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Angriff auf das Räuberlager

Verfasst: Samstag 9. August 2008, 07:03
von Rafael von Arganta
Die Nacht über verbrachte er wie so oft in der Kirche Varunas.
Leise im Gebet für jene die heute in den Kampf ziehen würden und für jene armen Seelen die diesen Kampf nicht überleben würden.
Egal auf welcher Seite.
Natürlich hoffte Rafael das diese Banditen so schlau waren sich der Übermacht zu ergeben doch aus Erfahrung ob des einmaligen Zusammentreffens mit ihm und einigen Leuten, wusste er das sie so dumm sein Konnten.
Damals kämpften sie bis zum letzten Mann, trotz des dauernden Angebotes sich ergeben zu können.

Der Angriff heute war auch Hoffnung für die Lichten Streitmächte.
Seite an Seite standen die verschiedensten Vereinigungen, diesmal geführt von Oberst Toberen.
Auf Geheiss des Grafen würden sie sich alle unter einem Banner vereinen.
Dem Hohenfelser.
Das Regiment, die Allianz, Bruderschaft, Gemeinschaft von Reensdorf der Orden der Temora, und die Kirche würde diesen Trupp begleiten.
Würden diese Banditen wirklich so dumm sein kämpfen zu wollen?
Rafael hoffte es einfach nicht, betete das man ohne Verluste eine Lösung fand.
Aber Anrücken würde man.

Er selber würde zum ersten Male nicht mit in eine Schlacht reiten, und dennoch fieberte er wie so oft.
Varuna musste geschützt werden sobald die Truppen auszogen.
Natürlich würde ein Teil hier bleiben, genauso wie mit ihm einige seiner eigenen Leute die Tore schützen würde ...
Die Tore ... man würde in der Zeit alle Tore bis auf das Haupttor fest verschließen.
Und dann ...
Konnte man nur auf die Rückkehr der Truppe warten.

Verfasst: Samstag 9. August 2008, 13:50
von Rondrian Toberen
Die Planungen waren nach Wochen endlich abgeschlossen und der Tag des Angriffs rückte immer näher und heute war er gekommen. Ja, heute Abend sollte es losgehen. Die Rüstung wurde über den Tag noch von einem Rekruten auf Hochglanz poliert, die Waffen geschärft und die Tränke abgefüllt. Alles war bereit, es konnte losgehen.

Nervös ging Rondrian in seinem Büro auf und ab. Hatte er an alles gedacht? Wieviele würden tatsächlich kommen und wie würden die Räuber reagieren? Er selbst hielt sie für unberechenbar und so musste man sich auf alles gefasst machen. Aber man hatte einen großen Trupp zusammengestellt, um sie einzuschüchtern und im Falle eines Kampfes die Verluste gering zu halten und den Gegner regelrecht zu überrennen. Verluste hatte das Regiment in den vergangenen Monaten genug erleiden müssen und neue Rekruten gab es auch immer weniger. Außerdem durfte es nicht schiefgehen, schließlich hatte seine Hoheit ihm persönlich den Befehl für den Angriff und die Vorbereitungen gegeben. Er durfte das in ihn gesetzte Vertrauen nicht enttäuschen.

Die Anspannung der letzten Nacht hatten ihn kaum zur Ruhe kommen lassen und so döste er am Mittag noch etwas in seinem gut gepolsterten Stuhl an seinem Schreibtisch. So konnte er noch Kraft für den Abend tanken, wenigstens ein bisschen.

Verfasst: Sonntag 10. August 2008, 17:21
von Darna von Hohenfels
"Sehnsucht nach alten Zeiten, Milady?", fragte Savea leise, als sie Darna eine Weile dabei beobachtet hatte, wie diese in ihrer gewohnten Haltung, die Hände auf den Rücken gelegt, mitten im Wohnzimmer stand und stumm auf das Messingschild sah, das früher im Kastell neben einer Tür hing. "Oberst von Elbenau" war hineingraviert. Darunter lag in einer Vitrine der wappenverzierte Helm mit dem Löwensymbol des Reiches - Erinnerungsstück ihrer Zeit als Reichsritter.
"Vermutlich sag ich es gerade der Falschen, aber es ist einer der Momente, wo ich mich alt fühle", antwortete sie der ihrer... Hausdame. Vertrauten. Aufpasserin - irgendwie sowas.
"Nein Milady.. ich glaube, dieses Gefühl kann man jeden Alters einmal haben. Nur in ganz jungen Jahren freut man sich darüber, oder wünscht sich noch älter zu sein."
"Ich stellte lediglich fest, daß vermutlich heute andere das Kommando - zum Glück - führen werden und ich mich auch nicht darum reiße, in der ersten Reihe zu stehen."

