Politik und die Frage des Blickwinkels
Verfasst: Donnerstag 21. August 2008, 19:45
(Thread gerne für andere offen)
Roghan - zurück an die Krone. Stolzenfels - zurück an die Krone. Drachenfels - es wurde nur wiederholt, was allen bereits klar war. Gleichzeitig schien seine herzogliche Hoheit Theobald vom Eirensee die Knappen regelrecht anspornen zu wollen, sich mit Verdiensten für das Reich eines dieser Lehen würdig zu machen. Es wehte ein scharfer Wind, und in den ersten Minuten wusste Darna nicht recht, was sie von all dem halten sollte: es klang gut und schlecht zugleich.
"Ich kündige an, dass der hohe Rat der Krone eine neue Politik anstrebt. Der hohe Rat wird eines Tages nur noch eine beratende Funktion innehaben. Dieser Tag rückt unausweichlich näher. Der hohe Rat möchte das Reich in bestem Zustand übergeben. Die Zeit des Wegsehens wird ein Ende finden. Wir werden mehr erwarten... mehr erwarten, was das Zurückdrängen der Aufständigen im Westen betrifft. Wir werden mehr erwarten, was die Achtung der hohen Häupter vor dem Glauben betrifft, aber ebenso werden wir auch von den Eminenzen mehr erwarten.
Ich bin froh, dass noch viele Gespräche vor mir liegen und nicht der heutige Eindruck allein entscheidend ist. Ich mag vielen nun Unrecht tun, aber keine weinerlichen Worte werden dem hohen Rat helfen, wenn es daran ist, das Reich zu übergeben und Erklärungen zu finden, und deswegen wird auch der hohe Rat diese Worte nicht akzeptieren.
Ich weiß, dass viele sich bemühen." Er machte eine kurze Pause, "der hohe Rat weiß das zu schätzen, wenn das Bemühen in ein Gelingen mündet."
Es klang nach Tatendrang, es klang nach der Forderung nach Fakten und Erfolgen. Es klang gut. Sie war inzwischen selber lange genug im Geschäft, um die vielen "aber" und Einschränkungen zu kennen, die solchen Forderungen folgten. Anspruch und Wirklichkeit. Diese Forderungen mussten immer wieder sein, ehe alles erlahmte. Doch wie weit würde der Rat mit sich über das verhandeln lassen, wo man mit Teilerfolgen zufrieden sein musste, wie lange durften stillstehende Fronten akzeptiert und gutgeheißen werden?
"Ein jeder kann so sein Handeln prüfen und sich dem hohen Rat empfehlen. Es gibt jedoch einen, der dies bereits vollbracht hat. Ich möchte darum bitten, daß sich erhebt und vortritt..."
Lange blickte der Herzog durch die Runde, und sie sah selber grübelnd und mit noch schweifenden Gedanken durch die Gesichter. Eine aktuell anliegende Ehrung? Tilianas war erst heute dem Herzog vorgestellt worden. Silvan... nein, da hing die Gerichtsverhandlung im Raum, an der sich etwas entscheiden würde, wenn. Eben war Rafael bekanntgemacht worden, daß er nun das Erbe seines Vaters Arthur antrat und Titelherr von Arganta war. Kurzer Argwohn hatte sich dabei geregt: hofften sie, ihn damit von hier weg und in das Lehen zu ziehen? Eher würde er sich den Arm abschneiden, dafür brauchte sie Rafael nicht mal anzusehen. Was hing in der Luft?
"Seine königliche Hoheit Graf Adrian von Hohenfels."
Man mochte nun vorfreudige Neugier erwarten - doch es war Hohenfels. Und der Kronrat. Wer durch die Reihen der Personen sah, fand in Darna einen Wachhund, der geweckt lauschend den Kopf angehoben hatte, und Rafael wippte ein wenig auf dem Stuhl vor... aus Interesse, wenn man ihn nicht kannte - bereit, jeden nächsten Moment aufzuspringen.
"Ihr, Eure königliche Hoheit, habt eines der schwierigsten Lehen des Reiches. Ihr habt viel entbehren müssen und viele Schlachten und Kriege gegen die widerwärtigen Horden bestreiten müssen."
Das entsprach den Tatsachen, doch ihr schmeckten die Worte nicht. Sie klangen ihr nett ausgesprochen nach dem, worüber sie sich einst mit Silvan gestritten hatte. Theobald lächelte Adrian zu, und ihr lauernder Blick lag darauf: war es eines dieser falschen Lächeln?
