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nagende Ängste für Vinleif und Craigh - ein Schwesternfluch

Verfasst: Montag 27. Oktober 2008, 21:00
von Nuria Mondin
Durchaus zufrieden mit ihrem Werk saß Nuria in der Astgabel eines Baumes und liebkoste sanft die schwarze Katze in ihrem Schoß. Von weitem hätte man meinen können, es herrsche ein Bild von Liebe und Harmonie - bis man das Gesicht der Frau erblickte. In den Augen lag ein Funkeln voller Schadenfreude und Genugtuung, dass man meinen konnte, sie selbst habe bei dem Fluch als Vorlage gedient.

Das Ritual war abgeschlossen... einen halben Mond lang ab der Mitternachtsstunde würde die beiden Anguren fortan ein für sie wahrhaft ungewohnter Schrecken im Alltag auf die Probe stellen. Ein gehässiges Lächeln huschte über ihr Gesicht bei der Vorstellung, was die beiden erwartete. Zurückhaltung war sicherlich eine äußerst unpassende Schilderung für ihre Darstellung des Fluches. Noch einmal ließ sie ihre Stimme vor ihrem inneren Ohr widerhallen und genoss das Gefühl des heraufziehenden Unheils für Craigh und Vinleif - in ihren Augen eine gerechte Lektion für ein verabscheuungswürdiges Verhalten.

"Die Illusion, welche jenen widerfährt, ist ein verändertes Bild von allen Frauen. Alle Frauen, welche die beiden in dem nächsten halben Monde zu Gesicht bekommen, sollen ihnen wie Furien erscheinen. Keine Anmut und Schönheit mögen sie finden, selbst in dem lieblichsten Gesicht. Es mag ihnen gar erscheinen, als würden jene nach ihnen gieren und geifern und ihnen näher rücken wollen, so dass sie den unwiderstehlichen Drang bekommen, zurückzuweichen und zumindest ein Dutzend Schritt auf Abstand von ihnen zu verbleiben.
Jener Anblick möge den beiden Anguren einen Schock in die Glieder fahren lassen, der sie geradezu vor Angst lähmt. Nicht im Stande sollen sie sein, auch nur einen Finger gegenüber einer Frau zu krümmen, um ihr etwas anzutun oder sie gar zärtlich entgegen all ihrer Instinkte zu behandeln. Stattdessen mag eine Urfurcht auf ihren Sinnen liegen, die sie tief ins Mark erschüttert und zweifeln lässt, was die Natur ihnen bestimmte: Kein Drang der Fortpflanzung mag in jener Zeit in ihnen zu finden sein und sie mögen sich unfruchtbar durch jenen Umstand fühlen. Unfähig, eine Partnerin zu finden, welcher sie derartige Anliegen auch auf die entartetste Weise nahe legen könnten.
Ihr Götter, lasst jene für den nächsten halben Mond ab Mitternachtsstunde spüren, was es bedeutet, den Zorn der Schwestern auf sich zu ziehen, indem man das Gleichgewicht ins Wanken bringt!"

Verfasst: Montag 27. Oktober 2008, 22:39
von Vinleif MacGjallar
Schlechte Träume

Schlaf. Für die einen eine willkommene Gelegenheit, das Leben Leben sein zu lassen, um sich selbst die Ruhe zu gönnen, die nach einem beschwerlichen Tag und gerechter Arbeit unter dem Antlitz der Götter bitter nötig ist, für die anderen jedoch ein Zeitpunkt der Schwäche, der Unaufmerksamkeit und Angreifbarkeit.

Vinleif war noch nie ein tiefer Schläfer gewesen. Nie, wenn man von der Jugend und Kindheit absah, von der Zeit, die vor seinen ersten Schritten als Krieger der MacGjallar war. Nach nunmehr gut zwei Jahrzehnten, in denen die Sinne gezielt geschärft wurden wie auch dieser gesunde Grad an Paranoia, den man zum Überleben in der Wildnis benötigte, war jedoch nicht mehr viel geblieben vom tiefen, sorglosen Ruhen von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang. Träume waren ein seltenes Gut geworden und zeugten höchstens von zu großer, tiefgehender Müdigkeit, doch traten sie niemals auf, wenn ein Tag ohne große Ereignisse, ein Mondlauf ohne anhaltende Belastungen verging. Niemals – bis jetzt.

