Crean Laskelin - Das Schwert danieder, das Wort erhoben
Verfasst: Donnerstag 3. Juli 2008, 22:12
Die Geschichte von Crean Laskelin
Das Schwert danieder, das Wort erhoben
I Ein langer Anfang
(1) Unberührt
Geboren wurde Crean in der kleinen Stadt Lamon im Osten des Reiches in der Grafschaft Falkenau. Sein Vater war Offizier bei der hiesigen Stadtwache, seine Mutter übte sich in der Schneiderei sowie im Großziehen ihrer vier Kinder. So genoss Crean eine nicht einfache, doch unkomplizierte Kindheit, während der er viel Zeit fand, das Leben zu genießen und gemeinsam mit seinen Freunden, den Alten den ein oder anderen Streich zu spielen. Doch plagte ihn schon damals nach jeder kleinen Gemeinheit das schlechte Gewissen.
Als Crean 14 Sommer, und damit alt genug war, folgte er seinem Vater in die Garde. Dort erlebte er seine harte kriegerische Ausbildung und brachte es gar zum Offizier. Schleichend kam mit den Jahren die Korruption in die Stadt. Fühlte sich der junge Recke anfangs noch glücklich, im Dienst der Garde dagegen angehen zu können, musste er alsbald erfahren, dass der grösste Feind von Recht und Ordnung auch auch vor den Gardisten nicht halt machte. Verzweifelt kämpfte er zusammen mit wenigen anderen dagegen an, doch als sein Vater ob seiner Treue und seines Eifers aus dem Dienst entlassen wurde, reichte auch Crean im Alter von 23 seinen Abschied ein. Alle die Jahre aber hatte er nichts anderes gelernt als zu kämpfen und so packte er sein weniges Habe zusammen und machte sich auf, allein seine Waffe für die Gerechtigkeit zu führen.
[img]http://img26.imageshack.us/img26/1913/portrait2v.jpg[/img]
(2) Ein erster Blick gen Himmel
Auf seinem Weg durch die Berge fand er alsbald ein kleines Abgelegenes Kloster der Temora. Mit dem Begehr nach einem Schlafplatz und vielleicht einer warmen Malzeit beschloss er, an das mächtige schwarze Tor zu klopfen. Vier lange Jahre verbrachte er hinter den hohen Mauern. Hier, am Rande der Zivilisation fand er die Werte und Tugenden, für die sein Herz seit seiner Kindheit schlug. Das Kloster beherbergte einen kleinen Orden von Kriegern und Priestern, welcher sich ganz dem Kampf für die Werte Temoras verschrieben hatten. Sollte das Böse einmal über die Welt hereinschwappen, würden sie vorbereitet sein. Die Gläubigen lebten eine Disziplin, welche Crean tief beeindruckte und die Ordensbrüder beschlossen, den jungen Krieger auf seinem rechten Weg zu festigen und ihn in den Tugenden Temoras zu unterweisen.
Vier Jahre später durchschritt er das schwarze Tor ein zweites Mal. Er war dem jenem Orden nicht beigetreten. Bei aller Ehrerbietung und dem Respekt welchen er für die Brüder und Schwestern empfand, wollte er nicht sein Leben lang hinter diesen Mauern leben. Er wollte nicht bis an das Ende seiner Tag auf den großen Kampf warten. Er wollte das das Schlechte jetzt dort bekämpfen, wo es drohte das Licht des wahren Glaubens zu löschen. So beschloss er weiter nach Gerimor zu ziehen. Gerüchte über Krieg, den Fall der Hauptstadt der Grafschaft Hohenfels und die Nachricht über den Tod der Königin waren bis in die Einsamkeit der schneebedeckten Berge vorgedrungen. Drei Monde später ging er im Hafen Bajards an Land.
