Die Jagd des Panthers
Verfasst: Samstag 11. Oktober 2008, 23:11
Die Jagd des Panthers
"Ihr seid nicht seine Knappin". Worte, die sich bis in den letzten Winkel der Seele fraßen und der Knappin einen unerwarteten Stoss versetzten. Aleleya befand sich mit der Blutgeborenen von Seranyth im Rathaus, welches sich mit seinen dunkelbraunen Steinmauern wachend über den Marktplatz erhob. Zusammengefunden hatte man ob der Bereinigung einer Situation die absurder kaum hätte sein können. Nachdem aber die Blutgeborene ihr darlegte, dass dies Tugors Worte waren, hellte sich alles auf. Mit einem Mal erschien es einleuchtend, dass die Worte der Knappin angezweifelt worden waren, musste man doch fürchten, sogar vielleicht eine Hochstaplerin vor sich zu haben. Die Sicherheit, mit welcher die Blutgeborene dies vortrug, liess wenig Zweifel daran, dass Tugor dies wirklich von sich gegeben hatte. Sie wusste selber, dass er nicht gerade erfreut, wenn man nicht sagen wollte enttäuscht von ihr war und an ihr zweifelte. Doch trotz allem hatte sie nicht erwartet, dass seine Enttäuschung sich bereits soweit ausgebreitet hatte. Alles weitere, was die Blutgeborene zu dem Thema von sich gab, erreichte die Knappin nicht mehr. Sie hatte ihm vertraut, ihr Leben in seine Hand gelegt und das beste was er ihr bot, waren solche Beleidigungen? Dieser Verrat schmeckte bitter und setzte sich wie ein wütendes Tier in der Knappin fest, alles zerfressend was an Vertrauen zu dem Ritter langsam und zaghaft, einer zerbrechlichen Blüte gleich herangewachsen war.
"Ich möchte mich nun gerne entfernen...", hörte sie sich selber wie durch dichten Nebel sprechen und erkannte, dass ihr Gegenüber nickte. Sie erwiederte die Geste taub, erhob sich und verlies den Raum. Die Geräusche der Tür, welche sich hinter ihr schloss, ihre Schritte auf dem steinernen Pflaster, das Klirren der Rüstungen der Wachen, alles klang seltsam gedämpft. Die Umrisse der Häuser erschienen wabernd, während Aleleya langsam in Richtung ihrer Wohnung schritt. In ihrem Geist war kein Platz mehr für andere Gedanken, außer dem einen widerwärtigen Nachhall der Worte "Ihr seid nicht seine Knappin". Als sie ihr Haus erreichte, richtete sie kein Wort an den anwesenden Zwergen, sondern schritt schweigend an ihm vorbei. In ihrem Zimmer angelangt sahen sich abwesende Augen im Inneren um. Mit tauben Fingern legte sie den Waffengurt ab und warf ihn mitsamt Schwert auf das Bett. Die Rüstungstücke die sie bei sich trug, folgten dem nach. Lediglich den Dolch behielt sie zurück, hüllte sich in einen warmen Umhang und machte sich daran, ohne ein Wort des Abschieds, Rahal zu verlassen. Ihre Füsse fühlten sich taub an, spürten die Unterschiede des Weges unter ihr überhaupt nicht, als würde man auf Watte dahinschreiten. Weder den Wachen noch anderen Passanten schenkte sie einen Blick.
Als sich das gierige Panthermaul in ihrem Rücken befand, drehte sie sich um und lies die Augen ganz langsam über das steinerne Bildnis wandern. "Warum wieder diese Prüfung Alatar? Habe ich dir nicht alles gegeben? Ist das deine Form mich zu strafen, für was auch immer ich getan haben soll?". Doch das war nichts, dem sie sich ergeben würde. Sie glaubte daran, dem Einen nützlich zu sein, ihren Wert zu haben...und doch... "Ihr seid nicht seine Knappin", hallte es abermals durch ihre Gedanken und löschte den Ansatz aus. Weiter nicht mehr als eine atmende, leere Hülle schritt sie an den Höfen vorbei, die sich um die Stadtmauern drängten. Einzig den Griff des Dolches spürte sie an ihrer Hüfte, sicher, vergewissernd, versprechend.