Einmal mehr lag Vinleif im Schlafzelt der Anguren und hatte eine weitere knappe Stunde Schlaf hinter sich gebracht, als ihn das Pflichtbewusstsein, das schlechte Gewissen oder die Gewohnheit wieder hervorholte in das Hier und Jetzt. Das Zelt war von schweren Fellen und dunklem Holz gebaut, mit einer Feuerstelle in der Mitte, die zu dieser für Anguren noch recht warmen Jahreszeit nur beiläufig bewacht und mit Feuerholz gefüttert wurde, sodass kein Feuerschein, sondern eher ein rotes Glimmen die Unterkunft erfüllte. Der Einäugige horchte in die Nacht. Er hörte das Wasser des nahen Flusses, die Schritte der Wachen, die gemurmelten, unverständlichen Worte, die man austauschte, wenn man bei den Patrouillengängen einem Waffenbruder oder einer Waffenschwester begegnete. Alles war wie immer und das Schnarchen und Husten wurde von dem frisch ernannten Chieftain als nichts anderes als das beruhigende Hintergrundgeräusch der Normalität vernommen.

Da, etwas regte sich: Von Fionas Lager erhob sich eine Gestalt in locker angelegten Pelzen, warf sich die Decke über und versuchte wohl recht behäbig, über schlafende Leiber hinwegzusteigen. Fiona, so stellte Vinleif in seiner pedantischen Art, zu beobachten, fest, hielt es in den letzten Nächten immer seltener durch, mehrere Stunden an einem Stück zu schlafen. Sie verließ öfter das Zelt und war wohl wie stets in tiefer Nacht zu schlaftrunken, um ihrer kräftigen Schwester auszuweichen, sodass diese, wie schon seit mehreren Nächten, den obligatorischen, leichten Schubser mit dem Fuß kassierte, welcher wiederum mit einem Brummen quittiert wurde. Alles normal. Alles wie immer. Und doch gab es einen Moment, in dem Vinleif seinem Auge nicht ganz trauen wollte. Sah er dort stachlige Echsenhaut? Knochen, die aus der Haut ragten? Waren das Krallen an den dürren, knochigen Fingern?

„W’s bei d’Ahnen…“ Schon früh hatte er gelernt, jedwede Überraschung nur zu denken. So kam auch hier kein Ton über die spröden Lippen, während er der fellbehangenen Gestalt nachsah. Die folgenden Minuten vergingen zäh, wie immer, wenn man auf etwas wartete. Zudem war sich der sonst so selbstsichere Krieger bei der Rückkehr Fionas nicht mehr ganz im Klaren darüber, ob seine Geduld tatsächlich entlohnt wurde, als dieses… Ding! in den Raum trat und ihn mit gierigen, toten Augen anstarrte, dass ihm das Blut in den Adern gefror.

Der Körper schien ihm den Dienst zu versagen, als diese Schreckenserscheinung langsam, tigernd an ihm vorbeischritt, ganz so, als wäre sie sich nicht sicher, ob sie nun über ihn herfallen, ihn zerfleischen sollte. Jeder Augenblick zog sich zäh, der Atem ging schwer und es war wohl ein ungewohntes Gefühl für einen, der von vielen als Veteran respektiert wurde, als er merkte, wie sich der Bauch meldete mit dem flauen Gefühl, welches er das erste Mal verspürte, als sich die MacGjallar in den Krieg stürzten und Vinleif das erste Mal Zeuge des Tötens und Sterbens wurde.

Würde und Stolz waren zwei Mächte, welche sich wacker gegen eine Panik stemmten, die ihn zu übermannen drohte, als das Wesen tatsächlich auf ihn zuzuhalten schien, die anderen, schnarchenden Anguren überstieg und nach ihm die Arme ausstreckte. So verließ er würdevoll und stolz, doch sehr schnell und mit der Axt in der Hand, mit nicht viel mehr als einem Kilt und ein paar Pelzen am Körper, das Zelt. Die Angst, die er verspürte, war dabei völlig fremdartig, hatte er doch schnell gelernt, dass es auf der Welt nur wenig gab, was nicht durch einen Axthieb entmystifiziert werden konnte. Was lebt, kann bluten, was bluten kann, kann sterben. Warum also war er sich so sicher, dass diese Erscheinung nicht sterben konnte?

„Iurhillas Fluch w’rd m’ch nich‘ b’komm’n!“ hörte er sich flüstern, als er bereits bei seinem Rappen war, um einen Weg hinaus aus diesem Alptraum zu finden. Denn nichts anderes konnte es sein – nichts anderes wäre denkbar, wäre einleuchtend.

Schlaf. Eine trügerische Ruhe, wie Vinleif nun feststellte. Sie befängt einen, greift einen, lähmt einen, wenn man sich ihr nicht erfolgreich erwehrt, wenn man sich nicht ununterbrochen ihrer Gefahr bewusst ist.

Verfasst: Dienstag 28. Oktober 2008, 09:02
von Larissa Feanaro
Sie saß am Wasser, die bloßen Füße im Gras, nur die dünne Robe bedeckte ihren schmalen Körper. Doch sie fühlte die Kälte nicht. Ihre Gedanken gingen zurück zu diesem Abend, dem Abend, an dem sie das erste mal dazu beigetragen hatte, einen Fluch auszusprechen.

