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Katz & Maus – Vergangenheit & heimliche Verehrer

Verfasst: Mittwoch 3. September 2008, 03:29
von Ana von Weylenstein
Es war grauenvoll. Den ganzen Tag dachte sie über den vergangenen Abend zuvor nach. Silvan, sie lernte ihn von einer Seite kennen, die sie niemals für möglich gehalten hätte. Was war nur mit ihm passiert? Wie konnte ein so kalter Mensch doch zu Gefühlen neigen? Was bei Temora war ihm über die Leber gelaufen, dass er so wurde? Sie verstand nicht. Er führte sich auf wie ein kleiner, pubertierender Junge, gar schlimmer noch. Er errötete, er erstarrte. Und dann drückte er ihr doch einen Kuss auf die Stirn, bevor er von ihr ging. Es war nicht so, dass sie jene Geste nicht schön fand. Sie ließ sich an dem Tisch nieder. Vielleicht musste sie einfach nur für einen Moment klare Gedanken fassen. Sie strich sich mit den Fingerspitzen über die Stirn und schloss die Augen.
Die ganze Zeit hatte sie sich nur Gedanken darüber gemacht, was aus Silvan und ihr werden würde und wer, verdammt nochmal, dieser ominöse Schreiber war, der ihr solch liebreizende Gedichte schrieb und sie mit Geschenken überhäufte. Dabei hatte sie jemand ganz wichtigen in ihrem Leben vergessen: Philipp.
Irgendwie überkam sie ein schlechtes Gewissen. Fast so, als habe sie jemanden, den sie über alles liebte mit jemand Anderen betrogen. Dabei waren Philipp und Ana nie ein Paar gewesen, sie waren immer nur Freunde. Aber hatte sie in irgendeiner Weise mehr verbunden? Seufzend blickte sie zu dem Flackern der Kerzen. Vielleicht sollte sie ins Bett gehen. Es würde morgen ein anstrengender Tag werden, immerhin wollte sie ein paar weitere Kapitel ihres Lehrbuches durch kauen.


Es war ein schöner, strahlender Morgen. Die Sonne hatte mich mit ihren langen Armen aus dem Schlaf gekitzelt und ich räkelte mich in dem dünnen Laken, welches meinen nackten Körper umschloss. Noch lange hätte ich so dort liegen können, bis mir einfiel, was heute für ein Tag war. Die Hochzeit. Ich sprang aus dem Bett, ach du meine Güte. Ich durfte keine Zeit verlieren. Die Haare, sie mussten gemacht werden. Die Kleidung musste noch angepasst werden und die Schuhe! Ach du meine Güte, die Schuhe! Tausend Dinge, die noch erledigt werden mussten. Wo war nur der Florist? Er musste sich doch um das Geschirr des Schimmels kümmern. Stress, ich hatte wahnsinnigen Stress und Stress mochte ich gar nicht. Das Kleid saß perfekt, aber war es auch geeignet zum tanzen? Tanzen, ach du meine Güte. Wie lange hatte ich das nicht mehr geübt? Wo war nur meine Zofe, wenn ich sie einmal benötigte... ah, da war sie ja. Gut, dass sie gerade in diesem Moment ums Eck gebogen ist. Nach keine Ahnung wievielen Stunden war ich doch auch endlich einmal fertig. Eine Braut, wie sie nie jemand zuvor gesehen hatte. Mit einem Lächeln stieg ich die Treppen hinab und eilte aus der Tür. Und sah in blaue Augen. Augen, die ich lange nicht mehr gesehen hatte. „Philipp...“

Schweißgebadet schlug sie die Augen auf. Die Sonnenstrahlen stahlen sich durch das Fenster auf ihre weiche Haut und liebkosten jeden einzelnen Fleck, den sie erhaschen konnten. Rasch zog sie sich ihren Morgenmantel über und setzte sich auf. Was für ein Traum ... Es war an der Zeit, dass sie Licht in die Dunkelheit brachte.

