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Wenn zwei sich trauen...

Verfasst: Freitag 10. Oktober 2008, 15:12
von Darna von Hohenfels
Endlich war ihr klar, wozu die Flitterwochen da waren: Bitter nötige Erholung nach der ganzen Belastung durch die Vorbereitungen! Heute Nacht träumte sie völlig wirres Zeug… Die Priester waren alle wie vom Erdboden verschluckt, während sie in einem Ungetüm von Kleid, über das diverse Leute in Lachkrämpfe ausgebrochen waren, vor dem Altar stand. Aasim Omar bot großzügig an, die Trauung zu übernehmen, wenn sie Temora abschwöre und völlig sinnlose Gegenstände der Feier vorher vergoldet werden. Wo die Sprache gerade auf Gold kam und sie Aasim nach dem Warum fragen wollte, raste eine Horde Werwölfe an ihnen vorbei – sie jagten irgendwas, irgendwen… Rafael, wie es schien, aber war das nicht Garvagh gewesen?!
Einen Moment fragte sie sich, wo Adrian überhaupt war, sie konnte ihn erst nirgends entdecken. Er stand dann plötzlich zwischen einem aufmarschierten Armeetrupp von Zwergen, die den in luftige Seidenstoffe gekleideten Elfen den sofortigen Krieg erklärten, die ersten Bierkrüge flogen bereits, einer in ihre Richtung.
Als sie verzweifelt „Savea?“ rufen wollte, wurde ihr klar, daß sie und Shaya mit dem Schiff noch rechtzeitig geflüchtet waren. Luca hatte das gesamte Buffet für die ganzen drei Tage aufgegessen und lag rülpsend unter dem Tisch. Nebenbei verschwanden jedes Mal einzelne Gardisten, sobald sie einmal nicht mehr hinguckte, bis Rondrian wütend den Befehl zum Abmarsch gab. Die Dornenfeste war mit einem irrwitzigen Aufwand herausgeputzt worden, daß sie gerade Schuldgefühle bekam, als Cathal auch ankam und wissen wollte, wie viele Gäste denn nun hier übernachten. Sie starrte noch entgeistert den hinter ihm her dackelnden von Demoar beschworenen Dämon an und wollte Cathal erklären, daß der bei den Gästen sicher nicht gut ankam, als sie schon fast erleichtert die anlandenden Rahaler entdeckte, weil damit alles endlich vorbei war.
Sie wachte auf, nicht einmal schockiert, weil sie sofort wusste, daß das ein Alptraum gewesen war, aber sie lag eine Weile im Dunkeln und wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte.

Nein, es würde alles gut gehen, nicht wahr? So viel Arbeit auch auf ihr lastete, sie war unglaublich dankbar für die ganzen Hilfen, ohne die die Vorbereitungen überhaupt nicht zu schaffen wären. Savea und Shaya waren da und würden sicher auch rechtzeitig von dieser Schiffreise zurückkehren, die sie wenige Tage vorher machen wollten. Yette half ihnen bei der Organisation der ganzen Speisen und Getränke, daß sie sich darum gar keinen Kopf zu machen brauchte. Selissa hatte ihr weit mehr Arbeit und Verantwortung abgenommen, als sie erwartet hätte, und sie musste immernoch über die Zwerge lächeln, die auch schon als Dank für ihre Hilfe festgestellt hatten, daß es der Feier an Zwergenbier nicht fehlen werde. Frau Amelie machte sich so viel Mühe mit der Hochzeitsgarderobe… die Sachen würden sicher wundervoll aussehen. Es wurden selbst jetzt noch weitere Einladungen geschrieben, aber die meisten waren zuverlässig verteilt worden, die ersten Rückmeldungen trafen auch bereits ein. Die Einladung an die Druiden würde sie sicher auch noch übergeben können. Und bislang hatte sie nicht einmal vernünftigen Grund, sich darüber zu Sorgen, daß Rahal von der Sache Wind bekommen hätte. Ein Turnier und ein Stadtfest würden vorbereitet werden… Amelie nähte das Hochzeitskleid sogar zuhause im Keller, statt in ihrer Werkstatt. "Es muß doch alles gut gehen. Naja, sicher nicht alles. Aber… verflucht noch eins, wenn die Trauung platzt, heirate ich Adrian auf einer kleinen Insel ohne Gäste!"

Verfasst: Mittwoch 15. Oktober 2008, 00:33
von Darna von Hohenfels
Kalte Füße

Abgesehen davon, daß aufgrund Adrians Staatsgeschäften der Termin nochmal etwas verschoben werden musste und sie ihre Eltern somit ein paar Tage zu früh eingeladen hatte, lief alles erstaunlich glatt... sie steckte dadurch nur bis über beide Ohren in Arbeit.

