenn Taralea von Mal zu Mal deutlicher die Zusammenhänge verstand, bestaunte sie doch die Erfahrung und das Auge für Details ihrer Freundin und Mentorin.
So war sie auch zunächst nicht überrascht, als Nuria auf ein Gebilde deutete. Ungewöhnlich aber war, dass sie dabei schwieg. Taralea ließ das Bild auf sich wirken, es dauerte einen Moment, bis ihr der geringe Abstand des Abendsterns auffiel. Wie war das noch? Ach ja... Stillstand.
Sie löste den Blick von der Konstellation, begann das Umfeld näher zu betrachten. Es war mehr eine Wahrnehmung aus dem Augenwinkel, doch wie aus Reflex ging ihr Arm in die Höhe, zeigte auf die Sternschnuppe. Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. Bedachte man aber den scheinbaren Ursprung -das Himmelsauge- war es ganz und gar nicht mehr gewöhnlich.
Sie brauchte nicht in Nurias Gesicht sehen, um ihre Reaktion zu bemerken. Zu lange kannten die Frauen sich, als dass ihr die beunruhigten Schwingungen verborgen blieben.
Wie im Gleichtakt nahm die Aufmerksamkeit, aber auch die Anspannung der beiden zu. Sollte sich der unausgesprochene Verdacht bestätigen? Zeichnete sich tatsächlich ein Unheil ab?
Je länger sie suchten, desto mehr Anzeichen fanden sie - was nicht bedeutete, dass sie deshalb schlauer wurden. Was auch immer kommen mochte, es war nichts Gutes... und es war keine Kleinigkeit.
Sie blieben liegen, bis die Nacht verblasste, schweigend zogen sie sich dann zurück. Jede für sich war in die eigenen Gedanken versunken. Ein paar Stunden Schlaf -so sie ihn fanden- danach würden sie sich austauschen.
Verfasst: Donnerstag 6. November 2008, 23:23
von Shalaryl Di'naru
Ja...jetzt war wieder die geeignetste Stunde. Die Lichter in den Bäumen er-
loschen, das ferne Ered Luin nur noch ein sanftes, mattes Schimmern, selbst
die meisten Waldgeister ruhend in den alten Baumriesen. So dunkel war der
Wald nur selten.
Eine schmale, grüne Hand fasst den letzen Ast, ein kurzer Zug, das eine Bein
hierhin, das andere dorthin, dann sitzt die Elfin in der Krone eines der höchsten
Bäume im nächtlichen Wald. Bewusst wendet sie den Blick zunächst gen des
Meeres, um nicht in Richtung der menschlichen Behausungen in der südlichen
Ferne zu schauen. Langsam legt sie sich auf das Astwerk, hier und da raschelt
es leicht, dann steht einem herrlichen Ausblick in bequemer Beobachtungs-
lage nichts mehr im Wege. Zumindest sollte es so sein.
Mit der Himmelsharfe, die im Grunde immer den Anfang ihrer Sternenschau
darstellte, war noch alles in Ordnung, wie jedes Mal erweckte das Glitzernde
Bildnis in der jungen Elfin den Wunsch, wenigstens einmal darauf zu spielen.
Doch die gewohnte Ablenkung mochte keine rechte Dauer aufbauen, etwas
schien merkwürdig am schwachen Klang der Sternenmelodien. Es war
nur ein leiser Unterton, unterschwellig am Rande der gesamten Symphonie...
wo wurde er lauter? Dort...und dort...an dem Zeichen stimmte auch etwas
nicht...sollte das Auge weinen? Sicher nicht. Auch die Nachtsonne weigerte
sich standhaft, ihr normales Bild zu zeigen. Und da... .
Ein wenig runzelte die Elfin die sonst so ebene Stirn. Aus einer entspannenden
Nachtbeschäftigung war ein Omen geworden, das es zu ergründen galt... .