Nachdenklich sah Darna auf den Teppich. Es war ihr einen Moment tatsächlich sehr befremdlich erschienen, daß sie sich fest vorgenommen hatte, unter allen Umständen zu vermeiden, Toberen tatsächlich oder nur dem Anschein nach die Führung der Leute abzunehmen. Es hatte sie vor mehreren Wochen erschreckt, als festgestellt wurde, daß er noch keine Felderfahrung als Kommandeur hatte. Doch es ging nicht alleine darum, diese Lücke zu schließen.
Sie wusste aus der Selbstverständlichkeit, mit der sie und Rafael die Mannen zum Entsatz der Schwertwacht geführt hatten, wie mühelos und reibungslos diese Führungsarbeit funktionierte, so sie notwendig war. Sie brauchte diese Selbstgewißheit nicht. Sie brauchte sie nicht, sobald da jemand war, dem es stattdessen verdient zukommen sollte.
Sie würde da sein, ihren Teil beitragen, und gut. Wenn es wirklich zu Notfällen kommen sollte... mochte sie immernoch helfen können. Doch sie erwartete keine gravierenden Schwierigkeiten. Selbst aus kleineren Fehlern, die bei sowas meistens einfach passierten, würde Rondrian dann eben lernen. Sie atmete durch. Es war wieder ein Stückchen loslassen. So lange sie schon aus der Garde raus war, es passierte doch immer wieder.

Doch befremdlicher war die Erkenntnis, die mit dem Vergleich einherging, wie sie diesem Einsatz heute gegenüberstand und wie sie selber früher zu Knappen-, zu frühen Reichsritterzeiten Feuer und Flamme dafür gewesen wäre.
Es brauchte sie aber nicht in der ersten Reihe. Wozu? Es war nicht einmal das Gefahrenmoment, daß bei sowas die Verlobte des Grafen verletzt werden könnte. "Auch ein rostiger Goblinsäbel kann einen Krieger töten", diese Gefahr wollte sie nicht verkennen, doch da war mehr: es fehlte die Notwendigkeit, sich da vorne in den Sturmwind zu stellen. Dieser Platz war anderen zugedacht, nicht um sie zu verheizen, sondern für die Gelegenheit und Notwendigkeit, sich zu bewähren. Und so, wie es früher ihr Wunsch gewesen war, so mochte es nun hoffentlich jenen dort vorne ein ureigenster Wunsch sein.
Und sie würde daneben stehen. "Wie so'n alter General", ging ihr mit gemischten Gefühlen durch den Kopf. Letztens hatte sie jemanden sogar gefragt: "Habt Ihr jemals gedient?" - das Schlimme war, so sehr man eine solche Frage belächelte, sie hatte ihren Sinn: sie fragte in aller Kürze das Vorhandensein gewisser Grundkenntnisse und Verhaltensmuster ab.

"Ich werd... alt... Ich bin dreißig, verflixt noch eins!" Nachdenklich schürzte sie die Lippen. "Der Fluch des Adlers" - sie hatte dieses ketzerische Werk der Letharen aus dem Giftschrank des Klosters wieder an sich genommen und verwahrte es sorgfältig bei sich; immer wieder drängte sich ihr der Wunsch auf, dazu eine eigene Richtigstellung zu verfassen. Doch die Ansprüche, die sie dabei an sich selber stellte, waren hoch, so recht fand sie noch nicht dem Faden, dem es dabei zu folgen galt. Auf gewisse Weise... wurde sie alt. Alt an Erfahrungen. Und das wohl in jüngeren Jahren als mancher sonst. Sie würde heute ihren Teil leisten, und gut. Sie wusste, was sie zu tun hatte.

"Marschformation." Meinte Toberen das so, wie es in der Garde verstanden werden müsste? "Mindestens zwei Drittel der Leute hier wissen doch nicht mal, was eine Marschformation ist." Das zu erwartende Chaos trat ein, sie selber stellte sich zunächst falsch auf, nicht bedenkend, daß der Oberstleutnant in die nachfolgende Flanke kommandiert worden war und damit nicht hinter Toberen blieb. Über sich den Kopf schüttelnd schloß sie zum Oberst auf.
Und blickte hinter sich - alles andere blieb genauso hinten, und sie musste sich das Lachen verkneifen. Jetzt bloß nichts zeigen, was die Ernsthaftigkeit des Einsatzes und der Befehle untergraben würde. Das war kein Sonnentagsspaziergang. Angenehm überraschte dann jedoch, wie zügig es sich nach knappen Worten Toberens dann doch noch sortierte, es brauchte nur eine handvoll Leute, die die anderen mitziehend wussten, was gefordert war.

