Der Fächer
Verfasst: Samstag 9. August 2008, 12:32
Der Fächer
Restrospektive auf Vergangenes
Seine Finger glitten über die Fläche, die sich unter seinen Händen so weiß wie Schnee gab, jeden Schimmer des spärlichen Lichtes an seinem Sekretär wieder, strahlend und rein, strahlend und rein. Von Ranken, die die Schneedecke durchbrachen, führten diese hier und dort ihren Weg, um in goldgelben und karmesinroten Blütenkelchen zu Enden, einen ewiglichen Frühlingsbeginn zeichnend, der sich niemals zum einen oder anderen hinwenden würde.
Es waren bereits einige Tage vergangen, seit seine Finger das erste mal die schneeweiße Stoffbahn berührte, die zierend mit ihrer Bestickung ein schönes, zum Nachdebken anregendes wie auch inspirierendes Schmuckstück darstellten, gefasst von zweier Stäbe aus kostbarem Elfenbein war dieser Fächer nicht nur von seiner Machart her wertvoll. Die Hände des jungen Adeligen glitten wieder und wieder über die stoffliche Oberfläche dieses Stückes, viele Abende darüber zu philosophieren.
Wie war es zu ihm gekommen? War es ein Zufall, gar ein Missgeschick der Besitzerin, oder gar pure Absicht, das dieses Stück den Weg in seine Hände fand? Er konnte sich keinen Reim auf den Hergang der Ereignisse machen, und die Stunden verstrichen Abermals im Flackern des Scheines der Öllampe, die seine Arbeitsgemächer in ein warmes, flackerndes Licht tauchte, das immer wieder die Geister seiner Vergangenheit, der Gegenwart und jene der Zukunft zu beschwören schien, das sie ihren bedrohlichen Tanz als Schatten an seinen Zimmerwänden zu vollführen, stets mahnend und erinnernd, alte Wunden aufreißend, jüngere mit Salz zu bestreuen oder die Kunde neuerlicher Veränderungen zu tragen. Es waren die Veränderungen, die er begann zu fürchten. Wann immer Veränderungen in sein Leben traten, brachten sie im gleichen Maß sowohl Freude als auch Leid in sein Leben, ewiglich ausgeglichen.
Es begann damit, das ihn der Krieg aus seiner Heimat riss, ihn in einer lehrreichen und angesehenen Fakultät studieren ließ, doch seine Familie durch seinen Lehrmeister ersetzte, sein Bett daheim durch den Strohsack im Lazarett, seine Geschwister durch Schicksalsgleiche und Kommilitonen, seine Jugend durch ein frühes Erwachsensein. Die Blicke jener, die unter seinen Händen vergingen, sie, sie waren die Dämonen seiner Vergangenheit.
Seine Wege führten in fern über Wasser und Land, in die Tore Varunas, dort war ihm etwas hold, doch nur der Schimmer der Bürgerlichkeit, der er längst entwachsen war, schützte dieses Heiligtum und fiel wie ein Kartenhaus, das im Sturm zu bestehen suchte, als seine Offenbahrung sich vollzog und die Dinge nun einen anderen Wandel nahmen, und so seine Eidpflichtigkeit unter Probe stellten contra seinem Willen, sein Herz mit mehr als nur Wissen und der Erinnerung an leere, toten Blicke zu füllen. Diese Gegebenheit, so schien es ihn, war der Dämon der ihm die hässliche Fratze seiner Gegenwart in einem Spiegel entgegentrug.
Die Zukunft jedoch blieb ihm Schleierhaft, so hatte seine Erinnerung nicht verdrängt, welche Regungen ihn berührten, an jenem Abend, an dem er dieses Artefakt erlangte, was diesem Augenblick zuvor ging und was sein Auge in seinen Geist gebannt hatte. Die Blicke, die Worte, berauscht wie von jungem und süssem Wein schien es ihm, das die Lasten der Vergabgenheit als auch der Gegenwart von seinen Schultern getragen wurden, auf einer Wolke der Bezauberung, deren letzte Wirkung noch immer seinen Geist benebelte, als er mit nachdenklicher Miene wieder über die bestickte Seide dieses Fächers strich, der ihn die Manifestation zumindest der Ankündigung des Dämons seiner Zukunft zu sein schien.
Der Duft auf der Stoffbahn war fast verblasst, doch eine blühende Wiese im jungen Frühling, im Wiedererwachen des Lebens auf der Welt, mochte nicht besser zu duften, und der Wolkenverschleierte Blick auf die zwei Edelsteingleichen augen, die ihn anfunkelten, ihn entzückten und ihm die Ruhe raubten.
Er wusste, wessen Fächer er trug, er wusste, das er seinen Plagegeistern entgegentreten wollte, ja musste. Das Schicksal war etwas, das sich nicht vertreiben ließ, allein aufschiebend, doch niemals vollkommen abwendend. Seine Neugierde war zu groß, sein Drang, diesem Ereignis nachzugehen, unwiderstehlich.
Anetta. Fräulein Anetta, verbesserte er in Gedanken sich selbst, die Distanz, die er längst unterlaufen hatte, wieder zumindest im Anschein herzustellen.
Mit diesem Gedanken klappte er den Fächer ,ganz auf die ihre Weise, mit einem vernehmlichen Klacken zusammen, und legte ihn beiseite, entschlossen, dem Weg der sich dort bot, zumindest einen Besuch abzustatten, aber für den Augenblick musste er wieder in den Rahmen der Normalität zurück kehren.