Sie kannte die Einsamkeit gut. Lange Jahre hatte sie die Menschen gemieden und wenn sie sich Tugors Verrat betrachtete, erkannte sie, warum sie das getan hatte. Sie wusste, dass es so etwas wie Vertrauen nicht wirklich gab. Was war es gewesen, sein Ärger auf sie? Warum hatte er das gesagt? Die Gehöfte blieben hinter ihr zurück, verloren sich in der irrealen Wahrnehmung ihrer Umgebung. Aus dem Augenwinkel näherte sich ein Schatten, ein Schatten der an ihrer Seite blieb als sie den Wald erreichte und zwischen den ersten Bäumen das erste Mal zum Stehen kam. Plötzlich war er verschwunden, und erst die Abwesenheit dessen liess sie in die Richtung spähen. Außer dem bunten Laub der herbstlichen Jahreszeit sah man nichts. Die Dämmerung brach herein und hüllte alles in diffuses Zwielicht. Leya erschien der Vorfall im Rathaus noch unwirklicher, mit aller Macht schrieen die höhnenden Worte weiter in ihrem Geist. "...nicht seine Knappin...!... nicht seine Knappin...".
Sie spürte, wie ein Zittern sich ihrer bemächtigen wollte, ein hilfloses Schluchzen in ihrer Kehle aufstieg. Doch etwas in ihr, eine andere Seite, die des Jägers, die welche sie nach Rahal gebracht hatte, drängte die Schwäche beiseite. Es folgte heissglühender Zorn und sie konnte nicht stehenbleiben. Sie musste weitergehen, ehe die glühende Lava in welche sich ihr Blut verwandelt hatte, ihren Körper zerreissen würde.
Zuerst ging sie nur zügig. Suchte sich gekonnt ihren Weg über die dichte Laubschicht. Es knisterte leise unter ihren Füssen und ein leichter Fäulnisgeruch, wie er mit den toten Blättern einhergeht, stieg um sie herum auf. Das Drängen in ihrem Geist lies sich nicht beseitigen, ebenso wenig wie der heisse Zorn in ihrem Inneren. Als sie vom Gehen in einen leichten Lauf verfiel, erschien der Schatten zurück an ihrer Seite. Man vernahm andere Laute, mehere Schritte von ihr entfernt. Etwas hielt mit ihr Schritt, leise, schwarz und tödlich schoss es durch die dichten Farne und das Dornengestrüpp.
Ab und an ging ihr Blick hinüber und versuchte den Ursprung zu entdecken, zu sehen was an ihrer Seite einherglitt. Doch sie verspürte keine Angst. Ein Hochgefühl setzte sich in ihr fest und sie wusste von einem Moment auf den anderen, dies ist die Jagd. Es würde ein Opfer geben, aber nicht sie würde es sein. Ebenso wenig wie sie sich Tugor ergeben würde. Der All-Eine war der Einzige, den sie ewig an ihrer Seite wissen wollte. Es krachte neben ihr und sie sah eine große, schwarze Pfote ehe sie hinter einem Busch verschwand. Weiter vor ihr wurde der Wald immer dichter und mit schwindendem Tageslicht immer düsterer. Bald sah man kaum noch die Hand vor Augen, nur zwei Schatten die schnell durch das Dickicht huschten und dabei so gut wie keinen Laut erzeugten. Ein umgefallener Baumstamm versperrte ihr den Weg. Zu schnell um noch rechtzeitig anhalten zu können, setzte sie zu einem hohen Sprung an. Die abstehenden Äste rissen die Hose auf, die sie trug. Auf der anderen Seite landete sie wohlbehalten und rollte sich ab. Ein Knurren begegnete ihr bedrohlich von vorne und sie sah gerade noch den Wolf, ehe dieser zu einem Sprung ansetzte und auf sie zuhielt. Sein Fell schimmerte silbern in der mondbeschienenen Nacht und seine Zähne blitzen gefährlich nah auf. Mit einem raschen Satz zur Seite bracht sie sich in Sicherheit und zog den Dolch.
Ihre Begleitung fand sich in wenigen Schritten Entfernung ein und setzte sich gemächlich. Wachsam lagen die Augen der großen Raubkatze auf der Frau und dem Wolf. Fast entspannt fuhr sie sich mit der Zunge über die Nase, ohne die Augen von dem Geschehen zu lassen.