Der Traum war schnell vergessen. Sie hatte auf dem Markt einiges an Speis und Trank erstehen können, welches sie in einen schönen Beutel packen lies. Sie würde es Aram vorbei bringen, um ihm nach den Tagen der Not eine kleine Freude zu bereiten. Er freute sich wirklich darüber und beide sprachen noch eine ganze Weile miteinander. Er fragte sie, ob sie Silvan besser kannte. Aber wer konnte bei Silvan schon von kennen sprechen? Schnell entschuldigte er sich für die Frage, worauf Ana nur schmunzeln konnte. Oftmals vergaß sie selbst, wer sie überhaupt war. Als volksnah betitelte er sie, sie wusste jedoch nicht, ob sie jenes als Kompliment ansehen sollte. Ihr war selbst bewusst, dass sie Distanz wahren musste, aber manchmal war ihr das gar nicht so geheuer und sie ertappte sich immer wieder dabei, wie sie sich auch mit dem normalen Volk abgab. Und das auch noch gern. Nichts desto trotz musste sie sich dennoch verabschieden, die Arbeit rief. Immerhin wollte sie bis zum Abend noch einige Lektionen lernen.

Die Nacht war längst herein gebrochen. Ana spürte die Müdigkeit in ihren Knochen, das lange Sitzen war gar nicht so gut. Auch, wenn sie sich immer einer aufrechten Haltung bemühte, irgendwann fühlte sie sich, als habe sie einen Stock in ihrem Gesäß. Erst, als es an der Tür klopfte raffte sie sich auf und schlich sich zur Türe, um erkennen zu können, wer sich davor befand. Sie hätte nicht unbedingt raten müssen, es war zu einer solchen Tageszeit fast normal, dass Silvan sich vor ihrer Tür einfand. Eine kurze Begrüßung, dann trat er ein.
Das Gespräch hatte sie sich anders vorgestellt. Sie unterstellte ihm Dinge, die sie ihm eigentlich gar nicht unterstellen wollte. Er würde Spielchen mit ihr spielen. Er war fassungslos, wurde wütend. Erklärte ihr, dass gestern jemand vor ihr stand ohne die schützende Maske, kein Kampfmagier, kein Hofmagier, ein ganz normaler Mensch mit Gefühlen. Und ja, genau das war ihr bewusst geworden. Er schmetterte ihr entgegen, dass er zum Zeitpunkt ihres Kennenlernens Silvan von Dragenfurt war und sie Ana-Milena von Weylenstein. Er, der auf der Suche nach einer Frau war. Sie waren sich anfangs so fremd. Und er, wie er sich erklärte. Er habe verstanden, dass sie an jemandem interessiert sei, der „natürlicher“ sei. Natürlicher – hatte er sich nun für sie verstellt? Sie erklärte ihm, was in ihr vorging. „Glaubt ihr, es ist einfach für mich? Ein liebendes Herz gebrochen sehen, das möchte ich nicht!“ entgegnete sie und bereute es im nächsten Augenblick auch schon, was sie da sagte. Beschämt, wütend und traurig zugleich verbarg sie ihr Gesicht. Sie wollte die Tränen verstecken, die sich in ihren Augenwinkel sammelten. Er ging auf sie zu, legte seine Fingerspitzen an ihr Kinn. Aus der Gewohnheit heraus hob sie ihr Kinn ein Stück an, nicht allzu weit, schließlich wollte sie verbergen, dass sie wegen ihm Tränen in den Augen hatte. Viel zu schnell verging der Moment, als die seinen Lippen ihre berührten. Viel zu schnell war jener Moment vorbei, als das sie es hätte erwidern können. „Hebt Euch das Gefühl auf, ich werde die Etikette nicht erneut brechen!“ - so oder so ähnlich waren seine eigenen Worte. Und sie schickte ihn mit einem Schmunzeln auf den Lippen fort, um jegliche weitere Brüche zu vermeiden. Und so setzte sie sich seufzend auf die kleine Bank in ihrem Zimmerchen. Als sie dann nach gefühlten fünf Stunden endlich ins Bett ging, leerte sie den Briefkasten. Zwar dachte sie nicht daran, etwas darin zu finden, doch war ein Schreiben aufzufinden. Sie las es. Die Worte, welche an sie entrichtet waren, schmeichelten ihr. Und verwirrten zugleich. Wie schön. Nun hatte sie Schmetterlinge im Bauch, weil ein Kuss ihr die Sinne benebelt hatten und jener unter Beweis stellte, dass es dem Freiherren wohl wirklich ernst war. Dazu noch Briefe von einem unbekannten Verehrer und die Gedanken an ihre erste, große Liebe: Philipp.

Wo sollte das nur hinführen?