Das Kleid, ständig hier und da Rücksprachen mit geladenen Gästen - einen Abend, als die Esra ihr die Ehre eines Besuches gab, glaubte sie vor Lachen platzen zu müssen. Sie unterhielten sich extra wieder nur über "das Turnier und ein Stadtfest", als einer der Begleiter der Esra, Ali, immer unruhiger auf dem Stuhl herumrutschte und bei Nennung des Termins gar den Eindruck machte, wie ein kleiner Junge, der ganz dringend auf den Abort musste, aber still bleiben sollte.
"Euer ... Hochgeboren...", stammelte er schließlich, "ich fürchte, wir werden... womöglich an diesem Termin... keine Zeit haben. Soweit ich hörte... will der Graf in dieser Zeit heiraten."
Khalida sah aus, als sollte die Tischplatte gleich Bekanntschaft mit ihrer Stirn machen. Darna wusste einen Moment nicht, ob es grob unhöflich war, wenn sie nun vor der Esra einen ihrer Bediensteten auslachte, und so gab sie sich alle Mühe, das schallende Gelächter schnell zu beenden.
Doch dann klopfte ausgerechnet auch noch Adrian an die Tür, und es irritierte ihn nicht wenig, Darna bei seinem bloßen Anblick in neuerliches Gelächter ausbrechen zu sehen.

Ja... jeden Tag nun hatte sie mit der Tatsache zu tun, daß sie in Kürze... verheiratet sein würde.

Wieso stieß es sie dann so vor den Kopf, als vor dem Gemäuer des Ordens Adrian Herrn Tiberias Lefar darum bat, bei ihrer Eminenz Lefar um einen baldigen Termin hoher Dringlichkeit zu bitten?
Er zeigte ihr danach das Stadthaus, in das er nun gezogen war, seit die Gräfin von Sternwall die Amtsgeschäfte übernommen hatte. Es war immer wieder erfreulich wie erstaunlich, mit welcher aufopfernden Treue, die kaum Mühen scheute, Adrian einige Leute verbunden waren - Mortys hatte extra nach Hudgarrs Initiative das Haus geräumt und war mit zu ihm gezogen. Zuvor schon hatte es sie gerührt, wie Yette ihre Sachen packte und das Schloß verließ... sie hatte Adrian dienen wollen, um eine prestigeverbundene Stelle im Schloß war es ihr nicht gegangen. Fast sollte Darna die Gräfin von Sternwall leid tun, das Schloß verlor damit die beste Köchin seit Darnas Ritterzeit.

Aber wieso stieß dieser Umzug sie nun so vor den Kopf?
Er hielt ihr umso eindringlicher vor Augen, daß ebenso immer näher rückte, ihren Hausstand mit Adrian zu teilen. Privat. Verheiratet. Sie betraten das obere Stockwerk. Bis auf wenige alt verbliebene Einrichtung, die auch noch wegkommen sollte, war vieles leer.
"Und dort hinter der Tür ein Schlafzimmer, schätze ich?"
"Ja."
Die Tür wurde nicht geöffnet, und sie wandte sich auch schnell mit deutlichem Desinteresse ab. Schlafzimmer. Zusammen. Wieso ließ der Gedanke in ihr gerade das Gefühl entstehen, alles Blut sacke ihr zu den Füßen runter?
Er musste gesehen haben, daß irgend etwas sie gerade gedanklich belastete. "Was hast du?" "Nichts." Inzwischen wusste er seit Jahren, wann er auf solche Antwort von ihr nicht viel zu geben hatte.
"Du kommst hier nicht runter, bis du mir nicht sagst, was los ist."
Er hob eine Braue, als sie unwillkürlich einen halben Schritt zurück wich.
"Es ist nichts. Es ist lächerlich."
"Es kann nicht lächerlich sein, also bitte."
Wie sollte sie das erklären? Wie erklären, daß urplötzlich die anstehende Hochzeit als Wendepunkt für alte Gewohnheiten viel zu greifbar war? Wie erklären, daß es ihr gerade nicht behagte, nicht in alle Ewigkeit die gewohnte Distanz zu behalten?