Doch der Schwung der Muse begleitete ihn noch für den Rest des Abends in einer mysteriösen Weise, und auf dem Tisch, den er verwaist zurück ließ, fand sich ein Schriftstück, das ihm wenige Tage zuvor zugestellt wurde…
Restrospektive auf Vergangenes
Seine Finger glitten über die Fläche, die sich unter seinen Händen so weiß wie Schnee gab, jeden Schimmer des spärlichen Lichtes an seinem Sekretär wieder, strahlend und rein, strahlend und rein. Von Ranken, die die Schneedecke durchbrachen, führten diese hier und dort ihren Weg, um in goldgelben und karmesinroten Blütenkelchen zu Enden, einen ewiglichen Frühlingsbeginn zeichnend, der sich niemals zum einen oder anderen hinwenden würde.
Es waren bereits einige Tage vergangen, seit seine Finger das erste mal die schneeweiße Stoffbahn berührte, die zierend mit ihrer Bestickung ein schönes, zum Nachdebken anregendes wie auch inspirierendes Schmuckstück darstellten, gefasst von zweier Stäbe aus kostbarem Elfenbein war dieser Fächer nicht nur von seiner Machart her wertvoll. Die Hände des jungen Adeligen glitten wieder und wieder über die stoffliche Oberfläche dieses Stückes, viele Abende darüber zu philosophieren.
Wie war es zu ihm gekommen? War es ein Zufall, gar ein Missgeschick der Besitzerin, oder gar pure Absicht, das dieses Stück den Weg in seine Hände fand? Er konnte sich keinen Reim auf den Hergang der Ereignisse machen, und die Stunden verstrichen Abermals im Flackern des Scheines der Öllampe, die seine Arbeitsgemächer in ein warmes, flackerndes Licht tauchte, das immer wieder die Geister seiner Vergangenheit, der Gegenwart und jene der Zukunft zu beschwören schien, das sie ihren bedrohlichen Tanz als Schatten an seinen Zimmerwänden zu vollführen, stets mahnend und erinnernd, alte Wunden aufreißend, jüngere mit Salz zu bestreuen oder die Kunde neuerlicher Veränderungen zu tragen. Es waren die Veränderungen, die er begann zu fürchten. Wann immer Veränderungen in sein Leben traten, brachten sie im gleichen Maß sowohl Freude als auch Leid in sein Leben, ewiglich ausgeglichen.
Es begann damit, das ihn der Krieg aus seiner Heimat riss, ihn in einer lehrreichen und angesehenen Fakultät studieren ließ, doch seine Familie durch seinen Lehrmeister ersetzte, sein Bett daheim durch den Strohsack im Lazarett, seine Geschwister durch Schicksalsgleiche und Kommilitonen, seine Jugend durch ein frühes Erwachsensein. Die Blicke jener, die unter seinen Händen vergingen, sie, sie waren die Dämonen seiner Vergangenheit.
Seine Wege führten in fern über Wasser und Land, in die Tore Varunas, dort war ihm etwas hold, doch nur der Schimmer der Bürgerlichkeit, der er längst entwachsen war, schützte dieses Heiligtum und fiel wie ein Kartenhaus, das im Sturm zu bestehen suchte, als seine Offenbahrung sich vollzog und die Dinge nun einen anderen Wandel nahmen, und so seine Eidpflichtigkeit unter Probe stellten contra seinem Willen, sein Herz mit mehr als nur Wissen und der Erinnerung an leere, toten Blicke zu füllen. Diese Gegebenheit, so schien es ihn, war der Dämon der ihm die hässliche Fratze seiner Gegenwart in einem Spiegel entgegentrug.
Die Zukunft jedoch blieb ihm Schleierhaft, so hatte seine Erinnerung nicht verdrängt, welche Regungen ihn berührten, an jenem Abend, an dem er dieses Artefakt erlangte, was diesem Augenblick zuvor ging und was sein Auge in seinen Geist gebannt hatte. Die Blicke, die Worte, berauscht wie von jungem und süssem Wein schien es ihm, das die Lasten der Vergabgenheit als auch der Gegenwart von seinen Schultern getragen wurden, auf einer Wolke der Bezauberung, deren letzte Wirkung noch immer seinen Geist benebelte, als er mit nachdenklicher Miene wieder über die bestickte Seide dieses Fächers strich, der ihn die Manifestation zumindest der Ankündigung des Dämons seiner Zukunft zu sein schien.
Der Duft auf der Stoffbahn war fast verblasst, doch eine blühende Wiese im jungen Frühling, im Wiedererwachen des Lebens auf der Welt, mochte nicht besser zu duften, und der Wolkenverschleierte Blick auf die zwei Edelsteingleichen augen, die ihn anfunkelten, ihn entzückten und ihm die Ruhe raubten.
Er wusste, wessen Fächer er trug, er wusste, das er seinen Plagegeistern entgegentreten wollte, ja musste. Das Schicksal war etwas, das sich nicht vertreiben ließ, allein aufschiebend, doch niemals vollkommen abwendend. Seine Neugierde war zu groß, sein Drang, diesem Ereignis nachzugehen, unwiderstehlich.
Anetta. Fräulein Anetta, verbesserte er in Gedanken sich selbst, die Distanz, die er längst unterlaufen hatte, wieder zumindest im Anschein herzustellen.
Mit diesem Gedanken klappte er den Fächer ,ganz auf die ihre Weise, mit einem vernehmlichen Klacken zusammen, und legte ihn beiseite, entschlossen, dem Weg der sich dort bot, zumindest einen Besuch abzustatten, aber für den Augenblick musste er wieder in den Rahmen der Normalität zurück kehren.
Doch der Schwung der Muse begleitete ihn noch für den Rest des Abends in einer mysteriösen Weise, und auf dem Tisch, den er verwaist zurück ließ, fand sich ein Schriftstück, das ihm wenige Tage zuvor zugestellt wurde…