Verfasst: Sonntag 9. November 2008, 19:52
von Nuria Mondin
Erneut ein Abend, an dem es sich um die Sterne drehte. Shalaryl war zu Besuch gekommen... auch wenn sie den Vogel auf der Fensterbank erst entlarvte, als sie ihn mit Salat fütterte. Eine Weile hatten sie bei einem Tee über die Sternbilder geredet. Die Waldelfe hatte andere Deutungsideen, doch es fügte sich zusammen. Alles als ein Ereignis zu deuten ergab keinen Sinn... die Annahme von Shalaryl, dass es sich um zwei miteinander in Zusammenhang stehende Ereignisse handelte, lag nahe. Gemeinsam überlegten sie hin und her, wie sie die Zeichen deuten könnten... und sie kamen schließlich zu einer möglichen, plausibel klingenden Erklärung.
Der Abendstern im Wasserfall zusammen mit einer Katastrophe und starker Nachtsonne könnte auf eine Flut hindeuten. Welche dazu führte, dass etwas Neues erblühte, sich ein Geheimnis lüftete, dieses Neue gar voller Anmut war. Doch warum deutete nichts außerhalb des Nachthimmels darauf hin, dass etwas geschehen würde? Sie vermuteten, dass der Auslöser wohlmöglich weit entfernt war... eine Insel vielleicht. Außerdem stellte sich die Frage: Wann sollte all jenes geschehen?
Als es dunkel genug war, begaben sie sich schließlich gemeinsam hinaus, um abermals die Sterne zu betrachten. Deutlich war zu erkennen, dass die zuvor beobachteten Erscheinungen nunmehr an Helligkeit zugenommen hatten... sicherlich würde also das Ereignis nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Doch was verwunderte, war, dass von allem die Sternenlilie an Helligkeit zugenommen hatte. Nuria stockte der Atem bei der Betrachtung. So bezaubernd hatte sie noch nie zu vor den Himmel geziert. Doch es stellte sie vor ein neues Rätsel. Entweder war das Ereignis, mit dem die Lilie in Verbindung stand, besonders mächtig - oder es lag zeitlich besonders nah. Sie glaubte an letztere Deutung. Doch dies widersprach sich wieder mit der so mühsam mit Shalaryl erarbeiteten Lösung. Also würde jenes Erwachende, jenes sich lüftende Geheimnis, jenes Schöne, was auch immer es war, wohl eher die Ursache als die Folge der anderen Geschehnisse sein. Noch eine Weile zerbrachen sich die beiden Frauen den Kopf, doch sie kamen keinen Schritt weiter. Nach einer gefühlten Ewigkeit machte sich Shalaryl wieder auf den Weg in ihren Hain - und ließ Nuria mit mindestens genauso vielen Fragen zurück, wie sie schon zuvor plagten.
Verfasst: Montag 10. November 2008, 00:31
von Lamentinu Celebren
Bittere Gewissheit
Die Sterne waren Lamentinus zweite Heimat. Kaum ein Abend verging, an dem sie nicht die nächtliche Stille genoss, um sich an das Ufer des Sees im Nebelwald zu begeben und sich von der ganz eigenen Stimmung der Nacht für ihre Werke inspirieren zu lassen und im Mondenschein eine Weise auf ihrer Harfe zu spielen. Sie betrachtete, wie der Mond sich im See spiegelte, zündete einige Kerzen an, welche sie auf den Seerosenblättern angebracht hatte, und genoss jenen Moment der Muse. An diesem Abend war das Licht der Sterne heller als an den meisten Abenden. Eine innere Unruhe hatte sie erfasst, ein Gefühl, als wenn ihr etwas entglitt... eine seltsame Leere. Sie setzte sich auf ihren liebsten Stein am Ufer und ließ den Blick hinauf zu den Sternen schweifen. Ihr fröstelte, obwohl es nicht kälter war als am Abend zuvor. Was war es, dass sie erschauern ließ? Auf seltsame Weise fühlte sie sich in die Ferne gezogen, zu den Sternen. Sie betrachtete die Sterne. Ihr Blick wanderte zum Himmelsauge. Und deutlich sah sie jene Sternschnuppe, die sich aus dessen Augenwinkel löste. Der Himmel weinte.