"Ich war mein ganzes Leben lang... alleine. Du... kennst das, wie das ist." - sie hatte nicht einmal, so weit sie sich erinnern konnte, mit Veltin das Zimmer geteilt. Auf Felsenstein hatte sie in einer Kammer mit drei Mägden des Schlosses geschlafen, aber auch dort hatte sie ein Bett für sich gehabt. Das einzige Mal, daß sie sich daran erinnern konnte, mit jemand anderem in einem Bett zu schlafen, war im Schloß Viola gewesen, als es dem oft so verloren wirkenden Mädchen einfach zu schlecht ging.
Und jetzt jagte ihr der blanke Gedanke, wie selbstverständlich es allen Menschen zu sein schien, ihr Leben so mit jemandem zu teilen, fast schon Panik ein.
Dabei hatten sie doch schon so einander vertraut die paar Tage oben in den Bergen verbracht, eine Nacht beide im Keller des Theaters geschlafen, als sie auf der Suche nach Ungestörtheit dort so lange geredet hatten, bis es viel zu spät war und das Theater abgeschlossen. Die Nähe nicht gewohnt, und auch die Geräusche einer weiteren nahe schlafenden Person nicht mehr, hatte sie die halbe Nacht wach verbracht, immer wieder bei einem Schnarchgeräusch oder einer Bewegung aufschreckend und den schlafenden Menschen doch fasziniert und neugierig beobachtend.
Jetzt fühlte sie sich wieder, als hätte sie jeden Moment lieber weglaufen mögen. Warum?

"Nimm mich einfach nicht ernst gerade, ja...?"
"Was möchtest du dazu von mir hören, ich nehme dich immer ernst.. Die Frage ist: vertraust du mir genug, es durchzustehen?"
"Durchzustehen...", wiederholte sie fast tonlos, ließ die Stirn gegen seine Schulter sinken, "Als wär es eine Katastrophe, dich zu heiraten. Ich kann mich selber gerade nicht ernst nehmen."
"Solltest du am 26sten in Berchgard bei einem Gang auf ein Schiff gesichtet werden... weiss ich zumindestens, daß ich doch wohl zu scheußlich war."
Sie atmete aus und schloß die Augen. Seine gewohnte Ironie half ihr, die Gedanken abzulenken, die Gefühle zu überspielen und sie erwiderte trocken: "Wenn ich am 26ten morgens geknebelt und gekettet im Keller der Dornenfeste bereit liege, warst du ungewohnt bestimmend und vorsorgend."
Adrian lachte auf: "Wenn sie aus freien Stücken vor diesen Altar treten, hüpfen sie zweimal?"
Sie lachte anfangs etwas holperig mit, aber der Knoten schien geplatzt. Als er sie etwas später küsste... fühlte es sich einfach richtig an...

es würde schon in Ordnung sein so, wie es war.

Verfasst: Donnerstag 16. Oktober 2008, 20:32
von Amelie Toberen
Schon seit vielen Wochen liefen die Vorbereitungen für Amelie, sie hatte die Ehre etwas ganz Besonderes zu fertigen, es würde wohl das Schönste und Aufwändigste, dass sie je nähen durfte.
Nun saß Amelie immer wieder nachts im Keller und arbeitete an der Hochzeitskleidung von seiner Hoheit und Lady von Elbenau. Immer wieder blickt sie kurz hoch, versuchte ein bisschen zu entspannen, bevor sie wieder am Rock des Brautkleides weiter stickte. Sie musste leise lachen, wie sie immer Rondrian gleich wieder nach oben schickte, als er nur einen Schritt auf die Kellertreppe setzen wollte, aber nun war er auf Reisen, und in dieser Zeit konnte sie bestimmt alles fertig stellen. Nur ihr Töchterchen durfte tagsüber bei ihr sein, sie setzte sie auf den Hocker neben sich, gab ihr ein Stück Stoff in die Hand und ließ sie auch mit Fäden und einer stumpfen Nadel werkeln.
Es war schon fast Morgen, als sie mal eine Weile die Augen schloss und sich zurück erinnerte, wie sie den Auftrag bekam.

Es war erst vor nicht allzu langer Zeit, als ein Bote Amelie bat, zu Lady von Elbenau zu kommen, sie müsse etwas mit ihr besprechen. Eilig packe Amelie ihre Schneiderutensilien zusammen und machte sich auf den Weg nach Varuna zum Haus von Elbenau.
Dort wurde sie herzlich empfangen, und schnell erzählte Lady Darna warum sie Amelie zu sich gerufen hatte.
Die Lady hatte eine genaue Vorstellung von ihrem Brautkleid, aber es erinnerte Amelie mehr an eine Uniform, als an ein Kleid. Mit sachtem Zureden konnte Amelie sie dann doch überreden die Schulterlaschen und so einiges andere wegzulassen, und dem Kleid so eine feminine Note zu geben. Sie versprach ihr zwei Entwürfe zu zeichnen und in den nächsten Tagen wieder vorbeizukommen, um ihr diese zu zeigen.
Erfreut ritt Amelie wieder nach Hause und setzte sich sogleich an die ersten Rohentwürfe.

