Sommer
Verfasst: Freitag 18. Juli 2008, 01:10
„Wo ihr hinkönnt, kann ich erst recht hin!“ Immerhin waren sie Mädchen und Anney war mindestens ein Jahr jünger als er... drei, wenn man sein großzügiges Aufrunden des eigenen Alters ebenso ernst nahm wie ihres.
„So? Das woll mer erstma seh'n. Der Schupp'n steht im alt'n Haf'n von Rahal.“
Ein durch und durch unerwarteter Schlag in die Magengrube, der ihm einen heißen Schauer durch den Kopf jagte und zugleich die Luft abschnürte. Wann es ging, vermied er die Erinnerungen an die Entführung, solch unverhofften Attacken gegenüber war er jedoch noch immer machtlos.
Die Mädchen hatten nicht eingesehen, warum es so wichtig war, von dort fern zu bleiben und er hatte es nicht aussprechen können. Stattdessen war die Diskussion schon bald vom Thema abgeglitten, um eine absurde Wendung anzunehmen. Warum verteidigte er auf einmal die Welt der feinen Leute, in die er kaum weniger gehörte als die beiden? Weshalb glaubten die zwei, er sei wie die, die nichts anderes zu tun hatten, als ihm ständig zu bekunden, wie verkehrt und befremdlich alles an ihm sei?
„Luca s'is gut, dass es solche Leute gibt aber wir pass'n nich“
Er gehörte eindeutig eher zu dem vertrauten „wir“ als zu „solchen Leuten“... gewusst und gespürt hatte er das in den letzten Monaten oft genug, allerdings war es eben jene piekfeine Gegenseite gewesen, die darauf beharrt hatte. Und nun... kämpfte er darum, den Mädchen klar zu machen, wie wenig auch er in die Welt passte, in der er nun lebte und sich die ganze Zeit über mühsam einzufügen versuchte? Zum Verrücktwerden! Tat es so weh, weil ihm klar wurde, wie wenig er in sein neues Zuhause gehörte, oder weil die beiden nicht glaubten, dass er einer von ihnen war... sein könnte? Was sollte denn noch übrig bleiben?
„Mach's gut... und werd ja n feiner Ritter..“
Auch wenn er die folgenden Tage und Nächte ausnahmsweise weiterhin wartend und ausschauhaltend am Anwesen der Lady und nicht in der Stadt bei Bo verbracht hatte, war ihm klar, dass es ein Abschied gewesen war.
Warum hatte er sie nicht früher treffen können? Wenig hatte er sich in den Monaten ohne Bo, Sehd und die alten Freunde mehr gewünscht, als wieder Teil einer Bande zu sein... Raufen, Toben, Saufen, Teilen und Streiten, Kriege um Schrott und Straßenzüge führen, zotige Lieder gröhlen, Lachen und kein bisschen auf das lose Mundwerk achten...
Sicher war er inzwischen wieder Menschen nahe gekommen, doch sie blieben in erster Linie Grafen, Hochgeborene oder einfach Erwachsene. Hielten in erster Linie zu Verlobten, Etikette oder noch Hochgeboreneren. Drohten, sich bei den ersten Nichtigkeiten wieder abzuwenden...
Er konnte verstehen, wenn Anney und Kara trotz all dem Essen nicht mit ihm tauschen wollten. Das hatte er allerdings auch nicht verlangt... was war so falsch daran, hier normal zu sein? Dort, wo es sicher war, niemand hungerte, gefoltert oder brutal bestraft wurde? Hatte sie Recht, war es unmöglich, hier so zu leben, wie er es von früher kannte? Im Haus der Lady – sicher. In Varuna – vielleicht. Aber es musste doch nicht ausgerechnet die Hexenstadt sein!
„So? Das woll mer erstma seh'n. Der Schupp'n steht im alt'n Haf'n von Rahal.“
Ein durch und durch unerwarteter Schlag in die Magengrube, der ihm einen heißen Schauer durch den Kopf jagte und zugleich die Luft abschnürte. Wann es ging, vermied er die Erinnerungen an die Entführung, solch unverhofften Attacken gegenüber war er jedoch noch immer machtlos.
Die Mädchen hatten nicht eingesehen, warum es so wichtig war, von dort fern zu bleiben und er hatte es nicht aussprechen können. Stattdessen war die Diskussion schon bald vom Thema abgeglitten, um eine absurde Wendung anzunehmen. Warum verteidigte er auf einmal die Welt der feinen Leute, in die er kaum weniger gehörte als die beiden? Weshalb glaubten die zwei, er sei wie die, die nichts anderes zu tun hatten, als ihm ständig zu bekunden, wie verkehrt und befremdlich alles an ihm sei?
„Luca s'is gut, dass es solche Leute gibt aber wir pass'n nich“
Er gehörte eindeutig eher zu dem vertrauten „wir“ als zu „solchen Leuten“... gewusst und gespürt hatte er das in den letzten Monaten oft genug, allerdings war es eben jene piekfeine Gegenseite gewesen, die darauf beharrt hatte. Und nun... kämpfte er darum, den Mädchen klar zu machen, wie wenig auch er in die Welt passte, in der er nun lebte und sich die ganze Zeit über mühsam einzufügen versuchte? Zum Verrücktwerden! Tat es so weh, weil ihm klar wurde, wie wenig er in sein neues Zuhause gehörte, oder weil die beiden nicht glaubten, dass er einer von ihnen war... sein könnte? Was sollte denn noch übrig bleiben?
„Mach's gut... und werd ja n feiner Ritter..“
Auch wenn er die folgenden Tage und Nächte ausnahmsweise weiterhin wartend und ausschauhaltend am Anwesen der Lady und nicht in der Stadt bei Bo verbracht hatte, war ihm klar, dass es ein Abschied gewesen war.
Warum hatte er sie nicht früher treffen können? Wenig hatte er sich in den Monaten ohne Bo, Sehd und die alten Freunde mehr gewünscht, als wieder Teil einer Bande zu sein... Raufen, Toben, Saufen, Teilen und Streiten, Kriege um Schrott und Straßenzüge führen, zotige Lieder gröhlen, Lachen und kein bisschen auf das lose Mundwerk achten...
Sicher war er inzwischen wieder Menschen nahe gekommen, doch sie blieben in erster Linie Grafen, Hochgeborene oder einfach Erwachsene. Hielten in erster Linie zu Verlobten, Etikette oder noch Hochgeboreneren. Drohten, sich bei den ersten Nichtigkeiten wieder abzuwenden...
Er konnte verstehen, wenn Anney und Kara trotz all dem Essen nicht mit ihm tauschen wollten. Das hatte er allerdings auch nicht verlangt... was war so falsch daran, hier normal zu sein? Dort, wo es sicher war, niemand hungerte, gefoltert oder brutal bestraft wurde? Hatte sie Recht, war es unmöglich, hier so zu leben, wie er es von früher kannte? Im Haus der Lady – sicher. In Varuna – vielleicht. Aber es musste doch nicht ausgerechnet die Hexenstadt sein!