Stärker wurde die innere Kälte. Ihr Auge wanderte weiter, suchend. Sie blieben an der Sternenlilie haften. Wunderschön strahlte sie – so hell wie noch nie zuvor. Da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Sie griff nach der weißen, versteinerten Lilie in ihrem Haar. Ein Geschenk von Ithorellain, in welchem stets eine gewisse Wärme schlummerte und ihr in düsteren Stunden Kraft gab. Sie war kalt.
Die Gewissheit lähmte ihre Glieder und in stummem Entsetzen starrte sie auf die steinerne Blüte. Schon lange war er fort – seine Tochter hatte er nicht einmal mehr kennen gelernt. Doch die Gewissheit, sein Antlitz nie wieder zu sehen, zerriss ihr Innerstes. Sie wusste nicht, wie lange sie regungslos dort gesessen hatte, bis die erste Träne sich ihren Weg über ihre Wange suchte. Langsam kam wieder Leben in jenen so zerbrechlich anmutenden Körper. Auf einen nahe gelegenen Stein bettete sie behutsam das Schmuckstück, direkt zu Fuße von drei Kerzen. Sie griff zu ihrer Harfe und begann zu spielen... ließ ihre Trauer im Gewand der Musik durch den Nebelwald strömen.
Nur wenige Worte sprach sie, als Shalaryl sie so vorfand, weinend, spielend. Jene wollte nicht glauben, suchte nach Ithorellains Seelenmelodie im Lied – vergebens. Ein kurzes Lied schickte sie zu den Sternen, ehe die Trauer ihr erneut die Kehle zuschnürte.
Zarte Lilie, weißes Kleid,
ist vergangen, ist befreit.
Ist im Sternenlicht verglüht,
noch bevor ganz aufgeblüht.
Mit des Himmelsauges Tränen
meiner Seele tiefes Sehnen
sich verliert im Sternenlicht,
Wasser netzet mein Gesicht.
Sternenlilie, blühe fort,
werde meiner Seele Hort,
während blass der Lilie Klang
hier verweht wie mein Gesang.
Stille, bittere Tränen rannen über ihre Wangen, als Shalaryl sie in den Arm nahm und sie behutsam wiegte, die Trauer mit ihr teilend. Lange dauerte es, ehe sie ihre beruhigende Melodie mitsummte und schließlich zu Worten fand.
„Mein Sinn hat schon lange jenen Augenblick gefürchtet und gleichsam erahnt. Doch stets war mein Geist voller Hoffnung, dass ich sein Antlitz erneut erblicken würde und jene Monde der Trennung verwehen würden, als wären sie nie dagewesen.
Doch... nunmehr scheint es so, als mag jener kurze Hauch eher die gemeinsame Zeit sein. Es ist, als hätten unsere Seelen einander gestreift und in einem Tanz eine weitere Seele geboren, ehe die seine Seele wieder verging und die meine zurückließ, um die Frucht zu nähren und zu einem Geiste heranzuziehen, der nunmehr die verhallte Melodie weiterträgt...“
Sie spürte, wie die Kälte immer weiter durch ihren Körper kroch. Sie nagte an ihrem Herz, griff und zehrte an ihrer Seele. Sie war versucht, jenem kalten Drängen nachzugeben... doch sie wusste, sie durfte nicht. Nicht jetzt. Noch nicht. Sie hatte noch eine Aufgabe zu erfüllen. Es gab keinen im Volk, der ihren Platz einnehmen konnte, niemanden der ihr nachfolgte. Und Rilya brauchte eine Mutter. So versprach sie Shalaryl zu bleiben.