Als sie mit diesen, es waren inzwischen schon eine große Menge, fertig war, setzte sich Amelie hin, legte die Skizzen auf den Boden und sortierte eine nach der anderen aus, bis endlich zwei übrig blieben, die ihr perfekt erschienen.
Amelie packte eben die Skizzen ein, als es an der Haustüre klingelte.
Sogleich verstaute sie alles, und eilte nach draußen.
Überrascht blickte sie zu ihrem Besuch.
Es waren seine Hoheit, Adrian von Hohenfels und Hudgarr Stolzenfels.
Sie bat sie ins Haus, und im Gespräch erklärte ihr seine Hoheit, dass er gerne die Hochzeitskleidung von Amelie gefertigt haben möchte.
Sprachlos sah ihn Amelie nun an.
Solch eine Ehre würde ihr zuteil werden?
Nun durfte sie beide einkleiden.
Eine Steigerung konnte es für sie da wohl nie wieder geben.
Als sie alles genau besprachen, merkte sie wohl dass seine Hoheit gerne herausfinden wollte, ob auch Lady Darna bei ihr geordert hatte, und mit Müh und Not versuchte Amelie sich nun rauszureden, um ihm nicht mit ja oder nein antworten zu müssen.
Sie würde ihn nie anlügen, aber die Wahrheit wollte sie auch nicht preisgeben. So gab er sich dann doch zufrieden, und nachdem alles genauestens besprochen war, begaben sie die zwei Herren wieder auf den Rückweg.

Nun hieß es handeln. Erst reiste sie zum Stoffhändler und durchwühlte die Unmengen an Stoffen. Ein großer Raum war gefüllt mit Stoffrollen in den verschiedensten Qualitäten, Farben und Mustern.
Wie immer war sie fast überwältigt von der Vielfalt, die man hier zu erwerben bekam.
Langsam, genau die verschiedenen Stoffe prüfend, schlenderte sie nun von einem Ende zum anderen, bis sie vor einigen Stoffrollen stehen blieb.
Unauffällig schnitt sie ein winziges Stückchen der gewählten Stoffe ab und steckte diese vorsichtig in ihre Tasche. Man sah es nicht gerne, wenn man kleine Stoffmuster mit nach Hause nahm, jedoch der Händler würde keinen Nachteil haben, wenn sie dann einkaufen kam, und er mit ihr Geschäfte machen durfte.
Nach einigen Tagen fuhr sie mit der Postkutsche nach Varuna, unter ihrem Arm hatte sie nun die fertigen Skizzen für die Hochzeitsgarderobe und viele kleine Stoffproben.
Nun wurde getrennt besprochen, überlegt, ausgemustert….bis endlich feststand, was seine Hoheit und Lady Darna zur Hochzeit tragen würden.

Langsam öffnete sie wieder ihre Augen und blickte auf die Stickerei.

"Aber jetzt muss ich aufhören zu träumen und weitersticken, sonst werde ich bis zur Hochzeit sicher nicht fertig, " dachte sie bei sich und setzte fort, den Rock des Kleides weiter zu verzieren.

Verfasst: Samstag 25. Oktober 2008, 18:39
von Darna von Hohenfels
Als sie die ganzen Stickereien sah, das Gewicht des Brokates und all des Stoffes an sich spürte, als sie die Bänder sah, die Seide, den glänzenden Zwirn...
da rauschte Amelies Stimme nur noch wie durch Watte in ihre Ohren, und sie ließ sich blass geworden auf die Bettkante fallen. Wieso schossen ihr jetzt Tränen in die Augen, verdammt? Die elende Schminkerei, bei der sie sich schon jedes Mal elendig lange Mühe gab, um sich nicht selber wie ein angemalter Clown vorzukommen, wurde damit auch gutteils ruiniert, aber sie konnte es nicht zurückhalten.

"Dieser Aufwand, diese Mühe... für diesen ganzen... Zirkus..."
Amelie reichte ihr ein Taschentuch und redete beruhigend auf sie ein. Und ob ihr Sonntag denn jemand beim Anziehen helfen würde. Bot sich an, rechtzeitig vorbei zu kommen. Darna dachte an den ganzen Aufstand vor ihrer Adelserhebung, und daß es allein zwei Stunden gebraucht hatte, bis Feli zufrieden mit ihrem Werk sein konnte.
Es kam ihr im Vergleich zur Ahnung, was jetzt auf sie zukam, lächerlich vor, und das ganze Kartenhaus aus geschäftiger Anspannung, das sich die letzten Wochen aufgebaut hatte, fiel zu einem Teil in sich zusammen.

Vielleicht war es gut so. Die ganze Terminhetzerei, die ganzen Organisationen, Leute die sie um Gefallen bitten musste, um etwas zu schaffen, was alleine nicht zu schaffen war... dann zu sehen, in welch Arbeit damit wiederum andere gestürzt wurden...
Es hatte das Nervenkostüm auf Blattgolddicke ausgedünnt, jeden Tag mehrmals in den Briefkasten zu sehen, ob nicht doch Zusagen oder wenigstens Absagen kamen, um besser planen zu können.