Aleleya spürte den Blick des Panthers auf sich ruhen, ohne das sie es hätte wagen können, die Katze in ihrer königlichen Position zu betrachten. Der Wolf knurrte abermals, wütend darüber sie verfehlt zu haben und haschte nach ihren Beinen. Sie wich dem Tier immer wieder aus und wechselte den Dolch von einer Hand in die andere. Ihr Blut dröhnte in ihren Ohren, versengte den Gedanken an (...ihr seid nicht seine Knappin..) das Gespräch im Rathaus. Hastig sog sie die kalte Nachtluft in ihre Lunge und stürmte nun ihrerseits einmal auf den Wolf zu. Dieser setzte zur Seite und entwich dem Menschen behände, sogleich aus der verbesserten Position wieder vorschnellend. Die Zähne schnappten Milimeter vor dem Arm ins Leere. Blitzschnell riss sie die Dolchhand vor in Richtung des Wolfes. Ein leises Aufjaueln bestätigte den Treffer und dieser zog sich wieder ein Stück zurück. Noch immer lagen die Augen des Tieres auf der Frau, Geifer tropfte von den Lefzen herab. Dunkel bildete sich ein Rinnsal an seiner Flanke den Weg über das helle Fell. Aleleya senkte den Kopf, ging in eine geduckte Haltung über und erwiederte das aggressive Knurren des Wolfes. Er bleckte die Zähne und sprang auf sie zu. Gerade noch rechtzeitig liess sie sich fallen, so dass das Tier über sie hinwegsetzte. Hart schlug sie mit dem Kopf auf dem mit Laub übersähten Boden auf, instinktiv die Hand nach oben reissend. Der Dolch drang tief in die weiche Bauchdecke des Wolfes und riss jene, vom eigenen Schwung des Wolfes vorangetrieben, der Länge nach auf. Heisses Blut und ein Teil der Gedärme ging auf die Knappin nieder. Der Wolf landete mit einem unnatürlichen Knacken auf dem Waldboden über ihrem Kopf. Er keuchte mühevoll die letzten Atemzüge hervor, die Zunge hing ihm schlaff aus dem Maul und der Kopf lag auf der Seite. In dem Versuch sich noch einmal aufzurichten, zog er eine Pfote an und erschlaffte entgültig.
Aleleya rührte sich nicht. Das heisse Blut bedeckte sie wie eine besondere Legierung. Über ihr erstreckte sich der Sternenhimmel in all seiner Pracht und ein leuchtend heller Mond. Sie atmete heftig, stossweise sog sie die Luft ein. Leise Schritte näherten sich ihr und dem toten Wolf. Da hob sie endlich den Kopf, rollte sich auf die Seite und starrte geradewegs in die Augen der Raubkatze. Sie senkte den Schädel herab und schien die Knappin beinahe zu mustern. Die Schnurrbarthaare zuckten unentwegt als sie den Geruch des frischen Blutes aufnahm. Prüfend glitt die Zunge hervor und fuhr über die Wange der Knappin. Diese wagte nicht sich zu rühren. Die Bedrohung schien zwar gebannt, doch es stand eine andere Gefahr vor ihr. Mit einem leisen Schnurren wandte sich das Tier ab und schritt auf den Leib des Wolfes zu um sich an dessen Fleisch gütlich zu tun. Vorsichtig und leise setzte Aleleya sich auf, die Beine angezogen und die Hände dazwischen baumeln lassend. Der Kopf sank ihr nach vorne und sie versuchte nach dem langen Lauf wieder an Ruhe zu gewinnen. Der Schwanz der Raubkatze zuckte als undefinierte Warnung unruhig hin und her. Aus dem Augenwinkel sah sie wie die Katze die Tatze auf den Brustkorb des Wolfes setzte. Die Knochen brachen geräuschvoll als sie daran zerrte und sich darauf abstützte. Noch müder als zuvor und sonderbar ermattet, verliess Leya die Katze langsam, sich auf den Rückweg nach Rahal machend. Sie sah über die Schulter zurück zu der Stelle, an der die Katze sich dem Wolf widmete und wurde sich des Blickes jener auf sich selbst bewusst. Die Augen der Katze leuchteten auf und sie senkte, irgendwie wohlwollend wirkend, den Kopf wieder zum Wolf hinab. Seltsam befriedigt und doch gleichermaßen leer ging die Knappin zurück nach Rahal um sich dem zu stellen was sie erwarten mochte.
