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Ein heimtückischer Angriff

Verfasst: Montag 7. Juli 2008, 22:15
von Viridian
Endlich zurück auf Lameriast, endlich zurück in den heimischen Mauern der Burg. Über Viridians Lippen huschte die Andeutung eines Lächelns. Die merkwürdige Krankheit, mit welcher jenes seltsame Wesen ihn infiziert hatte, war dank der schnellen und fachkundigen Hilfe des Heilerhauses Drachenfels schnell verheilt.
Doch sein natürliches Misstrauen ließ ihn an diesem trügerischen Frieden zweifeln, zumal er die Macht jenes Wesens, das sich selbst als Arkoriteherin und eine der aussichtsreichsten Anwärterinnen auf den Posten des Hofmagiers des Alka vorgestellt hatte, noch gut in Erinnerung hatte.
Den ganzen Tag, seit er in der Heierstube erwacht war, hatte dieser Gedanke ihn beschäftigt. Was, wenn die Heiler die Krankheit nicht bezwungen, sondern nur unterdrückt hätten? Was, wenn sie sich wieder melden würde, im Kampf, zur ungünstigsten Zeit!
Um sich selbst zu beruhigen, hatte er sich bereits wieder im Kampf mit einigen Unholden gemessen, ohne dass sich die Schmerzen in der Lunge und die Atemnot wieder meldeten. Das hatte seine Zweifel zerstreut. Und nun war er zurück in der Burg, der Abend brach herein und würde diesen Tag unerwartet gut enden lassen.
Doch noch einmal würde er die Mauern heute verlassen müssen, seine Nachdenkerei hatte ihn vergessen lassen, dass er noch einige persönliche Dinge aus seinem Schließfach in Neuhaven hatte holen wollen.
Auf dem Weg kam ihm eine verhüllte Gestalt entgegen. Als sie fast auf seiner Höhe war, konnte er unter der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze einen feinen Mund erkennen, welcher sich zu einem Lächeln verzog. Wortlos nickte er ihr zu und war im selben Moment an ihr vorüber.
Zu spät registrierte er die Bewegung in seinem Rücken, als die vermummte Gestalt, kaum dass sie aneinander vorbei waren, blitzschnell umdrehte und etwas aus den Falten ihrer Robe zog. Der schlange Dolch durchdrand das Leder seines Mantels,d ann den Stoff der Tunika und endlich... glitt er an der Schulterplatte seiner Armpanzerung ab. Nicht auf ihre Reaktion wartend, machte er einen Satz zurück, kam dabei aber ungünstig auf und verlor das Gleichgewicht. Die vermummte Gestalt war ebenfalls zurückgewichen, doch sie erkannte ihren Vorteil und versuchte, ihn zu nutzen. Der Sturz rettete wohl Viridians Leben, denn ihr Ausfallangriff mit dem Dolch traf statt seiner Kehle nur noch leere Luft.
Endlich hatte er eines der Schwerter aus der Scheide gezogen, doch ehe er es abwehrend heben konnte, hatte sie schon einen Fuß darauf gestellt.
Gleich darauf spürte er, wie sie sich auf seinen Brustpanzer setzte und ihm die Luft aus den Lungen presste. Ehe er reagieren konnte, traf ihn der Knauf ihres Dolches über dem linken Auge. Seine Sicht verschwamm einen Augenblick und drohte, gänzlich zu schwinden. Mit aller Kraft zwang er sich dazu, bei Bewusstsein zu bleiben und reckt die linke Hand vor, um ihren nächsten Angriff abzuwehren. Tatsächlich schaffte er es, ihre Hand zu umfassen und festzuhalten. Gleichzeitig ließ er das noch immer auf den Boden gedrückte Schwert los und nutzte die nun freie Rechte für einen weiteren Angriff. Die Angreiferin, kurz hatte er ihr Gesicht unter der Kapuze gesehen - lange genug, zu erkennen, dass es eine Frau war, nicht lange genug, um sich Einzelheiten zu merken - indes versuchte, ihre Hand, in der sie den Dolch hielt, zu befreien. Es gelang ihr nur auf Kosten eines der Lederhandschuhe und des Dolches, welche beide in Viridians Besitz blieben. Einen kaum vernehmbaren Fluch zischend, stieß sie sich von dem am Boden liegenden Legionär ab, trat das Schwert beiseite und ergriff die Flucht.
Viridian versuchte, sich aufzurappeln, vergeudete keine Zeit damit, nach dem wegeschlagenen Schwert zu suchen, sondern griff nach der zweiten Waffe an seiner rechten Hüfte. Da wurde aus seiner Befürchtung schreckliche Gewissheit. Der Schmerz kam so plötzlich, dass ihm sprichwörtlich die Luft wegblieb. Er krümmte sich nach vorne und presste die freie linke Hand gegen die heiß tobende Lunge, als könne er sie damit beruhigen. Der Anfall ging so schnell, wie er gekommen war, doch der Unbekannten hatte die Zeit genügt, um sich seiner Verfolgung zu entziehen. Ihm blieb nichts weiter übrig. als nach seinem verlorenen Schwert zu suchen und zur Burg zurückzukehren.
Dort würde er die Wunde versorgen und Bericht erstatten. Dies denkend, fiel sein Blick auf seine Linke Hand, welche noch immer etwas umklammert hielt, ein Stück Leder, einen Handschuh. Aber... er erkannte diese Farbe, dieses Muster, das war doch das Zeichen der Gefährtinnen des Waldes!
Verwirrt torkelte er weiter, fest entschlossen, auch diese Entdeckung in seinen Bericht einfließen zu lassen. Der Burgherr würde wissen, was er mit diesem Wissen anfangen könnte.