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Wie die Fackeln im Wind ...
Verfasst: Montag 21. Juli 2008, 21:10
von Tarja Lycron
All diese Bilder - sie spuken in mir,
sie blitzen auf in meinem Inner'n,
wie ein Spiegel von ihr.
Doch wohin ich auch entfliehe -
Tag für Tag und überall
steht mir erneut ihr Bild vor Augen -
so klar wie ein Kristall.
Ich frag mich immer noch,
wie konnt' es geschehn,
wie konnte aus solch grosser Liebe
solch ein Hass entstehn?
[aus „Die 3 Musketiere“ / „Engel aus Kristall“]
Die blauen Augen tasteten die Umgebung wachsam ab. Der Kopf dröhnte, der stechende Schmerz verteilte sich unaufhaltsam im Rest ihres Körpers. Bewegungslos lag sie dort, einzig allein ihre Augen schlichen durch die Umgebung, um die Dunkelheit abzutasten. So kalt, dass sie ihren eigenen Atem sehen konnte. Den Kopf warf sie kraftlos wieder auf den Boden zurück, ehe sich die Augenlider senkten. Hatte sie zu viel gegeben? Langsam zog sie die Luft ein und gab sie aus ihrer Lunge wieder frei. Ein Schmerz wie kein anderer. Ein Schmerz, dem sie keinesfalls mächtig war um ihn zu lindern. Eine Konstruktion, die entstanden war, um ihr Schmerzen zu erteilen. Ein tiefes, kratzendes Atmen, ehe sie die Augen erneut aufschlug und den dunklen Raum erneut abtastete. Was war nur mit ihr geschehen? Hatte sie sich wirklich blenden lassen? Die eisige Kälte, welche sie umschloss wurde von ihrer Lunge aufgesogen, verteilte sich in ihrem Körper in Windeseile und ließ all ihre Adern förmlich gefrieren. Die blasse Haut wurde erneut eine Spur blasser, fast schon kränklich sah sie nun aus. Sie atmete weiter. Hatte sie Hoffnung, die Kälte zu filtern, um die Luft um sich herum wärmer werden zu lassen? Oder war es pure Absicht, dass sie die Kälte in sich aufnahm? Ihre Finger verkrampften, wie sie dort in dem kalten Nass lag und sich die Kälte um ihren Körper hüllte. Stechende Schmerzen, die ihr fast das Bewusstsein raubten und sie völlig lösten von dem, was sie beschäftigte. Die schwarze Kleidung umschloss ihren Körper wie eine zweite Haut. Erneut zog sie die Luft zwischen ihren Zähnen ein, ehe sie sich von dem kalten und nassen Waldboden aufdrückte. Weit weg von Rahal, weit weg von ihrem Zuhause.
Die letzte Nacht gab es ein ähnliches Schauspiel, wie auch Wochen und Monate zuvor. Streit, absolut sinnloser Streit, der ihr die letzte Kraft raubte, den sie für den Orden benötigte. Für den Orden, für nichts weiter. Die eisig-blauen Augen schlug sie wieder auf und wenn das, was man dort in ihren Augen schimmern sah, gedeutet werden sollte war es blanker Hass. Wut und Zorn, der sich in ihren Zügen breit machte, gewillt ihrer Zerstörungswut nachzugehen. Aufrecht, militärisch, wie sie gewohnt war, stand sie da. Sie spürte das Pulsieren jeder ihrer Adern im Körper, die sich der Wut in ihrem Körper hingaben. Sie war ein gebrochener Mensch und das hatte sie selbst verursacht. Sie hatte sich etwas hingegeben, was sie so nie hätte tun dürfen. Liebe – was war das schon?
Doch ich frage mich,
was hätt' ich wohl getan in diesem Fall?
Vielleicht hätt' auch ich geschwiegen
wie mein Engel aus Kristall.
All ihre Tränen, sie sind ungezählt.
Gebrochen wurden Ihre Flügel
und ihr Körper gequält.
Die spitzen Scherben schneiden
unaufhörlich in mich hinein.
Und die gnadenlosen Schatten der Erinnerung,
sie suchen mich heim!
[aus „Die 3 Musketiere“ / „Engel aus Kristall“]
Eine Illusion. Was hatten wir nicht alles über Illusionen gelernt? Was hatte Tarja recht früh über Liebschaften gelernt? Wäre ihre eigene Mutter so schwach gewesen, wenn sie nicht geliebt hätte? Hätte sie nicht umso stärker sein können, wenn der innere Hass und die zerstörende Wut sie getrieben hätten? Der Drang nach Zerstörung und Tod? Was war es schon wert? War es nicht viel sinniger, über ihre Macht nachzudenken? Darüber, was sie erreichen konnte, wenn sie es geschickt anstellen würde? Was ist dir wichtiger, kleine Arkoritherin? Dein Leben oder deine – Liebe? Es war ein Spiel mit dem Feuer und das Feuer war seit eh und je ihre Leidenschaft. Ein Tanz mit dem Feuer, mit der Leidenschaft, mit dem Temperament.
Die Pupillen veränderten sich, je nachdem, was sie fixierte. Hell, dunkel, hell, dunkel. Amüsant, wie der Körper auf die unterschiedlichsten Eindrücke reagierte. Kälte, Wärme, selbst seelische Grausamkeit spiegelte sich irgendwann über den Körper wieder. Es sei denn, man lernte früh damit umzugehen. Was war sie bereit aufzugeben? Der Wind zog durch ihre Haare, spielte ein wildes Spiel mit ihnen. War es wirklich an der Zeit, eine Veränderung zu vollziehen? Veränderung. Vielleicht hätte sie längst so reagieren sollen. So handeln sollen. Sie spürte noch immer die eisige Kälte in ihren Adern, das Pochen trieb die Kälte weiter durch ihren Körper, bis sie letztendlich auch ihr Herz erreicht hatte. Es wäre einfacher gewesen, ihr das Herz herauszureißen um dort einen leeren Fleck zu hinterlassen. So musste sie ihre Wut, ihren Zorn selber umsetzen und zu dem werden, was sie schon längst hätte sein sollen. Unberechenbar und absolut wahnsinnig in ihrem Tun. Entweder würde sie dabei Unterstützung von dem Menschen, der sich ihr Gatte nannte, bekommen oder nicht. Wann er herausfinden würde, was mit ihr war, würde die Zeit zeigen. Triumphierend verzog sie ihre Lippen etwas, die kühlen Augen wanderten an den Mauern Rahals entlang, als sie jene passierte. Sie war Tarja Thyrmon, die ihren Namen ablegte, um die Vergangenheit ruhen und etwas Neues beginnen zu können. Und sie hatte entschieden. Für sich. Ganz allein.
Verfasst: Mittwoch 27. August 2008, 15:32
von Tarja Lycron
Den Blick gen Himmel
zum Feuerball
Ich stell mir vor das es dich gibt
Phantasiegestalt aus Kinderzeit
die mich beschützt und liebt
In jenen Tagen
wenn die Welt mich zerstört
Und jeder kommentiert
was er denkt und hört
Wenn Vertrauen erlischt
und mein Handeln erfriert
Such ich nach der Wahrheit
die mich lenkt und führt
und ich streck die Hand zum Himmel aus
["Feuerengel" von Unheilig]
Die Melodie, die sie mit hoher, schriller Stimme summte erinnerte sie an ihre Kindheit. Früher glaubte sie noch an das, was sie nicht kannte und nie gelernt hatte, zu fühlen. Geliebt werden. Als kleines Kind hat man noch den Drang danach, den Eltern alles recht zu machen und nur ein kleines Fünkchen Liebe erhaschen - ja, das hatte sie sich früher immer erträumt.
Sie hatte ihre Gestalt wieder. Keine Schatten, keine Schlieren. Vielleicht waren ihre Gedanken über all die Dinge, die geschehen waren ja gar nicht so falsch? Vielleicht hatte sie selbst die größte Schuld daran, indem sie sich dem hingegeben hatte, was absolut überflüssig gewesen war. Das Bewusstsein vor ihren Augen verschob sich ein wenig, ehe sie den Kopf etwas schüttelte und sich das Bild vor ihren Augen wieder klärte. Verluste hatte sie einstecken müssen durch die Dinge, die geschehen waren. War es eine Botschaft?
Sie hatte mehr gewonnen, als sie verlor. Sie war nicht mehr die Frau, die Lucan vielleicht kannte. Sie war kalt und abweisend, es drohte schon langsam zu entgleisen. Alles, was sie spürte war lediglich die Verbindung, die sie sich vor Alatar geschworen hatten. - Macht.