(3) Der Orden der Temora
Geduldig wartete Crean vor den hohen Mauern. Bald schob jemand von innen das in das Tor eingelassenes hölzernes Fenster auf, und ein von jungen Falten durchzogenes Gesicht tauchte hinter der kleinen Öffnung auf. „Temoras Segen mein Herr,“ sprach der Mann freundlich. „Was ist euer Begehr zu später Stund an den Pforten des Klosters?“ Mit klarem wachen Blick musterte der kleine grauhaarige Ordensmann den Krieger. „Temoras Segen mit euch, Herr. Bitte verzeiht mir mein Stören.“ Der Blick aus seine blassen blauen Auge lagen ruhig auf dem Ordensbruder, dennoch zeugte sein Ausdruck von ehrlicher Ehrerbietung gegenüber dem alten Diener Temoras. „Ich komme mit der Bitte um Hilfe. Ich bin weit und lange gereist um einen Pfad zu finden, der die gütige Göttin zu erfreuen vermag.“ Für einen Augenblick hielt Crean inne und schaute mit klarem Blick gen Himmel. Als er das fortfuhr galt seine Aufmerksamkeit wieder dem Gesprächspartner und in seinen Augen leuchtete Hoffnung. „Man spricht im Volke von einem Orden der Temora. Jener sei Hüter und Bewahrer der Werte und Tugenden die jenen Weg kennzeichnen, welchen ich seit jeher zu finden strebe.“ Ein mildes Lächeln zierte das Antlitz des Ordensbruders, während er den Worten des Kriegers lauschte. Als Crean schwieg, begann er langsam zu nicken. „Den Orden der Temora sucht ihr.“ Nachdenklich sah er ihn an. Sein Blick haftete auf dem Schwert an des Kriegers Seite. „Ich kann euch den Weg zum Orden zeigen.“ Er machte ein Pause ehe er fortfuhr: „Doch hegt keine zu großen Hoffnungen, der Weg in den Orden ist wahrlich nicht jedem gewährt. Einzig wer ehrlich und reinem Herzens ist kommt die Ehre zu teil, ein Teil jener von Temora beschienenen Gemeinschaft zu werden.“ Langsam kehrte das milde Lächeln zurück in das faltige Gesicht des Ordensbruders. „Doch so euer Gesuch aufrichtig war, und ihr bereit seid, Temora auch in den dunkelsten Stunden ein aufrichtiger Diener zu sein, solltet ihr den Weg dorthin nicht scheuen und eure Hoffnungen jenen vortragen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Gute zu vor Hass und Unfrieden zu beschützen.“ Zuversicht erfüllte seine Stimme als er Crean den Weg zum Orden der Temora wies. „Passiert das Nordtor der Stadt und überquert den Unheilsberg am großen Pass bis ihr das Wegkreuz erreicht. Wendet euch gen Norden und folgt der Straße bis an die immergrünen Wälder der Elfen. Dort werdet ihr finden was ihr sucht.“ Freundlich lächelte er Crean zu und führte seine rechte Hand flach zum Herzen „Möge euer Glaube euch auf eurem Weg ein immer scheinendes Licht sein.“ Crean setzte zu einer Antwort an, doch schon ward das kleine Fenster verschlossen. „Danke,“ brachte er noch zu Stande, als die Sonne versank und die Mauern der in der ferne liegenden Stadt in rotes Licht tauchte. Nachdenklich doch zufrieden machte er sich auf den Weg in die Stadt. Schon Morgen früh würde er aufbrechen.
Der Weg über den Pass war beschwerlich. Riesen, so hatte er gehört sollen den Eingang in das Innere des mystischen Berges bewachen. So schrieb er jenen Wesen das Grollen zu, welches von den Felsen des Passes wieder hallte, denn am Himmel ward den ganzen Tag nicht eine einzige Wolke zu sehen. Gegen Nachmittag erreichte Crean das Gasthaus am Wegkreuz. Sein Magen knurrte bereits, und so kehrte er ein. Sollte er die Reise heute fortsetzen? Nein, dachte er sich. Was sollte es nützen heute Nacht vor verschlossenen Toren zu stehen? Er würde am nächsten Tag in der Früh wieder auf den Weg machen.
Unendlich schien sich der Weg Richtung Norden zu erstrecken. Hinter jeder Windung hoffte der Krieger sein Ziel erreicht und leise schwor er sich, sobald wie es ihm möglich war, ein Pferd zu erstehen. Nur wenige Menschen begegneten ihm auf seinem Weg, und je weiter er nach Norden kam, desto seltener Traf er auf einen Reisenden oder einen dahinholpernden Ochsenkarren. Im Osten erstreckte sich dichter Wald, unmöglich weiter als ein paar Schritt hinein zu sehen. Hin und wieder durchdrang das Heulen eines Wolfes die Waldgrenze, oder stieg unter lautem Flügelschlagen und Kreischen ein Vogelschwarm aus den Baumkronen empor. Westlich des Weges hingegen hinderten nur vereinzelt stehende Bäume den Blick über die weiten hügeligen Wiesen und verwilderten Felder. In der Ferne konnte Crean gar eine Herde wilder Pferde ausmachen.
