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Edelleute - wirklich edel?

Verfasst: Montag 22. September 2008, 10:47
von Risina Vergol
Sie lag noch lange wach, den Rücken zur Tür gedreht, die Augen blicklos zur Wand. Die beiden waren unter Scherzen in den Wohnbereich hinauf, 2 Leute die ihr Weltbild irgendwie ins Wanken brachten. Die letzten Tage waren ..überraschend wäre wohl ein passendes Wort dafür. Sie ließ sie nochmals an sich vorüber ziehen.

Angefangen hatte es vor ungefähr zwei Wochen, als der andre Bettler sie aufgegriffen hatte. Er bot ihr Gold für Informationen, schlug ein paar Treffpunkte vor und stellte ihr auch Alex vor. Schnell war eine traurige Geschichte erdacht und Stichpunkte ausgetauscht. Ein paar mal war sie in Varuna gewesen, die Verkleidung prüfend. Ihre Geschichte saß – schließlich war sie war. Nur lag es schon Jahre zurück, damals als sie noch Jilka genannt wurde und bei ihrem Vater lebte. Er war ein Schwein gewesen, ewig besoffen, den Rohrstock oder die Peitsche schnell zur Hand. Die Narben auf ihrem Rücken sprachen immer noch davon. Serka, ihre Großmutter hatte immer versucht sie zu schützen, hatte sie mit Geschichten abgelenkt und ihr das Nähen beigebracht. Sie und Maishka, ihre beste Freundin. Sie hatten zusammengehalten, bis der Vater Maishka und Serka im Suff tot geprügelt hatte und sie fast mit. Wochenlang war sie danach auf den Straßen geirrt bis sie Foxi traf, der sie mitnahm.

Sie dachte, dass es einfach werden würde, ein Spaß den reichen Leuten etwas Gold und Essen aus der Tasche zuziehen, vielleicht die ein oder andre Informationen erfahren die „Vater“ wollte. Aber es lief alles anders. Ein Wolf hatte sie am Arm gebissen, die Wunde entzündete sich und sie fühlte sich saumäßig. Als es nach 2 Tagen immer schlimmer wurde, schleppte sie sich zum Armenhaus in Varuna, hoffend die Heilerin da anzutreffen. Sie hatte Glück, die Frau gab ihr Medizin. Eine Zeit lang blieb sie noch dort auf dem Bett liegen und wollte sich gerade wieder davonmachen als der Leiter kam – Henrik oder wie er hieß. Er wollte sie nicht fortlasse, also tischte sie ihm die alte Geschichte auf, dass „Vater“ sie totschlagen würde wenn sie nicht käme. Aber er reagierte anders als gedacht, schnappte sie sich und brachte sie in diese Burg.

Schwach und krank wie sie war konnte sie sich nicht wehren. Jeden bettelte sie in ihrer Panik an sie doch gehen zulassen, aber keiner schien bereit. Fremde Gesichter und viele Fragen prasselten auf sie ein, vieles bekam sie nicht mit, Vergangenheit mischte sich mit der Gegenwart. Erst war die Rede von einer Folterkammer aber dann wurde sie doch in ein anderes Zimmer gebracht. Ein Mann, wohl ein Heiler sprach beruhigend auf sie ein, versprach dass Maishka in Sicherheit sei.
Später gab er ihr was zutrinken und zu essen, von dem sie dann einschlief.

Auch am nächsten Tag wollte man sie nicht gehen lassen, die Männer verlangten ihren „Vater“ zu treffen um ihn zur Rechenschaft zuziehen. Sie konnte es nicht glauben. Edle Leute, die sich für ein Bettelmädchen einsetzten und es schützen wollten. Aber sie war noch viel zu schwach um irgendetwas groß zumachen. Im Grunde war sie froh etwas Essen und ein weiches Bett zu haben und zu Kräften kommen zu können. Nur diesem Heiler konnte sie irgendwie nicht trauen..

Heute jetzt war sie mit zweien der Edelleute hinaus geritten zum Treffpunkt mit ihrem „Vater“. Die Männer waren freundlich und nett gewesen, hatte ihr geholfen als sie noch unsicher und etwas schwindelig war. Am Treffpunkt war nur Alex, vor dem hatte sie Angst. Der war ihr von Anfang an unheimlich gewesen. Aber er reagierte gut und schimpfte sie aus, dass sie so spät käme. Der Vater würde sie schon suchen. Und dann sagte er noch, dass Maishka tot wäre, totgeschlagen und aufgefressen. Das war zu viel für sie. Schluchzend brach sie zusammen, konnte auch nicht weglaufen als die Männer wutentbrannt Alex verfolgten. Sie hatte noch die Stimme des Heilers im Ohr, der versprochen hatte dass es Maishka gut ginge.

Die beiden brachten sie wieder zurück in ihre Burg, versuchten sie zu trösten und zu beruhigen. Brachten sie wieder in das Zimmer und ließen sie schlafen. Später kam dann ein junges Edelfräulein und sprach freundlich mit ihr. Auf deren fragen erzählte sie dass sie schneidern könne, aber weder Gold noch Raum hätte das auszuüben. Wer würde auch schon eine Bettlerin nehmen? Das Edelfräulein – Angi hieß sie wohl – zeigte ihr einen Webstuhl und gab ihr Stoffe, wohl um zusehen, ob sie wirklich etwas vom Schneidern verstand. Dann nahm sie sie mit und gab ihr schicke Kleider und frisierte sie hübsch. So etwas hatte Jilka sich im Traum nicht vorstellen können, ihre Erfahrungen mit reichen oder gar Edelleuten waren bisher immer schmerzhaft verlaufen.

Sie war total verwirrt und unsicher geworden. Konnte sie – durfte sie diesen Leuten vertrauen? Oder war sie nur ein neues Spielzeug, kurz interessant aber bald schon langweilig und auf dem Müll landend?