Die innere Kälte, die ihren Körper durchzog konnte man in weniger seltenen Momenten auch auf ihrer Haut spüren. Sie war nicht kalt, wie auch, sie wäre tot gewesen, wäre ihre Haut bitterkalt. Aber sie war kühler, kühler als manch andere Haut. Die gepflegten Finger waren kalt. Eisig kalt, als würde sie Eis in ihren Händen tragen und danach jemanden berühren. Ihre Haare hatten Farbe gelassen. Das tiefe schwarz hatte sich zu einem weiß gewandelt. Folgen des Fluches?
Sie zog sich die pechschwarze Kapuze tief in ihr blasses, krankes Gesicht. Die Maske legte sie sich vor ihre Lippen, ehe sie das Haus verließ. Eilig ging sie zur Burg zurück. Sie hatte, wie Lanaya es befohlen hatte, allen anderen ein Schreiben überbringen lassen. Lucan, Darian, Kelaino und Jonathan. Sie war sich sicher, Lucan und Darian würden auftauchen. Die anderen Beiden? Manchmal vergaß Tarja sogar, dass sie zum Orden gehörten, so selten sah man sie. Warum auch immer. Sie betrat die Tore des Ordens und lies die Kapuze zurücksinken, um sich rasch auf den Weg in die Bibliothek zu machen. Wenn keiner mit ihr gemeinsam suchen würde, würde sie es eben allein machen ... und so nahm sie sich Buch für Buch vor, um sie zu durchsuchen, irgendetwas musste sie erneut finden. Wenn sie nur nicht so verdammt müde wäre ...
Verfasst: Donnerstag 28. August 2008, 13:36
von Tarja Lycron
Die Gunst soll man hart erkaufen
Gerade durch die Prüfung laufen
Mit Gehorsam und ein wenig Glück
Streift dich dann ihr strenger Blick
Wirst du dich nach ihr verzehren?
Wird sie dir den Rücken kehren?
Denn du bist nur ein kleiner Wicht
Die Katze spielt, doch sie frisst dich nicht
(aus Umbra et Imago - Schlag mich)
Sie schlug die Augen auf. Auch wenn kaum Licht in die Burg drang fühlte sie innerlich den Morgen des neuen Tages. Weit hatte sie ihre Suche nicht gebracht außer in das Land der Träume. Verwirrende Gedanken und Träume rissen sie aus diesen.
Die staubigen Bücher schob sie zur Seite. Sie zog den Ärmel ihrer Robe empor und lies den Blick an ihrem dünnen Arm emporwandern. Blass sah sie aus und es wirkte fast so, als wäre sie krank. Die Anstrengungen der letzten Wochen?
Sie straffte ihre Haltung. Einiges hatte sich im Orden getan. Veränderungen waren ans Tageslicht gekommen. Sie zog die Luft etwas ein, den Kopf warf sie dabei in den Nacken. Die Augen schloss sie dabei und kurz huschte ein gefährlich-irres Grinsen über ihre Lippen. Das, was sie leistete, war nicht genug. Hohn, blanker Hohn.
Sie straffte ihre Schultern erneut, das Schauspiel ihres Körpers würde wohl in jenem Moment die Blicke der Männer auf sich ziehen lassen, wären welche anwesend gewesen. Aber sie war allein. Die Burg war ruhig. Außer Isabella, welche die Bücherei auf Vordermann hielt, war niemand zugegen. Oder noch niemand zu einer solch frühen Stunde wach. Sie flüchtete hinaus in das Freie, zog sich die Kapuze tief ins Gesicht. Ein Übergriff in die Sphäre, ein gezieltes "Spielen" mit dem Lied, ein Riss dort und ein Zostrich wurde freigegeben. Den Stab hielt sie bestimmt in der Hand, ehe sie sich auf das Reittier begab. Ein gekonnter Tritt mit der Hacke in die Seite, dann war sie auch schon verschwunden in der Dämmerung des Morgengrauens.
Verfasst: Freitag 19. September 2008, 23:03
von Tarja Lycron
Sie zog die Luft durch ihre Nase ein. Diese kalte, eiskalte Luft, die sie umgab. Sie legte den Kopf in den Nacken und drehte ihn von der einen zur anderen Seite. Der Orden hatte Zuwachs bekommen. Und dieser Zuwachs musste genährt werden, musste lernen, was es bedeutete Arkorither zu sein. Stumm folgte sie dem Ritual, innerlich musste sie schmunzeln. Sie selbst stand auch einmal dort und wusste, was in dem Frischfleisch dort vorging. Das Zittern, welches sich durch den Körper zog. Der Drang nach Macht, die Gier, die einen förmlich dazu zwang, alles wissen zu wollen. Die Angst vor dem, was kommen würde. Ohja, Tarja kannte das alles auch. Und nun war es ihr Leben. Angst? Angst kannte sie nicht mehr. Nicht einmal vor dem Tod fürchtete sie sich noch.
Erneut zog sie die Luft durch ihre Nase ein, die Nasenflügel bebten und die Lippen benetzte sie vorsichtig mit ihrer Zunge. Es wurde langsam wieder frischer. Der leise Wind umspielte ihre Lippen, suchte sich den Weg durch ihre Haare und schlich sich den Nacken hinab unter ihre Kleidung. Der Himmel war sternklar und schwarz. Schwarz wie ihre Seele - wenn sie noch eine hätte. Das weiße Haar leuchtete förmlich im Dunkeln der Nacht. Das Einzige, was sie von der Nacht unterscheiden sollte, die Kleidung passte sich dieser hervorragend an. In ihren Gedanken ging sie die Anwärter förmlich ab. Cetus, es schien so, als würde er irgendwann mehr Erziehung benötigen als die Anderen, auch schien er mehr der Einzelgänger zu sein, recht schnell löste er sich von der Gruppe. Zyr, den sie selbst noch nicht wirklich einschätzen konnte. Er schien ruhiger, bedachter und interessierter als manch andere. Ob sich ihre Vermutung bestätigte würde sie im Unterricht erfahren. Ihre eigene Cousine, Jana Layani, Tarja setzte hohe Erwartungen in sie, immerhin wusste Tarja, was sie im Orden geleistet hatte. Was sie für den Orden gegeben hatte. Und das Gleiche würde sie von Jana ebenso erwarten. Aus ihr würde eine zweite, hervorragende Magierin werden. Ausgebildet im Wirken der Magie sowie im Kampfe. Sie würde sich verteidigen können, das wusste Tarja. Und als letztes hatten wir da noch Rilan. Wenn man ihn sich vor dem Ritual angesehen hatte war er ein einfacher Bauernjunge, nichts besonderes. Einzig allein seine Macht zeichnete ihn aus und er erinnerte ihn an einen ihrer Ordensbrüder. Manchmal war Schwäche etwas, was einem dazu verhelfen konnte mehr Macht zu gewinnen. Tarja würde ihn im Auge behalten. Seit dem ersten Tag ihres Zusammentreffens bis zu dem letzten. Alles in allem konnte aus der Truppe eine starke Truppe werden. Wer sich dieser starken Truppe anschließen würde, das allein sollte sich irgendwann noch entscheiden. Sie schloss die Augen und beschloss für sich, die Gedanken ruhen zu lassen um nach Hause zu gehen.
Sie warf die Haustür hinter sich ins Schloss. In ihrem Haus war es ruhig, viel zu ruhig. Sie sah sich um. Der Raum war kalt. Es war nicht kühl, nein, es war eisig kalt. Der Kater saß vor der Türe der Terasse und kratzte an jener, er wollte hinein. Aber sie ließ die Türe verschlossen. Der Kater war jemand, der sie immer begleitet hatte. Sie würde ihn nicht erfrieren lassen, nicht in diesen kalten Räumlichkeiten. Er sollte draußen bleiben, zu fressen fand er dort genug.