Noch eine Weile verharrten sie an dem See, die Schatten der Melancholie beschwerten ihren Geist. Doch dann war es Shalaryl, die Lamentinu heimbegleitete. Ihr eine warme Erdbeermilch machte und ihr auf liebenswürdige Weise nahe legte zu schlafen. Die Wärme des Getränkes rann durch ihren Körper. Sie deckte sich zu – allein in dem Doppelbett. Aber die Kälte griff unerbittlich nach Lamentinus Seele. Sie zitterte am ganzen Körper. Und sie fühlte, wie sich diese Leere in ihrem Körper und Geist ausbreitete – von innen, unbarmherzig. Sie musste es tun. Noch diese Nacht. Sonst würde es kein Erwachen für sie geben. Sie griff unter ihr Kissen und holte eine kleine, reich verzierte Schatulle hervor. Über das zarte Nachthemd warf sie nur ihre Robe – alle Kleidung war machtlos gegen diese innere Kälte. Barfüßig ging sie erneut zu dem See im Nebelwald.
Behutsam öffnete sie die Schatulle. Sogleich begann es aus dem Inneren hell zu leuchten – ein ganz kleiner Stern, ein Licht, welches nicht brannte. Blau-silbrig schimmerte es und in seinem Innersten waren zwei verwobene Haare gefangen – eines von Lamentinu, eines von Ithorellain. Kaum war sie imstande, die Schatulle festzuhalten, so sehr zitterte sie. Erneut füllten sich ihre Augen mit Wasser und wie durch einen Schleier betrachtete sie jenes Licht.
Sie erinnerte sich, wie sie genau hier gestanden hatten – vielleicht fünfzehn Jahre waren vergangen, nur einen Moment für eine Elfe. Hier hatten sie ihre Seelenverbindung besiegelt – nur sie zwei, unter dem Leuchten der Sterne. Der See war mit Kerzen auf den Seerosen geschmückt – so wie in dieser Stunde. Abermals rannen ihr die Tränen über die Wangen. Diese bittere Gewissheit.
Sie blickte auf das Licht. Die Schatulle hielt sie in der rechten Hand, die linke hob sie an, die Handfläche nach oben gerichtet. Das Licht schwebte darüber. Sie zitterte wie Espenlaub, die Kälte schien allgegenwärtig. Doch dann hob sie die Hand weiter an, atmete einmal tief durch. Sie hauchte jenes Licht von ihrer Hand und es schwebte, von dem Windhauch erfasst, über den See und tanzte seinen letzten Tanz. Leise, und mit von Tränen erstickter Stimme flüsterte sie:
"Ithorellain, annonle lain - ich gebe dich frei."
Ein letztes Mal hörte sie seinen Klang in all seiner Schönheit. Da zersprang jenes Licht in abertausend kleinste Funken und verschwand. Sie fühlte, wie langsam die Kälte wich – doch eine seltsame Leere blieb.
Verfasst: Montag 10. November 2008, 10:07
von Rilya
Es war tiefe Nacht, als Rilya erwachte. Sie wußte nicht, warum, doch hatte sie etwas gehört. Etwas leises... etwas... sie wußte es nicht. Doch hatte sie seid dem Überfall einen sehr leichten Schlaf, schreckte oft auf.
Sie schob die Decke zur Seite und stand auf, die nackten Füßchen tappsten leise auf dem Boden, nur mit einem Hemdchen bekleidet. Sie ging durch das Haus, auf der Suche nach ihrer Mutter. Doch sie war nicht da. Wo war sie? Angst keimte auf, der kleine Körper spannte sich an. Es stimmte etwas nicht. Ihre Mutter ging nie weg, ohne ihr Bescheid zu sagen, und erst recht nicht mitten in der Nacht. Sie schob die Türe einen Spalt auf und lugte hinaus. Waren diese blauen Wesen wieder da? Wollten sie die wieder mitnehmen? Ihr Körper begann zu zittern, doch wohl weniger ob der Kälte.
Alles war ruhig im Tal, kein Anzeichen eines Kampfes. Aber wo war ihre Mutter?
