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Mein kleiner Freund

Verfasst: Montag 3. November 2008, 10:49
von Ana von Weylenstein
Wie süß du doch bist, wie du da sitzt, wie du hier liegst. Auf Samtpfoten zu mir läufst um dir deine Streicheleinheiten abzuholen...

Mit liebevollen Augen blickte sie zu ihm hinab, wie eine Mutter zu ihrem eigenen Kind. Zu ihrem Blick schlich sich ein weiteres, liebevolles Lächeln auf ihre Lippen. Verwunderlich, sehr verwunderlich, dass sie doch noch etwas gefunden hatte, was sie für den heutigen Abend aufheitern konnte.

Als sie geschafft zuhause angekommen war legte sie sich für ein paar Herzschläge auf das Bett, um zur Ruhe zu kommen. Die Lider senkten sich herab und es war fast so, als würde sie für wenige Minuten in eine Art Schlaf fallen. Sie schreckte erst hoch, als ihr geliebtes Hasenjunges auf das Bett hüpfte und sie mit der Nase anstupste. Der Tag war so ermüdend gewesen und sie konnte sich selbst für ihre Dummheit ohrfeigen. Das Haus war leer, niemand war da, dem sie sich hätte anvertrauen können in ihrer Not. Was war das nur für ein Gefühl? In welcher Welt waren wir angelangt, wenn sich eine Adelige gegen eine Bürgerliche noch groß beweisen musste. Sie seufzte kurz und setzte sich aufrecht auf ihr Bettlaken. Die Fingerspitzen glitten über ihr Kleid und sie setzte sich an ihren Tisch. Wenigstens einem wollte sie ihr Leid klagen ...

... Silvan.
Viel zu lange hatte sie ihn nicht gesehen und irgendwie schien jegliche Spur von ihm verwischt. Als sie mit ihrem fertigen Paket vor seinem Haus stand fand sie es leer und nirgendwo irgendetwas, was auf seine Existenz oder seinen Wohnort schließen ließ. Also machte sie sich auf, um Arenvir zu suchen. Er würde ihm das Paket überreichen können.
Sie hatte zwar nicht damit gerechnet, dass Silvan selbst zugegen war und sie wusste auch nicht, wie sie sich nun verhalten sollte, aber er schien ihre Hand gar nicht mehr loszulassen, so dass sie sich mit ihm in die Räumlichkeiten begab. Er musste ihr unbedingt diese unsagbare Neuigkeit übermitteln und als sämtliche Stimmen auf sie einprasselten, hatte sie keinerlei Möglichkeit mehr, irgendwem genau zu folgen. Aber letztendlich hatte sie doch verstanden, um was es ging. Allzu lange konnte Ana jedoch nicht bleiben, auch hier beschlich sie dieses innere Gefühl, dass sie einfach weggehen musste. Wie am frühen Abend im Schloss der Gräfin. Es war einfach dieses Gefühl, dass sie sich nicht mehr wohl fühlte. Wie sollte sie das erklären? Diesen Fauxpas? Sie wusste nicht, ob sie mit Antarian darüber reden sollte. Es war ihr sichtlich peinlich, dass sie gegen eine Bürgerliche überhaupt antreten musste. Wenn der Adel vom Adel nicht mehr geschätzt wurde, wo werden wir hier dann hinkommen?

Seufzend zog sie sich also zurück und ging den langen Weg bis nach Hause entlang. Erst, als sie den kleinen Welpen zitternd sah wurde ihr Herz wieder ein Stück erwärmt. Sie kniete sich auf den Boden, jetzt, wo man ihr die Ehre genommen hatte, konnte sie sich ja auf dem Boden suhlen, und versuchte, den Welpen anzulocken. Nach geraumer Zeit schien er Schritt für Schritt näher zu kommen und ihr letztendlich auch zu folgen. Es war ein Lichtblick für sie, an diesem grauen Tag. Zuhause angekommen setzte sie ihn auf den wärmenden Teppich und sah dem kleinen Welpen einfach nur zu. Die anfängliche Angst, er würde sich nicht mit ihrem Kaninchen vertragen war recht schnell fort, denn beide zusammen gewöhnten sich recht schnell aneinander.

Schlaf gut, mein neuer Freund. Bald suchen wir einen Namen für dich...

Müde, geschafft und traurig ließ sie sich auf das Bett sinken und kroch unter die Decke, nachdem sie sich entkleidet hatte. Sie versuchte nicht einmal, die Kleider zusammen zu legen sondern lies sie ungeachtet auf dem Boden liegen. Für heute war ihr alles zuviel.