Ihr Weg führte sie in die Küche und sie sah sich dort um. Recht rasch ging sie zum Waschbecken und streckte sich etwas empor. Eine Flasche Wein, die sie gleich noch köpfen würde, um sich ein Glas einzuschenken. Die rote Flüssigkeit erinnerte sie an Blut, an den Lebenssaft. An das wunderschöne Bild, wie dieser blutrote Saft aus einer Vene gepumpt wurde, wenn man sie richtig aufgeschnitten hat. Bei der Vorstellung stellten sich ihre Nackenhaare ein Stück auf. Der Drang, jemanden zu töten kehrte wieder in ihre Sinne zurück. Jonathan umzubringen hatte ihr nicht gereicht. Sie stellte das Glas ab und befüllte es mit dem roten, lieblichen Saft. Für einen Moment rückten ihre Mundwinkel empor, als sie das Glas anhob und den Wein im Glas schwenkte. Er roch so lieblich, der Alkohol stieg ihr förmlich in die Sinnesbahnen. Ein kleiner Schluck, ein weiterer Schluck und noch einer und das Glas war leer. Sie leckte sich den letzten Tropfen von ihren Lippen und ein hasserfülltes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. Ein Lächeln, welches nach dem Tod greifen wollte. Ein weiteres Mal befüllte sie das Glas mit dem lieblichen Tropfen und auch dieses fand wieder den Weg zu ihren Lippen. Sie schloss die Augen und nahm jeden einzelnen Tropfen wahr, wie er ihren Rachen hinunterlief. Grauen Augen. Sie riss ihre Augen auf. Verwirrt blinzelte sie. Für weniger als eine Sekunde hatte sie sie gesehen. Graue Augen, die sich in ihre Gedanken geschlichen hatten. Sie blickte zu dem Wein, zu dem leeren Glas. Für heute sollte es gut sein. Sie ging in den Keller hinab. Langsam begann sie sich zu entkleiden, um sich dann in das Bett zurück zu ziehen. Sie war allein, so, wie sie es die letzten Tage und Wochen immer war. Wo sich ihr Gatte herumtrieb wusste sie nicht. Es war ihr im Grunde auch egal. Er konnte tun und lassen, was er wollte. Sie schloss die Augen.
Doch lange sollte ihr der tiefe und feste Schlaf nicht gewährt werden. Sie zuckte schweißgebadet zusammen und setzte sich in ihrem Bett auf. Sie kniff die Augen zusammen und rieb sie sich. Wieder sah sie diese grauen Augen, diese eng zusammenstehenden Augen, die sie einfach nur anstarrten, in ihrem Traum. Sie hatte Stimmen gehört, aber sie konnte sich nicht mehr an das erinnern, was sie gesagt hatten. Die Augen jedoch blieben in ihrer Erinnerung.
Hör deine Stimme wieder jede Nacht,
deine Worte haben mich gemacht.
Tief im Innern bist du noch bei mir,
bist in Gedanken immer hier.
[Unheilig - Rache]
Verfasst: Samstag 20. September 2008, 21:37
von Tarja Lycron
Komm zu mir, komm zu mir
dort wo dein tiefer Schmerz zerschellt
Komm zu mir, komm zu mir
dort wo nur Schattenschönheit zählt
komm zu mir, komm zu mir
am Himmel blüht ein neuer Stern
komm zu mir, komm zu mir
neige dein Haupt vor deinem Herrn
[Unheilig - Komm zu mir]
Nach Luft ringend riss sie panisch ihre Augen auf. Es war, als würde sie von irgendwem unter Wasser gedrückt werden. Sie tastete den dunklen Raum mit den Augen ab. Jeder einzelne Fingerbreit wurde durchsucht, wurde ausgekundschaftet. Sie war allein. Kein Atmen neben ihr, keine Geräusche in der Wohnung bis auf das Fauchen ihres Panthers im Schlaf. Selbst er schien einmal zu ruhen. Sie zog sich ihren Morgenmantel über und schlich barfuss über den hölzernen Boden. Sie schloss ihre Augen, ein kurzer, nicht einmal mehr wirklich merkbarer Eingriff ins Lied und sie sah in der Dunkelheit besser, als jeder normale Mensch.
Es wurde immer kälter nachts und zitternd nahm sie den Weg hinauf in Angriff. Es war nicht so, dass sie vor Kälte zitterte. Es war die Wut, die sie zittern lies. Und auch der Traum, den sie träumte. Sie hasste es, wenn sie irgendwelche Träume träumte, die ihr etwas sagen wollten. Oben angekommen schloss sie ihre Augen und seufzte kurz. Das Haus war wirklich still, zu still, als das sie es hier noch länger ausgehalten hätte. Langsam aber sicher mutierte sie zum Nachtmensch, aber nicht einmal mehr das störte sie. Die Klänge um sie herum verzogen sich schmerzvoll und die schwarze Kleidung wie auch die Robe bildete sich um ihren Leib herum. Es war ein angenehmer Schmerz, man konnte mittlerweile fast meinen, das Tarja diesen Schmerz liebte. Er gab ihr die Bestätigung, dass sie noch am Leben war. Den Kopf angehoben, die weißen Haare über die Schulter hinab fallen lassend, senkte sie jenen Blick auch wieder hinab. Es sah fast aus, als würde sich ein trüber Schleier über ihre eisig blauen Augen legen. Die hüftlangen, weißen Haare wurden auf den Rücken geworfen und die Kapuze in das Gesicht gezogen. Nur wenige Haarsträhnen spitzelten unter der Kapuze hervor. Eine Geste zur Seite und ihr Stab materialisierte sich in ihrer Hand. Erst dann verließ sie das Haus.
Auf der Burg angekommen lief sie auf den Balkon zum Ort, an welchem das Ritual vollzogen wurde. Dieses magische Gerüst stand dort immer noch, eine Art Artefakt, welches sie erschaffen hatten. Sie setzte sich auf die Stufen und nahm es in Augenschein. Ihr Gefühl war merkwürdig, ihr ganzer Körper kribbelte, als sie so nah an dem ruhenden "Objekt" saß. Keiner wusste, wann "er" sich wieder einschalten würde. Sie hatte nicht vergessen, was passiert war. Wie auch. Die weißen Haare erinnerten sie immer wieder an die Schmerzen und die Qualen und an das, was sich verändert hatte. In ihr, um sie herum. Wut und Hass auf etwas, was sie nicht orten konnte. Die Burg war ruhig wie immer, die Mauern gaben keinen Laut von sich, auch sie schliefen nachts. Und doch hörte sie irgendwo eine Melodie, einen Klang, den sie nicht zuordnen konnte. Langsam erhob sie sich wieder und wurde von den schwarzen Mauern wieder verschluckt.
Die Tore zur Burg gaben sie wieder frei. Eilig suchte sie sich den Weg durch den toten Wald vor der Burg. Das ewig-währende Portal spuckte sie wieder in Rahal aus und sie zog die Luft ein, ehe sie hinaustrat, sich die Robe glatt strich und ihren Weg weiterging.
Sie wusste letztendlich gar nicht, warum sie nicht sofort nach Hause gegangen war sondern noch einen Spaziergang durch Rahal getätigt hatte. Vielleicht hatte sie auf diese "Melodie" gehört, die sie innerlich spürte, hörte, fühlte. Sie fand sich in einer dunklen Gasse wieder, blickte auf die Schattenspiele, die sich ihr darboten. Erst, als eine Wache sie ansprach, ob man ihr helfen könne zuckte sie empor. Sie hatte die rechte Seite des Gebäude fixiert als befände sich dort etwas, das, was ihr all das antat, was sie hier her getrieben hatte. Den Blick nicht von dem Gebäude wendend ging sie ohne ein weiteres Wort. Die Nacht war kalt und es war Zeit, in ihr Heim zurückzukehren. Viel zu weit war sie gegangen, als das sie noch irgendetwas auf den Straßen zu suchen hatte. Die Tore fielen hinter ihr ins Schloss und sie huschte über den Rasen, um noch schneller nach Hause zu kommen. Sie schloss die Türe hinter sich, fühlte die Kälte erneut um sich herum. - Dunkel. Sie spürte nichts mehr.
Ich bin die Macht,
die im Dunkeln dir deine Träume stiehlt.
Ich bin der Wind,
der den Schmerz in deine Seele säht.
Ich bin die Lust,
die im Spiegel mit deinen Tränen spielt.
Ich bin dein Schatten,
der dir folgt wohin du gehst.
[Unheilig - Die Macht]
Verfasst: Mittwoch 24. September 2008, 01:22
von Tarja Lycron
Sie hatte die Augen geschlossen und hielt ihr Gesicht unter das kalte Wasser. Sie strafte sich selber, für was, war ihr noch nicht bewusst. Sie hielt die Luft an und riss die Augen auf. Die hellen Fliesen verschwammen langsam vor ihren Augen und sie riss den Kopf empor und japste nach Luft. Vielleicht würde sie es ja so einmal schaffen klare Gedanken zu fassen. Die weißen Haare hingen ihr in Strähnen über die Schultern hinab, die etwas kürzeren Haarsträhnen strich sie sich aus dem Gesicht. Was ist es, wonach du suchst, Arkorither?
Sie versuchte ihre hektische Atmung etwas zu beruhigen. Sie versuchte nach Luft zu schnappen. Manchmal musste man an die eigenen Grenzen gehen um das zu sehen, wonach man suchen sollte.