Die Sonne stand schon tief am Himmel, als in der Ferne endlich die hohen Wipfel des immergrünen Waldes aufragten. Das Dickicht zu seiner Rechten wurde dichter und dichter und der Weg mit jeder Meile schmaler. Erleichterung breitete sich in Crean auf und erschöpft blieb er einen Moment stehen, als er in der Ferne, direkt an der Waldgrenze, das kleine Gebäude ausmachen konnte. Am späten Abend erreichte er endlich sein Ziel. Erschöpft ließ er sich an der Mauer hinabsinken, welche das Haus und den kleinen Garten umgab. Gerade war er versucht, die Augen zu schließen, als er plötzlich Schritte vernahm.
Ein Ritter, gerüstet in schimmernde Platten und eine eher zierliche junge Dame mit auffallend weißem Haar traten ihm entgegen. Es Waren Ritter Farion Lefar und die Templerin Sanjana Valeth, wie Crean alsbald erfahren sollte. Nach einer freundlichen Begrüßung, und nachdem er den beiden von seinem Begehr und seiner Suche erzählt hatte, führte man ihn durch den Garten in das Haus. Crean war überwältigt von dem Anblick welcher sich ihm bot. Ein prachtvolles, blau schimmerndes Ankh an der steinerne Wand des Saales fesselte seinen Blick. An einer ebenso steinernen und elegant geschmückten Tafel nahmen sie Platz. Tatsächlich waren die beiden Würdenträger bereit, sich auf ein Gespräch mit dem ihnen fremden Manne einzulassen und ihm seine Fragen zu beantworten. So drehte sich das Gespräch alsbald um die Tugenden, die Hoffnung und Crean ward sich immer sicherer: Dieser Orden war es, welcher ihm ein temoragefälliges Leben, und vor allem Wirken, ermöglichen konnte. So sprach er seinen Wunsch aus und war sich gewiss, dass man ihn mit der ein oder anderen Frage auf die Probe stellte. Bald aber trennte man sich, mit freundlichem Worte und der Ritter und die Templerin versprachen, Creans Wunsch dem Rat des Ordens vorzutragen. Alsbald würde er über das Ergebnis Nachricht erhalten. Das Herz voll Hoffnung und in Gedanken Temora dankend, verließ der Krieger den Orden noch am selben Abend und machte sich auf den weiten Heimweg.
Er reiste die Nacht hindurch, den nebelverhangenen Weg gen Süden. Etwas an seinem Besuch hatte ihm an diesem Abend Kraft gegeben. Ward er der völligen Erschöpfung nahe, als er das Haus des Ordens betrat, so war sein Körper nun durchdrungen von einer unbeschreiblichen Leichtigkeit. Biszum Wegkreuz wanderte er ohne Unterbrechung. Dort kehrte er abermals in dem kleinen Gasthaus an der Kreuzung ein. Nach einem leichten Mal fand er gar noch ausreichend Kraft für eine tiefes und aufrichtiges Gebet. So wand er sich im Stillen an Temora und dankte ihr, für alles was ihm bisher in seinem Leben gegönnt ward und versprach, sein Leben zu leben, wie es Eluive den Menschen einst gewünscht hatte. Er wollte danach streben, ein lichtes Beispiel für jene zu sein, welche in dunklen Stunden Hoffnung suchen, und sie vor denen schützen, deren Seelen Alatar bereits zu fest in seinem Griff hatte. Gleich wie der Orden entscheiden würde - heute, so glaubte er, hatte er seinen Weg betreten.
(4) Das Schwert danieder
[img]http://img527.imageshack.us/img527/7839/zeichnung6bub8.jpg[/img] Spät am Abend saß Crean an seinem Schreibtisch des kleinen, nur spärlich eingerichteten Zimmer der Ordensburg, in dem er Tag für Tag seinen Aufgaben für den Orden nachkahm. Der Krieger hielt sich gerne hier auf. Seine Bücher hatten ordentlich sortiert ihren Platz in einem kleinen Regal und auf dem Tisch vor ihm fand man neben einer Kerze, Federkiel, Tinte und Pergament nur eine kleine, hölzerne Box. In ihr verwahrte er die wenigen wertvollen Dinge die er besaß.