Der Fall des Räuberlagers selber verlangte ihr kaum mehr als ein Kopfschütteln ab. Der Aufmarsch platzte offenbar in eine Art Feier - oder tägliches Besäufnis - der Banditen, und auf die Aufforderung zur Kapitulation kam lediglich das Gegröhle einer Frau, man solle wiederkommen, wenn der Lord wieder da wäre. Darna hob eine Braue.
"Oh, sicher. Verzeiht die ungelegene Störung, wir kommen später wieder." Sie verkniff sich ein Herumspötteln. Kurz darauf flogen auch bereits die ersten Brandpfeile. Toberen ließ die Nahkämpfer Aufstellung vor dem Tor beziehen, sie gehörte dazu, blieb jedoch seitlich, blickte an der Palisade hoch. Mulmiges Gefühl. "Zu dicht."
Sie schaute auf die Metalltüren. "Ja schön - und jetzt stehen wir davor wie Ochs vorm Berg? Die Vorkehrungen, die Holzwände notfalls einzureißen, blieben auf der Strecke?"
Die Räuber öffneten aber tatsächlich die Tore, um den Angreifern mit Pfeilen und Feuerbällen zu begegnen. Fast unbeteiligt daneben stehend registrierte sie gerade Fehler nach Fehler, auf beiden Seiten. Im Durchgang staute es sich und die ersten schlecht bis gar nicht gerüsteten Banditen fielen. "Wir stehen falsch, zu dicht an einer Engstelle, können kampfstarke Überlegenheit nicht zur Gänze nutzen. Kein Platz." Sie hielt sich zurück. Sie hätte da vorne im Geschiebe und Gedränge auch nur womöglich noch eigene Leute verletzt.
Die Flankenabdeckung ließ Lärm hören, doch schien in keine Schwierigkeiten zu geraten. "Gute Entscheidung."

Der Blick zurück zum Tor offenbarte, daß die Truppen die Banditen ins Innere des Lagers zurückgedrängt hatten. "Durchbruch." Es hatte nicht mal die geschätzte halbe Mannstärke im Vergleich zum Feind gebraucht. "Aber wir haben Glück, daß dieser Gegner zu wenig fordert, um die Fehler zu einem Verhängnis werden zu lassen. Das nächste Mal weiß er es hoffentlich besser. Nachbesprechung zu empfehlen."
Die Gedanken liefen sachlich, emotionsarm - bis sie sich selber in das brennende Lager begab, die Gefallenen sah... und Toberen dazwischen am Boden.
"Gefahr beim Führen von vorn." Einen Fitzel ihres Verstandes widerte die Analytik kurz an, doch genauso ohne Zögern und Fragen eilte sie auch besorgt zu ihm und prüfte seinen Zustand. "Keine Heiler mitgenommen - Fehler." Der Handschuh zerbröselte zu silbernem Staub, als sie ihre Hand auf den goldenen Gardeharnisch legte.
"Doch nach jedem Unterliegen... wirst du den Gerechten sehn, lebend aus dem Feuer gehn..."
Den Gerechten? Im Anblick eines neben dem Oberst liegenden unter Schwerthieben getöteten Menschen, der kaum mehr als Lumpen und den speckigen Rest eines Lederwamses trug, versetzten ihr die Worte einen leichten Stich.
Als stünde sie neben sich, drangen andere Worte dabei an ihr Ohr: "Wir sollten die Überlebenden hinaus bringen und diesen Ort verlassen bevor die Feuer auf die Palisaden übergreifen und uns einschließen.."
Ein Anflug von aufsteigender Panik, gleichzeitig griff die Ruhe des Gebetes - Toberen war von der göttlichen Hilfe nicht ausgeschlossen, sie gab die helfende Aufmerksamkeit der Herrin weiter, es war... nicht alles richtig hier, so wie es sein sollte - "Aber ist es das je, wenn sich Strafe gegen jene richtet, die vom rechten Weg abkamen?" Sie zog Rondrian wieder helfend auf die Füße und schaute durchs Lager. Brennender Müll, dazwischen Leiber. Einzeln in der Stadt hätte man nichts weiter getan, als sie festzunehmen. Doch sie hatten sich befestigt, und es wurde ein militärischer Einsatz daraus. Ein Mehr an Kraft gegen ein Mehr an Widerstand... "Die Spirale der Gewalt."