Mit einem Handtuch rubbelte sie ihre Haare trocken, nicht, dass es sie stören würde, dass sie nass waren und sie gleich den Weg hinaus in die Kälte in Angriff nehmen würde. Was war schon ein Schnupfen? Oder Husten? Für alles gab es eine Lösung.
Der schwarze Mantel wurde um ihren Körper gehüllt, ebenso wie der Umhang, dessen Kapuze weit in ihr Gesicht gezogen wurde. Die schwarze Nacht war also das, was sie zu ihrem Tag machen wollte. Es wurde Zeit, dass der Winter wieder kam, so würde es schneller Nacht werden. Die Schritte hallten in den leeren Straßen Rahals, wie sie sich rasch durch die Straßen bewegte. Sie begab sich an jenen Ort, an dem sie damals auch war. Nahe Rahal, eine kleine Insel, Insel konnte man es auch nicht wirklich nennen. Es war ihr egal, dort war kaum jemand und sie fühlte sich gut hier. Was hatte sie an diesem Ort nicht schon alles durchgestanden? Halb erfroren war sie dort. Sie schloss die Augen und ließ die Bilder vor ihren Augen erneut ablaufen. Sie wusste, warum sie damals weggelaufen war. Schnell schüttelte sie die Bilder aus ihrem Kopf und stand auf. Die Wege führten sie wieder zurück nach Rahal. Durch die Seitengassen zu ihrem alten Haus. Ellinore wohnte nun dort, heute erst war sie bei ihr gewesen. Die Fingerspitzen huschten über den kalten Stein der Mauer und wieder schob sie all ihre Gedanken von sich. Der Weg würde sie weiterführen. Weiterführen an einen Ort, an dem sich alles veränderte. - Der Tempel.
Sie schloss die Augen, als sie die Treppen empor ging. Lange her, dass sie das letzte Mal hier war. Für sie gab es wichtigeres, Alatar konnte sie auch so nahe sein - ohne dem Tempel. Sie blinzelte ein wenig, tausende an Bilder rasten durch ihre Gedanken. Sie konnte nicht weitergehen. Vor der letzten Stufe machte sie kehrt. Es fühlte sich an, als würde irgendwer an ihrer rechten und jemand anderes an ihrer linken Seite zerren. Und dabei war doch niemand da. Sie konnte nur hoffen, dass niemand sie sah, wie sie dort umherschwankte.
Die Wachen öffneten ihr die Tore und sie machte sich auf den Weg zur Arkoritherburg. Sie musste in der Nähe von etwas sein, was ihr vertraut war. Das spürte sie. Vorher konnte sie sich nicht beruhigen, vorher würde sie sich weiter verfolgt fühlen. Sie sah an dem schwarzen Gebäude empor, aber das Gefühl innerlich zu verbrennen, dem Wahnsinn zu verfallen, das Gefühl hörte nicht auf. So rannte sie zurück, irrte wieder durch die Straßen, bis sie letztendlich das Gefühl hatte, dass das beklemmende Drücken leichter wurde. Umso mehr Schritte sie in diese Richtung ging. Sie hatte für einen Moment den Sinn für diese allgegenwärtige Welt verloren. Stattdessen betrachtete sie wieder die Schattenspiele. Mit leicht geöffneten Lippen sah sie stirnrunzelnd zu, wie die Schatten ihre Tänze vollzogen. Ihre Augen flackerten hin und her und so schnell wie sie gekommen war, war sie auch wieder verschwunden.
Verfasst: Donnerstag 25. September 2008, 02:25
von Tarja Lycron
[img]http://img264.imageshack.us/img264/5369/89311569nv4.jpg[/img]
... was ist deine Bestimmung?
Wie so oft saß sie auf der Terasse. Das Mondlicht erhellte jene nur schwach, aber es war ihr egal. Umso dunkler die Nacht, umso wohler fühlte sie sich.
Sie hatte sich die einzelnen Arkorither alle angesehen.
Rilan der sie in den alten Tunnel begleitete und von ihr lernen wollte, sowie auch Cetus, der mit ihr das Grab durchforstete. Die neue Kraft, die der Orden mit den Anwärtern bekommen hatte musste gut genutzt werden. Tarja legte den Kopf in den Nacken. Sie war gespannt auf den morgigen Tag. Sie war gespannt darauf, ob sie ihre Aufgaben erfüllt hatten, die sie zu erledigen hatten. Sie erinnerte sich an ihre Anfangszeit im Orden ...
Strebsamkeit
Von Nichts kam Nichts. Tarja hatte sich grundsätzlich bemüht ihre Aufgaben mehr als nur zufriedenstellend zu bearbeiten. Zeitlich immer im Rahmen. Sie war strebsam und fast schon eine viel zu vorbildliche Schülerin. Aber Engagement zahlte sich auf Dauer nicht immer aus. Sie hatte ihre Macht erreicht, wie weit würde sie für das Erreichen grenzenloser Macht noch gehen? Würde sie den absoluten Wahnsinn dafür in Kauf nehmen? Wahrlich, sie hatte immer getan, was man ihr gesagt hatte. Widerwillig oder mit Elan, je nachdem, was es zu tun gab. Der Orden formte sie und ihre Lebensweise und nicht zuletzt lernte sie in jüngster Vergangenheit erneut, was es bedeutete, eine Arkoritherin zu sein.
Gehorsam
Wahrscheinlich war es die Gehorsamkeit, die ihr gefehlt hatte. Tarja hatte immer den nötigen Respekt, aber sie hatte nicht vor, ihre eigenen Prinzipien außer acht zu lassen, um vor jemandem zu kriechen. Sie war ein mächtiges Individuum und niemand, der vor jemandem im Staub kriechen musste, egal, wer dieser jemand war. Vielleicht hätte sie jenes tun sollen, um ihre Macht vergrößern zu können. Vielleicht würde sie ihre "Schützlinge" zu neuem Gehorsam erziehen müssen. Oder waren sie alle so schlau, um gleich zu wissen, was ihnen blühen würde?
Zusammenarbeit
Kurz hob Tarja ihre Lider etwas an. Die eisig blauen Augen blickten gegen die hohen Mauern, welche die Oberstadt umgaben. Zusammenarbeit war etwas, was sie alle lernen mussten. Schmerzhaft und weniger schmerzhaft. Immer wieder hatte Tarja versucht, die Schüler des Ordens damals zusammen zu bringen. Aber immer wieder blieb jemand fern. Ein Zusammen? Gab es das? Jedes Mal sah sie die Gleichen um den Tisch sitzen. Schüler, Gelehrte, die sie in ihrer ganzen Zeit im Orden nur drei oder vier Mal gesehen hatte. Waren sie es wert? Nein, sie waren es nicht. Jene waren es, die Tarja vor Wut kochen ließen. Wie schwach, wie hoffnungslos musste man sein? Sie konnte es nicht verstehen - nur eines gebührte ihnen: Der schnelle und schmerzhafte Tod.
Respekt
Eine Verneigung, die richtige Begrüßung.
So oft, so oft hatten sie es außer acht gelassen. Genauso wie die Pünktlichkeit. Wie oft stand sie da und fügte ihren Geschwistern Schmerz zu, damit sie daraus lernten. Aber was war sie geworden? Nicht mehr als eine Gelehrte des Ordens. Oder war das schon zuviel? Tarja zog die kalte Nachtluft ein. Sie sah auf den Ring an ihrer Hand. Nur kurz rückte ein Mundwinkel empor. Respekt - vielleicht hätte sie respektloser sein sollen. Hätte ihr das mehr gebracht? Aufmerksamkeit? Wie sie es in ihren Gedanken auch drehte, sie wusste nicht, was passiert war. Was hätte passieren sollen ...
Macht
Ohja, die Macht. Was war diese Macht schon? Was machte diese Macht aus? Wer entschied darüber an Macht zu gewinnen oder sie zu verlieren? Ein Spiel um Leben oder Tod. Macht war etwas, was sie schnell gelernt hatte für sich zu nutzen. Aber waren die Frischlinge auch dazu bereit?
Es war nicht an ihr gewesen, über so etwas zu entscheiden. Die Dinge waren so, wie sie waren. Irgendwann würde ihre Zeit kommen. Früher oder später. Erneut atmete sie tief ein. Die schwarze Robe klebte förmlich an ihrem Körper, betonte jede einzelne Rundung. Sie war eine Frau, sie hatte ihre Reize, auch wenn sie ihre Reize mehr im Verborgenen trug. Aber was brachte ihr schon ein solcher Reiz? Ihr Blick huschte erneut die Stadtmauern entlang. Hatte sie verlernt, sich selbst treu zu sein? Sie schloss die Augen und erinnerte sich. Erinnerte sich an den Tag, als sie den Orden betrat. Sie erinnerte sich daran, was vor der Zeit im Orden geschehen war. Erinnerte sich an die Bilder, die sich in ihrem damaligen Zimmer abgespielt hatten. Ruckartig öffnete sie die Augen wieder. Sie tastete nach dem Dolch an ihrem Stiefelschaft. Es war an der Zeit. Fragte sich nur an welcher.