"Es gibt bei der folgenden Verkündung zwei Hintergründe: Der hohe Rat der Krone will sich verstärkt wissen, um jemanden höchster Integrität und Erfahrung mit den Aufständigen, jemand der sich in der Praxis vielfach verdient gemacht hat. Über Jahre hinweg dem Reich und der Krone diente. Und bei all den Dingen, die ich im Verlauf des Tages unliebsam und kritisch anmerkte, gilt Euch daher auch meine ganz persönliche Anerkennung."
Es klang tadellos, es klang gut, es ... ließ ihre Alarmglocken noch immer Sturm läuten, mit jedem Wort mehr: "Dazu kommt natürlich, dass der Kronprinz verständlicherweise bestrebt ist, die
Familie möglichst oft zusammen zu haben."
"Und den Kronrat freut das, weil er dann nicht hier ist, wo schwerer erreichbar ist, man ihn schwerer beobachten und kontrollieren kann..." Sollte sie diesem innerlichen Knurren glauben?
"Somit...", Theobald überreichte ihm eine Schriftrolle, die letzte des vorigen Stapels, "Werdet ihr Graf Adrian von Hohenfels in den hohen Rat der Krone aufgenommen."
"Das stand doch eh schon lange fest." Sie furchte leicht die Stirn - und behielt recht, der Haken kam erst noch, während Adrian sich bereits bedanken wollte.
"Im gleichen Zuge wird das Lehen in der Krone treue Hände übergeben."
"Das kann er nicht meinen wie bei den anderen Lehen, oder?"
"Ihr sollt eure Tätigkeit im hohen Rat der Krone voller Aufmerksamkeit ausführen können."
"Sie wollen ihn hier weg haben. Scheinbar mit allen Mitteln. Dafür versuchen sie ihn jetzt nicht allen Ernstes zu enteignen?"
"Zeitnah wird Gräfin Valentina von Sternwall hier eintreffen."
"... ... Gräfin. Statt... Gräfin, hier... Gräfin, statt... WAS?!"
"Ich bin mir sicher, dass euer Wissen und Können eine saubere Übergabe garantieren. Meine persönlichen Glückwünsche, Eure königliche Hoheit."
"Weggelobt. Das ist ein Wegloben. Und das... das hier..."
"Wie kannst du...", erklangen später ihre und Adrians Stimme leise im Gartenlabyrinth des Schlosses, nachdem das Mahl aufgrund der Stimmung aufgehoben war - fast hätte sie ihr Glas in der Hand zerbrochen.
"Wie konnte ich was... mich der Order nicht widersetzen?"
Er drehte sie zu sich und sie sah ihn mit bebenden Lippen wie vor den Kopf geschlagen an. "Du bist... sie können doch nicht... das hier ist ein Grafenlehen, das Lehen deines Blutes, das hier ist doch kein Rittergut, aus dem sie dich mal eben wegloben können!"
"All das ist es.. ich werde mich mühen, zumindestens einen Haushalt hier aufbauen zu dürfen.
Es ist meine Heimat und ja ich liebe es.. jeden .. Halm... Doch wie würden sie es werten, doch wohl als Untreue zur Krone .." Er presste die Lippen zusammen. "Ich bin gewiss, es war Adors .. und Isidors persönlicher Wunsch, mich näher zu wissen. Ich hoffe, dass es dies ist.. sie sind der Rest meiner Familie."
"Adrian... Das ist dein Schloß! Du bist doch kein Beamter, und ja, sowas ist ein
Grund für Revolte, das kann der Kronrat doch nicht machen! Das ist Willkür! Was soll der nächste Graf denn denken, daß er mal eben so abgesetzt werden kann??"
Schon eine Baronie zu enteignen, war eine reichliche Dreistigkeit. Sie fand auf die Frage, was sich der Kronrat daraus für Konsequenzen erwartete, keine Antwort. Welcher Adelige stimmte so einer Maßnahme zu, ohne mit Fug und Recht dann auch um seinen eigenen Familienstammsitz fürchten zu müssen? "Das kann doch nicht ihr Ernst sein."
Was ging hier vor sich?
Der Abend wurde noch lang... und er wurde dunkel. Sehr dunkel. Bis ihr klar wurde, daß sie überall nur noch Schatten und Dolche sah. Aus jenen Reihen, die doch auf der gleichen Seite stehen sollten wie sie, wie sie alle, Adrian, Rafael...
"Sind Eure Worte und meine Befürchtungen wahr, so wird das Reich von einem... Natternnest regiert, Silvan", sollte sie später noch sagen. Es war weder das letzte Wort noch die letzte Sorge.
"...und die Menschen fingen an, sich gegenseitig zu misstrauen. Sie hatten Angst, dass Alatar unter ihnen war, denn sie wussten nichts von seiner Gestalt. ..."