Sie tappste wieder zu ihrem Bett zurück und kletterte hinein, die Decke über den Kopf ziehend. So lag sie still da, in die Stille lauschend, ihren Teddy an sich gedrückt. Sie wußte nicht, wie viel Zeit vergangen war, fast endlos schien es ihr. Doch dann hörte sie leise Schritte, leises Rascheln von Kleidung. Vorsichtig lugte sie unter der Bettdecke hervor und ein erleichtertes Aufatmen war zu hören, als sie ihre Mutter erkannte. Doch sie sah anders aus als sonst. Irgendetwas stimmte nicht.
Erneut schob sie die Decke zurück und erneut tappsten ihre bloßen Füße über den kalten Boden des Hauses. Als sie am Bett ihrer Mutter ankam, wo diese sich gerade hinein gelegt hatte, hielt sie sich nicht mit Worten auf. Seid diesem Zwischenfall war sie ohnehin ruhiger geworden und nun wußte sie instinktiv, daß Worte das Flascheste waren, was sie tun konnte. Sie wußte nicht warum, wußte nicht, warum ihre Nana so verändert war. Doch sie wußte, daß es jetzt nicht die richtige Zeit war, um dies heraus zu finden. So kletterte sie in das Bett ihrer Mutter, schob sich unter ihre Decke und kuschelte sich an sie. Still lag sie da, ihre Ärmchen um sie geschlungen, ihrem Atem und dem Schlagen ihres Herzens lauschend. Die Angst der letzten Stunden war vergessen und schließlich schlief sie friedlich ein.
Verfasst: Sonntag 16. November 2008, 20:20
von Taralea Mirrosil
Mittlerweile gewöhnte sie sich daran, nur noch wenige Stunden Schlaf in der Nacht zu finden und mehrfach über Tag sich etwas Ruhe zu suchen. Wann immer der Sternenhimmel einigermaßen wolkenlos zu betrachten war, lagen die beiden Ältesten der Schwesternschaft auf ihrem Fell und betrachteten das Firmament. Inzwischen hatten sich die Anzeichen vertieft und eine unausgesprochene Sorge schwebte in der Luft. Die Karten hatten sich ebenfalls nur vage Zeichen entlocken lassen, doch allmählich ließ sich nicht mehr verleugnen, dass etwas Großes auf die Welt zukam. Wasser würde eine Rolle spielen und vermutlich würde es nichts Gutes sein.
Nach einigen Diskussionen hatten sie sich entschieden, ihrer Bestimmung zu folgen. Lange hatten Nuria und Taralea überlegt, ob sie es wirklich wagen sollten wieder einzugreifen. So, wie es die Generationen vor ihnen getan hatten, bevor sie gezwungen worden waren, sich zu verbergen. Schließlich waren sie zu dem Schluss gekommen, es zu wagen, doch wollten sie kein unnötiges Risiko eingehen. Wer hätte sie auch ernst genommen? Bestenfalls hätte man sie als Schwarzmalerinnen verscheucht.
So hatten sie sich also hingesetzt und einen Brief verfasst. Er würde an all die Entscheider und Führer gehen. Die Warnung würde so deutlich, wie die Schwestern es vertreten konnten. Wieder und wieder hatten sie Entwürfe gefasst und schließlich waren sie zu einem halbwegs zufriedenstellenden Ergebnis gekommen, das an die Entscheider und Führer von Städten und Völkern gehen sollte:
Den Segen der Götter mit Euch und den Euren, hochgeschätze/r [passender Titel des Adressaten]
schlechte Nachrichten sind es, die uns dazu veranlassen Euch zu warnen.
Die Götter haben uns Zeichen gesandt, die nicht ignoriert werden dürfen. Dunkle Zeiten stehen uns bevor. Eine Katastrophe wird das Land heimsuchen.