Wie hatte Shaya es ausgedrückt?
"Keine Sorge, Milady. Alles wird gut gehen - oder es wird das unvergesslichste Chaos, das Gerimor je gesehen hat."
An das Chaos mochte sie gar nicht denken. Vor allem nicht, wenn sie sowas wie dieses Kleid jetzt sah. Sie kam sich noch glatt selber darin schön vor, dabei konnte sie aus Prinzip Kleider nicht ausstehen. Und dann wollte Amelie... es ihr... schenken.
"Das ist unbezahlbar, das kann ich nicht annehmen", haspelte sie tonlos. Doch Amelie bestand darauf: "Eine so wundervolle und ehrende Arbeit kann ich sicher nie wieder fertigen, Ihr müsst es annehmen."

Gütige, womit hatte sie das verdient, daß die Leute sich so... "Wie soll ich das wieder gutmachen?", dachte sie betäubt.
Noch zwei Tage.

Es geisterte ihr immer wieder durch den Kopf und stand wie ein Datum im Raum, an dem die Welt zusammenbrechen konnte. Sonntag. Beim Ball bekam sie - zum Glück - nicht mit, wie Wetten darauf abgeschlossen wurden, ob sie vor der Hochzeit doch noch in Berchgard rechts abbiegen und auf ein Schiff flüchten würde.

"Mittwoch", sagte sie sich mehrmals leise.
Mittwoch würde alles vorbei sein. Und ihre Welt wohl irgendwie anders, egal was geschah.

Verfasst: Samstag 25. Oktober 2008, 22:31
von Amelie Toberen
Heute, endlich, nach langer mühevoller Arbeit hatte sie alles fertig gestellt.
Nun hingen das Brautkleid Lady Darnas und die Hochzeitskleidung von seiner Hoheit sorgfältig vor ihr am Kleiderschrank.
Zufrieden und erleichtert betrachtete Amelie nun das Kleid.
Das Oberteil bestand aus einer Korsage, welche mit hellblauen Seidenbändern, die zu Kordeln gedreht wurden, verziert war, welche die schlank zulaufende Form sehr betonten.
Das Dekolletee war hochgeschlossen, lediglich war der obere Brustbereich von einer gedrehten Kordel, diesmal in rot, eingerahmt. War der weitere Teil der Korsage mit Verzierungen reich versehen, so war der Halsbereich schmuckloser Stoff, auf dem das Geschmeide umso besser zur Geltung kommen sollte. Lediglich den Halssaum umspielte wieder hellblaues Seidenband, leicht verdreht und in geschwungenen Bögen aufgenäht.
Der Brokatstoff des Oberteiles war ohne Stickerei, also eher schmucklos, jedoch derart gewebt, dass das feine Muster im Stoff sich wie winzige Farnblätter auffiederte und somit nicht völlig glatt war und durch die Seidenkordeln bekam die Korsage die nötige Finesse, um nicht im Vergleich zum Rest zu schlicht zu wirken
Vorne in der Mitte des Korsetts waren rein zur Zier goldene Knöpfe aufgebracht, wie an den Uniformwesten des Regiments, um so wenigstens mit gutem Willen dem anfangs seltsamen Wunsch der Freiherrin zu entsprechen.
Die Ärmel waren aus Spitze, die aus vielen kleinen Blättern aneinander gearbeitet war, welche auch ab und an ein wenig Haut durchblitzen ließen.

Der reich bestickte Rockteil, an dem Amelie so viele Stunde stickte, zeigte ein verwirrendes Muster aus schlanken geschwungenen und gefächerten Blättern und Ranken, lilienförmige Applikationen mit Rubinsplittern geziert.

Als Amelie das Kleid umdrehte, betrachtete sie die Schleppe, welche aus feinster Spitze und im Schulterbereich wie zwei breite Flügel gewebt war, die einzelnen Schwungfedern nach schräg unten auslaufend. Darunter ließ sich auf etwas Distanz das feine Ziermuster schon nicht mehr erkennen, doch sollte sich jemand daneben stellen, konnte er erkennen, wie sich ein verwirrendes Geflecht aus Hirsch-, Drachen- und Blätterrankenornamenten über den ganzen Stoff erstreckte.

Nun wanderte ihr Blick neben das Kleid.
Hier hängte das Hochzeitsgewand von seiner Hoheit, Graf Adrian von Hohenfels. Sie betrachtete nochmal eingehend das Seidenhemd und insbesondere den Stehkragen, welcher mit dickerem Stoff verstärkt und der Rand fächerförmig mit Einbuchtungen nach unten versehen war, so dass die Form des Kragens an die gezackten Flügel von Drachen erinnern sollte. Durch mehrere schmale Längsstreifen im Webmuster, die nicht durchgehend verliefen, sondern leicht versetzt aneinander anknüpften, warf die glatte Seide zudem blickfangende Lichtreflexe. Es verstärkte den Eindruck der sonstigen Schuppenverzierungen an der weiteren Kleidung, bei den Bewegungen zu schimmern wie die Sonne auf einem sich bewegenden Schlangenleib.