Roghan - zurück an die Krone. Stolzenfels - zurück an die Krone. Drachenfels - es wurde nur wiederholt, was allen bereits klar war. Gleichzeitig schien seine herzogliche Hoheit Theobald vom Eirensee die Knappen regelrecht anspornen zu wollen, sich mit Verdiensten für das Reich eines dieser Lehen würdig zu machen. Es wehte ein scharfer Wind, und in den ersten Minuten wusste Darna nicht recht, was sie von all dem halten sollte: es klang gut und schlecht zugleich.
"Ich kündige an, dass der hohe Rat der Krone eine neue Politik anstrebt. Der hohe Rat wird eines Tages nur noch eine beratende Funktion innehaben. Dieser Tag rückt unausweichlich näher. Der hohe Rat möchte das Reich in bestem Zustand übergeben. Die Zeit des Wegsehens wird ein Ende finden. Wir werden mehr erwarten... mehr erwarten, was das Zurückdrängen der Aufständigen im Westen betrifft. Wir werden mehr erwarten, was die Achtung der hohen Häupter vor dem Glauben betrifft, aber ebenso werden wir auch von den Eminenzen mehr erwarten.
Ich bin froh, dass noch viele Gespräche vor mir liegen und nicht der heutige Eindruck allein entscheidend ist. Ich mag vielen nun Unrecht tun, aber keine weinerlichen Worte werden dem hohen Rat helfen, wenn es daran ist, das Reich zu übergeben und Erklärungen zu finden, und deswegen wird auch der hohe Rat diese Worte nicht akzeptieren.
Ich weiß, dass viele sich bemühen." Er machte eine kurze Pause, "der hohe Rat weiß das zu schätzen, wenn das Bemühen in ein Gelingen mündet."
Es klang nach Tatendrang, es klang nach der Forderung nach Fakten und Erfolgen. Es klang gut. Sie war inzwischen selber lange genug im Geschäft, um die vielen "aber" und Einschränkungen zu kennen, die solchen Forderungen folgten. Anspruch und Wirklichkeit. Diese Forderungen mussten immer wieder sein, ehe alles erlahmte. Doch wie weit würde der Rat mit sich über das verhandeln lassen, wo man mit Teilerfolgen zufrieden sein musste, wie lange durften stillstehende Fronten akzeptiert und gutgeheißen werden?
"Ein jeder kann so sein Handeln prüfen und sich dem hohen Rat empfehlen. Es gibt jedoch einen, der dies bereits vollbracht hat. Ich möchte darum bitten, daß sich erhebt und vortritt..."
Lange blickte der Herzog durch die Runde, und sie sah selber grübelnd und mit noch schweifenden Gedanken durch die Gesichter. Eine aktuell anliegende Ehrung? Tilianas war erst heute dem Herzog vorgestellt worden. Silvan... nein, da hing die Gerichtsverhandlung im Raum, an der sich etwas entscheiden würde, wenn. Eben war Rafael bekanntgemacht worden, daß er nun das Erbe seines Vaters Arthur antrat und Titelherr von Arganta war. Kurzer Argwohn hatte sich dabei geregt: hofften sie, ihn damit von hier weg und in das Lehen zu ziehen? Eher würde er sich den Arm abschneiden, dafür brauchte sie Rafael nicht mal anzusehen. Was hing in der Luft?
"Seine königliche Hoheit Graf Adrian von Hohenfels."
Man mochte nun vorfreudige Neugier erwarten - doch es war Hohenfels. Und der Kronrat. Wer durch die Reihen der Personen sah, fand in Darna einen Wachhund, der geweckt lauschend den Kopf angehoben hatte, und Rafael wippte ein wenig auf dem Stuhl vor... aus Interesse, wenn man ihn nicht kannte - bereit, jeden nächsten Moment aufzuspringen.
"Ihr, Eure königliche Hoheit, habt eines der schwierigsten Lehen des Reiches. Ihr habt viel entbehren müssen und viele Schlachten und Kriege gegen die widerwärtigen Horden bestreiten müssen."
Das entsprach den Tatsachen, doch ihr schmeckten die Worte nicht. Sie klangen ihr nett ausgesprochen nach dem, worüber sie sich einst mit Silvan gestritten hatte. Theobald lächelte Adrian zu, und ihr lauernder Blick lag darauf: war es eines dieser falschen Lächeln?
