Begegnung mit einem bekannten Unbekannten -
Verfasst: Freitag 3. Oktober 2008, 13:20
Begegnung mit einem bekannten Unbekannten
Dunkel erhoben sich die Mauern Rahals an beiden Seiten der Straße. Die Schritte erklangen metallen auf dem Stein des Pflasters als Aleleya langsam hinter Tugor auf das Maul des Panthers zuhielt um wie wiedergeboren dem Schlund zu entsteigen. Die weißen Zähne ließen sie nur zögerlich der Stadt entsteigen. Gerade als sie den Schutz des Gebildes verließen, erklang hinter ihnen das stete Klirren von Sporen, die begleitend jeden Schritt des sich Nähernden untermalten.
Aleleya kam nicht umhin, sich umzuwenden. Etwas an diesem Schritt klang seltsam vertraut. Während sie in einer Musterung der Gestalt versank, war sie unweigerlich stehen geblieben. Er war gut einen Kopf größer als sie, sein Alter hätte sie auf Mitte 30 geschätzt. Meeresblaue Augen sahen ihr mit einer Aufmerksamkeit entgegen, die sie zu durchdringen schien. Seine ganze Haltung bezeugte eine gewisse Selbstsicherheit, unterstrichen von einer Spur Arroganz. Sein blondes Haar war ordentlich kurz frisiert und aus der Stirn gestrichen. Sie hatte den Atem angehalten, während er langsam weiterschritt.
Tugor, bereits ein Stück voraus, hatte sich ebenso kurz umgesehen. Er gab dem Fremden seinen üblichen Gruß entgegen. Als sie die vertrauten Worte: „Seinen Segen“ vernahm, erwachte sie aus ihrer Starre und murmelte reuevoll ebenso schnell einen Gruß, ehe sie Tugor weiter nacheilte.
Ihr Weg führte sie nach Bajard. Dort sahen sie sich einer großen Menschenansammlung gegenüber. Auf einer Seite hatte sich die Rahaler Garde platziert, hinter ihnen die gewohnten Verbündeten wie die auserwählten Letharen. Ihnen gegenüber sah man Mannen des Ordens der Temora und dahinter wachsam, Ritter wie auch Adel Varunas. In ihrer Mitte focht der Hauptmann der Rahaler Garde mit einem jener verblendeten Ketzer. Wachsam schritt sie die Reihen ab und behielt die Reaktionen der Ketzer im Auge. Bis zu dem Augenblick als sich der Fremde wieder einfand. Er stand ein wenig abseits des Ganzen, wie unberührt mitten auf dem Weg. Niemand schien sich an ihm dort zu stören, die wenigsten schenkten ihm überhaupt einen Blick. Lediglich Aleleya konnte den Blick kaum von ihm abwenden. Er schien so seltsam vertraut. In den hintersten Tiefen ihres Geistes wollte sie irgendetwas erreichen, aber jedes Mal, wenn sie sich zu sehr darauf konzentrierte, entglitt ihr das Bild. Sie kannte diesen Mann, dessen war sie sich recht sicher. Nur woher?
Es dauerte seine Zeit, doch wie zu erwarten rang der Hauptmann das ketzerische Gesocks nieder. Unter Alatars Segen konnte man ihn aufrecht über seinem Opfer thronen sehen. Die Rüstung war zum Teil blutverschmiert, Spuren seiner Überlegenheit. Als sie an Gerard vorbeiblickte, fiel ihr wieder der bekannte Unbekannte ins Auge. Er bedachte sie mit einem feingezogenen Lächeln ehe er die Hand hob und sich an den Fingerspitzen beginnend, der Bewegung folgend ein Riss im Gefüge der Realität bildete. Bald war der Riss mannshoch und er entschwand dadurch. Mühsam beherrschte sie sich, ihm nicht nachzugehen. Sie wollte wissen, wer das war und warum er ihr so bekannt erschien. Diese Augen. Sie kannte diesen Blick.