Der Winter war dieses Jahr mit aller Härte über das Land hereingebrochen und hatte die Quelle, die im Sommer erquickend plätschernd unter seinem Fenster aus den Steinen hervorbrach, zu einem tödlich kalten Kunstwerk gefrieren lassen. Schwere Vorhänge hielten Schnee und Kälte draußen und neben dem tropfenden Kerzen spendete ein Kohlebecken dem Mann ein wenig körperliche Wärme. Wie so häufig in letzter Zeit dachte er darüber nach, was der Priester Sandroval vor kurzem zu ihm gesprochen hatte: „Deine Worte sind schärfer als deine Klinge.“ Vorzüglich ließe sich Glaube und Gerechtigkeit predigen, hafte ihnen nur Kraft und Autorität der heiligen Weihe an, so hatte er es Crean, einer Nebensächlichkeit gleich, unterbreitet. Höchstwarscheinlich hatte seine Hochwürden nicht damit gerechnet, dass der Mann, der Jahrelang sein Schwert im Dienst des heiligen Ordens schwang und dessen Aufgabe seit der Priester sich erinnern konnte darin bestand, das körperliche Wohl Unschuldiger zu beschützen, sich mit dem Gedanken anfreunden könne, sein Schwert gegen die Insignien der Priesterschaft zu tauschen.
Doch so war es. Der Frühling zog ins Land, und ließ die Quelle vor Creans Fenster wieder munter sprudeln. Der Entschluss hatte Zeit zu reifen. Hatte er früher seine Gebete mit dem wunderbaren Gefühl inneren Friedens geschlossen, nahm er nun immer häufiger besonders die herzliche Wärme wahr, die sich während seiner Fürbitten selbst in den kühlen Mauern des Kirchenhauses um sein Herz legte. Waren sein Glaube und seine Liebe zu Temora zuvor von Rationalität und dem Hang zur Gerechtigkeit geprägt, war es nun vermehrt die spürbare Nähe und die Emotionalität, die ihn beim Gebet vermehrt zu überwältigen drohte. Der Sommermorgen griff mit rosa-himmlischen Fingern nach den von Tau getränkten Wiesen, als Crean an das hohe Tor des Klosters schlug. Der Entschluss war gefasst. Mit Leib und Seele sollte er Temora gehören.
(5) Ohne den Hemmschuh der Verpflichtung
Die Tür schlug hinter Crean zu. Seine blauen Augen, blasser noch als sie gewöhnlich schimmerten, sahen den steinernen Boden vor sich, als er den sonnendurchfluteten Turm die schmale Treppe hinunterstieg. Niemand außer ihm und dem Paladin wusste, was in dem Zimmer gesprochen wurde – und vermutlich würde es nie jemand erfahren. Er stand im Eingang des Kirchenhauses und drehte sich nocheinmal um. Er atmete Tief ein und aus, sein Blick schweifte durch die Kirche, als wolle er den Eindruck für immer im Geiste konservieren. Dann ging er weiter. Sein Weg führte ihn, am plätschernden lebensspendenden Quell vorbei, in seine kleine Unterkunft. Das Buch auf dem Schreibtisch war noch aufgeschlagen. Er schloss es. Der blaue Ring, der früher so fest am Finger saß, löste sich nun wie von allein und er legte ihn in das kleine Kästchen auf dem Tisch. Er legte seine Kleider ab, die das Siegel des Ordens trugen. Sein letzter Weg in diesen Mauern führte ihn in die Stallung. Er hatte seinen Mustang immer gemocht doch heute war er besonders froh, den treuen Begleiter an seiner Seite zu wissen. Er befestigte sein weniges Hab und gut, dann schwang er sich in den Sattel.
Langsam trabte er durch das offene Tor. Die Sonne schien ihm hell ins Gesicht. Heller den je, so kam es dem Mann der Kirche vor. Und die Worte, die ihm nun in den Sinn kamen, malten ein zufriedenes Lächeln auf die blassen Lippen des Mannes:
Pro lucro tibi pone diem, quicumque sequetur!
