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Nur ein Traum?

Verfasst: Dienstag 4. November 2008, 00:23
von Lanaya Shevanor
Unruhig tigerte sie durch die Räumlichkeiten und auch der Gedanke an die Reaktion des alten Soldaten ließ sie nicht länger Schmunzeln. Sie hatte ihm angst gemacht, vermutlich war er derlei Reaktion ganz und gar nicht gewohnt. Seit Tagen schon zuckte ein Vorhaben durch ihre Gedanken, ließ sie kaum zur Ruhe kommen und gewann mit jeder Stunde an Tiefe. Es war Zeit, Zeit zusammen zu führen was zusammen gehörte. ER war angenehmerweise mit ihr einer Meinung, drängte sie jedoch nicht die gemeinsame Zeit vorschnell zu beenden was die Vorbereitungen nur vereinfachte. Rahal war der Ort des Geschehens. Was sie weit fort von den schwarzen Toren zurückgelassen hatte würde seinen Weg auf andere Art und Weise zurück nach Hause finden.

Wind peitschte die silberblonden Haare der Arcomaga zurück und ließ den Stoff ihrer Robe an den Konturen des blassen Körpers kleben. Ein Sturm fegte in jener Nacht vieles durch die Gassen. Vom Magierturm in Rahal jedoch ging ein schwaches Leuchten aus, durchzuckte die Finsternis der Nacht mit einem milden, bläulichen Schein. Nahe Beobachter würden die blauen Flammensäulen in den vier Ecken der oberen Plattform erkennen. Zwischen den unwirklichen, magischen Konstrukten stand sie selbstvergessen und hatte den Blick auf etwas in weiter Ferne gerichtet. Wind und Wetter schienen die Arkoritherin ebenso wenig zu stören wie es Tage zuvor die Blicke des Soldaten getan hatten. Langsam, schleichend verwob sie Klangstrukturen und sandte ihr Bewusstsein fort vom eigentlichen Ort des Geschehens. Die Arkoritherin suchte, suchte und rief. Traumweber, Lügenstricker - so waren weniger mächtige ihrer 'Art' beschimpft worden. Doch genau derlei Kunst bediente sie sich nun. Geschickt gewunden auf Basis mentaler Kräfte drang der Ruf in die Träume der Menschen. Manche mochten sich daran erinnern ohne dem Traum eine tiefere Bedeutung zuschreiben zu können. Andere würden davon gar nicht berührt sein. Jene jedoch die ihr Ruf erreichte träumten....


Liebste, Liebste wo bist du?

Wo nur haben wir einander verloren?

Liebste?

Komm zu mir, komm, komm zurück?

Liebste wo bist du?



Eine Frau getaucht in gleißendes Licht, welches so manches Auge blenden würde, stand lockend vor einem Wesen das sie weit überragte. Licht schien mehr zu enthüllen als zu verbergen und selten würde nach diesem Anblick ein anderes Wesen als makellos erscheinen. Eine reine Lichtgestalt deren Stimme glockenhell und intensiv dazu lockte dem Ruf zu folgen. Dunkelrote Flammenzungen schienen das wuchtige Wesen direkt hinter ihr einzuhüllen. Starr stand es an Ort und Stelle, wirkte wie eine steinerne Statue auf der sich irgendeine Flüssigkeit entzündet hatte. Schwarze Nebelschwaden wurden vom Licht der Frau zurückgehalten und ballten sich hinter ihr. Anmutig waren die lockenden Bewegungen der Arme und Hände ehe die Stimme sich erneut erhob um im Traum zu erklingen.


Liebste, ich warte auf dich!

Wo bist du nur?

Komm, komm und erneuere unsere Verbindung!



Im nächsten Moment erlosch der unnatürliche Lichterkranz und der 'Traum' versank in Dunkelheit. Einen Moment würde man den leblosen Blick des Wesens noch erkennen dann würde auch jene Erinnerung verblassen. Nur ein einziges Menschenwesen würde dem Ruf mehr entnehmen können und sich an einen Namen erinnern der vor nicht all zu langer Zeit aus den Mauern der schwarzen Burg verbannt worden war. Dem Namen würden weitere Erinnerungen folgen und sie an ein Band erinnern das darauf wartete neu geknüpft zu werden. ER selbst schien sie zu rufen.


Auf dem Turm in Rahal jedoch erloschen die vier, bläulichen Flammensäulen von einem Augenblick zum Anderen. Die Geräusche des Sturmes übertönten den dumpfen Laut des aufkommenden Körpers und bald schon schien alles wie gewohnt. Erst als das rote Licht der Morgensonne die Dunkelheit vertrieb kehrte Kraft und ein gewisser Wille in ihren Körper zurück. Ein Lächeln zog sich über die Züge und die blauen Augen sahen wachsam über das gerade erwachende Rahal. Ob man ihren Ruf an richtiger Stelle vernommen hatte und die Erinnerung damit wirklich einen kleinen Sprung machen würde vermochte sie nicht zu sagen. Über SEINE ihr zur Verfügung stehende Stärke war sie jedoch in diesem Moment dankbar. Eines der Dinge die sie bedauerte aufzugeben. Doch war es schon immer der Weg der zum Ziel führt und in diesem Fall war ein Schritt zurück überaus dienlich.