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Des Abends bittersüsse Folge
Verfasst: Montag 8. September 2008, 03:15
von Cyrion Sha´Ar
Müde kehrte er heim, wieder mal er bei Malachai gewesen, hatte den Gutteil des Tages auf dem Meer wie bei seinem Bruder verbracht. Seinem Bruder ging es langsam besser, die Wunden heilten. Ob man das auch dauerhaft von seiner Stimmung sagen konnte, stand auf einem anderem Blatt Pergament geschrieben. Müde stieg er ab und öffnete den Briefkasten. >Ah, ein Brief.< Das erschöpfte Anlitz wurde von Freude erhellt, als er las, das der Absender Leah war. Liebend gerne wollte er den Brief lesen, aber er fühlte sich so zerschlagen, das er kaum noch denken konnte. Ein Bad, er brauchte ein Bad. Er roch nach Pferd und Meerwasser, war verschwitzt und erschöpft bis ins Mark. Den Brief würde er sich als süsse Lektüre vor dem Schlafen gehen aufbewahren. Rasch sattelte er sein Pferd ab und versorgte es und schleifte sich ins Bad hinab, wo er den Brief auf die Felle vor das Feuer legte. Der Name hatte seine Gedanken zu ihr gelenkt. Jene süsse Versuchung. Wenn sie nur wüsste, wie nahe er daran gewesen war, sich über den Tisch zu beugen und sie zu küssen... einfach nur, weil sie so bezaubernd aussah. Das zarte Lächeln, das seine Lippen umspielte, war gänzlich unbewusst, während er sich auszog und den Kübel mit Wasser füllte. Göttin, der Abend war angenehm gewesen. In Varuna waren sie sich über den Weg gelaufen und sie hatte ihn zum Tee in Elbenauer Haus geladen. War sie noch zu scheu, um ihn in ihr eigenes Haus zu laden? Was immer der Grund war, es war eine gute Wahl gewesen - das Haus war beachtenswert und das Inventar zeugte von sehr feinen Geschmack. Während sie Tee zubereitete und Äpfel schnitt, hatten sie sich über Marrik unterhalten. Sie hatte kaum glauben können, das Malachai in der Tat sein Vater und Cyrions Bruder war. Irgendwann musste er ihr Marrick vorstellen - sie hatte bisher nur von ihm gehört, aber dennoch hatte sie ihn sogleich in ihr Herz geschlossen und war in grosse Sorge gewesen, als er entführt worden war - vom eigenen Papa.
Auch hatte er berichten können, wer er war - zumindestens jene Dinge, die ihm Malachai erzählt hatte... Götter, es gab vieles über das sie geredet hatten, dachte er, während er sich mit Seifenlauge einrieb und das lange Haar umständlich wusch. Über den Jungen, über seinen Bruder, dessen Namen er wohlweisslich unerwähnt liess, über die Werwölfe, über Rafael, der entführt worden war... >Wieder mal... Mein Bauch täuscht mich nicht, ich bin sicher, das ist nicht das erste Mal. Ich frag mich, wie der Depp von Freund es geschafft hatte, so lange zu überleben...< Aber vielleicht tat er ihm auch unrecht. Er wusste nicht mehr um die Ereignisse und wusste auch diesmal wenig darum - nur das es vermutlich die Rabendiener waren. Er hätte vielleicht doch Murelay losschicken sollen - angeboten hatte er es. >Hmm... Rafael bei diesen Krähengesocks...< Das würde Folter bedeuten. Doch das war nicht, worüber er ein weiteres Mal mit Leah sprechen würde. Sie war nicht schwach - das hatte er gesehen, als sie mit dem Wächter gesprochen hatte, der die Nachricht von Rafaels Entführung überbracht hatte. Sie verstand ihr Handwerk und wusste, was sie tat. Aber was Folter und dergleichen anging, war sie zart besaitet. >Auch bei dem Gespräch über die Letharen reagierte sie so - der Kampf mit ihnen hat wohl Narben hinterlassen.< Nein, er würde diese Dinge da liegen lassen, wo sie hingehörten in ihrer Gegenwart - unterm Teppich.
Doch hatte er ihre Anspannungen wieder mildern können. Ein Gedanke, der ihn lächeln liess, während sich den Kübel über dem Kopf ausschüttete. Kaltes Wasser floss ihm über den Leib, klärte seinen Geist und spülte den Seifenschaum davon. Wasser gurgelte leise, als es im Abfluss am Boden verschwand. Das einzige was blieb waren die Tropfen auf seiner Haut. Mit dem nassen Lappen wischte er die letzten Seifenreste davon und betrachtete dabei den grossen Bluterguss an seinen Rippen. Einige Stellen waren noch bläulich, aber ein guter Teil ging bereits ins Grüne über. Trotzdem war es noch etwas Druckempfindlich. Ärgerlich, aber besser als zerschmetterte Rippen. Seine Gedanken trieben wieder zu Leah herüber, während er sich den Inhalt eines Eimer Wassers langsam durch das Haar rieseln liess, um dem letzen Seifenschaum den Rest zu geben. Er hatte aus einem Apfelstückchen auf simple Art einen Hasen gemacht, berichtete von weiteren Arten, aus Nahrung Tiere zu zaubern. Zum ersten Mal hatte er sie Kichern gehört, sie zum Lachen gebracht. Die leichte Stimmung war wieder hergestellt worden. >Kleine Dinge, die sie so erfreuen können...< Ja, ihre Fantasy war in der Tat gross und reichhaltig - weswegen sie so feinfühlig auf die unschönen Seiten des Lebens reagierte.
Tropfend wandte er sich dem Becken der Wanne zu. Sich in das Wasser gleiten lassend, seufzte er wohlig auf, als dieses - nicht so kalt wie jenes aus den Regentonnen - seinen Körper umspühlte. Schwarze lange Strähnen trieben frei im Wasser und berührten seinen Körper, weich wie Seegras. Es gab nichts schöneres als dieses Bad, welches mittels heissem Wasser von dem anliegendem Kamin etwas erwärmt werden konnte. Leah... der Name hörte sie so an, wie sich Seegras im warmen Wasser auf der Haut anfühlte. Bezaubernd ihr Wesen - und wie süss sie errötete, wann immer er etwas sagte, was verdächtig nach einem Kompliment klang oder es gar wagte, eines zu sein. >'Warum nennt ihr mich immer Milady...'< Was für einen Mut sie aufgebracht haben musste, dies zu fragen. Nun - eine offene Frage verlangte nach einer offenen Antwort. Ob ihr schwindelig gewesen war, so lange, wie sie errötet war?
"Süsses Lächeln dein, mein Herz zum Stocken bringt..." dichtete er leise, die Arme auf die Steine des Wannenrandes legend und den Kopf darauf ruhen lassend. Während er die Beine ausstreckte und treiben liess, richtete er den Blick ins flackernde Feuer. Es gab soviele Gründe, warum er sie Milady nannte. Ihre ganze offene ehrliche Art, ihr feines Lächeln, ihre Bewegungen, ihr Gang, edel, aufrecht und graziös. Selbst diese Scheue, die ihn von Anfang an fasziniert hatte. Und nicht zuletzt die Tatsache, das sie ihr Herz am rechten Platz hatte. Er war sich sicher, das eines Tages andere dies ebenso erkennen mochten, vielleicht schon erkannt hatten. Sie hatte keinen Titel - doch würde sie gewiss eines Tages einen erhalten. Und sei es nur eine Edelung. Und selbst wenn nicht - sie würde in seinen Augen eine Dame bleiben. >Meine Dame...< Ein Lächeln breitete sich auf seinen Zügen aus und er zog sich aus dem Wasser, drückte sich dieses aus den Haaren und stapfte zu den Tüchern herüber. Grob trocknete er sich ab und legte sich auf die weissen weichen Felle vor dem Feuer. Immer noch umspielte jenes Lächeln voller Freude seine Lippen, während er die Rolle öffnete und den Brief zum Feuer hinhielt, so das er ihn lesen konnte. Schon die ersten Zeilen liessen ihn überrascht die Augen weiten! >Lieber Cyrion...?< Wann war er für sie in jene Kategorie gerutscht, die man mit 'lieber' ansprach?! Rasch lass er weiter.
Lieber Cyrion,
Es ist nun ein paar Tage her, seitdem ich dich das letzte mal sah, daher wollte ich dich fragen, ob du Lust hättest, mit mir gemeinsam zu Abend zu essen. Ich koche auch.
Deine Leah.
Einen Moment lang starrte er den Brief an, jegliches Denken war aus seinem Kopf verschwunden. Das Feuer knackte laut und funken tanzten durch die Luft. Sein Denken setzte wieder ein, stolperte auf dem Weg und verlor die Schuhe, so eilig hatte er es, den Brief erneut zu lesen und zu begreifen, was sie da schrieb. "Sie läd mich ein..." Ein Lächeln, nein ein breites Grinsen wuchs auf seinem Gesicht und er lachte fassungslos. Sie lud ihn ein! Wollte für ihn kochen! "Deine Leah...!" Er rollte sich auf den Rücken und lachte erneut, glücklich wie ein Honigkuchenpferd. Was war geschehen?! Das er plötzlich zum Essen eingeladen worden war? Das sie ihn plötzlich mit Du ansprach? So plötzlich, so unerwartet. War es vielleicht... Er blickte an dem Brief vorbei an die Decke des Kellers. Sie hatten von seinen Ehefrauen gesprochen und davon, das er es in Ruhe angehen sollte, seine Erinnerungen zurück zu gewinnen. Das Leid, das seine Erinnerungen bergen mochten, und an das er sich nicht erinnern wollte. Sie hatte ihm angeboten, jederzeit ihm Gehör zu schenken, wenn er in Sorge war und über etwas zu sprechen wünschte. Jederzeit für ihn da zu sein, wenn seine Vergangenheit ihn belastete. So kostbar ihre Worte, so kostbar die Freundschaft, die sie damit auf ihre feine scheue Art anbot. Einen Moment des Verständnisses hatte es zwischen ihnen gegeben, so warm und... Er hatte sich in ihren Anblick verloren. Sein Geist hatte ausgesetzt und er hatte gehandelt, ohne das es ihm wirklich bewusst gewesen war. Hatte ihr Haar zurück gestrichen, war dabei ihre Wange zu streicheln. Was hätte er getan, hätte sie ihn nicht angesprochen, hätte sie nicht gesagt, das er dies der falschen schenkte, dies der Dame seines Herzen schenken sollte, sie suchen sollte. Was war in seinem Sinn gewesen? Göttin, er hatte im Sinn gehabt, diese zarten Lippen zu küssen. Hätte er dies getan... Dies Reh wäre so schnell aus dem Haus geflüchtet, schneller als der Stuhl gebraucht hätte, um auf den Boden zu schlagen. Der Abend war hernach recht schnell seinem Ende entgegen gesteuert, doch war er, Cyrion recht neben der Spur gewesen, verwirrt von seinem eigenen Handeln. Das erste Mal für ihn, das eine Frau es schaffte, ihn so in ihren Bann zu ziehen. Zumindestens soweit er sich erinnern konnte. Er, der Jäger, der dieses Reh hatte fangen wollen, war selbst gefangen.
Der Blick wanderte wieder zum Schreiben. War dies der Auslöser gewesen? 'Deine Leah' sich auf einen Arm aufrichtend starrte er die Wand an. Was war er für sie? Ein Freund? Oder ein..? Für die unbesetzte Stelle in ihrem Herzen? Konnte dies sein? Der Blick flog wieder über das Pergament. Dann kam ihm ein Gedanke und er schnupperte an diesem. Nein, kein Parfüm... Andererseits war dies eine Finesse der Frauen, die ihr vielleicht unbekannt war. Was war er für sie? Das Pergament raschelte leise, als er sich erhob und in fliegender Hast beinahe schon sich ein Handtuch um die Hüften schwang. Mit langen Schritten wetzte er die Treppen hoch zu seinem Sekretär, den er im Schlafzimmer hatte. Er würde ihr noch heute antworten...! Während er das Pergament rausholte, hielt er inne. Verdammt... die Tore von Varuna waren geschlossen! Er würde erst morgen den Brief abgeben können. Und er wusste nicht, wann die Tore wieder geöffnet wurden. Vielleicht wusste es die Bäuerin von nebenan? Bauern waren schon sehr früh auf den Beinen - und sie mochte es wissen. Und den Brief schreiben, wenn er so aufgeregt war? Nein, er sollte warten, sich beruhigen, sollte... Was sollte er anziehen? Ein Geschenk mitbringen? War das angebracht? Blumen - sie würde sich sicher freuen. Aber die meisten Blumen waren zu dieser Jahreszeit bereits hinüber - doch noch gab es welche! Er würde morgen früh auf den Weg nach Varuna sich umsehen, würde die Bäuerin fragen, ob sie welche hatte! Vielleicht noch eine Flasche erlesenen Wein? Trank sie Wein? Göttin, seine Gedanken überschlugen sich, als er sich über die Kleinigkeit den Kopf zermarterte, doch konnte er sich beim besten Willen nicht erinnern. >Vergiss den Wein - wer weiss, ob er zum Essen überhaupt passt.< Nein, Blumen würden reichen - alles andere wäre übertrieben. Durch den Raum tigernd versuchte er vorraus zu planen, doch das einzige was dies brachte, war, das er frustriert mitten in der Nacht Kleidungsstücke aus seinem Schrank im ganzen Schlafzimmer verteilte. Wo hatte sein altes Ich die edle Kleidung hingepackt?! Er musste doch welche besitzen als Mann mit Geschmack! Seufzend warf er sich aufs Bett und vergrub sich in die Felle. Den Brief im Licht einer Kerze betrachtend musste er lachen. Er benahm sich wie ein liebeskranker Narr. Einer der zum ersten Mal verliebt war. War es dies, was ihm in dieser Nacht den Schlaf raubte? Sein Lachen milderte sich zu einem Lächeln ab. Aye... Wenn er ehrlich war, konnte er nicht anders, als es zugeben. Das flüchtige Reh, das er hatte einfangen wollen, hatte sich bereits tief in sein Herz geschlichen. Der Jäger hatte sich hoffnungslos in seiner eigenen Falle verfangen.
Verfasst: Dienstag 9. September 2008, 23:52
von Leah Katuri
Laut schnaubte der Hengst...nein, eher das Lamm unter ihr aus, während sie den Waldrand passierte. Es war ein ruhiger Schritt, ein langsames Vorankommen, während die blauen Augen immer und immer wieder hin und her huschten, als würde ein Geräusch oder eine Bewegung sie aufschrecken. Doch das Säuseln des ersten Herbstwindes, das Rascheln der Blätter war wie eh und je, während ihre Gedanken nur so umherpurzelten. Das Wiegen des Hengstes unter ihr trieb die Gedanken weit von dem Hier und Jetzt, ließ sie zu dem Abend wandern, an dem sie in Varuna die Türe hinter sich zugezogen hatte. Ihr Herz hatte wie wahnsinnig gerast, der Magen Purzelbäume geschlagen. Nein, sie konnte sich so viel einreden, wie sie wollte, die Worte hatten sie nicht unberührt gelassen.
Warum tat er das? Er, dieser Mann mit diesem intensiven Blick, mit diesem langen, seidig schwarzen Haar? Sie verlor sich immer und immer wieder in diesen Augen, jegliches Denken hörte sofort auf, wenn sie zu lange dieses Augenpaar betrachtete. Dieses blau...so anders als alle anderen Augen, die sie gesehen hatte. Doch welchem Mann hatte sie eigentlich Beachtung geschenkt, wem außer...?
Der Magen krampfte sich zusammen, die Zügel umklammerten die Zügel und rissen grob an dem Zaumzeug des Hengstes, der das ganze mit einem brummigen Wiehern quittierte und kurz den Kopf schüttelte, halb sich wendend. Der Blick ging starr zur Seite, von der sie gekommen war.
Ich Idiotin! Wie dumm...wie dumm war ich!? Was...hab ich nur getan!? Dieser Brief, diese Nachricht, die sie ihm zukommen gelassen hatte, war es nicht bereits zu viel?! War sie zu weit gegangen?!
Sie hatte den Nachmittag Zeit gehabt, wollte eigentlich nur in die Stadt, ein paar Erledigungen machen. Der Weg hatte sie selbstverständlich an der Kaserne vorbeigeführt und sofort schlich sich das schlechte Gewissen ein. Katrina...ja, sie erinnerte sich noch an das Mädchen, an den Abend, in dem sie sie in der Taverne traf. Das einzige, was ihr in Erinnerung geblieben war, waren ihre Worte, ihre lockere Zunge, die ihr mehr als einmal mit Worten die Röte ins Gesicht getrieben hatte. Sie war mehr als überrascht, dass sie einen Brief von ihr erhalten hatte, noch überraschter von den Worten innerhalb des Briefes: Als Rekrutin wäre es wichtig, auch außerhalb Bekanntschaften zu pflegen, Freundschaften aufzubauen. Sie vertraute nicht gerne, nicht jedem Dahergelaufenen. Liralia wusste sie zu schätzen und im Haushalt begann sie nun langsam auch, Worten zu glauben statt zu misstrauen oder einen Angriff zu sehen. Nicht Böswilligkeit unterstellte sie den Leuten; nein, es war Angst, etwas falsch zu machen und jemanden weh zu tun. Deswegen die Vorsicht, deswegen der eigene Panzer, der stets gepflegt wurde. Und dann dies fordernde Wort von einer ihr Fremden...und doch konnte sie nicht nein sagen, konnte ihr eigenes Gewissen nicht beruhigen. Katrina war neu in der Stadt, sie hatte sicher viel erlebt und wollte nun einmal was richtig machen. Sie wollte helfen, dafür sorgen, dass sie nicht zweifelte an ihrem derzeitigen Tun, nur weil jemand nicht auf einen Brief antwortete. Tief hatte sie die Luft eingezogen und war zurück zu einem der Gardisten, welcher sie zur Taverne wies...und in ihr ‚Verderben‘.
