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Der Gräfin neue Kleider

Verfasst: Montag 27. Oktober 2008, 13:52
von Ana von Weylenstein
Das Schreiben bereitete ihr Kopfzerbrechen. Sie hatte sich schon einige eigene Herausforderungen gesetzt, aber dieser Brief? Jener war wohl bisher die größte Herausforderung in ihrem Leben. Jetzt war von ihr absolute Koordination gefragt. Sie musste unbedingt zusammenschreiben, was sie für die unterschiedlichen Varianten der Kleidung für die Gräfin benötigen würde.
Schnell machte sich die junge Freiin an die Arbeit. Der ganze Kram, der sonst auf ihrem Tisch in ihrem Zimmer stand wurde herunter geschoben und fand seinen Platz auf dem Boden. Schnell nahm sie einige Pergamente zur Hand und breitete sie vor sich aus.

Festlichkeiten, Ausgehkleidung und Alltagskleidung also.
Jetzt war es an Ana, aus den Angaben der ihr dargebotenen Notizen etwas zu erarbeiten. Den Geschmack einer Gräfin zu treffen wird nicht leicht sein, aber sie würde sich Mühe geben. - Außerordentliche Mühe.

Gerade für ein Festtagskleid musste sie sich etwas einfallen lassen. Es sollte die Gräfin absolut von der gesamten Menge abheben und musste einfach etwas Besonderes werden. Nicht zu übertrieben, eher dezent, aber dennoch einzigartig. Es musste gut sitzen, bequem sein und sich dennoch dem Körper der Gräfin anschmiegen, als wäre es ihre zweite Haut. Sie musste sich darin einfach wohl fühlen.
Was also würde sie für dieses Kleid benötigen? Edelste Stoffe, um jene würde sie sich selbst kümmern. Sorgsam gewebt und ohne den kleinsten Fehler in dem Stoff. Es würde eine Zeit benötigen, bis sie wieder den Dreh heraus hatte am Spinnrad, aber diese Arbeit war ihr der Zeitaufwand wert. Wie sie solche Herausforderungen liebte. Dann würde sie noch Seide benötigen, viel Seide. Auch das sollte kein Problem darstellen, sie hatte noch genügend seidene Garnrollen auf Lager, als das sie sich darum ebenso kümmern konnte. Gold, sie würde goldenen Draht benötigen. Hauchdünn und poliert, damit er in allen Farben reflektierte. So setzte sie ein Schreiben an das Handwerkshaus zu Gerimor auf, in der Hoffnung, dass sie den Draht dort erstehen konnte.
Nachdem sie das Schreiben entsandt hatte setzte sie sich wieder über ihre Zeichnungen. Sie ließ ihrer Phantasie freien Lauf und zeichnete und zeichnete. Und nichts schien sie aus ihrer Konzentration reißen zu können. Nachdem sie einen etwaigen Entwurf nach Stunden fertig gestellt hatte seufzte sie kurz auf. Es würde sie Tage und Nächte kosten, aber sie würde es hin bekommen, alles zeitnah fertig zu kreieren und zu nähen.
Die Ausgehkleidung würde jedoch deutlich dezenter ausfallen als das aufwendig gestaltete Kleid für Festlichkeiten. Es würde die Gräfin jedoch dennoch von ihrer besten Seite zeigen. Einzig die Alltagskleidung für die Gräfin bereitete ihr Kopfzerbrechen. Was würde sie erwarten? Was würde sie am liebsten tragen wollen? Würde ihr eine Auswahl genügen als Anschauungsbeispiel? Oder sollte sie gar zwei oder drei Beispiele für eine angemessene Kleidung anfertigen? Sie würde sich jenes noch durch den Kopf gehen lassen. Jetzt war es erst einmal an der Zeit, eine sehr große Ladung an Stoffen und Seide zu weben.