Der Umhang war etwas ganz Besonderes, wie im Schulterbereich von Darnas Schleppe sich nachgeahmte Adlerflügel ausbreiteten, waren es bei Adrians Umhang selbstverständlich Drachenschwingen. Darunter schlossen sich ähnlich wie bei der Schleppe kleine ineinander verschlungene Motive von Hirschen und Drachen an. Statt Blätterranken als Zier ergänzten an Adrians Kleidung jedoch Wirbelformen die Zwischenräume, welche die Luft einfingen und als Symbole auf den Stoff brachten.

Die Weste wurde beherrscht von einem Webmuster, das überlappende Schuppen imitierte, je nach Betonung der Körperpartie kleiner oder größer werdende. Keine Schuppe jedoch größer als der Daumennagel eines erwachsenen Mannes. Sorgsam hatte Amelie darauf geachtet, durch die Nähte das Muster nicht zu sehr zu durchbrechen, teils von Hand mit Faden die Konturen nachgestickt, so dass sich fast der Eindruck ergab, die ganze Weste wäre aus einem Stück gefertigt. Die Schultern wurden in einer ähnlichen Weise wie der Stehkragen betont und gaben dem Ganzen einen martialischeren Eindruck. Und die Knöpfe, mit der die Weste geschlossen wurde, waren gesammelte Flussperlen, die Amelie immer in einer kleinen Schachtel für ganz besondere Kleidungsstücke aufhob.

Nun warf sie noch einen prüfenden Blick auf den Gürtel, welcher aus hell gebleichtem Echsenleder gebildet war. Die Gürtelschnalle war sehr breit, auf der rechten Seite zeigte sie den lang gestreckten Kopf eines Drachen, aus dessen Maul eine Flammengarbe schoss, die den linken Teil des Metallverschlusses bildete. Thancred war wohl bei diesem Stück viele Stunden gestanden und hatte die Schnalle mühevoll gefertigt.

Die Hose war aus feinem Wollstoff, einige Nähte mit Goldfaden hervorgehoben. An den Außenseiten der Beine befand sich ein Stoffeinsatz aus wieder reich besticktem Brokat als Zier, die Ornamente abstrakte Wirbel von Luft und Feuer.

Stolz und erleichtert warf sie noch einen letzten Blick auf die Hochzeitsgarderobe, packte sie sorgfältig ein und marschierte los, um sie noch rechtzeitig abzuliefern.

Verfasst: Montag 27. Oktober 2008, 19:15
von Kanubio Bunjam
Zum nicht mehr zählbaren Mal betrachtete Kanubio seine globigen, von harter Arbeit geprägten Hände. Sie waren gut, um ein Schwert zu halten oder eine Picke, aber wahrlich nicht für so eine feine Arbeit geeignet, wie sie ihm Trystjarn aufgetragen hatte. Darnas und Adrians Hochzeit stand bevor und er – ja, er Kanubio! – sollte das Hochzeitsgeschenk anfertigen: zwei besonders verzierte Methörner und, da die beiden sicher keine Halterungen an ihrem Kamin hatten, schlug Kanubio einen Ständer dazu vor.

Es sollte nicht kitschig wirken, sondern thyrisch. Darüber machte Kanubio sich die geringsten Sorgen. Von seinen hornhäutigen Pranken gefertigt, würde es nur thyrisch aussehen können!

Kanubio hatte die Idee gehabt, zwei der Hörner so in einen Ständer einzupassen, dass sie als Gesamtbild ein Herz ergaben. Doch als er in der Kiste nach zwei geeignet gewachsenen Hörnern suchte, gefiel ihm keines so recht. Dafür entdeckte er eines, das nicht nur in der eher üblichen Mondsichelform gebogen war, sondern sich auch noch ein mal spiralförmig um seine eigene Achse wand. Er betrachtete es von allen Seiten und es gefiel ihm ausgesprochen gut. Er suchte weiter und fand alsbald eines, dass ähnlich geformt war. Klar! So ein Vieh hatte ja zwei Hörner – meistens zumindest.

Als er die beiden zusammenhielt, schien es, als wollten sie sich gegenseitig um das andere drehen. Das war für ein Hochzeitsgeschenk noch stimmiger als ein Herz.