„Du magst ihn doch oder?“ Die Frage hatte sie wie einen Schlag getroffen, als sie aus dem Mund ihres Gegenüber kamen. Keine Spur der Scheu, sondern klare, erbarmungslose Direktheit. Der Blick neugierig, fast aufblitzend mochte man meinend, so sehr lauerte die Rekrutin auf ihre Antwort, gönnte sich den Anblick ihrer verwirrten Miene und den tausend Gedankenspielen, die durch ihren Kopf huschten, ehe sie die Luft hatte wieder aufbringen können, zu antworten:
„Er ist ein guter Freund...er und ich..nein, das wäre nichts, das geht nicht. Er sieht mich nicht so...“
„Aber du ihn?“ Wieder traf die Frage mit voller Härte und saß tief in ihrer Magengrube, die sich mehr und mehr zusammenzog und einen erbärmlichen Start einer Lüge formulieren wollte, die nie die Lippen verließ. Sie wusste nicht, was sie für diesen Mann, nein...für diesen Traum empfinden sollte. Mehr als einmal hatte sie sich gezwickt, als sie an dem Abend nach dem Treffen mit Cyrion daheim war und mehr als einmal versuchte sie, aus diesem Traum aufzuwachen. Dieser unendlich tiefe Blick, das lange Haar, das seine Züge umspielte wie das Antlitz eines Elfens. Perfekt...zu perfekt schien dieser Mann, der so voller kreativer Worte war, der stets das Richtige zu sagen wusste. Seine Hände...so groß, fast Prankengleich im Gegensatz zu den ihrigen und doch so weich. Sie wusste noch, wie ihre Wange gebrannt hatte, als sie die Fingerspitzen gespürt hatte, wie auf einmal ihr der Atem gestockt hatte und sie nur noch atemlos sich aus der Situation retten wollte mit ihren Worten. Sie hatte ihn nicht verdient...und sie ihn...?
„Du solltest dir darüber klar werden, was du empfindest, bevor er eine andere findet und du leidest. Ich denke nämlich, dass er dich mag“
„Vielleicht will ich es mir ja auch ausreden...“
„Warum? Hast du Angst?“ Angst? Nein, keine Scheu oder Angst. Sie kannte das Gefühl, wusste, wie sich ein Kribbeln im Bauch, eine plötzliche Unfähigkeit der eigenen Sprache entwickeln konnte, wenn man nur zu lange eine Person betrachtete. Sie wusste nur zu gut, wie man einander langsam näher kommt, wie man versucht, einander ein Lächeln abzugewinnen, um es ewig in Erinnerung behalten zu können. Das Gefühl, in einem Arm gehalten zu werden in einer lauen Frühlingsnacht, während das Zittern mehr von der Nervosität als der Kälte herrührte. Wenn eine Angst bestand, dann jene, ihr Versprechen endgültig zu brechen. Ein Versprechen, dass sie sich, ihrem Herzen gegeben hatte.
Sie hatte geliebt...sie wollte ihn nicht enttäuschen, wollte doch warten! Theodor... kaum noch erinnerte sie sich an sein Lächeln, kaum an seine Stimme. Sie wusste nur noch um seine Augen, seine Statur, wusste, wie groß seine Hände gewesen waren, wenn er ihre in die seinige nahm. Doch sein Lachen...das Gefühl seiner Finger...sie verblassten, die Erinnerungen daran und waren nur noch Schemen. Sie hatte doch versprochen zu warten. Vielleicht für immer...ihr Magen hatte mehr und mehr sich zusammengezogen in diesem Gedankengang, als sie von Katrina wieder herausgerissen wurde:
„Nun, dann solltest du Cyrion küssen. Nichts wird dich mehr über deine Gefühle aufklären...Wenn du deine Arme um ihn legst und küsst, wirst du deine Antwort erhalten.“
Hätte sie in diesem Moment nicht gesessen, sie wäre wohl auf der Stelle umgefallen, so sehr schwindelte es ihr vor den Augen, als der bloße Gedanke daran auftauchte und das Blut durch ihren Kopf rauschte. Bei der Gütigen nein! Frauen machten sowas nicht! Nicht die, die anständig aufgewachsen waren...sie wusste noch zu gut um die Traditionen in ihrem Dorf und es würde wohl stets ein Teil ihres Selbst sein. Völlig neue Worte trafen auf sie, als Katrina nun vollends in ihrem Element schien. Zeichen und Bewegungen, um neue Ebenen zu schaffen. Ebenen?! Völlig verwirrt traf es eher, wie sie die Taverne verließ, in ihren Händen ein gefaltetes Papier, auf dem sie die Worte notiert hatte, die Katrina ihr vorgesagt hatte. Der Kopf war immer noch einem Wirbelsturm gleich und so verlief jede nächste Handlung nur noch automatisch...
Ein Ruck ließ sie aus ihren Gedanken heraus hochfahren. Irritiert sah sie sich um und es brauchte eine ganze Weile, bis sie begriff, dass der Hengst mittlerweile seinen Weg weiter aufgenommen hatte, um bald den Fußpfad zu erreichen. Einzelne Blätter raschelten unter den Hufen, während hier und da ein Zweig frech an ihren Kleidern zog. Der Herbst würde bald kommen und die Welt in ein Blättermeer versetzen, um es wenig später in ein weißes Kleid zu tauchen. Dann wäre das Jahr wieder alt und träge und würde zu einem neuen Jahr werden. Ein Jahr mehr, in dem sie nichts von ihm gehört hätte, ein Jahr mehr, wo sie nichtmal wusste, ob er überhaupt noch lebt. Die Brauen zogen sich zusammen, die Miene wurde nachdenklich, als sie noch einmal anhielt und den Blick wandern ließ. Sie konnte wohl kaum die Gefühle verleugnen...sie wusste, sie mochte diesen Riesen. Mochte seine Worte, seine Beschreibungen...und Marick. Sie war nur zu vernarrt bereits in seinen Neffen, auch wenn sie noch immer nicht ganz die Geschichte begriffen hatte. Sie musste wohl mal diesen Mann kennenlernen, der angeblich Cyrions Bruder war. Sie hatte kein gutes Gefühl bei der Sache, suchte einen Haken in dem Ganzen. Irgendwas konnte doch einfach nicht stimmen! Seufzend verstärkte sie den Druck in der Seite des Hengstes und fiel in einen leichten Trab. Zurück würde sie wohl nun kaum reiten. Der Brief war weg, sicher in einem Kasten, den sie lieber nicht zerbeulen wollte. Und stelle sich mal einer vor, Cyrion würde gerade in dem Augenblick, wo sie die Finger in seinen Postkasten steckte...! Nein, bei der Gütigen, das wollte sie dann doch nicht wagen! Unwillkürlich hatte sie nun eine neue Ebene gesteckt, für die sie sich selbst noch nicht bereit fühlte.
Und wenn er dann...? Sie hoffte einfach, dass Cyrion nicht wie jeder andere Mann war. Sie hoffte inständig, dass er es nicht ausnutzen würde. Vielleicht würde sie notgedrungen doch einmal an versteckte Waffen denken. Zu gut wusste sie um die Stärken der Männer und ab und an dachte sie auch noch an das Ereignis in der Heimat zurück. Damals, als ihr Bruder sie vorm Schlimmsten bewahrte...auch wenn es letztendlich von ihr vergeudet wurde. Und doch wahrte sie weiter die eigens auferlegten Regeln, wollte nicht weiter, wie man es auch daheim gebieten würde. Allein schon die Tatsache, dass sie allein mit ihm in einem Raum verbrachte war schon seltsam und nicht gerade konventionell. Aber...sie wusste, dass jenes nicht unüblich war in diesen Landen; wusste, dass sie zur Not selbst einfach das Ganze stoppen würde. Würde er es verstehen? Einen Moment dachte sie an seine vielen Waffen, die Schwerter, die seltsamen Dinger in seinem Zopf...er würde es nicht wagen...oder doch?
Verwirrt. So traf es wohl einfach ihren Ausdruck, als sie das Anwesen der Milady erreichte und Cassius festband. Einzelne Blätter hatten sich an dem Sattel vernestelt und schmückten so das grasende Tier. An absatteln oder abbürsten des Felles dachte sie noch lange an dem Nachmittag nicht, zu sehr stieg die Nervosität über das eigene Handeln, über diese Worte, die sie verfasst hatte. Wo würde das hinführen, wie würde es enden? Der Weg war ungewiss...und verdammt, wie sehr der Magen nur flatterte und sich aufregte, dass er 'ihn' nicht nochmal sehen konnte!
Der Streit zwischen Kopf und Magen dauerte noch den ganzen Tag an und so dauerte es, bis der kleine Brief, der inzwischen in ihrem Postkasten lag, gefunden....und gelesen wurde.
Verfasst: Mittwoch 17. September 2008, 00:35
von Leah Katuri
„Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen!“
Sie musste wohl wirklich sehr abgehetzt ausgesehen haben, als sie mitten am Abend vor Liralias Haustüre stand, die Gedanken flogen nur so durch ihren Kopf, als sie immer und immer wieder die Frage in ihrem Kopf formte und wieder verdrängte. Warum war sie eigentlich wie eine Bekloppte nach Berchgard geritten? Ungerüstet, am Abend...wenn da nicht ein verräterisches Wort aus Adairs Lippen hervordringen würde an das Ohr der Milady. Doch sie wusste nur zu gut um die Diskussionen am Tor der kleinen Bergstadt, mehr als einmal hatte sie die rügende Stimme eines Wachpostens vernehmen müssen, wenn sie mal wieder das Abgurten des Schwertgurtes vergessen hatte. Nein, ihr Kopf war zumindest noch so klar, dass sie nicht mit voller Montur in die Stadt preschte, als würde sie jeden Moment einen Eroberungszug starten. Und selbst wenn...wahrscheinlich hätte Liralia sogar noch länger die Hand an die Stirn gehalten; prüfend, ob nicht doch irgendein Fieber in ihr gärte und sie so wirr erschienen ließ.
Mehr als einmal wünschte sie sich wohl derzeit, dass es lediglich ein Fieber, ein kurzer Moment einer Verwirrung, einer Schwächung sei. Doch immer, wenn die Gedanken um das eine kreisten, stockte der Atem und sie verhedderte sich in einem Gefasel von einzelnen Wörtern, die keinen Sinn ergaben. Meist sogar...kamen gar keine Wörter heraus...schon gar nicht mit irgendeinem Sinn.
Sie fühlte sich unwohl, rutschte mehrmals auf dem Stuhl hin und her, den Krug als rettendes Greifobjekt nutzend, den Lira ihr hinstellte. Warum hatte sie ihr das so lange verheimlicht? Sie hatte sich selbst ja nicht glauben wollen, nicht begreifen wollen, was passiert. Doch...sie wusste ja noch nichtmal, wie es weitergehen sollte. Nur diese drängende, ewig nervende Frage in ihrem Kopf kreiste stetig umher, forderte und hämmerte so lange rum, bis sie über die Lippen huschte, nervös...zögernd:
„Würdest du mir ein Kleid leihen? Nur...nur ein schlichtes...einfaches...!“
Da war es also...das Dilemma. Diese Überraschung in Liralias Augen, die herunterklappende Kinnlade, die im ersten Moment Fassungslosigkeit ausdrückte. Sie konnte kaum den Blick senken und wieder anheben, als sie schon die Hand um ihr Handgelenk spürte und das freudige Plappern vernahm. Die Mission Verschönerung begann in ihren vollen Zügen. Immer und immer wieder beharrte sie, wollte nur einen einfachen Fetzen. Sie erinnerte sich noch dunkel an den Tag, als sie Layas Kleid probiert hatte, welches ihr völlig zu groß geraten war. Der Stoff war viel zu edel, viel zu schön geschnitten gewesen. Die Weichheit des Stoffes hatte sie damals umhüllt wie eine warme Winterdecke und...passte doch so gar nicht zu ihr. Sie wollte es schlicht, einfach. Keine großes, pompöses Getue. Sie wollte nur sie sein,... wenn auch etwas...weiblicher gekleidet. Und das nur für ihn. Für diesen einen Abend.
„Also...ich glaub, ich hab wen...eingeladen.“
„Du glaubst?!“
Ja, erklären. Eines ihrer liebsten Aufgaben und schwersten Kämpfe, wenn es um diesen Kerl ging. Seit einem Tag nun hatte sie sich versucht einzureden, dass es eigentlich das Blödste auf Erden war, was sie getan hatte. Diesen Brief...dieser verdammte Brief! Sie hatte einfach nicht nachgedacht, wieder einmal. Und dann seine Antwort. Schwindelig, nein, heiß war ihr geworden, als die Blüte ihr in den Schoß fiel. Sie war nur zu froh, dass sie keiner in dem Moment des Lesens beobachtet hatte, während langsam das Augenpaar die Zeilen entlang gewandert war. Doch Cyrion lernte, wusste wohl, wo er aufhören musste, bevor sie vor lauter zarten Worten das Papier wieder falten und wegstecken würde und so war sie eher dankbar denn gekränkt, als er nach Sire Arganta fragte. Sie wusste, dass sie Freunde waren und umso geheimnisvoller schien dieser Mann. Wer war er wirklich, was hatte er damals schon alles erlebt? Er schien viele Leute zu kennen, viele Völker; konnte sie erklären, respektierte sie. Ein Mann, der anscheinend mit jedem im Einklang leben konnte. Und dann wieder diese unzähligen Waffen, die sie schon an ihm gesehen hatte. Es machte schlichtweg keinen Sinn, wollte so ganz und gar nicht in eines ihrer gewohnten Bilder passen. Umso mehr schlich sich die Bemühung in ihr kleines Köpfchen ein, sich das ganze doch auszureden. Nur...warum stand sie dann in diesem Kleid vor Liralia?!
„Würde er dich nun sehen, würde er nicht schwindeln. Du siehst wirklich bezaubernd aus!“
Natürlich, das Kleid war doch nicht so, wie sie es haben wollte. Doch Lira hatte ihr die Angst genommen, hatte sie wieder leicht zurückgeholt aus ihrer panischen Art und Weise. Es würde gut werden und sie wusste, dass sie sich stets auf sie verlassen konnte. Sie wollte ihr helfen, wollte ihr zumindest noch vor der „Stunde X“ beistehen; nicht nur mit dem richtigen ankleiden, sondern sicher auch mit Worten. Die Wärme schlich sich wieder in ihr Herz und schenkte der Miene ein leichtes Lächeln. Ja, sie wusste, dass sie auf sie bauen konnte. Doch selbst an diesem Abend klang das scherzhafte Milady zu ernst in ihren Ohren und ließ kurz den Abend mit Cyrion vor ihrem inneren Auge auftauchen.
„Warum nennt ihr mich Milady Cyrion?“
„Ihr mögt nicht von Adel sein, doch betrachte ich euch als eine sehr feine Dame. Die zarte Röte in euren Wangen, die Augen, welche für sich sprechen. Die Art wie ihr euch beweg, eure Haltung, selbst wenn ihr nur in einem Raum steht. Eure Wortwahl vorsichtig. Ihr möchtet lernen, die Welt sehen, wie sie ist; in einer schlechten Situation helfen. Ihr seid mutig, stark. Das, werte Leah, ist in meinen Augen eine Dame.“
Sie hatte kaum alle Aufzählungen noch im Kopf, immer und immer wieder kreiste nur das Wort bezaubernd durch ihren Schopf, der das alles noch nicht begreifen wollte oder konnte. Sie war froh, als Liralia einen Mann erwähnte, einen Spaziergang mit jenem Herrn und seinen Fragen an sie. Dass sie einsam sei in Berchgard und dergleichen. Es lenkte sie ab, ließ wieder zu, ihre Späße, ihre Neckereien zu betreiben. Für einen Moment plumpste die Last der vielen Gedanken ab und ließ sie einfach sein, was sie immer gerne war...Leah.
Verfasst: Mittwoch 17. September 2008, 22:13
von Cyrion Sha´Ar
Sein Kopf schmerzte, pochte und mit dem Pochen schien auch seine Sicht zu pulsieren, versiegte, schärfte sich wieder, liess schattenhafte Gestalten aufstehen und sich bewegen. „Kommt er zu....“ „Ja. Wi... Abstand hal... Se Rabenkrieger sollen... härteren Metall geschmiedet se...“ Auch die Stimmen verebbten und erklangen erneut. Was war nur los mit ihm? Sein Kopf schmerzte und ihm war übel. Seine Schultern schmerzten - waren seine Arme über seinen Kopf gebunden? Ja... er lag nicht, war aufrecht; die Füsse schleiften über den Boden. Wer waren die Leute um ihn herum? Eine Tür scharrte und die Stimmen wurden leiser. Das Letzte, was er deutlich vernahm versetzte ihm einen Stich. „Smith hat jetzt freie Hand. Die Lady wird bald tot sein..“ >Eireen...!< Sie war in Gefahr! Milady war in Gefahr! Er musste sie retten, musste... Der Kopf ruckte zurück, die veilchenblauen Augen fielen auf den Strick, der seine Hände fesselte und hochband. Ein scharfes Lächeln zuckte über seine Lippen und er zog die Beine an, soweit es ihm der Strick erlaubte. Das Seil mit den Händen wurde gepackt und ... seine Beine knallten gegen den Balken, falten sich ein und hackten sich um ihn herum. Sein Zopf, der ihm bis zu den Schulterblättern reichte, schlug sachte gegen seine Arme, als er Kopfüber da hing, lauschend. Doch hatte ihn niemand bemerkt. Die Hände konnten seinen Kopf nun erreichen und damit auch den schlanken Dolch in diesem versteckt war. Rasch arbeiteten die Finger, durchsäbelten die Stricke. Stimme kamen näher. Verdammt – jetzt schon? Doch nein, nur Wachen, die ihre Runde drehten. Anspannung lag in seinen Muskeln, als er sich umblickte – der Blick huschte durch das Halbdunkel der Hütte. Da... genau, was er brauchte. An den Strick zog er sich hoch, kletterte auf den Balken. Das Holz knackte warnend, und er setzte zum Sprung an, sein Ziel...
>Was..?!< Verwirrt sah er sich um. Die Szenerie hatte sich verändert. Nicht länger der Schattenverhangene Raum, nicht länger das Licht, welches flackernd und streifig durch die Ritzen in den Wänden fiel. Er stand geduckt auf den Holzziegeln des Daches. Seitlich konnte er den Schein des Lagerfeuers sehen, dessen Rauch hochkreuselte. Gestalten sassen um dieses herum, lachten und tranken. Die Verwirrung war vergessen, als er sich katzenhaft duckte und seine Opfer ausspähte. Er musste von der Hütte wegkommen, musste eines ihrer Pferde stehlen. Vielleicht war auch sein eigenes unter ihren Pferden? Er war auf ihm geritten, als sie ihn erwischt hatten... Seine Finger klackten leise, als er sich auf ein Knie niederliess und vorsichtig über den Rand linste. Die Veilchenblauen Augen huschten kurz zu seinen Fingern. Metallkrallen schmiegten sich um diese. Schwarzes Leder lag auf seiner Haut auf, umhüllte seinen Körper. Als er den Kopf wendete, um überrascht über seine Schulter zu sehen, wo der Griff eines weisssilbriges Katana hervor ragte, wischte etwas über seinen Umhang und Arm. Sein Zopf war lang geworden... musste ihm bis über die Knie reichen. Wann hatte er...?