Verfasst: Montag 27. Oktober 2008, 15:17
von Lunet Saraid
Der Winter hielt Einzug in das Land und strömte mit all seiner eisigen Kälte durch Ritzen und Löcher in Häuser, Unterkünfte und Herbergen der treuen Bürger Varunas. Wer keinen Kamin sein Eigen wusste, keine Kerzen griffbereit hielt wurde schnell von den eisigen Händen des Winters umfasst und Tag um Tag, wie Nacht um Nacht von grausigen, kalten Fingern gestreichelt, begleitet Stunde um Stunde. Verwunderlich war es gar mit solch' Gefühl, keine der weißen, tänzelnden Schneeflocken vom Himmel fallen zu sehen. Schien die Zeit doch bereits reif, nur mehr eine letzte Untermalung um das Bild der eisigen Kälte abzurunden. Wer jedoch Holzscheit und vergilbtes Pergament sein Eigen nennen konnte, spürte weder von der kühlen Umklammerung etwas, noch kam der Wunsch nach Schneeflocken in einem auf, während das Feuer der Kerzen oder des Kamins regelrecht nach oben lechzte. Hier leisteten sich Kälte und Wärme einen verbitterten Kampf, der nur durch eine fürsorgliche Hand des Bewohners entschieden werden konnte.

So nun saß die junge Schneiderin in Ihrer geheizten Stube, die Hände schützend um ein edel wirkendes Schriftstück gelegt, während sich der Blick aus den stechend blauen Augen in dem züngelnden Spiel der Flammen verlor. Das Blau der Iris, wie auch das Schwarz der Pupille konnten sich nicht recht entscheiden, wer das Farbenspiel des Feuers zu erst in sich aufnehmen sollte, um es für die Außenwelt widerzuspiegeln. Mehr und mehr verlor sich der Blick, während die Umgebung des kunstvoll dekorierten Raumes vor dem inneren Auge verschwamm. Deutlich war hier, dass die wohlige Wärme den Kampf um die Vorherrschaft im Anwesen Saraid gewann und innerhalb weniger Minuten schier das Bewusstsein der jungen Frau in Ihren Fängen wusste. Wohl wären noch weitere Minuten verstrichen, hätten sich die zuvor noch so eifrig in die Höhe schlagenden Flammen nicht entschieden, auch die letzten Reste der Holzscheite am Grund in Ihre heiße Umarmung zu nehmen. Der Lichtschein wurde kleiner, womit auch das unbewegte Gesicht von Lunet weniger erhellt wurde. Erst jetzt ging die erste Regung seit dem Erhalt des Briefes durch Ihren Leib, indem sie ein weiteres Mal das Pergament auseinander rollte, um den Blick vorerst noch nichts sagend über die Zeilen schweifen zu lassen. Eine Einladung der Gräfin von Sternwall, aus Ihrer Feder, mit Ihren Worten, Wünschen und Erwartungen. Es könnte also wahr werden, der Lebenstraum einer eifrigen Schneiderin namens Lunet Saraid, könnte bald greifbar sein. Ein Traum dem Reich mit Ihren eigenen, jahrelang angelernten Fähigkeiten zu dienen und für die Gräfin mehr nur als ein Name auf dem Pergament der Übersicht der Stadtbewohner zu sein: Hofschneiderin.
Als die nun mehr kleinen Flammen, auch das letzte Holzstück in Ihrer Umklammerung wussten, folgte die zweite Bewegung. Fließend und wie gewohnt grazil in Ihren Bewegungen drückte sich Lunet in die Höhe, ohne dem Pergament der Gräfin in Ihren Händen auch nur einen Knick zu kommen zu lassen.