"Ihr seid nicht seine Knappin". Worte, die sich bis in den letzten Winkel der Seele fraßen und der Knappin einen unerwarteten Stoss versetzten. Aleleya befand sich mit der Blutgeborenen von Seranyth im Rathaus, welches sich mit seinen dunkelbraunen Steinmauern wachend über den Marktplatz erhob. Zusammengefunden hatte man ob der Bereinigung einer Situation die absurder kaum hätte sein können. Nachdem aber die Blutgeborene ihr darlegte, dass dies Tugors Worte waren, hellte sich alles auf. Mit einem Mal erschien es einleuchtend, dass die Worte der Knappin angezweifelt worden waren, musste man doch fürchten, sogar vielleicht eine Hochstaplerin vor sich zu haben. Die Sicherheit, mit welcher die Blutgeborene dies vortrug, liess wenig Zweifel daran, dass Tugor dies wirklich von sich gegeben hatte. Sie wusste selber, dass er nicht gerade erfreut, wenn man nicht sagen wollte enttäuscht von ihr war und an ihr zweifelte. Doch trotz allem hatte sie nicht erwartet, dass seine Enttäuschung sich bereits soweit ausgebreitet hatte. Alles weitere, was die Blutgeborene zu dem Thema von sich gab, erreichte die Knappin nicht mehr. Sie hatte ihm vertraut, ihr Leben in seine Hand gelegt und das beste was er ihr bot, waren solche Beleidigungen? Dieser Verrat schmeckte bitter und setzte sich wie ein wütendes Tier in der Knappin fest, alles zerfressend was an Vertrauen zu dem Ritter langsam und zaghaft, einer zerbrechlichen Blüte gleich herangewachsen war.
"Ich möchte mich nun gerne entfernen...", hörte sie sich selber wie durch dichten Nebel sprechen und erkannte, dass ihr Gegenüber nickte. Sie erwiederte die Geste taub, erhob sich und verlies den Raum. Die Geräusche der Tür, welche sich hinter ihr schloss, ihre Schritte auf dem steinernen Pflaster, das Klirren der Rüstungen der Wachen, alles klang seltsam gedämpft. Die Umrisse der Häuser erschienen wabernd, während Aleleya langsam in Richtung ihrer Wohnung schritt. In ihrem Geist war kein Platz mehr für andere Gedanken, außer dem einen widerwärtigen Nachhall der Worte "Ihr seid nicht seine Knappin". Als sie ihr Haus erreichte, richtete sie kein Wort an den anwesenden Zwergen, sondern schritt schweigend an ihm vorbei. In ihrem Zimmer angelangt sahen sich abwesende Augen im Inneren um. Mit tauben Fingern legte sie den Waffengurt ab und warf ihn mitsamt Schwert auf das Bett. Die Rüstungstücke die sie bei sich trug, folgten dem nach. Lediglich den Dolch behielt sie zurück, hüllte sich in einen warmen Umhang und machte sich daran, ohne ein Wort des Abschieds, Rahal zu verlassen. Ihre Füsse fühlten sich taub an, spürten die Unterschiede des Weges unter ihr überhaupt nicht, als würde man auf Watte dahinschreiten. Weder den Wachen noch anderen Passanten schenkte sie einen Blick.
Als sich das gierige Panthermaul in ihrem Rücken befand, drehte sie sich um und lies die Augen ganz langsam über das steinerne Bildnis wandern. "Warum wieder diese Prüfung Alatar? Habe ich dir nicht alles gegeben? Ist das deine Form mich zu strafen, für was auch immer ich getan haben soll?". Doch das war nichts, dem sie sich ergeben würde. Sie glaubte daran, dem Einen nützlich zu sein, ihren Wert zu haben...und doch... "Ihr seid nicht seine Knappin", hallte es abermals durch ihre Gedanken und löschte den Ansatz aus. Weiter nicht mehr als eine atmende, leere Hülle schritt sie an den Höfen vorbei, die sich um die Stadtmauern drängten. Einzig den Griff des Dolches spürte sie an ihrer Hüfte, sicher, vergewissernd, versprechend.