Eine Stimme kam näher und er duckte sich. Unter ihm antwortete jemand – also war da tatsächlich eine Wache, wie er annahm. Die Stimme entfernte sich wieder. Rauhes Gelächter erklang von der anderen Seite des Hauses her, wo das Feuer war. Wieder linste er vorsichtig über den Rand. Der Mann stand etwas von der Wand entfernt. Wieder zeigte sich das scharfe Lächeln auf seinen Zügen und er sprang, seinen Zopf ergreifend.
Eine schwarze Schlaufe huschte über des Mannes Augen und noch bevor er einen Ton der Überraschung von sich geben konnte, legte sie sich über seinen Hals. Etwas setzte mit einem Ruck hinter ihm auf und die Schlinge zog sich zu. Dornen stachen in sein Fleisch, während ihm das schwarze Seil die Luft abschnürte. Die Hände griffen hoch, versuchten, die Schnur davon zu zerren, doch bissen selbige Dornen nun in die Hände. Cyrion zog fester zu, würgte den Mann mit seinem Haar, während seine Finger vor den Dornen durch die Metallkrallen geschützt waren. Es schien sich hinzu ziehen und ein Gefühl der Dringlichkeit machte sich breit. Warum starb der Mann nicht? Warum kämpfte er so? Trat und schlug um sich? Wenn er noch länger brauchte, würden vielleicht seine Freunde aufmerksam werden! Er durfte auf keinen Fall einen Laut von sich... Einer der Leute kam um die Ecke und blieb geschockt stehen! Im ersten Moment sog Cyrion scharf die Luft ein, seine Hände dabei, die Garotte aus eigenem Haar loszulassen, um ihm schlichtweg den Hals zu brechen, als ein weiterer Schock ihn traf. Der dazu gekommene... Die Haut war wächsern, gräulich. Das Haar teilweise ausgefallen. Knochen zeigten sich hier und da, hoben sich scharf von dem abgemagerten Fleisch ab, stachen ab und auch mal durch die Muskeln und zeigten sich bleich im Mondslicht. Zombie... der Mann war ein Zombie – und doch – seine Augen zeigten nicht das Blicklose stieren, jenen Seelenlosen Zustand – in ihnen war Intelligenz, als sie sich auf ihn fixierten!
Ein Ellenbogen hieb ihm in den Magen und er japste überrascht nach Luft. „Alarm! Sha'Ar ist frei!“ Rufe gellten durch die Nacht und er musste schnell handeln! Seine Finger fuhren hoch, ergriffen den Kopf des Mannes – Krallen fuhren rücksichtslos in die Haut und Blut färbte das Haar unnatürlich schnell rot. Der Mann jaulte im Schmerz auf, ein Ton, der nicht abbrechen wollte... ein grässliches Knacken ertönte, als die Wirbelsäule des Mannes brach. Ein Gegner weniger – Cyrion rannte weiter – und stolperte fast, als der Mann, den er zurück liess, den Schrei wieder aufnahm und schrie und schrie und schrie – ungeachtet der Tatsache, das sein Kopf in einem unmöglichen Winkel hing und baumelte. Cyrion erbleichte und rannte weiter. Rannte was das Zeug hielt.
Ein Mann tauchte vor ihm auf, überrascht wie er auch, doch reagierte Cyrion schneller. Seine Finger schossen vor, griffen dem Mann an den Hals. Metallene scharfe Klauen schnitten in das Fleisch, bohrten sich in jenes hinein, als sie sich um den Kehlkopf schlossen. Cyrion riss die Hand zurück, während die freie Hand den Mann zurück stiess. Blut schoss aus der einzigen Wunde, die seines Gegners Kehle war. Weisse Knochen schimmerte durch das Blut und das Fleisch für einen Moment, bevor der gefallene Gegner seine halb zerfallenen Hände um seinen Hals schloss und tonlos schrie. Einzig aus seiner offenen Kehle kam ein Ächzen und Gurgeln, als sein Atem das Blut aufschäumte. Cyrion hatte ihm den Kehlkopf heraus gerissen! Und wieder zeigten sich Intelligenz in jenen Augen, reines pures Entsetzen über das, was Cyr ihm angetan hatte. Entsetzen, das sich in Cyrions Augen spiegelte, als er schon weiter rannte. Er musste weg hier, musste von diesem Wahnsinn fliehen. Die Hand wanderte hoch zum Griff der Waffe und das Katana wurde mit einem melodiösen „Ziiiing“ gezogen. Seine Gegner fielen, wo sie standen, zerfielen in ihre Einzelteile, die er hinterliess. Blut klebte an ihm, tränkte seine Kleidung, tränkte seine Hände und machte den Griff glitschig. Er musste weg von hier, musste fliehen... musste...
Pferde... dort waren sie, die Pferde. Das Katana schwang herab, zerschnitt die Lederbänder, die das Gatter verschlossen. Die Tür schwang auf und die Pferde trabten in einer grossen Herde rechts und links an ihm vorbei! Sein Pferd, wo war sein Pferd? Soviele Pferde, es wurden immer mehr! Ein Nachtschwarzes Pferd war zu sehen, hob sich ab von den anderen durch seinen wogenen eleganten Gang und ein Fell, schwarz wie die Nacht zu Neumond und glänzend, als hätten sich Sterne in jenes gesetzt. Mächtige Hufe stampften über den Boden, während es seinen Weg durch die Herde suchte und auf ihn zuhielt. Sein Mund klappte auf, die Zombies waren vergessen... er kannte dieses Pferd. Das Pferd seines Bruders! Malachais stolzes Ross! Würde es etwa...? Cyrion verweilte nicht, fest zu stellen, ob das Pferd zu ihm wollte, er rannte darauf zu! In die Mähne greifend, schwang er sich auf das Pferd, welches sodann im gestreckten Galopp davon preschte! Der Wald verschwamm zu dunklen Schatten, während er davon ritt... Aber vor was ritt er davon? Und wohin? Oh ja! Er musste sich beeilen! Aber warum? „Die Lady wird bald tot sein.“ Erneut stach etwas in sein Herz und sein Kopf schmerzte. Er musste sich beeilen, musste die Burg erreichen, bevor... Rabenrufe erklangen in der Luft und die schwarzen Gefährten flogen neben ihm her. Zwei, drei, vier... ein ganzer Schwarm begleitete ihn, höhnisch lärmend, während sie ihn überholten in ihrem Flug. Gott, er musste schneller reiten, musste die Burg erreichen, musste fliegen, so schnell es ging...
Flügel schlugen und Federn flogen, als er an Höhe gewann. Seine schwarzen Schwingen fingen den Luftstrom ein, vermochten das beste daraus zu holen, das er so schnell flog wie seine Gefährten. Der gewaltige Rabe, der Cyrion war, wusste nur, das er sich beeilen musste. Eine Dringlichkeit, die alles in den Schatten stellte. Die Kronen des Waldes blieben unter ihm zurück und die Burg wurde in der Ferne sichtbar. Felder zeigten sich hier und da, während er einen rauhen Schrei von sich gab und auf die Burg zuglitt. „Rettet die Herrin, Rettet Milady Eireen!“ Doch die Wachen verstanden ihn nicht. Natürlich nicht er war ja ein Rabe! Er flog zu dem Fenster hoch – zu ihrem Zimmer. Es war offen. Und noch während er darauf zuhielt, beobachtete er, wie Smith den Dolch aus ihrer Brust zog! „Eireeeeeen!“ Er flog im Sturzflug durch das Fenster, seine Rabenkrallen, welche mit metallenen Klauen versehen waren, auf den Mann gerichtet. Doch dieser grinste nur höhnisch und verpuffte in einer dunklen Wolke.
Cyrion's Sturzflug wurde durch einen Vorhang aufgefangen, kaum, das er durch die Wolke des entschwundenen Mannes hindurch geflogen war. Er kämpfte eine Zeitlang mit diesem Vorhang, welcher an ihm klebte und fast einen eigenwillen zu haben schien, ihn gefangen zu halten. Doch als seine Finger endlich den Ausgang fanden, färbte sein Gesicht sich weiss. Dort lag sie, seine Herrin, seine Eireen. Niedergestochen von diesem Mörderer. Er schluchzte, als er auf sie zu stolperte, wissend, das sie Tod war und das niemand sie zurück bringen konnte. Das von ihm abgewandte Gesicht mit einer Hand berührend, schloss er ihre Augen, ohne hinzusehen. Anstatt sah er auf die Wunde in ihrer Brust. Die Wunde war mit Präzision beigefügt worden – sofort tödlich. Wieder schluchzte er. „Eireen, es tut mir so...“ Seine Worte blieben in seiner Kehle stecken, als er sie umdrehte und ihr ins Gesicht sah. Nicht Eireen war es die er dort sah. Nein – ein anderes Gesicht, lieblich anzusehen, die Blaugrauen Augen weit offen in ihrem Entsetzen, das Kastanienbraune Haar aufgelöster, als es sonst war. Kein Leben in diesen Augen. Kein Leben in jenem bezaubernden Wesen. „Leah...“ Cyrions Herz gefror zu Eis!
„Neeeein!“ schrie er lauthals und schlug um sich, rutschte mit Fellen und allem vom Bett, um in einem recht würdelosen Haufen zu enden. Schwer atmete er, starrte zur Decke hoch und atmete, als wäre er über mehrere Stunden hinweg gerannt. „Nur ein Traum...! Nur ein Traum...“ Der Blick wanderte umher, als wollte er sich versichern, das er wirklich in Gerimor in seinem Turm war und nicht in Rabental in der Burg. Nein... er war hier. Und Leah war wohlauf, lebte und war schlief sicher gerade... >Nur ein... verdammter... Albtraum!<
Er kämpfte sich aus den Fellen und lehnte sich gegen das Bett, immer noch dankbar dafür, das alles nur ein Albtraum war. Sein Kopf schmerzte. Ob er sich an etwas erinnert hatte und dies in seine Träume gespielt hatte? Wer war Eireen? Sein Blick wanderte runter, auf seine Brust. Der Ring an der Kette, gemacht für die feingliedrigen Finger einer Frau. Eireen? Aye, er war sich sicher. Er erhob sich und wanderte durch den Raum. Unruhe vibrierte in seinen Gliedern, in seinen Nerven. Am Ende war es nicht Eireen gewesen... sondern seine Leah. Seine Leah gemordet von diesem... Die Kiefer zusammen pressend, schnaufte er unmutig. Zorn kroch in ihn, flammte in seinem Herzen auf und liess ihn die Hände zu Fäuste ballen. Wütend liess er eine Faust gegen die Wand krachen. Seine Leah... gemordet...
Er wusste, es war lächerlich, sich über einen Traum aufzuregen, aber er konnte sich nicht helfen, konnte den Zorn und die Unruhe nicht bändigen. Niemand durfte ihr ein Haar krümmen – nicht mal in seinen Träumen war dies erlaubt. Einmal mehr verspürte er den Wunsch, Smith zu jagen und zu stellen, doch ach – den Mann hatte er vor schon vor Jahren zur Rechenschaft gezogen! Sich das offene Haar fahrig aus der Stirn streichend, begab er sich nach unten in den Keller. Ein kaltes Bad würde ihm jetzt gut tun. Das tat es auch, doch liess ihn der Anblick der toten Leah und der damit einher gehende Zorn lange Zeit nicht los.
Ein zufälliger Beobachter mochte verwundert sein, einen Mann im Garten zu sehen, der Oberkörper entblösst, vom sanften Schein von Kerzen und Laternen umgeben. Das Katana in langsamen Bewegungen führend, führte er Kampfzüge durch, wenn auch um ein vielfaches verlangsamt. Elegant und präzise mochte es wirken, wie die Klinge, ohne zu zittern, die Luft durchschnitt und sich Muskeln dehnten und zusammen zogen. Ruhe war erneut in die Haltung des Mannes gekehrt, reichte auch bis in die Augen. Und doch gab es etwas, das ihn nachdenklich stimmte, während er das Schwert in langsamen Bögen schwang. Wieviel von dem Traum entsprang der Realität? Wieviel war ein blosses Hirngespinnst? Das war, was er noch heraus finden musste. Und wieder würde ein Teil des Schleiers fallen – und ein weiteres Stück seiner Vergangenheit ans Licht gezogen werden.
Verfasst: Donnerstag 18. September 2008, 13:33
von Cyrion Sha´Ar
Müde war er, hatte er doch lange Zeit jene Übungen vollzogen, welche den Geist klären und das Herz beruhigen sollten. Ja er war ruhiger, aber er konnte nicht umhin, seine Muskeln angespannt vor zu finden und seine Kiefer zusammen zu pressen, sobald er an Leah dachte, wie sie dalag in ihrem Blute. Verdammter Traum...! Schwer seufzend zog er eine weitere Tasche hervor, welche leise süsslich klirrte. >Ah... das könnte eine Silberkettenrüstung sein...< Er war überrascht gewesen, einen Schrank vorzufinden, in dem sich allerlei Waffen und Rüstungen befanden. Gerade sah er sich an, was er alles besass an derartigem. Doch war er nicht ganz bei der Sache. Der Traum beschäftigte ihn weiterhin. Nun mit klarem Geist konnte er durchaus sagen, welcher Teil Realität gewesen war. Er war tatsächlich gefangen genommen worden, auf das Smith freie Hand hatte, seine Herrin zu töten, war doch Cyr ein lästiger Wachhund von Leibwächter gewesen. Gesellschafter, Begleiter, bester Freund und Leibwächter, hatte Smith keine Chance gehabt, an Eireen heran zu kommen, alleine mit ihr zu sein. So hatte er Cyr an seinen einzigen freien Tag in der Woche fest setzen lassen. Doch hatte er entkommen können, hatte dabei der Handlanger getötet, und war zum Schloss geeilt. Er hatte sein Pferd halb Tod geritten, hatte doch nackte Angst in seinen Adern gebrannt. Angst um seine teure Freundin Eireen. Doch er war zuspät gewesen. Smith war bereits fort gewesen, doch hatte ihm das nichts gebracht. Die Handlanger waren zu gesprächig uneinander gewesen und Cyr wusste, wer der Mörder war. Wusste wer letztendlich der Auftraggeber war. Drei Tage später war Beerdigung von Eireen - und ein Blitzkrieg gegen jene Eifersuchts erfüllte Familie begann, welche die Heirat zwischen Eireen Wildrose und einem Mitglied einer weiteren hochangesehenen Familie verhinderte. Doch davon wusste Cyrion wenig - er war schon voll ausgerüstet auf den Fersen des Mörders, welcher, kaum, das die Armee Wildroses in Bewegung gesetzt wurde, sich aus dem Staub machte. Eine Jagd, die in Gerimor endete. Doch das war auch alles, woran er sich von seiner Heimat erinnerte. Seine Familie, die Familie von Eireen, seine Kindheit, das Land - nichts davon war wirklich vorhanden, nurmehr ahnungsvolle Schemen.
Sein Blick schärfte sich wieder und er erkannte, das er seit geraumer Zeit den Helm seiner Plattenrüstung in der Hand hielt. Das Metall der Platte hatte in der Vergangenheit seinen zweck erfüllt - doch nun würde es nicht mehr von Nutzen sein. Ein weiteres Stück, das er Ayane geben konnte. Nachdenklich rieb er über eine schartige Stelle. Was hatte er Traum noch offenbart? Ängste... Ja er mochte die Untoten nicht - und jene im Traum waren besonders gruselig. Lebende denkende Wesen, die nicht sterben konnten. Die Toten, die zurück kehrten. Jene, die er in den Träumen gesehen hatte, waren führwahr alle tot gewesen. Ein Schauder ging ihm über den Rücken.
Und Leah? Ganz klar - natürliche Furcht, das ihr etwas passierte. Das er sie nicht beschützen konnte. Dazu hatte er Eireen für sich ebenfalls Milady genannt - ausser wenn Eireen - wie so oft - darauf bestanden hatte, das er sie beim Namen nannte. So war aus Eireen in seinem Traum Leah geworden. Einfach zu erklären, doch hattet es dennoch genug an ihm genagt, das er sich versucht fühlte, nach Varuna zu reiten und bei ihr durch das Fenster zu schlüpfen - nur um sicher zu gehen, das sie auch gesund war und sicher schlief. Tief einatmend rieb er sich die Augen. >Und wie nach Varuna reinkommen? Über die Mauer klettern und abgeschossen werden, weil mich jemand für einen Werwolf hält?< Er lachte leise. Das wär wirklich selten dämlich. Oder auch, was er sagen sollte, wenn er in ihrem Zimmer stand oder gerade dabei war, einzubrechen und sie wachte auf? >Der Mutter zum grusse, Leah... Uhm... ich weiss wie das hier aussieht... aber... Ich hab einen guten Grund!< Aye... Ein Alptraum war auch ein sooo guter Grund. Ein so guter Grund, ihr schlafendes Gesicht zu betrachten. Er blinzelte leicht und schnaufte dann erheitert. Schade eigentlich, das ein solcher Grund nie auf akzeptanz treffen würde. Ihr schlafendes Gesicht würde er schon gerne sehen. Nunja... vielleicht kam er ja irgendwann mal auf völlig natürlichem Weg dazu. Wieder wischte er sich über das Gesicht. Neeeein, jetzt war nicht die Zeit für süsse Gedanken. Solcherlei hob man sich für kalte Nächte auf, wenn man unterwegs war oder dergleichen. Lieber sollte er sich überlegen, was er morgen anzog! Morgen... das Abendessen bei seiner Leah. Zu der Frage nach dem Wein hatte sie nichts gesagt, also würde er auch keinen mitbringen. Feine Kleidung, ein Blumenstrauss... er hatte auch noch auf der Rückseite seines Turms einige späte weisse Rosen gefunden. Dazu noch allerlei Blumen von den Lichtungen in den Wäldern. Und dann noch... Sein Blick wanderte zu seinem Nachttisch. Dort in der Schublade war jene Kleinigkeit, welche ihm solche Freude machte. Was sie dazu sagen würde? Ha! Sicher würde es ihr gefallen! Das Lächeln, das seine Lippen umspielte, vertiefte sich. Aye, morgen würde sicher ein hervorragender Tag sein! Gut Gelaunt ging er wieder an seine Arbeit. Das Lächeln verblieb noch lange Zeit auf seinen Zügen.