Noch ist uns das Ausmaß nicht bekannt, doch stellt Euch darauf ein, dass die Macht des Wassers viele Menschen in große Gefahr bringen wird. Nehmt dieses Schreiben als eine Warnung und tut es nicht als einen Scherz ab. Schon bald werdet ihr sehen, welches Schicksal von den Göttern bestimmt ist...
Statt eines Absenders prangt eine weiße Ähre unter dem Schreiben.
Jener Brief wurde durch die beiden vervielfältigt und ging schließlich seinen Empfängern zu, wie es die Tradition der Schwestern in Zeiten der Not vorsah, überbracht durch eine weiße Taube.
Wirklich zufrieden stimmte Taralea der Schritt nicht, doch war sie sich durchaus bewusst, dass sie in diesem Fall vorerst an ihre Grenzen gekommen waren. Sie konnten nur hoffen, dass die entsprechenden Personen nicht zu stolz oder naiv waren, die Warnung ernstzunehmen.
Verfasst: Montag 17. November 2008, 18:34
von Vinleif MacGjallar
Der Rat tagte. Vier Gestalten saßen eng aneinandergedrängt und starrten das ausgerollte Pergament an, welches von einem kleinen Feuerchen durchleuchtet wurde. Bärtige Gesellen waren es, mit faltiger, trockener Haut, die von vielen, harten Wintern zeugte – und alle schienen für diesen Moment die Welt um sich herum vergessen zu haben. Argail, der Weise, ein MacAgrona von fünfzig oder gar sechzig Wintern, zudem der Mimir der MacDraig, Kinneth, der vielleicht halb so alt war, schließlich noch zwei MacGjallar, der junge Mimir und der jetzige Anführer der Angurenschaft. All jene drängten sich auf einen ächzenden Stamm und keiner sprach ein Wort.
Vinleif kannte die Zeichen. Er kannte sie, da der alte Mimir seines Clans ihn über Jahre damit belästigt hatte, die Malereien der Südländer zu lernen. Vielleicht hätte er es tun sollen, denn wenn er sich auch noch im Eifer der Jugend im Recht damit sah, weibische Papiermalereien definitiv als unterste Priorität der Ausbildung wahrzunehmen, machte sich nun das kaum genutzte Wissen schmerzlich bemerkbar als… als unvollständig. Doch da war noch Skalbjarn, der junge Mimir! Und eben ihm schenkte zuerst der Chieftain, schließlich auch der Rest des hohen Rates einen abwartenden Blick.
Dieser schien immerhin ansatzweise eine Ahnung von dem zu haben, was er dort tat, als er das Papier einmal um 90° drehte und es neuerlich präsentierte. Dieses Detail, eine peinliche Kleinigkeit, ließ die Laune des Einäugigen doch arg sacken, doch nun machten viele Linien wieder ansatzweise Sinn. Kein Grund, es zu eilig zu haben. Er ließ dem Jungmimir den Vortritt.