Arkorither ... was fesselt dich?
Sie hatte Fesseln um ihre Gelenke. Unsichtbare Fesseln, die sie sich selbst angelegt hatte. So sehr hatte sie damals um ihre Freiheit gekämpft und dann hatte sie sich ihre Freiheit selbst genommen. Du bist Tarja, Tarja Thyrmon. Eine Kämpferin sondergleichen. Hatte sie verlernt zu kämpfen? Nein, das hatte sie nicht. Sie tötete, wenn sie töten musste. Sie war unberechenbar. Und langsam bekam sie immer mehr das Gefühl, dass jenes Gefühl immer schlimmer wurde. Sie sehnte sich nach Blut, Blut, welches ihre Klinge benetzen sollte. Doch wen sollte es treffen? Sie musste sich aus den Fesseln befreien.
Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss, der Dolch war längst wieder in ihrem Stiefelschaft verschwunden. Erneut nahm sie einen tiefen Atemzug. Es war faszinierend, dass allein ihr Inneres wieder zu jenem Ort zurück zog, an dem sie die letzten Nächte immer mal wieder verbracht hatte. Schattenspiele, die sich ihr darboten.
- Tarja, was hast du verloren? Was hast du für einen Preis gezahlt? Und was hast du dafür gewonnen?
Sie umklammerte ihren Stab und wandte ihren Kopf zur Seite, richtete ihn gen des schwarzen Boden. Und wieder fühlte es sich an, als würde sie ersticken.
Verfasst: Montag 29. September 2008, 01:04
von Tarja Lycron
[img]http://img72.imageshack.us/img72/2923/37513164ia3.jpg[/img]
Wer bereit ist zu lernen, muss einiges dafür bezahlen. Die Arkorither haben mit ihrer Seele bezahlt.
Tarja hatte den Schülern gemeinsam mit Darius einiges beigebracht. Niemals konnten sie sich darauf verlassen, dass das, was ein Gegner tun würde, berechenbar war. Durch Schmerzen lernte man, das würden sie alle noch recht bald am eigenen Leib verspüren. Selbst Tarja musste die Erfahrung machen, durch den eigenen Schmerz zu lernen.
Aber was war ein Arkorither wert, der absolut verweichlicht war? Manchmal fragte sich Tarja selbst, worin der Sinn bestand. Viel zu lange hatte das geschlafen, was tief in ihr ruhte. Eine Bestie. Ein unberechenbares Stück Fleisch in den Fängen des Ordens. Eine Gelehrte, die aus ihrer Macht das schöpfte, was zu erwarten war. Der blutrünstige Drang zu vernichten. Sie war es, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, aus den weichen Schülern eine harte Mannschaft zu machen. Angst würden sie nicht kennen, nicht einmal vor ihrem eigenen Tod.
Sie schloss ihre Augen. Sie war nicht mehr das, was sie einmal war. Sie hätte einen Nutzen aus dem ziehen sollen, wozu sie sich entschlossen hatte. Vereint zu einer Macht - eine Macht, von der sie nicht mehr allzu viel sah. Das Blut, die Adern in ihr begangen zu pochen. Sie riefen förmlich nach ihr, ihr Blut wollte, dass sie sich zu dem bekennen sollte, wer und was sie war. Ein Spiel mit dem Feuer. Ein verruchtes und verbotenes Spiel mit dem Feuer und mit allem, was tödlich sein konnte.
...
Es war zu ihrer Leidenschaft geworden an jenem Ort zu verweilen. Was war es, was sie vermisste? So lange Zeit hatte sie etwas an ihrer Seite gehabt, was sie spüren ließ, dass sie am Leben war. Und auf einmal war alles gestorben und doch zu etwas Neuem erblüht. Zu etwas, nach dem sie sich sehnte. Dieses Gefühl, einfach nur "da" zu sein. Etwas hatte sie immer auf ihren Wegen begleitet und irgendetwas fehlte ihr, das war ihr selbst bewusst. Und auch, wenn es kindisch und naiv war, dachte sie, sie hätte keine Ahnung von dem, was sie suchte. Doch wenn sie tief in sich hinein hörte, wusste sie ganz genau, was es war. Sie senkte ihren Blick hinab und ging die leeren Straßen entlang. Schattenspiele hatte sie jeden Abend zu genüge. Was sich dahinter verbarg, was die Spiele in ihrem Köpfchen suchten, das war eine ganz andere Frage. Eine Frage, die sie noch nicht bereit war zu beantworten.
Verfasst: Samstag 4. Oktober 2008, 00:56
von Tarja Lycron
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War Macht nicht das, wonach sie alle strebten?
Tarja spürte innerlich eine Veränderung. Teilweise fühlte sie sich, als würde um sie herum etwas geschehen, was man Selbstironie nannte. Es wär ihr gänzlich neu, dass ein Umhang unterschieden wurde in Umhang und einem Umhang, den sie nicht tragen durfte. Jahrelang hatte sie diesen Umhang um ihre Schultern gelegt und niemand hatte dem entgegen gewirkt. Aber es schien ein neues Zeitalter heranzuwachsen. Und sie hatte ihre Strafe hingenommen ... Ein Spott, den sie ertragen musste. Es war nicht der Schmerz, der sie den Hass in sich spüren ließ. Es war die Demütigung, die Darius vollzog. Und Tarja wusste, irgendwann würde der Tag der Rache kommen. Wer war es denn, der im Orden die meisten Fehler begangen hatte? Wie oft hatte Tarja die Peitsche erheben müssen um ihren Mitschülern Manieren beizubringen? Aber wie man sah - Fehler verhalfen einem zu großer Macht. Sie rollte mit den Augen.
Die Kampfübungen stellten sich ebenso als sehr langweilig heraus. Nicht nur, dass ihr aufgefallen war, dass die Rüstungen nicht vollständig waren und der Halsschutz bei beiden fehlte - es war pure Selbstironie, dass sie diejenige war, die an einer langen Kampfausbildung teilnahm und sich das Schauspiel ansah. Sie konnte nur den Kopf schütteln, aber es war besser, sich jenes zu verkneifen. Sie konnte froh sein, wenn ihre Gedanken nicht einfach offenbart wurden. Den Vortrag von ihrer Cousine hatte sie heute durchaus vernommen, wenngleich sie sehr überrascht war über die seltene Anwesenheit ihrer "Ordensschwester" Kelaino. Es war immer wieder verblüffend, dass sie hier und da auftauchte und wieder verschwand. In den Jahren, die Tarja nun am Orden verbracht hatte war es ihr nicht möglich, die Zusammentreffen an mehr als zwei Händen abzuzählen. Nichts desto trotz musste sie ihre Qualitäten haben ...
Tarja schüttelte den Kopf. Sie hatte keine Lust mehr sich Gedanken darüber zu machen, was andere taten, dachten, wollten, machten. Gerade drehte sich alles nur um sie.
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Sie schlenderte, wie immer in letzter Zeit, wiedermal durch die Straßen Rahals. Irgendwann würde sie schon finden, wonach sie suchte. Irgendwann würde ihr auffallen, wohin es sie immer und immer wieder zog. Sie setzte sich auf die kleinen Treppen im Dunkeln und blickte wieder zum Nord-Ostflügel des Hauses. Sie zog die Schultern empor und sie hatte das Gefühl, sich wohl zu fühlen. Ein Band, welches immer bestand und weiterhin bestehen würde. Sie sah auf ihre Hände und blickte über die blassen Finger. Der goldene Ring schmeichelte ihrem schmalen Finger deutlich und es schien, als würde die Inschrift zu leuchten anfangen. Als würde sie sich ihr ins Gedächtnis schreiben wollen. Sie sah von den Händen auf und blickte die Hauswand empor. Wie oft sie in letzter Zeit hier saß - versteckt im dunkeln, einsam und allein. Aber nur hier fühlte sie sich wohl. Zumindest solange, wie die Wache ihren nächtlichen Rundgang machte und Tarja frühzeitig aufbrach um unangenehmen Fragen auszuweichen.