Verfasst: Sonntag 21. September 2008, 03:23
von Leah Katuri
Ein einfaches Nein genügt...sag doch einfach nein! Ein Wort...kurz, einfach, präzise. Du musst es nur sagen. Nicht mehr, nicht weniger.
Es wäre doch zu einfach gewesen, doch die Silben wollten sich nicht aneinander reihen. Ihr Puls raste, während der Körper die Hitze in ihrem Inneren nicht wirklich wahrnahm und sie wie Espenlaub zittern ließ. Das Beben ihres Herzens wummerte laut in ihrer Brust, drang ihr selbst in die Ohren, wo noch immer Cyrions Worte nachhallten:
„Fürchtet ihr mich?....Ein einfaches Nein genügt...mehr braucht es nicht....“
Sie fürchtete ihn. Er war eine Gefahr, eine so große Gefahr. Doch nicht seine Größe, nicht seine großen Hände oder das Wissen, dass er so gut mit Waffen umgehen konnte mengten die Angst in ihr, die Stück für Stück ein unüberwindbarer Berg schien. Nein, sie konnte einen Mann wie ihn nicht fürchten, nicht wegen jener Eigenschaften. Und doch... wollte sie in jenem Moment die Zeit anhalten, wollte sich an einen anderen Ort wünschen. Seine Nähe, sein Duft, seine zuckersüßen Worte... sie fühlte sich schwach, die Knie zitterten, heiß und kalt wechselten sich ab und ließen die Handinnenflächen schwitzig werden, während sie hinter sich den Stein der Spüle spürte. DAS war die Gefahr, die einzige, die sie stets spürte, fühlte: Er machte sie schwach, willenlos gar und sinnvolle Zusammenhänge bilden war ein unmöglicher Vorgang in ihrem Schopf. Sachte stieß sie mit dem Hintern an die Spüle. Nein, ein entkommen war nicht möglich; sie musste, sollte entscheiden...und ihm eine Antwort liefern.
„Ich habe...mir ein Versprechen gegeben....ich schulde es ihm....“
„Wenn der Schwur dir galt, frage dein Herz. Halte einen Schwur nicht um des Schwures willen. Frage dein Herz, wohin es dich zieht.“
Zu ihm. Zu diesem Mann, der sie nachts nicht schlafen ließ, ohne dass zumindest einmal sein Gesicht auftauchte. Sie hatte ihm eine Geschichte von damals erzählt an jenem Abend, von der alten weisen Frau, die in einem Winter mit einem Raben auftauchte. Sie wusste nicht, warum jene Geschichte ihr eingefallen war, doch seine Verbundenheit zu diesem Tier, das Wappen, sein geheimnisvolles Auftreten...all das steckte in ihm und so viel mehr. Seine Sicherheit...oh dieser verflucht sichere Blick und dieses alles sagende Lächeln in seinen Mundwinkeln. Kein schlechter Gedanke wollte sich gegen ihn, gegen dieses Lächeln bilden. Doch wie konnte er diese Last einfach auf sie schieben? Sie wollte in diesem Moment nicht nachdenken, wollte versinken in einem Traum, aus dem sie wieder aufwachen durfte.
„Kann nich einmal jemand für mich entscheiden? Einmal einfach sagen: So ist es und nicht anders? Warum ist alles so..kompliziert?“
Zuhause. Als würde sie den warmen Kochplatz spüren, die Mutter hören, wie sie sie ins Haus rief zum Abendmahl. Das Geklapper der Holzschüsseln, die Stimmen der Brüder, der Schwester, die zu Besuch war. Dort hatte man ihr nicht viel Wahl gelassen, hatte ihr jedes Wort einer eigenen Meinung verboten. Es gab Regeln...und man hielt sich an sie oder musste eine Strafe auf sich nehmen. Es schien alles so selbstverständlich, so einfach...als wäre es nie anders gewesen, würde es nie anders sein. Doch sie war kein Kind mehr, kein Mädchen, dass in dem Hause ihrer Eltern lebte. Sie hatte die Wahl getroffen, hatte den Weg bis hier her eingeschlagen und musste lernen, selbst Meinungen zu schaffen, Weltbilder entstehen zu lassen und selbst zu entscheiden... in jenem Moment, als sie seinen Atem auf ihrer Stirn spürte, schien jedoch diese neue Freiheit viel zu groß, überforderte sie. Sie wünschte, sehnte die alten Traditionen geradezu her, in der es so einfach schien, so einfach.
„Ein Mädchen...darf das nicht. Ich....müsste dich drum bitten....und....das wäre doch...verrückt.“
„Dann...erlaube mir....dir zu helfen.“
Sie wusste nicht, ob sie die nächsten Worte nur noch dachte oder wirklich aussprach. Der Kopf hatte sich schon Minuten zuvor abgeschaltet, als sie seine Lippen auf ihrer Stirn gespürt hatte und nur noch die verbliebenen Kontrollmechanismen funktionierten: Atmen, Stehen bleiben, bloß nicht wegsacken oder gar völlig Schwärze vor den Augen sehen. Warm glitt sein Atem über ihre Haut, den Stirnansatz hinunter gen Wange und der Nasenspitze. Keuchend, ringend war der Mund leicht geöffnet, um nach Luft zu haschen, während sie die Bewegung seinerseits vernahm, seine Nasenspitze spürte, langsam sich senkend...
Ein Moment, in dem die Zeit keine Rolle spielte, nur der Moment. Jeglicher Gedanke spielte keine Rolle mehr, jegliches Denken war abgeschaltet; der verwundbarste Punkt des Abends war eingetroffen. Der, in dem sie nicht mehr nachdachte, der Punkt, an dem sie sich der Gefahr aussetzte und zuließ, schwach zu sein. Das Herz raste, heiß mussten die Wangen wohl unter seinen Fingern sein, die sanft einmal über die Wange strichen, sich ihren Weg zu ihrem Hals und letztendlich dem Haar bahnten. Ihre Hände waren unfähig, auch nur sich ansatzweise zu bewegen, nur zaghaft suchte sie Halt an seinem Hemd, fand die Stelle, unter der sie das schwer schlagende Herz erspüren konnte und verharrte dort. Zu sehr rauschte das Blut durch ihren Kopf, zu sehr war sie gefangen von jenem Moment, in dem nichts mehr wichtig schien. Das erste Flattern der Lider folgte, als sie den Kopf zurück nahm, während diese sanften Lippen von ihm auch sich wieder entfernten. Ein Aufblitzen vorm Auge, ehe die Welt zu verschwimmen schien in Schatten und funkelnden Lichtern. Sie wusste nicht mehr, was sie eigentlich tat, erinnerte sich an kein Wort, bis sie auf einmal vorm Haus gestanden hatten. Hatte er sie wirklich auf dem Arm getragen? Sie hoffte einfach, dass das noch ein Teil eines Traumes von ihrem plötzlichen Schwindel war. Bei der Gütigen, wie konnte nur ein Mann ihr die Sinne so vernebeln?! Oh Cyrion...du bist eine Gefahr, wirklich...wieso bist du nur so....so....ja, kaum mochte man ein Wort dafür finden, wollte sich einfach nicht formen, obwohl es lockend auf der Zunge lag: verführend.
Zur Erinnerung an diesen schoenen Tag. Die Kette klimperte leise in ihrem Beutel, während sie den Gürtel umgurtete. Der Abend schien schon längst zu einer Seifenblase geworden zu sein, nur das dreckige Geschirr in der Küche und die schlafende Figur Liralias in dem großen Bett zeugten davon, dass das ganze wirklich geschehen war. Sie hatte ein Kleid getragen, hatte sich von Liralia das Haarflechten lassen, hatte gekocht... und den Rest des Abends verträumt. Der Morgen danach schien keinesfalls, als wolle dieser Traum enden und die Kette bestärkte sie nur in ihrer Sichtweise. Er hatte ihr Zeit zugesagt. Alle Zeit der Welt... sie würde sich entscheiden, sie wusste, sie musste. Sie konnte nicht mehr zu Gewohnheiten zurück, die nicht mehr richtig schienen. Sie musste selbst wissen, was richtig, was falsch war.
Ich glaube, du hast dich bereits entschieden...
Vielleicht, vielleicht hatte sie das wirklich. Ihr Herz zumindest machte ihr zu schaffen, sobald nur ein Ansatz eines Bildes auftauchte von ihm. Seufzend wurde der Abwasch in Angriff genommen. Wie würde sie Liralia schonend alles erklären können, ohne dass sie aufsprang und das nächstbeste Schwert griff? Irgendwas würde ihr schon einfallen, doch sie wusste, sie musste es ihr sagen. Allein, um sich selbst nicht zu belügen....und vielleicht auch wieder klarer zu werden.
Verfasst: Sonntag 21. September 2008, 10:58
von Cyrion Sha´Ar
Holzdielen zogen sich, feingemasert, über die Decke hinweg. Schatten dort, wo Balken stützende Verstrebungen bildeten. Doch war dieser Anblick anders als gewohnt, befremdlich. Das Federbett hob und senkte sich über seiner Brust. Falten hatten sich im Stoffbezug gebildet, breiteten sich aus, wurden wilder, verschwanden unter seinem Bein, hatte er die Decke doch um dieses gewickelt. Die Augen blickten gerade aus, doch sahen sie nichts. Ein Lächeln lag auf seinen Lippen, nistete beständig in den Mundwinken. Sein Herz schlug schwer, kräftig, ein wenig schneller als üblich. Dann und wann schien es einen Moment auszusetzen und das zarte Lächeln wuchs explosiv zu einem Grinsen. Wild drehte er sich herum, wickelte die Decke einmal mehr um seine Beine und drückte das Kissen an sein Herz, als wolle er dieses damit besänftigen. Er lachte leise, konnte nicht anders. So schnell, wie die Aufregung sein Herz beschleunigt hatte, verebbte die scharfe Freude wieder, ein sanfteres Nachglühen hinterlassend, das seine Lippen und Finger prickeln liess... Wieder erstickte er das leise Lachen in seinem Kissen, der warme Blick ins Nichts gerichtet. Die Finger wanderten zu seinen Lippen, berührten diese, als könnte er es immer noch nicht glauben. Nicht bloss ein Traum, nein... Er hatte sie wirklich geküsst. Hatte diese zarten Lippen mit den seinen berührt.
Er stand auf, konnte nicht anders, musste sich bewegen. Sein Körper sang vor Rastlosigkeit. Das Bett war zu warm, der Raum mal zu klein, mal zu gross. Das wild abstehende Haar strich er zurück, als er sich an die Fensterbank lehnte und hinaus blickte. Steinerne Ziegel glänzten matt im Mondeslicht - weiss getünchte Wände, Rauch aus vielen Schloten dünnte in der kühlen luft aus. Das Gesicht einer Stadt breitete sich unter ihm aus. Ein weiterer Beweis, das er nicht träumte.
Die Kälte der Bank war willkommen, milderte die Hitze auf seiner Haut. Die Finger krallten sich in sein Nachthemd und er lehnte seine Stirn an das kühle Fenster, schloss die Augen. Der Abend liess ihn nicht los - jede Berührung brannte auf seiner Haut... brannte sich in seine Erinnerung. Ihre Wange, die Haut erhitzt, gerötet, so hervorragend in seine Hand passend, als wären seine schlanken Finger dafür gemacht, sich an sie zu schmiegen. Das weiche Haar, welches unter seinen Fingerspitzen hinweg glitt, kitzelnd, duftend, seine Sinne betörend. Ihre Hände, so verloren in den seinen - das Zittern in ihnen hatte er wohl wahrgenommen, doch wie ihre Furcht nehmen? Die warme schlanke Gestalt ihres Körpers, der so perfekt in seine Arme passte. Nur ein Kuss, zärtlich und rein - und ihr schwanden die Sinne? Er war so überrascht gewesen, hatte nicht damit gerechnet. Hatte nicht gewusst, wohin mit ihr - sie in seinen Armen behalten konnte er nicht, auch wenn er sie nie wieder loslassen wollte. Zu gefährlich, zu verlockend. Ihre süsser weiblicher Duft in seiner Nase, ihre warme Gestalt an ihn geschmiegt... Nein! Er durfte nicht! Sein Blick ging hektisch durch den Raum! Er sah nur die Stühle, doch wirkten sie ungelenk, ihrer zarten Gestalt nicht wert. Ein Sessel, das brauchte er! Doch sollte er es wagen, die Treppe hinauf zu gehen? Wenn da oben nur ihr Bett war?
Seine Augen öffneten sich schlagartig, sein Atem wurde scharf eingesogen. Seine Wangen brannten - für einen Moment war er in jene Erinnerung getaucht, in jenen Moment, als er sie gehalten hatte. Jenen Moment, wo er gehangen hatte zwischen dem Wissen, das ein Bett völlig unangebracht war und dem Wunsch, sie dennoch in diesem liegen zu sehen, er über sie gebeugt und ihre Haare aus dem Gesicht streichend, seine Lippen erneut ihre kostend. Welch Verlockung! - doch hätte sie ihm dies gewiss nie verziehen! Nein, es war gut, das er unten geblieben war, sie auf den Stuhl gesetzt und die Fenster geöffnet hatte. Gut, das er den Abstand gewählt hatte. Die Fenster nicht nur ihredwegen geöffnet hatte. Seine Sorge um sie die Oberhand gewinnen liess - jenes rettende Seil, an welchem er sich festklammerte! Einen kühlen Kopf hatte er gebraucht, der Abstand dringend nötig! Ihr die Möglichkeit gegeben hatte, das Denken - und vermutlich auch das Atmen wieder zu erlernen. Nur ihr...? Die Antwort darauf wollte er nicht wirklich wissen!
Denken... was hatte er sich eigentlich gedacht? Er hatte ihr eine Chance geben wollen, für sich selbst zu entscheiden. Hatte ihr die Entscheidung nicht nehmen und sie verführen wollen. Sie, die sie einen Schwur an sich selbst geleistet hatte. Doch musste er letztlich erkennen, das seine Absichten, so edel sie waren, ihr Qualen bereiteten. Der Rat ihrer Freundin: Ein Kuss und du wirst wissen... Ein guter Rat, doch hatten diese Worte ihn völlig überrascht! Solche Worte aus ihrem Mund! Was hatte sie es gekostet, dies zu sagen?
Er, der schon an sich hielt, nicht dies Reh zu verschrecken, sich fragte, ob es schon zuviel sei, würde er nur ihre Haarsträhnen küssen - oder gar ihre Fingerspitzen! Und dann jener gewagte Sprung in den Abgrund, ihre Lippen zu kosten...
Leise stöhnte er, das Gesicht in den Händen vergraben, immer noch fassunglos über jenen Moment. Seine Augen blickten ihm blass im reflektierendem Glas entgegen. Wusste diese Frau, was sie ihm antat? Er, der er sich Fesseln anlegte, um sie nicht zu verlieren. Und dann ein Kuss... So süss, so verlockend, ein Schlüssel zu seinen Ketten. Wusste sie, wie sehr sie ihn damit reizte? Ein unglaubliches Geschenk, göttliches Aphrodisiatikum, das ihm nun die Nacht durchwachen liess.
So ahnungslos dieses Reh, so unschuldig... Einen Wolf auf der Fährte Blut schmecken zu lassen... Wusste sie nicht, das der Wolf in wilder Jagd hinter dem Reh hereilte? Nach 'Mehr' hungerte? Sich nicht mit einen paar Tropfen zufrieden gab, sondern das ganze Reh ersehnte? Und dann das Reh hilflos und betäubt unter seinen Fängen. So plötzlich, so überraschend... So nah, das er ihren Herzschlag spürte, ein wildes Flattern wie von einem Kolibriflügel.
Cyrion schüttelte leicht sein Haupt. Er hatte gut daran getan, sie in den Stuhl zu entlassen, bevor seine anfängliche Überraschung abgeklungen und in nacktes Verlangen umgekippt war. Was wäre dann in seinen Augen sichtbar gewesen? Etwas, das sie zu Tode erschreckt hätte, sicherlich. Nein... seine Absichten konnten nicht wirklich als Edel bezeichnet werden - dem reinen Schutz galten sie. Doch wen schützte er mit jenen bewussten hart getroffenen Entscheidungen? Sie oder sich selbst? Er wusste es nicht, konnte es nicht sagen.
Amüsiert schnaubte er und lies erneut seine Stirn gegen die Scheibe sinken. Welch Auf und Ab in seinem Herzen. Wilde Hochstimmung, das er tanzen und die Welt umarmen wollte. Süsse verzweifelte Hoffnung, das er sich nicht verlor. Die Wimpern senkten sich auf seine Wangen und leise raunte er:
"Und dies ist die Falle, die dem Jäger harrt. Seine eigne Gier, die seinen Untergang bewirkt.
Verlockung, süsse Qual, das Feuer entfacht durch der unschuld'gen Maid ihr süsser Kuss.
Brenne Feuer, leuchte meinen Weg, doch verbrenn mich nicht.
Das Ziel ist ihr Herz, nicht jenes leise Versprechung auf süsse Erlösung, welches ihr Kuss mit sich bringt.
Sei stark, mein Herz, und hoffe. Sei wachsam, beschütze sie - sie, die dich gefangen.
Ersehne sie, die schöne Maid... doch schütze sie - vor dir selbst..."
Die Augen öffnend, glänzte silbernes Mondlicht klar in ihnen. Ruhe lag nun in seinen Zügen, doch wirkte der Blick verloren, Sehnsucht, schmerzlich süss, lag in diesem. Wieder fuhren seine Fingerspitzen zu seinen Lippen. Das Prickeln wollte nicht weichen. Der Nachhall der Wärme würde bleiben. Jene zarte Berührung, welche er ersehnte... und fürchtete.
