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Die Dienerin und die junge Adelige

Verfasst: Donnerstag 3. Juli 2008, 15:58
von Viola Ser´Rhal
Das Leben konnte schon die unterschiedlichsten Wendungen annehmen, und wenn man es nüchtern betrachtete, so zeigte das Leben gerade in Hinsicht auf diese Wendungen gerne einmal eine gehörige Portion Humor. Viola betrachtete sich im Spiegel und was sie dort sah, war nicht mehr das junge Mädchen dass inmitten eines Clans von Tiefländern aufgewachsen war und in den Tag hineinlebte, nein vor ihr stand eine junge Frau di endlich das gefunden hatte, was sie schon seit langer Zeit suchte; einen Weg, eine Zukunft, so etwas wie eine Bestimmung.

Hätte man ihr vor einem Jahr noch gesagt sie selbst würde eines Tages für eine Adelige arbeiten, sich selbst Schreiberin und persönliche Dienerin nennen und unter den Launen einer jungen Adeligen leben, sie hätte diese Person gefragt ob sie betrunken wäre, sie veralbern wolle oder Streit suche, und sicher wäre alles irgendwie in einem Gerangel untergegangen. Aber nun war nicht mehr damals, nun war jetzt und jetzt war sie Viola Ser’Rhal, Schreiberin ihrer Hochgeboren Jasmin von Duran. Angefangen hatte dies alles mit einem Gespräch, mit ein wenig Amüsement über die junge angehende Hochgeborene die sie damals mit einer Schankmaid verwechselt hatte und die von ihr verlangte sie solle sie doch bedienen. Aus diesem kleinen Irrtum Seitens Jasmin war soetwas wie eine, wenn man es so bezeichnen wollte, Freundschaft und letztendlich auch eine Arbeit geworden. Anfangs hatte Viola nur mit ihr gesprochen, hatte sich immer ein aufkommendes Grinsen verkniffen wenn die jüngere Jasmin so sprach und bereits so tat als ob sie seit Jahrzehnten einen Adelsrang inne hatte, aber da war noch letztendlich etwas anderes. Vielleicht war es der Fakt, dass sie jünger war als Viola, vielleicht wars Sympathie, vielleicht ihre Art dass sie trotz ihrer hochgestochenen Art immer auf einer gewissen Ebene nahe und verbunden blieb, Unsicherheiten zeigte und auch wie ein Mensch wirkte, bis heute konnte Viola das nicht wirklich sagen. Der Fakt blieb, die angehende junge Adelige hatte Sympathie in Viola geweckt und sie trafen sich immer wieder, manchmal zufällig, manchmal suchte Viola zielsicher nach ihr und sie öffnete sich Jasmin auch immer mehr und dann brachte sie jenen einen Punkt zur Sprache der ihr schon länger auf dem Herzen lag.

Seit jener Nacht in der sie von der Ritterin Sharay Lessard beinahe getötet worden war, in jener Nacht in welcher ein Schwert durch ihre Brust gestoßen wurde, in jener Nacht als sie dem Tod in sein Antlitz gestarrt hatte, wollte sie endlich etwas für sich tun, etwas für ihre Zukunft und nicht nur auf einem Pfad wandern der immer ungewiss bleiben würde. Vielleicht war es die Tatsache dass sie älter wurde, dass sie erwachsener geworden war und dass sie aus all den vergangenen Jahren endlich ihre Lehren zu ziehen begann, aber sie wollte sich ihre Zukunft sichern und dafür brauchte es zwei Dinge; einen Neuanfang und Arbeit.
Ersteres ließ sich schneller bewerkstelligen als sie sich erhofft hatte. Ihr ehemals Geliebter Kimroth gab sie den Laufpass, ein Ruberhauptmann, ganz gleich wie sehr sie ihn doch liebte, passte einfach nicht in ihre Zukunft und dieses eine mal würde sie ausschließlich nur an sich denken, vollkommen gleich wie er sich dabei fühlen würde. Der nächste Schritt war schwerer zu erreichen, so dachte sie jedenfalls, aber nun, als sie an jenem Abend gegenüber von Jasmin saß und ihr all dies erzählte, da war der Anfang zu dieser sicheren Zukunft bereits gesetzt. Wie auch immer, Viola schien ebenso einen bleibenden Eindruck bei der angehenden Hochfrau hinterlassen zu haben, den Jasmin bot ihr eine Anstellung an, als ihre persönliche Dienerin und Schreiberin und als sie endlich die Gewissheit hatte, dass die Blaublütigkeit bestätigt war, war Viola auch schon angestellt.

Die nächste Zeit bestand für sie vor allem aus einem; für Jasmin da sein. Ganz gleich ob das Suchen einer Magd, das Aufsetzen diverser Schreiben oder das Bringen von Speis und Trank, Viola hatte für das Wohl Jasmins zu sorgen und sie gab sich dieser Aufgabe mit voller Hingabe hin, auch wenn es sie Anfangs selbst überraschte. Doch vielleicht war das auch ein Teil von ihr der Erwachen wurde, der Teil der nicht mehr in Höhlensysteme steigen wollte um dort sein Leben zu riskieren, der Teil in ihr, der einfach nur wissen wollte, dass sie ein langes und schönes Leben haben würde und wenn sie ehrlich war; ihr Leben als Dienerin einer Adligen in ihrem Alter zu verbringen gefiel ihr doch besser als sie es sich je erhofft hätte…