Sie verließ diesen traurigen Schauplatz menschlichen Scheiterns, aus welcher Warte auch immer man dies sehen wollte und rief Greif:
"Begebt Euch baldestmöglich zum Kloster, meldet daß eine Kapitulation ausgeschlagen wurde und es zu Todesfällen kam - dieses Gebiet mit seinen Leibern sollte gesegnet werden, ehe Rabendiener kommen und hier Unfug anstellen."
Wie später zu erwarten gewesen war, hatte ihr Hauswächter lediglich eine Nachricht darüber am Kloster hinterlassen können, doch angesichts von Victorias Fehlen trotz ihrer Ankündigung, dem beizuwohnen, überraschte es sie weniger - irgendwas akutes oder vorrangige Pflichten hatten also wohl angelegen.

Das gewohnte Leben ging auf irgendwie makabere Weise weiter: Unter der Gefolgschaft Sir Thelors wurde eine Frau vermisst und gesucht, Herr Fabrizio bat um Hilfe bei der Suche. Nickend sagten Savea und sie zu, die Augen auf dem Rückweg offen zu halten. Am Anwesen erklärte sie knapp auch gegenüber Teranyr und Greif, was sie aufgehalten hatte. "Früher wäre ich selber losgeritten. Aber nicht mehr meine Aufgabe. Die Zeiten ändern sich einfach."
Und als sie im Gespräch mit Selissas neuem Knappen später zuhörte, erklärte, Rat gab...
...da war es dieses Gefühl, daß alles schon richtig so war, wie es war.
Sie fühlte sich nur ein bißchen alt dabei, doch sie nahm es mit einem inneren Schmunzeln hin.

Verfasst: Montag 11. August 2008, 00:49
von Alexyos Rachus
Sie waren zum Räuberlager geeilt, der großen Rauchwolken wegen, welche Leutnant Diego von der Mauer der Feste aus erblickt hatte. Nun standen sie da, vor den niedergebrannten Palisaden, das Innere des Lagers glich einem großen Feuerball, welcher den Nachthimmel weit erhellte.
Sie waren hinzugeeilt, ohne zu überlegen. Gedanken bezogen auf den Reichsbann oder mögliche Gefahren wurden von der Neugier und Sorge einer möglichen Plündertruppe, welche vielleicht weiter gen nordosten vordringen könnte, verdrängt und kamen den beiden auch nicht in den Sinn, als sie von einem ganzen Trupp an Soldaten und Rittern umzingelt wurden...

Einen stechenden Schmerz spürte der Hauptmann in seiner Brust - ein Anzeichen seiner Überraschung, und der späten Erkenntnis, sich selbst in die Gefangenschaft ihrer Feinde gebracht zu haben. All diese Reichsritter und Soldaten, Gardisten, Hochgeboren, was auch immer sie waren, denn der Hauptmann vermochte dies nicht recht zu unterscheiden und auf Grund seiner Abneigung dem Adel gegenüber wird er es wohl auch nie können, waren die Feinde der Sturmkraehen - diese Darstellung der aktuellen Beziehungssituation hatte ihm die alte Führung hinterlassen.
Er selbst betrachtete sie nicht als Feinde, doch ihm wurde bewusst, nachdem er das Ziehen der Schwerter, das Heranrennen von gepanzerten Soldaten und das Geräusch der auf den Waldboden aufkommenden Pferdehufe vernahm, dass ER ihr Feind war. Sein Lieblingswort Sch... wollte ihm schon laut über die Lippen gleiten, doch beherrschte er sich und beförderte alle äußerlichen Anzeichen von Emotionen in sein Inneres.
Nachdem Leutnant Diego und Hauptmann Alexyos vollständig und ohne Fluchtmöglichkeit umzingelt waren, dominierte bereits die Beherrschung den Hauptmann.