Durch die beiden schönen Fundstücke motiviert, krempelte er sich die Ärmel auf, holte sich fingerdicken Kupferdraht und bog aus diesem das Modell des Ständers zurecht. Aber wie auch immer er es anstellte – man konnte nie nur eines der Hörner entnehmen. Stets musste man die beiden verschlungenen Hörner gemeinsam hochheben, um sie dann erst außerhalb des Ständers trennen zu können.
Darna und Adrian würden gemeinsam trinken müssen. Beide oder keiner! Kanubio schmunzelte bei dem Gedanken.
Etwas gemeinsam zu tun – das wäre wohl wichtig für ein Paar. Eine Sache gemeinsam beginnen und gemeinsam beenden.

Mit Runen sollte er die Hörner verzieren. Runen … woher sollte er welche nehmen? Es gab kaum Schriftliches bei den Thyren. Da fielen ihm die Tränkefässer ein. Sie waren mit Runen beschriftet.
Er begab sich zu den Fässern und betrachtete die Aufschriften. Hier war eine Rune, die einem D ähnelte, wenn auch recht entfernt. Oder einem Schild von oben. Ja, ein Schild würde gut zu Darna passen. Ein Schild schützte. Und ein Paar wie Darna und Adrian konnte Schutz gut gebrauchen.
So etwas wie ein A konnte Kanubio nirgends entdecken. Das, was dem Buchstaben vielleicht noch nahe kam, war wie ein X, auf das ein Dach aufgesetzt war. Ein Dach gehörte zu einem Haus und Adrian sollte doch so etwas wie der Hausherr sein. (Auch dieser Gedanke entlockte Kanubio ein sanftes Grinsen.) Ein Haus beherbergte ein Paar und aus dem wiederum sollte eine Familie werden.

Kanubio war zufrieden mit seiner Wahl, reinigte und glättete die Hörner und bearbeitete sie ganz behutsam, sodass diese Runen, jeweils vier Mal auf einem der beiden Hörner, in jede Windrichtung eine, reliefartig hervortraten.

Als das geschafft war, stellte er den Kupferständer samt den Hörnern darin in eine dunkle Ecke der Werkstatt und bedeckte das Werkstück mit einem Tuch. Das war der einfachere Teil gewesen.

Der Ständer sollte mit Wölfen, einem Totem der Thyren, verziert sein. Kanubio beschloss, diese aus Holz zu schnitzen. Da seine bisherigen Versuche, solche Tiere darzustellen, stets ins Hundeförmige abgedriftet waren, beschloss er, sich Wölfe in freier Natur noch einmal genauer anzusehen. Außerdem wollte er feststellen, ob es zwischen weiblichen und männlichen Wölfen Unterschiede gab – außer dem einen natürlich, der sogar jedem Städter hinreichend bekannt war.

Nach einigen Stunden, die Kanubio in herbstlicher Kühle bei den Wölfen um Wulfgard verbracht und sie beobachtet hatte, begab er sich wieder in die gut beheizte Werkstatt. Zwei sollten es sein, ein Rüde und ein Weibchen, und ausdrucksvoll. Aktiv. In Bewegung, aber nicht springend. Nicht nur sehen sollte man sie, sondern ihre Pose sollte auch ihr Geheul ausdrücken.
Die Vorderbeine etwas höher als die Hinterläufe, die Schnauze in den Himmel gereckt, das Maul leicht geöffnet. Gar nicht so einfach!

Die Werkstatt blieb in den folgenden Tagen gut beheizt, denn immer wieder fand ein misslungener Wolf seinen Weg in die Flammen. Sahen sie endlich einmal nicht aus wie niedliche Schoßhündchen mit Genickstarre, dann brach ein Bein oder das Fell sah aus, als wäre das Tier von der Räude befallen.

Kanubio verzweifelte schier und oft konnte man in Wulfgard in jenen Tagen gemischtsprachige Flüche in höchster Vollendung aus der Werkstatt vernehmen. Doch Kanubio wollte seinen Jarl nicht enttäuschen. Er verbiss sich in die Schnitzarbeit, bis er zwei gleichartige Wölfe vor sich hatte …. naja, fast gleich – bis eben auf diesen kleinen Unterschied.

Freilich musste das Kupfer einem edleren Metall weichen. Dualität … Kerl und Weyb … Elemente … Feuer und Eis … heiß und kalt … Pyrian und Coelium. Aus den entsprechenden Barren zog er sich verschieden starke Drähte, die er zurechtbog und mit denen er die Wölfe, die den Fuß des Ständers darstellten, verband und die nach oben zu die Trinkhornhalterung bildeten.

Zweifelnd betrachtete er das fertige Stück. Es war gar nicht so geworden, wie sie es ursprünglich besprochen hatten.