"Es gibt bei der folgenden Verkündung zwei Hintergründe: Der hohe Rat der Krone will sich verstärkt wissen, um jemanden höchster Integrität und Erfahrung mit den Aufständigen, jemand der sich in der Praxis vielfach verdient gemacht hat. Über Jahre hinweg dem Reich und der Krone diente. Und bei all den Dingen, die ich im Verlauf des Tages unliebsam und kritisch anmerkte, gilt Euch daher auch meine ganz persönliche Anerkennung."
Es klang tadellos, es klang gut, es ... ließ ihre Alarmglocken noch immer Sturm läuten, mit jedem Wort mehr: "Dazu kommt natürlich, dass der Kronprinz verständlicherweise bestrebt ist, die
Familie möglichst oft zusammen zu haben."
"Und den Kronrat freut das, weil er dann nicht hier ist, wo schwerer erreichbar ist, man ihn schwerer beobachten und kontrollieren kann..." Sollte sie diesem innerlichen Knurren glauben?
"Somit...", Theobald überreichte ihm eine Schriftrolle, die letzte des vorigen Stapels, "Werdet ihr Graf Adrian von Hohenfels in den hohen Rat der Krone aufgenommen."
"Das stand doch eh schon lange fest." Sie furchte leicht die Stirn - und behielt recht, der Haken kam erst noch, während Adrian sich bereits bedanken wollte.
"Im gleichen Zuge wird das Lehen in der Krone treue Hände übergeben."
"Das kann er nicht meinen wie bei den anderen Lehen, oder?"
"Ihr sollt eure Tätigkeit im hohen Rat der Krone voller Aufmerksamkeit ausführen können."
"Sie wollen ihn hier weg haben. Scheinbar mit allen Mitteln. Dafür versuchen sie ihn jetzt nicht allen Ernstes zu enteignen?"
"Zeitnah wird Gräfin Valentina von Sternwall hier eintreffen."
"... ... Gräfin. Statt... Gräfin, hier... Gräfin, statt... WAS?!"
"Ich bin mir sicher, dass euer Wissen und Können eine saubere Übergabe garantieren. Meine persönlichen Glückwünsche, Eure königliche Hoheit."
"Weggelobt. Das ist ein Wegloben. Und das... das hier..."
"Wie kannst du...", erklangen später ihre und Adrians Stimme leise im Gartenlabyrinth des Schlosses, nachdem das Mahl aufgrund der Stimmung aufgehoben war - fast hätte sie ihr Glas in der Hand zerbrochen.
"Wie konnte ich was... mich der Order nicht widersetzen?"
Er drehte sie zu sich und sie sah ihn mit bebenden Lippen wie vor den Kopf geschlagen an. "Du bist... sie können doch nicht... das hier ist ein Grafenlehen, das Lehen deines Blutes, das hier ist doch kein Rittergut, aus dem sie dich mal eben wegloben können!"
"All das ist es.. ich werde mich mühen, zumindestens einen Haushalt hier aufbauen zu dürfen.
Es ist meine Heimat und ja ich liebe es.. jeden .. Halm... Doch wie würden sie es werten, doch wohl als Untreue zur Krone .." Er presste die Lippen zusammen. "Ich bin gewiss, es war Adors .. und Isidors persönlicher Wunsch, mich näher zu wissen. Ich hoffe, dass es dies ist.. sie sind der Rest meiner Familie."
"Adrian... Das ist dein Schloß! Du bist doch kein Beamter, und ja, sowas ist ein
Grund für Revolte, das kann der Kronrat doch nicht machen! Das ist Willkür! Was soll der nächste Graf denn denken, daß er mal eben so abgesetzt werden kann??"
Schon eine Baronie zu enteignen, war eine reichliche Dreistigkeit. Sie fand auf die Frage, was sich der Kronrat daraus für Konsequenzen erwartete, keine Antwort. Welcher Adelige stimmte so einer Maßnahme zu, ohne mit Fug und Recht dann auch um seinen eigenen Familienstammsitz fürchten zu müssen? "Das kann doch nicht ihr Ernst sein."
Was ging hier vor sich?
Der Abend wurde noch lang... und er wurde dunkel. Sehr dunkel. Bis ihr klar wurde, daß sie überall nur noch Schatten und Dolche sah. Aus jenen Reihen, die doch auf der gleichen Seite stehen sollten wie sie, wie sie alle, Adrian, Rafael...
"Sind Eure Worte und meine Befürchtungen wahr, so wird das Reich von einem... Natternnest regiert, Silvan", sollte sie später noch sagen. Es war weder das letzte Wort noch die letzte Sorge.
"...und die Menschen fingen an, sich gegenseitig zu misstrauen. Sie hatten Angst, dass Alatar unter ihnen war, denn sie wussten nichts von seiner Gestalt. ..."