Sie kannte die Einsamkeit gut. Lange Jahre hatte sie die Menschen gemieden und wenn sie sich Tugors Verrat betrachtete, erkannte sie, warum sie das getan hatte. Sie wusste, dass es so etwas wie Vertrauen nicht wirklich gab. Was war es gewesen, sein Ärger auf sie? Warum hatte er das gesagt? Die Gehöfte blieben hinter ihr zurück, verloren sich in der irrealen Wahrnehmung ihrer Umgebung. Aus dem Augenwinkel näherte sich ein Schatten, ein Schatten der an ihrer Seite blieb als sie den Wald erreichte und zwischen den ersten Bäumen das erste Mal zum Stehen kam. Plötzlich war er verschwunden, und erst die Abwesenheit dessen liess sie in die Richtung spähen. Außer dem bunten Laub der herbstlichen Jahreszeit sah man nichts. Die Dämmerung brach herein und hüllte alles in diffuses Zwielicht. Leya erschien der Vorfall im Rathaus noch unwirklicher, mit aller Macht schrieen die höhnenden Worte weiter in ihrem Geist. "...nicht seine Knappin...!... nicht seine Knappin...".
Sie spürte, wie ein Zittern sich ihrer bemächtigen wollte, ein hilfloses Schluchzen in ihrer Kehle aufstieg. Doch etwas in ihr, eine andere Seite, die des Jägers, die welche sie nach Rahal gebracht hatte, drängte die Schwäche beiseite. Es folgte heissglühender Zorn und sie konnte nicht stehenbleiben. Sie musste weitergehen, ehe die glühende Lava in welche sich ihr Blut verwandelt hatte, ihren Körper zerreissen würde.
Zuerst ging sie nur zügig. Suchte sich gekonnt ihren Weg über die dichte Laubschicht. Es knisterte leise unter ihren Füssen und ein leichter Fäulnisgeruch, wie er mit den toten Blättern einhergeht, stieg um sie herum auf. Das Drängen in ihrem Geist lies sich nicht beseitigen, ebenso wenig wie der heisse Zorn in ihrem Inneren. Als sie vom Gehen in einen leichten Lauf verfiel, erschien der Schatten zurück an ihrer Seite. Man vernahm andere Laute, mehere Schritte von ihr entfernt. Etwas hielt mit ihr Schritt, leise, schwarz und tödlich schoss es durch die dichten Farne und das Dornengestrüpp.
Ab und an ging ihr Blick hinüber und versuchte den Ursprung zu entdecken, zu sehen was an ihrer Seite einherglitt. Doch sie verspürte keine Angst. Ein Hochgefühl setzte sich in ihr fest und sie wusste von einem Moment auf den anderen, dies ist die Jagd. Es würde ein Opfer geben, aber nicht sie würde es sein. Ebenso wenig wie sie sich Tugor ergeben würde. Der All-Eine war der Einzige, den sie ewig an ihrer Seite wissen wollte. Es krachte neben ihr und sie sah eine große, schwarze Pfote ehe sie hinter einem Busch verschwand. Weiter vor ihr wurde der Wald immer dichter und mit schwindendem Tageslicht immer düsterer. Bald sah man kaum noch die Hand vor Augen, nur zwei Schatten die schnell durch das Dickicht huschten und dabei so gut wie keinen Laut erzeugten. Ein umgefallener Baumstamm versperrte ihr den Weg. Zu schnell um noch rechtzeitig anhalten zu können, setzte sie zu einem hohen Sprung an. Die abstehenden Äste rissen die Hose auf, die sie trug. Auf der anderen Seite landete sie wohlbehalten und rollte sich ab. Ein Knurren begegnete ihr bedrohlich von vorne und sie sah gerade noch den Wolf, ehe dieser zu einem Sprung ansetzte und auf sie zuhielt. Sein Fell schimmerte silbern in der mondbeschienenen Nacht und seine Zähne blitzen gefährlich nah auf. Mit einem raschen Satz zur Seite bracht sie sich in Sicherheit und zog den Dolch.
Ihre Begleitung fand sich in wenigen Schritten Entfernung ein und setzte sich gemächlich. Wachsam lagen die Augen der großen Raubkatze auf der Frau und dem Wolf. Fast entspannt fuhr sie sich mit der Zunge über die Nase, ohne die Augen von dem Geschehen zu lassen.