Vorsichtig, regelrecht liebevoll wurden die feingliedrigen Finger Stück für Stück um die Vorladung geschlossen, ehe sie sich Ihrem Ziel, dem Schreibzimmer, näherte. Auch hier war der Kampf um die Vorherrschaft bereits entschieden: Viele bläuliche Kerzen lechzte Aufschlag um Aufschlag nach Wachs, um dem kleinen Raum noch mehr Licht und angenehme Wärme spenden zu können. Erst hier glitten die Finger von dem scheinbar gar so wertvollen Schriftstück, um es mittig des Schreibtisches zu platzieren. Mit einigen langsamen Handbewegungen wurden ein Stapel unbeschriebener Pergamente, verschiedene Füllfederhalter und das ebenso dezent bläuliche Siegelwachs in die greifbare Nähe der Einladung geschoben. Ein weiteres Mal schien regelrecht eine Ewigkeit zu vergehen, es sich die junge Frau schließlich vor dem Schreibtisch auf dem gepolsterten Stuhl niedergelassen hatte, eine gerade Haltung einnahm und Ihre Aufmerksamkeit wieder dem Inhalt des Pergaments widmete: Gewandung für Festlichkeiten, den Alltag und das Flanieren durch die Straßen der prunkvollen Stadt Varuna. Es schien auf den ersten Blick so einfach. Eine schlichte Bitte die tagtäglich an die Schneiderstube Saraid gereicht wurde und doch brachte bereits der zweite Blick die Ernüchterung, gleichsam so stolze Feststellung: Gewandung für die erlauchte Gräfin von Sternwall um Konkurrieren zu können, stellte in diesem Fall mehr als nur ein paar Kleidungsstücke dar. Sie würden wundervoll werden müssen. Stoffe die fließend den Leib der Gräfin umspielten, sich wie eine zweite Haut anlegten und die Trägerin so sehr umschmeichelten, dass sie kaum mehr gewillt sein würde, jene Gewandung einmal wieder ablegen zu müssen. Nähte, die verschiedene Einzelteile des Schnittmusters zusammen hielten und doch unsichtbar in der Gesamtheit des Kleidungsstückes entschwanden. Viele liebevolle Details passend zu der Gestalt, gar dem augenscheinlichen Charakter der Gräfin, würden das Gesamtbild abrunden und eine meisterliche Arbeit entstehen lassen, die sowohl den Augen des Betrachters und Trägers als auch der Haut der Bekleideten schmeicheln würde. Verschiedene Impressionen und Noten müssten miteinander vereint werden, um ein einmaliges, individuelles Meisterstück zu entwerfen.

Bereits als die Gedanken noch formlos und ohne genauere Gestalt durch Ihren Kopf kreisten, begannen die Finger wie von selbst mit dem Kohlestift Formen, Strukturen und noch undeutbare Buchstaben auf eines der leeren Pergamente zu bringen. Wo zuvor noch die Entzückung ungewohnte Starre und Ruhe brachte, griff nun die Realität mit einer gesunden Brise des Lebenstraum nach all Ihren Fähigkeiten. Konzentrierte, sorgfältige Arbeit und Umsetzung, logisches Denken, ein Hauch von individueller Kreativität, genaue Planungsansätze und das pure Können ergaben zusammen genau das was die junge Schneiderin erreichen wollte: Unvergleichbare Meisterstücke, die Ihren Fingern, wie auch dem klaren Geist entsprangen und der Gräfin nur so schmeichelten.
Ein Wochenlauf, ein Wille, ein Ziel. So würde man wohl schlicht ein Motto formulieren, was in diesen Momenten in der Schneiderstube Saraid entstand und sich sowohl in der konzentrierten Miene der jungen Frau selber widerspiegelte, als auch auf den mehr und mehr sorgsam beschriebene Pergamenten auf Ihrem Schreibtisch. Bewegungen und Aktivitäten der Schneiderin selber außerhalb des Hauses bekam man weder zur Tages- noch zur Nachtzeit mit, doch viele Boten gingen ein und aus um sowohl verschiedene Wünsche anzunehmen, als auch die Lieferungen hastig zu überbringen. Währenddessen machte sich Lunet innerhalb der eigenen vier Wände an die Arbeit, welche Ihr ganzes Leben verändern könnte.