Nachdem der Kampf entschieden war, löste sich die Menge langsam auf. Sie folgte dem Hauptmann und seinem Landsknecht und sie fuhren mit der nächsten Kutsche zurück nach Rahal. Das stete Schaukeln während der Fahrt wirkte beinahe einschläfernd und ließ sie abermals an den Mann denken. Die Frage, wer er sein mochte, ließ sie nicht los. Sie hatte sich festgesetzt, wie eine Zecke und saugte nun allmählich das Blut ihrer Gedanken aus.
Man verabredete sich in Rahal zu einem abendlichem Umtrunk in der hiesigen Taverne.
Da die Gardisten, wie auch Aleleya es vorzogen, sich zuvor umzuziehen, traf sie alleine dort ein. Die Taverne war jedoch nicht leer. Wieder erblickte sie dieses Gesicht, von dem besonders die Augen sie lockten und sie an etwas erinnerten. Ihr fiel auf, dass sie ihn anstarrte und sie senkte rasch den Blick. Zu spät jedoch, denn sie vernahm leise seine wohlklingende Stimme: „Ihr braucht den Blick doch nicht senken, Fräulein Mertas“. Unter einem tiefen Durchatmen sah sie wieder auf. Sie würde sich doch nicht von diesem Unbekannten einschüchtern lassen. Doch selbst die Stimme kam ihr seltsam bekannt vor. Es war zum Verrücktwerden. Sie redeten eine Weile miteinander. Anscheinend stand er in Diensten des Alkas, er wollte seiner Heiligkeit noch den gleichen Abend von den Geschehnissen berichten. Hatte sie ihn dort vielleicht gesehen? Im Palast? War er eine der Wachen oder war er bei der Weihe von Ritterin Tefra anwesend gewesen?
Sie würde dieses Rätsel um den geheimnisvollen Fremden eines Tages lösen, dachte sie bei sich, als sie ihm nachsah, wie er langsam und gebieterisch die Taverne verließ, ein seichtes Schmunzeln auf den Lippen.
Dunkel erhoben sich die Mauern Rahals an beiden Seiten der Straße. Die Schritte erklangen metallen auf dem Stein des Pflasters als Aleleya langsam hinter Tugor auf das Maul des Panthers zuhielt um wie wiedergeboren dem Schlund zu entsteigen. Die weißen Zähne ließen sie nur zögerlich der Stadt entsteigen. Gerade als sie den Schutz des Gebildes verließen, erklang hinter ihnen das stete Klirren von Sporen, die begleitend jeden Schritt des sich Nähernden untermalten.
Aleleya kam nicht umhin, sich umzuwenden. Etwas an diesem Schritt klang seltsam vertraut. Während sie in einer Musterung der Gestalt versank, war sie unweigerlich stehen geblieben. Er war gut einen Kopf größer als sie, sein Alter hätte sie auf Mitte 30 geschätzt. Meeresblaue Augen sahen ihr mit einer Aufmerksamkeit entgegen, die sie zu durchdringen schien. Seine ganze Haltung bezeugte eine gewisse Selbstsicherheit, unterstrichen von einer Spur Arroganz. Sein blondes Haar war ordentlich kurz frisiert und aus der Stirn gestrichen. Sie hatte den Atem angehalten, während er langsam weiterschritt.
Tugor, bereits ein Stück voraus, hatte sich ebenso kurz umgesehen. Er gab dem Fremden seinen üblichen Gruß entgegen. Als sie die vertrauten Worte: „Seinen Segen“ vernahm, erwachte sie aus ihrer Starre und murmelte reuevoll ebenso schnell einen Gruß, ehe sie Tugor weiter nacheilte.