Als er vor der Werkstatt Schritte vernahm, steckte er den Kopf durch die Türe. Er hatte Glück, es war Trystjarn. Kanubio rief ihn, winkte ihn in den Arbeitsraum, ließ die verschlungenen Hörner in den Ständer gleiten und trat einen Schritt zurück.
„Na, wie findest du das?“ fragte er, und auch, wenn er sich Trystjarns Antwort nicht ganz sicher war, leuchtete doch eine ganze Menge Stolz in seinen Augen.

Verfasst: Dienstag 28. Oktober 2008, 14:28
von Alexandre von Galbadan
Lange Zeit hatte er am Vortag zusammen mit Lady Selissa und den Handwerkern verbracht und die Trebüne aufbauen lassen für das Turnier am Abend. Zwei Ringe waren entstanden in welchem sich die Duellanten begegnen konnten um den Kampf mit der Klinge oder dem Streitkolben zwischen sich zu entscheiden. Für Ruhm, Ehre und Prestige war jenes Turnier gedacht um das Brautpaar zu Feiern. Blumen und Girlanden waren als schmückendes Zierwerk hervorgeholt worden und fasten die Sessel des Brautpaares ein welche auf der Spitze der Trebüne sitzen würden. Zu ihren Füssen würde sich das Turnierspecktakel volführen welches geplant war. Flagen und Banner der Ritterschaft wurden herbeigeschaft, er selbst eilte zur Allianz und brachte die Banner von Sire Rafael und Sir Zeron mit damit auch jene ihren rechtmässigen Platz in dem Fahnenmeer bekamen. Spät war er erst zurückgekehrt und nun galt es sich zu sputen und sich selbst zu schmücken mit allerlei tand und Rüstwerk.
Langsam Rüstete Alexandre sich in einer rein silbernen Plattenrüstung die hell glänzte. Stundenlang hatte er sie auf Hochglanz poliert um bei der Zeremonie auch angemessen auszuschauen. Das Schwert aus bläulichem Coeleum schimmerte im licht der Abendsonne Meerblau und fügte sich mit der Wappenfarbe derer Von Arganta zu einem Gesammtbild zusammen. Jede Schnalle wurde zurecht gerückt die einzelnen Metallteile noch ein weiteres mal mit einem Tuch poliert bis er fertig gestriegelt und gerüstet vor die Türe seines Anwesens trat. Es war ein halber Glockenschlag vor der sechsten Abendstunde und in bälde würden die Gäste zusammentreten um die Zeremonie unter Temora zu beginnen also sputete er sich um vor den anderen Pünklich anwesend zu sein.
Im Galopp ritt er in Berchgard ein und traf alsbald auf Lady Selissa die schon eingetroffen war und ihn einwies in die Ausrüstung zum Turnier welche sie dann zum Turnierplatz vor brachten. Ersatzrüstungen und Waffen aus Eisen waren vorhanden und so war sicher gestellt das ein Jeder der einer Ersatzrüstung bedurfte auch gewissentlich ausgerüstet werden konnte.
Langsam trafen die gäste an und unter den feierlichen Worten ihrer Eminenz Viktoria Mercandis begann die Zeremonie mit dem Rituellen Kampftanz der beiden Vermählten über die einzelnen Symbole der Tugenden. Jenen Pfad gingen sie gemeinsam um sich im Anlitz Temoras zusammen zu fügen als wären sie eins. Eine Einheit die fortan zusammen jenen Tugendpfad beschritten und der Herrin Worte in sich trägt. Jeden der vier Abschnitte und Grundhaltungen die von Knappschaft und Ritterschaft ausgeführt wurde wärend sich das Paar rituel Duelierte unter den Worten der Priesterin wurde mit möglichst hoher Präzision ausgeführt. Schliesslich wolte Alexandre das Paar ehren und nicht beschähmen. Immer wieder kontrolierte er die richtige Position von Schild und Schwert ganz so wie er es einstudiert hatte und lauschte andächtig der Priesterworte bis zum Ende der Zeremonie.
Feierlich ging es nach der zweiten vermählung unter der Herrin Schwingen zum Turnierplatz empor wo Lady Selissa, Sir Cathal, Sebastian und er sich bemühten die Ausrüstung zu verteilen. Sebastian hatte er absichtlich hinzugebeten da durch unvorhergesehene Ereignisse er alsbald leider den Pflichten beim Turnier entsagen musste und eine wichtige Angelegenheit für den Sire in Angriff nehmen muste. Zu gerne hätte er auch weiterhin Lady Selissa beigestanden doch hofte er das Sebastian an seiner Stat ihr gut zur Hand gehen würde wie es sich für einen Recken der Allianz gebührte. Vorbereitungen für das Duell waren noch zu treffen und so eilte er im Trubel der Turnier Vorbereitungen von dannen um jenen Pflichten nachzukommen. Für Temora, den Sire und fürs Reich würde er jene Aufgaben gewissenhaft erledigen.