Verfasst: Montag 8. September 2008, 14:24
von Ana von Weylenstein
Noch immer saß sie nach dem "gelungenen" Abend zuhause an ihrem Schreibtisch. Sie konnte kein Auge zumachen, so wütend war sie auf sich selbst. Woher sollte sie denn wissen, mit wem sie sich da unterhielt? Und warum wurde letztendlich sie dafür verantwortlich gemacht? Und warum platzte Silvan immer dann herein, wenn sie irgendwelche Gespräche führte? Sei es bei Aram oder nun am heutigen Abend. Natürlich, er hatte sich entschuldigt. Aber was war das wert?

Innerlich hatte sich an diesem Abend wieder alles zusammen gezogen. Ihr Magen fing an zu krampfen und lies sie Übelkeit verspüren. Die Angst, die sich in ihr ausbreitete war entsetzlich. War das, worauf sie sich da einließ, richtig?
Sie hatte mit Antarian nach dem Gespräch bei Silvan noch gesprochen. Sie hatte ihm durch die Blume gestanden, dass sie doch Gefühle für ihn hatte. Aber waren diese richtig? War das wirklich etwas, was sie tun sollte? Oder sollte sie nun anfangen sich zurück zu ziehen?
Sie solle mit ihm sprechen. Ja, vielleicht sollte sie Silvan das sagen, was sie Antarian gesagt hatte: Ihr tat das ewige hin und her weh.

Noch immer saß sie über einem Brief an Silvan. Aber sie schaffte es nicht, ihre Worte auf Papier zu bringen. Sie wusste nun auf jeden Fall, warum sie neuerlich so etwas wie Liebe hasste. Und würde sich der Herr mit seinem Temperament nicht zusammenreissen würde es für sie keine Zukunft geben. Denn das konnte sie in dieser Form nicht ertragen.

Verfasst: Montag 15. September 2008, 00:35
von Ana von Weylenstein
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Während sie die Worte auf Papier schrieb perlten einige Tränen von ihrer Wange ab. Warum weinte sie? Vor Glück? Oder war es doch Trauer?

Wie lange war sie nun schon hier? Einen Mondlauf? Zwei? Sie war froh, wieder bei ihrem Bruder zu sein und seitdem sie das Haus hatten lief alles noch viel besser. Sie gewöhnte sich an ihren Standpunkt, an das, was sie nun war. Eine Freiin. Auch die Einrichtung nahm langsam Züge an und das Personal sammelte sich um sie herum. Sie selbst war in der glücklichen Position, dass es einen Mann gab, der um sie warb - Silvan.

Dass ihr Bruder ihr genehmigt hatte mit ihm nach Fuachtero zu fahren war für sie wohl das größte Geschenk. Und nachdem sie die beiden Angurer in der Taverne in Bajard noch kennengelernt hatte, war sie noch viel begeisterter von der Idee. Auch wenn der eine etwas gestunken hatte fand sie das Volk faszinierend auf die eigene Art und Weise. Vielleicht würde es den beiden ganz gut tun und ein Stück weit zusammenschweißen. Es war eine Probe für das, was vielleicht einmal auf sie zukommen würde. - Ein gemeinsames Leben. Sie hatte sich für diesen Weg entschieden und irgendwie war sie froh darüber. Die Wärme, die sie hier spürte, war unglaublich. Auch, wenn sich teilweise eine innere Kälte über ihre Seele gelegt hatte, nachdem sie sich das erste Mal mit Silvan in den Haaren hatte. Manchmal war es einfach so, so.. anders. Sie war es nicht gewohnt, solche Gefühle für einen Menschen aufzubringen. Damals, als sie noch zuhause war, mit Philipp, war das etwas ganz anderes. Ja, Philipp. Es tat im Herz weh, dass er ihr nicht einmal auf einen der Briefe, die sie ihm geschrieben hatte, geantwortet hatte. Selbst bei ihrer Heimreise, dem Besuch vor zwei Wochen, war er nicht zugegen. Er wollte sie nicht sehen, zu tief war wohl sein Schmerz über das, was sie ihm angetan hatte. Aber manchmal führten die Wege eben fort. Fort von dem, was einem einst lieb war.

Sie hob den Blick an und sah auf das Geschriebene. Ohne jegliches Wort legte sie jenes zur Seite. Wenn sie nur mehr Zeit hätten ... aber die Pflichten hielten sie beide voneinander fern. Sie sah das Bild schon vor sich, dass sie irgendwann heiraten würden, aber im Grunde kaum kannten ... seufzend öffnete sie ihren Zopf und lies die langen Haare über ihren Rücken hinabfallen. Es wurde Zeit, dass sie ins Bett kam.