„Dee—heee.. m.. m.. n? N! Deeen.. Fünfe? Eh.. Füünf..eee-ee..g..‘en.. hrr?“ Hier konnte Vinleif kurzzeitig brillieren, indem er helfend einwarf: „‘s heißt Segen!“ Und sofort war die Last der Aufgabe wieder an den Jungmimir gefallen, der da fast von der gesamten Angurerschaft beäugt wurde, welche sich um das Feuer versammelte. „Den Seg’n deee.. hr? R! Goss.. Goff.. uhm.. Gott.. ah! Gott’r! Gött’r!“
So bedurfte es noch einiger Holzscheite und schließlich einem Ratespiel, an welchem sich zuerst der restliche Rat, schlussendlich alles mit einem beweglichen Kiefer beteiligte, bis der Inhalt des Schreibens einigermaßen Sinnig herausgefiltert worden war. Dies bedeutete in diesem Fall jedoch umso tiefere Falten der Verwirrung auf fast jeder Stirn…
Einige Augenblicke währte die Stille, bis der Lagerälteste, Argail, das Schreiben dem Jungmimir aus der Hand rupfte und ins Feuer warf. „Gött’r sind nich‘ unsere Sache, soll’n die doch unt’r den nächst’n Weiberrock kriechen, die feig'n Hunde… soll mei‘ Gaul auf der’n Märch’n scheiß’n!“ Eine Aussage, die teils doch auf große Zustimmung, im Falle Craighs auf irgendetwas zwischen Jubelruf und lautem Aufstoßen stieß. Ein paar wenige jedoch schien die Nachricht zu beunruhigen, besonders, da das Wasser doch so ungünstig nahe am baufälligen Rest des alten Grenzpostens lag. Flut? Erdrutsch? Die Stimmung in dem Lager blieb geteilter Natur. Zwischen herben Scherzen und dem Gebaren wider aller Gläubigen, dem lauten Getöne von bartlosen, zerbrechlichen Kindermännern, bleiben doch einige, die still vor sich hin brüteten. Dass Vinleif schwieg, war nichts Besonderes. Ihm konnte man leider nicht ansehen, welcher Seite er anheim fiel.
Verfasst: Montag 17. November 2008, 23:55
von Nuria Mondin
Genau beobachtete sie die Rückkehr der Tauben. Jede Einzelne wurde für ihren Dienst mit Futter belohnt. Bevor sie jene auf ihre Reisen geschickt hatte, hatte jede ein Bändchen von ihr bekommen, jeweils in einer anderen Farbe gefärbt. So wusste sie, wenn eine von ihnen verloren ging und welche Nachricht damit möglicherweise nicht angekommen war. Bestürzt war sie, als die Rückkehr einer ihrer Schützlinge auch in den späten Abendstunden ausblieb. Zur Gräfin von Sternwall hätte sie fliegen sollen, ein wirklich edles Tier. Mit einem leisen Seufzen schickte sie eine neue Botin dorthin. Es war selten, dass ein tierischer Bote nicht wiederkehrte... und so ging sie bedrückt in den Garten, um noch einmal die Sterne zu beobachten. Doch zugleich war sie von innerer Unruhe erfüllt... Unruhe darüber, ob die Herrschenden ihre Botschaften ernst nehmen würden.
Verfasst: Mittwoch 19. November 2008, 00:04
von Der Erzähler
Langsam, für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar, schiebt er sich vorwärts.
Wie magisch angezogen nähert er sich seiner strahlenden Gegenspielerin.
Über Stunden wird sich die Verfolgungsjagd am Himmel ziehen,
bis er sie gefangen hat, sich vor sie drängt und ihre wärmenden Strahlen verdeckt.
Dann ist er der Herrscher am Firmament. Er bringt die Dunkelheit mit sich,
denn nur dann strahlt seine Schönheit vollkommen. Es wird eine lange Nacht... länger als die Welt sie je sah.
Er weigert sich, seinen Weg fortzusetzen, hält die Königin mit ihrer leuchtenden Krone hinter sich verborgen.
Unter seiner Regentschaft erheben sich die Kreaturen der Finsternis. Sie wagen sich aus den Höhlen, versuchen neue Teritorien zu erringen. Manch Lebewesen wird gezwungen sein, Heim und Leib mit roher Gewalt zu verteidigen - oder in Schutz in Verstecken zu suchen.
Das Grauen beginnt...
Verfasst: Mittwoch 19. November 2008, 01:17
von Kilyan Carnova
Der Blick war auf den dunklen Himmel über Vernementon gerichtet, als der Druide sich an die Hauswand seiner Hütte lehnte. Die Arme wurden verschrenkt und die Augen verengt.
Etwas stimmte nicht.
Irgendetwas gefiel Kilyan an dieser Nacht nicht, er konnte es nicht genau bestimmen, das Gefühl nicht richtig fassen, aber es war unweigerlich da. Vielleicht lag es daran, dass der Hain vieles abschirmte, sodass er diesen Argwohn den er verspürte nicht deuten konnte oder er bildete es sich seinfach nur ein.
