Ritter, Knappen und die Burg Eisenwart
Gedanken, die wie eisige Winde durch ihren Kopf jagten, liessen Aleleya keine Ruhe.
Allem voran fand sich die Frage, wie sie es schaffte, in den Augen ihres Ritters aber auch nur alles erdenkliche falsch zu machen.
Das sie Seite an Seite mit anderen Alatargläubigen gestanden hatte, war kein Grund ihm fernzubleiben. Ihr Platz wäre unter ihrem Ritter gewesen und nicht weit entfernt, wo man sie brauchte. So hatte er es ihr zumindest gesagt. Mit gedanklichem Seufzen sah sie sich in Rahal um. Es war sonderbar leer auf den Straßen. Selten sah man ein bekanntes Gesicht und noch seltener die Ritter, welchen sie in 'irgendeiner' Art und Weise angehörte. War das Knappenleben so ersonnen worden? Sollte sie unter Demut und Ehrfurcht nur noch kuschen, alle Schmähungen des Ritters hinnehmen? Wilder Trotz wollte aus ihr hervorsprudeln, wenn er ihre Worte abermals ignorierte. Waren ihre Ansichten so falsch, oder missachtete er tatsächlich die Tugenden, welche er ihr zu predigen versuchte. Kümmerte er sich um seinen Schützling? Zügelte er seinen Zorn und lenkte ihn in die entsprechende Richtung, oder war sie nur sein willkommenes Opfer?
Eine weitere Wunde hatte er ihr mit Zufriedenheit zugefügt. Diesmal ein tiefer Schnitt, der das Ohr verunstaltend ziert. Und warum? Weil sie wieder da war.
Er ist ein Ritter, kam der nächste Gedanke auf den vorherigen folgend. Er ist erfüllt von Alatars Weisheit und seiner Macht. Er weiß, was er tut und sie schuldete ihm Loyalität. Müde lies sie sich auf einen Poller am Hafen sinken und starrte auf das Meer hinaus. Es gab keine Lösung. Nur ein Durchhalten, durchhalten bis ein Ende käme... welches... wollte sie sich nicht ausmalen. Hätte sie doch nur die Gelegenheit gehabt, dem Ahad öfter zu begegnen. Er hatte eine ruhige, kühle Art, die dem hitzigen Zorn in ihr einiges entgegensetzte.
Leise knartzten die Holzplanken des Schiffes in der Nähe. Die Wellen schwabten stetig an die Kaimauer und säuselten die Versprechungen von kalten Winterstürmen. Aus den Gedanken geweckt, blickte sie lange auf das Schiff.
„Kommt morgen wieder...“, das waren die Worte des Torwächters der Burg Eisenwart gewesen.
Wollte sie wirklich noch einmal dorthin? Die Worte Crains sollten ihr genügen. Ketzer, Abschaum, das waren sie. Im Widerstreit damit lag ihre erste Begegnung mit dem Fürsten zu Lameriast. In Bajard hatte er sich selbstsicher, kampferfahren und intelligent benommen. Warum war er ein Ketzer? Wie konnte ein Mann sich von einem Moment auf den anderen vom gläubigen Alatardiener in einen Ketzer verwandeln? Was war der Grund? Die Rahaler sprachen nicht über Gründe. Sie hatten Recht, sie machten keine Fehler, das war ihr Standpunkt. Da gab es kein 'Warum?'. Unter einem leisen Seufzen erhob sie sich. Wenn sie ihren Dienst an Alatar nicht weiterführen könnte, wäre ihr Leben ohnehin verwirkt. Da würde dieses Abenteuer auch keinen Unterschied machen. Ein bisschen früher sterben vielleicht...
*~~~~*~~~~*~~~~*~~~~*~~~~*
Die Überfahrt nach Lameriast verging in schweigsamer Ödnis. Sie war erleichtert, als sie endlich wieder festen Boden unter den Füssen hatte. Schiffe, das waren nicht ihre Welt. Noch stand ihr ein langer Marsch zur Burg Eisenwart bevor, doch selbst das schreckte die Neugier in ihr nicht ab. Das Wetter schien es gut zu meinen und so wurde sie zumindest nicht klitschnass bis sie dort eintraf.