Verfasst: Montag 3. November 2008, 12:02
von Lunet Saraid
Hämmernd wurde der schwere Holzpflock vor Ihrem Anwesen langsam in den Boden getrieben, die bereits recht harte Erde wurde gekonnt mit jedem Schlag etwas aufgerissen um Ihm sicheren Stand zu gewähren. Die Handwerker, welche von der Gräfin persönlich zu Ihrer Schneiderstube geschickt worden waren, standen in einem dicht geschlossenen Kreis um dem aufzuhängenden Schild herum. Gar machte sie eine Art Geheimnis daraus und waren bedacht, dass die junge Schneiderin noch keinen genauen Blick darauf werfen konnte. So stand sie in der abendlichen Kälte, die Arme um den zierlichen Leib geschlungen, während sie aufmerksam das Treiben dort vor Ihrem Anwesen beobachtete. Drei der Arbeiter hatten Ihre Krägen in die Höhe geschlagen, um vor dem eisigen Nachtwind geschützt zu sein, während der Vierte Schlag um Schlag mehr Schweißperlen über sein Gesicht rennen wusste. Er hatte die Ärmel in die Höhe geschoben, während die behandschuhten Hände den hölzernen Griff des Hammers sicher umfasst hielten.

Einen Moment verließ sie die Szenerie vor Ihrem Haus, stattdessen bildeten sich vor Ihrem inneren Auge zwei Stuhlreihen, daneben einige Abstelltische für edelste Getränke und Licht, das scheinbar genau auf die Stelle gerichtet war, wo sie sich befand. Der Laufsteg zu Ihren Füßen war breit und ausreichend mit schön anzusehendem Teppich belegt worden, doch half als dies nicht in eben jenem Moment Ihre eigene, so ungewohnte, innere Unruhe beizulegen. Drei Augenpaare waren neugierig auf sie gerichtet, sogen sie regelrecht bei jeder weiteren verbalen Erklärung auf und lechzten mit Ihren Blick nach den Werken aus den Händen der beiden Schneiderinnen. Hier ein nichts sagender Laut der adligen Damen, dort ein entzücktes Aufseufzen und stets das leise Gemurmel aus der ersten Sitzreihe. Die hochgeborenen Schwestern von Dragenfurt saßen direkt neben der ebenso anwesenden Hochgeborenen von den Nebelauen. Die Gräfin selber präsentierte unter den beschreibenden Worten der Schneiderinnen verschiedene Variationen, der von jeder Schneiderin selber ausgewählten Gewandungsstücke. Mit beflügelten Schritten tänzelte sie regelrecht über den Steg, deutlich Freude an der Präsentation vor den bewertenden Adligen habend. Der lange Saum des Kleides schwang bei jeder Bewegung, hier glänzten die feinen eingearbeiteten Golddrähte und dort schwenkte sie regelrecht stolz eine schwarz, schimmernde Tasche in Richtung des Publikums.