Und so machte sie sich zurück auf den Weg in ihr Zuhause. Die Tür hinter sich verschlossen stapfte sie die Treppen empor. Kurz führte ihr Weg ins Bad, dann in ihr Bett. Sie wollte nur noch eines: Alleine sein.
- Und schlafen.
Verfasst: Montag 6. Oktober 2008, 13:32
von Tarja Lycron
Eine wunderbare Sinfonie, die sich ihr in den Klängen bot, als sie wieder einmal durch die Höhlen zog. Ihr Ehrgeiz und ihr Stolz waren angegriffen worden von jemandem, der weitaus schwächer als sie war. Sie musste sich weiter schulen, sie musste ihren Körper noch mehr darauf trimmen um daraus eine unberechenbare Waffe zu machen. Große Werke mussten lange geplant werden.
Die Gedanken in schwarz weiß
spiegeln sich in der Vergangenheit
fand den Frieden als ich ihn ansah
und ihm für dich sein Leben nahm.
[Unheilig - Rache]
Er hatte ihr etwas abgenommen, was sie lange mit sich herumgetragen hatte. Und irgendwann würde es ihm leid tun. Sie fing an, sie zu hassen. Alle. Allesamt. Das Einzige, wonach es ihnen gelüstete war nacktes Fleisch und jeder war in dieser Hinsicht gleich. Lust und Leidenschaft, ein Spiel mit dem Feuer. Wenn sie sich nur nicht alle die Finger verbrennen würden ... Der nächste Zweikopf sank vor ihr auf den Boden, als sie hinter sich Schritte vernahm. Sie hatte nun keine Lust sich umzudrehen. Sie wollte ihrer Wut, ihrer blanken Tötungswut nachgehen. Erst als sie die ihr bekannte Stimme vernahm drehte sie sich um. Wie schön, dass sie den Mann, der sich ihr Gatte schimpfte, doch auch mal zu Gesicht bekam. Und dazu auch noch in einer der alten Höhlen. Es war wohl ein Geschenk des Himmels, welches sie dankend ablehnte. Krathor sollte seine Seele holen, wenn er doch noch eine hätte.
Den Letharen an seiner Seite registrierte sie nicht einmal. Welch Interesse sollte sie daran schöpfen, jetzt, wo sie ihren Gatten nach Wochen wieder einmal sah? Der Rest war ihr mehr als gleichgültig.
Die neue Welt, ein fremder Ort,
falle wieder durch die Zeit,
träume mich hinfort.
Gibt es mehr als das, was mich umgibt?
Gibt es mehr?
Hab’ ich gelebt, bevor die Zeit mich besiegt?
Genug gesagt, über Hoffnung und den Sinn.
Genug gedacht, über das, was wäre wenn.
Es ist soweit, neue Welten zu sehen,
dem Himmel zu erobern und zum Rand der Welt zu gehen.
Lebe wohl.
Komm, geh mit mir übers Wasser, übers Meer.
Geh durch den Sturm und zum Licht am Horizont.
Lebe wohl.
[Unheilig - Lebe wohl]
Sie hob das Haupt an und zog die Luft tief in das Innere ihrer Lunge ein. Die Nacht war kalt und jeder tiefe Atemzug nahm ihr im gleichen Zuge die Luft, der stechende Schmerz breitete sich in ihrem Körper in Windeseile aus. Ein keckerndes Lachen oder etwas, was ansatzweise so etwas darstellen sollte durchzog die Nacht und sie trat dem Zostrich in die Seite um ihn zum rennen zu bewegen. Erst als sie vor den hohen Mauern stand schickte sie ihn wieder hinfort. Die Suche ging weiter. Und so landete sie wie jeden Abend auf ihrem kleinen Plätzchen, gut versteckt und doch so gelegen, dass jeder, der aus dem Fenster sah, sie mit Mühe sehen konnte. Sie zog die Beine an und legte ihr Kinn darauf. Wie lange würde es dauern, bis sie gefunden hatte, wonach sie suchte?
Verfasst: Samstag 25. Oktober 2008, 21:50
von Tarja Lycron
Der Unterricht war gut gelaufen. Das erste Mal an dem sie Unterricht halten durfte. Es war hervorragend, dass sich gleich alle versammelt hatten, so würden sie gemeinsam lernen. Aber hinterrücks war sie komischerweise immer mit etwas Anderem beschäftigt. Wochenlang beschlich sie das Gefühl, dass sie etwas ganz bestimmtes gesucht hatte und auf einmal war dieses Gefühl weg.
Du kamst zu mir vor jedem allerersten Ton
Als das Zeitglas unerschöpflich schien
Du hast gelebt, in jedem Sturm mit mir gekämpft
nie etwas verlangt, nur gegeben und geschenkt
Hast mir gezeigt was wirklich wichtig ist
Hast ein Lächeln gezaubert mit deinem stillen Blick
ohne jedes Wort doch voll von Liebe und Leben
hast so viel von dir an mich gegeben
Unheilig - An deiner Seite
Innerlich musste sie sich immer wieder um ihre Fassung bemühen, auch wenn sie sich äußerlich nichts anmerken ließ. Lucan links neben ihr, Darian rechts neben ihr. Umgarnt von den zwei Männern, die ihr eins in ihrem Leben sehr viel bedeutet hatten.
Nachdem sie sämtlichen Unterrichtsstoff durchgenommen hatte, verließ sie die Räumlichkeiten. Darian trat seinen Weg ohne Umschweife nach Hause an, Lucan und sie standen noch kurz in der Eingangshalle, während sich der Rest langsam zurück zog. Es tat gut in seiner Nähe zu sein. Dieses Vertraute, was die beiden umgab. War es das, was ihr gefehlt hatte? Oder sehnte sie sich im Inneren nach etwas ganz anderem?
Fragen über Fragen und sie würde keine klaren Antworten darauf bekommen. Noch nicht. Zeit, Zeit, Zeit. Sie würde es zeigen.
Verfasst: Freitag 7. November 2008, 21:06
von Tarja Lycron
Die Vertrautheit, die um sie herum entstand hatte sie längst vermisst. Sie hatte es vergessen gehabt, was es hieß, nicht mehr alleine zu sein. Zugegebenermaßen konnte sie es nicht bestreiten, dass sie in den letzten Wochen betrübt darüber gewesen war, so wenig von ihrem Ehemann zu sehen. Sie hatte ihr Leben immer nur solange mit einem Menschen verbracht wie er ihr von Nutzen war. Und so hatte sie genügend Zeit für sich gehabt um alles zu hinterfragen. War das, was sie sich vor Alatar geschworen hatte das, was ihr allen Sinn gab? Konnte sie beides mit ihrem eigenen Kodex und dem Kodex des Ordens vereinen?
Sie sah in die liebevollen Augen Lucans. Kaum zu glauben, dass hinter diesen schwarzen, unberechenbaren Arkorithern doch noch etwas stecken konnte, was anders war als die Kälte, die sie nach außen hin trugen. Keine liebevolle oder nette Geste sah man bisher von Tarja gegenüber ihren Ordensmitgliedern, eine gewisse Strenge war das, was einen Kampfmagier ausmachen würde. Und sie würden das alle recht früh lernen. Das sie selbst ein zahmes Kätzchen sein konnte, in den seltenen Momenten in ihrem Leben, war wohl kaum Einem bewusst.
Lass mich in deinen Armen sein ...
Immer wieder zuckten die Augenlider, sie öffnete ihre Augen jedoch nicht. Sie spürte, dass er neben ihr lag. Im Haus war wieder Leben eingekehrt. Der Atem, welcher sich aufmachte um ihre Nackenhaare zu streicheln hatte in dem dunklen Zimmer gefehlt. Sie schlug die Augen auf. Die eisblauen Augen flackerten im Licht der Kerze und der Blick fand sich auf dem kühlen Mauerwerk ein. Erst mit der Zeit fielen ihr die Augen zu...
Die junge Frau sah sich um, ich sah sie genau. Aus einem Augenwinkel heraus, den sie selbst nicht sah. Ich sah, wie die junge Frau auf dem Boden saß, zitterte. Ihr war kalt und der Angstschweiß rann ihre Schläfen hinab, ehe er von der Kinnspitze abperlte. Sie wusste nicht, wo genau sie war, das wenige Licht, welches durch die Türe schimmerte verriet ihr ganz und gar nicht, wo sie sich befand... sie kroch in eines der Ecken zurück und hielt sich die Hände über die Ohren. Sie wollte nicht mitkriegen, wenn irgendetwas passieren würde. Die Augen hatte sie fest verschlossen. "Sieh mich an, wenn ich mit dir rede..."