Eine recht hübsche Frau, die später vom Fürsten als seine Frau Kalisha vorgestellt wurde, öffnete die schweren Eisentüren der Burg und führte sie in seine Schreibstube. Die Tür fiel mit bedrohlichem Klang hinter ihr ins Schloss. Während Kalisha sich auf dem Stuhl neben dem Fürsten niederlies, blieb Aleleya hinter den Stühlen stehen. Die dicken Steinmauern schienen sie erdrücken zu wollen. Nach der kurzen Vorstellung schwieg sie einen Moment, ehe sie den Fürsten darum bat, mit ihm alleine sprechen zu dürfen. Kalisha schien von ihrem Aufhebens nicht besonders begeistert, liess sie aber dann mit Khazkal alleine. Endlich wagte Aleleya sich zu setzen. Sie hatte einige Bedenken, und so begann ihr alleiniges Gespräch bereits damit, dass sie ihn beim Verlassen der Burg nach der Unterredung um freies Geleit bat. Sein Argwohn schien geweckt, wenn er es auch etwas ins Lächerliche zog. Was sollte sie schon angestellt haben!? Innerlich musste sie ein wenig aufschmunzeln. Unvorsichtig, aber was sollte ihm in seiner eigenen Burg auch schon geschehen?
Nach seiner Versicherung dessen stellte sie ihm endlich die ersehnte Frage, warum er mit Rahal gebrochen hatte. Sonderbarerweise fand er nichts ungewöhnliches an dieser Bitte, was sie sich innerlich selber schelten liess. Es war also kein Geheimnis. Nur die Rahaler alleine schwiegen sich mit Erklärungen aus. Er erzählte lange und ausführlich von den damaligen Geschehnissen. So ruhig und entspannt, dass sie selber es schaffte, sich für kurze Zeit in dem Stuhl zurückzulehnen. Als er geendet hatte, sah er sie fragend an.
„Das war doch nicht alles warum Ihr hier seid, oder?“, fragte er sie, ein schmales Lächeln auf den Lippen. Doch, das war es tatsächlich, was sie ihm auch sogleich sagte. Jedoch schien der Zeitpunkt gekommen, etwas mehr Farbe zu bekennen.
„Vielleicht sollte ich mich einmal vollständig vorstellen...“, sprach sie dann vorsichtig.
„Aleleya Mertas, Knappin des All-Einen, des heiligen alatarischen Reiches Rahal“. In der darauffolgenden Stille hielt sie den Atem an. „Was?“ prustete er ungläubig los. Mit einem leichten Nicken bestätigte sie nur ihre vorherigen Worte. War er der Mann, der er vorgab zu sein?
Es würde sich zeigen...
Ritter, Knappen und die Burg Eisenwart
- Khazkal Deslon
- Beiträge: 75
- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Khazkal war beeindruckt.
Sehr sogar, denn diese Frau, welche sich selbst als Knappin aus Rahal vorgestellt hatte, legte damit großen Mut an den Tag. Khazkal schätze es, zumal sie damit rechnen musste, von ihm eingesperrt und gefoltert zu werden. Keines von dem tat er, denn sie stand für ihre Sache ein, ohne sich lächerlich zu machen. Wenn auch es dumm war, direkt in die Höhle des Löwen zu gehen, um ihn nach der Wahrheit zu fragen ...
Doch die Wahrheit hatte sie erfahren. Khazkal hatte ihr die Geschichte der Eisenwart erzählt, wie es sich zugetragen hatte, wie es war. Sie hatte gelauscht, war nicht abweisend, obwohl er Rahal als das hinstellte, was es letztendlich war - eine Schar aus Verrätern.
Er selbst beschritt nun einen anderen Weg als Rahal, und dennoch war ihm klar, dass er es noch immer besser machte. Wusste aber nun auch, dass es Andere gab .. sogar in Rahal. Diese Frau, Aleleya Mertas .. sie hatte das Potenzial, großes zu vollbringen, den Weg zu gehen, den einst auch Khazkal selbst beschritten hatte.