Sieh' jeden Tag, der noch kommen wird, als Gewinn an!
Das Schwert danieder, das Wort erhoben
I Ein langer Anfang
(1) Unberührt
Geboren wurde Crean in der kleinen Stadt Lamon im Osten des Reiches in der Grafschaft Falkenau. Sein Vater war Offizier bei der hiesigen Stadtwache, seine Mutter übte sich in der Schneiderei sowie im Großziehen ihrer vier Kinder. So genoss Crean eine nicht einfache, doch unkomplizierte Kindheit, während der er viel Zeit fand, das Leben zu genießen und gemeinsam mit seinen Freunden, den Alten den ein oder anderen Streich zu spielen. Doch plagte ihn schon damals nach jeder kleinen Gemeinheit das schlechte Gewissen.
Als Crean 14 Sommer, und damit alt genug war, folgte er seinem Vater in die Garde. Dort erlebte er seine harte kriegerische Ausbildung und brachte es gar zum Offizier. Schleichend kam mit den Jahren die Korruption in die Stadt. Fühlte sich der junge Recke anfangs noch glücklich, im Dienst der Garde dagegen angehen zu können, musste er alsbald erfahren, dass der grösste Feind von Recht und Ordnung auch auch vor den Gardisten nicht halt machte. Verzweifelt kämpfte er zusammen mit wenigen anderen dagegen an, doch als sein Vater ob seiner Treue und seines Eifers aus dem Dienst entlassen wurde, reichte auch Crean im Alter von 23 seinen Abschied ein. Alle die Jahre aber hatte er nichts anderes gelernt als zu kämpfen und so packte er sein weniges Habe zusammen und machte sich auf, allein seine Waffe für die Gerechtigkeit zu führen.
[img]http://img26.imageshack.us/img26/1913/portrait2v.jpg[/img]
(2) Ein erster Blick gen Himmel
Auf seinem Weg durch die Berge fand er alsbald ein kleines Abgelegenes Kloster der Temora. Mit dem Begehr nach einem Schlafplatz und vielleicht einer warmen Malzeit beschloss er, an das mächtige schwarze Tor zu klopfen. Vier lange Jahre verbrachte er hinter den hohen Mauern. Hier, am Rande der Zivilisation fand er die Werte und Tugenden, für die sein Herz seit seiner Kindheit schlug. Das Kloster beherbergte einen kleinen Orden von Kriegern und Priestern, welcher sich ganz dem Kampf für die Werte Temoras verschrieben hatten. Sollte das Böse einmal über die Welt hereinschwappen, würden sie vorbereitet sein. Die Gläubigen lebten eine Disziplin, welche Crean tief beeindruckte und die Ordensbrüder beschlossen, den jungen Krieger auf seinem rechten Weg zu festigen und ihn in den Tugenden Temoras zu unterweisen.
Vier Jahre später durchschritt er das schwarze Tor ein zweites Mal. Er war dem jenem Orden nicht beigetreten. Bei aller Ehrerbietung und dem Respekt welchen er für die Brüder und Schwestern empfand, wollte er nicht sein Leben lang hinter diesen Mauern leben. Er wollte nicht bis an das Ende seiner Tag auf den großen Kampf warten. Er wollte das das Schlechte jetzt dort bekämpfen, wo es drohte das Licht des wahren Glaubens zu löschen. So beschloss er weiter nach Gerimor zu ziehen. Gerüchte über Krieg, den Fall der Hauptstadt der Grafschaft Hohenfels und die Nachricht über den Tod der Königin waren bis in die Einsamkeit der schneebedeckten Berge vorgedrungen. Drei Monde später ging er im Hafen Bajards an Land.