Sie zitterte, ihr Körper bebte und sie sah in die grauen Augen. Wärme durchflutete ihren Körper. "Weißt du, manchmal muss man die Menschen zu ihrem Glück zwingen!" Ein Schlucken. Die Wärme, die durch ihren Körper strömte zeigte ihr, dass ihr der Mensch vor ihr vertraut war. Sie musste keine Angst haben. Keine Angst.
Im Haus war es ruhig. Der Atem von Tarja war tief, längst hatte sie sich im Reich der Träume eingefunden. Immer wieder zuckte sie hin und her und die Furchen auf ihrer Stirn deuteten daraufhin, dass die Träume, die sie träumte, nicht die besten waren.
"Lass sie gehen..."
Der Schmerz um das Handgelenk wurde unerträglich. Sie sah sich um. Das warme Gefühl wurde immer intensiver und sie fühlte sich so geborgen wie schon lange nicht mehr. Der Kuss, der ihre Lippen besiegelte war ihr so fremd und doch so vertraut und sie konnte sich nicht von ihnen lösen, selbst wenn sie wollte. Es war, als wäre sie in einem Bann gefangen aus dem sie sich alleine nicht befreien konnte. "Lass - sie - los..." donnerte die Stimme erneut, doch sie spürte nichts von alledem. Um sie herum schien alles verschwommen wie sie dort stand und die fremden Lippen ihre umschlangen. Sie fühlte nur noch, wie sie weggeschleudert wurde, zu Boden ging. Es war, als würde sie fallen, fallen, fallen. Sie hatte nichts, woran sie sich halten konnte. Erst, als sie aus dem Bann erwachte, sah sie, was vor ihr passierte. Nur noch ein lauter Schrei, der über ihre Lippen drang, konnte ihr helfen.
"Neeeeeeeeeeeeeeeein!"
Sie riss die Augen auf und sah sich im Raum um. Träume, Tarja hasste sie. Manch einer war dem Wahnsinn verfallen, weil er zu viel auf seine eigenen Träume gegeben hatte. Sie sah kurz zur Seite, Lucan war nach wie vor hier. Seufzend ließ sie sich zurück auf das Laken gleiten und drehte sich zu ihm. Sie musste unbedingt noch ein paar Stunden Ruhe finden. Denn es gab nichts kostbareres als die Ruhe, die das Zuhause umgab.
Verfasst: Dienstag 25. November 2008, 02:46
von Tarja Lycron
Es war vorbei.
Dieses merkwürdige Gefühl in ihr ging, als ihr Ordensbruder das Leben verließ um die Pforte zum Jenseits zu überschreiten. Sie sah sich selbst, wie sie auf den leblosen Körper starrte. Sie hatte mit allem gerechnet nur nicht damit, dass bei dem Übungskampf jemand das Leben lassen würde. Sie schwieg. Sie konnte nichts sagen.
Und das Schweigen sollte bis zum nächsten Morgen anhalten. Erst, nachdem sie wach wurde und ein neuer Tag begonnen war konnte sie ihre Gedanken sortieren. Es war so als ob ein Teil der Last von ihrer Schulter genommen wurde. Auf einmal fühlte sich alles so furchtbar leicht an.
Und auch Lucan bemerkte den Aufschwung ihrer Laune. Doch war es das Einzige, was ihr selbst diesen Aufschwung gab? Diese klaren Verhältnisse, zu wem sie gehören sollte?
Es war der Aufschwung im Orden, der sie so belebte. Es war an der Zeit, neue Kampfmagier zu züchten. Ihnen beizubringen, auf was es ankommen sollte. Ihnen die wichtigsten Dinge der Magie zu lehren. Tarja war zufrieden mit den Schülern. Sie machten die üblichen Fehler, die jeder Schüler anfänglich machte bis sie lernten - so oder so. Es war innere Zufriedenheit, die sie verspürte. Sie hatte alles, was sie wollte. Nungut, böse Zungen behaupteten, dass sie ihre Seele vermisste. Aber diesen Preis hatte sie gern für das bezahlt, was sie dafür bekomme hatte. Immerhin war sie so keinerlei Beute für einen Rabendiener, denn eine Seele besaß sie nicht.
Pfeifend stand sie also in der Küche. Sie war nie gut darin zu kochen, aber bevor das Fleisch schlecht wurde musste sie es aufarbeiten. Es war nicht schwer, es zu zertrennen. Es fiel ihr auch gar nicht schwer. Der süssliche Geruch von gebratenem Fleisch durchzog also das kleine Haus. Penibel genau fing sie nach dem Kochen an, den Tisch zu decken. Sie wusste, Lucan musste bald nach Hause kommen. Er würde sich sicherlich wundern, was mit ihr los war. Immerhin war es ein Festmahl. Kartoffeln, Salat, Eintopf, dazu Brot. Und Wein. Und er war auch verwundert und fragte sie, wen sie erwartete. Aufgrund ihrer Debatte vor ein paar Tagen im Tavernenhof antwortete sie damit, dass sie auf ihren Geliebten wartete. Ein kurzes Schmunzeln legte sich auf beider Lippen, ehe sie ihn wegschickte, um sich umzuziehen. Immerhin hatte sie sich auch herausgeputzt, um nicht mit ihren weiblichen Reizen zu geizen. Schließlich waren diese die beste Waffe, die eine Frau einsetzen konnte, wenn sie etwas haben wollte. Und so begannen sie damit, als er zurückkam, das Festmahl zu verspeisen. Sie philosophierten darüber, dass Tarja doch eigentlich gar nicht diejenige war, die sich gerne in der Küche sah. Aber Ausnahmen mussten sein und sie musste sich auch einmal wieder um ihre Ehe kümmern, schließlich brachten kleine Aufmerksamkeiten immer mal wieder Schwung in eine solche Verbindung zweier Menschen. Das Gesicht Lucans, als er erfuhr, was er gerade gegessen hatte, war nicht zu beschreiben. Die Worte "Das ist ekelhaft" trieben ihr förmlich den Stolz durch den ganzen Körper. Ja, es war tatsächlich ekelhaft, aber es schmeckte vorzüglich, wenn man die moralischen Werte außen vor ließ. "Ich möchte, dass du das mit mir auch machst, wenn ich einmal sterben sollte!" Sie schmunzelte bei seinen Worten. Immerhin würde sie damit kein Problem haben und wenn es sein Wunsch war, würde sie ihm diesen liebend gerne erfüllen.
Und mit diesem Abendessen kehrte wieder das alltägliche Leben im Hause Linari ein.
Verfasst: Sonntag 7. Dezember 2008, 00:40
von Tarja Lycron
Irgendwas veränderte sich. Diesmal deuteten keine Träume daraufhin sondern ihr Gefühl. Immer dann, wenn sich im Orden was tat spürten die Schüler und Gelehrten es. Sei es der Verlust oder die Steigerung der Macht. Es war Tarja nicht immer vergonnt zu erfahren, um was genau es sich handelte, aber mit der Zeit konnte man die Gefühlsausbrüche im tiefsten Inneren doch zuordnen. Und diesmal war es Verlust und das Streben nach etwas altem verlorenen und doch neuen, ungewissen auf einmal. Der Orden war nicht geschwächt, keinesfalls. Sie schloss die Augen und ließ sich wieder zurück in das verschwitzte Laken sinken.
Das Wetter machte ihr zu schaffen und wenn jemand glaubte ein Arkorither konnte nicht krank werden, dann täuschte derjenige sich gewaltig. Ein Arkorither konnte. Und auch, wenn man vieles durch das Lied verändern konnte, es gelang Tarja nicht, ihre Konzentration so zu bündeln, dass sie sich selbst helfen konnte. Immer dann, wenn sie versuchte in das Lied einzugreifen überkam sie ein Kribbeln in der Nase und sie verteilte ihre Bazillen im durch das Kerzenlicht getränkten Raum. Wenn es nicht die Nase war, die kitzelte war es der Reiz in ihrem Rachen, der sie unter einem Hustenanfall zusammenbrechen ließ. Sie fühlte sich matt, ihr Kopf schmerzte und jeder Schritt tat in den Gelenken und Knochen weh. Es war furchtbar mit anzusehen, wie eine so starke Frau auf einmal zu einem kränkelnden, kleinen Mädchen werden konnte. Lucan brachte ihr Wasser, danach etwas Hühnersuppe, damit sie bald wieder gesund wurde. Nachdem alles nicht geholfen hatte blieb ihr nichts anderes übrig, als das Kräuterelexier zu trinken. Sie hasste es, denn es war schlimmer als alles andere, was sie jemals zu sich genommen hatte und sie hatte nun wirklich schon viel gekostet. Sogar Menschenfleisch. Und doch war sie irgendwie wieder froh, dass sie ihren Mann an ihrer Seite hatte, auch wenn es nicht gerade typisch für einen Arkorither war. "Manchmal wüsste ich nicht, was ich ohne dich tun würde..." - und genau in einem solchen Moment wurde ihr das hin und wieder doch bewusst.