Sachte schüttelte er den Kopf, als der Blick nun etwas ziellos umher wanderte. Er bildet sich soetwas nicht ein, nein, es liegt irgendetwas in der Luft, irgendetwas, dass sein Unwohlsein, neben des ungewöhnlichen Zustandes des Hains, noch verstärkte.
Er beschloss vorerst abzuwarten, Augen und vor allem Ohren offenzuhalten.
Verfasst: Mittwoch 19. November 2008, 08:02
von Rafael von Arganta
Wie so oft die letzte Zeit vermochte Rafael keinen Schlaf zu finden.
Mit einem Glas Wein in der Hand trat er hinaus auf den Balkon, lehnte sich an und blickte in den Wolkenlosen Himmel.
Die Sterne ... waren es die Sterne? Jedenfalls funkelten sie Heller als sonst.
Heller als er es je gesehen hatte. Nur für den Moment machte er sich wirklich gedanken darüber, dann schob er es ab.
Der Winter kam.
Vielleicht war es ein Zeichen dafür, obwohl es vorher niemals solche Zeichen gegeben hatte.
Noch einmal wunderte er sich darüber, dann genoss er eher diesen Anblick, um dann nach einiger Zeit wieder zurück ins Haus zu treten.
Die Besonderheit des abends ...
Keinerlei Beachtung mehr schenkend
Verfasst: Mittwoch 19. November 2008, 08:49
von Larissa Feanaro
Wie so oft saß sie eds Abends am Ufer, sah auf das Meer hinaus und hing ihren Gedanken nach. Doch dieses Mal war es anders als sonst. Ein Schauer nach dem anderen ging durch ihren schmalen Körper, welcher jedoch nicht an der recht kühlen Luft des herannahenden Winters lag. Dagegen hatte sie sich dementsprechend gekleidet.
Nein.. irgendeitwas wr anders.. irgendetwas geschah...
Ihr Blick suchte die Umgebung ab, das Meer, die Umgebung, den Himmel... ihr Atem stockte als ihr Blick über den tiefschwarzen Himmel striff. Irgendwas... war dort. Irgendetwas war anders. Dies sagte ihr weniger ihr Blick, denn ihr Bauchgefühl. Sie konnte es nicht einordnen, wußte nicht, was sie von dem gefühten Stein in ihrer Magengegend halten sollte. Doch ... irgendwas zog sich zusammen, hüllte sie und ihre Umgebung ein... es kam immer näher. Ihre Unruhe steigerte sich, Mißtrauen und Sorge spiegelte sich nun auf ihren Zügen wieder, vielleicht sogar ein Hauch von Furcht.
Vorbei war es mit der Ruhe am Wasser, in der so so oft Trost gefunden hatte. Sie sprang auf und lief eilig zum Haus zurück. Sie mußte die älteren Schwestern finden. Diese konnten ihr vielleicht Erklärungen geben, welche sie alleine nicht fand. Und... ob dies mit dem zu tun hatte, was Nuria angedeutet hatte?
Verfasst: Mittwoch 19. November 2008, 10:16
von Kanubio Bunjam
Als Kanubio in den Fellen die Augen aufschlug, fiel im Trystjarns Befehl ein: in der Nähe von Wulfgard bleiben, die Umgebung beobachten. Wie er solche Wachrunden doch hasste! Angebunden sein ans Fort, wo es doch gerade jetzt wichtig für ihn war, möglichst viel herumzustreifen, um seine Erinnerungen wiederzufinden.
Aber der Jarl hatte ja recht. Sogar Kanubio selbst hatte bemerkt, dass etwas nicht stimmte. Das, was sich letzte Nacht am Himmel getan hatte, war nicht normal.
Er sah seine Rüstung und seine Waffen durch, wählte das Beste, was er fand, nahm den Weg durch die Küche zum Stall und machte sich auf den Weg.