Doch wie sie ihm dann gegenüber treten würde, das konnte selbst er nicht sagen. Wohl als standhafte Feindin, vielleicht sogar als Verbündete? Der Geier hätte es ihm sagen können, wäre er in der Lage gewesen zu sprechen.
Doch so harrte er der Dinge, die da kommen würden, mit einem Leacheln.
Würde sie am Ende würdig sein? Würdig, eine Ritterin zu sein .. oder wäre sie einst sogar würdig genug, in das patriotische eisenwartsche Heer eintreten zu können? Damals wäre sie sicher eine gute Getreue geworden .. doch heute hatte sich das Gleichgewicht verschoben .. Khazkal seufzte. Er hatte nie alte Prinzipien aufgegeben, hatte nie den Herrn verraten. Stets waren es die Mannen aus Rahal selbst gewesen. Sie hatten die hochheiligen Männer, die für den Herrn Land und Gut erschlossen hatten, gejagd und verbannt. Alatar würde den richten, der es verdient hatte, den belohnen, der es würdig war.
Und Khazkal lebte noch, hatte Macht erlangt ... er leachelte schmal auf. Die Welt würde eines Tages sehen .. begreifen .. doch die Fassade musste stark sein.
Khazkal erhob sich von dem Stuhl seines Schreibzimmers ... der höchste Turm rief ihn zu sich..
Die Türe ging ins Schloss und unheimliche Stille kehrte in die Räumlichkeit des Schreibzimmers ein, in der Khazkal so viel Zeit verbrachte ..
Sehr sogar, denn diese Frau, welche sich selbst als Knappin aus Rahal vorgestellt hatte, legte damit großen Mut an den Tag. Khazkal schätze es, zumal sie damit rechnen musste, von ihm eingesperrt und gefoltert zu werden. Keines von dem tat er, denn sie stand für ihre Sache ein, ohne sich lächerlich zu machen. Wenn auch es dumm war, direkt in die Höhle des Löwen zu gehen, um ihn nach der Wahrheit zu fragen ...
Doch die Wahrheit hatte sie erfahren. Khazkal hatte ihr die Geschichte der Eisenwart erzählt, wie es sich zugetragen hatte, wie es war. Sie hatte gelauscht, war nicht abweisend, obwohl er Rahal als das hinstellte, was es letztendlich war - eine Schar aus Verrätern.
Er selbst beschritt nun einen anderen Weg als Rahal, und dennoch war ihm klar, dass er es noch immer besser machte. Wusste aber nun auch, dass es Andere gab .. sogar in Rahal. Diese Frau, Aleleya Mertas .. sie hatte das Potenzial, großes zu vollbringen, den Weg zu gehen, den einst auch Khazkal selbst beschritten hatte.
Doch wie sie ihm dann gegenüber treten würde, das konnte selbst er nicht sagen. Wohl als standhafte Feindin, vielleicht sogar als Verbündete? Der Geier hätte es ihm sagen können, wäre er in der Lage gewesen zu sprechen.
Doch so harrte er der Dinge, die da kommen würden, mit einem Leacheln.
Würde sie am Ende würdig sein? Würdig, eine Ritterin zu sein .. oder wäre sie einst sogar würdig genug, in das patriotische eisenwartsche Heer eintreten zu können? Damals wäre sie sicher eine gute Getreue geworden .. doch heute hatte sich das Gleichgewicht verschoben .. Khazkal seufzte. Er hatte nie alte Prinzipien aufgegeben, hatte nie den Herrn verraten. Stets waren es die Mannen aus Rahal selbst gewesen. Sie hatten die hochheiligen Männer, die für den Herrn Land und Gut erschlossen hatten, gejagd und verbannt. Alatar würde den richten, der es verdient hatte, den belohnen, der es würdig war.
Und Khazkal lebte noch, hatte Macht erlangt ... er leachelte schmal auf. Die Welt würde eines Tages sehen .. begreifen .. doch die Fassade musste stark sein.
Khazkal erhob sich von dem Stuhl seines Schreibzimmers ... der höchste Turm rief ihn zu sich..
Die Türe ging ins Schloss und unheimliche Stille kehrte in die Räumlichkeit des Schreibzimmers ein, in der Khazkal so viel Zeit verbrachte ..