(3) Der Orden der Temora
Geduldig wartete Crean vor den hohen Mauern. Bald schob jemand von innen das in das Tor eingelassenes hölzernes Fenster auf, und ein von jungen Falten durchzogenes Gesicht tauchte hinter der kleinen Öffnung auf. „Temoras Segen mein Herr,“ sprach der Mann freundlich. „Was ist euer Begehr zu später Stund an den Pforten des Klosters?“ Mit klarem wachen Blick musterte der kleine grauhaarige Ordensmann den Krieger. „Temoras Segen mit euch, Herr. Bitte verzeiht mir mein Stören.“ Der Blick aus seine blassen blauen Auge lagen ruhig auf dem Ordensbruder, dennoch zeugte sein Ausdruck von ehrlicher Ehrerbietung gegenüber dem alten Diener Temoras. „Ich komme mit der Bitte um Hilfe. Ich bin weit und lange gereist um einen Pfad zu finden, der die gütige Göttin zu erfreuen vermag.“ Für einen Augenblick hielt Crean inne und schaute mit klarem Blick gen Himmel. Als er das fortfuhr galt seine Aufmerksamkeit wieder dem Gesprächspartner und in seinen Augen leuchtete Hoffnung. „Man spricht im Volke von einem Orden der Temora. Jener sei Hüter und Bewahrer der Werte und Tugenden die jenen Weg kennzeichnen, welchen ich seit jeher zu finden strebe.“ Ein mildes Lächeln zierte das Antlitz des Ordensbruders, während er den Worten des Kriegers lauschte. Als Crean schwieg, begann er langsam zu nicken. „Den Orden der Temora sucht ihr.“ Nachdenklich sah er ihn an. Sein Blick haftete auf dem Schwert an des Kriegers Seite. „Ich kann euch den Weg zum Orden zeigen.“ Er machte ein Pause ehe er fortfuhr: „Doch hegt keine zu großen Hoffnungen, der Weg in den Orden ist wahrlich nicht jedem gewährt. Einzig wer ehrlich und reinem Herzens ist kommt die Ehre zu teil, ein Teil jener von Temora beschienenen Gemeinschaft zu werden.“ Langsam kehrte das milde Lächeln zurück in das faltige Gesicht des Ordensbruders. „Doch so euer Gesuch aufrichtig war, und ihr bereit seid, Temora auch in den dunkelsten Stunden ein aufrichtiger Diener zu sein, solltet ihr den Weg dorthin nicht scheuen und eure Hoffnungen jenen vortragen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Gute zu vor Hass und Unfrieden zu beschützen.“ Zuversicht erfüllte seine Stimme als er Crean den Weg zum Orden der Temora wies. „Passiert das Nordtor der Stadt und überquert den Unheilsberg am großen Pass bis ihr das Wegkreuz erreicht. Wendet euch gen Norden und folgt der Straße bis an die immergrünen Wälder der Elfen. Dort werdet ihr finden was ihr sucht.“ Freundlich lächelte er Crean zu und führte seine rechte Hand flach zum Herzen „Möge euer Glaube euch auf eurem Weg ein immer scheinendes Licht sein.“ Crean setzte zu einer Antwort an, doch schon ward das kleine Fenster verschlossen. „Danke,“ brachte er noch zu Stande, als die Sonne versank und die Mauern der in der ferne liegenden Stadt in rotes Licht tauchte. Nachdenklich doch zufrieden machte er sich auf den Weg in die Stadt. Schon Morgen früh würde er aufbrechen.
Der Weg über den Pass war beschwerlich. Riesen, so hatte er gehört sollen den Eingang in das Innere des mystischen Berges bewachen. So schrieb er jenen Wesen das Grollen zu, welches von den Felsen des Passes wieder hallte, denn am Himmel ward den ganzen Tag nicht eine einzige Wolke zu sehen. Gegen Nachmittag erreichte Crean das Gasthaus am Wegkreuz. Sein Magen knurrte bereits, und so kehrte er ein. Sollte er die Reise heute fortsetzen? Nein, dachte er sich. Was sollte es nützen heute Nacht vor verschlossenen Toren zu stehen? Er würde am nächsten Tag in der Früh wieder auf den Weg machen.
Unendlich schien sich der Weg Richtung Norden zu erstrecken. Hinter jeder Windung hoffte der Krieger sein Ziel erreicht und leise schwor er sich, sobald wie es ihm möglich war, ein Pferd zu erstehen. Nur wenige Menschen begegneten ihm auf seinem Weg, und je weiter er nach Norden kam, desto seltener Traf er auf einen Reisenden oder einen dahinholpernden Ochsenkarren. Im Osten erstreckte sich dichter Wald, unmöglich weiter als ein paar Schritt hinein zu sehen. Hin und wieder durchdrang das Heulen eines Wolfes die Waldgrenze, oder stieg unter lautem Flügelschlagen und Kreischen ein Vogelschwarm aus den Baumkronen empor. Westlich des Weges hingegen hinderten nur vereinzelt stehende Bäume den Blick über die weiten hügeligen Wiesen und verwilderten Felder. In der Ferne konnte Crean gar eine Herde wilder Pferde ausmachen.