„Fräulein Saraid? Wenn Ihr es Euch nun ansehen möchtet, wir wären soweit.“, riss die dunkle Stimme des zuvor noch hammerschwingenden Bauarbeiters sie aus Ihren Gedanken zurück in die Gegenwart. Ruckartig gewann sie Ihre Sicherheit wieder, das Kinn etwas in die Höhe reckend, glitt der Blick in Richtung des nun gerade in den Boden gesteckten Pfostens. Zwei Bauarbeiter, geprägt von einem aufgeregten Lächeln auf den rissigen Lippen, hatten Ihre prankenartigen Hände an das dunkle Tuch gelegt, welches noch immer das Schild darunter verdeckte. Sie schienen nur auf Ihr Wort zu warten, um das Tuch von dem großen Geheimnis darunter zu nehmen und es Ihr, wie auch der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit einem knappen Nicken und den vielleicht recht harsch gewählten Worten, gab sie den Männer ein Zeichen Ihrer Zustimmung: „So zieht das Tuch herab!“, hiernach schwenkte sie die Hand in eben jene Richtung, um erwartungsvoll in die Höhe zu blicken. Kaum senkten die Bauarbeiter das Tuch zu Boden, musste Lunet die Augen zusammenkneifen. Funkelnd trafen einige, von dem Schild reflektierende, Strahlen der Wegbeleuchtung in Ihre blauen Augen, woraufhin jene reflexartig zusammen zuckten. „Bei der heiligen Göttin!“, stieß Lunet leise murmelnd aus, als sie sich langsam an den glänzenden Schein gewöhnt hatte und vorsichtigen Blickes erneut in Richtung des angebrachten Schildes sah. Die rechteckige Form war aus purem Gold und schien seine Strahlen trotz der Dunkelheit regelrecht über das Land zu verbreiten, sich jedem nach Aufmerksamkeit haschend bekannt machend. Mit einige kleinen, noch immer zögerlichen Schritten bahnte Lunet sich Ihren Weg durch die Bauarbeiter hindurch, um einen genaueren Blick darauf werfen zu können. Neben Ihr, ebenso ungesehen von der Schneiderin selber, machten die Bauarbeiter sich bereits daran Ihre Handwerksgegenstände wieder zu verpacken, um sich bereits für den Aufbruch zu machen. Wohl hätten sie bereits vor einigen Stunden Feierabend gehabt, hätte die Gräfin zu dieser späten Abendstunde nicht noch angeordnet, direkt nach dem Wettbewerb das Schild anzubringen. Noch während Lunet etwas perplex die sorgsam eingravierten Lettern studierte, zogen sich die vier Männer zurück. Ihre schweren Stiefelschritte verhallten nach einiger Zeit auf der Stadtbrücke und ließen Lunet in vollkommener Stille zurück. „Hofschneiderin der Grafschaft Hohenfels“, schrien die deutlichen Lettern auf dem goldenen Schild in die Öffentlichkeit hinaus. Sie hatte es also geschafft, der Beweis stand vor Ihr. Statt eines Traumes, war dies hier nun die Realität. Nach all den Jahren der Ausbildung, Arbeit und Mühe für das treue varunesische Volk war es nun an Ihr sich die Schneiderin des Hofes zu nennen. Der Glanz des goldenen Schildes spiegelte sich in Ihren schwarzen Pupillen wider, als sie erneut zurück an jenen Abend dachte...

Ihre Kiste wurde als erstes geöffnet, hatte sie – die Bürgerin Saraid – doch die Vorstellung Ihrer Gewandungsstücke an der Gräfin begonnen. Langsam, quälend langsam, begann die Gräfin die darin gelagerte goldenen Äpfel zu zählen. „Die Bürgerin erhielt fünf goldene Äpfel.“, gab sie dann neutral, aber bestimmt in Ihrem Klang für alle hörbar wieder. Bereits jetzt pochte Lunet das Herz bis zu Ihrem Hals, Adrenalin schoss in Ihre Blutbahnen und ließ sie kaum mehr ruhig und gerade dort oben auf dem Steg stehen. Ein Gefühl, das sie zuletzt bei Ihrer Ausbildung vor vielen Jahren gespürt hatte und sich jetzt so unbarmherzig weiter und weiter in Ihrem Körper ausbreitete. Niemand konnte sehen wie sie sich fühlt, wohl konnte auch niemand der Anwesenden verstehen weswegen sie sich so fühlte und doch rechnete sie bereits jetzt im Kopf: „Fünf Äpfel, von drei Anwesenden. Eine jede erhielt zu Beginn der Vorstellung drei Äpfel. Das heißt...“, schon erklang erneut die Stimme der Gräfin, im selben Klang wie auch zuvor; „Vier Äpfel für die Freiin von Weylenstein!“. Nur ein Apfel und doch war dies die Entscheidung. Ein Apfel, der Ihre Zukunft bestimmen würde. Den restlichen Abend nahm sie nur mehr in einer Art Trance wahr. Sie bedankte sie dort, erhielt Ihre Glückwünsche hier und sah sich letztendlich an der Tafel zwischen den Adligen und der Gräfin sitzen, um einen Rotwein nach jener Anstrengung zu genießen.