Ihr Weg führte sie nach Bajard. Dort sahen sie sich einer großen Menschenansammlung gegenüber. Auf einer Seite hatte sich die Rahaler Garde platziert, hinter ihnen die gewohnten Verbündeten wie die auserwählten Letharen. Ihnen gegenüber sah man Mannen des Ordens der Temora und dahinter wachsam, Ritter wie auch Adel Varunas. In ihrer Mitte focht der Hauptmann der Rahaler Garde mit einem jener verblendeten Ketzer. Wachsam schritt sie die Reihen ab und behielt die Reaktionen der Ketzer im Auge. Bis zu dem Augenblick als sich der Fremde wieder einfand. Er stand ein wenig abseits des Ganzen, wie unberührt mitten auf dem Weg. Niemand schien sich an ihm dort zu stören, die wenigsten schenkten ihm überhaupt einen Blick. Lediglich Aleleya konnte den Blick kaum von ihm abwenden. Er schien so seltsam vertraut. In den hintersten Tiefen ihres Geistes wollte sie irgendetwas erreichen, aber jedes Mal, wenn sie sich zu sehr darauf konzentrierte, entglitt ihr das Bild. Sie kannte diesen Mann, dessen war sie sich recht sicher. Nur woher?
Es dauerte seine Zeit, doch wie zu erwarten rang der Hauptmann das ketzerische Gesocks nieder. Unter Alatars Segen konnte man ihn aufrecht über seinem Opfer thronen sehen. Die Rüstung war zum Teil blutverschmiert, Spuren seiner Überlegenheit. Als sie an Gerard vorbeiblickte, fiel ihr wieder der bekannte Unbekannte ins Auge. Er bedachte sie mit einem feingezogenen Lächeln ehe er die Hand hob und sich an den Fingerspitzen beginnend, der Bewegung folgend ein Riss im Gefüge der Realität bildete. Bald war der Riss mannshoch und er entschwand dadurch. Mühsam beherrschte sie sich, ihm nicht nachzugehen. Sie wollte wissen, wer das war und warum er ihr so bekannt erschien. Diese Augen. Sie kannte diesen Blick.
Nachdem der Kampf entschieden war, löste sich die Menge langsam auf. Sie folgte dem Hauptmann und seinem Landsknecht und sie fuhren mit der nächsten Kutsche zurück nach Rahal. Das stete Schaukeln während der Fahrt wirkte beinahe einschläfernd und ließ sie abermals an den Mann denken. Die Frage, wer er sein mochte, ließ sie nicht los. Sie hatte sich festgesetzt, wie eine Zecke und saugte nun allmählich das Blut ihrer Gedanken aus.
Man verabredete sich in Rahal zu einem abendlichem Umtrunk in der hiesigen Taverne.
Da die Gardisten, wie auch Aleleya es vorzogen, sich zuvor umzuziehen, traf sie alleine dort ein. Die Taverne war jedoch nicht leer. Wieder erblickte sie dieses Gesicht, von dem besonders die Augen sie lockten und sie an etwas erinnerten. Ihr fiel auf, dass sie ihn anstarrte und sie senkte rasch den Blick. Zu spät jedoch, denn sie vernahm leise seine wohlklingende Stimme: „Ihr braucht den Blick doch nicht senken, Fräulein Mertas“. Unter einem tiefen Durchatmen sah sie wieder auf. Sie würde sich doch nicht von diesem Unbekannten einschüchtern lassen. Doch selbst die Stimme kam ihr seltsam bekannt vor. Es war zum Verrücktwerden. Sie redeten eine Weile miteinander. Anscheinend stand er in Diensten des Alkas, er wollte seiner Heiligkeit noch den gleichen Abend von den Geschehnissen berichten. Hatte sie ihn dort vielleicht gesehen? Im Palast? War er eine der Wachen oder war er bei der Weihe von Ritterin Tefra anwesend gewesen?
Sie würde dieses Rätsel um den geheimnisvollen Fremden eines Tages lösen, dachte sie bei sich, als sie ihm nachsah, wie er langsam und gebieterisch die Taverne verließ, ein seichtes Schmunzeln auf den Lippen.