Die Sonne stand schon tief am Himmel, als in der Ferne endlich die hohen Wipfel des immergrünen Waldes aufragten. Das Dickicht zu seiner Rechten wurde dichter und dichter und der Weg mit jeder Meile schmaler. Erleichterung breitete sich in Crean auf und erschöpft blieb er einen Moment stehen, als er in der Ferne, direkt an der Waldgrenze, das kleine Gebäude ausmachen konnte. Am späten Abend erreichte er endlich sein Ziel. Erschöpft ließ er sich an der Mauer hinabsinken, welche das Haus und den kleinen Garten umgab. Gerade war er versucht, die Augen zu schließen, als er plötzlich Schritte vernahm.
Ein Ritter, gerüstet in schimmernde Platten und eine eher zierliche junge Dame mit auffallend weißem Haar traten ihm entgegen. Es Waren Ritter Farion Lefar und die Templerin Sanjana Valeth, wie Crean alsbald erfahren sollte. Nach einer freundlichen Begrüßung, und nachdem er den beiden von seinem Begehr und seiner Suche erzählt hatte, führte man ihn durch den Garten in das Haus. Crean war überwältigt von dem Anblick welcher sich ihm bot. Ein prachtvolles, blau schimmerndes Ankh an der steinerne Wand des Saales fesselte seinen Blick. An einer ebenso steinernen und elegant geschmückten Tafel nahmen sie Platz. Tatsächlich waren die beiden Würdenträger bereit, sich auf ein Gespräch mit dem ihnen fremden Manne einzulassen und ihm seine Fragen zu beantworten. So drehte sich das Gespräch alsbald um die Tugenden, die Hoffnung und Crean ward sich immer sicherer: Dieser Orden war es, welcher ihm ein temoragefälliges Leben, und vor allem Wirken, ermöglichen konnte. So sprach er seinen Wunsch aus und war sich gewiss, dass man ihn mit der ein oder anderen Frage auf die Probe stellte. Bald aber trennte man sich, mit freundlichem Worte und der Ritter und die Templerin versprachen, Creans Wunsch dem Rat des Ordens vorzutragen. Alsbald würde er über das Ergebnis Nachricht erhalten. Das Herz voll Hoffnung und in Gedanken Temora dankend, verließ der Krieger den Orden noch am selben Abend und machte sich auf den weiten Heimweg.
Er reiste die Nacht hindurch, den nebelverhangenen Weg gen Süden. Etwas an seinem Besuch hatte ihm an diesem Abend Kraft gegeben. Ward er der völligen Erschöpfung nahe, als er das Haus des Ordens betrat, so war sein Körper nun durchdrungen von einer unbeschreiblichen Leichtigkeit. Biszum Wegkreuz wanderte er ohne Unterbrechung. Dort kehrte er abermals in dem kleinen Gasthaus an der Kreuzung ein. Nach einem leichten Mal fand er gar noch ausreichend Kraft für eine tiefes und aufrichtiges Gebet. So wand er sich im Stillen an Temora und dankte ihr, für alles was ihm bisher in seinem Leben gegönnt ward und versprach, sein Leben zu leben, wie es Eluive den Menschen einst gewünscht hatte. Er wollte danach streben, ein lichtes Beispiel für jene zu sein, welche in dunklen Stunden Hoffnung suchen, und sie vor denen schützen, deren Seelen Alatar bereits zu fest in seinem Griff hatte. Gleich wie der Orden entscheiden würde - heute, so glaubte er, hatte er seinen Weg betreten.
(4) Das Schwert danieder
[img]http://img527.imageshack.us/img527/7839/zeichnung6bub8.jpg[/img] Spät am Abend saß Crean an seinem Schreibtisch des kleinen, nur spärlich eingerichteten Zimmer der Ordensburg, in dem er Tag für Tag seinen Aufgaben für den Orden nachkahm. Der Krieger hielt sich gerne hier auf. Seine Bücher hatten ordentlich sortiert ihren Platz in einem kleinen Regal und auf dem Tisch vor ihm fand man neben einer Kerze, Federkiel, Tinte und Pergament nur eine kleine, hölzerne Box. In ihr verwahrte er die wenigen wertvollen Dinge die er besaß.