Verfasst: Mittwoch 24. September 2008, 23:31
von Leah Katuri
„Johann, aber....ich hab ihn doch schon so lang nicht mehr gesehen?!“
„Das brauchst du auch nicht! Sein Vater und ich haben uns geeinigt, in zwei Monatsläufen wirst du seine Frau. Er kann für dich sorgen und den Hof übernehmen.“
„Aber Vater!“
„Nichts aber! Du kennst die Regeln!“
Sie wusste nicht, ob sie weinen oder lachen sollte über jenen schlechten Scherz. Schwer und klobig legte sich ein riesiger Kloß in ihren Magen, zog sich zusammen und bereitete ein schlechtes Gefühl in ihr aus. Da stand sie nun vor dem vom Alter gezeichneten Mann, dessen fahles, schütteres Haar in die Stirn fiel, der Blick der harten grauen Augen auf ihr. So groß, einem Bären gleich, die Haut gebrannt von der Arbeit auf dem Feld. Jedem wäre es wohl Angst und Bange geworden, wenn man ihn nicht kennen würde. Doch lediglich der Trotz wog in ihr auf, gerade in jenem Moment, wo es besser nicht sein sollte. Sie haderte, zögerte, wählte dann die letzte Möglichkeit einer Flucht:
„Und wer kümmert sich um dich? Carracas und Cedric werden auch irgendwann...“
„DU bist die Letzte, die sich darüber Gedanken machen sollte! Und nun hoch, bevor...“
Jegliches Satzende wurde durch ein unverständliches Geknurre durchbrochen, welches sie nur zu gut kannte. Gleich würden die Pranken nach der Schnapsflasche greifen und ein feuchtfröhlicher....nein...feucht aggressiver Abend würde beginnen. So schnell die Füße sie trieben, eilte sie hinauf, sich ins Zimmer einschliessend und mit dem Rücken gegen das knarzende Holz lehnend.
Heirat? Weg von Zuhause?! Wie konnte er jetzt...es war doch viel zu früh?! Oder...?
„Werdet ihr mein Vormund?“ So schnell die Worte den Mund verließen, so plötzlich schienen sie im Raum wie wabernde Masse einen Moment in der Luft zu hängen. Dennoch...jedes Wort war wohl überlegt, obwohl sie innerlich glühte und das reinigende Fieber sie wohl in der Nacht ordentlich schwitzen lassen würde. Sie wusste, sie war noch nicht bereit...bereit, um wieder ihre Ehre aufs Spiel zu setzen, wie sie es fern der Heimat getan hatte.
Es war kein Affekt gewesen, kein unüberlegtes Handeln, als es sie an den Schrein gedrängt hatte. Wenn man von dem erbärmlichen Fluchtversuch absah, den sie mit Liralia in jener Nacht unternommen hatte, war die Idee gar nicht mal so unsinnig gewesen. Sie brauchte einen Ort zum Ankommen, zum Nachdenken, zum Besinnen. Der Schrein der Aufopferung...was war besser, was geradezu perfekter als jener Ort? Wo, wenn nicht dort, konnte sie wieder erfahren, wo ihre Grenzen waren, wo sie stoppen musste, um nicht in eine ausweglose Situation zu geraten? Sie wollte stark sein...doch wie stark konnte sie wirklich sein?
„Herrin Temora, in Demut kommen wir, um unsere Schuld einzuräumen...Wir, deine Gläubigen, deine Diener, sind ins Straucheln gekommen. Wir, die deinem Licht folgen, konnten nicht einschätzen, wie lange der Weg noch sein wird. Führe uns, zeige auf, was richtig, was falsch. Wie weit darf ich gehen, wann ist meine Grenze erreicht? Herrin Temora, in Demut neigen wir unser Haupt, um in deiner Nähe zu beten, u wachen. Erfülle unser Herz mit Licht, mit Wärme....und wir werden verstehen.“
Sie wollte mehr als klar werden wieder im Schopf. Nicht nur wegen ihn...oder doch nur wegen diesem einen Mann? Sie hatte mehr als den Kopf wieder ausgeschaltet gehabt, sobald er ihre Hand gegriffen, die Lippen zart ihre Finger berührt hatten. Jegliches Denken hatte sich auf stur gestellt, gar abgeschaltet, während sie krampfhaft überlegte, wie das Atmen nochmal funktionierte. Einem Lufthauch, nein, einem süßen Moment des Zitterns gleich, ähnlich dem Aufwachen eines Frühlingmorgens gleich, kam ihr der Kuss vor. So flüchtig wie der Anblick eines Regenbogens, so kurzweilig wie ein ehrliches Lachen. Ein Schauer durchfuhr Mark und Bein und erst als die Lunge nach Luft berstete, schnappte sie endlich wieder nach Atem, ließ das Herz sofort rasen in unermesslicher Geschwindigkeit. Nein, sie konnte einfach nicht denken, gar Entscheidungen treffen, wenn er in ihrer Nähe war. Eine Schwäche, eine klare Gefahr für sie... sie hatte mit Savea gesprochen, ihr gebeichtet, was geschehen war. Anstand, Ehre...angeblich die Aufgabe des Mannes, welche er schützen sollte. Doch sie kannte viele Männer, hatte stets die Geschichten im Dorf vernommen, wenn eines der Mädchen weggejagt wurde, weil...sie die Gefahr einfach nicht erkannt hatten.
Sie fühlte den Sog, fühlte die Versuchung und sträubte sich. Mit aller Macht, aller Kraft stemmte sie sich gegen etwas, was unerbittlich forderte. Sie wollte jeden Moment bei ihm vor der Türe stehen, dann wieder sich weit weg wünschen, nur, damit sie klar denken konnte. Sie war doch so glücklich, zufrieden gewesen mit ihrem Weg, ihrer Arbeit, den Menschen, die sie hatte! Wollte Temora sie prüfen, gar sehen, was sie eher wählen würde: Den Weg des Glaubens oder der Liebe? Oder lastete ein Fluch auf ihr, der sie dazu verdammte, sie von einer Situation in die nächste taumeln zu lassen?
Sie brauchte Antworten...enge Räume, ein stickiges Zimmer halfen da kaum. Die kühle Luft hatte sie gleich ruhiger gemacht, das Traben des Hengstes wiegten sie in ein vertrautes Gefühl, bis sie endlich vor dem Schrein standen, in flackerndes Licht der Kerzen getaucht. Zufriedenheit, Wärme machte sich breit. Ja, hier würde sie innere Ruhe finden und wieder zu sich kommen können.
Es war mehr als wichtig...
„Wenn ihr das wünscht, Fräulein Leah, dann werde ich das.“
„Dann verspreche ich es, Fräulein Savea.“ Einer ihrer schwersten Versprechen, die sie bringen musste: Nicht mehr weglaufen. Für sie wiegte es schwerer, als mancher ihr ansehen oder erahnen konnte. Die Möglichkeit, gar die Erwägung, einfach wieder alles stehen und liegen zu lassen, wurde ihr genommen und verlangte von ihr, selbst vor schwierigen Situationen nicht reißaus zu nehmen. Der Hals kratzte und unter der Decke war es elendig warm. Doch die warmen Worte Saveas, das Lächeln zeigten, dass es doch irgendwie richtig war. Jedes Wort, jedes Tun.
Die Nacht am Schrein hatte ihr die Antwort gegeben, die sie gesucht hatte: Sie hatte Hilfe erhalten, von einer Seite, die sie im ersten Moment nicht erwartet, doch dankbar angenommen hatte. Sie wusste nicht, wie Cyrion das ganze einschätzen würde, doch ihr gab es ein Gefühl der Ruhe...und Sicherheit. Fiebrig und trotzdem glücklich wogen die Gedanken traumlos in einen erschöpften Schlaf, um den Körper und Geist zu kurieren.
Verfasst: Donnerstag 25. September 2008, 00:46
von Cyrion Sha´Ar
Viel Zeit hatte er nicht, nur etwa eine halbe Stunde... dann würden sich die Tore schliessen und er müsste erneut in Varuna übernachten. Aber die Zeit reichte, ein paar Worte mit ihr zu wechseln und ihr die paar weissen Buschwindröschen zu überreichen. Sein Pferd trabte recht geschwind über das Pflaster, wollte er doch keine Minute damit vergeuden, auf der Strasse zu verbringen, wenn die Zeit ohnehin so knapp bemessen war. Er freut ritt er um die Kurve, das Lächeln breit auf seinen Zügen und... runzelte im nächsten Moment die Stirn.
In dem Haus war kein Licht. Keine wärmenen Kerzenlichter, die durch die Fenster schienen. Der Schornstein rauchte nicht... niemand in dem Haus. Sie war ausgegangen? Zu so später Stunde? >Wo ist sie?< Ging ihm durch den Kopf und er grübelte einen Moment. Vielleicht bei Lady von Elbenau? Aber wenn er falsch lag, konnte er nicht zurück kommen - die Tore wären bis dahin längst geschlossen.
Er knabberte leicht an seiner Unterlippe und rutschte dann aus dem Sattel. Er würde die Blumen hier lassen. An die Türklinke binden. Mit ausgreifenen Schritten bewegte er sich auf die türe zu, und Band die Kordelschleife um den Blumenstrauss neu, so das noch genug Schnur blieb, das er jene zarten Buschwindröschen an die Türklinke binden konnte. Seine Finger waren feucht - die Blumen frisch geschnitten und vom abendlichen Tau benetzt. In einem geisterhaften blassen Blau im Mondlicht leuchtend, konnte man sehen, das da etwas vor dem Hintergrund der dunklen Türe an der Klinke war. >Doch wie kennzeichnen, das das von mir ist?< Konnte es möglich sein, das sie annahm, diese Blumen wären _nicht_ von ihm? Wusste er, ob nicht andere Männer entdeckt hatten, was für ein begehrenswertes Geschöpf sie war?
>Was tun?< Wild sah er sich um - viel Zeit hatte er nicht. Der Blick wanderte zu den Bäumen herüber und er trat heran, blickte kritisch ins Geäst. Nein, hier gab es nicht, was er... Die Augen verengten sich. Lose Rinde? Er griff nach der rinde und war überrascht, als ein handgrosses Stück sich vom Baum abschälte. >Bäume, die sich häuten?< Der Gedanke verflog, wie er gekommen war. Das hier war durchaus praktisch. Die glatte Rinde war leicht gewellt und dünn und vielleicht brüchig, aber wenn er dies in die Rosenköpfe band... Rasch nahm er seinen Dolch und schnitt gekonnt einen fliegenden Raben heraus. Er wusste nicht genau, ob sie den Raben als solchen erkennen würde, aber... rasch bohrte er mit der spitze des Dolches ein kleines loch in den Raben und führte die dünne Kordel hindurch.
Zurück zum Straus gewetzt, setzte er ihn zwischen die Blüten und band ihn mit fliegenden Fingern an einen der Stengel. Kaum war er fertig, sprang er auf sein Pferd und ritt davon. Er hatte mehr Zeit gebraucht als erwartet. Hoffentlich kam er noch aus der Stadt. Und hoffentlich würde sie sich darüber freuen. Das klopfen der Hufe entfernte sich nach und nach. Tautropfen fielen von den bleichen Blüten, als ein sanfter Wind sie zum Nicken brachte, dann kehrte wieder Stille ein.
Verfasst: Montag 29. September 2008, 22:41
von Cyrion Sha´Ar
"Sag, was willst du von mir?"
Die Worte, fragend und ein wenig besorgt, erklangen hinter ihm aus dem Nichts, echoten durch die Höhle und rissen ihn für einen Augenblick völlig von dem Feuerelementar los, welches soeben Anstalten machte, ihm eins über den Pelz zu brennen. >Was zur Hölle...? Leah...?!< dachte er noch wild, doch kaum bekam er sie zu Gesicht, dachte er nichts mehr. Die schlanke Gestalt Leahs in ein figurbetontes Kleid gefasst, lagen ihre Schultern frei und wallende Falten umschmeichelten ihre Knöchel, während sie um eine Biegung hervorlugte und näher trat. Die Wände der Höhle lösten sich auf, Linien deuteten sich hier und dort an und gemauerte Wände ersetzten sie nach und nach. Das Elementar in seinem Rücken war völlig vergessen, schmolz zu einem Kaminfeuer zusammen, das leise knackte und zischte.
Der Feuerschein in ihrem Gesicht und dem strahlend weissen Kleid verlieh ihren Zügen und ihrer Gestalt Wärme, flackernde Schatten umschmeichelten ihre Kurven und der warme Wind des Feuers lies die zauseligen Strähnen um ihrem Gesicht sanft tanzten. >Götter, sie ist schön...!< Völlig hingerissen hob er ihr die Hand entgegen - das Kettenhemd war hinweg geschmolzen. Die schattige rostrote Schimmer der Glieder zu einem blutrotem Schein auf dem dunklem Hemd geworden. Immer noch der fragende Ausdruck in ihren schönen Augen. Wartete sie auf Antwort? Ein Funke der Erinnerung und Wärme erweichte seinen begehrenden Blick.
"Das, Liebste mein, will ich dir sagen. Doch bitte, setz dich doch zu mir hier ans Feuer."
Sie zögerte, unsicher zu den Fellen blickend, auf denen er stand. Doch, dachte er, das dies hier ein passender Ort sei. Das Feuer wärmend, die Felle der Wölfe weich, die Stimmung zart und zerbrechlich und doch so süss.... Wie süss sie aussah in ihrem Zaudern. Ein Lächeln, bisher versteckt in seinen Mundwinkeln, breitete sich auf seinen Zügen aus. "Komm... ich beisse nicht..."
Das Lächeln schien sie zu erweichen. Sie seufzte leise, liess den Atem aus ihren Lungen weichen und reichte ihm die Finger, welche sich zart um seine schlossen. Galant half er ihr hernieder, sich zu setzen, liess den Blick über die Bahnen aus weichem Stoff fahren, welche sich unter ihr zusammen falteten und diese hübschen blossen Füsse verschwinden liessen. Er behielt ihre Hand in der seinen, während er sich neben ihr nieder liess, sich leicht vorbeugte und mit der einen Hand abstützte, während er mit der anderen ihre Finger bedachtsam zu seinen Lippen führte. Nie die Schöne aus seinen Augen lassend, der Blick konstant auf ihr verweilend.
"Was ich will...
An deiner Seite verweilen...
Stunden um Stunden mit dir verbringen,
über die Leute, die Götter und die Welt reden."
Gab er wieder, die Worte raunend nur, die tiefe Stimme samten über ihr Haut streifen lassend.
"Gedichte ersinnen,
deine Schönheit der Welt mit zarten Wort zu verkünden."
Die Augen schliessend, setzte er sanft seine Lippen auf diese göttlich zarte Haut.
"Auf das erhalten bleibt,
was dein Anblick an Dichtung und Gesang in dieser dunklen Seele mein
mit warmen Schein zum Vorschein bringt."
Wieder war ihr Blick auf so entzückende Weise berührt, verwirrt - hatte er sie erneut ins Chaos gestürzt? Doch liess er es hierbei nicht bewenden. Sich vorbeugend, winkelte er das Bein an, wobei es das ihre berührte, und verlegte sein Gewicht auf dieses. Eine Hand war so nun frei, zu ihrem Gesicht zu gleiten; ein kleines Lächeln umspielte erneut seine Lippen und sein Blick war milde, weich, als seine Fingerknöchel zart über ihre Wange striffen und die zauseligen Haare um diese tanzten.
"Deine Wärme spüren,
auf das in dunkler Einsamkeit ich nicht erfrier
und die Kälte des Winters mit seinem eisigem Wind
und dem frost'gem Treiben
dem warmen Sonnenschein des Frühlings weichet
und einkehr in mein Herz findet.
Die warme Brise des Sommers meine Seele umschmeichelt -
wie dein Haar, welches so wunderbar im zarten Glanz
um meine Finger sich windet."
Die Finger glitten von ihrer Wange zu ihrem Kinn, hoben es sachte mit zwei aneinander gelegten Fingerspitzen an.
"Der Welt schönste Momente mit dir teilen,
der klarer Nächte Sternenglanz in deinen Augen spiegeln sehn,
betrachten, wie des Tages schattige Sonnenflecken über deine Lider tanzen,
Schneeflocken in deinem Haar mit sanften Kuss zum schmelzen bringen,
deine Schlefen mit zarten Kirschblüten zieren,
deine ros'gen Lippen mit Erdbeeren zum Lächeln bringen..."
Gibt er leise wieder und lässt den Daumen über eben jene Lippen gleiten.
"Herbstnebel am frühen morgen deine Strähnen mit winz'gen Diamanten benetzen sehen.
Dies alles will ich mit dir teilen,
meine Zeit mit dir verbringen,
an deiner Seite verweilen
und diese sünd'gen Lippen küssen."
Gab er wieder und lässt den Worten Taten folgen. Geschockt atmet sie heftig ein, doch erlaubt er ihr kein Denken, kein Zaudern, keine Flucht. Leise raunt er an ihren Lippen.
"Ich will dich, mit Haut und Haaren.
Für Immerdar an meiner Seite wissen.
Auf das kein anderer mir diesen Schatz nimmt,
den ich gefunden."
Seine Finger glitten durch ihr Haar zu ihrem Hinterkopf und sein Blick versenkte sich in ihre erschrocken geweiteten Augen.
"Für immerdar in Liebe verbunden...."
Ein Wispern nur, die Stimme beinahe tonlos und doch schwer von dem, was er fühlte, dann küsste er sie erneut, diesmal nicht gewillt, sie wieder frei zu geben. Küsste sie, wie er sie küssen wollte, hungrig und mit süssem Verlangen. Zog die kraftlose Frau in seine Arme und...
Das Feuer zischte, fauchte und loderte hoch. Cyrions Blick schoss schockiert zu diesem, weitete sich, als sich zwei glühende Lichter aus dem Feuer schälten und die Flammen die Umrisse eines Höllenhundes bildeten. Entsetzt starrten die beiden den Höllenhund an, der da aus dem Feuer trat und sie wild anknurrte. Zu entsetzt, im ersten Moment, um zu reagieren, während der Wolf die Zähne bleckte und ein Heulen markerschütternt aus seinem rauchtigem Rachen erklingen liess. Das Heulen war zu real - Cyrion's Schock zerbrach und endlich reagierte er! >Verdammt, ich muss...!< Leah hinter sich schiebend, huschte sein Blick umher! Keine Waffen, keine Schilder, nichts, was sie...
"Nimm deine verruchten Finger von ihr, du Lustmolch! Lump, elender!"
Sein Blick kehrte zurück zu dem feurigen Wolf, die edlen Züge in Erstaunen erstarrt. "Darna....?"
Finger krallten sich in seine Schultern und er blickte über diese in Leahs Schock-geweitete Augen. Tränen bildeten sich und rannen von ihren Wimpern. "Es tut mir leid... Es tut mir leid..."
Scharf atmete er ein, erkennend, wie sie sich fühlen musste, erwischt von ihrer Herrin. "Leah, ich..." Er versuchte sie bei den Schultern zu greifen, doch ertönte eine weitere Stimme schrill und Wutentbrannt hinter ihr.
