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Auf den Spuren eines Kreuzzuges

Verfasst: Samstag 2. August 2008, 16:42
von Sorcha Llastobhar
Es war Nacht und Stille hüllte die Burg Schwertwacht ein. Jene heiligen Gemäuer, jene Bastion gegen das Böse, Heimatort vieler tapferer Recken welche sich dem Kampf gegen die Heerscharen Alatars verschrieben hatten. Jene Dunkelheit, jene Stille wurde jedoch gestört durch die leisen Schritte welche sich der Bibliothek näherten. Das schwache Licht einer Kerze durchbrach die Finsternis und eine Frau trat durch die Türe, setzte sich behutsam an einen der Tische und breitete einige Pergamente aus welche sie unter den Arm geklemmt hatte. Das schneeweiße Haar fiel ihr kurz über die Augen, behutsam wurde es beiseite gestrichen und die Augen begannen sich auf das Pergament vor ihr zu haften. Sorcha war nicht müde in dieser Nacht, sie schlief nie sehr viel, und gerade die letzten Abende hatte sie sich mit einem alten Thema beschäftigt dass sie schon länger fasziniert hatte, aber auf Grund von diversen Ereignissen beiseite geschoben werden musste.

Zwei eisblaue Augen huschten über die Schrift vor sich, über eines jener wenigen schriftlichen Beweisstücke für die Existenz einer Gruppierung von der sie nur aus Zufall gehört hatte. Sie war damals im Kloster gewesen, hatte ein Gesprächsfetzen aufgeschnappt als jener Name das erste mal fiel „Der schwarze Kreuzzug“. Was Sorcha anfangs noch für eine alatarische Gruppierung hielt sollte sich bald als etwas völlig anderes herausstellen, eine Gruppe von Menschen die sich Temora der Lichtbringerin verschrieben hatten, die mit vollem Eifer für ihren Namen stritten, und letztendlich zerschlagen wurden; von Glaubensbrüdern. Grausam und brutal sollten sie gewesen sein und letztendlich wurden sie exkommuniziert von der damaligen Erztemplerin. Das waren die anfänglichen Bruchstücke die sie aus den Mitgliedern des Klosters herausbekommen konnte, aber da musste mehr sein. Sorcha konnte und wollte nicht glauben dass Krieger die für den Namen Temoras stritten letztendlich aus jenem Glaubenskreis ausgeschlossen wurden, und dann auch noch von einer Erztemplerin, wie konnte dies möglich sein?

Die Schriften die sie zu dieser Thematik gefunden hatte sagten nicht allzu viel Neues. Es war eine grobe Übersicht, einzelne Taten fehlten jedenfalls in jenem Schriftstück das sie gefunden hatte, aber es gab noch einige mehr. Die letzten Nächte hatte sie jedes bisschen Wissen über diese Menschen förmlich aufgesogen, hatte sich über jedes bisschen an neuer Information gefreut, denn wie oft hatte sie die letzten Tage den Kopf schütteln müssen? Junge Adlige die noch nicht einmal wirklich Erwachsen waren glaubten ihren Glauben in Frage zu stellen, Priester anderer Gemeinschaften missbrauchten ihre gottgegebenen Kräfte für lächerliche Machtdemonstrationen, ließen Blitze vor anderen einschlagen wenn ihnen die Argumente ausgingen, Menschen die aus purster Überzeugung sich dazu bekannten keinem Gott zu folgen und der Gottlosigkeit zu frönen, was wurde nur aus diesem Land?

Sie rieb sich die Augen, unterdrückte die aufkommende Müdigkeit, nur noch ein wenig mehr lesen, nur noch jenes eine Pergament zur Seite legen, sie brauchte jenes Wissen, sie brauchte es sehr. Denn schon alleine das Wissen zu haben dass es bereits damals Pioniere gab die Temoras Licht mit aller Härte durchsetzten, ließ sie etwas optimistischer in die Zukunft blicken. Letztendlich beendete sie ihre Nachforschungen dann doch für die heutige Nacht, sie brauchte ein paar Stunden Schlaf, ganz gleich wie sehr es ihr widerstrebte. Sie würde die nächsten Nächte damit verbringen mehr über den Kreuzzug zu erfahren, sie würde herausfinden was jene Menschen genau getan hatten dass man sie aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen hatte, es musste irgendwo handfeste Beweise geben und nicht nur vage Andeutungen. Dies war nur eine von vielen kommenden Nächten, dessen war sie sich sicher.