Der Winter war dieses Jahr mit aller Härte über das Land hereingebrochen und hatte die Quelle, die im Sommer erquickend plätschernd unter seinem Fenster aus den Steinen hervorbrach, zu einem tödlich kalten Kunstwerk gefrieren lassen. Schwere Vorhänge hielten Schnee und Kälte draußen und neben dem tropfenden Kerzen spendete ein Kohlebecken dem Mann ein wenig körperliche Wärme. Wie so häufig in letzter Zeit dachte er darüber nach, was der Priester Sandroval vor kurzem zu ihm gesprochen hatte: „Deine Worte sind schärfer als deine Klinge.“ Vorzüglich ließe sich Glaube und Gerechtigkeit predigen, hafte ihnen nur Kraft und Autorität der heiligen Weihe an, so hatte er es Crean, einer Nebensächlichkeit gleich, unterbreitet. Höchstwarscheinlich hatte seine Hochwürden nicht damit gerechnet, dass der Mann, der Jahrelang sein Schwert im Dienst des heiligen Ordens schwang und dessen Aufgabe seit der Priester sich erinnern konnte darin bestand, das körperliche Wohl Unschuldiger zu beschützen, sich mit dem Gedanken anfreunden könne, sein Schwert gegen die Insignien der Priesterschaft zu tauschen.
Doch so war es. Der Frühling zog ins Land, und ließ die Quelle vor Creans Fenster wieder munter sprudeln. Der Entschluss hatte Zeit zu reifen. Hatte er früher seine Gebete mit dem wunderbaren Gefühl inneren Friedens geschlossen, nahm er nun immer häufiger besonders die herzliche Wärme wahr, die sich während seiner Fürbitten selbst in den kühlen Mauern des Kirchenhauses um sein Herz legte. Waren sein Glaube und seine Liebe zu Temora zuvor von Rationalität und dem Hang zur Gerechtigkeit geprägt, war es nun vermehrt die spürbare Nähe und die Emotionalität, die ihn beim Gebet vermehrt zu überwältigen drohte. Der Sommermorgen griff mit rosa-himmlischen Fingern nach den von Tau getränkten Wiesen, als Crean an das hohe Tor des Klosters schlug. Der Entschluss war gefasst. Mit Leib und Seele sollte er Temora gehören.
(5) Ohne den Hemmschuh der Verpflichtung
Die Tür schlug hinter Crean zu. Seine blauen Augen, blasser noch als sie gewöhnlich schimmerten, sahen den steinernen Boden vor sich, als er den sonnendurchfluteten Turm die schmale Treppe hinunterstieg. Niemand außer ihm und dem Paladin wusste, was in dem Zimmer gesprochen wurde – und vermutlich würde es nie jemand erfahren. Er stand im Eingang des Kirchenhauses und drehte sich nocheinmal um. Er atmete Tief ein und aus, sein Blick schweifte durch die Kirche, als wolle er den Eindruck für immer im Geiste konservieren. Dann ging er weiter. Sein Weg führte ihn, am plätschernden lebensspendenden Quell vorbei, in seine kleine Unterkunft. Das Buch auf dem Schreibtisch war noch aufgeschlagen. Er schloss es. Der blaue Ring, der früher so fest am Finger saß, löste sich nun wie von allein und er legte ihn in das kleine Kästchen auf dem Tisch. Er legte seine Kleider ab, die das Siegel des Ordens trugen. Sein letzter Weg in diesen Mauern führte ihn in die Stallung. Er hatte seinen Mustang immer gemocht doch heute war er besonders froh, den treuen Begleiter an seiner Seite zu wissen. Er befestigte sein weniges Hab und gut, dann schwang er sich in den Sattel.
Langsam trabte er durch das offene Tor. Die Sonne schien ihm hell ins Gesicht. Heller den je, so kam es dem Mann der Kirche vor. Und die Worte, die ihm nun in den Sinn kamen, malten ein zufriedenes Lächeln auf die blassen Lippen des Mannes:
Pro lucro tibi pone diem, quicumque sequetur!
Sieh' jeden Tag, der noch kommen wird, als Gewinn an!