"Was suchte deine Hand in ihrem Mieder, du Schuft! Frevler, Unhold! Keinen Gedanken an Leah hast du verschwendet, nur deine eig'ne Lust gesehen!"
Ein Zweiter Höllenhund stapfte steifbeinig über den Holzboden, brennende Spuren hinterlassend. Geifer trat aus seinem Maul und tropfte herab. Es zischte und Rauch kräuselte sich vom Boden auf.
"Meine Hand... in ihrem...?"
Der Blick huschte zu Leah und blieb dort kleben. Ihr Mieder war geöffnet, die Schnüre gelockert. Er konnte blanke Haut und den Ansatz ihrer rosigen Brüste sehen. Sein Kiefer sackte herab. Wann hatte er...?
Die junge Frau an sich raffend, legte er fest die Arme um sie und drückte sie an seine Brust, ihre Entblössung vor der Augen der wütenden Wölfe verdeckend. Leah weinte bitterlich an seiner Brust, ihre Finger in sein Hemd krallend, Worte mit Tränengebrochener Stimme flüsternd. "Ich werde.. nie wieder... nie wieder...Liralia, es tut mir leid, es tut..."
Götter, er hatte sie nie zum weinen bringen wollen...!
"Nicht weinen, nicht weinen, Leah... Götter, was seid ihr für ruchlose Bestien. Dies ist mein Haus - Verschwindet!"
Zorn brannte in ihm. Was wagten diese altbackenen Weiber, ihnen eine Gardinenpredigt zu halten!
Der Wolf heulte auf und schoss vor, schnappte nach ihm! Wild rollte Cyrion aus der Gefahr, die junge Frau mit sich reissend. Götter, sie konnten nicht fliehen, diese Bestien hatten sie in die Ecke gedrängt! Sie unter sich begrabend, versuchte er ihren Körper mit seinem zu schützen. Erschrocken schrie Leah auf und die Wölfe heulten in blanker Wut. Flammen brachen aus dem Holz ringsum aus, rasten zur Decke und frassen hungrig an den Balken. Hitze drückte gegen seinen Rücken, seine Haut begann zu glühen! Ein Grollen, tief und rauh, rollte durch den Raum, und durch den Rauch, der sich in der Höhe sammelte, brach der Kopf eines Drachens, die glühenden Augen im tödlichem Zorn auf Cyrion gerichtet!
"Du hast Hand an meine Tochter gelegt, Rabendiener! Du wagst es, gegen mein Wort zu handeln!"
Cyrion ächzte erstickt. Savea! hier!? Ein Drache!?
"Savea..." Leahs Augen kugelrund, starrten zu dem Drachen hoch. Ihre Stimme war kaum mehr als ein kraftloses Wispern. "Savea... Nein...!" Sie löste sich auf, sank in den Boden unter ihm, als würde sie im Treibsand versinken.
"Leah, nein! Bleib bei mir!" Nutzlos kratzten seine Finger über den Boden - seine Leah, sein Reh, war fort.
"Törichter Mann - nun ernte, was du gesäht hast!"
Seine Augen weiteten sich in Panik, als der Drache Savea tief einatmete. Götter, er würde verbrennen, sie würden ihn töten... Ein Schrei brach über seine Lippen, als die Hitze des Feuers seinen Rücken versenkte und er...
...rollte wild über den Boden, die Arme vor das Gesicht in hilfloser Panik gehalten. Wild atmete er ein, keuchte schwer. Die Augen huschten über Felle, Stühle, die Decke... Kein Rauch, keine Flammen. Nur das Heulen von Wölfen war nahe dem Haus zu hören. Sein Blick wanderte zum Feuer, immer noch keuchte er schwer. Es prasselte munter im Kamin, das einzige Glühen rührte von den Scheiten her, die langsam in sich zerfielen. Keine glühenden Augen...
Die Anspannung fiel wie ein Stein von ihm und er sackte in sich zusammen. Nur ein Traum... Er drehte sich um und berührte seinen Rücken. Das Hemd war heiss, die Haut glühte, doch kühlte es langsam ab. Er war im Schlaf wohl zu nah ans Feuer gerollt. Schon wieder im Wohnzimmer vor dem Kamin eingeschlafen.
Sich aufrichtend, wischte er sich über die Augen und atmete erleichtert, aber auch erschöpft aus. Savea... jetzt verfolgte sie ihn sogar in seinen Träumen. War ihr erster Eindruck so stark gewesen? Ja... Sie hatte ihm praktisch ein Ultimatum gesetzt... Er hatte die korrekte Ettikette zu lernen... Das oder Leah würde nur ein ferner Traum bleiben.
Götter, wann hatte er das letzte mal höfische Ettikette verwendet? Jahre hatte er sie nicht mehr angewendet, hatte sie selbst, als er noch bei Hofe war, nur verwendet, um den Schein zu wahren. Eireen hatte Ettikette gehasst, hatte... Eireen? Er blintzelte leicht... Ja, er erinnerte sich tatsächlich erneut an etwas... Fetzen nur, aber da war etwas.
Leicht schüttelte er den Kopf. An was er sich erinnerte, reichte nicht. Nichts, was er an Ettikette kannte, reichte, um eine feine Dame zu hofieren.
>Scheinheilige, verdammte Temorianer...<
Nie hatte Eluvie sich für Ettikette interessiert! Zu wertvoll war das Gefühl der Liebe, um es in Ettikette zu ertränken, die Liebe mit höfischen falschen Gebahren zu fesseln, an die Leine zu legen! Und doch hatte ihn nun dies eingeholt, ihn, der um solcherlei nie viel gab. Unwillig haderte er mit seinem Schicksal, doch änderte dies nichts an seiner Zuneigung zu Leah. So er sie an seiner Seite halten wollte, musste er sich fügen... Musste er sich einen Maulkorb anlegen und lernen, was es zu lernen gab. Sonst würde er sie verlieren.
"Verdammt sollst du sein, Savea, mich sogar in meinen Träumen zu verfolgen!"
Doch würde er nicht klein bei geben. Leah würde die seine sein, komme was da wolle!
Wieder heulten die Wölfe und er erhob sich seufzend. Die Pferde würden unruhig werden... Er musste die Lampen an den Hauswänden anmachen und einige Zeit Wache stehen, bis die Wölfe sich erneut tiefer in die Wälder verzogen. Die herbstliche Kälte liess die letzten Reste des Alptraumes verziehen. Hellwach ging er seiner Arbeit nach und sann derweil nach, was zu tun war.
>Gib gut acht, Savea...< dachte er mit Ingrimm. Er würde den Fehdehandschuh annehmen, würde sich wappnen. Immerhin galt es, einen Drachen zu besiegen...
Verfasst: Mittwoch 1. Oktober 2008, 16:35
von Liralia Naudron
Knallend flog die Tür ins Schloss, als Lira Leah's Haus verließ, mit vor Wut geballten Fäusten und ihre Gedanken tobten umeinander, „Sah sie es nicht oder wollte sie es nicht sehen!?“ Schoss es ihr durch den Kopf „Ich mag ihn, tuh ihm nichts“ hallten Leah's Worte wieder „Pah, diesen Rabendiener, diesen Unhold, Hexer, Giftmischer“, zielstrebig stapfte sie kaum mehr Damen gleich in ihrem neuen Kleid die Straße runter. Die Finsternis war schon lange eingetreten, Leah hatte sie noch gewarnt, sie sollte hier bleiben, immer wieder schossen ihr einzelne Wortfetzen des Streits mit ihrer Freundin durch den Kopf, die ihre Wut nur noch mehr anfachten. „Mein Herz rast, meine Hände werden nass... Lira, das... das ist Sehnsucht, das ist ein natürlicher Zauber! Kein Rabenzeugs!!“
Wiederum knallend flog die Tür zur Taverne auf, bloß der Wirt noch blickte die Tische abräumend vollkommen verwirrt auf das junge Mädchen, das so heraus geputzt in der Tür stand, kaum zum sprechen in der Lage, das ihr die blanke Wut ins Gesicht stand. Auf ihre Beschreibung ihr aber schließlich den Weg zum Gasthaus weisend, als sie schließlich abgerauscht war und wieder Ruhe einkehrte in der Taverne schloss er die Tür für diesen Abend gänzlich ab.
Um so länger sie nach ihm suchte umso mehr schien die Wut der Zorn auf diesen Kerl, der ihre beste Freundin verhext hatte zu wachsen, auf dem Weg von der Taverne zum Wirtshaus leise vor sich hin murmelnd, die Worte die Aram an sie weiter gegeben hatte.
„Sie dringen in deine Gedanken, du wirst den Drang haben etwas zu tun was du nicht willst.“
Es passte alles!
Was Leah beschrieben hatte, dieses Gefühl im Kopf, das was Aram ihr sagte, es passte alles zusammen, er blieb in ihrer Nähe um seinen Zauber zu halten, ein Dolch in die Seite würde helfen hat Aram gesagt. Sie hatte keinen Dolch, verdammt. Schließlich stand sie schon vor der Tür, keine Waffe bloß die geballten Fäuste, fest pochte sie gegen die Tür.
Da stand er vor ihr, sich noch abtrocknend, mit freiem Oberkörper und ohne Schuhwerk, bloß in einer Hose, doch sie war rasend vor Wut, kaum ein Blick fand seinen Körper kaum ein Blick war übrig ihn zu Mustern und bloß einer hätte gereicht ihr die röte ins Gesicht zu treiben.
„Was hast du mit meiner Freundin gemacht, Rabendiener?!“, blaffte sie ihn an, ihm das entsetzen in die Züge treibend. „Was soll ich mit ihr gemacht haben?“, kam blos irritiert zurück, das war nicht die Antwort die sie hören wollte und schon gar nicht eine die im entferntesten gereicht hätte sie zu beruhigen, mehr die Kohle im schon lodernden Feuer ihrer Wut. „Nimm deinen faulen Zauber von meiner Freundin, sonst treib ich ihn dir aus!“, sich bereits auf ihn zu bewegend ging die Hand schon ausholend hinauf, seine Antwort kaum abwartend. „Ich kann nicht zaubern... Was soll das?!“, wieder die falschen Worte und die Hand zischte nach seiner Wange, grad noch von seiner gebremst.
Wütende Worte flogen, kaum da sich Cyrion von seinem Schock erholt hatte.
„Rabendiener!“
„Rabenkrieger!“
„Rabendiener, Rabenkrieger... Heuchler!!“
„Das ist nicht das selbe!“
Die Luft von den Worten auf geheizt und elektrisiert, die junge Frau in dem edlen Kleid zu dem gut einige Köpfe größeren Mann, halb nackt vor ihr stehend hoch. Kaum einen Moment des Ausruhens gönnte sie sich und ihm, als schon die nächsten Worte auf ihn einprasselten.
„Dann lass die Finger von meiner besten Freundin, Hexer!“
„Hexer... war noch? Alataranbeter?“
„Wenn ihr so wollt auch das!“
„Was wisst ihr schon über Hexen, nichts also zieht den Namen nicht in den Schmutz“
Mit den Worten und einem fassungslosen Kopfschütteln, wand er sich um, er drehte sich einfach weg, weg von ihr und ging zum Bad, er ließ sie einfach stehen. Das hinter ihm tobende junge Frauenzimmer ließ die Blicke durch den Raum fliegen, wirr nach etwas suchend, irgendwas um es ihm in den Körper zu treiben, diesem Rabendiener, der sie auch noch verspottete sich weg drehte.
Ein Dolch, sein Dolch lag auf dem Tisch. Ein Langdolch schnell zu ziehen, nicht zu schwer für sie, doch das waren Gedanken die sie sich schon nicht mehr machte, als sie auf die Waffe zu strebte, mit einem leisen fauchen an dem, sein Siegel erklärenden und auf sie einredenden Cyrion vorbei.
Die schmalen feinen Finger der jungen Frau griffen nach dem Griff des Dolches, hinter ihr her Cyrion, der mittlerweile mit entsetzen fest gestellt hatte, was dieser kleine in dem roten Kleid fast wortwörtliche Feuerteufel im Sinn hatte.
„Ich lass nicht zu das irgendwer oder irgendwas meine Freundin um den Verstand bringt!“
„Närrin, was machst du...!“
„Und schon gar nicht ein..!“
Ihre Finger tasteten Metall, die Waffe sie hatte sie in den Händen, in ihren Schlanken Fingern und zog sie bereits aus der Scheide, im nächsten Moment würde sie herum wirbeln und den Zauber beenden, den Fluch, den Bann, die Hexerei. Als Cyrion sie am Arm packte, weg zog von der Waffe die aus der Scheide glitt, ihre Finger so schnell verließ wie sie in jene gekommen war und quer durch den Raum flog, auf der Hälfte des Raumes klirrend aufschlug und die letzten Meter zur Wand über den Boden schlitterte. Mit einem donnern flog sie von Cyrion herum gerissen gegen die Wand, für den Moment völlig benommen, löste sich ein überraschter Schrei aus ihrer Kehle. Ihre Hände knallten links und rechts von ihm gepackt an die Wand, zu keinen Worten in der Lage wurde er so zornig angefunkelt.
„Was glaubst du, was du da tust, Weib!?“
„Ich schütze meine Freundin wo sie es nicht mehr kann!“
Kaum waren die Worte ausgesprochen regte sie sich auch schon wieder, versuchte sich aus seinem Griff zu bringen, die Fäuste schon wieder geballt, hin und her zappelnd.
„Der verdammte Dolch ist vergiftet! Was soll ich Leah deiner Meinung nach sagen, wenn du dich geschnitten hättest?!“
„Pah du erzählst ihr eh irgendwas ... das ich es war... und sie wird es dir blind glauben!“
Eine Hand von ihr freigebend, wischte sich Cyrion durch das Gesicht, immer wieder fassunglos den Kopf schüttelnd und sie dabei anstarrend, kaum da ihre Hand frei war, ging sie auch schonwieder schlagbereit in Position, das Bein gar vor bringend um ihm einen Empfindlichen Tritt zu verpassen.
„Ich glaub das nicht...“
„Mädchen, was machst du für Schreiereien... Warum in Mutters Namen sollte ich....“
„Was ist daran so unglaublich, das ich Leah liebe?“
Hand und Bein hielten inne, funkelnde Blicke in den Augen der beiden trafen sich wieder, still weiter kämpfen, beißen sich schlagend.
„Liebe?! Du machst mit ihr das Gleiche wie die anderen mit dem Kerl aus Bajard!“
„Wovon redest du?“
„Na von dem der nach ihren Befehlen handelt! Das gleiche habt ihr doch mit Leah vor!“
„Ihr? Glaubst du ernsthaft, ich bin ein Rabendiener?“
Ein kurzer Moment der Stille trat ein, sie musste überlegen, aber nicht lange bis ihre Hand fuchtelnder Weise auf seine nackte Brust deutete, das Mal des Raben mit der Rose darum bezeigend. Wieder flogen die Worte, Versuche es zu erklären seinerseits, Anschuldigungen wütende Beschuldigungen von ihr, während er langsam begann sie los zu lassen, um den Langdolch auf zu heben und ihn zu scheiden.
„Leah ist in mich verliebt. und hat keine Immunität gegen den Mann, in den sie verliebt ist..“
„Aber...“
Wieder begann er aufgebracht auf sie ein zu reden, ihr versucht alles zu erklären, sie von ihren Verschwörungs Theorien ab zu bringen, Leah gegen Milady zu benutzen. Immer wieder folgten Erklärungen, über sein Mal über den Raben, seine Vergangenheit, Adrian und Rafael. Doch das alles wollte sie gar nicht hören, statt ihm zu lauschen wüsste sie auf alles was er sagte eine, teilweise an den Haaren herbeigezogene Antworten, mehr Beschuldigungen wieder.
„Womit habe ich das verdient?!“
„...ich hätte sie schon längst in meinem Bett haben können – doch verdient sie bessere Behandlung als das!“
„In deinem BETT?!“
„Was ich von Leah will, ist nicht eine flüchtige Nacht mit ihr. Ich will sie an meiner Seite haben!“
„Wenn du sie einmal... nur ein einziges mal... nur ein einziges verdammtes Mal verletzt. Mein Schwert findet dich!“
„Droh mir nicht...“
Langsam wanderten ihre Blicke über ihn, er war immer noch halb nackt, diesen Fakt hatte sie in ihrer Wut ganz verdrängt, gar übersehen, war er auch nicht von belang, gewesen. Doch nun? Schnell drehte sie sich von ihm weg, die Tür anstarrend, sie wollte eigentlich ohnehin weg, nur noch weg von diesem Schwätzer.
„Ich will sie lieben...und ehren und an meiner Seite haben... mit ihr lachen....“
Ihr gingen die Argumente aus, verdammt was sollte sie nun tun, sie konnte sich nicht mal umwenden und ihn Ohrfeigen, er war fast nackt! Die Haare mit gesenktem Kopf in ihr Gesicht fallen lassend stand sie da.
„Du weist garnichts...“
„Mach dich nicht über mich lustig!“
Sie hatte die Wut und den Zorn gänzlich verdaut, während Cyrion hinter ihr weiter auf sie ein redete und ihr die Lücken ihres Wissens um Raben aufwies, all ihre Lücken auch was die Liebe an belangt, er hörte gar nichtmehr auf zu reden und das einzige was sie fühlte war die Leere im Bauch die ihre verdaute Wut zurück gelassen hatte.
„Gnade dir die Gütige... wenn du ihr weh tust... ich werd es nicht...“
War das einzige was ihr eingefallen war und wenn sie es nur sagte um dafür zu sorgen das er aufhörte zu reden, bevor sie aus dem Zimmer rauschte, zur Treppe hinab in den Gastraum, die letzten Worte die noch bei ihr gehör fanden waren jedoch von Cyrion.
„Ich will ihr nicht weh tun!“
Weg... war der letzte Gedanke den sie fassen konnte, als sie schließlich sich in den leeren Gassen Varuna's wiederfand, sich genau so leer fühlend, wäre nicht der Streit würde sie sich jetzt zu Leah in ihr Bett legen und sich ankuscheln, aber das ging nicht mehr, sie ritt Heim so schnell es ging dort ein paar Dinge zusammen packend, ein kurzer Blick ging zu ihrem Bett, schlafen würde sie nicht können und Ruhe.. daran war nicht zu denken, als sie das Haus in Berchgard wieder verließ und in die Nacht verschwand...