Er verschränkte die gepanzerten Arme hinter seinem Rücken, ruhig und abwartend wirkend, die Züge im Gesicht formten jene Mimik, die ihn als einen strengen Mann erscheinen liess - nur noch die Augen bewegten sich im Gesicht. Selbst für einen Menschenkenner musste er in jenem Moment wie die Ruhe in Person wirken; vielleicht schien diese Haltung seinen Gegenübern provokant?
Wie auch immer, wenige der Streiter der Reiches zeigten Disziplin und behielten ihre Ruhe, jedoch viele stampften von einem Platz zum anderem, als könnten sie sich nicht entscheiden stehen zu bleiben oder sich einen anderen Punkt zu suchen, von welchem man aus die beiden Sturmkrähen vielleicht besser beobachtet hätten können, noch schien nicht jemand anwesend zu sein, der im Namen aller Kämpfer die Krähen ansprach; viele befahlen dem Hauptmann etwas anderes zu tun oder sie sprachen ihn an, doch der Hauptmann ignorierte dieses Durcheinander bewusst; er wartete auf die Person, die hier das Sagen hatte.

"Was zum Geier haben wir verbrochen. Ich fass es nicht, ich wette innerlich freuen sie sich uns zu schnappen, jetzt suchen sie nur noch nach einem Vorwand, ja da kommt er, war er das, hmm?", dachte der Hauptmann, und drehte den Kopf kontrolliert ruhig wirkend und langsam, ja nicht zu schnell - die Anwesenden sollte nicht glauben, er fühle sich klein, ängstlich und neugierig -, gen eines Sprechenden, der unwissend genug war zu behaupten, Alexyos wäre der Hauptmann der Räuberbande. "Du Trottel, glaubst du ich führe solche Witzfiguren an?", doch es blieben nur Gedanken und das war auch gut so.
Alexyos deutete der Menge mit einer Handbewegung auf die tiefen Fußpuren, für welche die schwere Last des Mannes gesorgt hatte, hin. Diese Spuren kamen aus dem Osten und für einen Kenner mussten sie frisch aussehen. Doch der Hinweis wurde ignoriert.

Schliesslich kam eine gerüstete Frau hinzu, welche Lady genannt wurde. Der Hauptmann liess seinen ungenierten Blick über ihre Gestalt schweifen und schenkte der Frau ein anerkennendes Nicken, denn er wusste, diese Person würde nun entscheiden, was mit ihm geschah. Er blickte ihr ins Gesicht und ihm war klar, dass diese Frau sich nicht von Emotionen leiten lassen würde. Er musste sich nun richtig benehmen: Seine Unterlegenheit akzeptieren, ohne dabei sein Gesicht zu verlieren.
Während einige Soldaten hinter ihm, welche wohl noch im Kampfesrausch waren, - so dachte der Hauptmann - riefen, er sollte geknebelt und gefesselt auf ein Pferd gepackt werden, überkam den Hauptmann ein Gefühl der Überlegenheit. Hätten sie nur gewusst, dass bald ein Treffen mit dem Grafen anstand... hätte dies etwas an ihrem Misstrauen geändert? Bestimmt nicht, aber sie hätten sich wohl ein wenig mehr Zeit genommen zu überlegen, ob man ihn als den 'Hauptmann der Räuber' festnehmen sollte oder ob er überhaupt Reichsboden betreten hatte...

Wohl hatte ihn die Lady vor ihm für klug genug eingeschätzt, keinen Fehler zu begehen; denn als er schnell den Griff seines Schwertes umfasste, dieses aus der Scheide zog, und sich ihr gar einen weiteren Schritt näherte, blieb der Gesichtsausdruck der Frau unverändert. Er schätze ihre Menschenkenntnis, oder was auch immer es war, das sie nicht zur instinktiven Verteidigungshaltung überredete. So hielt er nach jenem Schritt inne und mit einem Kraftakt steckte er seine Klinge vor ihm in den Boden. Dann trat er zurück.

Der Hauptmann teilte den Anwesenden mit, er würde freiwillig mitkommen, wenn man ihn nicht wie Gepäck auf ein Pferd anbinden würde. Sein Leutnant durfte verschwinden und den Kameraden mitteilen, was vorgefallen war. Nachdem dieser weg war, wurden dem Hauptmann die Hände hinter dem Rücken gebunden. "Die hätte ich dir fester umgebunden", dachte der Hauptmann, doch unterdrückte er weitere Gedanken der Feindseligkeit und erwiderte das Nicken der Lady, welche die Abführung des Gefangenen nach Varuna befohlen hatte.

"Heute werden sich ein paar Leute lächerlich fühlen. Vielleicht kann ich die Besprechung mit dem Grafen früher abhalten. Hoffentlich ist er - ein 'Mensch', wie Ayane ihn nennt...", dachte er weiter und folgte dem Zug der Reichsleute.