Oft war sie es in der Theorie durchgegangen, hatte sich jeden einzelnen Schritt dieses Rituals eingeprägt.. und doch war es etwas anderes, dies tatsächlich zu vollziehen.

Ihre Gedanken gingen zu den Anguren, doch in ihrer Mimik war nicht die offene Schadenfreude zu sehen, welche sich deutlich auf den Gesichter ihrer Schwestern ausgebreitet hatte. Sie hatten einen Denkzettel verdient.. dies war unbestreitbar richtig. Doch jener, mit welchem sie noch eine Rechnung offen hatte, jender, welche sie feige umgeritten und danach noch nieder geschlagen hatte... jener war von diesem Fluch nicht betroffen. Dies ärgerte sie, fast so sehr wie die Tatsache, daß sie damals, als jene sie auf der Insel überfallen hatten, sich nicht hatte wehren dürfen, da sie sich verraten hätten. Es wäre ein leichtes gewesen, die Anguren zu überwältigen, auf daß sie eilens von ihrem Vorhaben abgelassen hätten. Und doch hatten sie es nicht getan.. und dafür mit ihrem Blut bezahlt.
Dies waren Momente, in denen sie ihre Aufgabe ablehnte. An sich war sie glücklich und zufrieden mit ihrem Dasein... doch in solchen Fällen war es einfach ungerecht.

Sie blickte zum Horizont und tat einige tiefe Atemzüge. Die salzige Luft füllte ihre Lungen, das Brausen des Meeres schien ihr Kraft zu geben. Sie richtete sich etwas auf, der schmale Körper spannte sich, und erneut ließ sie den Blick zum Horizont und auf die wogenden Wellen schweifen. Dies war erst der Anfang gewesen. Diese beiden würden ihre Lektion hoffentlich lernen... und ihre persönliche Rechnung... auch diese würde beglichen werden. Irgendwann...

Verfasst: Dienstag 28. Oktober 2008, 12:20
von Cajivak
Schlechte Träume

Schlaf. Für die einen eine willkommene Gelegenheit, das Leben Leben sein zu lassen, um sich selbst die Ruhe zu gönnen, die nach einem beschwerlichen Tag und gerechter Arbeit unter dem
...
Nein, halt, die falsche Betrachtung, der falsche Körper.

Das Objekt unseres Interesses lag nicht wie der Rest der Kameraden und Weiber im gemütlich warmen Gemeinschaftszelt, nein, diese Verkörperung reinster Männlichkeit, dieser junge Gott, geschaffen aus Fett und Testosteron und...ähm...zurück zum Kontext.
Nein, Craigh, Mann aller Männer, lag wie gewohnt im Arm eines willigen Weibes dass sich ihm die Nacht zuvor mindestens ebenso willig hingegeben hatte.

Nun ja...vielleicht war "hingeben" übertrieben...und auch "Arm" war eine maßlose Übertreibung - aber zumindest der Bauch des Weibes wurde dankbar als warmer Kopfpolster herangezogen. Ein warmer, felliger Kopfpolster. Hilde war wieder richtig gut zu ihm, schleckte ihm mehrmals mit der rauen, langen Zunge über Wange und Kinn, um dort von der dicken, persistenten Schweißschicht zu kosten die wie ein zweiter Schutzmantel den wohlgeformten Leib des Craigh umgab.

Jedenfalls war es dieser Moment glückvoller Zweisamkeit, als die Macht des Fluches den Craigh traf. Zu sagen er wäre augenblicklich erschrocken aufgesprungen und schreiend in den Wald gelaufen, wäre zweifelsohne übertrieben.
Tatsächlich gestaltete es sich, dass jenes penetrierende Brennen in der Lendengegend Craigh aus dem friedlichen Schlummer riss, dass Herren ab einem gewissen Alter bedauerlicherweise zu oft zu spüren bekommen. Craigh stand also auf, um den schmerzhaften Akt der Erleichterung zu vollziehen, als der Blick auf die geliebte Hilde fiehl, das Weib dass ihm so nahe wie sonst kaum eine gekommen war.

Waren da über Nacht etwa Hufe gewachsen? Zwei Hörner, die aus einer weiß-bepelzten Stirn ragten? Die Gliedmaßen zu vier gleichmäßigen, dünnen Läufen verkümmert?

Müde und vor Schmerz gezeichnet fuhr sich der Craigh mit der Handfläche über das Gesicht - natürlich, es gestaltete sich alles wie immer. Was hatte er denn sonst erwartet?
Ein Seufzen, dann stapfte Craigh weiter, als aufeinmal das Geprassel von Pferdehufen seine Aufmerksamkeit verlangte. War dass tatsächlich der Vinleif gewesen, der da mit grimmigen Blick aus dem Lager ritt?
Bei Iurhilla, wollte dieser chieftainlich-hochgeschätzte Bastard tatsächlich mitten in der Nacht los, um einem der verdammten 'Pimpfen' die Axt in den verkümmerten Leib zu jagen?!