Verfasst: Mittwoch 1. Oktober 2008, 22:17
von Cyrion Sha´Ar
Was ein Abend... Was so amüsant zu werden versprach... Er hatte Leah wieder gesehen, war ihr zufällig in der Taverne begegnet. Nicht nur das Glück, das er sie wieder sah - nein, ihr Gesprächspartner war Arenvir Tilianas, ein Mann, der sich in Ettikette auskannte - genau, was er suchte. Kaum, das er sein Anliegen an ihn heran getragen hatte, stimmte dieser ihm zu, ihm zu helfen. Und bald darauf ergab sich auch die Möglichkeit der ersten Lektion. Zu so später Stunde ungewöhnlich, aber willkommen. Mit dem Nachteil, das er weniger Zeit mit Leah verbringen konnte, aber das konnte er verschmerzen, nahm er diese Lektionen ja wegen ihr. Was ihn ein wenig störte, war die Anwesenheit von Liralia - Leahs Freundin. Ihre Kühle und ihr frostiger Blick waren vielsagend. Die Frau mochte ihn nicht. Mochte nicht ein Stück, das er hier bei Leah sass. Im Nachhinein fragte er sich, was geschehen war, das die Frau ihn zu so später Stunde auf seinem Zimmer auf gesucht hatte. War ihr nicht klargewesen, wie das Aussehen musste, das sie um diese Zeit hübsch bekleidet das Zimmer eines Mannes betrat, der gerade halb bekleidet war? Sie hatte Glück gehabt, das niemand aus dem Zimmer gekommen war, sie beide zu beschimpfen. Laut genug war sie gewesen, immerhin hatte der Gastwirt und einige Gäste sich bei ihm beschwert. Hatten ihn seltsam angeguckt, die Zierscheiben und seinen Ring betrachtet. Es war klar, sie mussten gehört haben, das Liralia ihn für einen Rabendiener hielten.
Müde und mit Schatten unter seinen Augen nahm er das Frühstück zu sich und bezahlte seine Zeche. Er hatte die Nacht wachgelegen - wieder mal. Was war es, das er jede Nacht, die er in Varuna verbrachte, keinen Schlaf fand? Er seufzte schwer... Was tun wegen Liralia. Sie hatte gefaucht und gespuckt wie eine Katze, die plötzlich einen Hund vor der Nase hatte... Diese kleine Höllenkatze hatte tatsächlich versucht, ihn zu morden. Er war sich nicht sicher, ob er dies ernst nehmen sollte - ihre Fähigkeiten hielten keinen Vergleich zu ihm stand. Aber dennoch... eine Närrin war sie, zu glauben, er könnte... Er schüttelte sein Haupt. Er hatte immer noch Hunger - seine Portion war überraschend klein gewesen. Eine Strafe für das Theater in der Nacht? >Die Bäcker sollten schon auf haben...< Er würe dort seinen Hunger stillen.
Müde liess er sein Pferd über das Pflaster trotten. Die Morgenluft war kalt und frisch, klärte langsam seinen Geist. Närrisches Höllenkätzchen... aber eine besorgte Närrin. Nie die Liebe kennen gelernt, nie erfahren, wie es war, die Wirrungen des Verliebtseins am eigenen Leib zu spüren - es war in gewisser Hinsicht verständlich, das sie in ihm einen bösen Hexer sah, der ihrer Freundin übel wollte. Wie sonst war zu erklären, das sie ihm gegenüber sich so seltsam verhielt? Völlig fremd reagierte, kam das Gespräch auf ihn. Doch warum dieser Hass auf ihn? Nur wegen den Raben?
Was tun? Sie war keiner Logik zugänglich. Jegliche Weisung, doch selbst nach zu forschen, wurde abgewiesen als völlig sinn- und zwecklos. Welche fantastischen Vorstellungen von Rabendienern hatte sie, das sie glaubte, diese könnten Einträge von Siegelbüchern fälschen, die seit vielen Generationen Bestand hatten? Sie war in einem Kloster aufgewachsen - kein Wunder, das sie nie von Saagen gehört hatte bezüglich der untergegangenen Bedeutung der Raben. Wahrscheinlich hatte sie sich auch nie drum gescherrt. >Man sollte meinen, wenn ihr Rabendiener solche Angst einjagen, würde sie mehr über sie erfahren wollen... Aber manche Menschen lehnen alles ab, was mit dem zu tun hat, wovor sie sich fürchten. Und es reicht ihr, das ich mit Raben zu tun habe.<
Erneut fragte er sich, was tun... Einen Aussenstehenden bitten, sich über ihn zu erkundigen, Informationen zusammen zu tragen, die mit ihm zu tun hatten? Vielleicht Rafael fragen? Doch wie seltsam klang das schon..?! Und es war damit gewiss nicht gesichert, das sie ihm Glauben schenkte. Vermutlich würde sie die Beweise einfach beiseite wischen, ohne einen Blick darauf zu werfen. Sie wollte ihm ja nicht mal anhören. Hatte alles als Lüge verschrieen.
Er hätte sie einfach aus seinem Zimmer werfen sollen. Tür auf, zupacken und rausheben, Tür zu. Vielleicht noch höflicherweise ein "Gute Nacht." Oder ihr mit ein paar Schlägen den Hintern versohlen, das sie ihn und seine Familie wiederholt beleidigt hatte. Verdient hatte sie es mit Sicherheit. Das wäre ihr eine Lehre gewesen, nächtens in das Zimmer eines ledigen Mannes einzudringen. "Närrisches Kind..." murmelte er und betrat ungemach die Bäckerei, aus der süsslicher Duft drang. >Ah... frisch gebackenes Brot... Noch warm vom Ofen.< Etwas, das seine Laune sofort steigen liess. Doch während er in vollen Zügen das Brot genoss, trieben seine Gedanken wieder um diese Frau. Was war geschehen, das sie so wütend auf ihn war - wütend genug, ihn auf seinem Zimmer auf zu suchen. Wütend genug um alle Vernunft, Logik und Wahrheiten in den Wind zu schiessen? Ob sie, wenn er sie wieder sah, eher geneigt war, vernünftige Schlüsse zu ziehen? So oder so, er musste etwas tun. Diese Frau - dieses Kind - gehörte zu Leahs Leben. Wie mit ihr Frieden schliessen? Denn jeglicher Unfrieden, jeglicher Hass zwischen jenen, die Leah am Herzen lagen, würde sie verletzten.
Das einzige, was er tun konnte, war mit ihr Reden. Sie dazu bringen, das sie von sich aus oder mit Hilfe von Freunden von ihrer Seite an Wissen ausgrub, was es über ihn, die Sha'Ar und Raben zu erfahren gab. Vielleicht sollte er Savea aufsuchen und sie um Rat fragen. >Mit dem Drachen reden, damit dieser die Höllenkatze besänftigt - na wunderbar.<
Und sonst? Nur dafür sorgen, das er Leah nicht wehtat... Am Ball bleiben, komme was da wolle. Lernen, was es zu lernen gab... Bei ihr bleiben. Beweisen, das er nicht der Tu-Nicht-Gut war, für den Liralia ihn hielt. Mehr konnte er nicht tun. Das und sich bei Liralia den Mund fusselig reden. Er gab die letzten Bissen Brot seinem Pferd Nachtschatten und blickte der späten Morgensonne entgegen. Tief atmete er ein. Er würde feststellen, was ihm das Schicksal für Karten in die Hände legen würde. Ein neuer Tag brach an... und mit ihm neue Möglichkeiten. Sich die Krümel wegwischend sass er auf. Er würde abwarten... und sehen.
Verfasst: Freitag 3. Oktober 2008, 17:51
von Cyrion Sha´Ar
>Was für Scherereien...< dachte er, die Augen öffnend. Die letzten Traumfetzen verschwanden, verblassten angesichts der kühlen Luft in dem Zimmer. Was hatte er geträumt? Er wusste es nicht mehr. Hatte nur so eine Ahnung, das es von Liralia gehandelt hatte. Ein kühler Windhauch strich ihm um die Nieren und er blickte auf. Hatte er gestern in aller Eile vergessen, die Falltür zum Ausguck zu schliessen? Aye, sie war nicht richtig zu. Fröstelnd kletterte er die Leiter hoch und schloss die Falltür, begab sich anschliessend ins Bad hinunter. Mitten auf der Treppe hielt er inne, einzig in das Hüfttuch gekleidet. War Leah schon wach? Was wenn sie durch die Fenster ihn sehen konnte? Lieber das Kerzenlicht verdecken? Es war noch Dunkel draussen. Nur wenige Vögel sangen - die meisten waren bereits wahrscheinlich auf dem Weg in wärmere Gefilde. Und im anderen Haus... Hm nein, keine Kerzen. Aber ein schwacher Schein von der Kaminstelle. Hmm, es würde verhindern, das Khazkal blind über sein Mädchen fiel. Die Kerze an seiner Seite haltent, ging er ins Bad hinunter, im anderen Arm die frische Kleidung tragend. Sollte der Zufall ergeben, das sie wach war, sie würde nur einen dunklen Umriss sehen... von einer scheinbar nackten Gestalt - der Gedanke liess ihn rasch hinunter wetzen, die Wangen warm in Verlegenheit.
Rasch überschlug er nochmal, was gestern abend vorgefallen war. Er war wirklich überrascht gewesen, das Leah zu so später Stunde bei ihm erschien. Noch überraschter, als sie von ihm forderte, ihr zu sagen, was zwischen ihm und Liralia vorgefallen war. >Sie hatte die Hand am Schwertknauf...< Hätte sie die Waffe wirklich gezogen? Gegen ihn? Oder fühlte sie sich einfach sicherer, bei Unruhe die Waffe zu berühren? Er kannte diese Geste von sich, berührte er doch selbst gern seine Waffen, wenn er angespannt war.
Schwer seufzte er und trocknete sich wieder ab. >Liralia war also geflüchtet - vor ihrem schlechten Gewissen vielleicht? Glaubend, das alle ihr böse sind, ihr nicht verzeihen können?< Er schüttelte unverständig den Kopf, während er sich ankleidete und die Zähne putzte. Das Mädchen war wirklich intensiv in ihren Emotionen. >Aber wo kann sie nun sein?< Mit Sack und Pack verschwunden. Nun fürs erste würde er sehen, ob er verschiedene Dinge ausgrenzen konnte. Hatte sie Gerimor verlassen? War sie in einem der diversen Gaststätten?
Er glaubte nicht, das sie nach Menek'Ur gehen würde - über kurz oder lang mochte sie in einem Harem landen. Das würde sie vermutlich abschrecken. Die Eisinsel? Zu dieser Jahreszeit würde es dort kalt sein... nicht das es dort nicht immer kalt war... Und die Insel war von jenen bewohnt, die sie als Wilde bezeichnete. Nein, dort war sie gewiss nicht. Lameriast - das war eine Möglichkeit. Aber kannte sie dort jemanden? Er würde erfahren, ob sie mit einem Schiff abgereist war. Ob sie ihren Namen änderte? Er glaubte dies nicht wirklich. Eine Kurzschlussentscheidung getroffen im Glauben, sie könnte nicht mehr vor ihre Freunde treten... Vermutlich bezweifelte sie, das sie noch willkommen war, das man nach ihr suchen würde. Dummes Mädchen - vielleicht sollte er ihr doch erstmal den Hintern versohlen, wenn er sie sah. >Hmm... Vielleicht wird mir das Savea abnehmen. Ein wenig Vernunft in ihren Hintern hauen - ihr Kopf ist ja nicht gerade davon beseelt.<
Leise trat er in die kühle Nachtluft hinaus, ging hinüber zum Haus, mit einer Decke unterm Arm. Durch das Fenster linsend, erblickte er dort Leah auf den Fellen - schlafend. Der Blick wurde wärmer, ein Lächeln umspielte seine Lippen. Die Tage der Schlaflosigkeit hatten ausgerechnet gestern abend ihren Zoll verlangt. Es war gut, das sie geblieben war, aber auch gut, das er gegangen war. Er wusste nicht mehr genau, was er ihr alles gesagt hatte zum Ende hin, übermüdet, wie er war. Er wusste noch schwach, das er sie hatte auf die Stirn küssen wollen - völlig vergessend, das dies eben nicht so selbstverständlich war... Was hatte er noch gesagt, oder getan? >Hab ich mich mehr als unzüchtig verhalten?< Hoffentlich nicht... Leise trat er ein, gestattete es sich, einen Moment lang ihr Gesicht zu betrachten. Wie süss sie aussah, wenn sie schlief, die zauseligen Haare wirrer noch als sonst, die Züge entspannt - eine liebliche Schönheit in ihrem unschuldigem Schlaf. Wie leicht wäre es jetzt , sie zu küssen.... Doch statt dessen breitete er nur die Decke über ihr aus und legte Holz ins Feuer. Ein Kinspan entzüdete eine der Kerzen - jetzt konnte er letztlich doch besser sehen. Vorsichtig griff er Dinge aus dem Regal - blickte hinüber, als er die Truhe öffnete. Er konnte es nicht verhindern, das die Truhe leise knarrte. Leah bewegte sich leicht, lag dann aber wieder still. Obst, Gemüse, Marmeladen, Brot... In aller Stille arbeitet er in der Küche, so wenig Lärm wie möglich verursachend. Wachte sie davon auf? Schlief wieder ein? Er wusste es nicht zu sagen. Einen Holzteller - mit diversen Dingen belegt - stellte er vor ihr ab - die kleinen Apfelkaninchen würden ihr gleich sagen, wer dies hergerichtet hatte. In ein belegtes Brot beissend, setzte er sich an den Arbeitstisch und die Feder kratzte bald über Pergament.
Liebe Leah,
Ich bin unterwegs nach Bajard und Berchgard. Schlaf dich aus und frühstücke - ich weiss nicht, was du zum Frühstück magst, doch hoffe ich, das meine Auswahl deinen Geschmack trifft. Solltest du mein Bad benutzen wollen - es ist im Keller des Tur...
Er hielt inne, als er Leah leise seufzen hörte - sein Herz zog sich zusammen - da drüben lag seine Liebste - so nah. Er wollte sie in den Arm nehmen, sie küssen... oder wenigstens sie beobachten. Aber was wenn sie aufwachte und sah, das er sie beobachtete. Wäre sie Verlegen? Wütend? Irritiert? Alles zusammen? Wieder atmete er aus und schrieb weiter.
...mes. Die Türen sind alle offen. Schliess hinter dir ab, Khazkal ist wohl noch im Haus und er würde, glaube ich, nicht anklopfen. Du bist frei, zu verwenden, was du brauchst.
Ich wünsche dir viel Glück und hoffe, das wir erfolg haben werden. Sei versichert - ich bezweifele, das ihr etwas zustossen wird. Es wird sicher alles wieder ins Reine kommen.
Dein Cyrion
Streute Sand darüber und liess den Brief neben dem Holzteller liegen. Der Umhang wurde ergriffen, dazu einige Waffen. Kälte ströhmte erneut ins Haus, als er die Tür öffnete. Ah... es wurde langsam hell. Tief atmete er ein, blickte ein letztes mal zu seiner Liebsten und schloss sodann die Tür hinter sich.
Die Sonne stand hoch, war bereits wieder am sinken. Übermüdet trottete er auf Nachtschatten gen Varuna., gerade aus Berchgard kommend. Nichts... Stunden um Stunden Hafenbücher gewälzt, die letzten Paar Tage sorgfältig in Bergard wie in Bajard untersucht. Ihr Name war auf keiner Liste verzeichnet. Auch hielt sie sich in keiner Gaststätte auf. Die Beschreibung hatte nichts erbracht. Also war sie noch in Gerimor. Lameriast hätte ihm besser gefallen. Lameriast war kleiner. Berechenbarer ihr Handeln, der Ort wo sie sein könnte, besser abschätzbar. So musste er weite Landstreifen absuchen. Und was wenn sie im Osten war? Jenem Teil Gerimors, den er nicht kannte? Er konnte jetzt nur hoffen, das er einen Hinweis von ihren Freunden erhielt.
Schatten waren unter seinen Augen zu sehen, als er tief einatmete und sein Pferd antrieb. Er musste schnell nach Varuna zu Leah und Savea, Bericht erstatten. Hoffentlich fanden sie sie bald. Je länger sie fort war, desto eher war es wahrscheinlich, das Leah vor Sorge wahnsinnig wurde - und Liralia letztlich doch etwas zustiess.
Verfasst: Samstag 4. Oktober 2008, 04:17
von Leah Katuri
Folge uns...komm mit uns...
Verführerische Stimmen...sie klangen so unschuldig, so voller Reinheit. Ein Lächeln setzte sich auf ihre Lippen, als sie den singenden Klang in der Luft vernahm. Der Wind wog sanft durch ihr Haar, welches offen auf ihren Schultern lag. Die Strähnen tanzten durch die laue Luft, die sich gegen jede Jahreszeit zu verschwören schien und sie mit einer wohligen Wärme umgab. Das einfache Leinenkleid schmiegte sich an den Körper, betonte hier und dort eine Kurve, dort wiederum hin es einfach herunter. Das Gras unter ihren Fersen fühlte sich so samten an, so ganz und gar als sei es nur geschaffen, auf jenem zu gehen und das sanfte Kitzeln zu erspüren.
Tanz mit uns, wieg dich mit uns...in goldne’m Sonnenschein...
Sie summte eine Melodie...woher sie kam, wusste sie nicht, doch war sie auf einmal aufgetaucht, aus heiterem Himmel. Eines jener Lieder, welches die Brüder immer gesungen hatten; Weib, Wein und Gesang. Die Texte mehr als frivol und unzüchtig....doch kein rot tränkte ihre Wange, kein Schamgefühl stellte sich in ihrem Summen ein. Nein, ein bloßes Grinsen zog sich über die Lippen, in ihre Mundwinkel und tief in ihren Bauch, wo ein Lachen sich stetig formte, bildete und glucksend seinen Weg in den Mundraum suchte. Zufrieden...frei. Nie fühlte sie sich wohler, nie ruhiger als in jenem Moment. Ewig sollte jene Besinnlichkeit anhalten...sollte sie einlullen und vor allem schützen, was in dieser Welt so schlecht war. Die nackten Füße tanzten über die Wiese, summend wog sie mit dem Wind über das fruchtbare Grün, ließ Stoff und Haar wild aufbrausen, zeigte hier die Haut der Wade, dort die lockende Aussicht der Schulter. Kein Blick störte doch ihr Tun....wofür also schämen?
Trink mit uns...sei bei uns...sing mit uns...