Aleleya spürte den Blick des Panthers auf sich ruhen, ohne das sie es hätte wagen können, die Katze in ihrer königlichen Position zu betrachten. Der Wolf knurrte abermals, wütend darüber sie verfehlt zu haben und haschte nach ihren Beinen. Sie wich dem Tier immer wieder aus und wechselte den Dolch von einer Hand in die andere. Ihr Blut dröhnte in ihren Ohren, versengte den Gedanken an (...ihr seid nicht seine Knappin..) das Gespräch im Rathaus. Hastig sog sie die kalte Nachtluft in ihre Lunge und stürmte nun ihrerseits einmal auf den Wolf zu. Dieser setzte zur Seite und entwich dem Menschen behände, sogleich aus der verbesserten Position wieder vorschnellend. Die Zähne schnappten Milimeter vor dem Arm ins Leere. Blitzschnell riss sie die Dolchhand vor in Richtung des Wolfes. Ein leises Aufjaueln bestätigte den Treffer und dieser zog sich wieder ein Stück zurück. Noch immer lagen die Augen des Tieres auf der Frau, Geifer tropfte von den Lefzen herab. Dunkel bildete sich ein Rinnsal an seiner Flanke den Weg über das helle Fell. Aleleya senkte den Kopf, ging in eine geduckte Haltung über und erwiederte das aggressive Knurren des Wolfes. Er bleckte die Zähne und sprang auf sie zu. Gerade noch rechtzeitig liess sie sich fallen, so dass das Tier über sie hinwegsetzte. Hart schlug sie mit dem Kopf auf dem mit Laub übersähten Boden auf, instinktiv die Hand nach oben reissend. Der Dolch drang tief in die weiche Bauchdecke des Wolfes und riss jene, vom eigenen Schwung des Wolfes vorangetrieben, der Länge nach auf. Heisses Blut und ein Teil der Gedärme ging auf die Knappin nieder. Der Wolf landete mit einem unnatürlichen Knacken auf dem Waldboden über ihrem Kopf. Er keuchte mühevoll die letzten Atemzüge hervor, die Zunge hing ihm schlaff aus dem Maul und der Kopf lag auf der Seite. In dem Versuch sich noch einmal aufzurichten, zog er eine Pfote an und erschlaffte entgültig.
Aleleya rührte sich nicht. Das heisse Blut bedeckte sie wie eine besondere Legierung. Über ihr erstreckte sich der Sternenhimmel in all seiner Pracht und ein leuchtend heller Mond. Sie atmete heftig, stossweise sog sie die Luft ein. Leise Schritte näherten sich ihr und dem toten Wolf. Da hob sie endlich den Kopf, rollte sich auf die Seite und starrte geradewegs in die Augen der Raubkatze. Sie senkte den Schädel herab und schien die Knappin beinahe zu mustern. Die Schnurrbarthaare zuckten unentwegt als sie den Geruch des frischen Blutes aufnahm. Prüfend glitt die Zunge hervor und fuhr über die Wange der Knappin. Diese wagte nicht sich zu rühren. Die Bedrohung schien zwar gebannt, doch es stand eine andere Gefahr vor ihr. Mit einem leisen Schnurren wandte sich das Tier ab und schritt auf den Leib des Wolfes zu um sich an dessen Fleisch gütlich zu tun. Vorsichtig und leise setzte Aleleya sich auf, die Beine angezogen und die Hände dazwischen baumeln lassend. Der Kopf sank ihr nach vorne und sie versuchte nach dem langen Lauf wieder an Ruhe zu gewinnen. Der Schwanz der Raubkatze zuckte als undefinierte Warnung unruhig hin und her. Aus dem Augenwinkel sah sie wie die Katze die Tatze auf den Brustkorb des Wolfes setzte. Die Knochen brachen geräuschvoll als sie daran zerrte und sich darauf abstützte. Noch müder als zuvor und sonderbar ermattet, verliess Leya die Katze langsam, sich auf den Rückweg nach Rahal machend. Sie sah über die Schulter zurück zu der Stelle, an der die Katze sich dem Wolf widmete und wurde sich des Blickes jener auf sich selbst bewusst. Die Augen der Katze leuchteten auf und sie senkte, irgendwie wohlwollend wirkend, den Kopf wieder zum Wolf hinab. Seltsam befriedigt und doch gleichermaßen leer ging die Knappin zurück nach Rahal um sich dem zu stellen was sie erwarten mochte.