Von neuem Respekt erfüllt schüttelte Craigh das zotige Haupt, vollendete das Werk der Erleicherung und genoss das Gefühl aufsteigenden Dampfes auf der Haut. Gerade aber, als er sich wieder zu Hilde begeben und in den Fellen beziehungsweise dem Fell vergraben wollte, da verlangte ein Geräusch aus dem Gemeinschaftszelt die Aufmerksamkeit.

Da war sie, ein Weib, diesmal ein richtiges! War es Fiona, die gekommen war um nach Vinleif zu sehen?
Nein, dies war kein Mensch, dies war eine Bestie, eine Furie! Einen Augenblick lang starrte Craigh mit morbider Faszination, nein, Lust! auf den Leib, dann aber überkam ihn unwiderbringlich Ekel der sich ihn lähmende Furcht wandelte.
Verdammt, was war nur los?! Das Weib, die Furie, murmelte, zischte ein paar Laute - doch der Craigh wirbelte nur herum, von einer Angst ergriffen die zu erfahren er niemals für möglich gehalten hätte.

Als er in aller Hast die wenigen Habseligkeiten zusammenraffte, beschwerte sich Hilde mit einem Meckern - die Hilde, die gute alte Hilde, zumindest sie war ganz die alte! - dann folgte kurz darauf ein zweiter Reiter dem Vinleif in die Dunkelheit der Nacht.

Verfasst: Montag 17. November 2008, 19:54
von Vinleif MacGjallar
Mit einem Mal war es wieder fort.
Und es hinterließ Unsicherheit.

Vinleif betrachtete nun schon seit Tagen immer wieder fast verstohlen oder starr aus der Entfernung die Damen des Clans. Etwas in ihm hatte sich gewandelt, seitdem die Schrecken ihn über Tage, gar Wochen heimgesucht hatten. Vermeintlich vertraute Gesichter, ja sogar die Erinnerung an die eigene Frau waren plötzlich nicht mehr dieselben gewesen, sondern von schrecklicher, abstoßender Art. Er hatte Monstren gesehen, dort, wo das kindliche Lachen Fionas ihn daran erinnerte, dass noch eine Familie auf seine Rückkehr wartete, hatte selbst an den sonst doch so zerbrechlichen Erscheinungen der Südländerinnen Klauen und rasiermesserscharfe Zähne gesehen, Hörner und ein geiferndes Maul, welches von vornherein jeden Widerstand völlig überflüssig zu machen schien. Die Angst war allumfassend… das Gefühl von solcher Überlegenheit, dass es widernatürlich schien.

Das Auge hätte getäuscht, doch niemals der Gedanke an Zurückliegendes so verfremdet werden können. Selbst die Erinnerungen hatten plötzlich die Verdammnis willkommen geheißen, sodass die sonst so tröstlichen Träume an die Heimat, an Weib und Kinder nicht weniger heimgesucht wurden von tödlichem Hass, von Angst und Hilflosigkeit. War es ein weiterer Zauber gewesen? Das Spiel eines Hexers, derer es reichlich zu geben schien auf Gerimor? Oder war es eine Vision gewesen, eine Vision der Ahnen, eine Vision… der Tiefenschlange Iurhilla? Hatte sie ihn in die Verdammnis, in den Wahnsinn zerren wollen?

Die Gedanken an das Erlebte ließen den stillen Anguren nicht los, auch wenn er es recht gut verstand, solcherlei Dinge zu verdrängen, solange es das Umfeld von ihm verlangte. Disziplin und Selbstbeherrschung waren wie rettende Anker, derer er sich nur zu gern bediente, blieb ihm doch nichts anderes übrig als eben dies zu tun. Vielleicht, irgendwann, dachte er bei sich, während er die Axt ein weiteres Mal mit einem öligen Tuch polierte und einige Rückstände aus den eingravierten Runen kratzte, wird sich mit genügend Geduld eine Antwort ergeben. Bis dahin blieb ihm einzig ein Weg – Schweigen, das Ideal des Anführers, des Unnahbaren leben. Ein Zögern, eine Schwäche konnte er sich nicht erlauben. Zu viele achteten auf alles, was er tat oder unterließ.

In dieser Nacht flüchtete er sich wieder in die ferne Heimat. Er träumte gern von den Zinnen, dem alten Gemäuer der Raubritterburg, die seit Generationen von den MacGjallar bewohnt wurde. Er träumte gerne von all denen, die er zurückgelassen hatte.