Wie der Wind sie wirbeln lassen konnte, wie die Bäume sich mit dem Körper bogen und hin und her wiegten. Nein, keinem gelernten, keinem alten Brauchtum folgten die Bewegungen, die Arme, die sich dem Himmel entgegenstreckten. Genießen...kein Moment der Rast zulassend, während das Glucksen stetig zu einem warmen Lachen heranwuchs und sie beginnen ließ, tollkühner und wilder im Kreis zu wirbeln. Wie die Welt um sie herum verschwomm, wie die Bäume verschmolzen und man Himmel und Erde nicht mehr unterscheiden konnte. Ein Streifen voller Farben, der letztendlich für einen wilden Schwindel in ihrem Kopf hervorrief und sie atemlos zu Boden gehen ließ.
Wild lagen die kastanienbraunen Haare um sie herum, der Atem ging rasend, während das Kleid seine Falten warf und auf schandbare Weise bereits das Rechte Bein preisgab, welches sie angewinkelt hatte. Die Augen geschlossen, achtete sie nur auf ihren Atem, auf die Geräusche, die ihr so fremd und doch vertraut schienen...bis sie das Knurren vernahm.
Mit einem Schlag setzte sie sich auf, sich umsehend, der Blick wachsam und zugleich unruhig. Wann war es bereits so spät geworden? Wo die wärmende Sonne, die einlullende Helligkeit hin? Der Wind zog unbarmherzig an ihrem Stoff, riss ihn von der Schulter, zerrte ihn hinauf und je mehr sie die Stellen wieder herunterschob, umso mehr schnitt der Wind eisig in ihre Haut. Das Knurren erschallte unheilvoll, schien von hier und dort zu kommen.
Mein Rehlein...pass auf....der böse Wolf ist da...
Die Stimme, sie kannte doch diese Stimme! Wild, hektisch sah sie sich um, aufrappelnd, um wieder und wieder den Stoff zu richten, die Strähnen aus dem Gesicht zu wischen. Man hatte sie sicher gefunden, man würde sie retten...! Da...da war doch ein Licht! Es blitzte auf in einem der Gebüsche, nur kurz, als würde sie für Momente ein Augenpaar vor ihr auftauchen, welches mit einem eisig blauen Tonus versehen war. Sie glichen Veilchen...Veilchen, die im Winter eingefroren waren und ihre Schönheit als etwas nicht dazu gehöriges erschienen ließen. Die Arme schlungen sich um den Oberkörper, unsicher trat sie auf der Stelle, weiterhin jeden Busch im Blick haltend. Wölfe...dort der erste, da der nächste, welcher aus dem Gebüsch heraustrat und im nächsten Moment sich auf zwei Beine stellte. Die Märchen waren also doch wahr...die Sagen, Geschichten. Sie hatte es nicht glauben wollen, hatte einfach nicht hören wollen! Doch durfte sie überhaupt hier sein? Hatte sie nicht wieder sich herausgeschlichen und eher fadenscheinig gelogen, um ein wenig Eigensinn zu beweisen? Den Sturkopf behalten, Regeln einfach brechen? Sie konnte es ja seit jeher schon gut...
Und wenn er kommt....dann lauft nicht weg...es bringt nichts...
Eingekreist, getrieben wie ein Lamm, stand sie in einem Kreis, welchen das Rudel um sie herum gebildet hatte. Jeder sah sie auf seine Weise an, gierend, geifernd, voller Hunger...Sie würde sterben, würde den nächsten Tag nicht erleben...es war nur zu offensichtlich. In die Monotonie des Knurrens stob auf einmal das Geräusch eines Krächzens und irritiert glitt ihr Blick gen Horizont. Der Mond stand voll und überdimensional am Firmament, eine schwarze Wolke umwölkte das matte Weiß, welche stetig vor sich her waberte. Raben...sie waren gekommen, um die letzten Reste von ihr zu erhalten. Ein Ruck ging durch ihren Körper und sie fiel hart auf den Boden. Orientierungslos glitt der Blick umher, fasste dann die beiden Hände an ihren Schultern, diese Pranken, in ihren ersten Blick. Dieser Ring...langsam sah sie hinauf, blickte in das wild funkelnde Augenpaar, welches eisig blau aufglühte. Cyrion...
So wild hatte er sie noch nie umfasst, an ihr gezogen, hatte sie noch nie so ohne Gefühl, ohne Regung angesehen. Was bei der Gütigen war nur los? Wollte er sie nur vor den Wölfen schützen, oder...? Im nächsten Moment spürte sie nicht mehr den rauhen Waldboden unter sich, sondern weiches Fell, welches sie zu umwölken schien. Der eiserne Griff um ihre Handgelenke war erbarmungslos, sein Blick nur zu eindeutig, während er mit der freien Hand einen Dolch zutage förderte und ein trockenes, tiefes Lachen aus seiner Kehle drang...
Wer ist nun der wahre Wolf...mein Rehlein?
Sie wünschte sich wieder in den Wald, wünschte sich weit fort, als die Klinge ihren Hals kalt und stählern entlangwischte, sich den Weg bahnte zu dem Stoff des Kleides und begann, sich den Weg zur Haut freizureissen.
„Nein!!!“
Kerzengerade stemmte sie sich auf und sah sich hektisch um. Der Puls raste, der Atem schwerlich einzudämmen in seiner Geschwindigkeit und Intensivität. Der Stoff ihres Nachtgewandes klebte an ihr, das Haar war wirr in die Stirn gefallen. Neben ihr murrte es, ein Bewegen einer Figur und erschrocken, fast panisch krabbelte sie ein Stück weg, drückte sich gegen die Wand.
Etwa doch kein Traum...? Hatte sie sich wirklich hinreissen lassen und alle Ideale, alles Brauchtum von damals einfach über Bord geworfen? Sie hatten sich doch mehr oder minder im Schlechten getrennt, sie und Cyrion. Dabei bog es sich langsam nun doch alles hin. Liralia hatte man finden können, wohlbehütet mit heimgenommen, natürlich mit entsprechender Standpauke. Sie hatte sogar wieder einen Draht mit Luca gefunden, hatte sich mit ihm ein eigenes Geheimnis zurecht gesponnen, das ihr einiges an Kreativität abgesprochen hatte. Doch am meisten sehnte sie sich...sehnte sich, diesen Mann zu sehen, ihn zu sprechen, seinen Duft einzuatmen. Dieser schwere, süßliche Geruch...sein Haar, welches sie so gern berühren würde, welches einmal den Weg durch ihre Finger finden sollte. Sie wollte nur einen Moment, einen Sekundenschlag doch nur, wo sie mit ihm allein sein konnte...Zwei Minuten....nicht mehr.
Langsam schälte sie sich aus dem Bett und schlich aus dem Zimmer. Die kalten Fliesen unter den nackten Füßen waren wie Balsam und verschafften der inneren Hitze eine angenehme Kühle. Noch immer raste das Herz unbändig und der Magen verzog sich mit einem unangenehmen Gefühl. Sie huschte durch den Vorhang im Obergeschoss des Anwesens, nur, um sich minutenlang in dem Spiegelbild der Wasserschüssel zu betrachten. Bleich war sie...die Augenränder würde man sicher noch am nächsten Tag sehen, der Schweiß hatte hier und da kleine Rinnsale geformt, die wirre Streifen an ihrer Seite bildeten. Blass....so hatte sie auch ausgesehen wohl, als sie auf einmal den Druck an ihrer Hüfte gespürt hatte, die Hand im Rücken. Sie wusste nicht, wann er es geschafft hatte, sie alleine in die Küche zu bekommen, zu benebelt war der Kopf noch von dem verbotenen Kuss zuvor und der plötzlichen Störung durch das Gebrüll. Sie hatte sich gewundert, dass nicht sämtliche Türen aufgeflogen waren im Anwesen, doch erst später, als sie wieder klar denken, Sätze in Sinn und Form bringen konnte. Zu perplex war sie durch ihr eigenes Wollen gewesen, dass sie so ganz und gar nicht sich gewehrt, gar ein Wort der Tadelung ausgesprochen hatte. Zu sehr hatten die Lippen mehr gefordert, das Herz nach mehr Blut verlangt, die Lunge nach mehr Atem. Der Kopf hatte sich ausgeschaltet und die vielen Stimmen, das Gewirr an Worten war an ihr vorbeigezogen wie ein Vogelschwarm. Erst der plötzliche Ruck und die Hand von ihm an ihrer Taille ließen den Dämmerzustand wacher werden, die Sinne wieder schärfen. Unbarmherzig striff die Hand weiter, sorgte für den perfekten Griff im Rücken. Er hatte sie, kaum wohl könnte sie entfliehen, sich wehren, wenn...
Die Türe hatte sie gerettet und Nolik...sie wusste nicht, wie sie es einschätzen sollte, als er vor sie trat, den entsprechenden Raum schuf, den sie erst einmal brauchte. Er hatte die Hand runtergehen lassend, ihr die Gunst gegeben, sich nach hinten Raum zu schaffen und Halt am Küchenregal zu suchen, welches unheilvoll klapperte in ihrer Hektik. Es war alles so verwirrend...alles so....seltsam. Sie hatte Angst, einfach nur Angst gehabt in jenem Moment.
Kälte benetzte ihr Gesicht, als sie eine Ladung Wasser über jenes verteilte. Zumindest gegen die Blässe und den Schweiß wollte sie etwas tun, wenn es schon nichts gegen ein schlechtes Gewissen gab. Eine Weile verharrte sie, ließ die Tropfen einfach zurück in die Schüssel tropfen, während sie den Kreisen zusah, die sich stets formten auf der Wasserfläche. Sie hatte ihn gern, ihr Herz, ihr Magen, einfach alles sagte ihr jenes. Doch sie durfte...konnte nicht in seiner Geschwindigkeit mit eilen. Sie wusste, dass er es anders sah, doch konnte er nicht verstehen, konnte er denn nicht ahnen, Warum sie so handeln musste? Regeln, Traditionen banden sie daran und sie durfte nicht wieder die Ehre beflecken, nicht wieder einen Fehler machen. Leise seufzte sie und griff nach einem Handtuch, um das Gesicht abzutrocken. Die nackten Füße suchten sich wieder ihren Weg über die Fliesen in das Zimmer und sorgfältig zog sie die Türe hinter sich zu. Kurz nur huschte der Blick durch den Raum, ehe sie zu den zerwühlten Laken und der Decke sah. Sie musste sich viel bewegt haben, wahrscheinlich hatte sie auch einen Teil murmelnd und redend verbracht. Sie hatte schon als Kind im Schlaf gesprochen, wenn es Alpträume waren. Liralia lag mittlerweile breit im Bett und atmete ruhig.
Nein, sie hatte keinen Fehler gemacht, hatte wirklich nur geträumt. Es würde nicht nur bei einem Traum bleiben, würde häufiger für ein zerwühltes Bett, zerknitterte Laken und Kissen, die feucht von Schweiß, von Tränen sind.
Wer hat Angst vorm bösen Wolf?
Verfasst: Samstag 4. Oktober 2008, 21:18
von Cyrion Sha´Ar
Der Lippen waren zu einer grimmigen Linie verzogen; Kiefer pressten hart aufeinander. Selbst der Blick wirkte dunkel, die feinen Linien um die Augen schärfer, die Schatten unter diesen dunkler. Erneut eine Nacht, in der er kaum geschlafen hatte. Düster, hart war seine Erscheinung - so wie der Tag, der Grau in Grau keinen freundlichen Gedanken aufkommen lassen wollte. Bitterniss wallte in ihm, liess in seinen Gedärmen Knoten entstehen, hinterlies einen immerwährenden bitteren Geschmack in seinem Mund. Der Abend, der so viel Aufregung mit sich brachte - wiederholt hatte er sich erklärt, hatte von seiner Familie und deren Hintergründe erzählt. Manche hatten zugehört, bemüht, zu erfahren ohne voreingenommen zu sein. Es hatte ihm gut getan, solche Menschen zu treffen. Gut genug, das er letztlich wirklich entspannt war - entspannt genug, mit Liralia auf schon fast freundschaftlich-bissige Art Wortgefechte auszufechten - die er verlor. In Verlegenheit geraten, als er sich im Anblick Leahs verlor, nur am Rande mitbekommend, wie er leise "Göttin, du bist so schön..." ausgesprach. Luca, ein 13 jähriger Jüngling, hatte ihn geneckt, überzeugt er hätte sie gemeint und nicht die Mutter Eluvie, deren Anhänger er war. Er hätte am liebsten diesem naseweissem Jungen gesagt, er wäre 100 Jahre zu früh dran, ihm altklug zu kommen, seine Gedanken kennen zu wollen, doch die Wahrheit war, er wusste nicht genau, was er mit Göttin gemeint hatte. Die Mutter? Oder doch Leah....? Die Augen schliessend, seufzte er leise und lehnte die Stirn ans kalte Fenster. Die Beine anziehend, legte er die Arme um diese. Ihm war kühl, doch keine Decke konnte ihn wärmen. Die Kälte war innerlich, schien sich über seine Knochen zu legen wie eine dünne Eisschicht. Etwas, das zu seiner düsteren Stimmung passte, mit ihr Hand in Hand ging.
Doch wie süss war es, als Leah ihn bat, mitzukommen. Leise Worte ausgetauscht, ihre Nähe genossen... und letztlich hatte er der Versuchung nicht wiederstehen können, ihre Lippen zu kosten. Nur einmal ihre Lippen kosten, dieses süsse Versprechung, diese Verlockung, die sein Sinne erfüllte und ihn sehnen lies - ein Kuss, der ihm einige weitere Tage darüber hinweg half, diese Farce zu ertragen, die von den Temorianern Ettikette genannt wurde. Er war überrascht worden, als der Junge draussen schrie - Leah hatte beinahe den Kerzenständer umgeworfen in ihrem Schreck. Das wäre schon schlimm genug gewesen... Leah mit dem Kerzenständer fallend. Vielleicht sich noch verletztend am heissen Wachs, dem Feuer oder... Nun es war nicht passiert. Sie war allerdings wieder erneut dem hier und jetzt abhanden gekommen. Was war es nur, das sie so völlig geistig davonflog, wenn er ihr nahe war? Er kannte dieses Gefühl, es passierte ihm auch zuweilen, aber... nicht jedes Mal.
Es war falscher Alarm gewesen, die Herrschaften, die den Jungen verschreckt hatten, niemand, vor dem man sich hüten musste. Aber sie hatten dafür gesorgt, das das Haus sich leerte. Kaum hatte Cyrion dies erkannt, hatte er Leah ins Haus gelockt. Er hatte gedacht, sie hätte begriffen, warum. Doch kaum, das er sie aus der Sicht der Haustür gezogen hatte, hatte er sie in die Arme geschlossen. Endlich sie in seinen Armen spüren, den Unterarm entlang ihres Rückrads legend, die schlanken Finger über ihre Schulterblätter ausbreitend. Wie oft hatte er davon geträumt... Doch war sie stocksteif geworden, als er sich niederbeugte. Hatte ihre Hände gegen seine Brust gedrückt. Hatte sie nicht wahrgenommen, wie schnell sein Herz schlug? Wie sehr er sie brauchte? "Darf ich dich nicht küssen...?" Die Antwort war stotternd - er begriff, das ihr dies zuviel war. Er löste sich von ihr, verstand, das er dies musste, doch dann - jemand war ins Haus getreten und er war rasch von ihr zurück getreten - zu rasch - sie war zurück getaumelt, halb vor ihm fliehend und hatte sich gerade noch so an dem Regal festhalten können.
Ihr Blick... Der Anblick war ihm durch und durch gegangen. Verwirrung - Angst in diesem. Etwas, das auch Nolik Leunbach sah. Er war zwischen sie getreten, hatte Cyrion angeherrscht, was er da tat! Nichts, dessen er sich schuldig fühlen musste. Aber das nur in seinen Augen. Diese Menschen lebten in einer anderen Welt - in einer Welt voller Mauern, voller künstlicher Zwänge. War es denn wirklich so verrucht, sein Mädchen zu umarmen, sie zu küssen? Wenn seine Absichten weit über einen Abend voller Sinnlichkeit hinaus gingen?
Bitternis hatte ihn erfüllt, als er erkannte, das er wieder der Schurke, der Übeltäter war. Würde sich das nie ändern? Würde er immer der Schurke sein? Gab es denn nichts, wo ihm einfach ohne Vorbehalt Glauben geschenkt wurde, ausser in dieser Lüge, das er ein Anhänger Krathors und Schurke war? Leah war mit dieser Situation überfordert gewesen. Hatte zu spät erkannt, das Nolik ihre Flucht vor Cyrion als das erkannt hatte. Und fühlte sich schuldig deswegen, das ihm ihre Verwirrung wieder übelgenommen wurde - ihre letzten Worte sagten ihm dies - sie glaubte sich tatsächlich schuldig.
Schwer seufzte er - er war letztlich von Nolik aus dem Haus komplementiert worden. Was würden er und Leah noch ertragen müssen? Was erleiden müssen für die Sünde, zu lieben? >Um wieviel wird meine Leine wieder gekürzt? Nur weil ich nicht liebe, wie es ihnen gefällt, sondern gerade heraus; ungezügelter als ihnen lieb ist. Was ist dies für ein System, welche Liebe fordert nach Mass? Sehen sie nicht, das Ordnung in der Liebe nichts hervorbringt als Leid?< Die Augen schliessend, atmete er aus und die Scheiben beschlugen. >Begreifen sie nicht, das Temora dies nie im Sinn hatte? Sie, die sie Tochter der Eluvie ist und den freien Willen der Menschen beschützen wollte. Wie können sie so blind sein und glauben, dies wäre im Sinne Eluvies und Temoras? Narren allesamt... Und der grösste Narr bin ich, der ich dies erkenne und trotzdem nicht anders kann, als mich nach ihr zu sehnen, die sie in diesem Mauern ohne Freiheit lebt.< Bedrückt zog er die Beine enger an, liess seinen Kopf auf seinen Knien ruhen, die Arme fest um diese geschlungen. Was sollte er nun tun? Hinreiten und mit Leah reden? Würde sie ihn empfangen? Durfte er mit ihr reden, oder würde Savea ihn... verjagen? Sich statt dessen nach Büchern für Ettikette umsehen? Je härter man ihn dazu zwingen wollte, desto angewiderter wurde er von davon. Ein Vogel in einem Käfig, das war er! Doch würde er ausreissen, liess er etwas zurück, das ihm lieb und teuer war. Bitternis erfüllte ihn und er schloss die Augen, unter denen tiefe Schatten lagen. Die Zukunft, die er sich so farbenfroh ausgemalt hatte - sie sah nun so düster aus...