Dezent nun hoben sich Ihre Mundwinkel zögerlich in die Höhe, als Ihre Gedanken zurückkehrten und sich die Lider senkten, um den Blick nun erstmals von dem neuen Schild zu nehmen. Dieser Abend war eine Bestätigung Ihrer meisterlichen Arbeit, mehr noch: Dieser Abend gab Ihr die Gewissheit, dass die anwesenden Adligen bei der Beurteilung keinen Standesunterschied machten und tatsächlich lediglich Wert auf die Qualität und den Einfallsreichtum der gewählten Kleidungsstücke legten. So erntete die junge Schneiderin eine der vielen, doch vielleicht bedeutsamsten Früchte, Ihrer langjährigen Arbeit. Lunet Saraid, meisterliche Hofschneiderin der Grafschaft Hohenfels.

Verfasst: Montag 3. November 2008, 15:19
von Mara von den Nebelauen
Es war ein Tag, wie sie in lange nicht mehr erleben durfte.
Früher, auf der heimischen Burg, waren derlei Aktivitäten häufig gewesen und sie fühlte sich in jene, so geborgene, Zeit zurück versetzt.

Der Gräfin neue Kleider war der Titel jener Veranstaltung.
Inhaltlich ging es um die Wahl der Hofschneiderin.

Constance und Mariella von Dragenfurt waren zugegen, um mit Mara gemeinsam über die beiden Kandidatinnen abzustimmen.

Zum einen die Bürgerin, zum anderen die Hochgeborene.

Es würde gewiss um Kleidung gehen, doch ging es nicht um viel mehr?

Mara hätte selbstverständlich immer ihre eigene Schwester vorgezogen, die jenes Handwerk wie kaum ein anderer beherrschte, doch ihre Schwester war von dem Vorhaben abgewichen, da es noch andere, bedeutende Ämter zu besetzen galt.

Mara hatte sich gewissenhaft die Kleider angesehen, die die Gräfin am eigenen Leib vorführte. Es war ein geselliger Nachmittag. Amüsant und durchaus belebend.

Hier gehörten keine Intrigen hin, keine boshaften Gedanken.
Der Adel musste zusammen halten. Sie waren Vorbild und Wegweiser für das Bürgertum, für jeden Einzelnen.
Natürlich würde sie das Gespräch mit Mariella suchen. Es sollte ein reines Verhältnis zwischen ihnen existieren. Doch, dies gehörte hier nicht her. Nicht jetzt, nicht heute.

Viel verwunderlicher jedoch war das Ergebnis.
Mara hatte der Hochgeborenen zwei Äpfel gegeben, der Bürgerin einen für ihre Mühen.

Doch, da es nachher 5 zu 4 für die Bürgerin ausfiel, sah man ein überraschtes Antlitz im Gesicht der jungen Baroness.

Mara hatte nichts gegen dieses Ergebniss, sie war nur überrascht.
War sie nicht die aufgeschlossene in ihren Kreisen?
Und doch schien sie sich getäuscht zu haben. Obwohl die Hochgeborene die Umworbene Silvans war, wie Mara berichtet wurde, hatte seine eigenen Schwestern wohl gegen sie gestimmt?

Und dann noch die Wortfetzen, die Mara zu vernehmen gemeint hatte. Hatte sie die Schwestern nicht "Mätresse" sagen hören, in Verbindung mit der Dame Saraid? Aber vermutlich hatte sie sich tatsächlich, wie gehofft, verhört.

Eine Bürgerliche kleidete nun die Gräfin ein...

Ob das das Maß der Dinge sein sollte?

Immerhin war Euer Erlaucht nicht irgendjemand. Mara schürzte die Lippen. Es mag ja sein, dass sie sich verdient gemacht hat, aber hatte sie auch genügend Kenntnisse über die höfischen Stile?
Manche Kombination schien das nicht erahnen.

Natürlich würde sie Frau Saraid akzeptieren. Es war ein Wettkampf und er wurde entschieden.
Dennoch würde sie mit ihrer Schwester reden. Sie würde gewiss weise Worte finden, die Mara das Bild etwas erklären würden.
Das alles war ein wenig merkwürdig....