Nachdem sie sich nach dem Einnehmen des Kräuterelexiers wieder etwas hingelegt hatte ging es ihr wirklich besser. Es schien als wäre sie nicht einen Moment lang krank gewesen und sie erhob sich, um sich vernünftig anzuziehen und nicht in der schlabbrigen Hose und dem viel zu großen Hemd in ihrem Haus herumzulaufen.
Nachdem Lucan sich nach ihrem Befinden erkundigte und sie bestätigte, dass es ihr wieder gut ging machten sie sich auf in die Taverne. Sie hatte zwar keinen Hunger - in der letzten Zeit konnte sie nicht unbedingt viel essen ohne das ihr umgehend übel wurde - einen Nachmittag in der Taverne würde sie sich trotzdem nicht entgehen lassen.
Dort angekommen bemerkte sie die beiden Gäste am Tresen, ihr war aber nicht danach, eine laute Begrüßung in den Raum zu werfen. Also ließ sie sich recht zügig auf einem der Stühle nieder, um sich die Handschuhe von den Fingern zu zupfen und den Gesprächen der Beiden zu lauschen. Es ging um eine anstehende Hochzeit, eine Verbindung zweier Menschen vor Alatar. Sie erinnerte sich an ihre eigene Zeremonie, die dem Zweck diente zwei Menschen zu einer Macht zu vereinen. Und genau das war hervorragend gelungen. Ohne einander waren sie nicht vollkommen. War Lucan nicht da, war Tarja nicht komplett. War Tarja nicht in seiner Nähe, fehlte Lucan jeglicher Elan. Auch, wenn Tarja sich anfänglich gegen jegliche Verbindung gesträubt hatte.. trotz ihres Strebens nach Unabhängigkeit hatte sie wohl begriffen, dass seine Stärke ein wesentlicher Bestandteil von ihrer war. Er nährte sie mit seiner Macht und sie nährte ihn mit ihrer Macht. Der Blick schlich sich zu dem Ring, der sie miteinander verbunden hatte und noch immer verband. Nur sehr selten wich er ihrem Finger und immer dann fühlte sie sich nicht komplett. Es war merkwürdig. Die Zweckgemeinschaft hatte ihre Früchte getragen. Nur gemeinsam konnten sie solch eine Macht aufbauen, die durch ihren Zusammenhalt nur noch weiter verstärkt wurde. Vielleicht sollte die Verbindung vor Alatar ein weiteres Mal erneuert werden, um das Band zu stärken. Ja, vielleicht ...
Ich bin dein Fehltritt und dein Irrtum
Ich bin die mit dem schlechten Ruf und
All den leeren Versprechen,
Die immer schon gelogen waren, denn
Ich bin das was übrig bleibt,
Der Stein in deinem Schuh,
Ich bin all die Bitternis,
Die dich so oft heimsucht.
Ich bin Enttäuschung und Vergangenheit,
All die nicht gelebten Träume.
Der Geruch auf deiner schönen Haut
Den du nicht abwaschen kannst, denn:
Ein Teil von mir steckt für immer in dir.
Und ein Teil von dir steckt für immer in mir.
Es ist so ein harter Boden auf dem wir jetzt gelandet sind.
Werden wir uns wiederholen.
Haben wir uns beide verdient?
Ein Teil von mir steckt für immer in dir.
Die Toten Hosen - Teil von mir
Verfasst: Freitag 12. Dezember 2008, 20:29
von Tarja Lycron
Der Kopf wanderte in ihren Nacken und sie schloss die Augen. Der Wind, welcher ihr so unsagbar schmerzhaft um die Ohren peitschte versuchte ihre Gedanken hinfort zu tragen. Ein schallendes, fast schon besessenes Lachen drang über ihre Lippen und ließ sich von dem Wind davontragen.
Sie öffnete langsam ihre schweren Lider wieder und gab die blauen Augen frei, die wiederum in einem gar fremdlich wirkenden Blau schimmerten. Die weißen Haare peitschten um ihr Gesicht, wirbelten durch die Luft und legten sich wie ein seidener Schal um ihren schlanken Hals. Die blassen Hände lösten die Haarschlingen von ihrem Kragen und versuchten die hüftlange Haarpracht mit einem Lederband zu bändigen. Es schien in den Windspielen fast so, als habe der Wahnsinn selbst ihre Haare heimgesucht. Mit eilfertigen Schritten rannte sie förmlich auf die Stadttore zu, als würde eine Bestie hinter ihr herjagen - oder sie gar begleiten? Die Türe zu ihrem Heim wurde aufgestoßen und hinter ihr wieder zugeworfen. Wenige verirrte Haarsträhnen flogen über ihre Schultern hinab und kamen auf ihrem Brustkorb zur Ruhe.
Blitzschnell entledigte sich die Maga ihrer Kleidung und huschte in ihr Labor. Die Unordnung, die dort herrschte war ihr gänzlich egal. Wer Ordnung hielt, war einfach nur zu faul zum suchen. Die Truhe wurde aufgeklappt, einige Bücher kamen zum Vorschein, die sie aufschlug. Der Hass brannte in ihr und er drohte sie zu verbrennen, wenn sie ihm keine Möglichkeit bieten würde, sich zu entladen. Sie hätte es gleich tun sollen. Sie hätte diese ganze verflixte Bude mit den drei Heilerinnen in Brand stecken sollen. Sie hatten wirklich Glück, dass die Maga einen überaus guten Tag hatte, ansonsten hätte sie alle drei an den Haaren hinter sich hergezogen und dann war es keine Frage mehr, was passiert wäre. Bedauerlich, dass sie sich für den Rückzug entschieden hatte. Zu gerne hätte sie einem der Weiber ihr loses Mundwerk gestopft - vielmehr die Zunge herausgeschnitten, um diese selbst dann zu einem köstlichen Mahl zu verkochen. Es war doch immer wieder schön, wie sehr die Menschheit unterschätzte, was dort schwarzberobt vor ihnen stand. Was sollte sie schon von drei Frauen halten, die nach abermaligem Erklären nicht kapieren wollten, warum sie ihre Masken und Kapuzen nicht abnahmen? Kinder spielen Verstecken - den Kommentar hatte sie vernommen, auch, wenn er für die Anderen kaum hörbar war. Einige Kräuter landeten in dem Topf. Kinder. Kinder? Ohja, sie konnte kindisch sein. Sie konnte schrill lachend um einen leblosen Körper hüpfen und sich darüber freuen, den Tod erneut verbreitet zu haben. Habgierig wie sie war, würde nur sie, nur sie, sie, sie ganz alleine den Tod verteilen. Ohja, wie sie es liebte. Allein der Gedanke an den Geruch und den Geschmack des Todes erschauderte sie und gab sich dieser kurzen Wonne der Vorstellung hin. Weitere Kräuter landeten in der kochenden Suppe. Sie hatte sich die Gesichter eingeprägt. Und sie war verdammt gut darin, das hatte sie schon oftmals bewiesen. Jemand, der etwas falsches in ihrer Nähe getan hatte würde irgendwann dafür büßen müssen.
Während sie weiter an ihrem Süppchen herumköchelte und eine irre Melodie summte machte sie sich Gedanken darüber, was ihr Ordensbruder wohl erreicht hatte. Die Strafe für das, was er ausgeplaudert hat, musste er wohl hinnehmen. So oder so. Sie waren mit dem jetzigen Jahrgang der Arkorither viel zu zart umgegangen. Das musste sich ändern. Sie sollten lernen, wer sie waren. Sie würde wissen wollen, was es für einen Vorfall gab, an dem er sich entblößen musste. Und sie hoffte für die Beteiligten, dass es ein rein körperliches Verlangen war. War es das Verschulden von anderen, würde genau derjenige zur Rechenschaft gezogen werden. Keiner, aber auch wirklich gar niemand legte die Hand an die Maskierung eines Arkorithers. Die blauen Augen schimmerten weiter unheilvoll vor sich her. Wären die Schatten nicht längst schon aus ihren Augen gewichen, wären sie nun wahrscheinlich fort. Sie zog den Geruch des Süppchens tief durch die Nase ein. "Hervorragend..." Die Kelle wurde zur Seite gelegt. Es war an der Zeit, das zu tun, was eine Frau tun musste - sie würde den Tisch decken und darauf warten, dass ihr Gatte nach Hause kam.